Handygeklingel im Konzertsaal - ignorieren oder pausieren

  • Hallo Taminos,


    gestern war Christian Zacharias mit Copland, Haydn und Ravel im Göteborger Konzerthuset. Während einer fantastisch ausgespielten
    Solostelle in Haydns Klavierkonzert passiert der Supergau - eine Handy in den ersten Reihen klingelt laut auf. Der Pianist hört mitten
    im Werk auf zu spielen mit der Bitte "Don't answer! Let it ring!" bevor er in gleicher Qualität wieder in das Musikwerk eintaucht.
    Ein entsprechendes Video wurde vom GSO herausgegeben.



    Was, liebe Taminos haltet ihr davon? Im Internet gibts schon eine Diskussion die sein
    Verhalten durchaus kontrovers sieht - Respekt vor dem Werk steht gegenüber Professionalität. Was meint ihr dazu?
    Ich fand es jedenfalls gut, dass er aufgehört hat. Ich bin auf Eure Meinungen gespannt.


    Grüße
    Christian

  • Handygeklingel gehört inzwischen genauso zur menschlichen Physis wie Reizhusten.


    Eben. Was ist das Problem? Die Lösung: Nicht mehr aus dem Haus gehen! Und nicht mehr ins Konzert. Wir müssen uns damit abfinden.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Eine grandios professionelle Reaktion. Aber wohl auch eine, die wahrscheinlich 99 von 100 Künstlern verständlicherweise nicht zu zeigen im Stande gewesen wären. Dieses Konzert kenne ich sehr gut, habe es selbst auch mehrfach aufgeführt, und diese Stelle ist eine der berührendsten und schönsten, vor allem wenn sie auch noch so interpretiert wird wie von Christian Zacharias. Umso ärgerlicher, wenn gerade in diesem Moment ein bescheuertes Handy klingeln muss. Der Allzeit-Erreichbarkeitswahn wurde dank der überragenden Contenance des Pianisten hier endlich mal richtig auf die Schippe genommen. Ich finde das prima.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Dann mach doch einen Vorschlag, was Du dagegen machen willst. Taschenkontrollen? Platzverweise? Mich nerven Handy auch. Mit Dingen, die man nicht ändern kann, muss man sich abfinden.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Ich wundere mich über den hier von einigen zur Schau getragenen Fatalismus. Ich neige zur gegenteiligen Reaktion. Leider saß noch nie einer dieser Vollidioten (oder Vollidiotinnen), dessen (oder deren) Handy im Konzert klingelte, in meiner Reichweite. Mindestens einen vernichtenden Anschiss mit voller Verachtung gäb's in jedem Fall.
    Man muss sich definitiv nicht daran gewöhnen, dass diese Dinger immer und überall klingeln. Das Ausschalten muss man auch in sein eigenes Verhaltensrepertoire integrieren können.


    Grüße
    Garaguly

  • Dann mach doch einen Vorschlag, was Du dagegen machen willst.


    Im Theater Liberec, inzwischen nun schon mehrfach erlebt, werden die Zuschauer kurz vor Vorstellungsbeginn über Lautsprecher in tschechisch und in deutsch (!!!) begrüßt und willkommen geheißen. Gleichzeitig wird auch darauf hingewiesen, daß es nicht gestattet ist zu filmen oder zu fotografieren und Handys sind auszuschalten!
    Wenn wir morgen das Glück haben Karten zur Premiere zu bekommen, werden wir das wieder hören.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Die Lösung sehe aus meiner Perspektive, wenn ich der Pianist an diesem Abend gewesen wäre, ganz einfach aus.
    Entweder der Herr mit seinem klingelnden Handy verläßt den Saal oder ich.
    Das Publikum und der Herr hätten 10 Minuten Zeit gehabt um mir die Entscheidung dann in meinem Künstlerzimmer mitteilen zu lassen.

  • Dieses Konzert kenne ich sehr gut, habe es selbst auch mehrfach aufgeführt, und diese Stelle ist eine der berührendsten und schönsten, vor allem wenn sie auch noch so interpretiert wird wie von Christian Zacharias.


    Ehrlich gesagt, ich glaube Haydn hätte es mit Humor genommen. Klar stört Handygeläute, aber heutzutage hat nun einmal jeder ein Handy, und dass ein Besucher vergisst das Ding auszuschalten ist nicht selten. Ein Drittel der Konzertbesucher kann ja nicht einmal ohne Hilfe den Sitzplatz finden... ;)

  • und dass ein Besucher vergisst das Ding auszuschalten ist nicht selten.


    und deshalb...

    werden die Zuschauer kurz vor Vorstellungsbeginn über Lautsprecher in tschechisch und in deutsch (!!!) begrüßt und willkommen geheißen. Gleichzeitig wird auch darauf hingewiesen, daß es nicht gestattet ist zu filmen oder zu fotografieren und Handys sind auszuschalten!


    Diesen Hinweis finde ich gut.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

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  • Ich finde man kann hier kein Urteil abgeben, das ist eine Frage der Mentalität des Künstlers. Ich gehe davon aus, daß jeder Konzertbesucher weiß, daß es eine Unart (welch altmodisches Wort) darstellt mit aktiviertem Handy den Saal zu betreten:
    JEDOCH : bei 1200 oder 1500 Zuhörern ist es statistisch gesehen sehr wahrscheinlich, daß irgendjemand vergessen hat abzuschalten, oder den falschen Knopf gedrückt hat oder oder oder....Persönlich glaube ich, daß ignorieren der weniger aufwändige Weg gewesen wäre, aber wenn Herr Zacharias das anders sieht kann ich auch damit leben......


    mfg aus Wien
    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Das deutlich vernehmbare klingeln lassen eines Handys (wozu gibt es die Stummschaltaste, die bei mir übrigens grundsätzlich aktiviert ist und dennoch bekomme ich in 9 von 10 Fällen mit wenn mein Telephon klingelt ) ist genauso ein Zeichen von bodenloser Ignoranz anderen gegenüber wie laute oder wenige laute Gespräche während eines Konzertes zu führen oder mit dem wühlen in der Handtasche erst dann zu beginnen, wenn das Licht erloschen und das Konzert begonnen hat.
    Eine Kollegin von mir wußte zum Beispiel, das sie während Konzertveranstalltung grundsätzlich was zum Lutschen brauchte, also hat sie ihre Bonbons, die sie dann zu sich nehmen mußte, bereits im Vorfelde zu Hause ausgewickelt und in eine raschelfreie Tüte gelegt.
    Wie man sieht geht es auch anders, man muß nicht immer dafür sorgen, das man selber während eines Konzertes anstelle des auftretenden Künstlers im Mittelpunkt steht.

  • sich damit abfinden??


    darf ich doch erwähnen, dass das Auswendigspiel eines Solisten eine Konzentrationsleistung darstellt.
    mich würde es nicht wundern, wenn man - derart aus der Meditation gerissen - auch mal den Faden verliert als Künstler und bei der Partitur des Dirigenten nachsehen muss.


    ich dachte, auch für das Publikum wäre ein ungetrübter Kunstgenuss ein hoher emotionaler Wert...


    die Lösung von Sven :hello: scheint mir auch die naheliegendste


    wie wäre die Situation, wenn das Handy eines Orchestermusikers klingeln würde?


    weiters: warum haben wir uns wirklich damit abgefunden, in jeder Situation gestört werden zu können.
    (mein Handy ist ebenfalls ständig stummgeschaltet... bei Proben ist es eine grobe Unart, und beim Üben will ich mich nicht ablenken lassen... und: Nein, die Met und die Scala rufen nicht an 8-) )

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Die von Sven Godenrath und Tastenwolf bevorzugte Vorgehensweise (in das Künstlerzimmer gehen und dem Publikum ein Ultimatium stellen) mag in der deutschen Rumbrüll-, bzw. der österreichischen Maulhaltegesellschaft, einen gewissen Erfolg bringen, in Schweden mit seiner egalitären Konsensgesellschaft wäre so ein Vorgehen absolut fatal. Man hätte Zacharias schlichtweg an die frische Luft befördert. Ich würde Tastenwolf auch davon abraten, ähnliches in der Schweiz zu probieren.


    Ich selbst bin kein Musiker sondern Wissenschaftler, aber auch während eines wissenschaftlichen Vortrags kann es passieren, dass störende Geräusche erklingen. Ein Professionist schmeißt da nicht die Nerven weg - außer er MÖCHTE es.

  • Ich finde dieses Handygeklingel im Konzertsaal eine Zumutung. Den Leuten könnte ich den Kopf abschlagen wie auch diesen vollgeschminkten Omas in der Oper mit ihrem knisternden Bonbonpapier. Ist es wirklich zuviel verlangt, einen Abend mal das blöde Handy zuhause zu lassen oder es zumindest abzuschalten? Wenn man im Flugzeug fliegt, wird das auch verlangt und man tut es.


    Schöne Grüße
    Holger

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  • Ich finde dieses Handygeklingel im Konzertsaal eine Zumutung. Den Leuten könnte ich den Kopf abschlagen wie auch diesen vollgeschminkten Omas in der Oper mit ihrem knisternden Bonbonpapier. Ist es wirklich zuviel verlangt, einen Abend mal das blöde Handy zuhause zu lassen oder es zumindest abzuschalten? Wenn man im Flugzeug fliegt, wird das auch verlangt und man tut es.


    Schöne Grüße
    Holger


    Lieber Holger,


    Thema dieses Threads ist nicht "Handygeklingel im Konzertsaal - ja oder nein?", sondern "Handygeklingel im Konzertsaal - ignorieren oder pausieren?" ;)

  • Ich sehe das so wie Alfred. Außerdem sind die Ansagen, man solle die Dinger abschalten, inzwischen so gewohnt, dass man trotzdem vergessen kann, das Ding auszuschalten. Da ich sehr selten Mobiltelefone verwende, bin ich manchmal der Überzeugung, kein eingeschaltetes dabei zu haben, und dann merke ich, dass das ein Irrtum war.


    Wie reagiert man am besten auf schnarchende Konzertbesucher?

  • Handygeklingel gehört inzwischen genauso zur menschlichen Physis wie Reizhusten.


    Das denke ich nicht. Reizhusten ist eine manchmal leider nicht vermeidbare Lebensäußerung.


    Telefongeklingel im Konzertsaal ist in 100% aller Fälle vermeidbar und stellt eine große Respektlosigkeit gegenüber Künstler, Werk und dem Rest des Publikums dar. Daß die in den meisten Fällen mehr auf Sorglosigkeit denn auf Boshaftigkeit beruhen dürfte, macht die Sache nach meinem Dafürhalten nicht wirklich besser.


    Insofern hielte ich eine Unterbrechung von Seiten des Künstlers für eine durchaus angemessene Reaktion.

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  • Und da wir vom Handygeklingel auf weitere Störfaktoren gekommen sind, als da wären "Husten, Bonbon geräuschvoll auspacken, Schnarchen, mit dem Nachbarn quatschen..., möchte ich aus leider eigenem Erleben noch bemerken, man sollte auch tunlichst vermeiden, sich mit einer "Knoblauchfahne" unter die Menschheit zu begeben!!! Aber da der Verzehr von diesem übelst ekelhaft stinkenden Zeugs wahrscheinlich in einigen Gegenden üblich und normal ist, ist man ja unter sich und keiner stört sich dran, außer mir. D.h., meinem Freund geht es genauso.
    Deshalb sagen wir mal so, sollten wir für heute abend Karten bekommen, würde ich mich mehr wundern und erstaunt sein, wenn jemand neben mir säße, der nicht nach Knoblauch riecht.
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Ich selbst bin kein Musiker sondern Wissenschaftler, aber auch während eines wissenschaftlichen Vortrags kann es passieren, dass störende Geräusche erklingen. Ein Professionist schmeißt da nicht die Nerven weg - außer er MÖCHTE es.


    aber es ist auch bei freier Rede durchaus denkbar, kurzfristig aus dem Konzept zu kommen... den Faden zu verlieren


    gibt es nicht verschiedene Formen von Konzentration?:
    körperliche: die Konzentration eines Seiltänzers...eines Hubschrauberpiloten bei Schlechtwetter... eines Kranführers beim Bewegen tonnenschwerer Ladungen...
    vorwiegend rationale: das Ausfüllen bzw. Notieren der neuen 20stelligen IBAN Codes
    und vorwiegend emotionale: dazu zählen feierliche Momente (Gottesdienste, Hochzeiten...) oder meditative (Yogastunde...)


    und natürlich Kombinationen dieser Formen: Mikrochirurgie... das Musizieren würde ich ebenfalls als kombinierte Konzentration bezeichnen...
    rational wäre vielleicht das Schreiben eines diktierten Textes ... im Vergleich zum Klavierspiel.
    @Felix: wo du deine Vorträge einordnest, ist dir überlassen...


    in allen Fällen ist bei Störung der Konzentration mit spontanen Fehlleistungen zu rechnen... nur haben diese Fehler unterschiedliche Auswirkung.
    klar, dass das Herausgerissenwerden aus einer (emotionalen) Stimmung nicht denselben Stellenwert hat wie ein falsche notierte Kontonummer.
    nur ist es für den Musiker manchmal mehr als nur ein Abspielen gelernter Töne...
    Aber bei einer Operation mit lokaler Betäubung würden wir uns über ein Handyklingeln im OP doch recht wundern...


    insgesamt finde ich diese Interpretation, was professionelles Verhalten ist und was nicht, ziemlich bedenklich.


    darf ich als Vergleich noch das Aufstellen von Dominosteinen zu einem Weltrekordversuch (der bisherige liegt bei 4.345.027 Steinen) anbieten?
    ab einer gewissen Anzahl der Steine steigt die Konzentration rapide an, eine Fehlleistung kann stundenlange Arbeit zunichtemachen. Vermutlich werden in einem solchen Fall enorme Aggressionen frei.

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Die Omnipräsenz des Handygeklingels empfinde ich zwar selbst als extrem störend, aber die Heftigkeit einiger Äußerungen überrascht mich dann schon. Es ist einfach eine Frage der Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Dinger klingelt, v.a. wenn man häufiger Konzerte besucht. Für mich ist das Ausschalten eine Selbstverständlichkeit und auch meine Partnerin erinnere ich daran, aber es reicht ja schon, wenn ein Handy klingelt (und natürlich treten solche Störungen immer an den besten Stellen auf, das bemerkte ja schon E.T.A. Hoffmann). Vielleicht ist da jemand in Eile, hat gerade noch vor Vorstellungsbeginn seinen Platz eingenommen und holt schnaufend erleichtert Luft - da vergisst man die elektronische Fußfessel. Ich will das keinesfalls entschuldigen oder rechtfertigen, aber - wie gesagt - es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit.


    Einige der bisherigen Beiträge legen ein bißchen die unausgesprochene Vermutung nahe, derartige Vorfälle gingen auf das Konto rücksichtsloser Kulturbanausen, die aus Erreichbarkeitszwängen jegliche Rücksicht fehlen lassen. Ich würde aber eher das Gegenteil annehmen: Die arme S*u, deren Handy während des Konzertes bimmelt. Ein Moment der Scham, sicher will man im Erdboden versinken. Der Hass und die Verachtung eines ganzen Saals sind einem gewiss. Drakonische Maßnahmen wie Beschimpfungen oder Platzverweise halte ich in solchen Fällen für überzogen. Das Pausieren der Ausführenden verstärkt das unangenehme Moment für den Störenden zusätzlich, macht Schlagzeilen und ruft die Problematik als solche ins Gedächtnis. Alle Anwesenden werden vermutlich zukünftig mehr Sorgfalt auf Stummschaltung und dergleichen legen.


    Ob nun aber pausiert oder ignoriert wird, muss letztlich der Ausführende für sich entscheiden. Will man aber derartiges verhindern, dann ist es wie man allen Dingen: Man sollte sich nicht auf andere verlassen, sondern selbst etwas unternehmen. Konkret heißt das für die veranstaltenden Häuser: Handystörsender in die Konzertsäle.

    "Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

  • Einige der bisherigen Beiträge legen ein bißchen die unausgesprochene Vermutung nahe, derartige Vorfälle gingen auf das Konto rücksichtsloser Kulturbanausen, die aus Erreichbarkeitszwängen jegliche Rücksicht fehlen lassen.


    ich kann die Vermutung auch gerne aussprechen.... das sind für mich rücksichtslose Kulturbanausen...
    Lediglich den seltene Fall, in dem z.B: einem Herzkranken mitgeteilt wird, dass ein Spenderorgan verfügbar ist, lasse ich als Notwendigkeit gelten.
    ein Chauffeur eines Schulbusses ist vielleicht abgebrüht gegenüber allen unvorhergesehenen Geräuschen, er muss mit Ablenkungen rechnen, das ist sein Beruf.... will man ähnliches vom Solisten eines Konzertes erwarten?


    in öffentlichen Verkehrsmittel findet sich oft der Hinweis, man soll nicht mit dem Fahrer während der Fahrt sprechen. Auch hier geht es um die Unterbrechung einer Konzentrationsleistung, schon der Bruchteil einer Sekunde kann im Strassenverkehr schlimme Folgen haben.
    Und von aussergewöhnlichen Vorkommnissen im Cockpit eines Flugzeugs liest man auch manchmal... ein Flugpassagier wünscht sich volle Konzentration seines Piloten, oder?
    die Unterbrechung eines Konzerts durch ein Handy ist zweifellos ungefährlich...


    was mich betrifft, ich warte, bevor ich zu öffentlich zu spielen beginne, immer solange, bis das Publikum mucksmäuschenstill ist...
    Soviel Respekt vor meiner Leistung erwarte ich mir einfach.
    ob ich bei einem klingelnden Handy unterbreche, kann ich im Vorhinein nicht sagen... einen bösen Blick gibts auf alle Fälle.
    Als Korrepetitor bin ich in der Probenarbeit auf alle Ablenkungen gefasst, aber die Konzertsituation ist etwas anderes.


    die Einrichtung von Störsendern oder Materialien, die den Funkverkehr unmöglich machen, ist in meinem Sinne :hello:

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Die Moderaton ersucht submissest das Thema Husten hier nicht zu erörtern - zum einen , weil es hier eigentlich OT ist (Es sei denn ein Handy verfügt über einen Signalton in Form eines Husten-Signals) zum andern weil das Thema bereits in Form eines hochprofessionellen Threads in Forum existiert - und zwar seit 21. Juli 2005 0:25 Uhr. Über Jahre hinweg - der bislang letzte Eintrag stammt vom 19. November 2010 18;59 Uhr - haben in 189 Beiträgen die jeweil besten Experten ihrer Zeit zu diesem Thema Stellung bezogen, es wurde über Reizhusten, Keuchhusten,trockenen Husten, verschleimten Husten, Husten bei Verkühlungen und nervösen Husten referiert und zahlreiche Verhütungs - Unterdrückungs und Ablenkungsstrategien erörtert. Auch das Thema Hustenzuckerln* (raschelfreies Papier ist Grundvoraussetzung) wurde in seinem gesamten Spektrum erfasst, von Eukalyptuszuckerln über Mentol- und Biomentholzuckerln, Eibischwurzelpastillen, Malzzuckerln, Brustkaramellen und neuartige Schweizer Kräuterzuckerln. Hustensäfte modernster Art und bewährte Hausmittel auf Kräuter- oder Opiumbasis. Auch psychische Auswirkungen eines hustenden Publikums auf die Psyche der Künstler und der Billeteure wurden thematisiert und runden diesen wichtigen Themenkomplex auf das Vortrefflichste ab. Leider gab es gegen Ende des Threads eine Themenverfehlung - man diskutierte über das Thema Zwischenapplaus -was dann das Hauptthema zum Erliegen brachte....
    Dennoch - dieser Thread ist wohl die umfassenste Abhandlung - um nicht zu sagen Enzyklopädie - zum Thema Husten im Konzert die das Internet zu bieten hat - ein Prestigeobjekt des Tamino Klassikforums welches seinen guten Ruf quer durch die Zeiten zu recht bewahrt hat.....
    Es wäre eine unverzeihliche Kränkung für alle die hier unermüdlich Fakten gesammelt haben den Thread durch einen anderen in seiner Bedeutung in Frage zu stellen......


    das allerallerallerschlimmste: husten im konzert


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred Schmidt
    Tamino Klassikforum

    *)die Mehrzahl von Hustenzuckerl heisst natürlich auch Hustenzuckerl - aber in Wien sagt man seit Menschengedenken standhaft Hustenzuckerln

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



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  • ganz nebenbei, als Beweis, wie wenig das Handyproblem den Benutzern bewusst ist... folgender Orf.at Beitrag http://orf.at/stories/2203763/2203764/

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Was, liebe Taminos haltet ihr davon? Im Internet gibts schon eine Diskussion die sein
    Verhalten durchaus kontrovers sieht - Respekt vor dem Werk steht gegenüber Professionalität.


    Tatsächlich erschließt sich mir nicht, warum man über Zacharias Verhalten "kontrovers" diskutieren sollte? - Immerhin ist es seine Arbeit, die dort gestört wurde! Und dafür hat er sich trotzdem angemessen und geradezu höflich Verhalten. Auch seine Stellungnahme im Interview ist absolut vernünftig. Insofern sollte man es m.E. so sehen, dass er Professionalität und Respekt vor dem Werk gezeigt hat. - Was jedoch überhaupt nicht kontrovers, sondern ziemlich eindeutig zu sehen ist: Handy aus!

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.


  • Ich denke es gibt nur eine Art der Konzentration, egal, was man macht. Weiters glaube ich, dass gerade Solisten und Chirurgen eine ganz besonders gute Konzentrationsfähigkeit haben und dass es deshalb noch unwahrscheinlicher ist, dass sie sich durch ein klingelndes Telefon vollkommen aus der Bahn werfen lassen. Aus eigener Erfahrung (ja, auch ein wissenschaftlicher Vortrag über ein kontroversielles Thema vor - teilweise - feindseligen Experten braucht Konzentration!) traue ich mich zu sagen, dass man desto weniger merkt, was um einen herum überhaupt geschieht, je anspruchsvoller die Aufgabe ist. Das Zufallen von Saaltüren u.ä. (viel häufiger als Handy!) bemerke ich immer nur dann, wenn ich relativ entspannt vortrage. So ging es wohl auch Zacharias, der als Weltklassepianist das Haydnkonzert im Schlaf aus dem Ärmel schüttelt. Es hat ihn halt geärgert. Ich verstehe das schon, und Zacharias' Rekation fand ich auch in Ordnung, aber irgendwelche Bestrafungsphantasien halte ich für völlig abwegig. Wo es viele Menschen gibt, da menschelt es halt. Wenn man das nicht erträgt, muss man sich auf das Studio beschränken.
    Was mir zu denken gibt, ist, dass die Menschen der heutigen Zeit immer solipsistischer werden und auf "Störungen" von außen zunehmend neurotisch reagieren. Haydn selbst hätte von solchen Bedingungen im Konzertsaal wie heute jedenfalls nur träumen können (wir kennen die Geschichte von der Symphonie mit dem Paukenschlag... ;) ).

  • Was mir zu denken gibt, ist, dass die Menschen der heutigen Zeit immer solipsistischer werden und auf "Störungen" von außen zunehmend neurotisch reagieren. Haydn selbst hätte von solchen Bedingungen im Konzertsaal wie heute jedenfalls nur träumen können (wir kennen die Geschichte von der Symphonie mit dem Paukenschlag.


    In vielen Statements hier schwingt mir zu viel Verständnis für den Störenden mit. Solipsistische Verhaltensweisen lassen sich doch vielmehr bei denjenigen nachweisen, die es sich nicht merken können (oder wollen), dass sie das Handy auszuschalten/stummzustellen haben, um jedwede Störung anderer von vorneherein auszuschließen. Egoistisch um sich selbst kreisend verhält sich nicht jener, der Ruhe im Saal wünscht, sondern derjenige, der diesem Wunsch der übergroßen Mehrheit des Saalpublikums nicht nachkommt. Hier ist - auch wenn's in manchen Ohren so verdammt unmodern klingt - Einordnung in eine Gemeinschaft (von mir aus auch Unterordnung unter bestimmte Verhaltenskonventionen) verlangt. Und diese Unterordnung ist kein autoritärer Selbstzweck, sondern sie dient dazu, den Grund, weswegen alle an diesem Ort zusammengekommen sind, für möglichst alle zu einem Erlebnis zu machen, das wenigstens frei von äußeren Störungen verläuft. Innere Störungen (wie mangelnde Konzentration, Kopfschmerzen, nervöse Unruhe etc.) haben zu verbleiben, wo sie herstammen: nämlich im Inneren des Menschen, der von ihnen geplagt wird und dürfen nicht nach außen getragen werden.


    Eine geschickte Variante ist es sowieso das Handy in der Innentasche des Mantels/der Jacke zu belassen, wenn diese an der Garderobe abgegeben wird. Aber auch dort gilt: vorher stummstellen, denn den Garderobieren kann es kaum zugemutet werden, dass sie über die Dauer eines Konzertes mit Gebimmel aus aller Herren oder Damen Textilien gequält werden.


    Oder man halte es wie ich: zu Hause lassen, wenn es möglich ist. Wenn ich gegen 19 Uhr zum Konzertabend aufbreche, dann ist in der Regel alles gesagt, was ich noch irgend jemandem an diesem Tag unbedingt mitgeteilt haben wollte. Alles andere kann bis zum kommenden Tag warten.


    Grüße
    Garaguly

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