Meine Lieblingsprimadonna - Sopran im italienischen Fach

  • In der Vergangeheit gabe es zu allen Themen Votings - unter anderem auch über Sopranisteinnen. Nach anfänglicher Begeisterung stellte sich ein gewisser Überdruss ein und an den Threads wurden seltener teilgenommen. Es wurde immer wieder beanstandet, daß hier "Name-Dropping " betrieben würde, ein Vorwurf, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist, aber andrerseits Foren-Neueinsteigern ein optimales Umfeld bietet sich ins Forum und einige seiner Themen einzuarbeiten.


    Mit diesem Thread startet in gewisser Weise eine Neuflage der Sängerinen Threads, allerdings mit gewissen Modifikationen.
    Es werden hier Sängerinnen gesucht, die ein der Callas (sie hat mich zu diesem Thread angeregt) ähnliches Rollenrepertoire haben oder hatten, wobei das nicht sklavisch zu sehen ist. Grob gesagt Belcanto- Verdi- Verismo.
    Und nun kommen wir zu den Feinheiten. Es geht nicht um "die beste" Sängerin", sondern jene die dem jeweiligen Beitragsverfasser am nähesten steht. Er soll und also seine Lieblingssängerin vorstellen und SUBJEKTIV begründer, warum er gerade sie ausgewählt hat.
    Um einem Aufschrei zu begegenen hat jedes Tamino.-Mitglied DREI Sängerinnen frei - die allerdings GETRRENNT in Beiträgen behandelt werden sollen - idealerweise mit ein oder zwei CD Empfehlungen oder/und einem Youtube Videclip (optional- nicht verpflichtend)


    Ich hatte den Eindruck, daß dieses Thema in der von mir gewählten Form bei der derzeitigen Tamino.Crew auf Interesse stösst.
    Es genügt übrigens EINE Sängerinn vorzustrllrn - alles andere ist optional....


    mfg aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Mirella Freni

    Weshalb ist sie für mich eine "grande primadonna assoluta"?
    Es ist nicht nur ihre unbestritten großartige, wohlklingende Stimme, die ich an ihr mag. Die hatten viele andere auch.
    Ich liebe ihre hingebungsvolle authentische Wiedergabe und Gestaltung ihrer jeweiligen Partie. Ich habe bei ihr immer den Eindruck und das Gefühl,
    daß sie sich mit der jeweiligen Rolle absolut identifiziert, sie "lebt die Partie". Dies wird für mich besonders deutlich in der sängerischen und gestalterischen
    Darbietung als Mimi in der Boheme, eine Partie, die ihr auf den Leib komponiert wurde, die der Maestro für sie geschrieben hat. Sie ist idealerweise die "Mimi"!
    Aber das gilt natürlich auch für andere Opern. Alfred erwähnte hier Verdi. Selbstverständlich und gerne - nehmen wir die "Traviata". Gerade als Violetta gab
    es viele hervorragende und großartige Sängerinnen. Aber auch hier favorisiere ich Mirella Freni. 1973 wurde diese Oper mit Freni /Bonisolli für das Fernsehen aufgezeichnet.
    Außerdem meine ich, war sie auch eine schöne Frau. Zusammen mit Franco Bonisolli nicht nur sängerisch, sondern auch optisch ein Traumpaar!
    Jeder, der diese Oper kennt weiß, daß es von der Handlung, musikalisch eindrucksvoll unterlegt, viele berührende Stellen gibt.
    Eine meiner Lieblingsstellen aus dieser Oper ist "Dite alla giovine". So emotional berührend, wie hier von Mirella Freni dargeboten sage ich - das macht ihr niemand nach.


    Viel Freude wünscht
    CHRISSY




    Na, und ihre "Mimi" darf hier natürlich auch nicht fehlen:


    Jegliches hat seine Zeit...

  • Meine Lieblingssängerin im italienischen Fach ist momentan Maria Chiara. Wie sie so unterschiedliche Rollen wie die AIDA meistert und die schwierigen Kantilenen der ODABELLA, das ist schon bewundernswert.


    /XeHnLhr9esw

    W.S.


  • Für mich ist Anita Cerquetti (1931 - 2014) eine unschlagbare Kandidatin für diese Sammlung. Was soll ich nun schreiben? Es ist manches gesagt, und es gibt zu ihr auch einen eigenen Thread, der seit zweieinhalb Jahren nicht ergänzt wurde. Daraus zitiere ich mich der Einfachheit halber selbst, weil sich an meinem Urteil zu dieser Sängerin nicht geändert hat: "Obwohl ihre Karriere relativ kurz war und die Ausbeute an Tondokumenten, die ihre Bedeutung heute noch ahnen lassen, vergleichsweise knapp ist, hat sie einen Platz ganz oben. Mit der NORMA ... setzte sie sich ihr eigenen Denkmal. An diese Leistung ist höchstens noch Maria Callas herangekommen, sonst niemand. Davon bin ich ganz fest überzeugt. So getragen, so üppig, so würdevoll und doch voll innere Glut ist die Priesterin nie wieder gestaltet worden. Ich bin dieser Sängerin dankbar für betörende Eindrücke und wichtige Einsichten."

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Sagitt meint:


    Stefania Bonfadelli möchte ich nennen. Ich fand sie als Lucia und Violetta höchst überzeugend. Leider hat schon um 2004 herum ein Hörsturz ihrer Karriere ein Ende bereitet. Ich lese zwar, dass sie wohl gelegentlich auftritt. Aber ihre überwältigenden Leistungen aus der Zeit davor sind ist nicht mehr.




    https://www.youtube.com/watch?v=FYFf37FVfsE

  • Das, finde ich, ist ein sehr schöner Thread für einen ersten, vorsichtig tastenden, Beitrag. Ich bewundere seit ich sie im Film "Opera Fanatic" kennenlernte, Marcella Pobbe (1921-2003).
    Sowohl lyrische Sopranpartien wie die Figaro-Gräfin oder Marguerite als auch die großen Spinto-Partien hat sie unter anderem in Mailand, Rom, Covent Garden, Wien und an der MET verkörpert, dazu kommen viele RAI-Produktionen, vor allem Verismo. So schön wie die "Grace Kelly of Opera" hat für mich niemand Adriana Lecouvreur gesungen:



    Viele Grüße
    Erik

  • Die Maßstäbe im italienischen Fach hat für mich Zinka Milanov gesetzt: Als Norma, als Leonora - ob in Trovatore oder Forza - , als Amelia - im Ballo aber auch im Simone - , Aida, als Gioconda oder Santuzza! Wenn sie ihre Stimme in weit gespannten Bögen ganz unangestrengt in die Höhen flutete und mit atemberaubenden Pianissimi krönte, war ich in siebenten Himmel! Oder sogar im achten?



    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Hallo zusammen!
    Zuerst noch zu zwei Sängerinnen die ich auch liebe, Anita Cerquetti und Magda Olivero, beide wurden sträflich von der Plattenindustrie vernachlässigt!
    Anita Cerquetti traf ich 1992 in der Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand, beim Caffè mit ihrer Tochter, ein netter Plausch mit der Tochter auf englisch, und der Mutter übersetzte, sie unterbrach das Gespräch immer wieder mit den Worten >Un tedesco che mi conosce< (ein deutscher der mich kennt!!) und klatschte dabei in die Hände. Zum Abschied wollte sie meine Adresse, und ich bekam ein wunderschönes DIN A4 Foto mit Autogramm geschickt. Ich sollte noch erwähnen, beim auf Wiedersehn sagen reichte ich die Hand, aber nein sie gab mir nicht die Hand sondern nahm mich in den Arm und drückte und küsste mich !
    Sowas vergisst man sein Lebtag nicht mehr! :love::love::love:


    Nun zu einer meiner liebsten Live Primadonnen " Mara Zampieri ", ich habe sie oft Live erlebt in Berlin als Lady Macbeth, in Bonn als Norma, in Frankfurt 17x als Amelia (Ballo), in Genua als Elisabetta in Roberto Devereux, in Wien als Odabella im Attila, in Il Giuramento als Elaisa und 2X Maria Stuarda beide mit Agnes Baltsa.
    Sie war ja sehr umstritten, aber sie war dafür immer authentisch und warhaftig ! Ich habe sie geliebt! :thumbsup:


    Hier noch ein paar Links ....
    Lady Macbeth
    Norma
    Roberto Devereux
    Odabella


    LG von einem momentan Erinnerungs überwältigenden Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Eine weitere "grande primadonna assoluta" im ital. Fach ist für mich "Anna Tomowa - Sintow".
    Sie war eine Weltklassesängerin mit einer riesigen Bühnenpräsenz und Ausstrahlung. Sie verfügte über eine immer sichere, gefühlvolle, leicht dunkel gefärbten Stimme.
    Darüber hinaus hatte sie eine intensive, gefühlvolle Darstellung ihrer Partien. Sie zu erleben, war immer ein beglückendes, genußvolles Erlebnis.
    Ich hatte das Glück, sie viele Male live an der Berliner Staatsoper als "Tosca, Aida und Butterfly" zu erleben. Trotz ihrer sängerisch künstlerischen Größe, war ihr ein
    Starrummel fremd. Auch ins Nachhinein weiß ich noch in der Erinnerung - es war ein schönes Gefühl als damals junger Mann, oft nach den Vorstellungen am
    Bühnenausgang ganz nah bei ihr zu stehen. Sie war eine schöne und attraktive Frau.


    CHRISSY


    Hier als Tosca (bis Min. 11.25):


    https://youtu.be/rdXZjFW6iJM?t=500


    Und hier ein Ausschnitt aus der Butterfly (stimmlich darstellerisch beeindruckend ab Min. 2.35 und besonders die dramatische Steigerung ab Min. 3.10):


    https://www.youtube.com/watch?v=HqutgFAyH9o


    Jegliches hat seine Zeit...


  • Ja, bei mir ebenfalls! Ich kenne sie auch aus Bonn und Stimmschönheit stelle ich mir anders vor! :whistling:


    Aber Stimmschönheit ist nicht alles, sie wusste wenigstens was singt und hat das auch rübergebracht. Na ja, wenn ich an die Bonner Norma denke kann ich mir vorstellen das dir diese Norma im Militärgewand nicht gefallen hat! :D


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ja, lieber Caruso! Ich hörte sie (Zinka Milanov) erst vor kurzem in der Gesamtaufnahme unter Previtali mit di Stefano als Partner. Eine wunderbare Stimme!


    Lieber Wolfgang, in dieser Aufnahme, die ich eingestellt habe, singt sie die Arie aus dem letzten Akt der Forza noch schöner und zugleich intensiver als in der Gesamtaufnahme. Lass Dir das Vergnügen nicht entgehen und höre das Video - falls Du die Aufnahme nicht sowieso kennst!



    Das, finde ich, ist ein sehr schöner Thread für einen ersten, vorsichtig tastenden, Beitrag. Ich bewundere seit ich sie im Film "Opera Fanatic" kennenlernte, Marcella Pobbe (1921-2003)


    Herzlich willkommen, lieber Baculus, im Kreise der Opernfreunde und Melomanen!
    Interessant, dass Du auf Marcella Pobbe verweist! Sie wurde in Italien gar nicht als Sopran für das italienische Fach gesehen. Sie wurde allgemein "la tedesca" genannt weil sie Agathe, Elsa, Eva und ähnliche Partien sang. Trotzdem dürfte sie hauptsächlich im italienischen Fach eingesetzt worden sein. Ich habe eine "Tosca" mit ihr, Gianni Raimondi und Cornell MacNeil in bester Erinnerung, vor allem aber Mascagnis "Isabeau", wo ihr glänzendes Aussehen natürlich besonders passend zur Rolle war. Sie sang die Partie wohl häufiger. Ich habe sie mit Pier Miranda Ferraro zusammen gehört.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Na ja, wenn ich an die Bonner Norma denke kann ich mir vorstellen das dir diese Norma im Militärgewand nicht gefallen hat! :D


    In dieser Norma-Produktion habe ich Renata Scotto in der Titelpartie gehört. Da habe ich ja Glück gehabt. Die Uniform hat mich eigentlich nicht gestört!


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Lieber Caruso, danke für das herzliche "Willkommen"! Ich halte es für schwer, Sängerinnen zu finden, die das Repertoire der Callas in diesem Umfang (Belcanto- Verdi - Verismo) gesungen haben. Marcella Pobbe kommt immerhin auf zwei von drei Säulen - und haut mich als Gesamtpaket immer wieder um (um es mal salopp zu formulieren).
    Ähnlich begeistert hat mich schon als Schüler (in den 90er Jahren) Eleanor Steber (1914-1990) - vielleicht die Allrounderin der MET, neben Butterfly, Violetta oder Lucia auch als Mozart-, Wagner- und Strauss-Interpretin gefragt.
    Ihre Butterfly mit Richard Tucker als Pinkerton war meine erste Oper auf CD, das prägt natürlich.
    Dafür kriegt sie auch drei Videos :
    Lucia di Lammermoor



    La Traviata


    und natürlich Madame Butterfly


    Viele Grüße
    Erik

  • Ähnlich begeistert hat mich schon als Schüler (in den 90er Jahren) Eleanor Steber (1914-1990) - vielleicht die Allrounderin der MET, neben Butterfly, Violetta oder Lucia auch als Mozart-, Wagner- und Strauss-Interpretin gefragt


    Liebe Baculus.


    da rennst Du bei mir sperrangelweit offene Türen ein!
    Eleanor Steber ist für mich eine der ganz großen Sopranistinnen. Sie hat ja auch in Deutschland gesungen, ist hier aber trotzdem merkwürdig unterschätzt, selbst bei etlichen eingefleischten Opernfreunden sogar unbekannt.
    Ich habe sie leider erst gehört, als sie schon im Herbst ihrer Karriere war. Trotzdem hat mich sofort das Außergewöhnliche dieser Sängerin gepackt. Diese lyrische Sopranstimme von wunderbarer Klarheit und heller Brillanz, die gleichwohl so klangvoll und farbenreich war ist einfach was Besonderes. Vor allem war sie technisch souverän beherrscht. Die Marten-Arie der Konstanze haben nicht viele Soprane so virtuos und dramatisch eindringlich gesungen wie sie. Ihr Singen verband überhaupt stets Expressivität mit Intensität! Du hast ja schon einige Videos eingestellt, die das belegen, Ich möchte noch auf ihre Donna Anna unter Bruno Walter hinweisen, die eindrücklich den Rang dieser Sängerin hörbar macht!



    Es gibt auch eine Gesamtaufnahme der Donna Anna, die etliche Jahre später entstanden ist und von Karl Böhm dirigiert wird:



    Beste Grüße


    Carsuo41

    ;) - ;) - ;)


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  • Mein live erlebter Verdi-Lieblingssopran ist Julia Varady. Leider gibt es viel zu wenig offizielle Studiogesamtaufnahmen mit ihr, aber dafür mehrere Verdi-Platten und auch eine Puccini-Platte, wo sie mich (mit ihrer großen Emotionalität und ihrer Phrasierungskunst) ebenso überzeugt wie live als "Forza"-Leonora, Amelia, Elisabetta, Aida oder Desdemona, alles z.T. mehrfach erlebt Anfang bis Mitte der 1990er Jahre an der Deutschen Oper Berlin.


    Sie hatte eine tolle modulationsfähige Höhe, eine mitunter etwas strenge dramatische Mittellage und eine z.T. beinahe verschreckend brustige Tiefe, die jedoch ein wunderbarer Kontrast zu ihren z.T. engelsgleichen Höhen war und die gesamte emotionale Spannbreite und Zerrissenheit so mancher Verdi-Rolle ganz wunderbar vermittelte.


    Hier kann man sie ausschnittsweise als Abigaille hören und sehen:



    Und hier ihre große Violetta-Szenen am Ende des 1. Aktes "Traviata" hören:



    Hier kann man sie mit der großen "Pace"-Arie der Leonora aus dem 4. "Forza"-Akt hören und sehen:



    Und hier noch das "Libera me" aus dem Verdi-Requiem:



    Unabhängig von allen (teilweise tontechnisch wirklich schlechten) Youtube-Eindrücken lohnt der Erwerb dieser CD's absolut:




    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Lieber Baculus (herzlich willkommen! :hello: ), lieber Caruso, die Steber zeugt wirklich von gutem Geschmack. Ist sie in Deutschland wirklich so unterschätzt? Da ich schon frühzeitig auf sie aufmerksam wurde durch ihre Bayreuther Elsa, die mich sehr anrührt, auch, weil ich sie etwas spöde finde, ging ich stets davon aus, dass sie weithin bekannt und geschätzt ist. Wer sich ins Zeug gelegt hat und sie für bedeutend genug hielt, fand an die fünfzig Gesamtaufnahmen von Opern - aus dem Studion und als Mitschnitt. Das ist enorm. Wie elektrisiert war und bin ich immer noch ich von ihrer Minnie beim Maggio Musicale unter Mitropoulos. Auch die englisch gesungene "Arabella" aus der Met trifft genau den Ton, den ich von dieser Rolle erwarte. Sie kommt mir in Bezug auf diese Figur wie eine Schwester der Della Casa vor. Beide haben eine gewisse Ähnlichkeit. Ein Glücksfall sind die vielen Videos von Firestone. Die hier verlinkten Szenen stammen aus diesen stilistisch breit aufgestellten Sammlungen, die auch an ästhetische Grenzen kommen. Sie sind mal schön kompakt als VHS bei VAI herausgekommen. Darunter ist auch ein Weihnachtsfilm gewesen, für den ich eine besondere Vorliebe hege. Wie bei vielen Sängerinnen muss auch bei der Steber auf das Aufnahmejahr geschaut werden. Die Stimme wurde nicht schöner. Trotzdem geht auch im Herbst ihrer Karriere eine starke Faszination von ihr aus. Davon zeugt diese hoch individuelle Platte, die es nach meiner Beobachtung bisher nicht auf CD geschafft hat:


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    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

    Einmal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()

  • ....lieber Caruso, die Steber zeugt wirklich von gutem Geschmack. Ist sie in Deutschland wirklich so unterschätzt?


    Lieber Rheingold!


    Ich treffe immer wieder passionierte Opernfreunde und Stimmenliebhaber, die sie nicht kennen oder eben nur mal den Namen im Kopf haben!
    Hier im Forum gibt es seit 2013 einen Thread für die Steber, den Harald Kral in gewohnt knapper Weise eröffnet hat, und in dem sich drei Taminos zu Wort gemeldet haben - oder genauer gesagt: sie haben Kopien von Plattencovern abgeworfen.


    Schön. dass sie jetzt etwas ausführlicher gewürdigt worden ist


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Speziell an der Butterfly


    mit Richard Tucker als Pinkerton;
    Giuseppe Valdengo als Sharpless;
    Jean Madeira als Suzuki
    Orchester und Chor der MET unter Max Rudolf


    Madame-Butterfly-Giacomo-Puccini



    kann ich mich kaum satthören. Da sind alle Partien großartig besetzt und man spürt den Ensemblegeist eines großen Opernhauses. Ein im Zusammenspiel so überzeugendes Solistenquartett habe ich im Fall der Butterfly nur im deutschsprachigen Querschnitt mit Lorengar, Wagner, Wunderlich und Prey erlebt. Zumal: man hört der Aufnahme ihr Alter nicht an!

    Viele Grüße
    Erik

  • Anscheinend habe ich mit diesem Thread ins Schwarze getroffen, soll heissen dem Geschmack der Mitglieder. Interessant allerdings die Auswahl, Weder Callas noch Tebaldi noch ....
    Aber es hat ja derer Mitspieler DREI Nominierungen offen , mal sehen was da noch kommt.


    Ich werde vermutlich nur EINE Sängerin nominierenm und zwar Joan Sutherland, genannt "la Stupenda"
    Hier steht der schöne Klang der Stimme gegenüber der Dramatik im Vordergrund. Glücklicherweise hat sie für die Decca aufgenommen, meist mit kongeniealen Partnern und einer superben Tontechnik. Dirigent war ohnedies der von ihr präferierte Richard Bonynge, den sie später sogar heiratete, un der dann zu unrecht als "Mr. Sutherland " bespöttelt wurde...


    Hier ein Video - mal keine Oper . sondern "Home , sweet home"



    Und als "Draufgabe" noch was aus Verdis "LA Traviata"



    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Mein live erlebter Verdi-Lieblingssopran ist Julia Varady. Leider gibt es viel zu wenig offizielle Studiogesamtaufnahmen mit ihr, aber dafür mehrere Verdi-Platten und auch eine Puccini-Platte, wo sie mich (mit ihrer großen Emotionalität und ihrer Phrasierungskunst) ebenso überzeugt wie live als "Forza"-Leonora, Amelia, Elisabetta, Aida oder Desdemona, alles z.T. mehrfach erlebt Anfang bis Mitte der 1990er Jahre an der Deutschen Oper Berlin.


    Lieber Stimmenliebhaber,


    Julia Varady ist wirklich eine wunderbare Sängerin im italienischen Fach (allerdings nicht nur da!!!) gewesen. Ihre Bühnenauftritte in München und Berlin sind auch mir stark in Erinnerung! Ich habe sie - glaube ich - in allen ihren Verdi-Partien hören können - und im Requiem mindestens fünf mal! Von Puccini habe ich nur die Giorgetta in Tabarro von ihr gehört. Auch sonst habe ich sie im italienischen Fach nicht gehört. Dafür Mozart, Wagner, (Johann und Richard) Strauss und Reimann!


    Zum Glück habe ich einige Mitschnitte von ihren Aufführungen , denn die Studioaufnahmen der Arien aus Verdi- und Puccini-Opern geben doch nur einen blassen Eindruck von ihrer Intensität und emotionalen Gestaltungskraft! Schade, dass sie von der Plattenindustrie kaum für Aufnahmen im italienischen Fach verpflichtet wurde.
    Aber so sehr phonogen war die Stimme ja nicht. Sie klingt in den meisten ihrer Aufnahmen klar und gut fokussiert aber herber und weniger klangschön als live. Vor allem teilt sich die bis zu Selbstentäußerung gehenden Hingabe an die Figuren und ihr Schicksal naturgemäß in den Stadioaufnahmen von einzelnen Arie nicht wirklich mit. Das liegt zum Teil auch an dem Dirigenten Dietrich Fischer-Dieskau, der seiner Frau hier kein leider kongenialer Partner ist.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Wie schon gesagt: Ich höre diese drei Studio-CD's wirklich sehr gerne und höre da auch keine Sterilität, sondern bis beeindruckt von der Gesangskunst und auch hier vorhandenen Emotion (viel mehr als bei vielen anderen Fachkolleginnen) der Varady.


    P.S.: Wann hast du denn denn das letzte Mal gehört? Ich glaube, sie sind wirklich nicht so mäßig (auch FiDi nicht!), we du sie in Erinnerung hast!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Krolloper und Staatsoper Berlin - Wiener Staatsoper - MET: das sind die wichtigsten Stationen in der Karriere der tschechischen Sopranistin Jarmila Novotná (1907-1994). Gesungen hat sie lyrische, jugenlich-dramatische und Koloraturpartien von Gluck bis Barber, Schwerpunkte waren dabei sicher Mozart, Verdi und Strauss. Auch als Filmschauspielerin konnte sie überzeugen, wichtigster Film ist wohl Frde Zinnemanns Die Gezeichneten.


    Ihre wichtigsten Opernrollen bringt diese lohnende CD zumindest mit einzelnen Arien (Rossini: Rosina; Mozart: Cherubina, Donna Elvira, Pamina; Offenbach: Olympia, Antonia, Giulietta; Verdi: Violetta; Puccini: Mimi, Tosca; Smetana: Verkaufte Braut; Dvorak: Rusalka):



    Ich kenne kaum eine Sängerin, die so intensiv, die Grenze zum Kitsch nie überschreitend, ihr Rollen lebt. Und ein tolles Messa di voce hat sie auch noch.


    Tosca



    La Bohème



    und wer immer schon einmal wissen wollte, woher Elisabeth Schwarzkopf ihre Gestaltung von "Meine Lippen, sie küssen so heiß" hat:

    Viele Grüße
    Erik

  • Meine zweite Nominierung gilt meiner live erlebten Lieblings-Verdi-Sopranistin im 21. Jahrhundert, Anja Harteros.
    Als Violetta und Mimi habe ich sie leider verpasst, aber als "Troubadour"-Leonora (konzertant), Desdemona und mehrfach als Elisabetta erlebte ich sie an der Deutschen Oper Berlin (Elisabetta auch einmal in Salzburg). Ihre Tosca hatte ich auch ein Mal, in dieser Rolle würde ich sie aber (noch?) nicht als wirklich herausragend ansehen, aber ihr Verdi ist schon sehr sehr gut.


    Die 1. Arie der "Troubadour"-Leonora:



    Die große Violetta-Arie aus dem 1. Akt "Traviata":



    Ihre "Pace"-Arie der "Forza"-Leonora:



    Aidas Nil-Arie:




    Ihre Desdemona im 4. Akt "Otello":



    Ihr "Libera me" aus dem Verdi-Requiem:



    Und Toscas "Vissi d'arte":



    Studio-Aufnahmen gibt es sicher auch, zum Beispiel die "Aida", kann ich aber nichts zu sagen, kenne ich nicht.


    Sehr empfehlen kann ich aber die DVD der Peter-Stein-Inszenierung des "Don Carlo" von 2013 in Salzburg, habe ich dort selbst live erlebt, eine sehr gute Bühnenausstattung mit teilweise auch eindrucksvoller Personenregie (das Autodafé war etwas misslungen), vor allem hörte ich da (z.B. im Klosterbild) einige Takte Musik, die ich noch nie bei einem "Carlo" gehört habe.


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Diese Aufnahme besitze ich auch und kann sie nur sehr empfehlen. Anja Harteros ist wirklich großartig. Aber auch die anderen Protagonisten singen auf höchstem Niveau. Das Autodafé war wirklich etwas dürftig. Aber das dämonische Duett Philipp (Matti Salminen) / Großinquisitor (Eric Halvarson) gehörte für mich zu den Höhepunkten der Oper.

    W.S.

  • Zitat

    Mein live erlebter Verdi-Lieblingssopran ist Julia Varady.


    Ich habe sie doch auf die Schnelle übersehen. Aber Julia Varady gehört auch hier in diesen Thread. Sehr gut gefällt sie mir als Saffi im "Zigeunerbaron".
    Eine interessante und oft gehörte Aufnahme aus "Die Macht des Schicksals" schiebe ich gleich in den Player. Es ist die "Klosterszene" mit Julia Varady und Manfred Schenk. Diese höre ich wohl gleich zweimal,

    W.S.

  • Meine drei Favoriten sind:
    Leyla Gencer
    Mirella Freni
    Leonie Rysanek
    obwohl es doch so viele tolle Sängerinnen gab und gibt!

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Ähnlich begeistert hat mich schon als Schüler (in den 90er Jahren) Eleanor Steber (1914-1990)


    Hallo Baculus, du warst also noch Schüler in den 90er Jahren. Das freut mich zu lesen, denn das trifft auf mich auch zu. Soll heißen, dass ich es sehr erfreulich finde, dass es auch ein stimmeninteressiertes Mitglied gibt, das wie ich zur jüngeren (Tamino-)Generation gehört. Ich habe leider die Erfahrung machen müssen, dass man hier im Tamino-Forum manchmal etwas verächtlich auf jüngere Mitglieder herunterschaut, als würden die nicht wissen wovon sie sprechen. Das ist sehr schade, ist aber leider so. Deine Sängerauswahl finde ich jedenfalls schon sehr interessant. Zeigt sie doch, dass auch junge Mitglieder nicht nur die jüngste Vergangenheit oder gar nur die Gegenwart im Sinn haben.


    Und nun kommen wir zu den Feinheiten. Es geht nicht um "die beste" Sängerin", sondern jene die dem jeweiligen Beitragsverfasser am nähesten steht. Er soll und also seine Lieblingssängerin vorstellen und SUBJEKTIV begründer, warum er gerade sie ausgewählt hat.


    So adhoc lässt sich das gar nicht beantworten. Es gibt doch nicht einfach nur EINEN Liebling, jedenfalls für mich nicht. Da eine Auswahl zu treffen bedarf einiger Überlegung.
    Gibt es am Ende auch eine Auswertung, wie bei früheren Sängerthreads?


    Gregor