Dialogues des Carmélites, Übertragung aus der Met am 11.5.2019


  • Sehr betroffen bin ich aus den Karmeliterinnen gekommen und muß mich erstmal sammeln.

    Isabel Leonard als Blanche und Karita Mattila als Mme. de Croissy waren atemberaubend.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Hans,


    leider konnte ich aus terminlichen Gründen diese Übertragung aus der MET nicht buchen, die mir nach der Vorschau recht librettogerecht erschien, was mir sehr leid tut. Ich tröste mich also erst einmal mit einer ebenfalls sehr schönen Aufnahme aus Sydney, die ich auf DVD habe. Ich finde diese Oper nach der Erzählung von Gertrud von le Fort "Die Letzte am Schafott" ungeheuer packend.

    Übrigens ab gestern konnte man die Karten für die neue Saison buchen. Obwohl ich schon früh am Morgen in die Buchung gegangen bin, waren bei einigen Vorstellungen hier Plätze, die ich gern gehabt hätte, bereits weitgehend ausgebucht, sodass wir mit Plätzen näher an der Leinwand vorlieb nehmen mussten. Die Übertragungen setzen sich immer mehr durch und man muss mit der Buchung schon flott sein.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Lieber Gerhard, die Kostüme waren vll. etwas historisierend, aber die Präzision bei Knöpfen, Troddeln, Kordeln, Schärpen und Schulterstücken mag dem unbarmherzigen Auge der Kameras geschuldet sein. Beeindruckt hat mich die Kargheit der Requisite. Stuhl, Bett, zwei Gitter, eine Christusfigur im Altarraum der Kapelle - das genügte.

    Fr. Pieczonka in der Rolle der Madame de Lidione hat mich ebenfalls sehr bewegt. Das lächelnde Gottvertrauen, mit dem die Katastrophe geradezu angezogen wird, war erschütternd. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Eine grandiose Oper, die ich schon oft live erlebt habe. Vor einigen Jahren wurde sie in Münster gegeben, auf deutsch. Eine Sängerin war ausgefallen, es kam Ersatz aus Dortmund, wo das Stück auch lief, auf französisch. Diese Rolle wurde dann französisch gesungen. Niemanden hat es gestört.

    Eine Sache habe ich noch nie herausgekriegt. Jedes Mal, wenn im letzten Bild ein Fallbeil fällt, ertönt im Orchester ein starkes Geräusch, wie wenn man mit einem harten Gegenstand auf einen Holzblock schlägt. Bei allen Aufführungen war das Geräusch genau das gleiche, also muss es der Komponist vorgeschrieben haben. Aber was ist es?

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)

  • Lieber Hans, ich mag diese Oper sehr sehr gerne, solltest du noch keine Aufnahme besitzen,empfehle ich dir diese beiden......



    ....ich bin mir ganz sicher das diese Aufnahme bisher unerreicht ist!



    Diese Aufführung habe ich selbst gesehen, hier singt Deborah Polaski die Madame de Croissy, apropos, Deborah Polaski, ich kenne sie noch aus ihren Anfangsjahren in Darmstadt!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich liebe diese Oper auch sehr und lasse keine Aufführung aus, die erreichbar ist. Zuletzt habe ich die grandiose Olivier Py-Produktion in Brüssel gesehen, die auch auf Bluray erhältlich ist. Als regelmäßiger Besucher des Glyndebourne-Festivals freue ich mich sehr, dass die "Dialogues des Carmélites" dort 2020 zum allerersten Mal aufgeführt werden. Die Met-Produktion finde ich, soweit sich das anhand des kurzen Clips sagen lässt, zu historisierend, Schärpen und Häubchen brauche ich nicht.


    Wie genau das Geräusch des Fallbeils erzeugt wird, weiß ich auch nicht.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Hallo!


    Ich möchte mir die Oper auf Blue Ray zulegen. Von der Besetzung her neige ich zu der Einspielung - kennt jemand sie?



    Gruß und Danke

    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber Gerhard, die Kostüme waren vll. etwas historisierend, aber die Präzision bei Knöpfen, Troddeln, Kordeln, Schärpen und Schulterstücken mag dem unbarmherzigen Auge der Kameras geschuldet sein. Beeindruckt hat mich die Kargheit der Requisite.

    Lieber Hans,


    da die Geschichte in der französischen Revolution spielt, sind für mein Auge auch die passenden Kostüme einfach ein Muss. Die Kargheit der Requisite hätte mich hingegen weniger gestört. In dem von dir eingesetzten Ausschnitt der Schlussszene fand ich die Idee sehr gut, dass die beiden Revolutionäre im Hintergrund eine Lücke bilden und in dem Augenblick, indem die Todeskandidatin diese durchschritten hat, mit dem Rücken zum Publikum schließen, um sie nach Fallen des Beils für die nächste Kandidatin wieder freizugeben.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ja, das ist die von mir erwähnte Py-Produktion, aufgezeichnet im Pariser Théâtre des Champs Elysées mit einer Besetzung, die meiner Meinung nach kaum zu übertreffen ist. Ich habe diese Produktion nach der Wiederaufnahme im letzten Jahr mit fast der gleichen Besetzung in Brüssel gesehen und war begeistert.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Liebe 'Taminos',


    ich habe gestern die Rundfunkübertragung aus der 'Met' gehört und bin immer wieder von dieser Oper sehr bewegt – ein zeitloses Beispiel für modernes Musiktheater von dauernder Gültigkeit; die Schallplatten mit der Besetzung der französischen Erstaufführung (1957) stehen schon lange in meinem Regal. (2010 gab es hier an der Deutschen Oper am Rhein eine beeindruckende Inszenierung von Guy Joosten mit Anja Silja als Mme. de Croissy, während im gleichen Jahr in München der 'Regie-Berserker' Dmitri Tscherniakov das Ende der Oper änderte – nur Blanche geht auf das Schafott – und damit zwei Gerichtsprozesse verursachte.)


    Die Inszenierung der Metropolitan Opera stammt bereits aus dem Jahre 1977 und wurde damals in englischer Sprache gebracht mit u. a. Maria Ewing (Blanche), Régine Crespin (Mme. de Croissy), Shirley Verrett (Mme. de Lidoine), Betsy Norden (Constance) und Mignon Dunn (Mère Marie). Der Dirigent war Michel Plasson und der Regisseur John Dexter; das Bühnenbild entwarf David Reppa und die Kostüme Jane Greenwood. Auch nach 42 Jahren noch immer eine gültige Inszenierung, die zeigt, dass Gutes seinen Wert behält.


    Übrigens schrieb Georges Bernanos die „Dialogues des Carmélites“ nicht für das Theater, sondern als Drehbuch für einen Spielfilm, der aber erst lange nach seinem Tod realisiert wurde (1959 mit Pascale Audret, Jeanne Moreau, Alida Valli und Madeleine Renaud); in Deutschland trug er den Titel „Opfergang einer Nonne“. Die „Gespräche der Karmeliterinnen“ wurden als Bühnenstück 1951 in Zürich unter dem – wie ich finde – wesentlich besseren Titel „Die begnadete Angst“ uraufgeführt und 1958 in einer oft wiederholten TV-Inszenierung (mit Gertrud Kückelmann, Anne Kersten, Maria Krahn, Ida Ehre und Cordula Trantow) im NDR gesendet.


    Erschütternd ist die historische Tatsache, dass die sechzehn Nonnen des Karmels von Compiègne nur 10 Tage vor dem Sturz Robespierres - und damit dem Ende der Französischen Revolution – das Schafott bestiegen. (Übrigens war unter ihnen auch, anders als bei Bernanos, die frühere Priorin Marie de Croissy. Die Figur der Blanche ist aber eine Erfindung der deutschen Dichterin Gertrud von Le Fort in ihrer Novelle „Die Letzte am Schafott“, die Bernanos als Vorlage diente.) Und schließlich: der Dichter André Chenier starb sogar nur 3 Tage vor der Hinrichtung Robespierres und von 21 seiner Anhänger auf der Guillotine.


    LG


    Carlo

  • Ich ärgere mich. Diese Oper war vor ca. 20 Jahren in Gera auf dem Spielplan. Uns hat es gar nicht gefallen, was wohl auch an der Inszenierung gelegen haben mag. Aber auch die Musik war nicht nach unserem Geschmack, damals. Wir sind kulturbanausenhaft in der Pause gegangen und haben im benachbarten Lokal Birkenstube unseren Hunger gestillt. Als das Stück zu Ende war, kamen Theaterbesucher, die ausgehalten hatten und sie waren ganz begeistert vom Schluß. Das war unser erster Ärger, denn in der Pause zu gehen ist nicht unsere Art (in meinem ganzen Leben erst 4 mal passiert, davon einmal als Schüler im Schauspiel "Irkutsker Geschichten."). Wir sind nochmals rein, und fanden den Teil nach der Pause plötzlich auch rauschhaft, bedrückend, grausam, aufregend. Jetzt finden wir die Oper auch sehr sehens- und hörenswert.

    Jedes Mal, wenn im letzten Bild ein Fallbeil fällt, ertönt im Orchester ein starkes Geräusch, wie wenn man mit einem harten Gegenstand auf einen Holzblock schlägt. Bei allen Aufführungen war das Geräusch genau das gleiche, also muss es der Komponist vorgeschrieben haben. Aber was ist es?

    Hallo, Doktor,

    mir war das nicht aufgefallen, ist aber schon lange her. Aber den Schlag mit einem Riesenhammer auf einen Holzblock gibt es ja auch bei Mahler, im 4. Satz seiner 6. Sinfonie. Und da gleich 2 mal (ursprünglich hatte er den Hammerschlag als Andeutung von Schicksalsschlägen sogar 3 mal eingebracht). Vielleicht kommt ein solcher Schlag auch bei Poulenc vor?


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Eine Sache habe ich noch nie herausgekriegt. Jedes Mal, wenn im letzten Bild ein Fallbeil fällt, ertönt im Orchester ein starkes Geräusch, wie wenn man mit einem harten Gegenstand auf einen Holzblock schlägt. Bei allen Aufführungen war das Geräusch genau das gleiche, also muss es der Komponist vorgeschrieben haben. Aber was ist es?

    Lieber Dr.Pingel,


    Ich meine, dass damit das Fallen der Guillotine verdeutlicht werden soll. Das Fallbeil, das selbst in Holz eingefasst ist, fällt ja auf einen Holzblock. Ich denke schon, dass Poulenc dieses Geräusch vorgeschrieben hat.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)


  • Lieber Fiesco, Dank für den Hinweis! Diese Aufnahme werde ich mir wohl anschaffen. Fr. Crespin sang ja auch bei der Uraufführung in Paris. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Ja, das meine ich auch, aber welches Instrument ist es, das da verwendet wird?

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)

  • Ich finde diese Oper nach der Erzählung von Gertrud von le Fort "Die Letzte am Schafott" ungeheuer packend.


    ... da die Geschichte in der französischen Revolution spielt, sind für mein Auge auch die passenden Kostüme einfach ein Muss.

    Packend ist die Oper bestimmt, allerdings will ich doch etwas richtigstellen.


    Gertrud von Le Fort veröffentlichte die Novelle in Briefform "Die letzte am Schafott" im Jahr 1931. Die beiden Hauptpersonen darin sind Blanche de La Force und Mère Marie. George Bernanos griff das Motiv auf und schrieb das 1948 veröffentlichte Drama "Dialogues des Carmélites und das Drehbuch zum Film mit Jeanne Moreau, der in Deutschland als "Begnadete Angst" in die Kinos kam. Poulenc adaptierte das Drama von Bernanos für seine Oper "Les Dialogues des Carmélites", die 1957 in Mailand uraufgeführt wurde und deren Libretto sich an den Text von Bernanos anlehnt.


    In der Oper verschiebt sich der Schwerpunkt der Handlung auf die Konflikte der Nonnen mit ihrem Glauben und die daraus resultierende Bereitschaft zum Martyrium. Mme. de Croissy als Klostervorsteherin z.B. hadert im Angesicht ihrer qualvollen Krankheit im Angesicht des Todes mit ihrem Gott während die Nonnen voller Glauben an die Erlösung durch Gott und in den Tod gehen. Wie der Titel schon klarstellt, geht es in der Oper vor allem darum, dass in den Gesprächen der Nonnen miteinander jede einzelne Ihre für sie richtige Entscheidung trifft.


    Das Werk ist sicherlich kein Revolutionsdrama um aufrührerisches Volk und die das Gesetz durchsetzende Gendarmerie. Die eigentlichen Gespräche und Diskussionen im Kloste bzw. später im Gefängnis nehmen den grössten Teil der Oper ein, während Volk und Polizei nur sporadisch in Erscheinung treten um die Handlung voran zu treiben.

    Das Thema Glaube und Martyrium ist heute gewiss nicht auf den kathoischen Glauben beschränkt, sondern von immerwährender Gültigkeit. Spielt es da wirklich eine Rolle, ob die Revolutionsgarde historische Köstüme trägt? Oder glaubt jemand, dass die Trachten der Nonnen sich über die etwas mehr als 200 Jahre grundlegend geändert haben?


    Ich habe die Oper erstmals 1999 mit Rita Gorr als Mme. de Croissy in Essen gesehen (und das gleich 3 mal hintereinander). Bei ihrer Darstellung traf das Wort "packend" vollkommen zu. Danach sah ich 2003 die Zürcher Inszenierung mit Felicity Palmer als alte Äbtissin - dazu kann ich nur sagen: "erschütternd bis ins Mark". Nach ihrer grossen Szene auf dem Sterbebett herrschte im Publikum absolute Stille. Dagegen kann ich mich an die Hamburger Inszenierung kaum mehr erinneren, die war nicht schlecht aber sie hat mich auch nicht sehr bewegt. Die Düsseldorfer Inszenieung von Nikolaus Lehnhoff litt in der ersten Aufführungsserie sehr unter einer extrem schwachen Anja Silja, allerdings in der nachfolgenden Spielzeit konnte Deborah Polaski wirklich überzeugen.


    Ich muss Bertarido zustimmen, dass die Inszenierung von Olivier Py als Ensembleleistung die wohl beste ist, die derzeit als DVD erhältlich ist. Ich habe sie Paris gesehen - allerdings wurde an dem Tag die kranke Sandrine Piau durch Anne-Catherine Gillet ersetzt.


    Noch als Nachtrag für alle Fans von Patricia Petibon, die darin die Blanche singt: 1998 sang sie in Strassburg am Beginn ihrer Karriere die Constance.

  • Zumindest in Wikipedia sind für die Orchesterbesetzung u.a. ein Holzblock und eine Peitsche angegeben; siehe hier [zuletzt aufgerufen am 13.05.2019].

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Ja, das meine ich auch, aber welches Instrument ist es, das da verwendet wird?

    Lieber Dr.Pingel,


    die 6. Sinfonie von Gustav Mahler habe ich in der Kölner Philharmonie erlebt. Im 4 Satz saust dort dreimal ein Großer Holzhammer auf eine Holzkiste. Mahler hat in dieser Sinfonie die Schlagzeugbesetzung um dieses ungewöhnliche Instrument erweitert. So wendet Poulenc in seiner Oper ebenfalls ein großes Schlagzeugensemble an, das u.a. einen Holzblock enthält.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Eine grandiose Oper, die ich schon oft live erlebt habe. Vor einigen Jahren wurde sie in Münster gegeben, auf deutsch.

    Man muss schon die französische Sprache perfekt berherrschen und dazu noch die entsprechenden Sänger zur Verfügung haben, um diesem wortreichen Werk in allen seinen Feinheiten folgen zu können. Übertitel schaffen das nicht. Ansonsten kann es auch schnell fürchterlich langweilig werden. ;) Wie ist da eure Erfahrung? Ähnlich Münster gab es vier Jahre nach der UA auch in Wien eine deutsche Übersetzung bei der dortigen Erstaufführung, die half, das Stück bekannt zu machen. Die Rundfunkübertragung aus der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Berislav Klobucar ist mal bei Ponto auf CD veröffentlicht worden - und sängerisch höchst prominent besetzt. Ich bilde mal die Rückseite ab, damit man die Namen erkennen kann.


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Ansonsten kann es auch schnell fürchterlich langweilig werden.

    Lieber Rheingold, Du siehst mich fassungslos. Langweilig? Diese Oper? Die ist in jeder Sekunde packend. Und ja, ich habe sie mit einer Ausnahme (KOB) nur in französischer Sprache gehört und möchte das auch gar nicht anders, denn die Sprache gehört für mich essentiell dazu. Auf Deutsch klingt das einfach ganz anders.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Danke für alle Informationen. Damit löst sich endlich eine Frage, die ich schon 10 Jahre zu ergründen versuche!

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)

  • Ich schrieb "kann", lieber Bartarido. Grundsätzlich hast Du in mir einen Verbündeten in der tiefen Zuneigung zu diesem Stück. Es kann aber eben nicht verkehrt sein, wenn man alles versteht.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Übertitel schaffen das nicht. Ansonsten kann es auch schnell fürchterlich langweilig werden. ;) Wie ist da eure Erfahrung?

    Genau so. Die Sänger deklamieren ja in erster Linie Text, die eigentliche "Musik" findet im Orchester statt. Und natürlich ist es da sinnvoll, die Aufführung in einer Sprache stattfinden zu lassen, die der überwiegende Teil des Publikums auch versteht.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Wenn ich hier getätigten politischen, kulturpolitischen oder sonstigen Aussagen nicht widerspreche, bedeuttet dies keine Zustimmung meinerseits zu diesem Aussagen. Für Meinungen bestimmter User habe ich bestenfalls noch einen Smiley übrig. Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.

  • Das Problem ist, dass man die Sprache meist nicht versteht, selbst, wenn man Französisch kann. Die ideale Lösung habe ich bei an der ersten Staffel von "Emergency Room" (George Cloooooooooooooooooooney!) erprobt: englischer Text mit englischen Untertiteln. Das kann man hier auch empfehlen: französischer Text mit französischen Untertiteln!

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)

  • Als Ergänzung zu meinem Beitrag #15

    Die Aufzeichnung aus Strassburg mit Patricia Petibon als Constance gibt es wahrhaftig auf DVD und einen kurzen Videoclip bei youtube



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  • Ich korrigiere mein Beitrag #15


    Nikolaus Lehnhoff war 2008 verantwortlich für die Inszenierung in Hamburg, Guy Joosten für die in Düsseldorf im Jahr 2010

  • englischer Text mit englischen Untertiteln. Das kann man hier auch empfehlen: französischer Text mit französischen Untertiteln!

    Ich würde eher empfehlen, deutlicher zu singen, damit das nicht nötig ist.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo, Hans Heukenkamp!


    Die Dir von 'Fiesco' empfohlene Aufnahme der 'Erato' wurde am 20. 12. 1957 und vom 15. bis 31. 1. 1958 aufgenommen – allerdings nur in mono und mit einigen Strichen!. Régine Crespin singt hier, wie in der französischen Erstaufführung am 21. 6. 1957, die neue Priorin, Mme. Lidoine; die alte Priorin, Mme. de Croissy, ist Denise Scharley. Poulencs 'Muse', Denise Duval, singt die Blanche, die Constance ist Liliane Berton und die Mère Marie Rita Gorr. Xavier Depraz und Paul Finel verkörpern Vater und Sohn de la Force und Louis Rialland ist der Beichtvater..


    Régine Crespin ist als Mme. de Croissy in einem Live-Konzert von Radio-France aus dem Théâtre des Champs-Elysées vom 25. 4. 1980 (gesendet am 21. 6. 1980) zu hören. Weiter wirken Felicity Lott (Blanche), Jocelyne Chamonin (Mme. Lidoine), Anne-Marie Rodde (Constance), Geneviève Barrial (Mère Marie), Pierre D'Hollander (Marquis de la Force), Leonard Pezzino (Chevalier de le Force) und Bernard Plantey (Beichtvater) mit; der Dirigent ist Jean-Pierre Marty mit dem Orchestre National de France sowie dem Chor von Radio-France. Die Aufnahme wird vom INA (Institut national de l'audiovisuel) in Paris als Download angeboten.


    Rita Gorr, die 1957 noch die Partie der Mère Marie sang, verkörpert in der bei 'Virgin' herausgebenen Einspielung von 1990 die Mme. de Croissy, während Rachel Yakar die Mme. Lidoine singt. Blanche ist Catherine Dubosc, Brigitte Fournier die Constance und Martine Dupuy die Mère Marie. José van Dam, Jean-Luc Viala und Michel Sénéchal sind als Marquis, Chevalier und als Beichtvater zu hören. Der Dirigent ist Kent Nagano mit Chor und Orchester der 'Opéra de Lyon'.


    Leider hat der ORF nicht die Erstaufführung vom 14. 2. 1959 an der Wiener Staatsoper übertragen. Hier sangen - im Gegensatz zu der von 'Rheingold1876' genannten Aufführung vom 8. 11. 1961 - Irmgard Seefried (Blanche), Alfred Poell (Marquis), Ivo Zidek (Chevalier), Anton Dermota (Beichtvater) und Carlo Schmidt (Arzt); Heinrich Hollreiser war der Dirigent; das Team der Mailänder Uraufführung – die Regisseurin Margherita Wallmann und der Ausstatter Georges Wakhewitch – wurde auch in Wien eingesetzt. Ansonsten war 1959 die Besetzung die gleiche wie 1961.


    Abgesehen von einigen Video-Mitschnitten gibt es zwei neuere CD-Ausgaben von Live-Aufnahmen: a) bei 'Chandos' (in englischer Sprache – English National Opera, 2005) mit Catrin Wyn-Davies (Blanche), Felicity Palmer (Mme de Croissy), Orla Boylan (Mme. Lidoine), Sarah Tynan (Constance) und Josephine Barstow (Mère Marie) unter Paul Daniel und b) bei 'Oehms' (Theater an der Wien, 2011) mit Sally Matthews (Blanche), Deborah Polaski (Mme. de Croissy), Heidi Brunner (Mme. Lidoine), Hendrickje van Kerckhove (Constance) und Michelle Breedt (Mère Marie) mit Bertrand de Billy am Dirigentenpult.


    Und schließlich gibt es noch den Mitschnitt der Uraufführung an der Mailänder Scala vom 26. 1. 1957, in der italienischen Übersetzung von Flavio Testi. Die Besetzung: Virginia Zeani (Blanche), Gianna Pederzini (Mme. de Croissy), Leyla Gencer (Mme. Lidoine), Eugenia Ratti (Constance), Gigliola Frazzoni (Mère Marie), Scipio Colombo (Marquis), Nicola Filacuridi (Chevalier) und Alvinio Misciano (Beichtvater); der Dirigent war Nino Sanzogno. Die Schallplatten erschienen in den USA bei 'Legendary Recordings'.


    Die deutsche Erstaufführung war übrigens am 14. 7. 1957 im neuen Kölner Opernhaus in einer Inszenierung von Erich Bormann unter dem Dirigenten Wolfgang von der Nahmer. In den Hauptrollen sangen Käthe Möller-Siepermann (Blanche), Lilian Benningsen (Mme. de Croissy), Walburga Wegner (Mme. Lidoine), Rita Bartos (Constance) und Natalie Hinsch-Gröndahl (Mère Marie). Für die amerikanische Erstaufführung am 20. 9. 1957 im War Memorial Opera House in San Francisco verpflichtete man Dorothy Kirsten (Blanche), Claramae Turner (Mme. De Croissy), Leontyne Price (Mme. Lidoine), Sylvia Stahlman (Constance) und Blanche Thebom (Mère Marie) – der Dirigent war Erich Leinsdorf. Und schließlich gab es bereits am 8. 12. 1957 eine TV-Inszenierung von Kirk Browning bei der amerikanischen NBC mit Elaine Malbin (Blanche), Patricia Neway (Mme. De Croissy), Leontyne Price (Mme. Lidoine), Judith Raskin (Constance) und Rosemary Kuhlmann als Mère Marie.


    Lieber 'Souffleur',


    wie ich bereits in meinem Beitrag Nr. 10 schrieb, hat Georges Bernanos (1888 – 1948) kurz vor seinem Tode lediglich die Dialoge zu dem Szenarium des Dominikanerpaters Raymond Bruckberger (in Zusammenarbeit mit dem Kameramann Philippe Agostini) nach Gertrud von le Forts Novelle „Die Letzte am Schafott“ für einen geplanten Film geschrieben, der aber erst 1959 realisiert wurde („Le Dialogue des Carmélites“, sic!) und 1960 mit dem Titel „Opfergang einer Nonne“ in die deutschen Kinos kam.


    Marcelle Tassencourt und Albert Béguin formten die Dialoge von Bernanos zu einem Theaterstück, das am 14. 6. 1951 in der deutschen Übersetzung von Eckart Peterich und in der Inszenierung von Oskar Wälterlin als „Die begnadete Angst“ am Züricher Schauspielhaus – noch vor der Aufführung an einem französischsprachigen Theater – zur Uraufführung kam. Das Stück, das wegen der vielen Szenenwechsel schwierig zu inszenieren ist und seine Herkunft als Film-Drehbuch nicht verbergen kann, wurde vom Publikum und der Kritik aber nicht angenommen und ist heute wohl nur noch den älteren deutschen Fernsehzuschauern als eindringliche TV-Inszenierung von 1958 ein Begriff – oder eben als Vorlage für die Oper „Les Dialogues des Carmélites“. Francis Poulenc adaptierte den Text des Schauspiels – mit zahlreichen Strichen – und benötigte vier Jahre für die Komposition. Heute ist die Oper als ein Hauptwerk des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts anerkannt und es gibt wohl kein größeres Opernhaus, in dem sie nicht aufgeführt wurde.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Einmal editiert, zuletzt von Carlo ()

  • Das Problem ist, dass man die Sprache meist nicht versteht, selbst, wenn man Französisch kann.......Das kann man hier auch empfehlen: französischer Text mit französischen Untertiteln!


    .... Und natürlich ist es da sinnvoll, die Aufführung in einer Sprache stattfinden zu lassen, die der überwiegende Teil des Publikums auch versteht.


    Man muss schon die französische Sprache perfekt berherrschen und dazu noch die entsprechenden Sänger zur Verfügung haben, um diesem wortreichen Werk in allen seinen Feinheiten folgen zu können. Übertitel schaffen das nicht.


    Ja was denn nun? Können alle so schnell den französischen Text lesen und verstehen? Oder deutsch singen und die französische Sprachmelodie dabei ignorieren?

    Liebe Leute, das ist eine Oper, in die man nicht ohne Vorbereitung gehen sollte. Es gibt Textbücher, die man kaufen kann. Aber bitte nicht auf die Idee kommen, den Text im Programmheft während der Vorstellung zu lesen. Stört erstens die Nachbarn und zweitens deine eigene Konzentration. Oder so wie hier in Zürich den deutschen Text nicht als Übertitel anzeigen, sondern gross in fortlaufender Schrift auf die Rückwand projizieren.

  • So sah das Ergebnis der Texteinfügung in Zürich aus. Natürlich in bessserer Qualität , aber ein besseres GIF konnte ich nicht aus meinem Video extrahieren.


  • Bei dem Ausschnitt (Beitrag 24) leistet die Kamera etwas, was auf der Bühne nicht möglich ist: Nahaufnahmen. Die beiden Sängerinnen singen und spielen betörend schön. Bei anderen Opern sind Nahaufnahmen nicht so empfehlenswert (jeder kennt Beispiele).

    Übrigens ist dieses Thema auch ein Beispiel, wie schön und entspannt alle Beiträge über die "Carmélites" sind. Muss wohl an der Oper liegen.

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)