Der kulturpolitische Auftrag der Theater

  • Was hast Du gegen diese Farben?

    Ich habe gar nichts gegen diese Farben, ich habe nur etwas dagegen, sie für platte Schuldzuweisungen zu verwenden.


    Aha - soll ich den Thread löschen? Das Thema der Kulturpolitik befindet sich schon im Threadtitel, sollte Dir das entgangen sein.

    Zwischen allgemein kulturpolitischen und parteipolitischen Äußerungen sehe ich noch einen Unterschied.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Aha - soll ich den Thread löschen?

    Kannst Du auch machen, aber vielelicht reicht es, den Thread ersteinmal in das Regietheaterforum zu verschieben. (Ernst gemeinter Vorschlag ohne jeglichen Hintergedanken!)

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Ich denke, dass man nicht unbedingt mit aller Gewalt Handlungen in die Gegenwart umdeuten muss - ich denke, es sollte jedem Besucher zugestanden werden, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Einer Holzhammermethode, wie einige - nicht alle ! - moderne Inszenierungen sich bedienen, ist nicht notwendig.


    Mein Beispiel - Tosca. Die Handlung ist zeitlich genau definiert, allerdings sind die im Libretto angesprochenen Grundprobleme auch "heutig". Das kann man (wenn man will) selbst rausfinden, Belehrungen sind da nicht notwendig...


    Just my 2 cents

    Hear Me Roar!

  • Kulturpolitischer Bildungsauftrag an Opernhäusern ? Das Wort Politik stört mich in diesem Zusammenhang ein wenig .


    In der "Felix Austria" gibt es glücklicherweise ein Bundestheaterorganisationsgesetz, in Deutschland ist das allerdings Ländersache.


    Ein Auszug aus dem österreichischen Gesetz:

    Kulturpolitischer Auftrag

    § 2. (1) Der kulturpolitische Auftrag umfaßt folgende Aufgaben:


    1. Pflege der klassischen deutschsprachigen und internationalen Theaterkunst und Kultur.

    ...

    3. Gestaltung der Spielpläne in die Richtung, daß diese ein innovatives und pluralistisches Angebot in Form und Inhalt sowie auch künstlerisch risikoreiche Produktionen beinhalten und den Aspekt der Kunstvermittlung besonders bei Kindern und Jugendlichen berücksichtigen.

    ... ....

    § 2 (4) Die Wiener Staatsoper ist als repräsentatives Repertoiretheater für Oper und Ballett mit umfassender Literatur zu führen. Ihre Stellung im Kreis der international führenden Häuser ist zu erhalten und weiter auszubauen. Beim Repertoire ist auf die Einbeziehung zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen Rücksicht zu nehmen. Fallweise sind auch andere Formen des Musiktheaters als die Oper zu pflegen. Dem Ballett ist im Spielplan der Staatsoper ausreichend Raum zum Ausbau eines selbständigen Profils zu geben; dies gilt sowohl für das Ballett als auch für das moderne Tanztheater. Weiters hat die Staatsoper im Rahmen der Ballettschule für die Ausbildung junger Tänzer im Ballett und im modernen Tanz sowie für die Aus- und Fortbildung von Ballettlehrern zu sorgen. Ein wesentliches Element der künstlerischen Qualität ist das im internationalen Maßstab herausragende Orchester, das in höchster Qualität in dem dafür erforderlichen Umfang aufrechtzuerhalten ist.

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Beim Repertoire ist auf die Einbeziehung zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen Rücksicht zu nehmen. [Anm.: österreichische Gesetzeslage]

    Was ja auch in Ordnung ist. Sowohl als auch eben.


    Aber verabsolutierende Indoktrinierungen á la

    Zusammenfassend liegt der kulturpolitische Auftrag der Theater darin, es zu einem Spiegel der Gegenwart zu machen, der die verschiedenen gesellschaftspolitischen Strömungen aufnimmt und auf das Publikum zurückwirft.

    mögen uns bitte erspart bleiben.


    Da erscheint mir

    Der kulturelle Auftrag des Theater heißt für mich, zwar, auch Aktuelles auf die Bühne zu bringen, aber auch die vorhandene Kultur und Tradition zu pflegen.

    sehr viel zutreffender.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich bin aber auch dagegen, dass jedes neue Theaterstück und jede neue Oper ein "Spiegel der Gegenwart" sein müsse. Hallo, Kunstfreiheit?

    :cursing:

    Damit wurde der Widerspruch der Eingangsforderung schön aufgedeckt. Danke.
    Denn diese impliziert ja: Freiheit der Kunst ja, aber nur, solange es dem eigenen Weltbild entspricht. :wacko:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Anstatt den sozialen Pulsschlag ihrer Zeit aufzunehmen, würden sie zu einer Art Museum degradiert, das nur längst vergangene Zeiten widerspiegelt.

    Diese Aussage ist entlarvend und führt vor Augen, wes Geistes Kind sie ist.:!:

    Ein Museum sei also per se etwas Minderwertiges. Es spiegle ja "nur" Kram von vorgestern wider. :pinch:

    Am besten, man schafft den Geschichtsunterricht komplett ab. Wäre doch die logische Konsequenz. Nur mehr mit dem Hier und Jetzt beschäftigen.

    Und da soll allen Ernstes über Kultur diskutiert werden, wo das kulturelle Erbe bereits beim Einstieg mit Füßen getreten wird. :thumbdown:


    P.S. Ich bin sehr gerne in Museen. Viel lieber als in den Brennpunkten des "sozialen Pulsschlages" unserer Zeit.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Und diejenigen, die nicht meinen, dass das Theater ein Spiegel der Gegenwart sein müsse, die sollen draußen bleiben? (So wie das Publikum ...)

    Ich sehe da ein Fragezeichen: genau, die dies nicht meinen die bleiben Folgerichtig draussen. Die haben Schnauze voll! Die hat das Theater verloren!

    Hier bliebe nur die Frage: Was muss sich beim Theater verändern, um diesem Personenkreis zurück zu holen.


    MfG Wilfried

  • Ein Museum sei also per se etwas Minderwertiges. Es spiegle ja "nur" Kram von vorgestern wider. :pinch:

    Ich weiß natürlich nicht, wie lustein darüber denkt, aber ich halte Museen keineswegs für minderwertig, ganz im Gegenteil. Ich habe sogar selbst einmal für eines gearbeitet, und zwar mit Überzeugung. Aber Theater als Museum zu begreifen ist schlicht und einfach ein Missverständnis. Das ist ebenso so unsinnig wie der hier oft bemühte Vergleich einer Regiearbeit mit dem Überpinseln eines Gemäldes.


    Ich sehe da ein Fragezeichen: genau, die dies nicht meinen die bleiben Folgerichtig draussen. Die haben Schnauze voll! Die hat das Theater verloren!

    Hier bliebe nur die Frage: Was muss sich beim Theater verändern, um diesem Personenkreis zurück zu holen.

    Vielleicht muss sich ja auch etwas bei diesem Personenkreis verändern. :)

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Hier bliebe nur die Frage: Was muss sich beim Theater verändern, um diesem Personenkreis zurück zu holen.

    Ganz einfach: Alte Stücke nicht modernisieren. Dann würde ich auch mal ins Sprechtheater gehen. Da komme ich vielleicht einmal pro Jahrzehnt hinein, um dann zu beschließen, leider weiterhin Theaterstücke nur zu lesen.

  • Ja, mal schauen. - Ansonsten, gesagt ist nach einem Dutzend Beiträgen eigentlich schon alles, und man könnte der Einfachheit halber den Thread auch gleich wieder schließen.

    Keine Argumente? Wenn Dir moderne Inszenierungen gefallen, dann komm doch mal in die Geraer Clan-Unterwelt. Hier singen sogar die ansonsten guten Sänger hundsmiserabel! Paßt schon!!! Besch......Inszenierungen können auch ansonsten gute Sänger nicht retten!!!!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich sehe da ein Fragezeichen: genau, die dies nicht meinen die bleiben Folgerichtig draussen. Die haben Schnauze voll! Die hat das Theater verloren!

    Hier bliebe nur die Frage: Was muss sich beim Theater verändern, um diesem Personenkreis zurück zu holen.

    Manchmal hilft schon ein neuer Intendant! Schlechte Fußballtrainer werden auch rausgeschmissen. Und ein neues Konzept der Verantwortlichen.

    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Manchmal hilft schon ein neuer Intendant! Schlechte Fußballtrainer werden auch rausgeschmissen. Und ein neues Konzept der Verantwortlichen.

    La Roche

    Der Erfolg eines Fußballtrainers bemisst sich an den Ergebnissen der Spiele und dem Tabellenplatz am Ende der Saison. Der Erfolg eines Intendanten ist nicht so eindimensional zu beurteilen. Ganz gewiss ist es nicht alleiniges Kriterium (wenn es überhaupt eines ist), ob die Produktionen einer "Mehrheit" gefallen (welche Mehrheit das auch immer sein soll).

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Ich denke, dass man nicht unbedingt mit aller Gewalt Handlungen in die Gegenwart umdeuten muss - ich denke, es sollte jedem Besucher zugestanden werden, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Einer Holzhammermethode, wie einige - nicht alle ! - moderne Inszenierungen sich bedienen, ist nicht notwendig.


    Mein Beispiel - Tosca. Die Handlung ist zeitlich genau definiert, allerdings sind die im Libretto angesprochenen Grundprobleme auch "heutig". Das kann man (wenn man will) selbst rausfinden, Belehrungen sind da nicht notwendig...


    Just my 2 cents

    hallo, aber ja,

    Genau das mir Theater zutraut und es zulässt, etwas selbst zu deuten und zu interpretieren. Wäre schon ein gute Richtung.

    MfG Wilfried

  • Der Erfolg eines Intendanten ist nicht so eindimensional zu beurteilen. Ganz gewiss ist es nicht alleiniges Kriterium (wenn überhaupt), ob die Produktionen einer "Mehrheit" gefallen (welche Mehrheit das auch immer sein soll).

    Mein Vergleich mit dem Fußballtrainer bezog sich auf diese Bemerkung:



    Ich sehe da ein Fragezeichen: genau, die dies nicht meinen die bleiben Folgerichtig draussen. Die haben Schnauze voll! Die hat das Theater verloren!

    Hier bliebe nur die Frage: Was muss sich beim Theater verändern, um diesem Personenkreis zurück zu holen.

    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Mein Vergleich mit dem Fußballtrainer bezog sich auf diese Bemerkung:

    Ich weiß. Ich halte dieser Vergleich aber für wenig hilfreich, weil nicht so klar ist, wann ein Intendant "schlecht" ist.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Zwischen Theater und Besucher bestehen, so glaube ich, erhebliche Störungen in der Kommunikation und Wahrnehmung. Die Frage was der Kunde will, spielt eine untergeordnete Rolle.


    Ich habe schon mich schon häufiger an Opernhäuser bezüglich einer Inzenierungen gewandt. Ich drücke mich dann sehr moderat und ausgleichend aus. Immer das Gleiche, es wir nur verteidigt, selbst Sachverhalte die ich gar nicht angesprochen habe. Und es wird als ihre Plicht angesehen, es so zu machen. Andere Lösungansätze, wie man diese Oper gestalten könnte, werden ausgeschlossen.

    Nur einmal hat mir der Intendant eines großen Operhaus persönlich, ausführlich und selbstkritisch geschildert wie schwierig sich die ganze Sachlage darstellt.


    Das gibt mir schon zu denken.

    MfG Wilfried

  • Diese Aussage ist entlarvend und führt vor Augen, wes Geistes Kind sie ist. :!:

    Nee, entlarvend ist der Bildungshorizont so mancher Taminos. Tamino soll ja ein Forum für nicht ganz ungebildete "Kulturmenschen" sein.


    Dann sage mir doch mal, welcher Klassiker - um nur einige Namen zu nennen: Lessing, Schiller, Richard Wagner... - hat denn gefordert, das Theater müsse ein Museum sein? Antwort: Wenn man sie alle gelesen hat, weiß man: "Museales" Theater ist im Selbstverständnis dieser nicht ganz unbedeutenden Klassiker ein hölzernes Eisen!


    Schöne Grüße

    Holger

  • Das erscheint auf den ersten Blick ganz simpel: Er sucht Abwechslung und Entspannung von seinem Tageswerk, will der oft unbequemen Alltagswelt entfliehen und sich im Theater einem Meer von Illusionen hingeben, die ihn der realen Welt entrücken und ihn nicht geistig fordern

    Wenn ich mir ein Stück des Boulevardtheaters ansehe, dann stimmt das auch.Umd dagegen ist ja auch wenig einzuwenden. Ernste Stücke hingehen haben eine andere Qualität. Sie Basieren oft auf historischen Ereignissen.

    Gelegentlich wird ins Treffen geführt, die Hintergründe seien "den Menschen von heute" nicht mehr geläufig. Mag sein - wenngleich ich glaube dass das nur für eine bestimmte Personengruppe gilt. Und die müssen halt entweder "Nachhilfe" nehmen oder sich eine andere Feizeitbeschäftigung suchen, die ihrem IQ besser entspricht, irgend ein Sport, den man im TV verfolgt, ein Computerspiel oder eine Soap Oper.


    Andere dagegen sind von derselben Aufführung begeistert und loben sie wegen ihres hohen geistigen Niveaus, das intensiv ihren Intellekt angeregt hat

    Es hat mich immer wiedr verblüfft mit welcher Dreistigkeit man von "hohem geistigen Niveau " spricht, wenn von Regietheater die Rede ist. Genau das Gegenteil ist der Fall, schon die Bühnenbilder sind eine Frechheit, und ich würde Schüleraufführunegen beleidigen, wenn ich sie als Vergleich benutzte.

    BEGSITERT sind natürlich schon Leiutem, nämlich solche die schon beim Wort "bürgerliches Theater" in Agonie verfallen und si freuen zu sehen wie es demontiert wird.

    Damit wird deutlich, dass das Theater nicht nur zur Unterhaltung und Entspannung da ist, sondern auch einem tieferen Sinn, der Bildung und Besinnung, dienen soll

    Das ist eine sehr subjektive Aussage, die allerdings in dieser Form als Dogma formuliert ist

    Nirgendwo ist definiert wozu Theater dienen soll.


    das Opernhaus wird so einer sozialen Ader der Gesellschaft, die dieser seine Sicht der aktuellen Gegebenheiten vermittelt. Es muss seine Besucher zum Nachdenken veranlassen und ihnen einen Weg weisen, sich in den Gestalten und dem Geschehen auf der Bühne selbst wiederzuentdecken und daraus Konsequenzen zu ziehen. Von dieser Funktion des Theaters ging insbesondere Bertolt Brecht aus, der mit jedem seiner Stücke dem Publikum eine Lehre erteilen wollte.

    Es war mir klar daß irgendein Kommunist hier als Wertevermittler genannt werden würde...

    Häufige heftige Buhkonzerte gegenüber dem Regieteam bei einer Premiere scheinen nur allzu deutlich zu belegen, dass Neudeutungen alter Werke nicht immer als gelungen erscheinen und schon gar nicht immer gefällig sind

    Sehr euphemistisch formuliert.


    Diese Vorstellungen sind aber meistens nur noch als Überbleibsel eines früheren Inszenierungsstils interessant, mit der die junge Generation häufig gar nichts mehr anfangen kann und den sie vielleicht sogar langweilig findet.

    Das stimmt in dieser Form nicht - Es trifft zu - aber auf die dumme Unterschicht,

    Und die wollen wir doch nicht als Maßstab für unsere Kultur machen. (??)

    Wer Theater langweilig findet, der soll einfach nicht hingehen.

    So einfach ist das.

    Zusammenfassend liegt der kulturpolitische Auftrag der Theater darin, es zu einem Spiegel der Gegenwart zu machen, der die verschiedenen gesellschaftspolitischen Strömungen aufnimmt und auf das Publikum zurückwirft.

    Wieder so eine dogmatische Behauptung. Niemand verlangt, Theater zu einem Spiegel der Gegenwart zu machen (Ausnahme sind zeitgenössische Stücke - Aber die werden doch -auch wenn manche nun aufschrien werden - eher gemieden. Zur Premier ist anatürlich die geamte linke Schickeria versammelt, aber allzuviele Aufführungen folgen nur sellten, Werden sie aber mit Druck durchgesetzt, dann bleiben die Theater eher leer oder aber sie werden durch Freikarten aufgefüllt.


    Das jüngere Publikum dagegen steht modernen Regiekonzepten in der Regel aufgeschlossener gegenüber und ist eher bereit, provokante Inszenierungen zu akzeptieren, wenn diese ein erkennbares Konzept haben.

    Das glaub ich gern - auch wenn diese kein erkennbares Konzept haben.

    Man hat der Jugend abgewöhnt Bewertungen zu treffen. Ich erinnere mich an ein Seminar wo die Vortragende zu mir sagte;

    Herr Schmidt, sie weten immer, lassen Sie das doch sein unbd betracten die Welt wetungsfrei, offener.

    Das sollte mich bloßstelle - und das war ein Fehler: Ich parierte; "Ich MUSS werten. Damit kann ich mich in meiner Umgebung orientieren, Würde ich NICHT werten,dann wäre mir entgangen wie ahnungslos und ungebildet Sie im Grunde sind."


    Wenn man Theater und Oper nur nach den Vorstellungen der älteren Generation machen würde, könnten Opernhäuser und Sprechtheater ihrer Aufgabe nicht mehr erfüllen. Anstatt den sozialen Pulsschlag ihrer Zeit aufzunehmen, würden sie zu einer Art Museum degradiert, das nur längst vergangene Zeiten widerspiegelt.

    Dies "AUFGABE "ist eine selbsterfundene. Es gibt sie nicht

    Und selbstverständlich ist Theater eine museale Kunst,

    das Museum vermittelt einem vergangene Werte, weigt beispilsweise wie man in der Vergangneheit mit Verbrechern umgegangen ist

    wie Hierarchien aufgebaut waren , daß manches was man uns heute erzälhlt einfach nicht stimmt.

    Den SOZIALEN PULSSACGLAG unserer Zeit

    findet man am besten im Internet

    (Tamino Klassikforun und einiege andere elitäre Seiten natürlich ausgenommen)

    Ein Museum ist nicht wozu man ein Therater degradieren muss,

    Degradiert wird ein Theater durch Regietheaterinszenierungen


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Wer Theater langweilig findet, der soll einfach nicht hingehen.

    So einfach ist das.

    Wem die Aufführungen nicht gefallen, die an den Opernhäusern laufen, der soll einfach nicht hingehen.

    So einfach ist das.


    Oder doch nicht?

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Dann sage mir dochch mal, welcher Klassiker - um nur einige Namen zu nennen: Lessing, Schiller, Richard Wagner... - hat denn gefordert, das Theater müsse ein Museum sein? Antwort: Wenn man sie alle gelesen hat, weiß man: "Museales" Theater ist im Selbstverständnis dieser nicht ganz unbedeutenden Klassiker ein hölzernes Eisen!

    Darum ging es mir nicht, lieber Holger, sondern um die von lustein postulierte und m. E. untragbare Degradierung von Museen, den Stätten unseres kulturellen Erbes.


    Eine Oper von 1800 spiegelt nur eben erst einmal die Zeit von 1800 wider, eine von 1850 jene von 1850, eine von 1900 jene von 1900 etc. pp. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Aussage in der jeweiligen Oper gleichsam zeitlos ist und uns auch noch heute etwas zu sagen hat. Dazu bedarf es aber nicht zwingend einer Aktualisierung von Zeit und Raum. Zeitlosigkeit drückt sich ja gerade dadurch aus, dass man etwa den Figaro von Mozart auch heute problemlos im Stile von 1786 spielen kann und sich trotzdem dabei denken: Großartig, die Grundaussage trifft doch auch heutzutage noch zu. Auch in Rokokokostümen wird es nicht automatisch zum Museum.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Das ist eine sehr subjektive Aussage, die allerdings in dieser Form als Dogma formuliert ist

    Nirgendwo ist definiert wozu Theater dienen soll.

    Falsch. Eine Bildungslücke von Dir. Friedrich Schiller - und das ist die Hochzeit der deutschen Philosophie und Literatur, Deutscher Idealismus nämlich - definiert, dass Theater eben nicht nur zum Vergnügen und zur Unterhaltung da ist, sondern primär einen moralisch-gesellschaftskritischen Zweck hat. Es geht nach Schiller um nichts Geringeres, als die "moralische Weltregierung" auf dem Theater zu errichten.

    Es war mir klar daß irgendein Kommunist hier als Wertevermittler genannt werden würde...

    Auch da hast Du eine Bildungslücke. Brecht beruft sich auf das französische Theater des 18. Jhd. - und stellt sich damit in eine sehr alte Tradition. Da gab es überhaupt noch keinen Kommunismus. Und das französische Theater wiederum fußt auf Horaz. Das heißt: Brechts Verständnis von Kunst und Theater hat seine Wurzeln letztlich in der Antike, ist also sehr "konservativ".


    Mehr sage ich aber nicht dazu.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Aussage in der jeweiligen Oper gleichsam zeitlos ist und uns auch noch heute etwas zu sagen hat.

    Wenn die Aussagen nicht zeitlos wären und uns auch heute noch etwas zu sagen hätten, brauchte man die Oper nicht aufführen.

    Dazu bedarf es aber nicht zwingend einer Aktualisierung von Zeit und Raum. Zeitlosigkeit drückt sich ja gerade dadurch aus, dass man etwa den Figaro von Mozart auch heute problemlos im Stile von 1786 spielen kann und sich trotzdem dabei denken: Großartig, die Grundaussage trifft doch auch heutzutage noch zu. Auch in Rokokokostümen wird es nicht automatisch zum Museum.

    Genau hier gehen die Meinungen auseinander. Wenn die Aussagen z.B. des "Figaro" zeitlos sind, warum dann Rokoko-Kostüme? Behindern solche Kostüme nicht eher die Erfassung dieser zeitlosen Aussagen? Welchen Nutzen haben sie dann noch?

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Darum ging es mir nicht, lieber Holger, sondern um die von lustein postulierte und m. E. untragbare Degradierung von Museen, den Stätten unseres kulturellen Erbes.

    Das habe ich aber bei lustein überhaupt nicht gelesen, lieber Joseph II.! Museen gibt es für bildende Kunst, aber eben nicht für das Theater.

    Eine Oper von 1800 spiegelt nur eben erst einmal die Zeit von 1800 wider, eine von 1850 jene von 1850, eine von 1900 jene von 1900 etc. pp. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Aussage in der jeweiligen Oper gleichsam zeitlos ist und uns auch noch heute etwas zu sagen hat. Dazu bedarf es aber nicht zwingend einer Aktualisierung von Zeit und Raum. Zeitlosigkeit drückt sich ja gerade dadurch aus, dass man etwa den Figaro von Mozart auch heute problemlos im Stile von 1786 spielen kann und sich trotzdem dabei denken: Großartig, die Grundaussage trifft doch auch heutzutage noch zu. Auch in Rokokokostümen wird es nicht automatisch zum Museum.

    Das ist aber genau das entscheidende Problem. Die meisten Opern, die heute gespielt werden, stammen aus dem 19. Jhd. Der herrschende Geist des 19. Jhd. ist aber der Historismus. Richard Wagner z.B. lehnt es kategorisch ab, dass Theater und Oper etwas "Zeitloses" zum Ausdruck bringen könne. Theater ist für ihn rein historisch, ausschließlich für das Hier und Jetzt, ein bestimmtes politisch-soziales Milieu, geschaffen. Genau deshalb stellt sich dann die Frage (die Wagner weder gestellt noch beantwortet hat, weil er davon ausging, dass primär zeitgenössische Bühnenwerke zur Aufführung kommen), wie man diesen Zeitbezug auch nach 100 oder 200 Jahren herstellen kann. Da gibt es nur zwei bzw. drei Möglichkeiten: Entweder man führt die Werke einfach nicht mehr auf, weil sie als nicht mehr aktuell und ihres historischen Zeitbezugs verlustig geworden im Grunde unaufführbar geworden sind, oder man aktualisiert sie. Oder man monumentalisiert sie zum Überhistorisch-Musealen, dann macht man aber genau das, was Wagners Historismus radikal mit großer Vehemenz abgelehnt hat. Was die Kostüme angeht, muss ich mich wiederholen: Friedrich Schiller: Die handelnde Person auf der Bühne ist nicht die historische Person, die in einem (historischen) Kostüm steckt, sondern die "moralische" Person. Und die ist im Grunde "nackt", sagt der große Griechenliebhaber Schiller. ^^


    Schöne Grüße

    Holger

  • Wenn die Aussagen nicht zeitlos wären und uns auch heute noch etwas zu sagen hätten, brauchte man die Oper nicht aufführen.

    Man führt eine Oper doch nicht wegen ihrer Aussage aus, sondern, weil sie als Kunstwerk nach wie vor von Interesse ist! In erster Linie z.B. wegen der Musik ...

  • Man führt eine Oper doch nicht wegen ihrer Aussage aus, sondern, weil sie als Kunstwerk nach wie vor von Interesse ist! In erster Linie z.B. wegen der Musik ...

    Okay, ich habe es überspitzt formuliert. ;) Ich denke aber schon, dass man eine Oper nicht nur ihrer Musik wegen aufführt, sondern auch deswegen, weil sie uns heute noch etwas zu sagen hat. Eine Oper ist eben keine Symphonie, sie hat als Theaterstück einen außermusikalischen Gehalt. Und die Aufgabe eines Regisseurs ist es für mich, diesen Gehalt in seiner Aktualität herauszustellen, womit natürlich immer auch eine Interpretation verbunden ist.


    Im übrigen: Für das Kunstwerk Oper sind Kostüme und Kulissen in keiner Weise konstitutiv.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Okay, ich habe es überspitzt formuliert. ;) Ich denke aber schon, dass man eine Oper nicht nur ihrer Musik wegen aufführt, sondern auch deswegen, weil sie uns heute noch etwas zu sagen hat. Eine Oper ist eben keine Symphonie, sie hat als Theaterstück einen außermusikalischen Gehalt. Und die Aufgabe eines Regisseurs ist es für mich, diesen Gehalt in seiner Aktualität herauszustellen, womit natürlich immer auch eine Interpretation verbunden ist.


    Im übrigen: Für das Kunstwerk Oper sind Kostüme und Kulissen in keiner Weise konstitutiv.

    Das ist nett, dass Du das nicht so apoditkisch formulierst - für mich ist die Aufgabe eines Regisseurs natürlich eine ganz andere.

    :)

    Oper ohne Kostüme und Kulisse ist freilich möglich, obwohl man sich dann fragen kann, ob die Nichtkostüme und die Nichtkulisse nicht eben auch wieder eine Art von Kostüm und Kulisse darstellen. Also: Ein Alltagsgewand ist auf der Bühne auch wieder ein Kostüm und eine leere Bühne hat auch eine Rückwand.