NACH der Corona Krise - Was kommt danach ? - (Nur Oper-Konzert-Theater - Museum)

  • Und wenn diese an der Rheinoper aufgeführt werden, ist der Zuschauerraum sehr übersichtlich gefüllt.

    Nun ja. Der Zuschauerraum wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso nur sehr übersichtlich gefüllt sein dürfen. Je nach Verordnungslage. Es ist jedenfalls cleverer, in so einer Situation Werke aufzuführen, auf denen ohnehin kein allzu großer Box-Office-Druck lastet.

  • Beim Heilbronner Sinfonie Orchester wird die größte Stärke nämlich die hohen Besucherzahlen, 1400 Abonnenten und durchschnittlich 300 bis 400 Besucher, zu unserer größten Hypothek. Nach den jetzigen Regelungen in BW könnten wir selbst wenn wir an einem Tag das gleiche Programm 2 X spielen knapp die Hälfte der Besucher zufrieden stellen. Wir treten bereits in kleineren Ensembles auf. Auch alle Open Air-Veranstaltungen würden bei den in Heilbronn möglichen Aufführungsstätten finanziell ein Fiasko, das wir uns nicht leisten können. Was tun? Wir fahren auf Sicht, das heißt wir machen das, was jeweils möglich und finanziell verantwortbar ist. Wir hoffen auf die Treue unseres Stammpublikums und planen jetzt schon an einem Programm, das fast schon Wunschprogrammcharakter hätte und jeden Heilbronner ins Konzert zieht. Trotz allem glauben wir, dass wir die Krise überstehen.

    Herzlichst

    Operus (Hans

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Heute erfolgte die Freigabe für Karten / Platzreservierungen, beginnend mit der Premiere "Die Perlenfischer" am 21. August

    im Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg.

    Was mich wundert, bzw. irritiert ist - so weit ich das sehe, gibt es keine freibleibenden Abstands - Corona - Plätze,

    sondern alle Plätze stehen zur Verfügung.

    Dies war meine Mitteilung am 24. Juni.

    Ich habe heute mal die Platzreservierung gecheckt und bin sehr verwundert und erstaunt über die bereits gebuchten Plätze trotz Corona.

    Stand heute, gibt es im Parkett nur noch 19 freie Plätze, der 1. Rang ist restlos ausverkauft. Sonst gibt es nur noch Karten im 2. und 3. Rang.

    Auch für die zweite Premiere, zwei Tage später, ist der 1. Rang bereits ausverkauft. Und das ohne Platzabstände!

    Obwohl ich gern dabei wäre, ich habe noch nicht bestellt, zögere noch...


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Offenbar geht die ganze Kultur davon aus, dass im Herbst wieder alles beim alten ist.

    Abgesehen von einer schon lange gebuchten Veranstaltung Anfang Oktober (Wagners Tristan werktreu in Bayern, so eine Art Nachfolgeprojekt von dem hier im Forum früher propagierten aus Oberösterreich) gehe ich davon aus, im Herbst nirgends hinzugehen.

  • Unser Kino bietet schon seit gestern Aufzeichnungen aus der Metropolitan Opera an. Wenn man bucht, wird neben den gebuchten Plätzen rechts und links sofort ein Platz blockiert. Es besteht Maskenpflicht bis hin zu Platz. Da die Reihen weit genug auseinander (jeweis zwei Stufen höher, sodass man den Vordermann nicht sieht, sehe ich die Gefahr gering. Allerdings wird wohl der Aufenthalt vor Beginn und in den Pausen im Foyer nicht möglich sein. Ich habe zwar für den Sommer nicht gebucht, aber einige von den Veranstaltungen der neuen Saison, die am 7.11. beginnt. Da die MET mit live-Übertragungen erst ab Januar beginnt, ist die Veranstaltung im November auch eine Aufzeichnung. Nun werde ich darauf achten, wieweit Übertragungen aus dem Royal Opera House stattfinden, bei dem ich vor allem die Ballettaufführungen (etwa die Hälfte der Übertragungen sind Ballette) schätze. Ein Spielplan liegt zur Zeit noch nicht vor.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Offenbar geht die ganze Kultur davon aus, dass im Herbst wieder alles beim alten ist.

    Das geht sie mittlerweile nicht mehr. Die aufwändigen Saisonprogramme der Opernhäuser und Orchester können wahrscheinlich alle in die Tonne. Zunächst versucht man ein abgespecktes Programm zu bieten und will einen platzreduzierten Spielbetrieb durchführen. Die Staatsoper jedenfalls holt ihren Beethoven-Konzertzyklus Ende August/ Anfang September nach, ich habe mir die letzten Tickets am ersten Vorverkaufstag gesichert. Da werde ich am 2. September nach einem halben Jahr Zwangspause erstmals wieder ein Konzert besuchen können.

    Das Konzerthausorchester, wo ich ein Abonnement habe, führt zunächst ebenfalls ein Sparprogramm durch. Da soll ich meine Tickets in ein Wunschkonzert oder einen Gutschein umtauschen. Konzerte ohne Pause und ohne Gastronomie. Die Staatsoper weist auf die Hygieneregeln hin, Mundschutz beim Ein- und Auslass. Gastronomie gibt es. Für alle Veranstaltungen ab Oktober kann man sich auf eine Reservierungsliste setzen lassen und man bekommt relativ kurzfristig vorher Bescheid, ob man berücksichtigt werden konnte.

    Freudensprünge kommen bei mir jedenfalls nicht auf.

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Die MET startet am 18. Juli eine Serie von Solo-Konzerten großer Opern-Stars, die jeweils an ausgewählten Orten aufgezeichnet werden. Die Konzerte werden live gestreamt und als pay-per-view event angeboten (Tickets und alle Infos auf der Website der MET).


    Es beginnt Jonas Kaufmann am 18. Juli mit einem Arienkonzert aus dem Kloster Polling, begleitet von Helmut Deutsch; danach Renée Fleming am 1. August usf.


    Auffallend: sicher ein eindrucksvolle Liste, doch im Grunde immer die gleichen Sängerinnen und Sänger., die man letzthin bei zahlreichen Gelegenheiten erleben konnte. Im übrigen sind Arienkonzerte mit Klavierbegleitung nichts für mich...




    VG

    Otello50

  • Im oberfränkischen Hof legte das Theater seinen Spielplan 2020/2021 vor. Das Haus beutelt nicht nur Corona, sondern auch eine nach 25 Jahren nötige technische Sanierung. Gespielt wird ab Herbst in einem Behelfsbau direkt neben dem Theater, es stehen rund vierhundert Plätze zur Verfügung. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass knapp ein Drittel davon belegt werden darf. Alle Abonnements sind ausgesetzt, wer in den letzten Jahren eins hatte, greift bevorzugt auf die knappen Karten zu.


    Dramatische Meldungen präsentiert die "Frankenpost" in ihrer heutigen Ausgabe, auf Basis von dpa-Material. Unter der Überschrift auf der Titelseite: "Ein Jahr ohne Festspiele - daür mit großen Zukunftsängsten" wird im Blatt über 15 Millionen Euro Einnahmeausfall berichtet. Die Bayreuther Festspiele finanzieren sich zu rund 65 Prozent über Kartenverkauf, eine stattliche Quote. Sollte das Haus am Grünen Hügel auch im Sommer 2021 geschlossen bleiben, droht das Ende der Bayreuther Festspiele, und das wenige Jahre vor dem 150. Jubiläum. Zu allem Überfluß stehen aufwändige Inverstitionen in Sicherheit und Bühnentechnik an, deren Finanzierung bisher nicht gewährleistet ist.

  • Langsam aber sicher - in Berlin wird der Spielbetrieb mit einem Schrumpfprogramm wieder aufgenommen. Ich werde am 2. September Beethoven 8 und 7 in der Staatsoper mit Barenboim erleben. Am 25. September gehts ins Konzerthaus mit Bartok, Saint-Saens und Weber. Die Berliner Phiharmoniker haben heute den allgemeinen Vorverkauf gestartet. Ich bin froh, für den 5. Oktober noch Karten (unnummeriert) für das Chamber Orchestra of Europe ergattert zu haben. Vilde Frang spielt Beethovens Violinkonzert, danach die Sinfonie Nr. 90 von Haydn. Sir Simon Rattle soll dirigieren. Nach über einem halben Jahr Zwangspause freue mich auf diesen Neuanfang. Es sind vorerst nur Programme ohne Pause mit entsprechendem Sitzabstand und mit überschaubarer Orchesterbesetzung. Besser als gar nichts.

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

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  • Langsam aber sicher - in Berlin wird der Spielbetrieb mit einem Schrumpfprogramm wieder aufgenommen...

    Nach über einem halben Jahr Zwangspause freue mich auf diesen Neuanfang. Es sind vorerst nur Programme ohne Pause mit entsprechendem Sitzabstand und mit überschaubarer Orchesterbesetzung. Besser als gar nichts.

    :hello:

    Hallo, timmiju

    Ja, besser als gar nichts - das kann ich nach langer Abstinenz absolut verstehen. Und ich wünsche Dir schon jetzt - viel Freude und Genuß.

    Vor allem, möge alles gut gehen und bleib´gesund!

    Auch im Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg beginnt am kommenden Freitag wieder der "normale" Theaterbetrieb.

    Und zwar gleich mit der Premiere von "Die Perlenfischer". Leider ohne mich als Zuschauer. Ich wäre zwar sehr gerne dabei gewesen,

    zumal ich seit Februar nicht mehr im Theater war, gebe aber zu, ich trau´ mich (noch) nicht.

    Ich kann ja den Sitzplan sehen und bin erstaunt, ich kann keine extra Sitzabstände erkennen. Parkett und 1. Rang sind komplett ausverkauft.

    Es gibt aktuell nur noch rund 100 freie Plätze im 2. und 3. Rang und da werden bestimmt auch noch einige in den nächsten Tagen weggehen.

    Unter normalen Gegebenheiten, wäre das Haus längst ausverkauft und ich wäre dabei.

    Aber es kommen ja irgendwann demnächst auch hoffentlich wieder bessere Zeiten und so bleibt mir bis dahin nur die Vorfreude...


    Herzlichst

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Lieber chrissy, danke für deine guten Wünsche. Ich bin überhaupt nicht ängstlich. Mit Abstandswahrung sehe ich da kein Risiko, eher in den oft vollen öffentlichen Verkehrsmitteln. Für die "Perlenfischer" - ich liebe das Duett Nadir/Zurga - habe ich mch an der Staatsoper im Oktober angemeldet. In den Hauptrollen Pavel Breslik und Alfredo Daza, das verspricht einiges.

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Wie heute gemeldet wird denkt der Bundesgesundheitsminister laut darüber nach, Karnevalsveranstaltungen in der Session 2020/21 zu verbieten. Zuständig sind hier indes die Bundesländer. Daher wohl erst mal eher ein Versuchsballon, um die Stimmung zu testen...

    Ich kann mir jedoch nach heutigem Stand schwer vorstellen, dass eine generelle Absage solcher Veranstaltungen (und entsprechend von Volksfesten, Advents- und Weihnachtsmärkten etc) keinen Einfluss auf den Opern- und Konzertbetrieb haben würde und die Opernhäuser und Konzerthallen wieder wie vor Corona mit voller Kraft und großem Publikum öffnen könnten. Es ist und bleibt volatil und spannend. Und Ratlosigkeit allerorten...


    VG

    Otello50

  • Meine Frau und ich waren beim 1. Opernkonzert das mit voll besetztem Orchester und 4 Solisten mit 500 Zuschauern unter fast "normalen" Bedingungen in Konstanz ablief dabei. Wenn es interessiert, wie das gelungen ist, kann die im "Online Merker" erschienene Kritik, - die ich verfasste - ausführlich nachlesen. Sie erschien im Zeitraum vom 3. - 4. August und wird im Festspielheft des Merkers ebenfalls erscheinen. Ich kann leider keine Links setzen. Vielleicht ist ein hilfsbereiter Kollege so lieb und macht dies für mich. Danke!

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Boris,

    danke für die wieder gewährte Unterstützung.

    Herzlichst

    Hans

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  • Ein großes Poster an der Fassade des Theater Regensburg kündigt zur Saisoneröffnung Verdi's Otello an.


    Auf meine Nachfrage, ob das Original gegeben wird, erhielt ich heute aus der Dramaturgie diese Mitteilung:


    "..die aktuellen Hygienevorschriften erlauben es leider aktuell nicht, das Werk in Originalbesetzung zu spielen. Wir verwenden die Fassung von Francis Griffin von Pocket Publications. Alle Theater müssen derzeit auf solche Bearbeitungen zurückgreifen, um überhaupt Stücke spielen zu können. Konkret bedeutet das: 24 ChorsängerInnen und 21 OrchestermusikerInnen".


    Für mich ein klarer Fall von Etikettenschwindel.


    By the way, kennt ein Tamino (oder eine Tamina...*g*) diese Bearbeitung?

  • Amateurfilm forum und -Produktion sucht Darsteller jeden Alters und technische Mitarbeiter aus Wien

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  • Alle Theater müssen derzeit auf solche Bearbeitungen zurückgreifen, um überhaupt Stücke spielen zu können. (Zitat Theater Regensburg)

    Auch das ist ja eine nicht haltbare Behauptung des Regensburger Theaters.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Gestern war ich nach über einem halben Jahr wieder in einem Sinfoniekonzert, und zwar in der Staatsoper Unter den Linden. Im Rahmen der nachgeholten Aufführung sämtlicher Beethoven-Sinfonien spielte die Staatskapelle unter Daniel Barenboim die 4. und 3. Sinfonie in dieser Reihenfolge ohne Pause. Der Saal war sehr übersichtlich gefüllt, erlaubt waren wohl etwas über 600 Plätze. Für mich überraschend die Orchesterbesetzung mit 14 1. Geigen und entsprechenden 6 Kontrabässen. Zum Vergleich: Bei der Fernsehwiedergabe mit Blomstedt und dem Luzerner Festival Orchester habe ich 3 Kontrabässe gezählt, da gab es auch Eroica. Es geht also doch. Jedenfalls wurde dem Orchester beim Auftritt deutlich länger als sonst applaudiert, es waren wohl alle wieder froh, dass es , so oder so , wieder losgeht. Und - die geringe Publikumszahl wirkte sich wohl bei der Akustik aus, selten habe ich ein Orchester in solcher Klangfülle gehört. Da wird eben weniger verschluckt. Musikalisch war es nach der langen Entbehrung ein Hochgenuss!

    :hello:

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  • Liebe Taminos!


    Da ich in Finnland lebe, wurde ich gebeten, etwas über die Auswirkungen der Coronakrise auf das Musikleben in Finnland au schreiben, möchte dies aber auf St. Petersburg ausdehnen, wo die Wewbseite des Mariinsky-Theaters zu meiner täglichen Lektüre gehört.


    Die Situation in Finnland
    - Die Finnische Nationaloper hat gerade wieder zu spielen begonnen. Anstelle einer Neuninszenierung der "Walküre" gab es "COVID FAN TUTTE" (!!!), u.a. mit Karita Mattila als Despina (!). Unverkennbar war es die Musik Mozarts, u.a. ergänzt durch Leporellos Registerarie (?), in finnischer Sprache mit einem auf den Coronavirus bezogenen Text. Da mir für diese Art von Klamauk der Sinn fehlte, habe ich die TV-Live-Ûbertragung der 2. Vorstellung nach einer 1/2 Stunde abgestellt.

    - Das Programm der Opernfestspiele von Savonlinna wurde nicht abgesagt, sondern auf das nächste Jahr verschoben. Der neue Intendant Ville Matvejeff wollte mit Szymanowskis "Krol Roger" beginnen. Ob das Publikum, das überwiegend aus Touristen besteht, diese Wahl goutiert hätte, möchte ich auch ohne Coronakrise mit einem Fragezeichen versehen.

    - Matvejeff war vorher Künstlerischer Leiter des ambitionierten FESTIVALS VON TURKU, das nunmehr vom finnischen Senkrechtstarter unter den Dirigenten, dem 24jährigen (!) Klaus Mäkelä, geleitet wird. Auch dieses Festival wurde abgesagt.

    - In Mikkeli lebend, kann ich etwas mehr über dieses Festival sagen, dessen Künstlerischer Leiter seit 1993 Valery Gergiev ist. Vorbei sind die Zeiten, als Gergiev 1994 mit seinem Mariinsky-Theater ganze zwei Wochen in dieser Kleinstadt weilte und das finnische Publikum mit Konzerten und Opernaufführungen in szenischer und konzertanter Form begeisterte, u.a. mit einer jungen, damals noch unbekannten Figaroi-Susanna (Anna Netrebko). Mikkeli war als sommerliches Refugium für Gergiev und seine Familie interessant, aber mit einem weniger als 700 Zuhörer fassenden Konzertsaal lässt sich nun einmal kein Geld machen. Die drei für diesen Sommer vorgesehenen Mariinsky-Konzerte wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Restprogramm wurde auf Herbst 2020 und Frühjahr 2021 aufgeteilt, wobei wichtig ist zu betonen, dass die Konzerte nicht abgesagt, sondern nur verschoben wurden. Wären sie abgesagt worden, hätte man die Unterstützung der Stadt Mikkeli und die Sponsorengelder zurückzahlen müssen, was das finanziell äußerst klamme Festival in die Nähe eines Konkurses gebracht hätte.

    - Gerade ist das Programm des City of Mikkeli Orchestras veröffentlicht worden, eines 12köpfigen Streicherensembles, das sich für sinfonisches Repertoire mit dem Orchester von Lappeenranta zur Saima Sinfonietta zusammenschließt. In dieser Besetzung ist für Oktober ein Konzert mit Olli Mustonen als Dirigenten und Klaviersolisten vorgesehen. Programm : Beethoven Coriolan, 5. Klavierkonzert, 5. Sinfonie. Es wird interessant sein zu verfolgen, ob und wie bei Musikern wie Publikum die auch hier geltenden Anstandsregelungen eingehalten werden können.


    Ûber die Situation am Mariinsky-Theater demnächst mehr.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

  • Lieber Peter,

    danke für den interessanten Zustandsbericht. Zunächst erstaunte mich, wie

    viele Festivals Finnland besitzt und welch prominente Künstler sie leiten. Ansonsten scheint es wie bei uns zu sein, dass man ganz langsam und vorsichtig wieder aus dem Corona-Tiefschlaf erwacht und wie ein Erwachender langsam ins Leben zurücktaumelt. Wobei ich befürchte, dass es für viele mittlere und kleine Kulturträger kein Erwachen mehr gibt und das wäre eine äußerst bedauerliche Ausdünnung und Verarmung der Kulturszene.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Peter,

    danke für den interessanten Zustandsbericht. Zunächst erstaunte mich, wie

    viele Festivals Finnland besitzt und welch prominente Künstler sie leiten. Ansonsten scheint es wie bei uns zu sein, dass man ganz langsam und vorsichtig wieder aus dem Corona-Tiefschlaf erwacht und wie ein Erwachender langsam ins Leben zurücktaumelt. Wobei ich befürchte, dass es für viele mittlere und kleine Kulturträger kein Erwachen mehr gibt und das wäre eine äußerst bedauerliche Ausdünnung und Verarmung der Kulturszene.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Lieber Operus!

    Danke für Deine freundlichen Worte. Aber das war nur ein verschwindend kleiner Ausschnitt aus den von der Dachorganisation "Finland Festivals" vertretenen Festivals. Hier in chronologischer Reihenfolge die Liste der Festivals mit dem Thema "KLassische Musik" :


    Sibelius-Tage Loviisa

    Internationales Sibelius-Festival "Sinfonia Lahti"

    Musikfestspiele Kauniainen

    Musikwochen von Oulainen

    Kammermusikfetival Jakobstad

    Turku Music Festival

    Musiktage Hetta, Enontekiö

    Musikfest "Meer und Musik", Inkoo

    Festival "Orgelnacht und Arie", Espoo

    Sommerkonzerte in Riihimäki

    Musikfestspiele Naantali

    Iitti-Musikfest

    Musik in Ruovesi

    Anati! Sommerkläne, Porvoo

    Kammermusikfestival Helsinki

    Sommerkläne in Sysmä

    Mikkeli Music Festival

    Kaakko Festival, Virolahti

    Kammermusikfestspiele Kuhmo

    Musikfestspiele auf der Insel Kimitöön

    Sastamala Gregoriana

    Musikwochen von Kangasniemi

    Lieksa Brass Week

    Musiktage Joroinen

    Crusell-Musikfest, Uusikaupunki

    Our Festival, Järvenpää / Tuusula

    Lohtaja Kirchenmusifestival

    Korsholmer Musikfestspiele

    Klavierfest Mänttä

    Rauma Festivo

    BRQ-Vantaa-Musikfest

    Internationale Orgelwoche Lahti

    Satasoitto, Harjavalta / Kokemäki

    Festival Piano Espoo,

    dazu das alles überstrahlende Savonlinna Opera Festival.


    Wenn man wie ich im Wald- und Seenfinnland lebt, hat man in einem Umkreis von 200 km eine reiche Auswahl an Festivals. Einer Untersuchung zufolge leben in Finnland die "glücklichsten Menschen" (!!!). Vielleicht alles Musikliebhaber? Bei dieser Auswahl!


    Herzliche Grüße aus Finnland


    Peter

  • Valery Gergiev und das Mariinsky auf Anti-Corona Kurs – Ein Bericht aus sicherer Entfernung


    Vorweg – dies ist kein Bericht aus erster Hand, nicht aus St. Petersburg, denn ebenso wie die Grenzen der EU derzeit (noch) für Russen gesperrt sind, dürfen auch EU-Bürger nicht nach Russland einreisen. Doch das Internet ermöglicht gute Einblicke, ohne selber vor Ort sein zu müssen.


    Für Valery Gergiev war schon am 13. März in New York Schluss. An den nächsten beiden Abenden fielen sowohl der Fliegende Holländer an der MET als auch ein Konzert mit den New Yorker Philharmonikern aus. Sein Mariinsky-Theater in St. Petersburg spielte noch einige wenige Theater weiter, wobei sich am 14. März die pikante Situation ergab, dass Rodion Shchedrins Oper Lolita 2x angesetzt war, nachmittags und abends, in zwei verschiedenen Besetzungen. Doch wurde erst kurzfristig bemerkt, dass Petr Sokolov, der am Abend Humbert Humbert, die männliche Hauptrolle, singen sollte, gerade aus Italien zurückgekehrt war, sich also noch in Quarantäne begeben musste. So hatte Vladimir Moroz die heroische Aufgabe bewältigen dürfen, diese lange und schwierige Partie (zumal bei seinem Debut) sowohl am Nachmittag als auch am Abend übernehmen zu dürfen. Ein Hoch auf die Planung des Mariinsky!


    Doch nach den letzten Vorstellungen am 17. März wurden auch die 3 Bühnen des Mariinsky geschlossen, die historische Bühne, das neue Haus und die Konzerthalle – bis zum 20. Juni, als Gergiev als Versuchsballon im Neuen Haus eine Operngala dirigierte. Wenige Tage leitete er zwei Konzerte der Münchner Philharmoniker in München, wie es hieß, mit einer Sondergenehmigung, die ihm die Einreise in die EU erlaubte. Doch die war eigentlich nicht vonnöten, besitzt Gergiev doch auch die ihm von der niederländischen Königin verliehene Staatsbürgerschaft dieses Landes. Noch im selben Monat dirigierte er ein italienisches Jugendorchester in einem Open-air-Konzert bei Muti-Festival in Ravenna.


    Während die Pforten des Mariinsky gesperrt waren, gab es einen sehr willkommenen Service: Auf Mariinsky.TV und auf You Tube wurden (und werden weiterhin) Opern- und Ballettaufführungen sowie Konzerte „gestreamt“, und das kostenlos. Nicht zu vergessen sei auch die Tatsache, dass die Mitarbeiter des Hauses, und damit sind alle, auch die Künstler, gemeint, ihr Gehalt / ihre Gage weiterhin empfingen, wenn auch nicht in totalem Umfang.


    Am 7. Juli ging es dann los, zuerst auf der Neuen Bühne mit konzertanten Aufführungen mit auf 90 Minuten gekürzter Spieldauer, ohne Pause. Die ersten beiden waren Iolanta (hat sowieso die benötigte Länge) und Trovatore sowie ein Konzert mit Denis Matsuev als Solisten. Wie man bei der Iolanta-Ûbertragung sehen konnte, waren Chor und Orchester recht ausgedünnt; bei den Streichern waren die Pulte nur einfach besetzt. Die Solisten bemühten sich um Abstand zueinander. Etwa eine Woche später gab es die ersten Konzerte in der Konzerthalle. In dieser Zeit, in der am Mariinsky wieder gespielt wurden, fielen Gergievs auswärtige Verpflichtungen aus: sein Festival im finnischen Mikkeli sowie Verbier, Baden-Baden und das Pacidic-Festival.


    Waren die Opern anfangs konzertant, gekürzt und mit kleiner Besetzung zu spielen, so wurde man in dem von Woche zu Woche verkündeten Programm wagemutiger: Fliegender Holländer, Aida, Boris Godunov sind schon mit Risiko behaftete Opern mit großem Aufwand, bei der es schwierig ist, die Corona-Bedingungen einzuhalten. Auch das Orchester ging Ende Juli erstmalig auf Tour, 2 Konzerte in Ravenna und Ravello, also ausgerechnet im vom Coronavirus stark betroffenen Italien. Werke mit kleinerer Besetzung ermöglichten es, den erforderlichen Abstand einzuhalten.


    Am 1. August öffnete auch die historische Bühne wieder, mit einem vom Chef selber dirigierten Rigoletto (keine Ahnung, ob dies sein Rigoletto-Debüt war) und mit Olga Peretyatko als Gilda, die einst im Kinderchor des Mariinsky gesungen hatte. In der Konzerthalle wurde man nun wagemutiger und führte zunächst konzertant Werke auf, die als szenische Einstudierung vorgesehen waren / sind: Rimsky-Korsakovs Snow Maiden, Tchaikovskys Maid of Orléans und (welch‘ Wagemut) Szenen aus Wagners Meistersingern, der Oper, die Gergiev noch in seiner Sammlung gefehlt hatte.


    Und das Publikum? Ich bin nicht genau informiert, wie viele Zuschauer den Vorstellungen beiwohnen dürfen, aber auf den Fotos bzw. Ûbertragungen sind im Zuschauerraum große Lücken zu sehen. Masken müssen getragen werden (im Orchester habe ich keine gesehen). Wer das Theater betritt, bei dem wird die Temperatur gemessen (das Moskauer Bolshoi-Theater kündigte gerade an, dass Zuschauer mit mehr als 37 Grad Temperatur nicht zugelassen werden). Davon ganz abgesehen, ist der finanzielle Aspekt dieses Anti-Corona-Unternehmens interessant. Da keine ausländischen Touristen nach Russland einreisen dürfen, muss das Theater auf die Einnahmen aus den traditionell stark erhöhten Eintrittspreisen für die Ausländer verzichten, so dass zu vermuten ist, dass man mit diesen Aufführungen keinen Gewinn machen wird. Wenn Gergiev einmal sagte, dass das Mariinsky seinen Gewinn zu Hause macht (das war noch zu Zeiten, als die Präsenz in China und Japan nicht so stark war), dann halte ich die Öffnung des Theaters mehr für ein Zeichen, um der Welt zu demonstrieren: „Wir leben noch! Schaut auf Russland, was hier alles möglich ist!“


    Wenn man auf http://www.mariinsky.today/ geht, so sieht man die weiteren Pläne Gergievs, sowohl mit seinem Theater als auch mit den Münchner Philharmonikern. In Vladivostok, der fernöstlichen Dependance des Theaters (bekannt als Mariinsky IV!), werden großformatige Werke wie Feuriger Engel, Don Carlo, Meisersinger-Szenen gespielt. Mit den Münchner Philharmonikern und dem eigenen Orchester geht er auf Tournee; in Baden-Baden soll es Salome geben. Und selbst sein Rotterdam-Festival in den von Corona derzeit stark heimgesuchten Niederlanden soll stattfinden, zu veränderten Terminen, mit verändertem Programm und mit 2 Konzerten pro Abend (wegen der verringerten Zuschauerzahl).


    Nachdem dieser Bericht vor einigen Wochen geschrieben war, hat sich einiges getan. Im historischen Mariinsky wurden sämtliche Ballettaufführungen abgesagt, weil bei einer großen Anzahl von Tänzern das Coronavirus festgestellt worden war. Allerdings wurden sofort alle Ballette durch Opern ersetzt. Inzwischen wurden bzw. werden abgesagte Neuinszenierungen und Neueinstudierungen nachgeholt. So gibt es heute Abend als erste Premiere der Saison Rimsky-Korsakovs "Snegurochka = Snow Maiden" und vor wenigen Tage Prokofievs "Feuriger Engel", wie beim Mariinsky üblich in Mehrfachbesetzung. Zwischen erster und zweiter Snow Maiden-Aufführung reist das Orchester nach Moskau, um unter Leitung seines Chefs in 2 Tagen 4 Konzerte (!) zu geben, und für den 18. September ist zu Anna Netrebkos Geburtstag "Eugen Onegin" mit ihr als Tatyana an gekündigt.


    Um es auf den Punkt zu bringen: Diese ganzen Aktivitäten lassen mich recht ratlos. Ist Gergiev ein Corona-Leugner? Ist er ein Hasardeur, der mit der Gesundheit seiner Mitarbeiter spielt? Ich bin nicht ganz sicher, ob in Putins Russland an die Öffentlichkeit dringen würde, hätte sich ein Künstler oder anderer Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. Verständlich, dass niemand sich diesem Unternehmen zu widersetzen scheint, denn die Sänger haben derzeit keine Auftrittsmöglichkeiten außerhalb Russlands, ganz abgesehen davon, dass Wunsch und Wort des Mariinsky-Zaren Gesetz sind. In einem englischen Blog berichten "Maulwürfe" aus dem Mariinsky, dass abgesehen vom Ballett 18 Personen mit dem Virus infisiert sind. In dermselben Blog las ich gestern, dass die Bukarester Opern bis zum 13. September geschlossen sei, weil 10 bis 12 Personen, meistens Solisten, sich infiziert hätten. Und am Mariinsky? Dort wird gespielt, als gäbe es das Virus nicht.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter

  • Lieber Peter,

    wir sind als Deutsche ja stolz darauf - die Österreicher selbstverständlich noch viel mehr - das dichteste, lebendigste und beste Kulturangebot zu haben. Wenn ich jedoch das lese, was Du berichtest, dann bekommt man Zweifel. Auf jeden Fall vielen Dank für die Informationen.

    Liebe Grüße - Gute Zeit - und pass'auf Dich auf.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Festivals sind allerdings auf wenige Wochen oder maximal Monate im Jahr beschränkte Ereigisse. Ich glaube nicht, dass man dieses Angebot ernsthaft mit dem nahezu ganzjährigen deutschen Theater- und Orchesterangebot vergleichen kann, zumal man zusätzlich sicher ebensoviele deutsche Sommerfestivals und Musikwochen aufzählen könnte, wie es Peter im Fall von Finnland getan hat.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber!

    Ich gebe Dir vollkommen Recht. Mit meiner Aufzählung wollte ich keine Überlegenheit der finnischen Musikszene herausstreichen. Man sollte nicht vergessen, dass Finnland, das von seinen Ausmaßen genauso groß ist wie Deutschland, nur ein einziges Opernhaus besitzt, sieht man einmal von regionalen Opernvereinigungen wie der in Tampere ab. Ich denke, es ließen sich mit Leichtigkeit genauso viele oder sogar noch mehr Festivals in Deutschland oder Österreich aufzählen. Darum ging es nicht in meinem Beitrag.


    Beste Grüße aus Finnland

    Peter

  • Hrádek nad Nisou (deutsch Grottau) ist eine Stadt im Liberecký kraj in Tschechien.

    Sie liegt im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien und ist etwa 50 Km von mir entfernt.

    Was ich leider erst gestern zu spät erfahren habe - vergangenen Sonntag gab es im dortigen Schloß eine Freilichtveranstaltung

    mit Verdis "Il Trovatore", aufgeführt vom Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg.

    Obwohl es geregnet hatte, waren trotzdem mehrere Hundert Zuschauer mit dabei.

    Leider habe ich das, wie gesagt, jetzt erst nachträglich erfahren, sonst wäre ich gerne dabei gewesen.

    Vor allem ärgert mich, daß ich da die großartige "Katerina Jalovcova" aus Prag verpaßt habe, die wieder als Azucena gastierte.

    Aber irgendwann, in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit, wird es auch wieder richtige Theateraufführungen geben.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

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