Franz Schubert - arm, verkannt und als "Schwammerl" verhöhnt ?

  • lieber observatore,


    jetzt hab ich es wieder nicht "derwartet" - ich hoffe du verzeihst mir den foh-pah (faux - pas)


    dank dir, hab ich jetzt die tollen beiträge gelesen über die Schicksalsschläge - ui, da täte mir wieder viel einfallen......., damals war ich ja noch nicht hier


    gruss von deiner plaudertasche :)


    P.S.: ausserdem ist Alfred schuld - der hat wieder damit angefangen :)

    WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
    TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
    THEN IT HAS MISSED ITS POINT
    (Maria Callas)

  • Die Syphilis war wohl nicht Schuberts unmittelbare Todesursache, wohl aber ein Faktum, das zu seinem Tod beitrug - und sicherlich auch eine psychische Belastung, denn die durch übertragbare Geschlechtskrankheit führt wohl eher zur Isolation bzw. zum Gefühl der Isolation als das Trockenwohnen.

    ...

  • *lach


    bitte aber was versteht man eigentlich unter 'Trockenwohnen'?

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    (Maria Callas)

  • So, wie man's mir erklärt hat: Man hat Menschen für geringe Miete in feuchten Wohnungen einquartiert und sie dort so lange wohnen lassen, bis die Wohnungen eben trocken waren. Dass feuchte Wände allerhand Krankheitserreger anziehen und hervorbringen und obendrein von der beständigen Feuchtigkeit die Atemwege angegriffen werden, ist klar. Wenn die Gesundheit von vorne herein geschwächt ist, war Trockenwohnen eine Art Tod auf Raten.

    ...

  • das ist ein Teufelskreis!


    du wirst krank, kannst nicht mehr arbeiten. Somit hast du kein Geld und musst in eine billige Absteige, feucht noch dazu. Da hat die Krankheit keine Chance!


    Dazu passt eine traurige Geschichte, die nicht unbedingt wahr sein muss, jedenfalls ist sie aber so überliefert:


    Nach Beethovens Begräbnis waren Schubert und einige Freunde in einem Wirtshaus. Sie waren alle tief bewegt.


    Schubert hob sein Glas: "Auf den, den wir jetzt begraben haben."
    ..und beim zweiten Glas sagte er: "Auf den, der ihm als erster folgen wird"

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    (Maria Callas)

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  • Das wäre sowieso einmal eine umfangreiche Untersuchung wert, unter welchen Umständen sozial Schwächere leben mussten. Das Biedermeier mit seinen netten Häuschen und lauschigen Innenhöfen weckt die Assoziation "blühendes Bürgertum" - und schon sind wir beim Schwammerl vom "Dreimäderlhaus". Aber dass diese Zeit für weniger Wohlhabende ein mehr oder weniger langes Siechtum bedeutete, ist für uns heute weniger präsent. Gerade der Fall Schubert ist geeignet, uns ins Gedächtnis zu rufen, welche Zustände damals auch herrschten.

    ...

  • Zitat

    Original von nala


    du wirst krank, kannst nicht mehr arbeiten. Somit hast du kein Geld und musst in eine billige Absteige, feucht noch dazu. Da hat die Krankheit keine Chance!


    ***räusper***


    :rolleyes:


    Du meinst, das tötet die beste Krankheit... :D

    Wie ... „Das kann man so nicht sagen“? - Wenn ich's doch grad so gesagt hab!
    (Volker Pispers)

  • upsi.......
    das ist ein Faux-pas passiert :hello:


    ...jedenfalls - der 'Bauchtyphus' hatte eine Chance :(

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  • Zitat

    Original von nala
    naja, Robert - Stubenmädchen, Kellnerinnen und jene zweifelhaften Frauenzimmer, die während des Wiener Kongresses phantastische Honorare erzielten, es jetzt aber schon billiger gaben, verblüht und verarmt, polizeilich verfolgt - das war Schuberts weibliche Welt.


    Er litt an einigen Symptomen der Syphilis: Hautausschlag, Haarausfall, Fieber, dauerndes Krankheitsgefühl und Depressionen: Da wundert es einem nicht, wenn er ab und zu etwas tiefer ins Glas schaute, er trank viel und nach heutigen Maßstäben sicher zuviel!


    Ob das alles lustig war? Manche 'Party' musste er sicher auslassen.......


    Hallo nala.
    In meiner erst kürzlich erworbenen Schubert Biographie von Malte Korff, aus der ich mich jetzt kurz zu zitieren getraue, steht folgendes geschrieben:
    "Nicht nur die Aussagen Sonnleithners, sondern auch spätere Berichte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis machen deutlich, dass Schubert die Abende häufig 'im Kreise lustiger Kameraden im Gasthause ...' , in Weinstuben u.a. verbrachte.
    Dies führte in Biografien, in der Belletristik usw. zum Klischee vom 'trunksüchtigen' Schubert, eine Darstellung, die nicht belegt werden kann.
    Der Komponist schätzte die stimulierende Wirkung von Bier, Wein und Punsch durchaus, doch gibt es unter den zahlreichen zeitgenössischen Berichten kaum Hinweise darauf, dass Schubert dem Alkohol in ungesunder Weise verfallen war."


    Und was meinst du genau mit "nach heutigen Maßstäben sicher zuviel"?
    Nach heutigen Maßstäben? In einer Zeit in der jetzt sogar schon die EU vehemente Massnahmen gegen den übertrieben Alkoholkonsum durchsetzen will weil das Alkoholproblem anscheinend schon übertriebene Ausmaße annimmt?
    Wenn ich mir heute so die saufenden Massen ansehe (darunter auch immer mehr Kinder und Jugendliche) glaube ich kaum, dass Schubert in unserer Zeit als großer Alkoholiker berüchtigt gewesen wäre.
    Ich wehre mich nur ein bisschen gegen die allgemeine Verbreitung vom Säufer Schubert, denn ein Säufer hätte doch niemals solche Musik schreiben können.
    Das Komponieren verlangt ja bekanntlich ein relativ hohes Maß an Konzentration im nüchternen Zustand.


    mit Grüßen
    Christoph


  • Goethe hat wohl pro Tag zwei Flaschen Wein getrunken, was nicht als außergewöhnlich galt (und er ist ja über 80 geworden, bei ungeheurer Produktivität), heute aber wohl als Alkoholsucht eingeordnet würde.


    Zitat


    Ich wehre mich nur ein bisschen gegen die allgemeine Verbreitung vom Säufer Schubert, denn ein Säufer hätte doch niemals solche Musik schreiben können.


    Das Komponieren verlangt ja bekanntlich ein relativ hohes Maß an Konzentration im nüchternen Zustand.


    Ein Alkoholiker muß sich ja nicht immer im Delirum befinden; im Gegenteil, er benötigt eine gewissen "Pegel", um ganz normal zu funktionieren. Mussorgsky und ETA Hoffmann waren meines Wissens beide schwere Alkoholiker, was sie nicht gehindert hat, gute Musik (bzw. Literatur) hervorzubringen.


    Allerdings habe ich keine Ahnung, wie es bei Schubert aussah (auch Beethoven hat man Alkoholsucht angedichtet, jedenfalls in seinen letzten Jahren),. Wie gesagt, ein recht hoher, aber kontrollierter Konsum a la Goethe war wohl nicht ungewöhnlch.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

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  • Zitat

    Original von Hayate
    Ich wehre mich nur ein bisschen gegen die allgemeine Verbreitung vom Säufer Schubert, denn ein Säufer hätte doch niemals solche Musik schreiben können.
    Das Komponieren verlangt ja bekanntlich ein relativ hohes Maß an Konzentration im nüchternen Zustand.


    Salut,


    just heute erwischte ich einen Bericht im TV, demzufolge gerade bei älteren Menschen heutzutage das Besäufnis an Bedeutung zunehmen soll [Einsamkeit, Unbeweglichkeit etc...]. Johannes Schnapsdrossel Brahms und Modest Whiskey äh... Mussorgsky gehörten sicherlich zu der damals härteren Sorte von Alkoholkonsumenten. Auch Mozart war dem Wein als solches nicht abgeneigt - sogar sein Vater moniert dies ~1778 brieflich. Allerdings muß man berücksichtigen, dass zu jenen Zeiten sicherlich Wein oder andere Alkoholika "gesünder" im Sinne von hygienischer waren, als Wasser, das ganz gerne mal von Fäkalbakterien verseucht war. Heute wiederum kann man letztgenanntes schön verpackt als Joghurt kaufen... :rolleyes:


    [...] er [Johann Senn] habe sich um die Polizei nicht zu bekümmern, denn die Regierung sei zu dumm, um in seine Geheimnisse eindringen zu können. Dabei sollen seine bei ihm befindlichen Freunde, der Schulgehilfe Schubert und der Jurist Steinsberg, in gleichem Tone eingestimmt und gegen den amtshandelnden Beamten mit Verbalinjurien und Beschimpfungen vorgegangen sein. [...] - woraufhin Schubert eine Verwarnung erhielt, Senn zu 14monatiger U-Haft und gründlicher Bearbeitung mit dem Stock verurteilt wurde. [Zitiert nach Uwe Krämer]


    Ganz so rosig war das wohl nicht...


    :hello:


    Ulli

    Wie ... „Das kann man so nicht sagen“? - Wenn ich's doch grad so gesagt hab!
    (Volker Pispers)

  • Zitat

    Original von Ulli
    Allerdings muß man berücksichtigen, dass zu jenen Zeiten sicherlich Wein oder andere Alkoholika "gesünder" im Sinne von hygienischer waren, als Wasser, das ganz gerne mal von Fäkalbakterien verseucht war. Heute wiederum kann man letztgenanntes schön verpackt als Joghurt kaufen...


    Was kann man heute als Joghurt kaufen, das Wasser oder die Fäkalbakterien? :>


    Zitat

    Original von Ulli


    [...] er [Johann Senn] habe sich um die Polizei nicht zu bekümmern, denn die Regierung sei zu dumm, um in seine Geheimnisse eindringen zu können. Dabei sollen seine bei ihm befindlichen Freunde, der Schulgehilfe Schubert und der Jurist Steinsberg, in gleichem Tone eingestimmt und gegen den amtshandelnden Beamten mit Verbalinjurien und Beschimpfungen vorgegangen sein. [...] - woraufhin Schubert eine Verwarnung erhielt, Senn zu 14monatiger U-Haft und gründlicher Bearbeitung mit dem Stock verurteilt wurde. [Zitiert nach Uwe Krämer]
    Ganz so rosig war das wohl nicht...


    Ja, diese Anekdote ist mir wohl bekannt.
    Nur gut, dass es unseren Schubert nicht so schlimm erwischt hat wie den armen Senn.


    mit Grüßen
    Christoph

  • ...ich bin wieder da.....


    und noch dazu freue ich mich, dass ihr meinem geliebten "Franzl" wieder einen Beitrag geliefert habt.


    Meint Ihr nicht auch, daß die damaligen Künstler in Ermangelung von Koks und Ekstasy sich mit dem Alk vollgedröhnt haben, um inspiriert zu sein? Der Reinhard Fendrich ist EIN Beispiel von heute, dem wäre sonst nix eingefallen....
    Wobei ich Fendrich nicht auf eine Stufe mit Schubert stelle
    :no:


    ... und dem Schubert ist in den Beiseln, in denen er herumhing, auch immer gute Musik eingefallen, dort hat er seine schönsten Lieder komponiert. Im übrigen gilt Franz von Schober, ein Freund und Leidensgefährte Schuberts als der eigentliche Verführer, der ihn immer wieder ermutigte, am "übermäßig wollüstig-sinnlichem Leben" Anteil zu nehmen. Und schon aufgrund chronischem Geldmangels konnte er kein SO liederlicher Säufer gewesen sein, wie es in vielen Überlieferungen dargestellt wird.


    Was mich auch interessieren würde: Die Beziehung zum weiblichen Geschlecht bei Schubert/Bruckner und Konsorten... Die hatten ja direkt Angst vor uns....


    Aus der Ferne für eine Dame schwärmen, das ja - aber dann : absolute Bindungsängste.


    aja - und ich verbiete jedem(r) im Vorhinein, irgendeinen Zusammenhang zwischen meinem Wiedererscheinen und dem heutigen Datum (Halloween) zu sehen!

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    (Maria Callas)

  • Zitat

    Original von nala
    ...ich bin wieder da.....


    =) Schön, dass Du wieder gelandet bist.


    Zitat

    Meint Ihr nicht auch, daß die damaligen Künstler in Ermangelung von Koks und Ekstasy sich mit dem Alk vollgedröhnt haben, um inspiriert zu sein?


    Das glaube ich, ehrlich gesagt, nicht. Der Wein war im 18. und bis Mitte 19. Jahrhundert nicht so ein "Exklusivgetränk" wie heute - es wurde gepanscht, was das Zeugs hergab: Es gab keine [oder kaum] "reinen" Sorten oder Edelweine. Zudem war Wein billig [günstig], süffig und eben ein stinknormales Getränk, zumeist süß [ :kotz: ]. Wasser wurde eher selten genossen, denn es war - wie bereits erwähnt - nicht immer genießbar. Hayate: Ich meinte den Joghurt...


    Zitat

    ... und dem Schubert ist in den Beiseln, in denen er herumhing, auch immer gute Musik eingefallen, dort hat er seine schönsten Lieder komponiert. Im übrigen gilt Franz von Schober, ein Freund und Leidensgefährte Schuberts als der eigentliche Verführer, der ihn immer wieder ermutigte, am "übermäßig wollüstig-sinnlichem Leben" Anteil zu nehmen.


    Naja, man muß das ja auch im Verhältnis zum Heute sehen. 8)


    Zitat

    Und schon aufgrund chronischem Geldmangels konnte er kein SO liederlicher Säufer gewesen sein, wie es in vielen Überlieferungen dargestellt wird.


    Wie gesagt, war Wein äußerst preiswert. Zum Beispiel kosteten 10 Maß Bier [nach Leonhart] gegen Ende des 18. Jahrhunderts 1 Gulden, was in etwa 18 bis 20 Euro entspricht. Um das gleiche Geld bekam man eine warme Mahlzeit inklusive Wein in einem guten Gasthaus oder konnte die "Wiener Zeitung", welche zweimal wöchentlich erschien, abonnieren. Man bekam für dieses Geld auch 700 Gramm Zucker oder klägliche 8 Bogen Notenpapier... Was Leopold Mozart an seinem Sohn in den 1770ern kritisierte, war der Konsum starken Weines, also offenbar unverdünnter Wein. Nichtsdestotrotz zog Madame Mozart [des Wolferls Mama] 2 bouteilles tyroller wein einem caffé vor... 8)


    Zitat

    Aus der Ferne für eine Dame schwärmen, das [...]


    [...] ist Romatik, wie sie im Buche steht.


    Zitat

    aja - und ich verbiete jedem(r) im Vorhinein, irgendeinen Zusammenhang zwischen meinem Wiedererscheinen und dem heutigen Datum (Halloween) zu sehen!


    Hast Du Dich soooo verändert? :rolleyes:


    :hello:


    Ulli

    Wie ... „Das kann man so nicht sagen“? - Wenn ich's doch grad so gesagt hab!
    (Volker Pispers)

  • Zitat

    Aus der Ferne für eine Dame schwärmen, das [...]


    [...] ist Romatik, wie sie im Buche steht.




    ...darum gehts hier nicht bei meiner Frage... Romantisch war ja die Zeit damals sowieso, und das sich "Verhalten" wahrscheinlich "normal". Wenn jemand nicht gerade ein Adonis war, und das war Schubert ja gewissermassen nicht, dann hat er sich einfach nicht getraut, Frauen höherer Schichten anzusprechen, und die Stubenmadln und die Wäscherinnen waren ja kein Renommée. Bei Schubert gibt es viele Briefe und Aufzeichnungen, in den wiederholt von "Verdriesslichheiten" mit dem weiblichen Geschlecht die Rede ist. Somit habe ich meine Frage eh schon selbst beantwortet! :)





    Hast Du Dich soooo verändert? :rolleyes:


    :hello:





    ...ich hoffe nicht! Es ist mir noch kein Zahn ausgefallen, und kein Buckel gewachsen - und schwarze Katze habe ich auch keine!


    ....ausserdem danke für die nette Floskel vom "wieder gelandet", lieber Ulli - und: DU widersprichst ja noch immer!


    :hello:

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    THEN IT HAS MISSED ITS POINT
    (Maria Callas)

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  • Zitat

    Original von nala
    ...darum gehts hier nicht bei meiner Frage... Romantisch war ja die Zeit damals sowieso, und das sich "Verhalten" wahrscheinlich "normal". Wenn jemand nicht gerade ein Adonis war, und das war Schubert ja gewissermassen nicht, dann hat er sich einfach nicht getraut, Frauen höherer Schichten anzusprechen, und die Stubenmadln und die Wäscherinnen waren ja kein Renommée. Bei Schubert gibt es viele Briefe und Aufzeichnungen, in den wiederholt von "Verdriesslichheiten" mit dem weiblichen Geschlecht die Rede ist. Somit habe ich meine Frage eh schon selbst beantwortet! :)


    Dabei hat er gar nicht Tennis gespielt. Tja, er hätte sich halt - wie seinerzeit Dittersdorf - adeln lassen oder dem amtierenden Papst sein "Ave Maria" schicken müssen. Bei einem Chevalier de Schübär wäre dann das Aussehen eher zweitrangig gewesen. Aber - so oder so wär der Franz nichts für Dich gewesen: Der hätte eh vor lauter Notenschreiberei keine Zeit gehabt. Und ohne die "Verdriesslichkeiten" hätte er auch bestimmt weniger intensive Musik von sich gegeben - irgendwie gehört das dazu, nicht wahr?


    Zitat

    ....ausserdem Danke für die nette Floskel vom "wieder gelandet", lieber Ulli


    Ein wahrer Chevalier eben. :lips:


    Zitat

    - und: DU widersprichst ja noch immer!


    Du glaubst allen Ernstes daran, ich würde mich je bessern? :no:


    :hello:


    Ulli

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    (Volker Pispers)

  • Zitat

    Original von nala
    Komisch! Ich finde gerade diesen Film SEHR authentisch und ziemlich nahe an der Wahrheit, auch was das Zeitalter in dem es spielt, betrifft.


    Der Regisseur Fritz Lehner zeichnet sehr gut das Bild des Komponisten jenseits der üblichen Schubert-Klischees nach. Der Dreck in den Straßen.... die verlogene Biedermeierzeit...... das alles wurde sehr gut vermittelt. Und der vereinsamte, isolierte weil geschlechtskranke Mann wurde von Udo Samel genial dargestellt. Da ist mir der Herr Dieskau wurscht, was der sagt.........


    (damit senke ich wieder das Niveau :baeh01: )


    Ich möchte mich Nalas Meinung anschließen und diesen Film noch mal aufgreifen, da er in der Standard-Edition "Der österreichische Film" erhältlich ist für 10 Euro im Planetenladen, wo eigene Regale mit diesen Österreichischen Filmen stehen.


    "http://derstandard.at/?url=/?id=2597924"


    Auf der DVD ist er als zweiteilige Festivalversion (230 Minuten) drauf. Der Gesamttitel von Lehners ursprünglichem Dreiteiler "Mit meinen heißen Tränen" ist Notturno, die Titel der beiden Teile stehen seltsamerweise auf Englisch drauf: "Love has lied" und "Winterjourney", obwohl es nicht mal die Option gibt, englische Untertitel einzublenden; aber die nicht des Deutschen mächtigen Zuseher vermissen wenig, da nur wenig gesprochen wird. Der Soundtrack lässt leider auch zu wünschen übrig, was die Tonqualität betrifft*, aber ich bin verblüfft, wie der Regisseur die Stimmung (Schuberts Befindlichkeiten und die seiner Mitmenschen, und das Bild des alten Wien) einfangen konnte. Großartig! Der Film kann gar nicht lange genug dauern!


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    * Entweder ist die DVD schadhaft, oder es handelt sich um Betrug, denn das angegebene "Dolby stereo" findet nicht statt. Es ist dumpfes Mono. An meinem Player/Rekorder kann es auch nicht liegen, da ich jetzt auch viele andere Filme und Konzerte auf DVDs ausprobiert habe und bei ihnen der Stereoton einwandfrei ist.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Der ZDF-Theaterkanal wiederholt im April mehrfach den Fernseh-Mehrteiler "Mit meinen heißen Tränen":


    Mit meinen heißen Tränen (1/3)
    Der Wanderer - Sommer 1823
    Film von Fritz Lehner

    Zitat

    Ein Gefühl des Ausgesetztseins bemächtigt sich Schubert. Er ist unheilbar krank, die Haare fallen ihm aus. Der Schritt zurück in den Alltag wird ihm zum Alptraum. Wien ist eine Stadt voller Leben. Schubert aber verspürt Distanz. Sowohl bei der Stiefmutter als auch bei dem Mädchen, von dem er sich infiziert glaubt. Auch das Wiedersehen mit seinen alten Freunden ist nicht wie früher. Schubert flieht und sucht Aussprache und Trost. Aber weder bei seinem Vater noch am Grab seiner Mutter wird ihm dies zuteil.


    Spätabends kommt Schubert nach Hause. Sein Freund Schober hat auf ihn gewartet. Seine Sensibilität gibt Schubert neuen Lebensmut.


    Darsteller:
    Franz Schubert - Udo Samel
    Franz von Schober - Daniel Olbrychski
    Kajetan - Wojtek Pszoniak
    Vater Schubert - Traugott Buhre
    Anna Schubert - Maja Komorowska
    Moritz von Schwind - Gabriel Barylli
    Joseph von Spaun - Florentin Groll
    Josef Hüttenbrenner - Vitus Zeplichal
    Johann Mayrhofer - Wolf-Dietrich Sprenger
    Josefa Schubert - Michaela Widhalm
    Karoline - Mareile Geisler
    Hure - Jessica Kosmalla
    - u.a.


    Länge: 90 min
    Musikerbiographie, D / A, 1986


    Sendetermine im ZDF-Theaterkanal:
    02., 14., 19., 24. und 29.04.2011 jeweils um 10:10 Uhr
    05., 10., 15., 27.04.2011 und 02.05.2011 jeweils um 15:10 Uhr

    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mit meinen heißen Tränen (2/3)
    Im Reich des Gartens - Herbst 1827
    Film von Fritz Lehner


    Zitat

    Schober hat eine Landpartie geplant. Der Stadt und dem Alltag entronnen, gibt sich die Freundesrunde ganz dem romantischen Naturerlebnis hin. Schwind skizziert die Eindrücke, Schober rezitiert die verbotene Lyrik Heines, Spaun demonstriert zum nervenzerrenden Gaudium aller die Kunst des Schwimmens. Schubert findet Gefallen an Magdalena. Abends sind die Freunde zu einem Fest geladen, auf welchem Johann Strauß zum Tanz aufspielt. Auch Schubert wird ans Klavier gebeten.


    Seltsam, befremdend klingt seine Musik. Fremd wie auch er sich hier fühlt. Fremd und einsam, nachdem sich das Verhältnis zu Magdalena als Täuschung zu erweisen scheint.


    Darsteller:
    Franz Schubert - Udo Samel
    Magdalena - Therese Affolter
    Franz von Schober - Daniel Olbrychski
    Moritz von Schwind - Gabriel Barylli
    Joseph von Spaun - Florentin Groll
    Josef Hüttenbrenner - Vitus Zeplichal
    Johann Mayrhofer - Wolf-Dietrich Sprenger
    Bettina - Charlotte Acklin
    Johanna - Dagmar Schwarz
    Maria - Sylvia Haider
    Lisette - Anette Uhlen
    Kathinka - Huberta Haubmann
    Gräfin Rieder - Erni Mangold
    Die alte Gräfin - Dorothea Neff
    Johann Strauß - Christian Altenburger
    - u.a.
    Länge: 95 min
    Musikerbiographie, D / A, 1986


    Sendetermine im ZDF-Theaterkanal:
    02., 14., 19., 24. und 29.04.2011 jeweils um 11:40 Uhr
    05., 10., 15., 27.04.2011 und 02.05.2011 jeweils um 16:40 Uhr


    LG


    :hello::hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mit meinen heißen Tränen (3/3)
    Winterreise - Herbst 1828

    Film von Fritz Lehner


    Zitat

    Schubert wohnt bei seinem Bruder Ferdinand. Er ist krank, fiebert. Er arbeitet dennoch, komponiert mehr denn je. Josefa, seine Halbschwester, kümmert sich um ihn. Der Blick aus dem Fenster, die Menschen draußen, die Geräusche der Stadt werden zu Materialien, die Schuberts Innenwelt zu Musik transformiert.


    Nur sporadisch dringt die Außenwelt unmittelbar an Schubert heran. Nur Schober, einer Frau von gegenüber und Josefa gelingt es, Schubert aus seiner Isolation zu reißen. Die Fieberanfälle häufen sich, Schubert kann das Haus, dann das Bett nicht mehr verlassen. Verzweifelt wehrt er sich gegen das Sterben.


    Länge: 95 min
    Musikerbiographie, D / A, 1986


    Sendetermine im ZDF-Theaterkanal:
    03., 08., 20., 25. und 30.04.2011 jeweils um 10:30 Uhr
    06., 11., 16., 28.04.2011 und 03.05.2011 jeweils um 15:30 Uhr


    LG


    :hello::hello::hello:

    Harald


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    (Vinícius de Moraes)

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  • Von Gernot Gruber ist soeben (2010) ein Buch zum Thema erschienen


    Schubert. Schubert?
    Baerenreiter-Verlag




    Kurzbeschreibung
    Schubert in neuer Sicht.
    Wir misstrauen sentimentalen Schubert-Bildern aus alten Romanen, Filmen und Theaterstücken, aber auch dem allzu scharf konturierten Porträt von Schubert als einer gequälten und gebrochenen Natur, entworfen von der sozialkritischen Entschlüsselungsliteratur der 1970er und -80er-Jahre.
    Gernot Gruber, der bekannte Mozartforscher, hat sein engagiertes und anregendes Buch aus einer produktiv-skeptischen Haltung der Rezeptionsgeschichte gegenüber geschrieben. Es richtet sich gegen erstarrte Bildnisse und speziell gegen die Berichte jener Schubert-Freunde, die sich selbst stilisierten, indem sie - oft erst nach Jahrzehnten - erzählten, wie Schubert wirklich war.
    Klappentext
    Der erste Hauptteil dieses Buches stellt in erzählerischer Form Schuberts Leben in seinen politischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen dar, im zweiten Teil schildert Gruber Schuberts kompositorische Entwicklung. Im eher essayistischen dritten Teil geht er den Fragen nach Wesen und Gehalt von Schuberts Kompositionskunst nach. Stets verknüpft Gruber die historischen Fakten und die Lücken in unserem Wissen mit persönlichen weiterführenden Gedanken, die inspirierend für eigene Hör- und Musiziererfahrungen sind. Dieses Buch geht neue Wege im Erforschen des Zusammenspiels von Leben und Musik: entlang den historischen Dokumenten, aber auch aus der musizierenden und hörenden Begegnung mit Schuberts Musik heraus. Jenseits eines akademisch-trockenen Tonfalls, in lebendiger Sprache, präsentiert Gruber sein "Nachdenken über Franz S."
    Biografie (des Verfassers, Anmerkung)
    Gernot Gruber studierte Musik, Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik. Von 1976 bis 1995 war er ordentlicher Professor an der Hochschule für Musik und Theater München, und von 1995 bis 2008 hatte er eine Professor an der Universität Wien inne. Gruber ist Mitherausgeber der dreibändigen Musikgeschichte Österreichs und wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie seit 2006 Obmann der Kommission für Musikforschung.


    Zitate aus dem Produktbeschrieb von jpc

    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Lieber Harald,
    danke für Deine Tipps.


    In meinem Haus in der frk. Shweiz hatte ich SAT-Empfang, hier in Nürnberg "Kabel 1" ohne ZDF-Theaterkanal; im April wird hier auf eine zentrale SAT-Anlage umgestellt - hoffentlich läuft's bis dahin.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • zweiterbass


    Vielleicht klappt der Theaterkanal-Empfang ja noch rechtzeitig.


    Überhaupt scheint der Monat April in diesem Sender schwerpunktmäßig dem Franz Schubert gewidmet zu sein!
    Schaut man sich das gesamte Monatsprogramm April 2011 des ZDF-Theaterkanals an, so findet man noch mehrere Sendungen über den Komponisten bzw. Beiträge, bei denen Schubert oder seine Musik eine Rolle spielen.
    So z.B. ein Theaterstück von C. Marthaler über "Die schöne Müllerin"...


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo!


    Bei Golling, auf dem Weg nach Sankt Anton, gibt es eine Bank, den "Schubert-Blick". Ich nehme an, daß er dort nicht zum "Schwammerl suchen" war, sondern daß er dort seine musikalischen Einfälle hatte. Gleiches war mir auf der Bank leider nicht beschieden.




    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Tamino Mitglied sagitt fragt in Beitrag 20, ob es vom Film "Mit meinen heissen Tränen" des Regisseurs Fritz Lehner eine DVD gibt.


    Ja, es ist eine Doppel-DVD des Drei-Teilers erhältlich, den ORF, ZDF und SRG gemeinsam produziert hatten. Es ist die originale Fassung, die gesendet wurde. Das Label Fernsehjuwelen hat sie herausgegeben.



    Die in Beitrag 47 von Merlot167 gezeigte DVD mit dem Titel Notturno ist mit 230 Minuten die gekürzte Festival-Fassung.



    Ich war vom Film bei seiner Erstausstrahlung begeistert und bin es heute noch mehr. Mit dem Bild, das von Schubert gezeichnet wurde, war der Widerspruch vorgegeben. Dietrich Fischer Dieskau, der profundeste Kenner Franz Schuberts, fand es unmöglich und konnte sich damit wohl nicht anfreunden. Das berichtet sagitt in Beitrag 20. Da müsste man ihn fragen, womit er nicht einig ging.


    Die schauspielerische Leistung von Udo Samel, des Darstellers Franz Schuberts, ist hervorragend. Nebenbei bemerkt wenn er in die Tasten greift, ist es nicht ein Double. Er kommt körperlich dem Schubert, den wir von Zeichungen, Aquarellen und Komponisten kennen, sehr nahe. Er trägt im ersten Teil eine Perücke, um seine, der Syphilis geschuldeten Kahlköpfigkeit zu verbergen.


    Der Film hat seine zwingende Wirkung nicht nur den Darstellern zu verdanken. Ich bin im Besitz des Drehbuches und kenne auch Szenen, die nicht im Film aufgenommen wurden. Der Regisseur hat Schubert genau studiert, so zum Beispiel das ambivalente Verhältnis zu seinem Freundeskreis. Es gibt eine Szene, in der Spaun ins Wasser springt und schwimmt. Im Metternich-Staat war dies verboten. Ein treffenderes Bild für die Freiheit kann man sich nicht denken. Die Kameraführung von Gernod Roll beeindruckt. Die Ausstattung trifft in meiner Einschätzung die Epoche des Biedermeiers punktgenau. Der Ton nimmt die Alltagsgeräusche der Stadt und der Landpartien stimmig auf, vom Kratzen der Feder während des Komponieren bis zu den Geräuschen der Stadt. Die Darstellung der Stille, hat mich im Film mehrere Male in den Bann gezogen. Schuberts Musik kommt selten vor, unterstreicht die Stimmungen, wenn sie eingesetzt wird.


    Der Film will nicht die Biografie nachzeichnen sondern einen unglücklichen Menschen zeigen, der auch seltene Glücksmomente erlebt, und die Gemütlichkeit, die man mit dem Biedermeier verbindet, zurechtrücken. Österreich war politisch eine Zeit der Repression, ein Polizeistaat.

    Der Tod ist im Film allgegenwärtig. Der Regisseur Fritz Lehner findet dafür starke Bilder.

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    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




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  • Arm an materiellen Gütern war Franz Schubert. Das ist belegt: Davon zeugt das amtliche Nachlassverzeichnis. Es listete akribisch den Nachlass auf. Das war nicht viel und fand in einer Kiste Platz.


    Den Spitznamen „Schwammerl“ erhielt er von seinen Freunden aufgrund seiner kleinen, rundlichen Statur. Schubert war nur 1,61 cm gross.

    Rudolf Hans Bartsch hat 1912 einen Roman mit diesem Titel veröffentlicht.


    Wikipedia klärt uns aus: Bartsch hat frei erfundene Geschichten und Legenden mit historisch überliefertem recht willkürlich gemischt und prägte mit seiner Darstellung für Jahrzehnte ein pseudobiedermeierliches Schubert-Klischeebild.

    Der Roman wurde ein Bestseller und hatte zumindest auf alle biographischen Publikationen und auch Illustrationen zu Schubert bis zum hundertsten Todestag 1928 erheblichen Einfluss. Bartschs Roman diente den Librettisten Heinz Reichert und Alfred Maria Willner als eine der Vorlagen für die Operette Das Dreimäderlhaus (1916) von Heinrich Berté.


    So sieht das Cover der Erstausgabe aus.


    22559319964.jpg


    Man beachte die auf dem Titel vermerkte Auflage einer Ausgabe aus späteren Jahren. .


    Rudolf-Hans-Bartsch+Schwammerl-Ein-Schubert-Roman.jpg

    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Ich war vom Film bei seiner Erstausstrahlung begeistert und bin es heute noch mehr. Mit dem Bild, das von Schubert gezeichnet wurde, war der Widerspruch vorgegeben. Dietrich Fischer Dieskau, der profundeste Kenner Franz Schuberts, fand es unmöglich und konnte sich damit wohl nicht anfreunden. Das berichtet sagitt in Beitrag 20. Da müsste man ihn fragen, womit er nicht einig ging.

    Lieber moderato, den Mehrteiler habe ich seinerzeit auch gesehen und war angetan. Ob das heute auch noch so wäre, kann ich nicht sagen. Grundsätzlich bin in inzwischen solchen Filmem gegenüber skeptischer geworden. Gleich gestern - nachdem ich Deinen Beigtrag gelesen hatte - habe ich mir ein Exemplar online in meiner Bibliothelk bestellt. Es wird dieser Tage geliefert. Ich bin also gespannt.


    Warum wird wohl Fischer-Dieskau keine Freude daran gehabt haben? Ich kann es mir vorstellen. Dieser Mann, der ein Leben lang Schubert-Forschung und -Deutung betrieb, musste wohl befürchten, dass zumindest Teile des Publikums den Film für das nahmen, was er nun wirklich nicht ist - ein bequemer Ersatz für die eigene Auseinandersetzung mit Schubert.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Rheingold1876


    Man muss sich stets bewusst sein, ein Film, so real er erscheinen mag, wird nie die Wirklichkeit wiedergeben. Er muss Spekulation bleiben.


    Im dritten Teil "Winterreise" gibt es eine Szene, in der eine Beziehung zur Tochter des Bruders Ferdinand gezeigt wird. Da setze ich ein sehr grosses Fragezeichen. Ob es sich um eine Phantasie handelt, ist mir nicht klar. Da ist die künstlerische Freiheit des Regisseurs über ihr Ziel hinausgeschossen.


    Sonst kann ich mich für den Film begeistern.


    Klammerbemerkung

    Eine andere Arbeit des Regisseurs Fritz Lehner hat meine ungeteilte Zustimmung gefunden. Er hat den Roman von Franz Innerhofer "Schöne Tage" für den ORF beklemmend realistisch mit Laiendarstellern verfilmt. Er wurde ebenfalls wie Notturno in der Reihe Der österreichische Film, Edition Der Standard, veröffentlicht. Beim Werbepartner ist er immer noch erhältlich.

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    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928




  • Man muss sich stets bewusst sein, ein Film, so real er erscheinen mag, wird nie die Wirklichkeit wiedergeben. Er muss Spekulation bleiben.

    Da sind wir uns völlig einig, lieber moderato. Nur sag das mal jenen, die Filme als Wirklichkeit wahrnehmen. Ich erinnere mich an eine Szene im so genannten "Buddenbrookhaus" zu Lübeck. Eine Besucherin outete sich gegenüber der Museumsführein als Thomas-Mann-Kennerin und holte diverse Erkundigungen ein, die durchaus auf eine gewisse Vertrautheit mit dessen Werk schließen ließen. Es ging hin und her. Schließlich wollte die Führein wissen, wie sie, die Besucherin, zu Thomas Mann gefunden habe. An die Antwort erinnerer ich mich ganz genau: "Ich habe im Fernsehen dem Film mit Mueller-Stahl gesehen. Das genügt mir. Da ist doch alles drin."

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Den Dreiteiler Mit meinen heissen Tränen gibt es auch bei YouTube


    Der Wanderer

    Um Reich des Gartens

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    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

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