Edition Tamino-Ranking: Schostakowitsch-Sinfonien

  • plakativ ist schostakowitsch doch meistens, oder?


    ich gebe ja zu, dass ich eine schwäche für das "jetzt wieder romantisch" der 30er-jahre habe - mehr als das "jetzt wieder romantisch" der 70er. in beiden fällen geht es ja darum, nach der wilden (post-)moderne des vorangegangenen jahrzehnts wieder "tiefgründige" und traditionsverbundene musik zu schreiben. ich meine für die 30er-jahre etwa stücke wie schostakowitschs 5., vaughan-williams 5., barbers adagio eventuell hindemiths unaufhörliches, das aber wohl zu wenig neoromantisch für diese gruppe ist. bei diesen 4 fällen bin ich mir dann auch nicht sicher, ob das modernistische vorher (gab's das bei barber?) wirklich besser war. schostakowitschs 4. und vaughan-williams' 4. sind ja doch einigermaßen gespalten, sodass das "werden der persönlichkeiten" schon ernst genommen werden kann.


    aber die 10. sollte ich auch wieder auffrischen ...
    :whistling:

  • Ich will auch! :D


    Erste Reihe: 4
    Zweite Reihe: 9, 8, 10, 5
    Dritte Reihe: 7


    Den Rest habe ich höchstens ein- oder zweimal gehört, obwohl ich die Box schon seit Jahren habe; ich kann und will diese Musik nicht häufig hören (allerdings habe ich mich offenbar so gut auf Haydn und Mozart konditioniert, dass ich ziemlich alle Orchestermusik nach 1870 als dick und hypertroph empfinde ;) ).
    Nr. 4 finde ich großartig und eindrucksvoll; zu Nr. 7 habe ich überhaupt keinen Zugang, schon diese mehrminütige Phase im Kopfsatz, wo sich offenbar langsam eine Kriegsstimmung aufbaut oder der Krieg immer näher kommt oder was auch immer, finde ich ziemlich plakativ und ereignisarm (sprich langweilig - in der Zeit kann man einen ganzen Satz von Haydn hören :stumm: ). Auch 10 und 5 sind voll von plakativen Stellen, aber ich mag die ersten beiden Sätze (10) bzw. die Binnensätze (5).
    Mein Lieblingswerk von Schostakowitsch ist übrigens das Konzert für Klavier und Trompete, kein Leerlauf, dafür witzig und voller Energie (gibt's da mehr von?).

  • Schon interessant, wie unterschiedlich die Wahrnehmung speziell der Siebten ist. Die packt mich mit Abstand am meisten. Und diese "boléro-artige" Steigerung im Kopfsatz finde ich geradezu genial, alles andere als langweilig.


    Wieso Plakativität häufig als Synonym für Banalität oder Minderwertigkeit verwendet wird, erschließt sich mir nicht. Demnach dürfte man ja, was Schostakowitsch angeht, seine Symphonien Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 10, 11, 12 auch nicht mögen.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Klar, man kann "plakativ" als Totschlag-Attribut nehmen.
    Mein Punkt (in dem anderen thread) war eben die Verwunderung, dass sich viele einig zu sein scheinen, dass eine Qualität der besseren Werke Schostakowitschs eine Art "Doppelbödigkeit", tragische Ironie, was auch immer sein sollte, dabei aber das Jubelfinale der 5. "naiv" verstanden prima zu der ähnlich traditionell komponierten Tragik des Rests dieser Sinfonie passt.


    Ohne die Werke im Detail im Ohr zu haben, meine ich, dass die 1. doch eher frisch-respektlos mit der Tradition umgeht (und man auch an das Debut eines 19jährigen andere Ansprüche stellt). Und bei der 6. kann ich die Doppelbödigkeit eher hören. Die 10. habe ich auch nicht mehr genau im Ohr, fand die und natürlich noch mehr die 8. aber immer viel überzeugender "tragisch" als die 5.
    Die 11. und 12. sind ziemlich plakativ und werden vielleicht auch deshalb von vielen Hörern deutlich weniger geschätzt.


    Spradow: Mir fällt direkt kein Stück ein, das dem Klavier/Trompete-Konzert ähnelt, die ironisch-klassizistische 9. Sinf. kennst Du ja schon. Evtl. wäre die 6. auch einen Versuch wert. Von den Streicherkonzerten kenne ich gut nur das 1. Violinkonzert, das ist allerdings eines meiner Lieblingswerke des Komponisten. Das 2. Violin- und die Cellokonzerte sind aber auch lohnend und meiner Erinnerung nach alle interessanter als zB die 5. Sinfonie. (Das andere Klavierkonzert hat bei mir überhaupt keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.)
    Es sind vergleichsweise späte Werke, mitunter etwas distanzierter. Ich will hier aber nicht unberechtigterweise den Kenner markieren; es ist wohl eine ziemlich persönliche Sache, ob man mehr oder minder traditionellen emotionalen Ausdruck als "genuin" empfindet (wie ich zB im 1. Violinkonzert oder der 8.) oder als klischeehaft (wie ich teils in der 5. Sinfonie).
    Für nicht-hypertrophe Orchestermusik kannst Du evtl. mal den neoklassizistischen Stravinsky probieren, Sinfonie in C und Sinfonie in drei Sätzen. Und natürlich Werke wie Bartoks Klavierkonzerte oder "Musik für Saiteninstrumente... " (m.E. haben alle reifen Orchesterwerke Bartoks ein Niveau, das Schostakowitsch wenn überhaupt, sehr selten und für mich in keiner einzigen seiner Sinfonien erreicht. Bartok ist knapper (kein großes Kunststück...), schlüssiger, für mich auch farbiger und ausdrucksstärker, selbst in eher milden klassizistischen Stücken wie dem Divertimento und dem 3. Klav.Konzert)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Mein Punkt (in dem anderen thread) war eben die Verwunderung, dass sich viele einig zu sein scheinen, dass eine Qualität der besseren Werke Schostakowitschs eine Art "Doppelbödigkeit", tragische Ironie, was auch immer sein sollte, dabei aber das Jubelfinale der 5. "naiv" verstanden prima zu der ähnlich traditionell komponierten Tragik des Rests dieser Sinfonie passt.

    Ich sehe keine Ironie in der 5. und schätze sie trotzdem.
    ;)


    Zitat

    Ohne die Werke im Detail im Ohr zu haben, meine ich, dass die 1. doch eher frisch-respektlos mit der Tradition umgeht (und man auch an das Debut eines 19jährigen andere Ansprüche stellt).

    Die ist typisch 20er-Jahre. Da war das alles noch frisch ...



    Zitat

    und natürlich noch mehr die 8. aber immer viel überzeugender "tragisch" als die 5.

    Die 5. ist ja auch nicht tragisch sondern ernst aber zuversichtlich. Im Ausdruck also ganz wie ein klassisch/romantisches Werk. Musste sie wohl auch sein, um Schostakowitschs Karriere wieder auf Vordermann zu bringen.



    Zitat

    Die 11. und 12. sind ziemlich plakativ und werden vielleicht auch deshalb von vielen Hörern deutlich weniger geschätzt.

    Genau ... ich kann da zwar wunderbar emotional mit, aber ich glaube nicht daran, dass das bedeutende Meisterwerke des 20. Jahrhunderts sind.



    Zitat

    es ist wohl eine ziemlich persönliche Sache, ob man mehr oder minder traditionellen emotionalen Ausdruck als "genuin" empfindet (wie ich zB im 1. Violinkonzert oder der 8.) oder als klischeehaft (wie ich teils in der 5. Sinfonie).

    Genau. Ich empfinde (wieder) die 5. als völlig ernsthaft, glaubwürdig, überzeugend, und zwar so, wie man in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts solche Ausdrucksbereiche des späten 18. und des 19. Jahrhunderts seriöserweise wiederbeleben konnte. Ich hatte aber auch mal eine Phase, wo ich diese Sinfonie gar nicht schätzte. Das hat etwas damit zu tun, was man den Komponisten in den 30er-Jahren zugesteht und was nicht.


    Dass Bartók deutlich besser ist als Schostakowitsch, steht für mich außer Frage.
    :hello:

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  • Klar, man kann "plakativ" als Totschlag-Attribut nehmen.
    Mein Punkt (in dem anderen thread) war eben die Verwunderung, dass sich viele einig zu sein scheinen, dass eine Qualität der besseren Werke Schostakowitschs eine Art "Doppelbödigkeit", tragische Ironie, was auch immer sein sollte, dabei aber das Jubelfinale der 5. "naiv" verstanden prima zu der ähnlich traditionell komponierten Tragik des Rests dieser Sinfonie passt.


    Ohne die Werke im Detail im Ohr zu haben, meine ich, dass die 1. doch eher frisch-respektlos mit der Tradition umgeht (und man auch an das Debut eines 19jährigen andere Ansprüche stellt). Und bei der 6. kann ich die Doppelbödigkeit eher hören. Die 10. habe ich auch nicht mehr genau im Ohr, fand die und natürlich noch mehr die 8. aber immer viel überzeugender "tragisch" als die 5.
    Die 11. und 12. sind ziemlich plakativ und werden vielleicht auch deshalb von vielen Hörern deutlich weniger geschätzt.


    Wir hatten ja in Bezug auf das Finale von Beethovens Neunter schonmal über Plakativität in der Musik diskutiert, wobei ich mich da insofern ein wenig verrannt habe, dass ich in der Folgezeit Deine These für mich überprüft habe, man könne die Bedeutung des Textes auch als Nebensache ansehen und das Finale somit allgemeiner als eine Art "Feier des Bacchus": Ja, das funktioniert für mich, und inzwischen schätze ich diesen Satz viel mehr als damals.


    Interessant finde ich, dass kurzstueckmeister, wenn ich es richtig verstehe, hier ganz ähnlich argumentiert wie Du bei Beethovens Neunter: Letztlich schätze er die Musik, unabhängig von möglichen außermusikalischen Betrachtungen.


    (Jetzt habe ich mich oben natürlich schon wieder schuldig gemacht, das Wort "plakativ" verwendet zu haben - versteht meinen Beitrag also eher als lautes Nachdenken über die Thematik als als klare Stellungnahme! ;) )


    Viele Grüße,
    Frank.


    OT, @Johannes: Danke für die Tipps! Mit Bartok bin ich bisher nicht wirklich warm geworden, habe das aber lange nicht mehr ernsthaft probiert. Eventuell sollte ich aber zunächst mal die Quartette hören (bei Schostakowitsch vermute ich auch, dass das für mich der bessere Einstieg gewesen wäre als die Symphonien). Die klassizistischzen Strawinsky-Werke habe ich tatsächlich schon länger im Auge.


  • Wir hatten ja in Bezug auf das Finale von Beethovens Neunter schonmal über Plakativität in der Musik diskutiert, wobei ich mich da insofern ein wenig verrannt habe, dass ich in der Folgezeit Deine These für mich überprüft habe, man könne die Bedeutung des Textes auch als Nebensache ansehen und das Finale somit allgemeiner als eine Art "Feier des Bacchus": Ja, das funktioniert für mich, und inzwischen schätze ich diesen Satz viel mehr als damals.


    Interessant finde ich, dass kurzstueckmeister, wenn ich es richtig verstehe, hier ganz ähnlich argumentiert wie Du bei Beethovens Neunter: Letztlich schätze er die Musik, unabhängig von möglichen außermusikalischen Betrachtungen.


    Es ist nicht so, dass mir Schostakowitschs 5. direkt missfällt. Ich finde sie halt nicht überwältigend toll, obwohl ich live sicher beeindruckt wäre.
    Ich weiß es natürlich nicht, aber ich habe mitunter, eben in besagtem thread über den Hintergrund und die "Aussage" der 5. den Eindruck, dass es hier eher umgekehrt ist wie bei Beethoven. Man schätzt die Musik höher, weil man die schwierige Situation kennt. Stammte sie von einem linientreuen Stalinisten wäre das vielleicht ganz anders. Vielleicht sind aber noch komplexere Rationalisierungen am Werk: Man schätzt die Emotion und den etwas plakativen Bombast der Sinfonie, u.a. weil das viel eingängiger als andere Musik der Zeit ist und dann kriegt man noch so einen ergreifenden Background geliefert.
    Ich meine halt auch, dass "plakativ" bei Händel oder Beethoven anders zu beurteilen ist als bei Schostakowitsch. So skeptisch man gegenüber der Idee Adornos sein mag, dass sich musikalische Ausdrucksmittel "abnutzen" können, ist da m.E. was wahres dran. Man vergleiche, um Schostakowitsch mal rauszulassen, Händels Messiah, Mendelssohns Paulus und Brahms' Triumphlied. Ich glaube nicht, dass ich mir hier nur aufgrund von Vorurteilen eine "Abnahme der Authentizität" ähnlicher Ausdrucksmittel einbilde.



    Zitat

    OT, @Johannes: Danke für die Tipps! Mit Bartok bin ich bisher nicht wirklich warm geworden, habe das aber lange nicht mehr ernsthaft probiert. Eventuell sollte ich aber zunächst mal die Quartette hören (bei Schostakowitsch vermute ich auch, dass das für mich der bessere Einstieg gewesen wäre als die Symphonien). Die klassizistischzen Strawinsky-Werke habe ich tatsächlich schon länger im Auge.


    Ich kann hier leider keine Aufnahmen empfehlen, da ich meist selbst nur eine oder zwei habe und die nie groß verglichen.
    Vieles davon ist eher "neobarock" und einiges sehr "cool" und distanziert. Aber besonders die Sinfonie in 3 Sätzen hat durchaus etwas von Beethovenschem Pathos (auch die Sinfonie in C und die Psalmensinfonie sind "ernstere" Stücke als Pulcinella, "Dumbarton Oaks", das Violinkonzert u.a.).
    Die eingängigsten Orchesterwerke Bartoks sind wohl die Tanzsuite, das Divertimento f. Streicher, das Konzert f. Orchester und das 3. Klavierkonzert. Zu der noch interessanteren Musik für Saiteninstrumente etc. gibt es ja schon einen signifikanten "Alle reden.." thread, in dem ein paar hilfreiche Sachen stehen könnten.


    Die Quartette sind nicht allzu eingängig, ich mag 4-6 lieber als 1-3.

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  • Zitat von "Johannes Roehl"

    Ich weiß es natürlich nicht, aber ich habe mitunter, eben in besagtem thread über den Hintergrund und die "Aussage" der 5. den Eindruck, dass es hier eher umgekehrt ist wie bei Beethoven. Man schätzt die Musik höher, weil man die schwierige Situation kennt. Stammte sie von einem linientreuen Stalinisten wäre das vielleicht ganz anders.


    Ich vermute, dass hier der Gedankengang ein anderer ist: Die angebliche oder tatsächliche ironische Aussage als Rechtfertigung gegenüber sich selbst und anderen, um eine Musik, die man grundsätzlich mag, vor dem Verdacht der Befleckung durch den Stalinismus (und deswegen einem erzwungenen Nicht-Mögen) zu bewahren.



    Zitat

    Ich meine halt auch, dass "plakativ" bei Händel oder Beethoven anders zu beurteilen ist als bei Schostakowitsch. So skeptisch man gegenüber der Idee Adornos sein mag, dass sich musikalische Ausdrucksmittel "abnutzen" können, ist da m.E. was wahres dran. Man vergleiche, um Schostakowitsch mal rauszulassen, Händels Messiah, Mendelssohns Paulus und Brahms' Triumphlied. Ich glaube nicht, dass ich mir hier nur aufgrund von Vorurteilen eine "Abnahme der Authentizität" ähnlicher Ausdrucksmittel einbilde.


    Den Gedanken der Abnutzung musikalischer Ausdrucksmittel finde ich problematisch. Wenn das wirklich so wäre, warum erfreut sich dann der Messias (als ein Beispiel unter vielen, wir alle hier im Forum beschäftigen uns zu mindestens 90% mit der Musik "veralteter" Stile) noch heute so großer Beliebtheit? Eventuell ist es eher so, dass Künstler häufig scheitern, wenn sie etwas ausdrücken möchten, das eigentlich nicht ihrem eigenen Lebensgefühl entspricht. Dass so etwas bei Brahms' Triumphlied passiert (ich kenne das Werk nicht, nur seine Entstehungsgeschichte), klingt für mich nicht unwahrscheinlich.
    Andererseits verwendet gerade Brahms Stilmittel älterer Stile häufig mit großem Erfolg. Würdest Du "Ein deutsches Requiem" auch eine Abnahme der Authentizität gegenüber entsprechender Musik älterer Stile attestieren?


    Bei einer derartigen Argumentation bliebe natürlich die Frage, ob Schostakowitsch in z.B. der fünften Symphonie daran scheitert, etwas auszudrücken, das nicht seinem Lebensgefühl entspricht (womit wir wahrscheinlich wieder bei der Ironie sind :D ). Für ein "intuitives Mögen" seitens eines Hörers ist die Beantwortung dieser Frage allerdings nicht relevant, und offenbar gibt es dieses intuitive Mögen bei Schostakowitsch-Symphonien bei Hörern ganz unterschiedlicher musikalischer Bildung. Das ist für mich zumindest ein Indiz für eine gewisse Stimmigkeit der Werke und dass wir, die ihnen Plakativität attestieren, es uns eventuell zu einfach machen.



    Viele Grüße,
    Frank.

  • 11 - Ich liebe sie; die gesetzten Höhepunkte sind sehr kretiv gesetzt. Nach dem Massaker schafft es Schostakowitsch, eine überaus unheimliche Stimmung zu erzeugen, einfach toll. Wunderbares Finale.


    5 - Tolle Symphonie, Höhepunkte sind für mich das Finale des ersten und auch des letzten Satzes.


    8 - 1 - 15 - 10 - 7 - 4

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  • Ich habe ja lange überlegt, wie mein Ranking aussehen könnte, ich wollte das wirklich voll durchdenken, aber habe gemerkt, es lässt sich einfach schlecht so einfach einteilen. In ein paar Jahren mag die Liste siche auch wieder anders aussehen.
    Deswegen halte ich es wie die meisten und mache keine absolute Reihung, sondern bilde Gruppen.


    11, 15, 4
    die erste Reihe ist für mich einfach, auch wenn 11 gerne als Filmmusik geschmäht wird, mich fesselt sie sehr, die 15. beeindruckt mich einfach immer wieder mit ihrer feinen Struktur und dann dieses genialische Ende!, die 4. ist eben ein absolut eigenes, modernes Stück, das seinesgleichen sucht


    8, 7, 14
    in der 8. gerade der 3. Satz, die 7. ist ja mit die beliebteste im Konzertleben und ich kann verstehen warum, mitreißend und die 14. einfach ergreifend


    9, 5, 13
    die 9. ist so schwungvoll-satirisch, bei der 5. ist es wieder das Finale und die 13. mag ich vor allem, wegen des Bassparts (musikalisch finde ich nicht immer alles so toll)


    2 und 3
    das wird sicher einige wundern, aber trotz der Schwächen enthalten beide Werke für mich grandiose Stellen (der Chorsatz aus der 3. gehört NICHT dazu), die auf die 4. hinarbeitet, sehr innovativ, aber eben auch unstrukturiert, unausgegoren


    12
    hat noch einige Momente


    1, 6, 10 (Reihung willkürlich)
    geben mir wenig bis gar nichts, uninteressant

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Hallo Schall+Wahn,


    eher Wahn, wenn ich mir dein ungewöhnlichstes Rankung in diesem Thread anschaue. Ich sehe Deinen Beitrag seit dem 27.08. wiederholt und komme darüber nicht hinweg - wegen dem Zitat uninteressant" bei den Sinfonien Nr. 1, 6 und 10 ???? :no: .
    Es ist verständlich, das jeder eine andere Sicht auf die Schostakowitsch-Sinfonien haben wird.
    :?: Aber warum Du gerade
    *** den Geniestreich des 20jährigen Studenten, die Sinfonie Nr.1;
    *** die packende Sinfonie Nr.6, die sich in 3 Sätzen vom Largo bis zum Schlaussallegro ins unermessliche steigert (ganz besonders eindrucksvoll hörbar bei Roshdestwensky (Eurodisc), der das Finale zum Wahnsinn gestaltet);
    *** und dann die fabelhafte DSCH-Sinfonie Nr.10, die selbst Karajan als einzige Schostakowitsch-Sinfonie aufführte (Live und 2mal auf CD in TOP-Interpretationen hörbar machte), als uninteressant und wenig gebende Werke abkanzelst, ist mir unverständlich!???! Was must Du für schwache Aufnahmen davon haben???


    Bei mir liegen diese 3 Sinfonien im ersten Drittel - ich möchte diese nicht missen!

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich sehe Deinen Beitrag seit dem 27.08. wiederholt und komme darüber nicht hinweg - als uninteressant und wenig gebende Werke abkanzelst, ist mir unverständlich !???! Was must Du für schwache Aufnahmen davon haben ???


    Lieber Teleton,


    solltest du wegen meines Ranking durchwachte Nächte gehabt haben, tut mir das leid :D ...aber Spaß beiseite, zuerst möchte ich bitte betonen, dass ich hier kein Werk abgekanzelt habe (kanzeln dann nicht alle die Werke ab, die bei ihnen auf dem letzten Platz sind?) und würde auch nicht behaupten, dass das schlechte Werke sind, nur bei mir haben sie bisher eben kaum Eindruck hinterlassen, ich höre sie und vergesse sie wieder sozusagen, es bleibt nichts haften, deswegen hier auf dem undankbaren letzten Platz.
    Aus dem Kopf weiß ich nicht, welche bei dir an letzter Stelle waren, aber da könnte ich ja ebenso sagen, das ich das unverständlich finde. Das ändert aber nichts an deinen und meinen Eindrücken. Wenn du die drei Sinfonien magst, ist das doch gut. Wie gesagt, vielleicht würde mein Ranking in fünf Jahren schon wieder ganz anders aussehen, man weiß nie.
    Übrigens habe ich die Barshai-Box.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • vielleicht würde mein Ranking in fünf Jahren schon wieder ganz anders aussehen, man weiß nie.
    Übrigens habe ich die Barshai-Box


    Hallo Schall und Wahn,


    ich denke nach mehrmaligem Hören werden die 3 Sinfonien bei Dir auch höher rücken. Habe Dich verstanden!
    Mit Barshai (Brillant) bist Du eigendlich nicht schlecht bedient - eher sogar ziemlich gut bedient! Den habe ich unter meinen zahlreichen GA auch.
    OK, die Erste strahlt bei ihm nicht ganz die frische Leidenschaft des jugendlichen Schostakowitsch aus - so wie es Kondraschin (Melodiya) vermag;
    die Sechste hat bei ihm nicht den Wahnsinncharakter der Roshdestwensky-Aufnahme.
    Aber die Zehnte spricht doch für sich selbst und da ist auch der 2. Wahnsinssatz Presto angemessen bei Barshai umgesetzt.


    :hello: Ich denke mal - die Zeit wird es bringen.


    Bei mit stehen die Sinfonien Nr.2, 3 und 14 am Ende; aber uninteressant finde ich die keineswegs, :thumbup: und ganz bestimmt nicht, wenn ich die Roshdestwensky-Aufnahmen höre, der das Zeug hat mir sogar diese schmackhaft zu machen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Nachdem ich mich in den letzten Tagen/Wochen wieder einmal durch sämtliche Symphonien durchgehört habe, hier nun nach fünf Jahren ein neues Ranking von meiner Seite:


    7
    11
    5
    10
    12
    15
    8
    6
    1
    4
    9
    2
    3
    14
    13


    Einige Anmerkungen: Die 7. kann ihre Favoritenstellung halten, nicht umsonst ist sie wohl die bekannteste (auch Nicht-Schostakowitsch-Hörern geläufig). Besonders der geniale Kopfsatz ist für mich mit das Beste, was jemals komponiert wurde. Die 11. rückt auf und steht gewissermaßen gleich daneben. Eine der exemplarischsten russischen Symphonien überhaupt, in der mich ebenfalls gerade der erste Satz mitreißt. Die ebenfalls sehr populäre 5. käme bei mir gleich danach. Bei der 10. mag ich besonders den zweiten und den letzten Satz. Die 12., die bei vielen ganz hinten steht, finde ich gründlich unterschätzt. Schostakowitschs Witwe Irina meinte sogar: "Eines der großartigsten und tragischsten Werke des 20. Jahrhunderts." Diese Überleitung vom 3. zum 4. Satz garantiert doch absolute Gänsehaut. Dann die 15. und letzte. Für mich das überzeugendste Werk der Spätphase des Komponisten. Ein gruseligeres Ausklingen als hier gibt es kaum. Die von vielen ganz vorne gesehene 8. kommt bei mir erst jetzt. Das ist kein Werk zum häufigen Wiederhören, eine teilweise schwer erträgliche Darstellung des Krieges. Die 6. steht ein wenig im Schatten der anderen, aber hat einen der besten Schlusssätze. Die 1. finde ich persönlich zugänglicher als die 4., die mir arg diffus erscheinen will. Die 9. ist natürlich witzig und erinnert fast an die Wiener Klassiker. Die viel geschmähten Symphonien Nr. 2 und 3 sind auf jeden Fall hörenswert und mir doch letztlich lieber als die späten Volkalwerke, bei denen ich allerdings die asketische 14. vor der 13. sehe. Dass diese zwei ganz hinten placiert sind, bedeutet nicht, dass ich sie nicht mögen würde. Aber die anderen stehen mir dann doch näher.


    P.S. Zu den von mir konkret favorisierten Aufnahmen siehe hier.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

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    – Luís de Camões

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  • Ich finde ein Ranking schwierig und bei mir ändert es sich auch regelmäßig.


    Auf Platz 1-3 sehe ich für mich klar drei Symphonien: 7 - 8 - 10, da finde ich immer die, die ich gerade höre, die Beste.


    danach wird es einfacher


    11
    4
    5
    1
    6
    13
    9
    14
    12
    2
    3


    Fehlt die Nummer 15. Die habe ich lange nicht gehört und deshalb traue ich mich nicht, die einzusortieren, vermutlich irgendwo in der Mitte bei 1 und 6.

  • An oberster Stelle stehen bei mir die Sinfonien Nr. 1,4,5,6,7,8,9,10,11,12,15.
    Dazu eine Reihenfolge zu erstellen fällt mir äußerst schwer, da ich alle genannten gleichermaßen, jede auf ihre Art schätze.


    Nach fast 11 Jahren gilt das immer noch, tendenziell ist die Reihenfolge ähnlich geblieben, aber hat sich doch geändert:


    Die Hochgeschätzten, bei denen eigentlich eine Reihenfolge fast nicht möglich ist:
    5 - 1 - 9 - 15 - 8 - 11 - 10 - 6 - 7 - 12 - 4
    - die Gesangssinfonien höre ich eher selten:
    13 - 2 - 3 - 14


    Nur mal ein Beispiel wie ungerne ich eine Reihenfolge nennen möchte:
    Warum sollte ich die Sinfonie Nr. 7 Leningrader weniger schätzen als die Sinfonie Nr.5, wenn ich diese in den Hammeraufnahmen mit Swetlanow höre ? Beides grosse Werke, die ich immer dann wenn ich sie höre grosse Begeisterung auslösen.


    Der Geniestreich des 20jährigen Musikstudenten D.Sch, die Sinfonie Nr.1 scheint bei einigen nicht so zu zünden. :thumbup: Bei mir steht sie bei den ersten Dreien.
    Die Sinfonie Nr.4 steht bei mir tatsächlich bei den Hochgeschätzten der ersten Reihe hinten. Ich schätze die Vierte nicht minder, aber bei den lang andauernden Höhepunkten (Josef nennt es diffus) hätte ich mir mehr Durchsichtigkeit und Entwicklung gewünscht. Roshdestwensky und ebenso Kondraschin vermögen dies noch am eindrucksvollsten umzusetzen; von den moderneren Westaufnahmen ist Ashkenazy eine Aufnahme, die dieses Werk zu eindeutig höherer Wertschätzung führen.
    Die Leningrader ist bei mir jetzt auch wieder deutlich höher gerückt; genau wie die Sinfonie Nr.11, woran unsere kürzliche Diskussion bei Tamino und mein aktueller Hördurchgang mit Kondraschin auch ihren Anteil hat.
    Andererseits frage ich mich warum in meiner Liste die Sinfonie Nr.12 hinter der Nr.7 steht? Ich kann es kaum beantworten, weil ich Beide gleich hoch schätze.
    Aber dann wieder klar, warum die Sinfonie Nr.6 noch davor steht: Weil es eine übersichtliche Sinfonie ist (kein langer Schinken), die sich von Satz zu Satz steigert und in einem furiosen Finalsatz gipfelt, der eigentlich nur mit Roshdestwensky hörenswert bleibt, denn was viele andere Dirigenten daraus machen ist dagegen lauer Kaffeeklatsch.
    Die Sinfonie Nr.8 habe ich trotz der düsteren aussage schon immer gerne gehört - ein Hörerlebnis ist für mich dabei der dritte Satz der sich bis zum Wahnsinn steigert - kann man das besser machen als Roshdestwensky und Kondraschin? Swetlanow hat sie leider nicht mit seinem Orchester aufgenommen; sein Westaufnahme erreicht die Beiden dieses mal leider nicht. Mrawinsky zündet bei mir ebenfalls durch sein trockene Herangehensweise nicht so ganz.
    Die Sinfonie Nr.10 ist ja ebenfalls ein ganz grosses Bekenntniswerk: Egal ob mit Kondraschin, Swetlanow, Roshdestwensky, Mrawinsky, Barshai, Solti, Karajan ... die sind alle Weltklasse.
    Die Sinfonie Nr.13 zündet bei mir in der Kondraschin-Aufnahme mit Artur Eisen noch am Höchsten von den Gesangssinfonien; und wenn ich die restlichen GS höre, dann schon mit absolut packendem Zugriff ... Roshdestwensky.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Interessant ist das "Ranking", welches Mariss Jansons im aktuellen "Fono-Forum" abgibt. Er ist der Auffassung, daß die 2.,3.,12. aber auch erstaunlicherweise "Teile der 13." NICHT auf demselben Niveau seien wie die übrigen. Bei den erstgenannten deckt sich das mit meiner Auffassung; die Hinzufügung von Nr. 13., einem meiner Lieblingswerke von Schostakowitsch, macht mich ein wenig ratlos. Vor kurzem ist eine beachtliche Einspielung genau jener 13. Sinfonie unter Jansons erschienen:



    Den lieben und kompetenten BigBerlinBear, der diesen Kommentar 2006 geschrieben hat, habe ich schon sehr lange nicht hier im Forum gesehen. Diese besagte Aufnahme unter Jansons ist immer noch meine Lieblingssymphonie und Lieblingsaufnahme derselben (gemeinsam mit der Vierten unter demselben Dirigenten). Als nächstes - vom nächsten Gehalt - werde ich mir die Gergiev-DVD-Box besorgen. Hat die schon jemand?


    Hier die schon mal beschriebene Aufführung bei den Londoner Proms mit Gergiev. Etwas eingeschränkte Qualität, aber sehr spannend, finde ich. Toller junger Bassist!
    https://goo.gl/kwlAvn

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Den lieben und kompetenten BigBerlinBear, der diesen Kommentar 2006 geschrieben hat, habe ich schon sehr lange nicht hier im Forum gesehen.


    Was mit der Sperrung seines Accounts zusammenhängt.


    Viele Grüße
    Frank


  • Was mit der Sperrung seines Accounts zusammenhängt.


    Viele Grüße
    Frank


    Danke für die Erklärung. Dennoch sind die Beiträge fachlich und qualitativ hochwertig, finde ich.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

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  • Lieber Caruso,


    oh nein, Angst ist völlig unnötig. Einfach nur die Meinung sagen, falls du irgendwas kennst oder magst oder auf etwas neugierig bist. Ich bin auch ganz und gar kein Experte und kenne auch noch nicht mal alle Symphonien, freue mich aber immer, wenn jemand mehr weiß.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Ach......


    Sagte so prägnant Loriot - ich habe es nie geschafft meine Barshai Box durch zu hören . Ab morgen fange ich noch einmal an. Ich gehe chronologisch vor - danach melde ich mich (nicht so bald) wieder.


    ich grüße nach einem wunderbaren Abend mit lokalen Jazz "Größen"


    Kalli

  • Frisch alle 15 Sinfonien gehört und deshalb diesen Thread ausgegraben. Ich stelle fest, dass es bei einigen Fragen hier zwei sehr gegensätzliche Meinungen bei den Taminos gibt:

    7. Sinfonie (ganz) oben oder weit unten?

    14./15. Sinfonie an der Spitze oder im Hinterfeld?

    2./3. Sinfonie ganz am Schluss oder im Mittelfeld?

    Ich sortiere mich da ebenfalls bei den Extrema ein. An der Spitze steht bei mir unangefochten die mittlere Schaffensperiode ab den Kriegsjahren. Die ersten acht befinden sich alle zwischen 5. und 13. Sinfonie.


    1) 8. Sinfonie (ein unglaublich erschütterndes Kriegswerk)

    2) 7. Sinfonie (bei mir mit ihrer interessanten Programmatik mit an der Spitze)

    3) 6. Sinfonie (steigt unaufhörlich in meiner Gunst, bei jedem Hören)

    4) 5. Sinfonie (die vielleicht bekannteste Sinfonie Schostakowitschs habe ich neu für mich entdeckt)

    5) 13. Sinfonie (für mich die beste russische Vokalsinfonie)

    6) 12. Sinfonie (sagt mir trotz ihrer Programmatik musikalisch sehr zu)

    7) 10. Sinfonie (DSCH fasziniert)

    8 11. Sinfonie (hat mich zuletzt weniger umgehauen als früher)

    9) 4. Sinonie (gefällt mir zunehmend besser - radikale Moderne)

    10) 1. Sinfonie (ein ganz starkes Jugendwerk)

    11) 9. Sinfonie (interessante Hintergründe aber deshalb hat sie musikalisch auch nicht so viel zu bieten)

    12) 15. Sinfonie (ein bisschen viel Zitierwut)

    13) 14. Sinfonie (diese russische Liedsammlung sagt mir bisher einfach nicht sehr zu)

    14) 3. Sinfonie (die beiden frühen programmatischen Werke halte ich für ziemlich schwach)

    15) 2. Sinfonie

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)