Operette tot?

  • Zurück zur Frage, wie tot oder lebendig die Operette ist. Mein Eindruck dazu: in einigen kleinen theatralischen Biotopen überlebt sie. Baden bei Wien gehört beispielsweise dazu.

    Da musst Du nach Münster kommen, lieber Udo. :) In der letzten Spielzeit gab es allein zwei Operetten und dazu noch Weill, der in keine Kategorie passt - nur ist wegen Corona das Theater zu, leider! :hello:


    Hier eine ältere Vorankündigung des Programms:


    https://www.muensterschezeitun…ie-Klassiker-sind-aktuell


    Schöne Grüße

    Holger

  • Da ich nicht grade ein großer Freund von Operetten bin, bin ich damals auch sehr lustlos in die Premiere der Operette der Vetter aus Dingsds an der Rheinoper gegangen. Es wurde aber dann doch ein unterhaltsamer Abend und ich bin noch mehere Male in diese Aufführungsserie gegangen. Bei der Premiere war sogar. Evelyn Künneke anwesend. Ebenfalls ein großer Erfolg war das Feuerwerk an der Rheinoper.

  • Vielen Dank für die Einladung nach Münster Holger. Da gäbe es ein Wiedersehen mit Golo Berg, der einige Jahre Chef der Hofer Symphoniker war...


    ;)


    ...und vielen Dank für den Link.


    Mit "Der Vetter aus Dingsda" ist Eduard Künneke ein Dauerbrenner gelungen, der alle Operettenkrisen unbeschadet zu überstehen scheint. Handlich, praktisch, gut - braucht man doch weder Chor noch Ballett. Nicht nur, aber wahrscheinlich auch deshalb das seit Jahren das meist gespielte Stück dieses Genre.

  • Deine Interpretation leuchtet ein, vor allem, wenn man auch die Trallala-Musik sich anhört - sehr kindisch. Aber die Musik zum Refrain (Machen wir´s den Schwalben nach) scheint mir von einem anderen Kaliber zu sein. Es mag daran liegen, dass ich vor kurzem erst eine überaus schöne romantische Musik entdeckt habe, von Brahms das Duett "Die Meere" (siehe unter HörBar in meinem "Schreibtisch"). Da finde ich im Schwalbenlied Anklänge. Aber natürlich ist es eine Frage des persönlichen Erlebens, wie man es auffasst.

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

  • Nun weiß man bei diesem Duett in der Csárásfürstin" freilich, dass der am Duett beteiligte Mann eigentlich eine andere liebt. Trotzdem könnte man rein musikalisch im Refrain glauben, dass da eine (kleine, kleinbürgerliche) Liebe vorhanden ist. Die strophen zeigen freilich, dass nicht mal die wirklich vorhanden ist.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Nun weiß man bei diesem Duett in der Csárásfürstin" freilich, dass der am Duett beteiligte Mann eigentlich eine andere liebt. Trotzdem könnte man rein musikalisch im Refrain glauben, dass da eine (kleine, kleinbürgerliche) Liebe vorhanden ist. Die strophen zeigen freilich, dass nicht mal die wirklich vorhanden ist.

    Das wusste ich alles nicht. Es ist vielleicht ein Beispiel dafür, dass einen eine Musik treffen kann, wo man es gar nicht erwartet, weil diese Musik in persönlichen Kontexten auftaucht, an die Textdichter und Komponisten nicht gedacht haben können.


    https:


    Dies ist die Aufnahme, die ich meinte. Da singt ein richtiger Sopran, ohne großes Tremolo, das Tempo ist langsam, und dieser Teil hebt sich deutlich vom Trallala ab.

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

  • Beitrag von Alfred_Schmidt ()

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  • Beitrag von udohasso ()

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  • Es ist schon irgendwie lustig. Da braucht nur einer zu sagen, die Operette wäre in diesem Forum tot und schon wird es hier quicklebendig.

    Noch nie habe ich in Gera eine Operette von Suppe gesehen, obwohl man den nicht nur auf seine zugegeben tollen Ouvertüren beschränken sollte.

    Suppé ist generell ein Stiefkind der Branche - auch sein 200. Geburtstag wurde kläglich behandelt. Immerhin gab es im Chemnitz die Wiederbelebung seines "Teufel auf Erden" und in Baden bei Wien "Fatinitza". Und kommende Saison soll in Osnabrück "Donna Juanita" wiedererweckt werden, falls dies nicht der Corona-Krise zum Opfer fällt.


    Ich habe schon mal an anderer Stelle auf diese Seite hingewiesen, da kann man nachschauen, wo und wann in Deutschland, Österreich, Schweiz und sonst wo Operetten gespielt werden.


    Zur Barrie Kosky: Seine Inszenierung von "Ball im Savoy" hat mir wahnsinnig gut gefallen. So muss Operette m.E. inszeniert werden. Allerdings finde ich Dagmar Manzel gewöhnungsbedürftig. Da kann sie noch so gut spielen, aber singen kann sie nicht und für manche Rollen hat sie einfach nicht mehr das Alter, finde ich.


    :)Uwe

  • Zur Barrie Kosky: Seine Inszenierung von "Ball im Savoy" hat mir wahnsinnig gut gefallen. So muss Operette m.E. inszeniert werden. Allerdings finde ich Dagmar Manzel gewöhnungsbedürftig. Da kann sie noch so gut spielen, aber singen kann sie nicht und für manche Rollen hat sie einfach nicht mehr das Alter, finde ich.

    Ich habe mir soeben "Die Perlen der Cleopatra" auf OperaVision angeschaut - wunderbar. Ich muss gestehen, Dagmar Manzel ist wirklich eine außerordentlich tolle Komödiantin - köstlich. Da kann ich schon verstehen, dass sie zur Kultfigur geworden ist.


    :)Uwe

  • Dagmar Manzel ist wirklich eine außerordentlich tolle Komödiantin - köstlich. Da kann ich schon verstehen, dass sie zur Kultfigur geworden ist.

    Ist Kultfigur nicht ein wenig hoch gegriffen?

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Ich denke, Dagmar Manzel ist ein Glückfall für die Komische Oper und deren Chef Barrie Kosky. Gerade in den der großen Fritzi Massary auf den Leib geschneiderten Rollen ist die Manzel brilliant. Nicht als Operettensängerin, sondern im changierenden Bereich zwischen Text- und Gesangsvortrag. Nie imitiert Dagmar Manzel das Vorbild. Vielleicht schwingt gerade deshalb Erinnung an die legendäre Fritzi Massary mit.


    Mir wurde die Bedeutung der Manzel bewusst in der ebenfalls sehenswerten Kosky-Inszenierung von Jaromir Weinbergers Operette "Frühlingsstürme". Entscheidender Mangel der Produktion, dass nicht Richard Tauber auf der Bühne steht. Leider auch niemand, der durch seinen Personalstil überzeugt und nicht ständig die Frage aufkommen lässt, wie das wohl damals mit Tauber klang.


  • Stimmenliebhaber ein sehr gelunges Portrait der Dagmar Manzel, vielen Dank für den Hinweis.


    Rheingold1876 es ist sicher kein Zufall, dass der schillernde Begriff "Kultfigur" im Schwange ist seit der Zusammenarbeit von Dagmar Manzel mit Barrie Kosky an der Komischen Oper. Alle gemeinsamen Produktionen der Beiden feierten ungewöhnliche Erfolge, nicht nur beim Premierenpublikum. Jede Wiederaufnahme ist Ruckzuck ausverkauft. Es gibt Menschen, die an der Kasse anrufen und wissen wollen "wann gibt's mal wieder die Manzel"...*g*.

  • Mir wurde die Bedeutung der Manzel bewusst in der ebenfalls sehenswerten Kosky-Inszenierung von Jaromir Weinbergers Operette "Frühlingsstürme". Entscheidender Mangel der Produktion, dass nicht Richard Tauber auf der Bühne steht. Leider auch niemand, der durch seinen Personalstil überzeugt und nicht ständig die Frage aufkommen lässt, wie das wohl damals mit Tauber klang.

    Absolut, da war ich beim Live-Erlebnis im Februar von den Protagonisten auch enttäuscht.


    Die Manzel ist hingegen unverwechselbar und auch nicht kopierbar, daher ist sie ja auch nie doppelt besetzt. Ich habe sie schon zu ihrer Ensemblezeit am DT regelmäßig erlebt und genossen, sie wagte auch schon dort den Wechsel zur Sängerin, schon beim wirklichen Kultabend "Eine kleine Sehnsucht, ganz egal wonach" (mit Manzel, Klein, Kowalksi und Morgenroth, 7x live erlebt, obgleich man sich früh anstellen musste, um an Karten zu kommen), dann kam 2001 der Solo-Liederabend "Ich bin ein Wesen leichter Art", dann kam dort der ganz große Musiktheater-Durchbruch mit der "Großherzogin von Gerolstein", danach ging es an der Komischen Oper weiter mit "Sweeney Todd" (habe ich 3x live erlebt), dann hinreißend in "Kiss me, Kate" (auch mehrfach erlebt), zwischendurch gabs auch noch ihre Perichole am BE, an der Komischen Oper habe ich sie auch mit einem Weill-Abend (Sololieder und "die ieben Todsünden") erlebt, die "Rössel"-Wirtin war aufgrund der Inszenierung nicht ihre beste Rolle, aber "Ball im Savoy" habe ich 2x live erlebt und das war wieder ein großes Erlebnis, ihre Golde habe ich 1x erlebt, vor allem aber in "Die Perlen der Cleopatra" (2x live erlebt) und in der für nur 2 Darsteller bearbeiteten Osca-Straus-Operette "Eine Frau, die weiß, was sie will" (auch 2x live erlebt) ist sie wirklich ein Ereignis, einfach umwerfend! "Kult" ist da eher zu tief als zu hoch gegriffen, denn "Kult" suggeriert, dass die Verehrung die verehrte Leistung übersteigt, aber das ist hier nicht so - sie ist so hinreißend und einzigartig, wie es bestimmte Felsenstein-Protagonisten an diesem Haus einmal waren.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ein Beispiel der Kunst von Dagmar Manzel, mit einem hinreißenden Stück von Paul Abraham, aus seiner Operette "Ball im Savoy".


    Am Flügel der Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky:


  • In Saarbrücken lief in der letzten Spielzeit die Czardasfürstin. War wohl sehr erfolgreich, das Theater gut besucht, die Kritiken freundlich, die Sänger toll, wie mir meine Nichte erzählte. Und ihr selber hat es so gut gefallen, dass sie 7 Mal in die Vorstellung gegangen ist. Als Studentin kommt sie aber auch kostenlos rein.

  • Als Studentin kommt sie aber auch kostenlos rein.

    Ganz kostenlos wohl nicht, aber viele Theater bieten Studentencard oder Semestertickets an, wo man dann für eine gewisse Summe in einer bestimmten Zeit (von 3 über 6 bis zu 12 Monaten) so viele Vorstellungen (ausgenommen Gastspiele) sehen kann, wie man will, wenn nicht gerade ausverkauft ist. Ich vermute also ganz stark, dass sie sich eine solche "Flatrate" zugelegt hat.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"