Kurznotizen aus den Opernhäusern!

  • Zitat

    Original von Alviano
    In Essen würde ich noch gerne Herheims "Don Giovanni" sehen - aber ich schrecke wegen der gesanglichen Seite davor zurück. Hat vielleicht jemand von den Berlinern (oder Gästen in Berlin) die "Forza" an der Lindenoper gesehen? Eindrücke würden mich interessieren.


    Hallo Alviano,


    die Berliner "Forza" kenne ich nicht, aber 2003 habe ich Herheims seinerzeit heftig umstrittene "Entführung" in Salzburg gesehen. Eine im ersten und auch noch im zweiten Akt enorm einfalls- und temporeiche Inszenierung, die sich leider im dritten Akt mit zusätzlichen Texten und Überstrapazierung des "Kampfes der Kulturen" zunehmend verzettelt.


    Der "Don Giovanni" in Essen würde mich auch sehr reizen, die Rezensionen haben durchaus Appetit gemacht. Interessant finde ich die Idee, Zerlina mit der ja nicht mehr blutjungen Helen Donath zu besetzen...


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Zwielicht
    Der "Don Giovanni" in Essen würde mich auch sehr reizen, die Rezensionen haben durchaus Appetit gemacht. Interessant finde ich die Idee, Zerlina mit der ja nicht mehr blutjungen Helen Donath zu besetzen...


    ... die gesanglich das Beste an dem Abend sein soll... Ihr Partner als Masetto ist Marcel Rosca, grmpf...

  • Zitat

    Original von Alviano
    [quote]Original von Zwielicht
    ... Ihr Partner als Masetto ist Marcel Rosca, grmpf...


    ...vom Alter her passt er ja gut zur Donath...aber es stimmt: Rosca hat schon viele Rollen vergeigt (ganz schlimm: Fiesco in "Simon Boccanegra" vor zich Jahren in einer unglaublich drögen Inszenierung des Filmregisseurs Tom Toelle)...mit Ausnahme von Rosca hat die Essener Oper doch eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht...


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Zwielicht
    Der "Don Giovanni" in Essen würde mich auch sehr reizen, die Rezensionen haben durchaus Appetit gemacht. Interessant finde ich die Idee, Zerlina mit der ja nicht mehr blutjungen Helen Donath zu besetzen...
    Viele Grüße
    Bernd


    Die Dame ist Jahrgang 1940, womit der Wahrheitsgehalt von Leporellos Registerarie bewiesen ist: "Dass dies Büchlein Stoff enthalte, schwärmt er gar manchmal selbst für Alte" :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo, Taminos, ich komme eben aus der GP zu Massenets "Manon" an der WSO. Da sie am 10. live übertragen wird, interessieren sich vielleicht auch Nicht-Wiener für meine Eindrücke.
    Regie führt Andrei Serban, der schon für unseren "Werther" verantwortlich zeichnete, und wieder hat er die Handlung in die 50er-Jahre verlegt, was ich bei der "Manon" plausibler finde und im Unterschied zum W. mit keinen Brüchen verbunden ist. Der Bühnenbildner Otto Papst arbeitet in erster Linie mit Projektionen, und da gelingen ihm ungemein suggestive Momente, besonders das letzte Bild ist beklemmend schön.
    Am Beginn befinden wir uns in einer Bahnhofshalle, Guillot und Bretigny amüsieren sich mit drei Damen aus der Halbwelt und Lescaut wartet auf seine Cousine Manon, die er im Auftrag der Familie ins Kloster bringen soll. Andrei Serban hat sich intensiv mit diesem Lescaut beschäftigt und eine zwielichtige, schillernde Figur aus ihm gemacht. Er scheint vom Anfang an entschlossen, die Schönheit seiner cher cousine gewinnbringend zu vermarkten und ist auch selbst durchaus interessiert an ihren körperlichen Vorzügen, was von Manon mit einer Mischung aus Koketterie und Abwehr erwidert wird. Dieses "Es macht Spaß, aber ein anständiges Mädchen tut so etwas nicht" bringt Anna Netrebko vorzüglich rüber.
    Roberto Alagna (sehr erschlankt, das nur nebenbei) betritt die Szene mit Lederkoffer und elegantem Reiseanzug und wirkt eher wie ein Versicherungsmakler, auf jeden Fall aber viel zu alt für diesen schwärmerischen Jüngling Des Grieux, der im Überschwang der ersten großen Liebe alles über Bord wirft und später sogar ins Kloster geht aus Verzweiflung über den Verlust Manons. Bei Alagna dachte ich eher an einen in die Jahre gekommenen Lebemann, der es noch einmal wissen will. Und warum sich ein offensichtlich so gut situierter Herr in den besten Jahren mit seiner Geliebten nur eine heruntergekommene Studentenbude in Paris leisten kann, bleibt mir auch schleierhaft. Der "petite table" ist nicht nur klein, bei der GP ging er bei der Rangelei zwischen Des Greux und Lescaut auch zu Bruche und fristete fortan ein sehr instabiles Leben auf drei Beinen, was der berühmten, ihm gewidmeten Arie der Manon natürlich viel an Emotionen raubte, weil die Netrebko begreiflicherweise einen großen Sicherheitsabstand zu ihm hielt anstatt ihn theatralisch zu umarmen, wie dies die Manons zu tun pflegen.
    Andrei Serban provoziert nicht, er vergewaltigt weder Libretto noch Musik, er hat in meinen Augen solides Handwerk geliefert ohne jeden Aufreger, und mir gefällt's. Den Regielis wird's sicher zu langweilig sein, die Staubis werden um Postkutsche und Rüschenhemden trauern, die Netrebko und Alagna-Fans werden jubeln. Ich habe jetzt bewusst die Sänger ausgeklammert aus meinen GP-Impressionen, weil ich erstens hier keine neue AN-Diskussion auslösen will und zweitens bei GP's nicht alles ausgesungen wird, eine Bewertung daher problematisch. (Dass mir Alagnas Stimme schlicht und einfach nicht gefällt, ist mein persönliches Problem und hat nichts mit seiner Leistung an sich zu tun!) Nur so viel: Die überragende Bühnenpersönlichkeit war für mich Adrian Eröd als Lescaut, der wie schon mit seinem Albert im Werther eine Randfigur ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat. Was aber auch ein Beweis ist, wie sorgfältig Serban an der Personenzeichnung gearbeitet hat.
    lg Severina

  • Hallo severina,


    war das Tischchen denn nicht dasselbe vom Opernball vor 2 Wochen?


    Ich bin auf die Übertragung ja auch gespannt!
    Erstens du weisst schon,warum :angel: und zweitens wegen des Risikofaktors Roberto A. 8o, über den ich derselben Meinung bin wie du. :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Hallo severina,


    war das Tischchen denn nicht dasselbe vom Opernball vor 2 Wochen?


    Ich bin auf die Übertragung ja auch gespannt!
    Erstens du weisst schon,warum :angel: und zweitens wegen des Risikofaktors Roberto A. 8o, über den ich derselben Meinung bin wie du. :hello:


    Hallo, Siegfried, du darfst dich freuen!!! :angel: Nein, das aktuelle Tischchen ist sehr viel kleiner und hielt die Konfrontation mit einem geschwungenen Stuhl nicht aus. 8)
    lg Severina :hello:

  • Heute in der Zeitung:


    Die Absagen von Rolando Villazon für die Boheme-Vorstellungen erfolgten aufgrund einer Stimmbandentzündung, der auch die nächsten geplanten Vorstellungen zum Opfer fallen werden....

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Auch wenn es schon ein paar Tage her ist, möchte ich noch kurz den Ring in Berlin erwähnen, der am Sonntag zu Ende gegangen. Selten habe ich so einen homogenen Ring erlebt. Donald Runnicles, der im ersten Ring eine Woche zuvor nicht nur Zuspruch gefunden hatte, trieb das Orchester zu Höchstleistungen und durchatmete förmlich die Partitur. Bei den Sängern sind an erster Stelle Terje Stensvold, Wotan, und Evelyn Herlitzius, Brünnhilde, wenn auch stimmlich sicher streitbar, zu nennen. Ebenso stark Ensemble-Mitglied Marina Prudenskaja, der ich eine große Zukunft voraussage, als Fricka, Robert Dean Smith als Siegmund sowie Matti Salminen (Ring 1) und Eric Halfvarson als Hagen. Einzig Eva Johansson als Sieglinde und Lenus Carlson als Gunther bewegten sich nicht auf höchstem Niveau.

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Und die Inszenierung? War die auf demselben Niveau?


    Da es ich um die legendäre Friedrich-Inszenierung (Zeit-Tunnel) aus den 80er Jahren handelt, hielt ich es nicht für nötig, darauf einzugehen. Erfreulich allerdings, dass im Gegensatz zu früheren Jahren wieder etwas von Regie zu sehen war. Vielleicht lag es auch so großartigen Darstellern/innen wie Evelyn Herlitzius.

  • So, gestern hatte ich also in FFM auch den ausverkauften Tannhäuser abgesessen... Carignani... Tristan und Parsifal lagen ihm besser!
    Kann Klingsors Enttäuschung verstehen und stehe meinungsmässig zwischen ihm und Alviano.


    Naja... also in FFM den Tannhäuser und Holländer meiden und auf Tristan und Parsifal-Wiederaufnahmen warten. Und selbst da nicht unbedingt zu Carignani rennen.

  • Also, ich halte ja nicht unbedingt viel von Kritikern :pfeif:, aber wenn DAS:


    *****


    Ein überragender Tannhäuser aus den USA
    Der amerikanische Sänger Gary Lehman glänzte in der Titelrolle von Wagners Oper – Premiere in Erfurt
    Jochen Wiesigel
    AP 11.03.2007 10:21


    Erfurt – Nach dem Parsifal hat der ehrgeizige Generalintendant des Theaters Erfurt, Guy Montavon, erneut eine Oper von Richard Wagner inszeniert. Im Jahr des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth von Thüringen nahm er sich die romantische Oper „Tannhäuser oder Der Sängerkrieg auf der Wartburg“ vor, die zur Premiere am Samstag in Erfurt viel Beifall erhielt. In die Bravo-Rufe mischten sich vereinzelt auch Buh-Rufe, die offenbar dem Bühnenbild galten.
    Das Publikum erlebte einen glänzend aufgelegten Gary Lehman aus den USA, der als Tannhäuser mit seiner enormen Stimmkraft und Darstellungskunst eine überragende Leistung bot. Lehman hatte im vergangenen Jahr schon einmal für Aufsehen gesorgt, als er an der Los Angels Opera kurzfristig für Placido Domingo eingesprungen war. Bei seinem Deutschland-Debüt in Erfurt erntete er Beifallsstürme.


    ******


    stimmt, fahr ich doch glatt mal nach Erfurt, um endlich mein Schmidt=Tannhäuser-Trauma loszuwerden :D


    Hat jemand Lehman schon gehört?


    Austria

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • Guten Morgn.


    Gestern Abend "Boris Gogunow" in der Staatsoper Unter den Linden.
    Das Haus war - namentlich ind en Rängen nicht besonders gut gefüllt. Das an sich muss keine Bedeutung haben, aber nach der Aufführung denke ich, dass dies auch mit deren Qualität zu tun hat.


    Dabei gefielen mir die Sänger recht gut. Allen voran René Pape, der am Ende auch mit dem meisten, dem herzlichsten Beifall bedacht wurde. Dafür, dass er kein Muttersprachler ist, schien er von den deutschen Sängern mit dem Russischen auch am besten zurecht zu kommen. Die Sänger des Pimen und Warlaam waren die anderen beiden Highlights für mich - beides (Alexander Vinogradov, Maxim Mikhailov) bezeichnenderweise Russen.
    Zum Orchester unter Barenboim kann ich so viel nicht sagen. Es klang gut, mit fehlte vielleicht ein wenig der Bogen, der alles zusammenhielt.


    Aber für mich regelrecht katastrophal war die Inszenierung. Der mir nicht bekannte Dmitri Tcherniakov zeichnete für Regie und Bühnenbild verantwortlich. Er transformierte die Geschichte in die nähere Zukunft, Beginn 2012. Für mich nicht problematisch, da die Geschichte das für mein Empfinden verträgt (Zar, Putin, Bojaren, Oigarchen - das ist für mich alles nicht so weit auseinander) Das erste Bild war eine naturalistische Stadtszene samt gläsernem Café und realistisch gestalteten Häuserfronten, ein Mix aus Bahnhofsvorhalle und Einkaufspassage. Das sah recht gut aus.
    Was allerdings extrem störend war: diese erste Szene blieb ja während der gesamten Aufführung die bühnenbestimmende Kulisse. Es wurde im Übrigen nur mit Requisiten (Schreibtisch, Imbisswagen) gearbeitet, die bei Bedarf einfach in diese Stadtszenerie geschoben wurden. Vermutlich ist mir diese Oper nicht vertraut genug, insofern war ich auf Bilder durchaus auch für das Verständnis angewiesen. Die hätten beispielsweise gern abstrakter und mehrdeutiger sein dürfen, aber nicht so "falsch" realistisch.
    Insgesamt: schade.
    Aber das war bestimmt nicht mein letzter Boris Godunow. In puncto Inszenierung kann es eigentlich nur besser werden.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Zitat

    Original von lohengrins
    Aber für mich regelrecht katastrophal war die Inszenierung. Der mir nicht bekannte Dmitri Tcherniakov zeichnete für Regie und Bühnenbild


    Hallo lohengrins,


    Tcherniakov ist von Haus aus eigentlich Bühnenbildner - und macht sich in jüngerer Zeit auch als Regisseur einen Namen, der langsam auch im "Westen" bekannter wird. Da er seine Inszenierungen in der von Dir geschilderten Form auch in seiner Heimat zeigt, gilt er dort als "junger Wilder" - eine solche Bildsprache war in Russland bislang weitgehend unbekannt.


    Falls Du interessiert bist, kannst Du Dir die Kritiken von "Chowantschtschina" aus München anschauen - die Premiere war gerade am Dienstag und wurde auch im Radio übertragen - Bühne und Kostüm: Dmitri Tcherniakov.

  • Hallo Aliano.


    Interessehalber werde ich mir die Kritiken von "Chowantschtschina" wirklich mal zu Gemüte führen. Mal sehen, was Profis von seiner Arbeit so halten.


    Danke!


    :hello:


    Gruß, l.

  • Ich war am 11.03.2007 in Hamburg in der Staatsoper:


    Gespielt: Verdi, Otello:
    Dirigentin: Simone Young
    (Eine alte) Inszenierung: August Everding


    Otello: Franco Farina
    Jago: Marco Vratogna
    Desdemona wurde gesungen von Alexia Voulgaridou.


    Kann mir jemand vielleicht Wissenswertes über diese Sopranistin mitteilen. Auch persönliche Meinungen bzw. Einschätzungen...


    Ich kenne diese Sängerin leider nicht. Habe diese zum erstem Mal gesehen und gehört. Ich fand sie sehr gut. Insbesondere ihre piano und pianissimo-Passagen waren phänomenal.


    Bis dann,

  • War jemand zufällig in der Premiere am Wochenende ?


    Habe in der Zeitung gelesen, dass musikalisch zwischen Orchester, Chor und Sängern teilweise einiges aus den Fugen geriet. Da ich das ja mittlerweile fast als Charakteristikum des Hauses sehe, und deshalb schon seit 2 Jahren diese Hallen meide, würde mich interessieren, wie schlimm es nun wirklich war. Kann ich die Bismarkstraße weiter guten Gewissens meiden ?


    Gruß
    Sascha

  • Lesen Sie die Rezension von Frau Lemke im Berliner Tagesspiegel. http://www.tagesspiegel.de Einen solchen Verriß, vor allem die Forderung, den Dirigenten in die Wüste zu schicken, habe ich noch nie gelesen (Aber vielleicht kenne ich die Wiener Presse nicht so gut!)

  • Oh Weia, naja, die Kritik in der FAZ ist musikalisch nicht besser. Wie gesagt, ein Katastrophen-Ring unter Jun Märkl vor einigen Jahren, wo es ähnlich schlecht - um nicht von unprofessionell zu reden - zuging, war mein vorerst letzter Besuch in diesem Hause. Dennoch soll es zwischenzeitlich einen beachtenswerten Ringzyklus gegeben haben, aber mit diesem Freischütz hat man sich wohl erneut ein dickes Ei gelegt im Berliner Opernkampf. Die Staatsoper ist zumindest musikalisch tumhoch überlegen, modernes Regietheater mjit solidem Hausensemble gibts in der Komischen Oper. Und das ab und zu der Vorhang aufgeht, um eine "konservative" Inszenierung zu enthüllen, die ca. 40 jahre alt ist, dürfte angesichts der dabei entstehenden Staubwolke und den wackeligen Kulissen vor allem in Verbindung mit der kontinuierlich schlechterwerdenden Leistung von Dirigenten und Orchester wohl auch keinen konservativen Opernliebhaber in die Bismarkstraße locken, die Plüschtosca gibts auch in der Staatsoper.


    Aber zum Glück karrt man ja Pavarotti oder jetzt Netrebko ins Haus. Schade.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    Und das ab und zu der Vorhang aufgeht, um eine "konservative" Inszenierung zu enthüllen, die ca. 40 jahre alt ist, dürfte angesichts der dabei entstehenden Staubwolke und den wackeligen Kulissen vor allem in Verbindung mit der kontinuierlich schlechterwerdenden Leistung von Dirigenten und Orchester wohl auch keinen konservativen Opernliebhaber in die Bismarkstraße locken, die Plüschtosca gibts auch in der Staatsoper.


    Lieber Sascha,


    von mir aus könnte der Vorhang viel häufiger aufgehen für die 40 Jahre alten Inszenierungen. Die Bohème dort ist ein Traum! Gewackelt hat da noch nie was.


    LG,
    Knusperhexe

  • Hallo Knusperhexe,


    das sind zugegeben Informationen aus zweiter Hand, da ich solche Aufführungen meide - wobei das noch nicht mal primär etwas mit der Inszenierung zu tun hat, sondern mit der Tatsache, dass leider Wiederaufnahmen solcher Inszenierungen selten meine Ansprüche hinsichtlich der musikalischen Qualität und der Personenführung befriedigen können, ich meide also auch "alte" Regietheateraufführungen. (wie man am aktuellen Beispiel sieht, ist man auch bei Premieren nicht davor gefeit).


    Jedenfalls habe ich einige Freunde, die durchaus gerne "traditionelle" Inszenierungen sehen, und die zeigten sich wenig begeistert. Kann aber nochmal nachhaken, vielleicht bezog sich ja die Staubwolkenkritik auch vor allem auf das, was nicht nur Bühnenbild ist, sondern eigentlich die Regie sein sollte, aber meist leider nach 40 Jahren ebenso verschwunden ist, wie die einstigen Regisseure und Assistenten.


    Gruß
    Sascha

  • Lieber Sascha,


    ich bin seit zwei Jahrzehnten regelmäßig Gast in dem Haus und liebe die alten Inszenierungen da. Da wackelt nix, da staubt nix und die Inszenierungen sind en detail noch so wie ich sie zuerst sah. Manchmal hat der ein oder andere Interpret eigene Einfälle eingestreut, aber die Linie des Regisseurs wird beibehalten. Beim Regietheater kann ich's nicht beurteilen, weil ich die Inszenierungen, die ich gesehen habe selten ein weiteres Mal angeschaut habe. Wahrscheinlich hast Du recht, dass diese sich nach einiger Zeit im Repertoire eher glatt schleifen.


    LG,


    Knusperhexe

  • Zitat

    Original von Antracis
    Kann ich die Bismarkstraße weiter guten Gewissens meiden ?


    Hallo Sascha,


    die Katastrophenserie der Deutschen Oper ist fast schon ein bisschen unheimlich - und es steht trotz der vagen Bestandsgarantie durch Wowereit zu befürchten, dass man die Bismarckstraße gar nicht mehr meiden muss, weil das dortige Haus dann gar nicht mehr oder nur noch in extrem reduzierter Form existieren wird.


    Hier ist wohl alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte. Immerhin gehörte die DOB mal zu den führenden Opernhäusern Deutschlands und Europas. Ich bin seit 2002 nicht mehr dagewesen, aber meine sporadischen Besuche seit dem Anfang der 90er Jahre waren überwiegend recht erfreulich. Das Orchester präsentierte sich zumindest bei Thielemanns Wagner-Dirigaten auch noch vor wenigen Jahren in ausgezeichneter Form. Architektonisch ist die DOB zweifellos nicht sehr attraktiv, aber akustisch ist sie m.E. für orchestral großdimensionierte Werke besser geeignet als die Staatsoper.


    Ein wenig riecht das derzeitige Einprügeln auf das Haus und seine Intendantin ja nach Kampagne - aber wenn ich mir Spielpläne, Besetzungslisten, Auswahl des Chefdirigenten etc. ansehe, dann vergeht auch mir die Lust, aktuelle Aufführungen zu besuchen. Sehr nachvollziehbar fand ich die Kritik mehrerer Rezensenten an der Wiederaufnahme von "Idomeneo" - und zwar nicht wegen des bekannten Regieeinfalls von Neuenfels, sondern weil das Werk offenbar miserabel geprobt und schlecht besetzt dargeboten wurde.


    Eine ganz witzige Charakterisierung der drei Berliner Häuser und ihres Publikums hat Christine Lemke-Matwey vor einigen Wochen in der ZEIT geliefert (laut Alfred dürfen ja wieder richtige Links gepostet werden):


    http://www.zeit.de/2007/08/Oper?page=1


    Zitat: "Berlin, Deutsche Oper, ein Tag später. Hier endet der Besuch im Handgemenge mit der Garderobiere. Im frisch ausgelegten Gästebuch des Hauses bedanken sich gleich mehrere Besucher männlichen Geschlechts dafür, dass die »alten Fregatten« an den Garderoben endlich durch »knackige« Studentinnen ersetzt worden seien." :D


    Viele Grüße


    Bernd

  • Hallo Bernd,


    in punkto Akustik gebe ich Dir vollkommen recht. Wagner in der Staatsoper, zumal nahe am Orchester, ist ein eingeschränktes Vergnügen, bei allem Glanz der fabelhaften Staatskapelle. Die Akustik ist derart trocken, dass es in den Ohren kratzt. :D


    In der Deutschen Oper erinnerte ich mich mal an einen Holländer, den ich im 2 Rang in der letzten Reihe, also ganz hinten erlebte. Ich habe in der Tat nach Lautsprechern gesucht, weil die Akustik das Ganze so gut auch in die letzte Reihe transportierte.


    Kampagne ? Zumindest die Orchesterleistungen, die ich erlebt habe, waren unterirdisch. Wobei ich da eher an Proben- und Motivationsprobleme glaube, als an eine radikal gesunkene Qualität der Musiker. Aber in der Walküre damals passte kaum was zusammen, die Einsätze ähnelten einer Art barocken Verzierung :D und alles was Kieksen konnte, das es auch. Es ist wohl wirklich ein Abschiedsgesang gewesen. Und der Freischütz ist in der Tat ein Desaster. Das war immerhin eine Premiere unter Leitung der neuen Chefs, au weia.


    Gruß
    Sascha

  • Der "Spiegel" widmet in seiner neuesten Ausgabe dem Opernhaus Essen einen Bericht, in dem der - von mir wenig geschätzte - Rezensent Klaus Umbach der Essener Oper "europäisches Spitzenniveau" bescheinigt.


    Aufhänger für die Berichterstattung war der "Don Giovanni" in der Regie von Stefan Herheim, über den sich Umbach ausgesprochen freundlich äussert.


    Aufmerksamkeit war dem Essener Opernhaus mit der Verpflichtung von Herheim gewiss: zum einen bringt er konservativere Gemüter locker zum Schäumen, zum anderen wird Herheim den neuen "Parsifal" in Bayreuth inszenieren - und Essen bietet hier Gelegenheit, sich mit dem Regisseur etwas vertrauter zu machen.


    Bleibt die Frage, ob Essen tatsächlich andere Opernhäuser in Deutschland überrundet und einen Spitzenplatz einnehmen kann.


    Ich habe bisher nur drei Aufführungen in Essen erlebt, kann diese Frage also nicht gesichert beantworten, gebe aber zu, dass ich auch in Zukunft meinen Blick öfter nach Essen richten werde, weil mich das Programm dort durchaus anspricht (auch im Schauspiel, vor allem wegen David Bösch). So ist für 2010 wohl ein "Ring" geplant - und "Moses und Aaron" werde ich mir sicher auch gerne anschauen.


    Was ich sagen kann: das Orchester hat mich zumindest nicht negativ überrascht, im Gegenteil, auch der GMD ist keiner, dessen Aufführungen ich meiden würde - aber bei den Sänger/innen ist es dann doch kaum das, was man von einer "europäischen Spitzenklasse" erwarten würde.


    Und: schon vor Wochen habe ich etwas Mühe gehabt, noch eine Karte für den "Giovanni" im Mai zu bekommen - das Stück läuft offensichtlich gut.


    Die Gourmet-Bibel "Guide Michelin" kennt neben ihrem Drei-Sterne-System auch eine Kategorie "Anwärter"(für einen Stern).


    So würde ich das Opernhaus Essen einschätzen: als Anwärter für eine gute Position unter unseren Opernhäusern im oberen Bereich - aber noch nicht für die "Opernhauptstadt" (so Umbach in seinem Schluss-Satz).


    Für mich bleibt, nach wie vor, Stuttgart das Opernhaus, das ich persönlich für das spannenste in Deutschland halte.

  • ich kenne aus stuttgart nur einige opern via TV(leider oder gott sei dank).
    und da denke ich mir immer,"die armen stuttgarter,da bin ich ja froh in essen stammgast sein zu dürfen"
    sicher,viel zu selten treten in essen sänger/innen der (wirklichen)spitzenklasse auf,aber seit nun 6 j. bin jährl. ca.10-12x im aalto u. habe noch keinen einzigen besuch bereut.es war jedesmal ein genuss.
    lg yago