• Wie schön, dass mit Anja Silja eine der prägendsten, interessantesten Persönlichkeiten am 20. Oktober 2013, 11.00 Uhr zur Gottlob-Frick-Gesellschaft in die Matinee kommt, um mit dem Journalisten Thomas Voigt ein Künstlergespräch zu führen. Schon erstaunlich, denn Ölbronn ist nicht so leicht zu erreichen. Manche sagen sogar despektierlich das Operndörfle läge am A..... der Welt. Übrigens der Eintritt ist frei, Gäste willkommen und Taminos ganz besonders. In der Nähe liegt auch das berühmte Kloster Maulbronn - Weltkulturerbe. Ölbronn ist also eine Reise wert.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Hans,


    ich kann deine Worte nur unterstützen. Auch meine Frau und ich durften voriges Jahr mit einigen Taminos an diesem großen Ereignis teilnehmen und es war für uns ein besonderes Erlebnis. Ich habe heute die Bestätigung erhalten, dass wir auch dieses Jahr wieder teilnehmen dürfen und wir freuen uns schon sehr darauf.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)


  • Der 80. Geburstag von Anja Silja ist ein würdiger Anlass, sich mit dieser Sängerin erneut zu beschäftigen. Die oben verlinkte 29. Folge der da-capo-Reihe mit August Everding wurde am 9. November 1991 erstmals ausgestraht. Man kann sie getrost als eine Art Biographie in Musik und Worten bezeichnen, obwohl die Künstlerin damals dreißig Jahre jünger war und in der Folgezeit noch einiges aufzubieten hatte. Wer etwas über sie erfahren will, erfährt es hier. Gemessen an der langen Dauer ist die Karriere einzigartig. Ich kenne keine andere Sängerin, die so früh begann und bis in ihre späte Lebensphase wirkte. Die Stimme wurde nicht unbedingt schönber, behielt aber ihren phänomenalen Sitz.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Freund Rheingold, lieber Rüdiger,


    Du hast eine Deiner Stärken wieder einmal unter Beweis gestellt , indem Du sogar das "Da Capo Interview" von Anja Silja zu ihrem 80. Geburtstag einstellen konntest. Meine Frau und ich haben auch im Auftrag der Gottlob Frick Gesellschaft in netter anerkennender Form zu ihrem besonderen Ehrentag gratuliert. Anja Silja ist eines der treuesten, aktivsten Mitglieder in der " Frick -Familie". Gerade in Künstlergesprächen, Wortbeiträgen und Diskussionen wirkt ihre unnachahmliche Aura, die Lebendigkeit, Offenheit, Klugheit, Ausstrahlung und die durch einen Reichtum von Erlebnissen geprägte Persönlichkeit besonders faszinierend. Ihre Beiträge in der Wieland Wagner zum 100. Geburtstag gewidmeten Matinee wirkten so stark, dass sich die anderen Promis zurückhielten, weil auch sie überwältigt waren von Anja Silja. Ein unvergesslicher Höhepunkt in der Reihe aller Matineen der Gottlob Frick Gesellschaft. Sie ist auch der lebendige Beweis, dass auch auf der Opernbühne die Wirkung der Gesamtpersönlichkeit entscheidend ist, wenn diese Einmaligkeit, das gewisse Etwas, das Besondere, das schwer zu Beschreibende vorhanden sind, werden gewisse Unvollkommenheiten gar nicht wahrgenommen, oder von der Begeisterung überdeckt.


    Nun möchte ich jedoch auch hier im Forum der großen Sängerschauspielerin herzlich mit allen guten Wünschen, besonders für Gesundheit im Quadrat zu ihrem Geburtstag gratulieren. Möge es ihr und uns vergönnt sein, dass die große Anja Silja noch lange alle Opernfreunde verzaubern kann.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Hans, ich lese Deine Worte mit Rührung. Mir hat Anja Silja, die ich erst in ihren reifen Bühnenjahren live erleben konnte, drei meiner nachhaltigsten Opernerlebnisse beschert: zweimal die Emilia Marty in Janaceks "Die Sache Makropulos" (Wiener Volksoper und Deutsche Oper Berlin), die Küsterin in "Jenufa" (ebenfalls Berlin) und eine "Salome" in Leipzig, in der sie neben Inga Nielsen die Herodias gab. An ein Konzert in Ostberlin, in dem sie, begleitet von ihrem Ehemann Christoph von Dohnányi, Orchesterlieder von Schöneberg sang, kann ich mich nicht so genau erinnern wie an die Opernvorstellungen. Ich kann mich nicht entscheiden, welcher Aufführung ich den Vorrang einräumen sollte. Es ging ja immer nur um sie. Sie hätte wohl auch die Marie in "Zar und Zimmermann" spielen können. ;)Tragik lag ihr natürlich mehr. Rein stimmlich waren das nicht eigentlich die allergrößten Abende. Höre ich mir CDs mit ihr an, hätte ich manchen Einwand vorzutragen. Stand sie aber auf einer Bühne, war sie der Mittelpunkt. Selbst in der "Salome"-Vorstellung, wo sie auch mal für lange Zeit mit dem Rücken zum Publikum stand, war meine Aufmerksamkeit nur auf die gerichtet. Ich könnte nicht mal mehr sagen, wie die Nielsen gewesen ist, die bekanntlich eine hervorragende Sängerin war. Die Silja stahl in den von mir erleben Vorstellungen allen Kollegen die Schau. Nicht aus Absicht oder gar Boshaftigkeit. Sondern durch darstellerische Wahrhaftigkeit. Das war ihr Triumph. Sie hatte gut gelernt bei Wieland Wagner. Seither habe ich nie wieder eine Sängerin mit dieser Bühnenpräsenz erlebt.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rüdiger,

    danke für die Botschaft. Ich bin froh über die Übereinstimmung in der Sache, besonders aber über den Gleichklang unserer Empfindungen und Seelen.

    Herzlichst

    Dein

    Hans

    Ich bitte um Nachsicht bei allen Taminos und Lesern: Übertreibung ist meine Spezialität, blumige Sprache ein Alleinstellungsmerkmal von mir, das enorm hohe Kindheits-Ich kam nicht mit dem Alter, es ist mein Schicksal, meinen ewigen Quatschkopf bitte ich Euch zu tolerieren, oder sofort wegzuklicken. (Der Holzwurm läßt grüßen.) Trotzdem hoffe ich, dass Ihr den alten Hans ertragt und vieleicht sogar ein bißchen mögt?:love:<3


    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Auch wir möchten Anja Silja, die wir bei unseren Besuchen des Künstlertreffens der Gottlob-Frick- Gesellschaft persönlich als sehr freundliche und lebhafte Dame kennen und schätzen gelernt haben und die wir mit ihren klaren und treffenden Aussagen auch in zwei Matineen erlebt haben, nachträglich zu ihrem gestrigen 80 Geburtstag gratulieren. Wir wünschen ihr weiterhin viel Gesundheit und freuen uns schon, sie - hoffentlich - in diesem Jahr dort wiederzusehen.


    Liebe Grüße

    Erika und Gerhard Wischniewski

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Möchte mich hiermit den Worten von Hans und Gerhard 100%ig anschliessen.

    Ich hatte noch das Glück sie als Senta, später auch als Ortrud erleben zu dürfen. Für mich steht sie zusammen mit Astrid Varnay und Martha Mödl bezüglich der Gestaltung unerreicht da.

  • Wenn ich richtig Lust auf eine tolle, schwere, dramatische Oper habe, spiele ich "Vec Makropulos" mit Anja Silja in der Hauptrolle, ach, was sage ich, in der einzigen Rolle dieser Oper. Rheingold1876 hat das in Beitrag 35 exakt auf den Punkt gebracht.

    Die Basis sprach zum Überbau: "Du bist ja heut schon wieder blau!" / Da sprach der Überbau zur Basis: "Wasis?" (Robert Gernhardt)

  • Hallo,


    im Archiv des ZDF befinden sich mit Anja Silja zwei komplette Aufzeichnungen von sehr entgegengesetzten Werken der Opernliteratur, die aber exemplarisch die schon damals faszinierende Ausstrahlung der gerade mal 23 bzw. 28 Jahre alten Sängerin zeigen:


    „Die Entführung aus dem Serail“ (Mozart): Konstanze – Anja Silja / Blondchen – Renate Holm / Belmonte – James Harper / Pedrillo – David Thaw / Osmin – Georg Stern / Bassa Selim – Willi Wolff / Der Opernchor der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main / Chorltg.: Karl Klauss / Das Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester / Dirigent: Lovro von Matacic / Ausstattung: Toni Businger / Inszenierung: Bruno Hübner (Sendung am 22. 9. 1963). Es war eine Live-Übertragung der Premiere!


    Ich kann mich recht gut an diese TV-Sendung erinnern, weil ich da die Sängerin zum ersten Mal richtig wahr nahm – um die Bayreuther Rundfunkübertragungen mit ihr hatte ich bisher einen Bogen gemacht, da ich mit ihrer Stimme 'fremdelte'. Wie ich Frau Silja einschätze, wird sie über eine eventuelle nochmalige TV- Ausstrahlung dieser von Toni Businger sehr liebevoll ausgestatteten „Entführung aus dem Serail“ bestimmt nicht glücklich sein; ich sehe sie noch vor mir im schulterfreien Haremskostüm mit Schleier vor dem Mund und in Pluderhosen...


    Im Gegensatz dazu ist ihre „Lulu“-Interpretation auch heute noch von zeitloser Gültigkeit: anfangs ein etwas verspieltes, unschuldig und trotzdem sinnlich wirkendes Geschöpf (ohne jede aufgesetzten erotischen Äußerlichkeiten, wie man das heutzutage oft inszeniert), das sich seiner sexuellen Wirkung nicht bewusst zu sein scheint - einfach die Verkörperung der 'Jugend' an sich, und darum für die Menschen ihrer Umgebung um so anziehender – aber später genau diese Eigenschaften kalkuliert einsetzt. Ein faszinierendes Rollenportrait! (Es gibt ein signifikantes Foto einer „Lulu“-Probe, wo Wieland Wagner vor ihr sitzt und Anja Silja - mit der damals modischen 'Vogelnestfrisur' - im gar nicht mal sehr kurzen Kleid lässig vor ihm steht, ihre schönen langen Beine zeigt und den Zeigefinger an die Unterlippe legt.)


    „Lulu“ (Berg): Lulu – Anja Silja / Gräfin Geschwitz – Sona Cervena / Die Theatergarderobiere – Paula Brivkalne / Der Gymnasiast – Hannelore Schulz-Pickard / Der Tierbändiger und Jack the Ripper – Rudolf Knoll / Dr. Schön – Carlos Alexander / Alwa – Richard Holm / Der Maler – James Harper / Der Medizinalrat – Engelbert Czubok / Schigolch – Willy Ferenz / Der Theaterdirektor – Heinz Cramer / Rodrigo – William Wildermann / Der Prinz – Stefan Schwer / Der Kammerdiener – Kurt Egon Opp / Der Neger – Klaus Hirte / Das Orchester der Württembergischen Staatsoper Stuttgart / Dirigent: Ferdinand Leitner / Ausstattung und Inszenierung: Wieland Wagner / TV-Regie: Herbert Junkers (Sendung am 4. 5. 1969). Natürlich ist dies nicht die von Friedrich Cerha später 'rekonstruierte' Fassung.


    Ich habe ein altes Video von dieser bereits in Farbe aufgezeichneten „Lulu“ – abgesehen von dem „Tristan“ und der „Walküre“ aus Osaka und der 'Schusterstube' aus den Bayreuther „Meistersingern“ (siehe unten) eines der wenigen filmischen Dokumente von Wieland Wagners Inszenierungen. (Zu dem von ihm für 1967 geplanten „Tannhäuser“-Film mit Anja Silja als 'Elisabeth' und 'Venus' kam es durch seinen frühen Tod nicht mehr.)


    „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Dritter Akt, erstes Bild) (Wagner): Eva – Anja Silja / Magdalene – Ruth Hesse / Hans Sachs – Josef Greindl / Walther von Stolzing – Wolfgang Windgassen / David – Erwin Wohlfahrt / Sixtus Beckmesser – Carlos Alexander / Das Orchester der Bayreuther Festspiele / Dirigent: Thomas Schippers / Kostüme: Kurt Palm / Bühnenbild, Inszenierung und TV-Regie: Wieland Wagner (Sendung am 18. 8. 1963). Diese in der ARD gezeigte Aufzeichnung des Bayerischen Rundfunks ist auch auf 'YouTube' zu sehen.


    Ich habe Anja Silja – die ja wohl eine der längsten Gesangskarrieren der Operngeschichte vorweisen kann - nie auf der Bühne erlebt, aber einige ihrer vom Fernsehen gezeigten komplexen Frauengestalten gesehen und auch aufgezeichnet: die „Fidelio“-Leonore vom NDR, die 'Lady Macbeth' („Macbeth“) aus Brüssel, die 'Emilia Marty' („Die Sache Makropoulos“) aus Glyndebourne, die 'Küsterin' („Jenufa“) ebenfalls aus Glyndebourne und die 'alte Priorin' („Les dialogues des Carmelites“) aus Mailand.


    Und dankbar bin ich Frau Silja auch für Äußerungen wie diese (auf die Frage „Kann die Aktualisierung eine Möglichkeit sein, Menschen den Zugang zur Gattung Oper zu erleichtern?“): „Nein, da bin ich anderer Meinung. Brächte man die Werke so, wie sie vom Komponisten gedacht sind, würde man viel mehr Leute gewinnen. Auch in den Museen werden die Bilder ja nicht einfach übermalt, nur weil sie alt sind – und die Museen erleben derzeit wieder einen Boom, auch bei den jungen Leuten. Die Menschen finden einfach die Gegenüberstellung von alter und heutiger Kunst interessant... Die Ursache für dieses Problem liegt in den Schulen. Wer kennt heute noch wirkliche Literatur?... Und so ist es auch mit der Oper: Die Jugend kommt im allgemeinen nicht auf den Gedanken, in die Oper zu gehen, weil das ja etwas Altmodisches ist. Und deshalb wird es dann modern inszeniert, in dem Glauben, damit ein neues Publikum zu gewinnen – doch die gehen lieber ins Kino als sich eine Oper anzusehen.“ („Oper & Tanz“, Nr. 2 / 2003)


    Nachträglich alles Gute zum Geburtstag, verehrte Frau Silja!


    Carlo

  • Ich habe ein altes Video von dieser bereits in Farbe aufgezeichneten „Lulu“ – abgesehen von dem „Tristan“ und der „Walküre“ aus Osaka und der 'Schusterstube' aus den Bayreuther „Meistersingern“ (siehe unten) eines der wenigen filmischen Dokumente von Wieland Wagners Inszenierungen. (Zu dem von ihm für 1967 geplanten „Tannhäuser“-Film mit Anja Silja als 'Elisabeth' und 'Venus' kam es durch seinen frühen Tod nicht mehr.

    Lieber Carlo, ich frage Dich, weil Du sie erwähnst: Gibt es von den Aufführungen in Osaka mehr, als die doch kümmerlichen Schnipsel, die bei Youtube zu finden sind? Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Carlo, ich frage Dich, weil Du sie erwähnst: Gibt es von den Aufführungen in Osaka mehr, als die doch kümmerlichen Schnipsel, die bei Youtube zu finden sind? Es grüßt Hans

    Ist dir das zu wenig?


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ist dir das zu wenig?

    Lieber Stimmenliebhaber, komisch, daß ich das offenbar immer übersehen habe. Dank! Aber sich sehe gerade, daß es auch erst vor ein paar Monaten auf YT publiziert wurde - wahrscheinlich hatte ich schon vorher die Suche aufgegeben. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Ich möchte mal kurz eine sehr persönliche Erinnerung an die einst heftig umstrittene Sängerin schildern.


    Ich habe Anja Silja beim gemeinsamen Anstehen vor der Städtischen Oper Berlin in der Kantstrasse kennen gelernt. Ich war wohl 14 oder 15 Jahre alt. Sie war ein Jahr älter und kam meistens mit ihrer Gitarre. Manchmal hat sie nur darauf gespielt, öfter aber auch dazu gesungen. Eines Tages berichte sie ganz stolz, dass sie ein Engagement in Braunschweig an der Oper hätte. Da haben ihr alle gratuliert, sie gefeiert und ihr viel Erfolg gewünscht.


    Den hat sie dann ja auch gehabt.


    Als sie später in Berlin an der Deutschen Oper sang, war dann das Verhältnis zwischen der inzwischen zum Star aufgestiegenen Sopranistin und den Opernaficionados des zweiten Ranges merkwürdig schwierig.


    Die erste Partie in ihrer Heimatstadt war im Dezember 1961 die Elsa (neben Christa Ludwig, Jess Thomas, Hermann Uhde, Josef Greindl und Thomas Stewart). Die Inszenierung von Wieland Wagner stieß auf ein geteiltes Echo. Vor allem die Ludwig und Thomas wurden jedoch enthusiastisch gefeiert.


    Einzig die Silja wurde eigentlich durchweg kritisch beurteilt: Man mochte sie als Darstellerin nicht wirklich akzeptieren, sah sie eigentlich mehr als Marionette Wieland Wagners und meinte, dass sie weder Persönlichkeit noch Ausstrahlung hatte. Zudem empfanden die Meisten die Stimme als kalt, steif und oft flach, wenig geschmeidig und ausdruckslos. Wenn sich hässliche Töne in die Gesangslinien einschlichen, stöhnten die Anspruchsvollen unter den Besuchern hörbar auf. Am Ende der Premiere und auch in den meisten Folge-Aufführungen musste die Silja Pfiffe (damals noch die gebräuchlichste Form, das Missfallen auszudrucken) und Buh-Rufe ertragen.


    Auch als Salome (die Premiere war im Dezember 1962) konnte die Silja die meisten Stammbesucher nicht überzeugen. Sie wurde der Partie zwar stimmlich und gesangstechnisch durchaus gerecht. Man fand die Stimme aber wieder als kalt, zu nackt und monochrom, oft unschön penetrant, bemängelte die fehlende Flexibilität. So gab es abermals massive Missfallensäußerungen.


    Die Leitung des Hauses verzichtete schließlich darauf, die jungen Sopranistin immer wieder dem Protest des Publikums auszusetzen. Die Elsa übernahm Elisabeth Grümmer, die die Partie eigentlich nicht mehr hatte singen wollen. Die Eva in der Neueinstudierung der Meistersinger, für die Anja Silja ursprünglich auch vorgesehen war, wurde Pilar Lorengar übertragen.


    Dass Anja Silja eine eindrucksvolle Darstellerin und eine gute Sängerin war, habe ich erst später erlebt, als ich sie als Lady Macbeth, Küsterin, Emilia Marty, Grete (Der ferne Klang), Cassandre und Regan (Reimanns Lear) gehört habe.


    Die bitteren Erfahrungen, die sie mit dem Publikum ihrer Geburtsstadt machen musste, bedaure ich von ganzem Herzen.

    Zu ihrem 80sten Geburtstag gratuliere ich Anja Silja ganz herzlich - mit großem Respekt und mit ehrlicher Bewunderung.


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Fr. Silja berichtet, daß nach der zweiten Vorstellung, in der sie die Elsa sang, Wieland Wagner den Eisernen (sic!) Vorhang runterfahren ließ, als das Buhkonzert nach den ersten Verbeugungen wieder anfing.


    Anja Silja, Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, Parthas, Berlin, 1999, S. 67

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Carlo,


    Frau Silja hat immer klar und ohne Umschreibung ihre Meinung zum Regisseurstheater gesagt, die ich vollkommen teile. Ich erinnere mich, dass sie in einer Matinee in Ölbronn (sinngemäß) sagte: "Ich suche mir die Regisseure rechtzeitig aus. Ich will doch nicht von der Decke hängen und im Mülleimer landen."


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Fr. Silja berichtet, daß nach der zweiten Vorstellung, in der sie die Elsa sang, Wieland Wagner den Eisernen (sic!) Vorhang runterfahren ließ, als das Buhkonzert nach den ersten Verbeugungen wieder anfing.


    Anja Silja, Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, Parthas, Berlin, 1999, S. 67

    So war es, lieber Hans. Schön, dass Du auf dieses Buch zu sprechen kommst. Ich habe es auch in meinem Bestand - und auch gelesen. Der Plattenmitschnitt des "Lohengrin" bei der Decca von 1962 klingt indess so übel nicht. Die Silja wurde seinerzeit durch Hildegard Hillebrecht ersetzt, die nie zuvor und nie danach wieder auf dem Hügel erschien. Ob sie besser war? Ich bezweifle, dass es nur künstlerische Gründe waren, die gegen die Silja in Bayreuth sprachen. Wielands angetraute Frau und Mutter seiner Kinder, Gertrud, die auch im Ensemble aktiv war, hatte auch ihre Fans. Dass jemand nun öffentlich in wilder Ehe mit einer anderen lebte, hatte in den 1960er Jahren seinen hohen Preis. Das Bayreuther Publikum und die Mäzene waren in Teilen bigott und extrem konservativ. Und die Silja? Die war ja seit Kindertagen ein Star und Liebling auch der Boulevardpresse. Soetwas hatte in Bayreuth doch nichts verloren!


    Sagt jemanden noch die TV-Runde "Boulevard Bio" etwas? In einer Sendung, die ich sogar mitgeschnitten habe, brachte der Moderator Alfred Biolek Anja Silja und Wolfgang Wagner ertstmals nach ihrem Abschied aus Bayreuth wieder vor laufender Kamera zusammen. Das habe ich als sehr bewegend in Erinnerung. Beide erwiesen sich als ungemein professionell. Inzwischen war ja auch Wofgang gschieden und hatte seine zweit Frau Gertrud geheiratet. Vielleicht machte auch diese Erfahrung ihn milde.


    Lieber Caruso, Deinen kritische Würdigung der Jubilarum habe ich mit Genuss gelesen. Danke. Wieder einer der Txte, die ich mir ausdrucken und in diesem Falle dem Silja-Buch beilegen werde.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Frau Silja hat immer klar und ohne Umschreibung ihre Meinung zum Regisseurstheater gesagt, die ich vollkommen teile.

    Lieber Gerhard, ich glaube nicht, dass man sich im Kampf gegen das - wie Du es nennst - "Regisseurstheater" auf die Silja berufen kann und darf. Das machte sie klein und provinziell. Schließlich war sie sehr intensiv mit einem maßgeblichen und radikalen Erneuerer des Operntheaters nach dem Zweiten Weltkrieg liiert, der sie bis heute prägte.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Der Plattenmitschnitt des "Lohengrin" bei der Decca von 1962 klingt indes so übel nicht.

    Lieber Rüdiger, den höre ich eigentlich recht gern. Siljas Elsa ist sehr interessant, flackernd und nah am Wahn. Und Thomas ist ein guter Lohengrin. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Gerhard, ich glaube nicht, dass man sich im Kampf gegen das - wie Du es nennst - "Regisseurstheater" auf die Silja berufen kann und darf. Das machte sie klein und provinziell. Schließlich war sie sehr intensiv mit einem maßgeblichen und radikalen Erneuerer des Operntheaters nach dem Zweiten Weltkrieg liiert, der sie bis heute prägte.

    Lieber Rheingold,


    das sehe ich anders. Zwar haben Wolfgang und Wieland Wagner die Bühne von überflüssigem Tand entrümpelt, aber sie haben nicht, wie die heutigen Regisseure in die Handlung eingegriffen und sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt, wie es heute in Bayreuth geschieht. Auch blieb in den abstrahierten Bühnenbildern für mich noch die Illusion von Ort und Zeit erhalten. Es scheint aber die Meinung einiger Leute zu sein, dass das die Grundsteinlegung für die heutigen verkrampften Modernisierungsversuche und Verunstaltungen der Werke gewesen sei.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber Gerhard, diese Entrümpelung war ja nur der äußere Aspekt der Arbeit der Wagner-Enkel. Der wird mir viel zu hoch gehängt und gern auch anekdotisch garniert. Viel wichtiger war es doch, dass sie die Inhalte der Stücke und die Figuren völlig neu entdeckt haben und dabei keinen Stein auf dem anderen ließen. Ihnen ging es nicht um Illusionen sondern um Wahrhaftigkeit. Wieland war ein ganz Radikaler. Wolfgang erreichte das nicht so als Regisseur. Dafür war er in seinen späten Entscheidungen als Festivalleiter auf eine ehr künstlerisch-administrative radikal indem er beispielsweise Götz Friedrich, Patrice Chereau, Heiner Müller und dann sogar noch Christopf Schlingensief nach Bayreuth holte und den totalen Bruch mit der Tradition herbeiführte, was ihm fürchterliche Anfeindungen einbrachte. Er riskierte das und bewies Mut. Zumindest dafür verdient er größten Respekt.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Eine ihrer letzten neuen Rollen war 2019 die Hexe in Engelbert Humperdincks Melodram „Königskinder“ am Stadttheater Gießen.

  • Am Ende der Premiere (Lohengrin an der DOB 1961) und auch in den meisten Folge-Aufführungen musste die Silja Pfiffe (damals noch die gebräuchlichste Form, das Missfallen auszudrucken) und Buh-Rufe ertragen.

    Fr. Silja berichtet, daß nach der zweiten Vorstellung, in der sie die Elsa sang, Wieland Wagner den Eisernen (sic!) Vorhang runterfahren ließ, als das Buhkonzert nach den ersten Verbeugungen wieder anfing.

    In Berlin? Wieland Wagner war sicher ein renommierter Regisseur und einflussreich. Aber war das Herunterlassen des Eisernen in einem Opernhaus, das ihm nicht unterstand, wirklich seine Sache?


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • In Berlin? Wieland Wagner war sicher ein renommierter Regisseur und einflussreich. Aber war das Herunterlassen des Eisernen in einem Opernhaus, das ihm nicht unterstand, wirklich seine Sache?


    Caruso41

    Lieber Caruso, wie ihm das gelungen ist, fragt sich Fr. Silja auch. Er hatte offenbar einen langen Arm, auch in Berlin. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Hallo, ich habe die Silja das letzte mal in Frankfurt in Sergej S. Prokofjews "Der Spieler" als Großmutter gesehen!

    (In der ganz hervorragenden Kupfer Inszenierung) Der Spieler


    Anja Silja war in Frankfurt eine sogenannte "Heilige" sie wurde schon bevor sie überhaupt den Mund aufmachte bejubelt, leider habe ich sie erst bei den " Troyanern " kennen und lieben gelernt, aber danach in vielen um nicht zu sagen sehr vielen Rollen erlebt! :jubel:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich weiß nicht, ob hier oder an anderer Stelle schon darauf hingewiesen wurde: Im Rahmen des aktuellen Video-on-demand-Angebotes der Staatsoper Hamburg in Zeiten der Corona-Krise (für das komplette Angebot siehe hier) kann man sich hier ab morgen 12:00 Uhr Beethovens Fidelio u.a. mit Anja Silja in der Rolle der Leonore anschauen:


    TV-Regie: Joachim Hess

    Ausstattung: Wilhelm Reinking

    Chor: Günther Schmidt-Bohländer

    Musikalische Leitung: Leopold Ludwig

    Don Fernando: Hans Sotin

    Don Pizarro: Theo Adam

    Florestan: Richard Cassilly

    Leonore: Anja Silja

    Rocco: Ernst Wiemann

    Marzelline: Lucia Popp

    Jacquino: Erwin Wohlfahrt

    Erster Gefangener: Kurt Marschner

    Zweiter Gefangener: William Workman

    Orchester: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

    Chor: Chor der Hamburgischen Staatsoper


    Eine Produktion aus 1968.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Ich weiß nicht, ob hier oder an anderer Stelle schon darauf hingewiesen wurde: Im Rahmen des aktuellen Video-on-demand-Angebotes der Staatsoper Hamburg in Zeiten der Corona-Krise (für das komplette Angebot siehe hier) kann man sich hier ab morgen 12:00 Uhr Beethovens Fidelio u.a. mit Anja Silja in der Rolle der Leonore anschauen:

    Das ist ein sehr berechtigter Hinweis, lieber Michael! Ich habe den Film gesehen und sogar als DVD in meinem Bestand. Er gehört zu einem ganzen Konvolut von Hamburger Produktionen, auf die in dem Link sehr professionell gleich mit verwiesen wird. Auch die gerade gestorbene Sopranistin Arlene Saunders ist vertreten. Der Film ist in Farbe und nicht - wie der Link vermuten lässt - in schwarzweiß. Es handelt sich um eine traditionelle Inszenierung, die nach meinem Dafürhalten aber heute noch gut ansehbar ist. Leider verfällt Theo Adam als Pizarro allzu sehr ins überholte Klischee des Böwewichts. Wenn ich mich nicht täusche, sind die in dieser Oper wichtigen Dialoge sehr natürlich gesporochen. Anja Silja als Leonore ist mir als sehr glaubhaft in Erinnerung.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Beim Europäischen Phonoclub gab es eine Szenenfolge des FIDELIO mit Anja Silja, die später von Eurodisc übernommen wurde - und deutlich schlechter klang!


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    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!