Richard Wagner: DAS RHEINGOLD

  • Natürlich gibt es schon einen großen Thread zum RING DES NIBELUNGEN.


    In besagtem, mittlerweile ziemlich unübersichtlichem Thread wurde bisher in allererster Linie über gesamte Ring-Zyklen - hier insbesondere natürlich die von Solti und Karajan - diskutiert. Weniger jedoch kamen bisher Einzelaufnahmen der vier Opern zur Sprache. Daher schlage ich vor, Threads zu den vier einzelnen Opern zu eröffnen - dies würde den Gesamtzyklus-Thread (der natürlich für Fragen, den ganzen Ring betreffend, bestehen bleiben kann) entlasten und zudem die Übersichtlichkeit wahren; desweiteren, denke ich, wird ein neuer Thread auch neue Diskussionen hervorbringen, anstatt alte nur aufzuwärmen - denn gesagt wurde bisher eben nocht nicht alles zum Ring (wird wohl auch nie der Fall sein). Auf diese Art und Weise kämen auch unvollendete Ring-Zyklen - ich denke hier besonders an den von Dohnányi - zur Sprache, ohne benachteiligt zu sein. Zu guter Letzt hat sogar ein gewisser Herr mit K. bereits eine Hand voll Threads - insofern sähe ich da kein Problem, den großen Wagner-Opern jeweils einen eigenen zu gönnen. (Falls die Moderation dies ähnlich sieht und den Thread bestehen läßt, werde ich in absehbarer Zeit drei weitere zu den restlichen Teilen des Rings eröffnen.)


    Doch nun zur Sache:


    Die Frage der Fragen ist wohl folgende: Welche Aufnahme des Rheingolds darf als Referenz gelten?


    In die nähere Auswahl kämen u.a. diese (kein Anspruch auf Vollständigkeit):



    Solti 1958



    Karajan I 1967



    Böhm 1966 (nicht einzeln erhältlich)



    Keilberth 1955



    Boulez 1980 (nicht einzeln erhältlich; auch als Video erhältlich)



    Levine 1988 (nicht einzeln erhältlich; auch als Video erhältlich)



    Dohnányi 1993


    sowie


    Karajan II 1973-79 (Video; soll 2008 endlich auf DVD erscheinen)



    Die Diskussion ist eröffnet. :hello:

  • Hallo Forianer,


    eine der besten "Rheingold"-Einspielungen wurde hier noch nicht genannt:




    Adam, Nimsgern, Salminen, Schreier, Minton, Popp, Schwarz,
    Staatskapelle Dresden, Janowski
    Label: RCA , DDD, 80



    Diese Aufnahme wurde bei Erscheinen von der Kritik in höchsten Tönen gelobt. Und in der Tat: Diese Aufnahme hat ihre Meriten: klangtechnisch hervorragend, Peter Schreiers Loge eine Sensation!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Volle Zustimmung zur Ergänzung und Kommentar von Liebestraum betreffend "Janowski-Rheingold"


    Ergänzung meinerseits:
    Clemens Krauss
    Bayreuther Festspiele 1953
    Hotter/Uhde/Stolze/Neidlinger/Witte/Weber/Greindl


    Haben wir jetzt alle Aufnahmen aufgezählt?


    Meine Lieblingsaufnahme von Rheingold = Janowski/Staatskapelle Dresden

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Nein, das sind längst nicht alle Rheingold-Aufnahmen.


    Es gibt mindestens noch 20 andere bei jpc.


    Vor allem, würde ich auch Furtwängler und Knappertsbusch


    als Wagner-Dirigenten in die engere Auswahl einbeziehen.




    :hello:Herbert.

  • Ich bin mit HvKs Aufnahme auch seeeeeehr zufrieden. (Habe kein Problem mit FiDi als Wotan und Stolze als Loge ist umwerfend großartig)


    Als wichtigste Alternative dazu das DVD-Video mit Boulez!


    Aber Janowski werde ich auch noch anschaffen müssen, weil bei Herbie das instrumentale Vorspiel in den Fluten des Rheins doch etwas behäbig ist und zudem durch starks Bandrauschen beeinträchtigt wird.


    Und den Böhm-Ring brauch ich irgendwann natürlich auch noch. (ist mir wichtiger als Solti)

  • Wegen der hervorragenden Tonqualität würde ich auch für die Aufnahme mit Marek Janowski plädieren - übrigens die erste Digital-Aufnahme einer Wagner-Oper.


    Als Einstieg für Nostalgiker mit kleinem Geldbeutel empfehle ich eine Aufnahme aus der Schweiz:



    Borkh, Rehfuss, Pölzer, Pernerstorfer,
    Berner Stadtorchester, Ackermann
    Label: Archiphon , ADD/m, 51
    digitally remastered 2003


    gibt es für unter 5 EURO bei jpc.


    LG
    Harald

  • Sehr gut ist auf jedem Fall auch das bereits genannte Solti-Rheingold von 1958, das erste in Stereo.


    Die Besetzung ist wirklich ausgezeichnet:


    George London: Wotan
    Fricka: Kirsten Flagstad
    Freia: Claire Watson
    Froh: Waldemar Kmentt
    Donner: Eberhard Wächter
    Loge: Set Svanholm
    Mime: Paul Kuen
    Erda: Jean Madeira
    Alberich: Gustav Neidlinger
    Fasolt: Walter Kreppel
    Fafner: Kurt Böhme
    Woglinde: Oda Balsborg
    Wellgunde: Hetty Plümacher
    Flosshilde: Ira Malaniuk


    Besonders gefällt mir Neidlinger als Alberich. Gibt es einen besseren Alberich eurer Meinung nach?


    Liebe Grüße :hello:

  • Auch meine Empfehlung ist Janowski. Hier, beim "Rheingold", konnte er noch auf ohne Ausnahme gute bis ideale Sänger zurückgreifen. Peter Schreier wurde schon erwähnt, hervorheben möchte ich aber vor allen Dingen Ortrun Wenkels Erda! Nie habe ich eine bessere gehört, dunkel und abgründig, dabei extrem konzentriert warnt sie einen (auch von ihrer Gesangsleistung?) hörbar beeindruckten Theo Adam vor weiteren Aktionen. Einzig Siegmund Nimsgerns Alberich könnte stellenweise etwas saftiger und im Ganzen auch beteiligter erscheinen. Lucia Popp als Rheintöchterchen ist - zum Schwelgen und Verlieben, ja!
    (Anmerk.: Leider ist die Staatskapelle einen Hauch zu "dunkel" abgenommen, etwas, das man bei den Eterna/Eurodisc-Aufnahmen dieser Zeit immer haben wird. Karajans "Meistersinger", zehn Jahre früher festgehalten, lassen dasselbe Orchester wesentlich mehr "strahlen")


    Noch besser scheint mir nun allein Karajans Rheingold zu sein. Ich halte dies für eine der gelungensten Studioaufzeichnungen überhaupt. Gerhard Stolze, der für seine "Parakataloge", seinen Sprechgesang so oft Gescholtene, ist mir einfach unersetzlich im Reisebericht: "Immer ist Undank Loges Lohn!" Belcanto und Rezitativ in einem. Fischer-Dieskau hat seinerzeit in einer Kapelle in England die Partie auf Band gesungen, konnte also nicht mit seinen Partnern direkt interagieren. Doch wie so häufig hört man vom Karajan´schen "Flickenteppich" keine Spur. Im Gegenteil, dieses Konzept funktionierte unglaublich gut. Dieskaus Wotan ist eine stimmliche Wohltat und eine intellektuelle Freude für jeden, der auch hören mag, was in dem vom Schicksal gebundenen Gott denn so vorgeht... ("kein Problem" damit zu haben ist, lieber ThomasBernard, die charmanteste Untertreibung, die ich im Zusammenhang mit dieser vokalen Außergewöhnlichkeit je gelesen habe).
    Über den Klang der Berliner Philharmoniker muß man kaum noch Worte machen. Jeder, der im Schlußauftritt das "Heda" des Blechs gehört hat und die pianissimo-Triolen der Streicher (Karajan sprach, glaube ich, davon, daß er "ein leichtes Kräuseln wie auf einer Wasseroberfläche" haben wolle), wird diese volle interpretatorische Bandbreite zu schätzen wissen.
    (Anmerk.: Die Klangqualität ist übrigens auf der Schallplatte und mit einer sehr guten Anlage umwerfend. Kein Bandrauschen, woher auch, wenn man die 1968 gepreßten Scheiben abspielt, bei deren Herstellung die Bänder noch nicht Jahrzehnte vor sich hingealtert waren)


    Soltis "Rheingold" schließlich fegt und knallt und wabert mehr als das der Konkurrenten, wie bei diesem Dirigenten auch nicht anders zu erwarten. Wieder finden wir einen unangreifbaren Wotan, diesmal den stimmlich druckvollen und fast ein wenig "italienischen" George London. Er bietet den wohl präsentesten Göttervater, den man bekommen kann. Kirsten Flagstad nimmt sich nicht eben vorteilhaft neben seiner jungen, (zu der Zeit) noch von keinen Einschränkungen wissenden Stimme aus. Ihr Organ war vielleicht nichts fürs Plattenstudio. Svanholm ist ebenfalls wohl eher ein Bühnen-Loge gewesen, Neidlingers Alberich allerdings das Überzeugendste, das in dieser Partie aufzutreiben sein dürfte. Ein echter Gegenspieler dieses herrschaftsbewußten Wotan hier.
    (Anmerk.: Die frühe 58er Stereoaufnahme hat eine für damalige Verhältnisse erstaunliche Qualität. Allerdings kamen offenbar Jahr für Jahr so spürbare Neuerungen und Erkenntnisse hinzu, daß bereits der 61er Siegfried ein wesentlich verbessertes Klangresultat zu bieten hat)


    Entschuldigt die oft nur beleglos hingeworfene Meinungsschau,


    Alex.

  • Zitat

    Original von Graf Wetter vom Strahl
    ...Kirsten Flagstad nimmt sich nicht eben vorteilhaft neben seiner jungen, (zu der Zeit) noch von keinen Einschränkungen wissenden Stimme aus. Ihr Organ war vielleicht nichts fürs Plattenstudio....


    Werter Graf,


    mind you, die Dame war zu jener Zeit 63 Jahre alt und hatte sich bereits ein Jahr zuvor offiziell von der Bühne zurückgezogen.
    Produzent Culshaw schreibt in seinen Memoiren, die jüngeren Ensemblemitglieder hätten sich im Vorfeld lustig gemacht über die Heroine und waren geplättet, was sie dann doch zu hören bekamen.
    Die Besetzung war eine Verneigung der Aufnahme-Crew vor der verdienten Sängerin.


    Gruß,



    audiamus



    .

  • Peter Schreier und Lucia Popp durften bei Wagner mitsingen?????? ?(
    Vielleicht werde ich doch noch bekehrt, denn dann bestehen auch Chancen für Barbara Bonney......
    Wenn Minkowski Rheingold macht und Nathalie Dessay die erste Rheintochter, Bonney die Zweite und Susan Graham die Dritte wird und McVicars inszeniert,pilgere ich bussfertig hin! :yes: :D


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Peter Schreier und Lucia Popp durften bei Wagner mitsingen?????? ?(


    Hallo Fairy Queen,


    Schreier sang den Loge sogar auch im zweiten Karajan-Rheingold (dem Video) - und zwar sehr gut! :jubel:


    Liebe Grüße :hello:

  • Lieber audiamus,


    mir ist Frau Flagstads Geburtsjahr natürlich ebenfalls bekannt, ich mochte es - bei einer Dame - nur nicht ins Felde führen, zumal ich von vielen Ohrenzeugen gelesen (und gehört) habe, auch in jüngeren Jahren sei ihre Stimme auf der Bühne deutlich besser aufgehoben gewesen als in kleinen Räumen. Die bei Furtwänglers "Tristan"-Sitzungen für ihre Enkel strickende "Heroine", wie Du sie schön nennst, ist ja auch ein Bild, das hängenbleibt - ein Bild natürlich nur, (only this and nothing more). Allerdings habe ich sie dort auch schon so sitzen gehört, bevor ich von der Anekdote Wind bekam. Ich bitte das cum grano salis zu nehmen, da ich von Frau Flagstads Stimme im Grunde außerhalb des Aufnahmestudios nicht sprechen kann - auch Live-Mitschnitte bieten kein Äquivalent zum Liveerlebnis.


    Eine "Verneigung" vor der großen alten (jetzt ist es ja heraus) Dame hätte man doch aber nicht vor laufenden Mikros abfeiern müssen, oder? Man hätte doch ein Kärtchen schreiben können...



    Grüße und Dank auch für die kleine Ehrenrettung von Frau F.


    Alex.

  • Zitat

    Original von Graf Wetter vom Strahl
    Man hätte doch ein Kärtchen schreiben können...


    Lieber Graf Wetter,


    das hat man, nicht zuletzt auch, und da wir schon am schmutzige Wäsche Waschen sind ;), soll auch dieses kleine Geheimnis keines bleiben, weil man sich von ihrem nach wie vor zugkräftigen Namen einen gewissen Risikobonus erwartete bei der ersten stereophonischen Gesamteinspielung des Rings, von der damals niemand absehen konnte, ob sie sich zu einem exorbitant teuren Top oder Flop entwickeln würde.


    Flagstad hat sehr lange mit dem Rückkärtchen gezögert, und auch dieses war, nachdem in Amerika bereits vorher schon die Kunde einer angeblich festen Verpflichtung hohe Wellen geschlagen hatte, darob von erstauntem, ansonsten aber immer noch wenig dezidiertem Ton.


    Also schrieb man dann halt noch eins.


    Und zu den kleinen Räumen: Aufnahmeort waren die Sophiensäle in Wien. Die sind keine Besenkammer.


    Gruß,


    audiamus


    .

  • Zitat

    Original von Graf Wetter vom Strahl
    Fischer-Dieskau hat seinerzeit in einer Kapelle in England die Partie auf Band gesungen, konnte also nicht mit seinen Partnern direkt interagieren. Doch wie so häufig hört man vom Karajan´schen "Flickenteppich" keine Spur. Im Gegenteil, dieses Konzept funktionierte unglaublich gut. Dieskaus Wotan ist eine stimmliche Wohltat und eine intellektuelle Freude für jeden, der auch hören mag, was in dem vom Schicksal gebundenen Gott denn so vorgeht... ("kein Problem" damit zu haben ist, lieber ThomasBernard, die charmanteste Untertreibung, die ich im Zusammenhang mit dieser vokalen Außergewöhnlichkeit je gelesen habe).


    Werter Graf,


    die Bezeichnung "stimmliche Wohltat" im Zusammenhang mit FiDis "Rheingold"-Wotan halte ich nun wieder für eine sehr charmante Übertreibung. Intellektuell ist er sicher ein Vergnügen und in den lyrischen Passagen der Partie vermag er mit seinen vokalen Stärken (Farbschattierungen, Kopfstimme) zu prunken. Aber in den großen ariosen Ausbrüchen (etwa bei "Abendlich strahlt der Sonne Auge") vermag er sich, wie bei für ihn zu schweren Opernpartien üblich, nur durch heftigstes Stemmen seines durch und durch lyrischen Baritons zu behelfen, so dass das Gesungene ihm bestenfalls zur Skizze des in der Partitur Notierten gerät. Dass der "Rheingold"-Wotan für FiDi selbst im Studio ein einmaliges Experiment war, beweist spätestens die Aufnahme von "Wötans Abschied" mit Kubelik, wo auch intellektuelle Einsichten über die peinigende Unzulänglichkeit der vorhandenen vokalen Mittel nicht hinwegtrösten können.


    :hello:


    GiselherHH


    P.S.: Meine Rheingiold-Emphelungen:


    1. Karajan II (nur die Tonspur!) - bessere Besetzung als in Karajan I (Stewart statt FiDi, Fassbaender statt Veasey, Schreier statt Stoize (auch wenn dessen eigentümliche Art des Gesanges eine faszinierende Charakterstudie ergibt)


    2. Karajan I - im Orchester glitzert und strahlt es, das vielleicht beste Rheintöchter-Ensemble, die besten Riesen (Talvela als Fasolt!)


    3. Solti - Orchester- und Soundeffekte en masse, manchmal etwas grob, dafür aber die beste Gewitterszene am Ende ("Heda, Hedo!"); London stimmlich toll, interpretatorisch noch auf dem Weg, Flagstad aufgrund des Alters etwas zu matronenhaft, Neidlinger der beste Alberich


    4. Janowski - Sehr schön, aber ein wenig neutral musizierte Aufnahme, Das Geschehen kommt nicht so richtig in Schwung. Bis auf den zu alten Adam ein gutes Ensemble, aus dem Schreiers Loge und m.E. auch der etwas trockene Nimsgern (Alberich) herausragen


    5. Bodanzky (MET 1937) - Klanglich unterirdisch (und auch noch gekürzt), dafür aber eine Begegnung mit großen Wagnerstimmen (Schorr, Branzell) und einem wunderbar irrlichternden, dabei aber auch wunderschön gesungenen Loge des belgischen Tenors René Maison.

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    1. Karajan II (nur die Tonspur!) - bessere Besetzung als in Karajan I (Stewart statt FiDi, Fassbaender statt Veasey, Schreier statt Stoize (auch wenn dessen eigentümliche Art des Gesanges eine faszinierende Charakterstudie ergibt)


    Hallo Giselher,


    das Problem hier dürfte sein: Wo bekommt man das Ganze nur als Tonspur?


    Liebe Grüße :hello:

  • Da dürfte ich Euer Majestät empfehlen, aus dem Internet ein Shareware-Programm zum Rippen von DVD-Tonspuren herunterzuladen oder einfach beim Ansehen der DVD das Bild abzuschalten :D (vorausgesetzt natürlich, dass die DVD dann schon auf dem Markt ist). Das "Rheingold" wurde mehrfach bei Premiere "Classica" ausgestrahlt und ist- allerdings illegal - über diverse P2P-Tauschbörsen erhältlich.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von Felipe II.
    das Problem hier dürfte sein: Wo bekommt man das Ganze nur als Tonspur?


    Naja - wenn die DVD dieses Jahr rauskommt: einlegen, Bildschirm abschalten und Musik anhören (hmpff, wie ich zu spät sehe, hat Giselher diesen Geheimtip auch drauf :D). Wahlweise auch: Bildschirm anlassen und Augen schließen - dann fühlt man sich ganz wie Karajan :D.


    Trotzdem sollte man sich das Schauspiel nicht ganz entgehen lassen: Bei Youtube gibt's zwei schöne Ausschnitte aus der Produktion (Suchbegriffe Karajan und Rheingold). Unvergesslich, wenn Thomas Stewart bei "Abendlich leuchtet" selbstgefällig sein Walhall anlächelt, das wie eine Mischung aus hyperventilierender gotischer Kathedrale und einem Gaudi-Bau aussieht. :faint:


    Diese Mischung aus 70er-Jahre-Show (Trockennebel!), Kinderfilm und Fantasy hat schon was! :D



    Viele Grüße


    Bernd

  • Danke, lieber audiamus, für die schöne Kärtchen-Klamotte. Du bist offensichtlich wohlvertraut mit vielen Musikerbegebenheiten. Die "kleinen Räume" bezogen sich auf die Mikrophonabnahme überhaupt. Du hast sehr recht, die Sophiensäle sind keine Besenkammer, aber Du kennst gewiß das "making of", da kann man sehen, was da alles rumgestanden hat (ist "Götterdämmerung" sieben Jahre später, ich weiß)...


    Lieber Giselher, ich konzediere die von Dir genannten vokalen Schwierigkeiten Dieskaus in seiner Eigenschaft als oberster Germanenhäuptling. "Heftigstes Stemmen" vermag ich - als Selber-Sänger - aber nicht zu hören. Das geht anders. Schwierigkeiten gibt es zweifellos und die sind auch vernehmbar. Ich erwähnte ja Londons vergleichbare Mühelosigkeit. Aber sie beeinträchtigen bei Dieskau nicht die Gesamtleistung. Übrigens hatte er bestimmte Schwierigkeiten generell, es gibt da "so eine Zone zwischen Brust- und Kopfstimme", die auch im Lied nicht immer hübsch zu Rate gezogen wird...
    Ich gehe aber davon aus, daß nie ein Wotan ohne Abstriche in Erscheinung treten wird. Und deshalb - ich trete kürzer - habe auch ich mit "Fischers" "Rheingold"-Wotan absolut keine Probleme...


    Alex.

  • DAS RHEINGOLD ist ganz knapp hinter der WALKÜRE meine Lieblingsoper aus dem Ring und überhaupt im Bereich der Oper / des Musikdramas. Ich möchte deshalb kurz ein paar Worte zu einigen meiner favorisierten Einspielungen loswerden, wobei ich neben drei bereits im Thread erwähnten Aufnahmen auch eine Lanze für eine weitere, relativ unbekannte Alternative brechen möchte.


    - Böhm (1966, live): Der einzige Wehrmutstropfen dieser Aufnahme ist meiner Meinung nach Windgassens Loge. Dafür gibt Gustav Neidlinger seine wohl beste Performance als Alberich ("So lang er lebt, sterb er lechzend dahin!" - Wahnsinn!), Theo Adam ist für mich DER Wotan der Nachkriegszeit. Sein Timbre ist vielleicht Geschmackssache und in anderen Opern/Rollen stört es mich manchmal auch ein bisschen aber was für eine leidenschaftliche und differenzierte Interpretation der Rolle!!! Da verzeihe ich kleinere stimmliche Unzulänglichkeiten gerne ...
    Die Riesen sind mit Talvela und Böhme ideal besetzt, Burmeister als Fricka ist gut, ebenso die Rheintöchter und Erwin Wohlfahrts Mime. Böhms Dirigat ist absolut mitreissend! :jubel:


    - Janowski (1980, Studio): Zuerst ist natürlich Peter Schreiers Sternstunde als Loge zu nennen, das ist wirklich schwerlich zu überbieten! :yes: Hervorragend auch Yvonne Mintons Fricka, die das Kunststück fertig bringt, dramatisch aber nicht schrill zu klingen. Für mich mit Hannah Schwarz die beste Fricka. Nimsgerns Alberich ist sehr gut, von wem sonst bekommt man so ein schönes "Rufst Du nach mir?" geboten? (Nur Neidlinger und Bryjak unter Neuhold sind noch besser). Wunderbare Rheintöchter (Popp! Priew! Schwarz!) und ein etwas schwächerer aber immer noch sehr überzeugender Theo Adam als Wotan. Janowskis Dirgitat ist relativ unspektakulär aber durchaus passend.


    - Krauss (1953, Live): Hotter als Wotan in sehr guter Form, toller Loge von Erich Witte, Neidlinger einmal mehr großartig, fantastische Riesen (Weber, Greindl), Kuen als Mime, Malaniuk als Fricka. Krauss ist mir insgesamt etwas zu gemächlich unterwegs aber es gibt einige sehr schöne Stellen (z.B. Auftritt von Freia).


    - Neuhold (1993, Live): Oleg Bryjak ist der beste Alberich seit Neidlinger! Der kasachische Bass-Bariton begeistert durch ein wunderbar schwarzes Timbre. Sehr überzeugendes Dirigat von Neuhold. Super Loge von Hans Jörg Weinschenk, exzellente Erda von Mette Eijsing. John Wegner ein stimmlich robuster, interpretatorisch solider Wotan. Lediglich die Riesen und Donner überzeugen nicht ganz. Sehr günstig zu haben!


    Karajan kenne ich noch nicht.


    Allgemeine Frage ins Forum: Was ist Eure Lieblingsszene / Lieblingsfigur aus dem RHEINGOLD?



    :hello: Florian

  • Zitat

    Original von Diabolus in Opera
    Allgemeine Frage ins Forum: Was ist Eure Lieblingsszene / Lieblingsfigur aus dem RHEINGOLD?


    Eine gute Frage.
    Zu meinen liebsten Szenen gehören auf jeden Fall das erste Auftreten der Riesen, der Abstieg nach Nibelheim sowie das Finale.
    Lieblingsfiguren sind Alberich sowie Fasolt und Fafner.

  • Caro Diabolo,


    Lieblingsszene(n):
    Vorspiel
    Letzte Szene (Heda...)
    Alberichs Fluch
    eigentlich alles, da für mich Ring ohne Rheingold nicht denkbar (sorgfältig formulierte Platitude)


    Lieblingsfigur: Loge (nicht wegen der Identiifikation)

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Peter Schreier und Lucia Popp durften bei Wagner mitsingen?????? ?(
    Vielleicht werde ich doch noch bekehrt, denn dann bestehen auch Chancen für Barbara Bonney......
    Wenn Minkowski Rheingold macht und Nathalie Dessay die erste Rheintochter, Bonney die Zweite und Susan Graham die Dritte wird und McVicars inszeniert,pilgere ich bussfertig hin!


    Liebe Fairy,


    Peter Schreier war natürlich nicht der Wagner-Tenor schlechthin.
    Einige Rollen (dabei klammere ich den "jungen Seemann" etc. aus) hat er m.M. nach phantastisch gesungen:
    David aus "Meistersinger" - Karajan-Einspielung (ich durfe Schreier in dieser Rolle auch Live genießen) und Loge (Rheingold), Mime (Siegfried).


    Bei dem von Dir gewünschten Rheingold wäre ich auch gerne dabei.
    Frage: Mit welcher Rolle besetzen wir die Otter? (Eine meiner Lieblingsscheibchen ist Otter mit Minkowski, allerdings Offenbach).

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Was den Text der Rheintöchter angeht, so muß ich immer an einen Scherz denken, den man sich einmal mit Helen Donath erlaubt hat. Sie sang am Beginn ihrer Kölner Jahre die Wellgunde, und der Korreptitor brachte ihr bei, daß die Textstelle am Ende der ersten Szene "Rettet dat Jold" heißen müsse. Bei der Generalprobe gab dies homerisches Gelächter, bis ihr jemand erklärte, daß es sich dabei um die kölsche Variante handelt und ihr den richtigen Text beibrachte. In der Premiere (von der es einen Mitschnitt gibt) macht sie es erfreulicherweise richtig.