Schostakowitsch: Die Klavierkonzerte

  • Hallo Schostakovitsch-Freunde!


    Zu DSch gibt es ja mittlerweile zahlreiche Threads hier,
    da er wohl offensichtlich recht beliebt in diesem Forum ist.
    Angefangen über den allgemeinen bis hin zu dem aktuellen
    über die Violinenkonzerte.


    Zwei Werke von Schostakovitsch haben mir den Zugang zu ihm eröffnet.
    Das erste dieser Werke ist die Sinfonie No.7.
    Das zweite dieser Werke ist das Konzert für Klavier und Trompete.


    Würde ich meine 5 lieblings Klavierkonzerte benennen, dann das
    Konzert für Klavier und Trompete sicherlich mit dabei.


    Das 2. Klavierkonzert von DSch wird leider eher selten als Konzert
    aufgeführt, da es oft als eher trivial oder belanglos angesehen wird.
    Aus meiner Sicht ein Irrtum, da es durch andere Qualitäten besticht!
    Für mich ist auch dieses Werk von allerfeinsten wenn es richtig
    gespielt und interpretiert wird.
    Besonders bei den langsamen Sätzen bin ich jedesmal emotional total
    ergriffen. So etwas von schön!


    Bei beiden Klavierkonzerten erscheint es mir so als habe DSch sich
    vom politischen Druck, der sein Schaffen sicherlich immer irgendwie
    beeinflußt hat, frei machen konnte oder dieser Druck keinen Einfluß
    auf die Werke hatte.


    Wie gefällt euch das Werk und welchen Bezug habt ihr dazu?
    Was sind eure Lieblingsaufnahme?


    Gruß

  • Oh ja, ich bin Schostakowitsch-Freund und ich mag die Klavierkonzerte sehr. In beiden fasziniert einfach dieser groteske Humor, der aus Ihnen spricht. Schostakowitsch nimmt ja im ersten Konzert so etliche Klassiker auf die Schippe, unter anderem Haydns Sonate D-Dur, Beethovens Wut über den verlorenen Groschen, sowie die ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt. Ein sehr amüsantes Stück. Der zweite Satz ist unglaublich schön, etwas jazzig mit der gestopften Trompete, ein bisschen impressionistisch gefärbt, sehr schön, wirklich.


    Dem zweiten wird manchmal eine gewisse Trivialität nachgesagt, ich finde es trotzdem sehr schön, auch hier der bissige Humor in den Marschrhythmen usw., faszinierende Sache. Schostakowitsch wollte eben kein aus der Virtuosentradition der Spätromantik abstammendes Sinfonie-Konzert schreiben.


    Nun, zu den Aufnahmen: Ich besitze das erste mit Kissin und dem Kammerorchester St.Petersburg unter Spivakov. Diese Aufnahme ist zum Kennenlernen gut geeignet. Allerdings ist der Solotrompeter vor allem im Finale an den Grenzen seiner Fähigkeiten angelangt, Kissin spielt auch nicht immer ganz sauber (weiß nicht wie alt er zum Zeitpunkt der Aufnahme war, ich glaube 13). Diese Aufnahme hat mein Interesse geweckt.


    Daraufhin habe ich mir die Aufnahme der beiden Konzerte mit Dimitri Schostakowitsch am Klavier und Andre Cluytens (EMI, 5,99 bei jpc)sowie dem französischen Rundfunkorchester gekauft, und die finde ich wirklich genial. Schostakowitsch war nebenbei auch ein extrem virtuoser Pianist, die Tempi, die er wählt, sind halsbrecherisch, das macht Spaß. Zeitgenössische Kritiker kritisierten teilweise seinen flachen Ton in der Interpretation vor allem fremder Werke, diese trockene Spielart trifft hier den Kern der Sache allerdings sehr gut. Wirklich empfehlenswert.


    Klangqualität in Mono, aber ordentlich, die Zugaben auf der Cd (Drei phantasische Tänze, ausgewählte Präludien und Fugen) machen das ganze zu einem Schnäppchen.


    Gruß, flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Zitat

    Original von pianoflo
    Nun, zu den Aufnahmen: Ich besitze das erste mit Kissin und dem Kammerorchester St.Petersburg unter Spivakov. Diese Aufnahme ist zum Kennenlernen gut geeignet. Allerdings ist der Solotrompeter vor allem im Finale an den Grenzen seiner Fähigkeiten angelangt, Kissin spielt auch nicht immer ganz sauber (weiß nicht wie alt er zum Zeitpunkt der Aufnahme war, ich glaube 13). Diese Aufnahme hat mein Interesse geweckt.


    Für das erste Klako kann ich die Aufnahme mit M. Argerich empfehlen, die mir sehr gut gefällt. Insbesondere im zweiten Satz des ersten Klako's spielt sie ihre Klasse aus und zeigt wie tiefgründig sie das Werk durchleuchten kann.


    Da steht ihr Leonskaja auch nicht nach und auf ihrer Aufnahme ist auch das Klako No.2, bei dem sie aufzeigt was man im gegensatz zu diveresen anderen neueren Aufnahmen des Konzerts machen kann, wenn man nicht nur über eine berauschende Technik verfügt.


    Gruß

  • Hallo Schostakowitsch-Freunde,


    der Klavierkonzerte-Thread ist im März 2005 hängen geblieben.
    Angeregt durch den neuen (10/2005) Mariss Jansons-Thread möchte ich das Thema heute wieder aufgreifen.


    Meine neueste Aufnahme der beiden Klavierkonzerte Nr.1 und 2 liegt mir in der Jansonns-EMI-Aufnahme mit M.Rudy vor. Diese ist von 1994 (DDD) und eine klanglich hervorragende Aufnahme.
    Doch der TOP-Klang alleine macht die CD nicht perfekt und alles ist bei Jansons nicht perfekt.
    Wiederholt muß ich feststellen, das Jansons Wille zur Perfektion zwar gegeben ist, doch werden bei ihm wichtige Passagen zu belanglos betrachtet und unterbelichtet wiedergegeben.
    So sind die beiden Klavierkonzerte wesentlich langsamer (was nicht nur an Rudy liegt, der die Rachmaninoff-Konzerte perfekt bestreitet) als andere Aufnahmen und verlieren somit an Spannung und Wiedergabe der Spielfreude.
    Die auf der CD enthaltene Aufnahme der Schostakowitsch-Sinfonie Nr.1 läßt nicht darauf schließen, das die anderen Sinfonien (wie in der Kritik hochgelobt) solche TOP-Aufnahmen, die alle im Hochpreislevel liegen, sind. Alles kommt zu belanglos und unterbelichtet - man höre Roshdestwensky, dann weiß man wo der Hase läuft.


    :] Aus ganz anderm Holz geschnitzt und von größter Spielfreude gekennzeichnet ist diese Hyperion-SACD von 2003:
    Schostakowitsch: Klavierkonzerte Nr. 1 & 2
    +Schtschedrin: Klavierkonzert Nr. 2

    Hamelin, BBC Scottish SO, Litton
    Hyperion-SACD

    Die SACD ist auch wegen des Schtschedrin- Klavierkonzertes Nr.2 ein absolutes Highlight.


    :] Meine Favoriten-Aufnahme der Klavierkonzerte Nr.1 und 2 bleibt aber nach wie vor die Eurodisc-Einspielung mit
    Eugen List,Klavier / Moskauer PH / Maxim Schostakowitsch.
    Was diese beiden autenten Künstler mit der MoskauerPH leisten ist als Ergebnis eine atemberaubende Interpretation, die alle anderen in den Schatten stellt.
    Die Aufnahme habe ich um 1980 als CBS-LP (Hochpreis-LP mit Angabe das Eurodisc die Aufnahme machte) und später ist diese Aufnahme auf dem Label RCA in einer Mittelpreisserie für 5,-DM auf CD erschienen.
    Heute leider nicht mehr im Handel - kommt bestimmt mal wieder, denn solche Schätze bleiben nicht ungenutz in den Archiven :D .

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo,


    zufällig habe ich mir gestern auch diese Maris Janssons Aufnahme zugelegt, vom Hocker hauen konnte mich das auch nicht wirklich. Ein etwas zu akademischer Eindruck, der die grotesk-ironischen Seiten der Konzerte zu sehr vernachlässigt, etwas humorlos, das waren meine ersten Gedanken.


    Die Sinfonie finde ich etwas besser interpretiert, leider kenne ich hier die großen russischen Aufnahmen nicht.


    Gruß, flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Das 2.Klavierkonzert müsste aber auch vielen bekannt sein.
    Vielen ist das gar nicht richtig bewusst.
    Ganz gutes Beispiel: Der Zinnsoldat aus Disney´s Fantasia.
    Da ist das 2.Klavierkonzert (1.Satz) der Soundtrack!
    Und ich muss sagen,es paßt SEHR,SEHR GUT!


    Das 1.Klavierkonzert hat mich richtig amüsiert.
    Sicherlich ist man aber noch mehr amused wenn man alle Stücke kennen würde,die Sschosta auf die Schippe genommen hat. :)

  • Richard:


    Zitat

    Das 2. Klavierkonzert von DSch wird leider eher selten als Konzert aufgeführt, da es oft als eher trivial oder belanglos angesehen wird. Aus meiner Sicht ein Irrtum, da es durch andere Qualitäten besticht! Für mich ist auch dieses Werk von allerfeinsten wenn es richtig gespielt und interpretiert wird. Besonders bei den langsamen Sätzen bin ich jedesmal emotional total ergriffen. So etwas von schön!


    Also ich als bekennender Schostakowitsch-Freak hallte das 2te Klavierkonzert für, wie nicht anders zu erwarten, gut gearbeiteten, aber letztendlich gediegenen Edelkitsch und gerade der langsame Santz ist für mich das "Gebet einer Jungfrau" der Chruschtschow-Aera.


    Der Komponist, der in den Jahren vorher auf das heftigste attackiert wurde, mag seine Gründe gehabt haben, dieses Werk zu verfassen; ich halte es trotzdem für wenig bedeutend. Was mir ausserdem noch mißfällt ist, daß manche gerade DIESE Komposition benutzten, um beginnenden oder unbedarften Klassik-Hörern vermitteln zu wollen, wie SCHÖN Schostewitsch doch klingen kann und das halte ich für geradezu
    abartig.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zu meinen Favoriten bei DSch Klako No.1 gehört schon seit langem die Aufnahme von M. Argerich.
    Einfach vom Feinsten wie hier hier hohes technisches Niveau, ihre Ausdruckskraft und ihr feiner Sinn für die emotionalen ruhigen Passagen ein wunderbares Beispiel für höchsten Ausdruck ermöglicht.


    Man höre nur einmal wie genial der zweite Satz bei ihr gelingt :jubel:


  • ...hatte ich noch unter Maxim, dem Sohn des Komponisten, und mit Dmitri, dem Enkel, am Klavier zu hören Gelegenheit.
    Meiner Einschätzung nach handelt es sich um ein Werk, das, ähnlich der 9. Sinfonie, ganz bewußt bestimmte Erwartungen überspringt: philosophischen Tiefsinn, harmonische und melodische Kühnheit, virtuose Gipfelstürmerei.
    Dabei ist das Konzert - den Schlußsatz einmal ausgenommen - durchaus als inspiriert zu bezeichnen. Man beachte die typisch schostakowitschiane Ökonomie im ersten Satz (wie lange dauert es, bis das Klavier und das Orchester endlich zum Volleinsatz kommen!), das geistvolle Seitenthema, auch die Fugato-Kadenz.
    Der Mittelsatz ist einfach sui generis, teilweise nahe am Kitsch, aber eben nur nahe daran.
    Gelungene Aufnahme beider Konzerte: die von Marc-André Hamelin.

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

  • Das 2.Klavierkonzert hat Schostakowitsch für seinen Sohn Maxim komponiert.


    Im Grunde ist das Konzert wohl, so denke ich, ein kleiner Spaß zwischen Vater und Sohn, denn die ganzen Klavierskalen, welche im ersten und im dritten Satz auftauchen, sind aus der Hanon-Klavierschule entnommen, welche Maxim rauf und runter gebüffelt hat (wie sehr viele andere Klavierschüler auch) .


    Mein Favorit bei den Aufnahmen ist seit 28 Jahren die Einspielung mit Eugene List unter der Leitung von Maxim Schostakowitsch.

  • Hallo Schostakowitsch-Freunde,


    es ist doch ein Trauerspiel, das sich seit 2005 so wenige für diese beiden "Mega-KK" interessieren, wie man an der Anzahl der Beiträge in diesem Thread erkennt.


    Meinem Beitrag von 10/2005 möchte ich heute noch zwei weitere Aufnahme-Empfehlungen hinzufügen.


    Allerdings bleiben meine bevorzugten Aufnahmen weiterhin
    Hamelin/Litton (Hyperion) und
    mein ewiger Favorit; das wird sich, genau wie bei Micheal, wohl nie mehr ändern:
    Diese Interpretation ist einfach perfekt -
    List /Maxim Schostakowitsch (RCA).



    **** Sehr ausgewogen mit Spielfreude auch diese Kombination mit Bernstein und Previn:
    Beim KK Nr.1 sitzt Andre Previn am Klavier und Bernstein dirigiert und beim
    KK Nr.2 meistert Bernstein alles alleine.

    KK Nr. 1 und 2
    Cellokonzert Nr.1
    mit Rostropowitsch/Ormandy (schon deshalb ist die CD unverzichtbar)
    New Yorker PH / Bernstein
    CBS, 1962(KK Nr.1), 1958 (KK Nr.2), 1959 (CC), ADD


    **** Ich habe aber auch diese SONY-CD mit den gleichen KK-Aufnahmen, die in 20Bit-Technologie neuer remastert ist und besser klingt. Diese ersetzt aber wegen der anderen Kopplung die CBS-CD nicht, denn das Cellokonzert Nr.1 ist bei CBS absolut unverzichtbar.

    KK Nr. 1 und 2
    Poulenc: Konzert für 2Klaviere
    mit Gold und Fizdale (auch ein fabelhafter unverzichtbarer "Filler")
    New Yorker PH / Bernstein
    SONY, 1962(KK Nr.1), 1958 (KK Nr.2), 1961 (Poulenc), ADD



    **** Bei meinen Neuzugängen im Oktober fand sich aber auch eine Brillant-CD, die sehr interessante modern klingende Interpretationsansätze für das KK Nr.1 bietet und bisher aus der Partitir ungehörtes hörbar macht - sehr brillant:
    Kissin / Spivakow, diese Beiden hatten schonmal eine ältere RCA-CD mit den Moskau Virtuosi vorgelegt.
    Hier auf der Brillant-Cd (mit dem Tschaikowsky KK Nr.1) wird Kissin vom St.Petersburg Chamber Orchestra und Spivakow fetzig und ausdrucksstark begleitet:

    4CD-Serie mit Kissin (für nur 9,99€)
    KK Nr.1
    Brillant, 1988, ADD



    * Weniger überzeugende Aufnahmen der Klavierkonzerte waren für mich
    die bereits 2005 genannten Sichten mit
    Rudi / Jansons (EMI)
    und
    Cristina Ortiz, Bournemouth SO, Paavo Berglund (Brillant).
    Die Brillant 3CD-Box, in der diese KK-Aufnahmen enthalten sind, hält aber andere Schostakowitsch-Werke (VC mit Oistrach/Rostropowitsch/Mrawinsky und CC mit Ivashkin/Polansky) bereit, die unbedingt hörenswert sind.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    deine hartnäckige Erwähnung der List-Aufnahme hat sie mich nun endlich auch kaufen lassen. Beim marketplace war sie für einen annehmbaren Preis zu bekommen:



    Vielen Dank für deine Empfehlung. Die Aufnahme ist tatsächlich spitze!


    Dank natürlich auch dir, Michael, der du die Empfehlung unterstützt hast.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Ich habe in die KK nie ernsthaft hineingehört. Nun bin ich heute mit dem 2. einmal durch, die folgende Aufnahme:



    Was unweigerlich hängen blieb ist der zweite Satz. Kitsch? Mag sein, so knapp am Kitsch wie das Finale der Fünften. Was juckts die deutsche Eiche...? Er ist wunderschön. Ich musste gelegentlich an den langsamen Satz der Siebten denken - ebenso an Sibelius' (weniger bekanntem) "In Memoriam". Ein Ankerpunkt der mich dazu anreizt, mich hier einzuhören/arbeiten.

  • In Beitrag 12(von Tomas Norderstedt) ist für mich die "Referenzaufnahme" der Klavierkonzerte Nr.1 und 2 (RCA, 1975, ADD) abgebildet. Ich hatte diese CD seit Jahren im Netz nicht mehr gefunden ... ?
    Die Ausführenden sind: Eugen List / Moskau RSO / Maxim Schostakowitsch.
    Die hochvirtuose und unwarscheinlich zupackende Aufnahme hat die zügigen Gesamspieldauern:
    KK.Nr.1 - 20:54
    KK Nr.2 - 16:55



    Meine Neuaufnahme, durch Tamino und speziell Alfreds Vorstellung diese Woche ausgelöst, ist eine absolute Neuproduktion von 2016 und daher klanglich auf absolut aktuellem Stand.
    *** Die NAXOS-CD wird durch die hochinteressante Klavierversion des Pianisten Boris Giltburg der Streichquartette Nr.2, 3.Satz und Nr.8 (komplett alle 5Sätze) ergänzt ... sehr belebend diese mal in der Klavierversion zu hören !
    Die Ausführenden sind: Boris Giltburg / Royal Liverpol SO / Vasily Petrenko.
    Die Spieldauern sind etwas breiter, was der Qualität nicht schadet, da es gar nicht zwingend auffällt, denn wo es zügig zugeht, klingt auch total straff und mit Biss:
    KK Nr.1 - 23:23
    KK Nr.2 - 19:59


    Im Gegensatz zu der Sinfonien-GA mit Petrenko, bei der mir bei vielen Sinfonien und Sätzen daraus so manche Emotionen auf der Strecke bleiben, sind diese Neuaufnahmen der Klavierkonzerte Nr.1 und 2 in jeder Hinsicht stimmig, perfekt und mit der gebotenen Spannung dargeboten - von Solist und Orchester.
    Ich finde: Diese Aufnahmen können sich nicht nur mit den Besten von den so zahlreich vorhandenen Aufnahmen messen - :!: nein mit den Allerbesten und damit deutlich den modernen Referenzanspruch für sich einnehmen.
    Von Petrenko und Giltburg wird kein Element überspielt oder unterschlagen, es ist alles perfekt da. Beim Klavierkonzerte Nr.1 bin ich (wie Alfred) auch genötigt den Solotrompeter Rhys Owens zu erwähnen, denn so astrein hört man die Solotrompete in keiner mir bekannten (und das sind fast alle) Aufnahme - Klangqualität überragend, was ich bei NAXOS selten so audiophil erlebt habe.


    :angel: Volle Kaufempfehlung, einfach Klasse - ein MUSS für Schostakowitsch-Liebhaber (wie mich):



    NAXOS, 2016, DDD


    von der Moderation wurde eine KOPIE dieses Beitrage in den Schosta KK1 Thread verschoben MOD 001 Alfred

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hier sind meine Lieblingsaufnahmen für das Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102. Entscheidend für mich ist, daß der langsame zweite Satz eine Mindestdauer von sieben, besser siebeneinhalb Minuten hat. Alles andere ist zu schnell und oberflächlich und wird deshalb von mir ignoriert.
    Deshalb folgende Auswahl:


    Mein ewiger Spitzenreiter wird wohl immer die folgende Aufnahme sein:


    John Ogdon, Klavier
    Royal Philharmonic Orchestra,
    Lawrenc Foster, Ltg.
    (EMI, 12/1970)
    Das Einfühlungsvermögen, das John Ogdon hier diesem Werk verleiht, ist nach wie vor einmalig und unerreicht. Der zweite Satz ist mit 7:36 Min. keine Sekunde zu schnell oder zu langsam. Perfekt in jeder Hinsicht.


    Den Langsamkeitsrekord stellt diese Aufnahme auf:


    Valentina Igoshina, Klavier
    Deutsche Kammerakademie Neuss,
    Lavard Skou-Larsen, Ltg.
    (cpo, 2010)

    Da hat cpo eine außergewöhnliche CD im Katalog: 9:01 Min. für den zweiten Satz ist unerreicht.


    Eine weitere, absolut erstaunliche Aufnahme ist in der Tat diese:


    Alexander Toradze, Klavier
    HR-Sinfonieorchester,
    Paavo Järvi, Ltg.
    (Panclassics, 2010/11)
    Hier dauert der langsame Satz 8:25 Min. und ist damit eine der langsamsten Aufnahmen. Einfach wunderbar.


    Ganz wunderbar ist die von mir erst kürzlich entdeckte Aufnahme mit:


    Andrei Korobeinikov, Klavier
    Lahti Symphony Orchestra,
    Okko Kamu, Ltg.
    (Mirare, 5/2011)
    Der zweite Satz dauert 7:33 Min und ist so markant wie einfühlsam gespielt.


    Exzellent auch diese Aufnahme:


    Alexander Melnikov, Klavier
    Mahler Chamber Orchestra,
    Teodor Currentzis, Ltg.
    (HM, 2010)
    Der zweite Satz dauert 7:42 Min. - genau richtig.


    Auch diese Aufnahme kann mithalten:


    Marc-André Hamelin, Klavier
    BBC Scottish SO,
    Andrew Litton, Ltg.
    (Hyperion, 2003)

    Mit 7:18 Min. im zweiten Satz liegt die Aufnahme gut in der Zeit und Hamelin läßt hier nicht den Virtuosen raushängen, sondern zeigt den introvertierten Melancholiker.


    Diese Aufnahme schätze ich seit längerer Zeit:


    Elisabeth Leonskaja, Klavier
    Saint Paul Chamber Orchestra,
    Hugh Wolff, Ltg.
    (Teldec, 1991)

    Diese außergewöhnliche Pianistin schafft es trotz zügigen 6:55 Min. im zweiten Satz eine außergewöhnliche Atmosphäre zu erzeugen und dem Satz großes Gewicht zu verleihen. Superb.


    Verzichtbar finde ich folgende Aufnahmen:


    - Shostakovich/Cluytens (EMI)
    - Helmchen/Jurowski (LPO)
    - Bronfman/Salonen (Sony)
    - Roscoe/Sinaisky (BBC)
    - Rudy/Jansons (EMI)
    - Ortiz/Berglund (EMI)
    - Ortiz/Ashkenazy (Decca)
    - Vinnitskaya/Wellber (Alpha)
    - Matsuev/Gergiev (Mariinsky)
    - Paul Gulda/Fedoseyev (Gramola)
    - Bernstein/New York PO (Sony)

  • Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102. Entscheidend für mich ist, daß der langsame zweite Satz eine Mindestdauer von sieben, besser siebeneinhalb Minuten hat. Alles andere ist zu schnell und oberflächlich und wird deshalb von mir ignoriert.


    Hallo Agon,
    eigentlich schade, weil Dir dann eine der (in meinen Augen) Allerbesten entgeht.


    Es fällt auf, dass mit wenigen Aussnahmen deine Favoriten alle von russ. Pianisten/Pianistinnen gespielt werden. Da gehe ich mit. Im Prinzip sind wir auch was die "verzichtbaren Aufnahmen" an geht auf einer Line (bis auf Bernstein, den finde ich sehr ordentlich bis Klasse ;) mit eben seiner persönlichen Umsetztung von Emotion).


    :angel: Aber die Wahnsinnsaufnahme mit Eugen List / RSO Moskau / Maxim Schostakowitsch, dem Sohn des Komponisten, dem das KK persönlich gewidtmet und für ihn geschrieben wurde, würde ich Referenzstatus beimessen. Und Maxim sollte eigentlich wissen, wie sein Vater es haben wollte ...
    Natürlich ist Int die pianistisch auf absolutem Höhepunkt der Virtuosität - es ist atemberaubend das zu hören. Deinen Statemente folgend habe ich die Aufnahme gerade auf dem Kopfhörer und bin erneut hingerissen; das ist in allen drei Sätzen Gänsehaut pur. Auch der zweite Satz mit hier 5:21 halte ich hier nicht überhitzt, gehetzt oder irgendwie zu schnell - sehr Klangschön mit Hingabe und Gefühl geht es auch in dieser kurzweiligen Spielzeit.
    Spielzeiten der 3 Sätze = 6:20 - 5:21 - 4:47


    Eines ist nur ungewöhnlich - wie diese Melodiya-Aufnahme bei RCA landen konnte - aber egal - ein tolle CD beider Klavierkonzerte, die auch beim Cellokonzert Nr.1 mit Khomitser / Roshdestwensky voll überzeugt.



    RCA, 1975 (KK), 1968 (CC), ADD


    - lest auch mal die begeisterte amazon - Rezension !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Agon,
    eigentlich schade, weil Dir dann eine der (in meinen Augen) Allerbesten entgeht.


    Es fällt auf, dass mit wenigen Aussnahmen deine Favoriten alle von russ. Pianisten/Pianistinnen gespielt werden. Da gehe ich mit. Im Prinzip sind wir auch was die "verzichtbaren Aufnahmen" an geht auf einer Line (bis auf Bernstein, den finde ich sehr ordentlich bis Klasse ;) mit eben seiner persönlichen Umsetztung von Emotion).

    Hallo Teleton,


    es fällt wirklich auf, daß viele Russen bzw. Osteuropäer unter den favorisierten Pianisten sind - sicherlich kein Zufall. Außer eben Ogdon und Hamelin.
    Ich habe auch nichts dagegen, die List/M.Shostakovich - Aufnahme kennenzulernen (denn ich kenne sie nicht), aber sie ist mir momentan zu unerschwinglich. Ich hoffe, daß sie mal neu aufgelegt wird. Der zweite Satz ist mit 5:21 Min. dann allerdings extrem schnell gespielt - aber egal, hören will ich sie trotzdem.



    Ich weise bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß es es seit 24. Mai 2005 einen von sagitt eröffneten Spezialthread über das Klavierkonzert Nr. 1 von Schostakowitsch gibt


    Dmitri Schostakowitsch: Klavierkonzert Nr 1 op 35


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Hallo Alfred,


    ja, zum Ersten Konzert gibt es einen Spezialthread, aber eben nicht zum Zweiten Konzert, um das es mir hier besonders geht!


    Herzliche Grüße,


    Agon

  • Ich habe das Aufleben dieses Thread zum Anlass genommen mir das 2. Klavierkonzert von Schostakowitsch anzuhören. Eigentlich hatte ich vorgehabt, die Petrenko/Giltburg Aufnahme gegen jene von Hamelin/Litton zu vergleichen, habe es dann aber verworfen, da die von mit soeben gehörte Petrenko/Giltburg Aufnahme so überragend gut ist, daß ich diesen tollen Klangeindruck nicht durch Erbsenzählen zerstören möchte. Vor alem die Dynamik im ersten Satz und die Klangrealistik ist beeindruckend. Wenn man den zweiten Satz in die Nähe des Kitsches schiebt, dann müsste man dies mit dem langamen Satzes von Mozarts Klavierkonzert Nr 21 in C-Dur KV 467 "Elvira Madigan" ebenfalls tun (nein das soll keine Anregung sein, es ist in beiden Fällen höchst unangebracht.
    Das Klavierkonzert Nr 2 (1957) war ein Geburtstagsgeschenk von Schostakowitsch an seinen 19 jährigen Sohn Maxim.
    Ich empfand es als äußerst klangschön und vielseitig, wobei ich dem ersten Satz den Vorzug vor den anderen gebe. Die Musikgeschichte hat das Konzert in der Tat ungerecht behandelt, Musikhistoriker und Kritiker können schon viel Unheil anrichten. Ich bewerte ein klassisches Musikwerk nicht danach, ob es "innovativ" oder "revolutionär", sondern ob es wirkungsvoll ist. Das muß man diesem Klavierkonzert eigentlich in vollem Umfang bestätigen, sowohl vom "Drive", den teilweise eingängigen Themen und den gefühlvollen Passagen. Zudem ist das Konzert nicht allzu lang, sollte also ideal für einen "Schostakowitsch-Einsteiger sein.
    In Sachen Schostakowitsch - Interpretation der Gegenwart hat diese Aufnahme ein gewaltiges Wort mitzureden....


    Eine heisse Kaufempfehlung für Schostakowitsch Liebhaber


    mfg aus Wien
    Alfred


    clck 6097

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo!


    Agon schätzt die Aufnahme zwar als nicht erwähnenswert ein, aber es ist eben die Aufnahme, mit der ich das 2te Klavierkonzert kennen und lieben gelernt habe:



    Let´s agree to disagree :P


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo WoKa,


    das ist ja auch nur meine favorisierte Liste von Einspielungen und eine Orientierung. Sie ist ja nicht allgemeingültig.


    Und mit irgendeiner Aufnahme muß man das Stück ja nun erstmal schätzen und (wenn möglich) lieben lernen. Du kannst Dir dann ja immer noch die anderen Einspielungen anhören, was ich Dir unbedingt empfehlen möchte!


    Gruß,


    Agon