Tristan und Isolde - Gibt es eine Idealaufnahme ?

  • Hallo Milletre,
    ist das die richtige Aufnahme, die du meinst?



    Wenn ja, weiß ich ja, wofür ich demnächst mein Geld ausgebe (allein schon Melchiors wegen).

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Hallo Schalli,


    für diese Aufnahme kannst Du getrost ein paar Euro ausgeben.
    Es gibt nämlich keine Bessere, nur eine, die zumindest genau so gut ist.
    Sie hat fast die selbe Besetzung im selben Haus. Der Dirigent Fritz Reiner ist etwas dramatischer als Th. Beecham und die Aufnahme ist, wie immer bei Naxos meisterlich restauriert. Es ist meine Nr.1 in Sachen Tristan und Isolde.


    :hello: Herbert


    Tutto nel mondo è burla.

  • Ja, mein lieber Herbert!


    Da kann ich Dir nur beipflichten, denn diese Aufnahme habe ich in letzter Zeit schon zweimal gehört. Ich kenne auch keine Bessere, und Emanuel List als König Marke ist eine Wucht. Ob KNA der bessere Dirigent ist, darüber läßt sich vielleicht streiten. Aber sonst...




    Herzlichst
    Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,
    bei Kna ist der Tristan natürlich eine halbe Stunde länger, als bei Reiner,
    aber dadurch wird er sicher nicht schöner. :D


    :hello: Herbert

    Tutto nel mondo è burla.

  • bei Kna ist der Tristan natürlich eine halbe Stunde länger, als bei Reiner,
    aber dadurch wird er sicher nicht schöner. :D


    Ihr hab so Recht mit diesem Londoner Tristan!


    Nur weiß ich jetzt nicht verbindlich, ob es die üblichen Striche gibt. Nur im Ergebnis des genauen Vergleich der jeweiligen Fassungen lässt sich sagen, ob Knappertsbusch nur deshalb mehr Zeit braucht weil er immer mehr Zeit braucht oder ob er auch mehr singen lässt. Da bin ich momentan überfragt. Vielleicht weiß Joseph II mehr.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Knappertsbusch war nicht der bevorzugte Dirigent für den Tristan.
    Es gibt von ihm allerdings zwei Gesamtaufnahmen.
    Knappertsbusch war in Bayreuth der bevorzugte Dirigent für den Parsifal.


    :hello: Herbert

    Tutto nel mondo è burla.

  • Ob Knappertsbusch zu bevorzugen ist, ist doch subjektiv. Nur weil er ihn in Bayreuth nicht dirigierte, bedeutet das ja nicht, dass er's nicht "drauf hatte". Zumindest ist sein Dirigat mit das spannendste und spektakulärste, das ich kenne.


    Kann mir nicht vorstellen, dass in der Münchner Aufnahme gekürzt wurde. Mit Sicherheit kann ich es indes nicht sagen.


    Welche ist denn die zweite Gesamtaufnahme, lieber Herbert? Ich kenne nur die von 1950 aus der Bayerischen Staatsoper.


    LG

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Joseph II,


    Du hast vollkommen recht. Es gibt nur die eine Gesamtaufnahme mit Knappertsbusch.
    Was ich gesehen habe, sind nur Ausschnitte mit Birgit Nilsson.
    Wenn ich schrieb, Knappertsbusch sei für Parsifal bevorzugt verpflichet worden, ist das durchaus positiv gemeint. Er hatte die Ruhe und den langen Atem für dieses Meisterwerk. Natürlich hat er auch alle anderen Werke Wagners dirigiert.


    :hello: Herbert

    Tutto nel mondo è burla.

  • Heute Nacht aud Sky Unitel Classica: http://www.classica.de/show.cf…1&ZIEL=03.01.2013&REF=day


    Gibts die Aufführung auch auf DVD? Dann bitte hier DVD-Video Tristan und Isolde melden! :)

  • Habe neulich wieder eine Aufnahme aus dem Regal gehört, die ich nur selten gehört habe :


    Karajans Studio-Tristan


    Nun, für diese Oper gebe ich immer wieder Geld aus, obwohl ich offensichtlich selbst nicht einsehe, warum ich so viele Tristane brauche. Wahrscheinlich suche ich in diesem Fall immer nach Perfektion. Gerade diese Oper ist mehr als die Summe der einzelnen Teile einer Aufnahme. Diese hier habe ich vor allem wegen Jon Vickers Tristan gekauft von dem ich oft in blühenden Worten gelesen habe und sowieso Vickers-Fan bin. Diesen Worten gebe ich zumindest, was den 3.Akt angeht absolut Recht, da haut er mich um. Aber schon wie beim ersten Hören und den paar folgenden (zwei oder drei Mal nur, wovon ich spreche, war dann das vierte Mal) bin ich abgesehen von dieser Leistung immer leicht enttäuscht zurück geblieben.
    Keine Frage, die Sänger leisten hervorragende Arbeit; die Ludwig als Brangäne, Berry als Kurwenal (gefällt mir sehr) und dann Helga Dernesch als Isolde...ich habe so gesehen nichts an ihrer interpretation oder der Stimme zu beanstanden, aber es fasst mich einfach an keiner Stelle irgendwie an, das fließt so seicht dahin ohne Tiefpunkte, aber auch ohne Höhenpunkte, ja beinah will ich langweilig sagen, nichtssagend, zu glatt. Gleiches gilt für Karajans Dirigat, es fängt mich an keiner Stelle und dabei ist sein 52er LIve-Tristan so grandios dirigiert. Es mag am Studioklang liegen, was weiß ich.
    Mit Ausnahme der erwähnten Vickers-Leistung eine Aufnahme, die ich getrost entbehren könnte.
    Der hier schon mal erwähnte 52er Karajan aus Bayreuth mit der unvergleichlichen Mödl bleibt mein haushoher Favorit.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Hallo,


    ich bin der Meinung von SchallundWahn, die Karajan-Aufnahme von 1972 gehört zu den besten Tristan-Aufnahmen überhaupt. Wenn man also eine Liste aufführen wollte, wobei natürlich alle Aufnahmen mit Lauritz Melchior einen Sonderstatus haben, so komme zu folgendem Ergebnis:


    1.) Furtwängler 1952: Suthaus, Flagstad, Greindl, Fischer-Dieskau, Thebom. (Trotz des zu leichten Kurwenal, wegen des kraftvollen und suggestiven Liebespaares)
    2.) Karajan Bayreuth 1952: Vinay, Mödl, Weber, Hotter, Malaniuk (Dieses Liebespaar singt, meines Erachtens, alle Nachfolgepaare an die Wand und hat einen richtigen Kurwenal als Partner)
    3.) Karajan 1972: Vickers, Dernesch, Ridderbusch, Berry, Ludwig (das "sterbende Tier" Jon Vickers, der als einziger Interpret in die Phalanx der Großen in der Partie nach dem Krieg, Lorenz, Suthaus, Treptow, Vinay, Hopf einbrechen konnte und gleichermaßen hohe Kunst von Ridderbusch, Berry und Ludwig)


    Gruß,
    Antalwin

  • ich bin der Meinung von SchallundWahn, die Karajan-Aufnahme von 1972 gehört zu den besten Tristan-Aufnahmen überhaupt.


    Das ist aber eine sehr eigenwillige Interpretation von SchallundWahns Aussage!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo,


    mit Karajan kann man können, oder nicht ! Soweit ich mich entsinne, kritisierte SchallundWahn nicht die Sangesleistungen, sondern Karajan. Ich habe meine drei Aufnahmen wegen der SängerInnen angeführt, 2 davon nicht wegen Karajans Dirigat. Seit der Aufnahme von 1972 gibt es, meines Erachtens, nur noch Gesamtaufnahmen mit "unvollständigen" Gesangsleistungen.


    Hat oder kennt jemand diese Gesamtaufnahme:


    1973: Carlos Kleiber: Hopf, Ligendza, Sotin, Neidlinger, Baldani (Live aus der Wiener Staatsoper vom 07. Oktober 1973


    Gruß,


    Antalwin

  • Der Schwachpunkt der Aufnahme ist leider Hans Hopf, der von der Poesie und Lyrik, was eben auch in der Partie steckt, kaum was vermiteln kann. Übrigens vermisse ich in Ihrer Liste der "Grossen nach dem zweiten Weltkrieg", lieber Antalwin, den m.E. "Grössten": Wolfgang Windgassen! Zufall?

  • Zitat

    Von m.joho
    Der Schwachpunkt der Aufnahme ist leider Hans Hopf, der von der Poesie und Lyrik, was eben auch in der Partie steckt, kaum was vermiteln kann. Übrigens vermisse ich in Ihrer Liste der "Grossen nach dem zweiten Weltkrieg", lieber Antalwin, den m.E. "Grössten": Wolfgang Windgassen! Zufall?


    Mein lieber m.joho!


    Da bin ich aber ganz anderer Meinung! Obwohl Hans Hopf nicht in allen Opernpartien von Wagner die Idealbesetzung darstellte, war er mir von der Stimme her allemal lieber als die kehlige, von kleinem Stimmumfang begrenzte Stimme von Windgassen. Hans Hopf war stimmlich in der Lage, die schwierigsten Tenorpartien von Verdi und Puccini zu bewältigen.

    W.S.

  • Nur, lieber Wolfgang, war Hopf leider rein intellektuell nie in der Lage den intellektuellen Gehalt einer Wagner-partie zu erfassen (eine Parallele wäre hierzu auch Ernst Kozub, der ebenfalls mit reichen stimmlichen Mitteln gesegnet war). Dies ist auch der Grnd warum er auch in Neu-Bayreuth keine grosse Rolle spielte.Zitat einer Kollegin, die mit Hopf in Zürich den Tannhäuser sang: Was für ein dummer Tenor! (Leider hört man das auch, trotz den strahlenden Spitzentönen und man sah auch live eher einen Bierbrauer, als einen Helden... Sorry!)

  • Ich habe Windgassen als Tristan sowohl in Bayreuth als auch häufig in Wien gehört. Ob ich im Parterre oder auf der Galerie war, Windgassens Stimme kam immer deutlich durch die Orchesterfluten hindurch. Was mir aber bedeutungsvoll war: Seine Interpretation, der unglaublich konzise Ausdruck, ja, seine Fähigkeit, die unterschiedlichsten Stimmfarben einsetzen zu können, machten ihn mir zum aufregendsten und beklemmendsten Tristan-Interpreten.


    Was vordem über den unidiomatischen Hopf und Kozub (den ich allerdings nur als ungeschlachten Siegmund errleben mußte) gesagt wurde, kann ich nur bestätigen. - Vickers war für mich ein Sonderfall. Zwar sehr intelligent, aber sein Phlegma riß mich nicht gerade von den Socken. Daß sein Timbre nicht mein Wohlgefallen finden konnte, muß ich wohl mir selbst zuschreiben.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Lieber m.jojo, Lieber milletre,


    ich habe schon an anderem Ort hier ausgeführt, daß ich die Stimme Windgassens für Siegmund, Siegfried, Tannhäuser und Tristan nicht als geeignet erachte. Vielleicht tue ich der Bühnenleistung und -wirkung des Künstlers Unrecht. Windgassen war ein sehr guter Zwischenfach-Tenor, aber bei Wagner, meiner Meinung nach, nur geeignet für Erik, Lohengrin, Loge und Parsifal. Ich weiß, daß ich hier im Forum mit dieser Meinung nicht alleine stehe! Volle Zustimmung, 9079wolfgang!


    Frohes Osterfest,


    Antalwin

  • Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdest nicht erjagen! Zumindest seid ihr nicht alleine...Ich zweifle allerdings, ob einer von euch, die genannten Sänger je live erlebt hat!

  • Ich zweifle allerdings, ob einer von euch, die genannten Sänger je live erlebt hat!


    Das ist nicht immer (mehr) möglich gewesen. Die wenigsten unter uns dürften auch Maria Callas oder Max Lorenz - um zwei Namen als Beispiele für meine Argumentation zu nennen - in ihren Glanzzeiten noch auf der Bühne erlebt haben, und doch gestatten wir uns ein Urteil, eine Einordnung in unseren ganz persönliches Wertekanon. Ganz bestimmt ist es so, dass die Livebegegnungen mit einem Sänger die persönliche Einschätzung seines Wirkens entscheidend beeinflussen und prägen. Daraus sollte und kann nach meiner Überzeugung aber keine Deutungshoheit abgeleitet werden. Dass Du, lieber m.joho, Windgassen sehr schätzt, ist zunächst einmal Deine ganz persönliche Angelegenheit. Ich kann diese Hochachtung gut verstehen, denn ich hätte ihn auch gern noch als Tristan auf der Bühne erlebt. Anhand seiner Platten und Dokumente ist es mir fast unheimlich und aller Wertschätzung wert, wie dieser Mann mit seiner betont lyrischen Stimme das Heldenfach bewältigte. Er muss eine hervorragende Technik gehabt haben. Und er hat bekanntlich nebenher auch immer wieder das lyrische Fach gesungen, beispielsweise den Tamino. Das halte ich für ganz wichtig in seinem Fall.


    Neigen wir nicht alle dazu, mit der eigene Begeisterung hausieren zu gehen? Ich schon. Und ich habe gleichzeitig meine wichtigsten musikalische Grunderlebnisse der Begeisterungsfähigkeit anderen Menschen zu verdanken. Nicht immer gelingt es aber, dass der Funke überspringt. Das spricht überhaupt nicht gegen Windgassen. Ein Heldentenor im idealen Sinne ist er für mich auch nicht. Ich bevorzuge Lorenz, Vinay, Gruber, Vickers.


    Herzlich grüßt Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Zitat m.joho:

    Zitat

    Nur, lieber Wolfgang, war Hopf leider rein intellektuell nie in der Lage den intellektuellen Gehalt einer Wagner-partie zu erfassen (eine Parallele wäre hierzu auch Ernst Kozub, der ebenfalls mit reichen stimmlichen Mitteln gesegnet war).


    Hallo m.joho, hallo milletre!


    Eure Meinung sei euch unbenommen. Ich möchte mich hier nicht streiten. Aber mir sind Sänger, die ein bedeutend schöneres Stimmmaterial besaßen; ich besitze von Hopf und Kozub Einiges an Aufnahmen, auch Puccini und Verdi; (was Windgassen niemals so hätte singen können) bedeutend lieber als Windgassen, der mit seinen eingeschränkten stimmlichen Mitteln, zugegebenermaßen, daß Beste aus seinen Wagner-Partien machte. Da möchte ich auch nicht widersprechen.


    Gruß Wolfgang

    W.S.