Renato Bruson - Stimmliche Elegance pur

  • Obwohl sein Name im Forum oft genannt wird, stellte ich fest, dass es noch keinen eigenen Thread über ihn gibt. Für mich ist er einer der besten Baritone des 20. Jahrhunderts.


    Renato Bruson wurde 1936 in der Nähe von Padua geboren.


    1961 debütierte er in Spoleto als Graf Luna im Troubadour.
    In den nachfolgenden Jahren kam es zu einer glanzvollen Karriere an den großen italienischen Häusern.
    1969 debütierte er an der Met mit dem Enrico in Lucia di Lammermoor.
    Erst 1972 erfolgte sein Debüt an der Mailänder Scala als Antonio in Linda di Chamounix.
    1975 gab er sein Debüt als Renato im Maskenball an der Covent Garden Oper.
    Weitere Stationen waren die Wiener Staatsoper 1977 mit der Macht des Schicksals.


    Renato Bruson hat die Bariton-Hauptrollen in 17 verschiedenen Donizettiopern und in fast allen Verdiopern gesungen.


    Er ist auf zahlreichen Schallplattenaufnahmen vertreten.


    Da er das Schubladendenken hasste, war er immer offen für neue Partien.


    Seine Stimme wirkt elegant. Irgend jemand (?) hat sie mit dem Klang eines Cellos verglichen.


    Meine Lieblingsaufnahmen mit ihm u.a. sind folgende:









    Viele Grüße
    Jolanthe

  • Liebe Jolanthe,
    Renato Bruson zählt auch zu meinen liebsten Baritonen. Ich schätze nicht nur sein edles Timbre, sondern vor allem seine ungemein kultivierte Art des Singens (In dieser Beziehung, nämlich im Stil, ähnelt ihm Keenlyside sehr, finde ich.) Er dient immer dem Komponisten und der Rolle, Effekthascherei und ein eitles ZUschaustellen seines Könnens sind ihm fremd.
    In einigen Partien war er mir fast zu nobel, so konnte er mich als Jago nie überzeugen. Am liebsten hörte ich ihn als Simon Boccanegra.
    Leider zählt Renato Bruson nicht eben zu den engagiertesten Darstellern und genießt auch den Ruf, sich um Regiekonzepte wenig zu scheren und prinzipiell das zu machen, was er will. Das führt dann manchmal zu unfreiwilliger Komik, wenn nämlich seine (Nicht-)aktion so absolut nicht zu dem passt, was seine Bühnenpartner machen :pfeif: (Schon einmal in der letzten Simone-Produktion erlebt, wo er für Thomas Hampson einsprang).
    lg Severina :hello:

  • Ich mochte ihn am liebsten als Macbeth.
    Auch als Nabucco fand ich ihn überzeugend.
    Ich mag ihn sehr,weil er eine wunderbare warme Baritonstimme hat.
    Der Vergleich mit Keenlyside ist treffend.


    L:G: Rita

  • Zitat

    Original von rita


    Auch als Nabucco fand ich ihn überzeugend.
    Ich mag ihn sehr,weil er eine wunderbare warme Baritonstimme hat.


    Soeben lief auf dem ZDF-Theaterkanal die Oper Nabucco, Mailänder Scala, Dirigent Muti, 1986.
    Renato Bruson war ein hervorragender Nabucco.


    LG
    Jolanthe

  • RENATO B R U S O N bleibt neben Tito Gobbi und Giuseppe Taddei der genaile Falstaff - Interpret .


    Seine Interpretation unter Carlo Maria Giulini ( DGG / universal ) ist einer der interessnatesten Opernaufnahmen überhaupt 8 und eine der besten ) . Keiner der Sänger hatte die jeweilige Rolle zuvor schon gesungen ,. Giulini hatte damalds sehr viel Zeit für diese Aufnahme ( Bänder flogen also auch nicht um den Erdball und wurden dann zusammengeschnitten ! ) .


    Der Sänger ist grossartig ( ganz allgemein ) .


    Als Falstaff herausragend .


    Er gehört für mich zu den wichtigsten Vertretern seines faches überhaupt !


    Viele Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Bei Zweitausendeins gibt es in der mageren Klassik-DVD-Abteilung unter dem eher abschreckenden Titel "Great Opera - Great Voices" 10 (i.W. zehn) DVDs zum Preis von 2 Busfahrkarten, davon 2 mit Renato Bruson: 1 geistliches Konzert, 1 Tosca mit ihm als sehr elegantem Scarpia. Bei dem Preis kann man nichts falsch machen....


    Die Tosca scheint eine Freilichtaufführung zu sein; Bruson ragt natürlich aus dem Ensemble heraus (Cura mag ich nicht so wahnsinnig, und Francesca Patane als Tosca ist bestenfalls ganz ordentlich), aber die Kulissen sind sorgfältig gemacht, die Regie wohltuend unexperimentell, und so kann man sich das alles sehr gut und mit Gewinn ansehen.


    Grüße!


    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing"
    Busman's Honeymoon

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    RENATO B R U S O N bleibt neben Tito Gobbi und Giuseppe Taddei der genaile Falstaff - Interpret .


    Seine Interpretation unter Carlo Maria Giulini ( DGG / universal ) ist einer der interessantesten Opernaufnahmen überhaupt 8 und eine der besten ) . Keiner der Sänger hatte die jeweilige Rolle zuvor schon gesungen ,. Giulini hatte damals sehr viel Zeit für diese Aufnahme ( Bänder flogen also auch nicht um den Erdball und wurden dann zusammengeschnitten ! ) .


    Nein, es war anders herum. Nachdem sich Giulini für fast zwei Jahrzehnte von der Opernbühne zurückgezogen hatte, köderte San Francisco (oder war es Los Angeles?) ihn erfolgreich mit Carte Blanche (freier Besetzungswahl und märchenhaften Probenmöglichkeiten) zu jener legendären Falstaff-Inszenierung. Das Ergebnis war derart erfolgreich, dass man sich kurzfristig zu einer Plattenaufnahme mit dem versammelten Ensemble entschloss. Und das war insoferne bemerkenswert, da ja die gleiche Plattenfirma kurz zuvor Karajans Salzburger Falstaff konserviert hatte. Es kamen also in kurzer Reihenfolge zwei Falstaff-Einspielungen von der gleichen Firma auf den Markt und die Kritiker konnten sich nicht recht darauf einigen, welcher der Vorzug zu geben sei. Sie sind beide sehr gut.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Lieber Theophilus .



    die Aufnahmebedingungen in Los Angeles waren den Vorstellungen von Giulini entsprechend .


    Wäre , dies am Rande , Signora Giulini , nicht so schwer krank geworden , dann hätte Maestro Giulini das Los Angeles Philharmonic Orchestra sicherlich noch zu weitren aussgewöhnlichen Leistungen geformt .


    Sein Nchfolger E P Salonen hat die ganze Struktur des Unternehmens Los Angeles Philharmoni Orchestra geradezu spektakulär ( er war immerhin auch für Giulini tätig gewesen ) verändert .


    Salonen hat sich dann sehr kühl in L. A. verabschiedet . Schade .


    Er wollte sich , so die offizielle Begründung , wieder mehr seinen Kompositionen widmen .



    Viele Grüsse ,


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Auch als MACBETH ist er für mich unübertroffen.
    Ich habe hier in Berlin wunderbare Opernabende mit ihm erlebt.
    Für mich ist er ein ganz grosser Interpret.
    Selbstverständlich habe ich gestern den Nabucco im Fernsehen gesehen. Wunderbar!



    Rita

  • Gestern gab es im Dortmunder Konzerthaus eine konzertante Aufführung:


    Giuseppe Verdi
    I due Foscari

    Tragsische Oper in drei Akten
    Libretto von Francesco Maria Piave


    Ein Konzert des Klangvokal Musikfestival Dortmund in Kooperation mit dem WDR Rundfunkorchester Köln.
    Mitwirkende:


    * Manon Feubel als Lucrezia
    * Renato Bruson als Francesco Foscari
    * Francisco Casanova als Jacopo Foscari
    * Philharmonischer Chor des Dortmunder Musikvereins
    * WDR Rundfunkorchester Köln
    * Vjekoslav Sutej, Leitung


    Das Konzert wurde vom WDR aufgezeichnet, die Radiosendung findet am kommenden Sonntag um 20.05 Uhr bei WDR 3 statt.


    Näheres findet ihr hier:


    Oper - heute im Radio


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Dank Harald, fiel mir auf, dass Renato Bruson am 13. Januar seinen 75. Geburtstag gefeiert hat.


    :jubel: :jubel:


    Zumindest einmal durfte ich ihn live erleben, und zwar als Gérard in der Oper Andrea Chenier in der Alten Oper Frankfurt. Es war eine konzertante Vorstellung, die damals auch im Fernsehen übertragen wurde. Nach der großen Arie des Gérard gab es einen Szenenapplaus, den ich so nie wieder erlebt habe. Das Haus stand Kopf. Andrea Chenier war übrigens Bonisolli, der mich allerdings sehr entäuscht hat. Renato Bruson war der Star des Abends.


    Diese Oper gibt es auch auf CD:



    :hello:


    Jolanthe

  • Bei Decca neu erschienen ist die folgende CD:


    Bisher gab es diese Titel nur auf LP, ergänzt durch zusätzliches Bonus-Material.


    :hello:


    Jolanthe


  • Renato Bruson, den ich in dieser schönen Box in einer Einspielung der "Luisa Miller" aus Covent Garden habe, unter Lorin Maazel mit u. a. Placido Domingo, Elena Obraszowa und Katia Ricciarelli,


    feiert heute seinen 79. Geburtstag.


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Inzwischen konnte Renato Bruson seinen 85. Geburtstag feiern. Für mich immer noch einer der besten Baritone seiner Zeit. Unvergessen sein Gerard in Frankfurt in Andrea Chenier.

    :hello:

    Jolanthe

  • Inzwischen konnte Renato Bruson seinen 85. Geburtstag feiern. Für mich immer noch einer der besten Baritone seiner Zeit. Unvergessen sein Gerard in Frankfurt in Andrea Chenier.

    :hello:

    Jolanthe

    :hail::jubel::!::thumbup:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Renato Bruson war für mich einer der ganz Großen. Keiner sang so ein schönes Legato, wie Herr Bruson.

    Auf den vielen Aufnahmen mit ihm, gab es nie einen Moment der Nebensächlichkeit bei seinem Singen.

    Alles war voller Spannung und Eindringlichkeit. Vorallem bei Verdi und Donizetti war er zu Hause, er brillierte mit Schönklang, auch da wo andere schon stemmen mussten.


    Seine "acuti" waren nicht die Besten, da gab es andere Kaliber, wie Piero Cappuccilli, Leo Nucci oder Giorgio Zancanaro.


    Aber keine hatte diesen Schmelz, diese Butterstimme, dieses unglaubliche Legato.:hail:


    Grüße

    Apollon

  • Kennen- und auf der Stelle schätzen gelernt habe ich Renato Bruson in dieser Aufnahme:

    La Traviata (Ltd.Deluxe Edition) - Muti, Riccardo, Scotto, R., Kraus, a.,  Bruson, R., Verdi, Giuseppe: Amazon.de: Musik

    Da singt er in guter (Renata Scotto) bis exquisiter Gesellschaft (Alfred Kraus) den Vater Germont, menschlich eine jämmerliche, musikalisch eine großartige Rolle. Bruson singt mit balsamischer Stimme und einem Feingefühl sondergleichen, so daß man stellenweise versucht ist, seinen Scheinargumenten zu erliegen.


    Auch der Renato in UN BALLO DE MASCERA (unter Solti, DECCA) ist kaum zu überbieten.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Auch der Renato in UN BALLO DE MASCERA (unter Solti, DECCA) ist kaum zu überbieten.

    Bruson war kein schlechter, keine Frage. Immer sehr gepflegt, aber auch immer etwas langweilig. Gerade für den Renato wünsche ich mir einen expressiveren Sänger, der die Gefühlszustände der Figur mehr auslotet. Und da komme ich bei Gino Bechi (unter Serafin), Tito Gobbi (unter Votto) und Robert Merrill (unter Toscanini und Leinsdorf) weit mehr auf meine Kosten.

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