Schach dem Regietheater !!!

  • Lieber Hans,


    wenn sie die Diskussion für reine Zeitverschwendung halten, dann sollen sie doch aufhören, hier zuschreiben. Ich halte die Diskussion mit Leuten, die alles nur für sich verlangen, ebenfalls für Zeitverschwendung. Deswegen lese ich Beiträge von einigen Leuten auch garnicht mehr und damit werden sie auch nicht beantwortet. Während es ihnen daran liegt, uns zu missionieren, wollen wir Ihre Meinung garnicht ändern. Mir und anderen liegt nicht daran, andere Personen hier zu diskriminieren (wenngleich ich auf solche Versuche auch mit ähnlicher Waffe reagiere, was man mir dann wohl nicht verübeln kann), sondern lediglich diese Missstände des Produktes aufzuzeigen, öffentlich bekannt zu machen und meine Meinung dazu zu äußern. Und da lasse ich mich nicht davon abbringen. Fürchten sie etwa, dass sich durch diese Meinung einer Mehrheit Einiges ändern könnte?


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    Einmal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Zitat von Gerhard Wischniewski

    Fürchten sie etwa, dass sich durch diese Meinung einer Mehrheit Einiges ändern könnte?

    Was für eine Mehrheit? :hahahaha:


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • wenn sie die Diskussion für reine Zeitverschwendung halten, dann sollen sie doch aufhören, hier zuschreiben.

    Gründiches Lesen bildet eine Kunst und sollte auch in Anspruch geommen werden, ehe sofort in die Tasten gehämmert wird. In Beitrag Nr. 749 ist nicht zu lesen, dass Diskussionen Zeitverschwendung sonden dass "es im Grunde völlig sinnlos, mit RT-Gegnern über RT wirklich ernsthaft zu diskutieren"; das ist ein erheblicher Unterschied.


    Erwartungsgemäß belegt dein letzter Beitrag diese These.

    Mir und anderen liegt es lediglich daran, andere Personen hier zu diskriminieren

    Diese Behauptung von dir ist ausnahmsweise - auf Grund zahlreicher deiner Postings - mal glaubhaft.

  • Mir und anderen liegt es lediglich daran, andere Personen hier zu diskriminieren (wenngleich ich auf solche Versuche auch mit ähnlicher Waffe reagiere, was man mir dann wohl nicht verübeln Kann), sondern nur daran diese Missstände des Produktes aufzuzeigen, öffentlich bekannt zu machen und meine Meinung dazu zu äußern. Und da lasse ich mich nicht davon abbringen. Fürchten sie etwa, dass sich durch diese Meinung einer Mehrheit Einiges ändern könnte?

    Das, lieber Gerhard, habe ich auch nicht verstanden - oder doch? Du und andere wollen hier diskriminieren? Wen und warum? Und die von Dir erwähnte Mehrheit sehe ich - wie schon Fiesco vor mir - auch nicht. Wer, bitte schön, ist die Mehrheiten.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Das "sondern" macht doch klar, dass zu Beginn des Satzes eine Negation fehlt!


    Nee, macht es nicht klar, wenn man "Mir und anderen liegt es lediglich daran, andere Personen hier zu diskriminieren" als potenzielle Parenthese zwischen "wollen wir Ihre Meinung garnicht ändern" und "sondern nur daran diese Missstände" deutet. Zu den "Mehrheiten" wären - in der Tat - präzisere Details wünschenswert.

  • Lieber Rheingold,


    leider habe ich - ich war im Zeitdruck - diesmal meinen Beitrag nicht noch einmal durchgelesen und den Satz, den ich anders begonnen hatte, nicht mehr korrigiert. Aber - wie MJoho - hättest du das mit gutem Willen auch erkennen können. Wenn du den Satz jetzt noch einmal liest, wird dir sicher "ein Licht aufgehen". Ich kann mir denken, dass jetzt einige das wieder als "Aufhänger" genommen haben, aber das interessiert mich herzlich wenig. Aber mich mit deren Ergüssen zu befassen, ist eben für mich reine Zeitverschwendung.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Das "sondern" macht doch klar, dass zu Beginn des Satzes eine Negation fehlt!

    So habe ich das auch aufgefaßt.


    Herzlichst La Roche

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • Was für eine Mehrheit?


    LG Fiesco

    Ja, wer beide Augen verschließt, erkennt das natürlich nicht.

    Aber du liest und schreibst ja immer noch mit. Ich las einmal von dir, dass du das leid seist. Nun, wer sich selbst das Leid antut........

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Lieber Rheingold,


    leider habe ich - ich war im Zeitdruck - diesmal meinen Beitrag nicht noch einmal durchgelesen und den Satz, den ich anders begonnen hatte, nicht mehr korrigiert. Aber - wie MJoho - hättest du das mit gutem Willen auch erkennen können. Wenn du den Satz jetzt noch einmal liest, wird dir sicher "ein Licht aufgehen". Ich kann mir denken, dass jetzt einige das wieder als "Aufhänger" genommen haben, aber das interessiert mich herzlich wenig. Aber mich mit deren Ergüssen zu befassen, ist eben für mich reine Zeitverschwendung.

    Lieber Gerhard, wenn man einen etwas kritisch unterlegten Austausch miteinder pflegt wie wir - was ich im übrigen ganz produktiv finde - liest man einen Text der anderen Seite wohl immer ganz genau auf das Wort bezogen als wenn er von jemendem stammt, mit dem man immer einer Meinung ist und also weiß, was als nächstes kommt. Nun bin ich aufgeklärt und bedanke mich.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Rheingold,


    auch ich danke dir für diese freundliche Antwort.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ja, wer beide Augen verschließt, erkennt das natürlich nicht.

    Aber du liest und schreibst ja immer noch mit. Ich las einmal von dir, dass du das leid seist.

    Meine Augen sind hellwach, darüber solltest du dir keine Gedanken machen, ich habe allerdings nicht geschrieben das ich das nicht lese, sondern der Rest war wichtiger! ;)


    Zitat von Gerhard Wischniewski

    Nun, wer sich selbst das Leid antut........

    .....hat auch noch Tränen zum lächeln übrig!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Das "sondern" macht doch klar, dass zu Beginn des Satzes eine Negation fehlt!


    So habe ich das auch aufgefaßt.


    Herzlichst La Roche

    Natürlich war jedem klar., daß Gerhard hier ein Fehler, ein Schreib -/ Schusselfehler unterlaufen ist. Außer, man wollte es bewußt böswillig nicht sehen!

    Wem ist noch kein solcher Fehler passiert, wer hat beim Schreiben noch kein Wort, noch keinen Buchstaben trotz Korrekturlesens vergessen???

    Auf jeden Fall ist solch ein Fehler, der nach Hinweis korrigiert wurde, verzeihlicher, als die bewußt gebrauchte primitive Gossenjargonsprache -

    "sich eine Oper, oder ein anderes Kunstwerk reinzieh´n oder reinschlürfen" - denn das läßt jegliches Niveau vermissen und wirkt nur billig und aufgesetzt!

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Vor mir liegt ein Buch des bekannten Opernexperten Dr. Walter Herrmann Germanist und Historiker mit zahlreichen Veröffentlichungen aus dem Bereich des Musiktheaters. Der Titel heißt "...und trotzdem lebt die Oper - Die 7 Todsünden des Regietheaters. Der Inhalt ist eine Bombe. Ich habe aus zwei Gründen Bedenken, diesen zu veröffentlichen: 1. Ich möchte mich nicht selbst in die Ecke der Regietheater-Gegner manövrieren, weil ich eine pauschale und unbegründete Ablehnung dieses Interpretationsstils für fachlich nicht haltbar halte. 2. Ausserdem müsste ich vom Forenbetreiber eine Art Schutzgarantie erhalten, dass ich die Bombe ohne meine Mitgliedschaft im Forum zu gefährenden zünden darf. Sicherlich wäre es gut, wenn wir den Mut hätten, uns mit einem engagierten Plädoyer gegen das Regietheater auseinanderzusetzen? Dazu als Abschluss und Ermunterung ein Goethe-Zitat.

    "Die Kunst gibt sich selbst Gesetze und gebietet der Zeit. Der Dilettantismus folgt der Neigung der Zeit"

    Lieber Hans,


    ich habe kein Problem damit! Wenn das intelligent geschrieben ist! Ich glaube Niemand findet alle Tendenzen gut, die es heute im Theater gibt. Es gibt gutes und schlechtes Regietheater mit Reich-Ranicki. Wenn dies ein Weg ist, das herrauszufinden. Nur zu! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Hans,


    ich habe kein Problem damit! Wenn das intelligent geschrieben ist! Ich glaube Niemand findet alle Tendenzen gut, die es heute im Theater gibt. Es gibt gutes und schlechtes Regietheater mit Reich-Ranicki. Wenn dies ein Weg ist, das herrauszufinden. Nur zu! :)

    Lieber Holger,

    danke für die Ermunterung. Wenn noch weitere Rückenstärkung kommt, könnte ich mich durchringen, wenigstens die 7 Todsünden des Regietheaters einzustellen .Die Begründungen, Beispiele und Zitate, die der Autor für seine Thesen ausführlich gibt können im Forum kaum veröffentlicht werden, denn dafür ist das Buch zu umfangreich. Aber allein die 7 Todsünden würden Stoff für weitere Diskussion geben.

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber Hans,


    die sieben Todsünden des Regisseurstheaters kennen sicherlich schon einige Aufmerksame von uns (siehe Beitrag 157 in diesem Thema). Dennoch würde ich dich bitten, sie erneut hier für alle, die das noch nicht gelesen haben oder neu hinzugekommen sind, erneut einzustellen. Ich stimme mit dem Autoren in allen Punkten völlig überein.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Lieber Gerhard,


    danke für Deine Aufmerksamkeit und den Hinweis. Mein Hirn scheint wirklich alt zu werden. Im Beitrag 157 sind die 7 Todsünden des Regietheaters tatsächlich schon eingestellt - und zwar von mir selbst. :untertauch:


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Danke an operus für Hinweis und an MSchenk für Link.


    sog. „Totsünden“ beschränken sich nicht aufs RT; weder als genereller Trend vom RT auszumachen, noch wären diese unmittelbar als positive Maxime zu übernehmen.


    "7 "Anders“ muss es sein – um jeden Preis“ bildet doch sowas wie Bedingung künstlerischer Produktivität. Später Beethoven kommt anders rüber als früher. Dem RT wird dagegen oft vorgeworfen, bestimmten Moden zu zementieren, was Punkt 7. wiederspräche.


    „1. Mangelnder Respekt vor der Musik“ wären sentimentalisierende Puccini-Wiedergaben, welche Härten beflissen unterschlagen oder opulente Ausstattungen Zeffirellis, welche die Chose übermalen .


    Unsinnig = „2. Mangelnde Demut vor Komponist und Werk“.
    "Demut" es ist keinesfalls als Ertrag auf der Haben-Seite des GuV-Kontos der Regie (und des Besuchers) zu buchen, also sich dienstbar und blind dem Werk zu unterwerfen.
    Im Gegentum; kritischer Auseinandersetzung mit ideologischen Schlagseiten deutlich rüberkommen zu lassen. Modelle dafür die Opfer-Ideologie in Pfitzners Rose und Christelflein, autoritäre Attitüden in Schönbergs Jakobsleiter und Moses und Aron. Wagners Werke wären sowieso ein Kapitel für sich.


    "Hoch interessant ist ein Rätsel oder Test, bei dem von dargestellten Bildern aus Inszenierungen auf das Werk geschlossen werden soll."
    Was soll daran interessant sein, an Hand von kaum bis überhaupt nicht aussagekräftiger Auszüge, lediglich eigene Vorurteile bzw. Ignoranz und Unkenntnis zu reproduzieren etwa auf dem Niveau von YT-Likes-Non-Likes.

  • Lieber Gerhard,


    danke für Deine Aufmerksamkeit und den Hinweis. Mein Hirn scheint tsatsächlich alt zu werden. Im Beitrag 157 sind die 7 Todsünden des Regietheaters tatsächlich schon eingestellt - und zwar von mir selbst. :untertauch:


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Liebe Freunde,

    ich möchte für unsere Diskussion mehr liefern, als die 7 Todsünden nur als Schlagworte einstellen. Vielleicht kann das Vorwort des Autors, Dr. Walter Herrmann, Germanist, Historiker, Opernexperte und Autor zahlreicher Werke zum Thema Musiktheater die nachfolgenden Thesen doch etwas erhellen.

    Vorwort von Dr. Walter Herrmann zu "Die 7 Todsünden des Regietheaters"

    "Eine schlüssige Definition des üblich gewordenen Begriffes "Regietheater" ist bis jetzt nicht bekannt. Marcel Prawy meinte dazu: Wenn in "La Traviata" Violetta überlebt, alle anderen aber sterben, das ist Regietheater." Eine totale Umkehrung oder Entstellung der von Komponist und Librettist vorgegebenen Handlung sei also die Erklärung.

    Die folgende kritische Auseinandersetzung möge nicht als grundsätzliche Ablehnung moderner Operninszenierungen missverstanden werden, denn es gibt durchaus gute, ja sogar hervorragende zeitgenössische Szenische Realisierung. Theaterpraktiker wie Wagner, Verdi, Puccini und Richard Strauss wären froh und dankbar gewesen, hätten sie die moderne Technik für neue Lösungen zu Gebote gehabt.

    Die Ablehnung richtet sich ausschließlich gegen vorsätzlich werkentstellende Früchte des so genannten Regietheaters, aber keineswegs gegen wohlgemeinte, aber bedauerlicherweise misslungene Ergebnisse, denn das kann jedem Regisseur ebenso passieren, wie einem Sänger eine Indisposition.

    Obwohl es (noch) keine stichhaltige Definition des Begriffes Regietheater gibt, darf als konsensual vorausgesetzt werden, dass es sich dabei um die unqualifizierte Überbewertung der Regie gegenüber Dirigent und Sängern handelt (besonders verbreitet in Deutschland, weniger in Österreich und noch weniger in Italien und Amerkika). Der ehemalige Staatsoperndirektor Joan Holender nannte das im "Presse"- Interview " eine deutsche Krankheit, die sich verbreitet hat, aber jetzt bereits wieder zurückgeht". Vielfach erlebt man Neudeutungen, mit denen sich sich ein geltungsbedürftiger Regisseur vom Werk entfernt und seine eigene Sicht jener des Komponisten und des Librettisten vorzieht, nicht selten auf provokante, selbstgefällige, geschmacklose, oft gar auf unappetitliche Weise, so dass das darzustellende Werk kaum oder gar nicht mehr erkennbar wird.

    Wo liegen die Wurzeln des Regietheaters? Eindeutig bei der aus der ehemaligen DDR und der sich stets zu ihr bekennenden Ruth Berghaus. In ihrer "Rosenkavalier"-Inszenierung war das Palais von Faninal ein Krankenhaus und das Beisel des 3. Aktes ein U-Bahnhof. Im "Parsifal" hielt der zum Gral zurückgekehrte Titelheld den Speer nicht an die Seite von Amfortas, wo dessen Wunde ist, sondern an seinen Penis. In der "Entführung aus dem Serail" liebte Konstanze nicht Belmonte, sondern den Selim Bassa usw.
    In die Fußstapfen von Ruth Berghaus traten vor allem Peter Konwitschny und Hans Neuenfels. Bei Konwitschnys "Aida" feierten der König, Ramphis und Amneris während der Triumphszene stockbetrunken und mit Hütchen und Konfetti den Sieg über Äthiopien, Aida und Radames starben keinen gemeinsamen Liebestod, sondern gingen durch die offene Hintertür der Bühnenwand zur Straßenbahn.
    In Kálmáns Operette "Die Czardasfürstin" verlegte Konwitschny Teile der Handlung auf die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs.
    Friedrich Cerha verweigerte sein Plazet zur Aufführung der von ihm hergestellten dreiaktigen Fassung von Alban Bergs "Lulu" in Hamburg , weil er Eingriffe dieses Regisseurs zugunsten fragwürdiger Regieeinfälle befürchtete.
    Neuenfels ließ im "Troubadour" Jesus vom Kreuz steigen und mit einem Bischhof tanzen, die Zigeunerin Azucena wurde vor einem Beichtstuhl vergewaltigt. Bei der "Don Giovanni"-Deutung des Genannten mussten sich die Bauern in eine Horde Stiere verwandeln und die Bäuerinnen in Kühe, die sich die Brusteuter abnahmen und als Sitzkissen verwendeten.

    Man sollte nicht zwischen konservativen und modernen Operninszenierungen unterscheiden, sondern nur zwischen guten und schlechten, bzw richtigen und falschen .Moderne Mittel dürfen, sollten und müssen eingesetzt werden, auch die Unterstreichung gewisser Eigenheiten des Werkes ist erlaubt bis gewünscht. Künstlerisch unzulässig ist aber das Aufzeigen eigener Wünsche und Anschauungen der Regisseure- noch dazu mit drastischen Mitteln - wenn diese im Werk gar nicht enthalten sind

    Es sind nicht die Dümmsten, Ungebildetsten, auch nicht die Konservativsten, die gegen die Auswüchse des Regietheaters protestieren, sehr oft aber dagegen Personen mit großer Werkkenntnis und betroffene Künstler.
    Oft hört man: "Das Regietheater ist der Tod der Oper." Ganz anderer Meinung ist der große Bassist Ferrucio Furlanetto: "Die Oper ist der natürliche Tod des Regietheaters, denn die Musik ist immer stärker. Die Oper wird es immer geben, das Regietheater, also das schlechte Theater, wird nicht überleben."...
    Ende des zitierten Vorworts von Dr. Walter Herrmann, denn im weiteren Verlauf zitiert der Autor weitgehend Eindrücke von Aufführungen, die für unsere Grundsatzdiskussionen kaum neue Erkenntnisse bringen. Sie dienen nur noch dazu, die Aussagen des Autors zu belegen.

    Herzlichst
    Operus (Hans)






    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

    6 Mal editiert, zuletzt von operus ()

  • "Eine schlüssige Definition des üblich gewordenen Begriffes "Regietheater" ist bis jetzt nicht bekannt.

    Richtig! Und dass eine "konsensuale" Definition schier ein Ding der Unmöglichkeit ist, beweist die vielen "Diskussionen", die auch hier im Forum geführt werden. Und leider scheitert m.E. auch Dr.Herrmann, denn einerseits läßt er mit

    Die Ablehnung [richtet] sich ausschließlich gegen vorsätzlich werkentstellende Früchte des so genannte Regietheaters, aber keines wegs gegen wohlgemeinte, aber bedauerlicherweise misslungene Ergebnisse, denn das kann jedem Regisseur ebenso passieren,wie einem Sänger eine Indisposition.

    offen, ob es neben "vorsätzlich werkenstellende Früchte(n)" oder "bedauerlicherweise misslungene Ergebnisse(n)" auch nicht-werkentstellende und gelungene Regietheater-Arbeiten gibt - die Formulierung legt dies jedoch nahe - und andererseits kann der Passus

    Obwohl es (noch) keine stichhaltige Definition des Begriffes Regietheater gibt, darf als konsensual vorausgesetzt werden, dass es sich dabei um die unqualifizierte Überbewertung der Regie gegenüber Dirigent und Sängern handelt [...].

    wohl kaum, wie von Herrmann behauptet, als "konsensual" angesehen werden, denn dann hätten wir den ganzen Schlamassel, will sagen die ganze Uneinigkeit ja nicht. Sicher, "die unqualifizierte Überbewertung der Regie gegenüber Dirigent und Sängern handelt" kommt - ob oft, oder selten - vor, aber sie kann kaum mit dem sogenannten Regietheater gleichgesetzt werden, sondern viel einfacher mit schlechter, eben misslungener Regie.


    Ebenso bezweifle ich weiterhin, dass die folgende Behauptung richtig ist:

    Zitat von Dr. Walter Herrmann

    Vielfach erlebt man Neudeutungen, mit denen sich sich ein geltungsbedürftiger Regisseur vom Werk entfernt und seine eigene Sicht jener des Komponisten und des Librettisten vorzieht, nicht selten auf provkante, selbstgefällige, geschmacklose, oft gar auf unappetitliche Weise, so dass das darzustellende Werk kaum oder gar nicht mehr erkennbar wird.

    Ja, es gibt derartige Auswüchse schlechter Regie, aber als regelmäßiger Operngänger und Beobachter der "Szene" kann ich das Vielfache nicht feststellen.


    Und schließlich halte ich auch die These, die Wurzeln des sogenannten Regietheaters, wie es Herrmann verstanden wissen will, lägen

    Eindeutung bei der aus der ehemaligen DDR und der sich stets zu ihr bekennenden Ruth Berghaus.

    für zumindest tendenziös, wenn nicht in dem von ihm konstruierten Zusammenhang für eine Frechheit. Richtig ist, dass Ruth Berghaus neben anderen, aber sicherlich prägend für eine tiefgreifende Modernisierung des Operntheaters steht.

    mfG Michael


    Eine Behauptung ist noch kein Argument, eine Meinungsäußerung noch kein Diskurs.

  • Wo liegen die Wurzeln des Regietheaters? Eindeutung bei der aus der ehemaligen DDR und der sich stets zu ihr bekennenden Ruth Berghaus.

    Von der Krolloper unter Otto Klemperer zur Zeit der späten Weimarer Republik hat der Autor noch nichts gehört? Die Rechten sprachen von "Kulturbolschewismus" angesichts der modernen Inszenierungen.

    So wie das bei Herrmann verabsolutierend dasteht, klingt das nach einem DDR-Bashing der untersten Schublade. Geht gar nicht.

    (Lieber Operus, ich habe bewusst im Zitat Herrmann angegeben, nicht Dich, damit niemand auf die Idee kommt, Du habest das selbst geschrieben.)

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • (Lieber Operus, ich habe bewusst im Zitat Herrmann angegeben, nicht Dich, damit niemand auf die Idee kommt, Du habest das selbst geschrieben.)

    Gute Idee :thumbup: Habe dies bei mir ebenso korrigiert.

    mfG Michael


    Eine Behauptung ist noch kein Argument, eine Meinungsäußerung noch kein Diskurs.

  • Liebe Freunde,

    nun nach dem einführenden, erklärenden Vorwort von Dr. Walter Herrmann noch die "7 Todsünden des Regietheaters"


    Die 1. Todsünde

    Mangelnder Respekt vor der Musik


    Die 2. Todsünde

    Mangelnde Demut vor Komponist und Werk


    Die 3. Todsünde

    Mangelnde Werkkenntnis


    Die 4. Todsünde

    Mangelnde Allgemeinbildung


    Die 5. Todsünde

    Zur Schau gestellte Befindlichkeit


    Die 6. Todsünde

    Die Verteufelung der Oper als Museum


    Die 7. Todsünde

    "Anders muss es sein - um jeden Preis


    Ich meine, mit meiner Fleißarbeit bei Zitat des Vorwortes und nun der Nachlieferung der 7 Todsünden genügend Stoff für die Diskussion geliefert zu haben. Die Arbeit von Dr. Herrmann ist - wie der Autor selbst ausführt - ein Plädoyer gegen das vorsätzlich werkentstellende sogenannte Regietheater. Die Regietheaterfreunde werden nun - und sie haben es bereits begonnen - gegen die Ausführungen des Autors Stellung nehmen und versuchen, diese zu widerlegen. Ich bin in gespannt, auf die weitere Diskussion, ob wir diese weitgehend auf der sachlichen Ebene führen können und welche erhellenden und weiterführenden Erkenntnisse wir daraus gewinnen können. Die Krönung - besonders auch für mich -

    wäre, wenn das Ergebnis zur Annäherung und teilweisen Übereinstimmung führen würde. Dann wäre endlich das Ziel der Diskussion erreicht, durch These und Antithese zur Synthese zu gelangen.

    Herzlichst

    Operus (Hans)







    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Mit dem Pamphlet von Walter Herrmann kann ich nichts anfangen. :no: Wann ist das denn erschienen? Auf mich wirkt es sehr altmodisch, provinziell und behäbig. Die Stoßrichtung ist unverhüllt klar und wurde schon in vorangegangenen Beiträgen erkannt - die ehemalige DDR als Quell des theatralischen Unheils, der Verrohung und der Unbildung. Gewiss hatte Ruth Berghaus, deren Verbundenheit mit der DDR ausdrücklich erwähnt wird, erheblichen und bedeutenden Anteil an der Erneuerung des Theaters in Ost und West. Sie war eine gesamtdeutsch agierende und verändernde Künstlerin. Die Wurzeln aber gehen - wie das Joseph II. bereits konkretisiert hat - viel tiefer, nämlich zur Krolloper vornemlich in der Weimarer Republik. In deren Verfassung wurde übrigens auch die Freiheit der Kunst prokalmiert, was ich wichtig finde.


    Einen mangelnden Respkt (1) vor der Musik kann ich im RT nicht erkennen - eine mangelnde Demut (2) vor Komponisten und Werken schon gar nicht. Was ist Demut? Sie beginnt für mich dann, wenn die Bemühungen um neue Deutungsansätze versagen. Demut, wie sie hier gemeint, ist eine Flucht in die Anbetung. Sie gehört nichts auf das Theater. Die Feststellung mangelnder Werkkenntniss und mangelnder Allgemeinbildung - als Todsünden 3 und 4 - halte ich für schlichte Unterstellungen, die nicht belegbar sind. Um auf die Berghaus zurückzukommen, die ich bei Vorträgen und Gesprächen erlebte. Ich staune heute noch darber, wie literarisch, musikliisch und philosophisch gebildet und des Wortes mächtig sie war. In fast allen Opern, die ich kenne, werden Befindlichkeiten (5) dargestellt. Sie müssen nicht von außen draufgesetzt werden. Die Verknüpfung von Oper und Museum (6) ist so alt wie das Gebirge und wird dadurch nicht stimmiger. Es gibt sehr gute und inspirierende Museen. Zugleich wünschte mir, manches Museum würde wie eine Oper inszeniert. Vielleicht bietet ja diese Umkehr eine Chance. Und schließlich bitte ich ausdrücklich darum, dass Oper immer anders (7) sein soll - und muss. Sonst würde niemand mehr hingehen. Man stelle sich vor, eine Oper würde an einem Haus immer in der selben Kulisse und Einrichtig gegeben - jahrein, jahraus. Am Ende würde niemand mehr hingehen - und die Oper wäre tot. Die Sänger und Besucher auch. ;)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Die Regietheaterfreunde werden nun - und sie haben es bereits begonnen - gegen die Ausführungen des Autors Stellung nehmen und versuchen, diese zu widerlegen.

    Ich fühle mich keinem der beiden "Lager" zugehörig. Jedes beansprucht mehr oder weniger explizit die alleinige Wahrheit für sich, ist eine Art Religion. Oder um es mit Ludwig Erhard zu sagen: Von Vereinsmeierei hielt ich noch nie was.

    Man stelle sich vor, eine Oper würde an einem Haus immer in der selben Kulisse und Einrichtig gegeben - jahrein, jahraus. Am Ende würde niemand mehr hingehen - und die Oper wäre tot. Die Sänger und Besucher auch.

    Da muss ich gerade an Bayreuth denken. Da stand man 1934 vor der Frage, ob man die mittlerweile 50 Jahre alte Parsifal-Inszenierung des Meisters selbst in der Form bewahren oder eine Neuinszenierung wagen solle. Die Bühnenbilder waren nämlich mittlerweile in einem solch desaströsen Zustand, dass die Verantwortlichen keine Garantie mehr dafür übernehmen wollten, ob sie überhaupt noch eine weitere Spielzeit überstünden. Winifred Wagner, seit kurzem Herrin des Grünen Hügels, entschied sich nach langem Für und Wider für eine Neuinszenierung. Der restliche Wagner-Clan lief Sturm und reichte beim neuen Reichskanzler Adolf Hitler eine Petition zur Erhaltung der alten Inszenierung ein. Der wies dies entrüstet zurück und war sich mit Winifred einig, dass Wagner selbst dies nie und nimmer befürwortet hätte, mit einer Inszenierung, die ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hatte, weiterzumachen. So kam es also zu einer Aktualisierung durch Heinz Tietjen, die man freilich kaum unter modernes Regietheater laufen ließe.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Und schließlich bitte ich ausdrücklich darum, dass Oper immer anders (7) sein soll - und muss. Sonst würde niemand mehr hingehen. Man stelle sich vor, eine Oper würde an einem Haus immer in der selben Kulisse und Einrichtig gegeben - jahrein, jahraus. Am Ende würde niemand mehr hingehen - und die Oper wäre tot. Die Sänger und Besucher auch. ;)

    Lieber Rüdiger, wenn ich die vielfältigen Diskussionen in diversen Threads richtig verfolgt habe, hat von den RT-Gegnern genau das niemand verlangt. Im Gegenteil, möchte ich behaupten. Gerade Gerhard hat immer wieder auf die Möglichkeiten, seien sie bühnenbildnerischer Art oder auch unter Einsatz technischer Mittel gut geheißen.


    Und was diesen Punkt hier angeht

    Die Wurzeln aber gehen - wie das Joseph II. bereits konkretisiert hat - viel tiefer, nämlich zur Krolloper vornemlich in der Weimarer Republik. In deren Verfassung wurde übrigens auch die Freiheit der Kunst prokalmiert, was ich wichtig finde.

    so kann ich Joseph II. und Dir nur zustimmen. Ich besitze ein Buch über Operninszenierungen, darin auch etliche aus der Krolloper, in denen aus der Zusammenarbeit zwischen Otto Klemperer und Ewald Dülberg (als Ausstatter) interessante bühnenbildnerische Formen zu besichtigen sind. Beeindruckt hat mich besonders ein rein kubistisches Interieur zum Fidelio. Das war damals, in den Zwanzigern, nicht jedem Theaterbesucher zu vermitteln, hat aber andererseits auch viele begeistert. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt war damals auch der Remscheider Teo Otto viel auf diesen oder ähnlichen Pfaden unterwegs. Leider kann ich das Dülberg-Szenenbild aus dem zweiten Akt Fidelio nicht hier einstellen.


    Ein anderes Beispiel, ebenfalls aus jenem Buch, zeigt ein interessantes Plakat für eine Carmen-Aufführung in Duisburg unter dem Dirigenten Berthold Lehmann. Das hätte ich auch gerne gezeigt, stammt es doch aus der Zeit nach 1945, könnte aber unter Copyright-Schutz fallen, was bei Dülberg nicht der Fall wäre.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ich muss leider Rüdiger zustimmen - ich kann damit nichts anfangen! Dazu müsste man nämlich erst einmal konkret analysieren, was die Aufgabe einer Theateraufführung ist. Der Regisseur ist ja Mittler zwischen Werk, Komponist/Librettist und Publikum und er muss das Problem der Zeit berücksichtigen, Zeitgebundenheit, Zeitbezogenheit gerade von Theater, anders als von Instrumentalmusik. In diesem Spannungsfeld ist der Werkbezug ein natürlich wichtiger Bezug. Ein Mittler muss sich als Mittler mit seiner Person immer selbst einbringen. Sonst funktioniert die Mittlerrolle nicht. Man denke an die Rolle des Schlichters in Tarifkonflikten. Da kommt es auf die Persönlichkeit des Schlichters an. Das RT vorzuhalten wie man es auch hier tut, halte ich deshalb schlicht für an der Sache völlig vorbeigehend. Man kann nicht nur das Werk isoliert sehen und alle anderen Bezüge außer Acht lassen. Respekt vor dem Werk, der Musik, alles schön. Aber wie realisiert sich das im Kontext aller Bezüge? Offensichtlich ist dieses Manko beim Musealen. Dann isoliert, hypostasiert man das Werk zu einem Pseudo-Zeitlosen in der Zeit und erweist Werk und Komponist letztlich einen Bärendienst: Erstarrung zur Leblosigkeit und langweiligen Wiederholung - in einer ewigen Wiederkehr des Gleichen.


    Schöne Grüße

    Holger