Lateinamerikanische sinfonische Werke

  • Hallo Freunde lateinamerikanischer Sinfonik,


    der Thread von Philhellene über Villa-Lobos vom 09.07.2005 hat mich bewogen diesen Thread zu starten. Da einzelne latenamerikanische Komponisten keine große Resonanz in diesem Forum haben werden, nun dieser allgemeine Thread zu diesem Thema in dem alle lateinamerikanischen Komponisten vorkommen.


    In den 70er Jahren hatte ich mir eine CBS-LP mit latenamerikanischer Musik mit Bernstein / New Yorker PH gekauft / später auch auf CD bei SONY.
    :) Inhalt waren relativ kurze sinfonische, tänzerische und rhythmische Stücke, die mir schon damals „die Socken ausgezogen“ haben:
    Es waren Werke von Villa-Lobos: Bachinas Nr.2, Moncayo: Huapango,
    Revueltas: Sensemaya, Carlos Chavez: Sinfonia India (Sinf.Nr.2) und dem amerikaner Copland: Cuban Ouvertüre.

    Das war der Beginn einer neuen Musikwelt die für mich seit dieser fantastischen CBS-Bernstein-LP wegbereitend war. Ich mußte und wollte andere CD´s und Werke dieser Komponisten kennenlernen.


    1.) Die erste CD war von NAXOS und damit mein erster positiver Kontakt mit dem mexikanischen Dirigenten Enrique Batiz, der für diese Werke der beste Sachwalter ist.



    Lateinamerikanische Musik
    Ginastera:Malambo
    +Chavez:Sarabanda para cuerdas
    +Moncayo:Huapango
    +Revueltas:Sensemaya
    +Ponce:Estrellita
    +Villanueva
    +Villa-Lobos:El Trenecito (aus Bachianas Nr. 2)
    +Rosas:Sobre las olas
    +R. Halffter:Obertura Festiva
    +Galindo:Sones de Mariachi
    Mexico Festival Orch.,Batiz


    2.) Carlos Chavez (1899 - 1978 )ist einer der großen Namen aus der südamerikanischen Welt.
    Seine Sinfonie Nr.2 = Sinfonia India ist ein TOP-Beispiel für eine hochinterantes, farbig instrumentiertes Werk (Spieldauer 12Minuten), das kaum einer besser dirigiert hat als Bernstein. Aber ich wollte danach alle Sinfonien von Chavez hören. In dieser TOP-Aufnahme 2CD-VOX-Box mit Eduardo Mata sind alle 6Sinfonien enthalten, die einen kontrastreich in eine geheimnisvolle Welt entführen – Höchstempfehlenswert.


    3.) Auf der weiteren Suche stolperte ich über den Komponisten Alberto Ginastera (1916 - 1983) (siehe unter 1.), der moderner tönt als die anderen.
    Seine Klavierkonzerte Nr.1 und 2 und das Harfenkonzert, das alles andere als zart besaitet ist, haben es mir absolut angetan und die Estancia-Suite, aus der der Satz Malambo stammt, ebenfalls. Hier kommen percussive Klänge und Stimmungen zum Einsatz, die absolut neu und fastzinierend sind. Hier ist die ASV-CD mit Batiz allerbeste Wahl und die NAXOS-CD von 1999 mit föllig unbekannten Solisten mit beiden Klavierkonzerten überraschend sehr gut.


    Klavierkonzert Nr. 1 op. 28 +Harfenkonzert op. 25;Estancia-Suite
    Tarrago, Allen, Mexico City Orch.,Batiz



    Klavierkonzerte Nr. 1 & 2 (opp. 28 & 39)
    Marinis, Slovak RSO, Malaval


    Wer kennt diese Edelsteine der Musikgeschichte ???
    Ich werde noch weiteres über lateinamerikanische Musik berichten !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo!


    die moderne lateinamerikanische Klassik ist sehr schön und leider recht schwer zu bekommen - jedenfalls Stücke neben dem Mainstream.


    Die Bachianas Brasilieras von Villa-Lobos gefallen mir ausgesprochen gut. Und von Ginastera gibt es noch ein recht modernes, aber interessantes Violinkonzert.
    Sehr rhythmisch sind die Werke der Mexikaner (Chavez ist somit kein Südamerikaner). Neben den schon oben genannten gibt es noch ein tolles Werk von Revueltas: La noche de los Mayas. Chavez hat ein phänomenales Violinkonzert geschrieben, das in einer super Aufnahme mit Szeryng vorliegt. Auch gut: Das Violinkonzert von Manuel Ponce.
    Feine Violinkonzerte aus Lateinamerika gibt es noch von Cesar Guerra-Peixe und Jose de Almeida Prado hat zur 500-Jahr-Feier von Brasilien ein interessantes Stück mit Namen "Ore Jacytata" geschrieben.
    Aus Chile ist immerhin das Violinkonzert von Carlos Riesco Grez der Erwähnung wert.
    Lee Holdridge wurde 1944 auf Haiti geboren, lebt jetzt in den USA (oder so). Ich zähle ihn jetzt mal trotzdem zur Mittelamerika-Front: Tolles Violinkonzert, leicht im Zugang, hat Filmmusikcharakter.
    Eine echte Empfehlung für schöne zeitgenössische Klassik aus Uruguay ist Miguel del Aguila. Kommerzielle Aufnahmen gibts nicht so viele, sollte man sich aber gönnen.


    Und für die echten Sinfoniker hier: Es gibe eine schöne Doppel-CD aus Brasilien mit Sinfonien von Edino Krieger, Ronaldo Miranda, Egberto Gismonti und Jorge Antunes.


    Gruß,

  • Trotz meiner Villa-Lobos-Liebe bin ich, was die anderen Lateinamerikaner angeht, nicht wirklich sattelfest. Einzig und allein die "Misa Criolla" und "Navidad Nuestra" von Ariel Ramírez kenne ich noch ziemlich gut, aber da ist ja, glaube ich, schon die "Klassizität" umstritten. :D


    Ich muss mich in dieses Gebiet aber unbedingt vertiefen (wenn alle so gut sind wie Villa-Lobos...), nur: Zeit und Geld brauchte man eben, und die sind meistens indirekt proportional zueinander...

  • Hallo van Rossum,


    die von Dir genannte Violinkonzerte von Ginastera und Emanuel Ponce mit Henryk Szering als Solist habe ich auch in der ASV-CD-Serie MUSIKA MEXICANA.
    Die ASV-CD-Reihe mexikanischer Orchesterwerke mit dem TOP-Dirrigenten Enrique Batiz ist höchstempfehlenswert. Ich habe mehrere CD´s aus dieser Reihe - alle TOP. Darin sind auch die Super-Aufnahme von Revueltas: Die Nacht der Mayas enthalten.

    Ponce:Violinkonzert
    +Chavez:Symphonie Nr. 2 "Sinfonia India" (eine der besten Aufnahmen des Werkes neben Bernstein/CBS)
    +Revueltas:La Noche de los Mayas

    Szeryng, Royal PO, Batiz
    und
    Chavez:Sinf. de Antigona;Sym. Nr. 4 "Romantica"
    +Revueltas:Caminos; Musica para Charlar;
    Ventanas

    Royal PO, Orquesta Filarmonica de la Ciudad
    de Mexico, Batiz


    :) Auch diese NAXOS-CD von Revueltas: Die Nacht der Mayas
    ist sehr gut gelungen, wenn auch hier Batiz vorzuziehen ist. Hier ist auch eine TOP-Version von Sensemaya enthalten.
    Das muß man gehört haben - nicht nur immer Haydn+Co :stumm:

    Die Nacht der Mayas
    +La Coronela;Sensemaya

    Aguascalientes SO, Barrios

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    genau das richtige Thema für den Sommer (ich bereite etwas Ähnliches vor, lass dich überraschen).


    Von den genannten Komponisten ist mir einige Male Ginastera aufgefallen, und von ihm die wahrhaft feurige Klaviermusik, die ich sehr gern höre. Eine berühmte Aufnahme gibt es mit Argerich.


    Viele Grüße,
    Walter



  • Da muß ich mich mal outen.


    Es ist keine sinfonische Musik und begründen kann ich es auch noch nicht, schwöre aber schon seit Jahren auf diese Aufnahme:



    Dazu wird das gute Stück diesen Winter noch an 2 Bühnen aufgeführt :]


    Sophia

  • Liebe Freunde und Freundinnen,


    Beim schwedischen Nationallabel BIS ist folgende CD erschienen:



    Heitor Villa-Lobos, Bacchianas Brasileiras Nr. 2-4


    Sao Paulo Symphony Orchestra, Roberto Minczuk


    In der BIS-Werbung wird die CD als Vol. 1 bezeichnet. Man darf also auf eine Gesamtaufnhame der Bachianas Brasileiras 1-9 hoffen?
    Die gibt es bisher nämlich nicht. Man müsste sie sich zusammenkaufen, was nicht so einfach ist.


    Gruß
    yarpel

  • Ich habe mir jetzt - nachdem ich im Harenberg Konzertführer zu meiner leichten Bestürzung gelesen habe, Hendricks stünde de los Angeles in nichts nach - die Amazon-Tonbeispiele der Bachianas Brasileiras Nr. 5 mit Barbara Hendricks angehört. Ich muss allerdings sagen, dass ich dieser Aussage nicht völlig beipflichten kann.
    In der Ária (Cantilena) gefällt mir die Vokalise bei Victoria de los Angeles viel besser, weil ihre Stimme weniger Vibrato hat und mir daher für diese instrumentale Behandlung der Stimme besser gefällt. Leider ist die Rezitation des Gedichtes von Ruth Valadares Corrêa nicht mehr am Amazon-Tonbeispiel, das wäre nämlich eine Stelle, wo Hendricks Victoria de los Angeles eventuell übertrumpfen kann.
    In der Danca (Martelo) gefiel mir Hendricks zu Beginn des Tonbeispiels besser, weil sie weniger hektisch klingt, dann aber (dünkt mich) fällt sie sehr rapide ab und ist im letzten Drittel sehr schwach.
    Vielleicht aber liegt das auch an der Qualität dieser Tonbeispiele...


    Ich besitze ja die Aufnahme unter Villa-Lobos' eigenem Dirigat und habe einen Hauptkritikpunkt: Die tiefen Streicher des Orchestre National de la Radiodiffusion Francaise klingen - besonders in den Nr. 9 - irgendwie merkwürdig bis unschön, keine Ahnung, woran das liegt.

  • Vielleicht nicht Sinfonik im striktesten Sinne aber definitiv erwähnenwert:


    Ich hatte vor einiger Zeit die Gelegenheit in die CD "Aguirre" von Los Otros hineinzuhören, und fand sie einfach wunderschön. Die darauf enthaltenen Werke stammen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, aus einer Sammlung über 100 Werke anonymer Komponisten aus Mexiko, der Karibik, Zentralamerika und Spanien, die der mexikanische Kopist Sebastián de Aguirre (ca. 1680 - 1730 (?)) erstellt hatte.


    Gruß


    katlow

  • Hallo,


    gerade eben habe ich entdeckt, dass alle acht CDs der Reihe "Musica Mexicana" von Enrique Batiz (einge wurden schon weiter oben erwähnt) bald bei Brilliant neu erscheinen werden. Bei amazon.fr wird der 07.10.2007 als Veröffentlichungsdatum genannt.



    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Mir haben die Aufnahmen mit dem leider viel zu früh bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Eduardo Mata am besten Gefallen, u.a. weil die lateinamerikanische Rhythmik her viel treffender und präziser realisiert wurde - vor allem europäische Orchester spielen hier oft zu verwaschen.


    Da gab es eine ganze Reihe CDs bei Dorian - ich weiss leider nicht, was davon noch lieferbar ist. Vielleicht hat jemand Zeit, es nachzusehen ... :)

  • Liebe Freunde lateinamerikanischer Musik,


    heute habe ich eine CD in meinem CD-Schrank wiederentdeckt, die falsch (unter Varese) einsortiert war. ;( Ich hielt sie schon für verschollen und wollte das enthaltene Chavez-Werk neu bestellen.



    Es ging mir um Carlos Chavez: Toccata für Schlaginstrumente


    auf dieser ungarischen CD mit der Amadina Percussion Group:



    Hungaroton, 1994, DDD



    :hello: Wer kennt den Schlagzeugwahnsinn ?
    Das ist Gänsehaut pur !



    OT:
    Der Cage-Blödsinn 4´33" hat nun nichts mit lateinamerikanischer Musik zu tun - aber trotzdem Interessant: Auf der CD wird dieses "Werk ohne Töne" in der Länge 4:33 dargestellt, indem man einfach Umweltgeräusche, wie Kirchenglocken, Vogelgezwischere und Autofahrgeräusche wiedergibt.
    Der Rest der CD ist Klasse.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Merkwürdige Kombination - dachte ich erst - besonders, da Du ja auf Cages 4'33" hingewiesen hast.


    Allerdings sind Varèse und Cage Komponisten, bei denen das Schlagzeug eine besonders wichtige Rolle spielt (bei Chavez kann ich das weniger beurteilen). Und alle drei sind aus Amerika.


    Sind vielleicht Cages "Constructions in Metal" auch auf der CD?

  • Hallo kurzstückmeister,


    die Kombination der Stücke auf der Cd ist eigendlich ganz sinnvoll; nur 4´33 gehört da nicht rein, da ja hier nix gespielt wird :no:.


    Chavez´s Werke sind ebenfalls zahlreich von reichhaltigem Schlagwerk gekennzeichnet. Das ist mit ein Grund warum ich den Komponisten Chavez ganz besonders von den Südamerikanern schätze.


    **** Mein :jubel: Lieblingswerk von Chavez: Sinfonia India (Sinf.Nr.2)am Besten mit Bernstein / New Yorker PH.




    OT:
    Cages "Constructions in Metal" kenne ich nicht, die Werke heissen auf der CD
    Third Construction und Double Musik (beide von 1941).

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ah, google spricht:


    First Construction (in Metal) - ursprünglich "Construction in Metal"
    Second Construction
    Third Construction


    Also stimmt es schon - auf der CD ist eines der Werke aus Cages Schlagzeug-Phase.


    Bei Chavez ist mein Geschmack natürlich genau andersherum.
    :D
    Die Sinfonien 1 und 3 haben mir sehr gut gefallen, der 2. konnte ich noch nicht so viel abgewinnen, die fand ich eher langweilig.
    :hello:

  • Hier kann man alle kennenlernen - was ich nach einmaligem Durchgang dann doch mal wieder plane ... :)



    Meines Erachtens sticht die zweite heraus, was eine gewisse Eingängigkeit, strukturelle Einfachheit, Kürze und - wohl vor allem - den Bekanntheitsgrad anbetrifft. Das heißt aber nicht, dass es sich nicht lohnen dürfte, sich mit den oft längeren, komplexeren, strukturell dichter gearbeiteten, quasi klassischeren anderen Sinfonien zu beschäftigen. Vielleicht sollte ich mit den beiden Vorschlägen des KSM wieder beginnen.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo WolfgangZ und KSM,


    die Sinfonien - GA mit Mata hatte ich ja schon im ersten Beitrag abgebildet.


    Ich kaufte mir diese, weil ich von der Bernstein-CBS-Aufnahme der Sinfonie Nr.2 (Sinfonia India) so begeistert war.
    Die anderen Sinfonien von Chavez wollte ich danach auch unbedingt kennenlernen und erhoffte mir von diesen ähnliche rhythmische und feurige Sätze.
    Ich wurde jedoch damals - es wird Mitte der 90er gewesen sein - zunächst sehr enttäuscht, weil kaum eine andere Sinfonie von Chavez so eine lebenssprühende Aussagekraft hatte wie die Sinfonie India. (Von daher wundert mich KSM´s Aussage sehr, das er irgendwelche Langeweile bei der 2 verspürt - ich jedenfalls überhaupt nicht !)
    Die anderen Sinfonien sind teils sehr ruhig und ernst; ganz anders als die geliebte INDIA, weil sie langweiliger wirkten. Daraus resultierte zunächst die Enttäuschung.
    :yes: Nachdem ich das Textheft gelesen hatte, wurden mir die Hintergründe klarer und mit der Zeit fand ich auch Zugang zu den anderen Sinfonien, die in ihrer Komplexität wesentlich höhere Ansprüche an den Hörer stellen.


    :hello: Mit WolfgangZ möchte ich einstimmen:
    Diese Werke muß ich auch mal wieder hören.
    ;) Aber ab meiner Vorliebe für mein Chavez-Lieblingswerk - der Sinfonia India, wird das nichts ändern.
    Die Mata-Aufnahme ist übrigens eine der wenigen dieses Werkes, die mit der Spitzen-Bernstein-Aufnahme mithalten kann. Bernstein bringt noch etwas mehr lateinamerikanischen Pepp mit ein - das hatte er voll drauf.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo, Wolfgang "teleton"!


    Zitat

    Original von teleton
    die Sinfonien - GA mit Mata hatte ich ja schon im ersten Beitrag abgebildet.


    Richtig! Sorry! Ich kann es eigentlich nicht leiden (auch in Seminaren oder in der öffentlichen Diskussion passiert das am laufenden Band), wenn man das als Neuigkeit verkauft, was sich einen halben Meter vorher längst eingefunden hat.


    Aber Schwätzen macht halt mehr Spaß als Zuhören!


    Im Übrigen sehe ich es auch so, dass die "Sinfonia India" an unmittelbarer Wirkungskraft heraussticht. Doch das will man ja nicht immer hören.


    :) Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Im direkten Vergleich habe ich Batiz und Mata gehört - die Rhythmik, für mich das A & O dieser Stücke, kommt bei Mata prägnanter. Dazu kommt, daß man mit Matas Dorian CDs eine hervorragende Anthologie bedeutender Orchesterwerke bekommt:




    ... und hier nochmal das 3er Box Set:

  • Aus meiner Sicht kann ich kaum verstehen, dass dieser Thread fast 10Jahre unangetatstet bleibt ... 8) da könnte ich in einer Woche 10 Beiträge anfügen ...


    Dieser Thread steht für Komponisten wie Chavez, Revueltas, Villa-Lobos, Ginastera ... um nur einige wichtige Namen zu nennen.

    Eine CBS-LP mit Bernstein hatte meine Begeisterung für die lateinamerikanische Musik ausgelöst. Später erscheinen diese Aufnahmen auf einer SONY-CD ... aber das wichtigste Werke = die Sinfonia India von Chavez war nicht dabei. Statt dessen ein Werk von Villa-Lobos, das bis heute so ganz und gar nicht in meinen Geschmacksrahmen fällt und gar nicht zum restlichen Repertoire auf der CD passt = die Bachianas Brasileiras Nr.5.


    Es ist diese schöne SONY-CD, auf der die Sinfonia India fehlt und der Grofe fehl am Platze:

    61GiJeWOYRL._SX300_.jpg

    SONY, 1961-63, ADD


    Zum Glück war bei meinem Kauf die "richtige" CD mit passendem Repertoire (dem gleichen Inhalt wie meine CBS-LP) nun auch preislich in normale Regionen gerückt. Leider jetzt wieder zu Mondpreisen ...

    :) Bernstein brennt hier ein südamerikanisches Feuer ab ... fantastic


    51XtDrgDd-L._SY300_.jpg

    SONY, 1961-63, ADD



    Nicht falsch verstehen, die restlichen Bachianas Brasileiras Nr.1-4 und 6-9 von Villa-Lobos mit den verschiedenen Soloinstrumenten, sind hochgeschätzes Reperoire meinerseits und hier in der Aufnahme mit Enrique Batiz und dem Royal PO eine richtige Entdeckung (für den der diese noch nicht kennt).

    Die 3CD-Box habe ich noch in der ursprünglichen EMI-Ausgabe (:P mit schönerem Cover).


    - neue CD-Version der ehemaligen EMI-Aufnahmen - jetzt zu haben für einen Lachpreis für die 3CD-Box -

    WARNER/EMI, 1985-1986, DDD




    Die CD-Serie MUSICA MEXICANA über 9 CD´s vom ehemaligen Label ASV wurde von Brillant in eine CD-Box übernommen (siehe Original-CD´s in Beitrag 2). Diese war für kleines Geld zu haben und ist unter der Leitung des Spezialisten für dieses Repertoire Enrique Batiz gewesen.

    Diese Brillant-Box ist bei amazon nicht mehr zu finden ... dafür die alten ASV-CD´s ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Gabriela Montero, die venezuelanische Pianistin, hat ein erstes Klavierkonzert geschrieben, das "Latin Concerto". Da sie es als Piano Concerto Nr. 1 tituliert, sollen wohl noch weitere folgen. Das knapp halbstündige, dreisätzige Werk wird seinem Namen voll gerecht und bewegt sich irgendwo zwischen Ravel, Villa-Lobos und Bernstein. Die Themen sind vielleicht nicht alle 100% originell, aber das ganze zündet doch ziemlich gut und der Klavierpart ist erwartungsgemäß hoch virtuos. Um es mit teleton zu sagen, das ist "Hörspaß pur".
    Als Beigabe gibt es Ravel G-major, Platz wäre auch noch locker gewesen für Ravels linke Hand, das müsste der Pianistin eigentlich doch besonders gut liegen.


  • Mozart Camargo Guarnieri (1907-1993)

    Symphonie Nr. 1

    Sao Paolo SO

    John Neschling


    Wenn man mit diesem Namen geboren wird, kann man natürlich nur Komponist werden. Wenn man dann noch von Charles Koechlin und Nadja Boulanger ausgebildet wurde, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.


    Die 1. von sieben Symphonien schrieb Guarnieri 1944 und widmete sie Serge Koussevitzky. Ob der sie jemals aufgeführt hat, verrät das Booklet nicht. Es hätte ihm jeden falls zur Ehre gereicht. Ein Pendant zu dem nord-amerikanischen Trio Copland/Schuman/Harris halt nur mit südamerikanischer Rhythmik und Melodik. Bei allem schaut Papa Stravinsky regelmäßig über die Schulter. Einfach Klasse:thumbup:




    FonoForum 04 / 04: "Guarnieri schreibt eine durchaus sinnliche Musik, die gehört werden will und den Hörer auf Anhieb reichlich belohnt - vor allem wenn, wie in den vorliegenden Einspielungen, ganz auf den Vorgang des Musikmachens abgehoben wird."

  • Die 1. von sieben Symphonien schrieb Guarnieri 1944 und widmete sie Serge Koussevitzky. Ob der sie jemals aufgeführt hat, verrät das Booklet nicht. Es hätte ihm jeden falls zur Ehre gereicht. Ein Pendant zu dem nord-amerikanischen Trio Copland/Schuman/Harris halt nur mit südamerikanischer Rhythmik und Melodik. Bei allem schaut Papa Stravinsky regelmäßig über die Schulter. Einfach Klasse :thumbup:

    Ja, das glaube ich, lieber Lutz.


    Auch das Sao Paulo SO / John Neschling sind mit als ausgezeichnete Interpreten bei Villa - Lobos (Bachianas und Choros) bekannt; das Ganze im TOP _ BIS- Sound.

    *** Die 6 Sinfonien von Camargo Guarnieri kommen auf meine Einkaufsliste, denn das dürfte genau meine Musik sein ...

    Mein lateinamerikanischer Zugang wurde zuerst geprägt von der fabelhaften SONY-CD (damals auch auf LP) mit Bernstein (Abb zwei Beiträge höher in Beitrag 21). :saint: Besonders Revueltas Sensemaya und Chavez Sinfonia India hatten mir schon damals "die Socken ausgezogen".

    Diese lateinamerikanische Musik wurde eindrucksvoll in der ASV -CD_Serie Musica Mexicana (die heute gesammelt auf Brillant verfügbar ist) erweitert. Dieser Thread zeigt einiges daraus !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Obwohl hier schon des Öfteren Heitor Villa-Lobos (1887-1959) genannt worden ist, möchte ich doch gerne auf Isaac Karabtchevskys NAXOS komplett Einspielung sämtlicher Sinfonien hinweisen. Sowohl Dirigat, Orchesterspiel und Klangqualität lassen das Ganze zu einem großen Genuss werden. Das São Paulo Symphony Orchestra darf durchaus zu den führenden Ensembles Südamerikas gezählt werden, die hohe Orchesterkultur ist mir auch von anderen Aufnahmen bekannt gewesen.

    Wer sich einlässt, wird Villa-Lobos umfangreiche, oft farbige Orchestrierung und manchmal auch das Temperament Brasiliens hören. Üppige Orchesterwogen mit grandiosen Steigerungen werden im Wechsel zu ruhigen, melancholischen Abschnitten geradezu hingebungsvoll musiziert, das Orchester bedient dies alles mit großer Selbstverständlichkeit.

    Nicht zu vergessen ist der São Paulo Symphony Choir. Ein Chor der seinen Part homogen, pointiert und wenn nötig mit ausgiebiger Durchschlagskraft singt, für mich immerwieder eine Freude diesem Chor zuzuhören.

    Die Sinfonien wurden in der 'Sala São Paulo' aufgezeichnet, einem akustisch hervorragendem Konzertsaal, ich war selber mal vor Ort und kenne um die Qualität des Raumes.



    Heitor Villa-Lobos (1887-1959)


    Symphonien 1-4, 6-12

    Uirapuru

    Mandu-Carara


    São Paulo Symphojy Orchestra & Choir

    Issac Karabtchevsky


    Naxos / 6CDs / DDD / 2011-2017

  • denn das dürfte genau meine Musik sein ...

    Das glaube ich auch.:)

    Diese lateinamerikanische Musik wurde eindrucksvoll in der ASV -CD_Serie Musica Mexicana (die heute gesammelt auf Brillant verfügbar ist) erweitert.

    Leider ist diese Box vergriffen.:(


    Mitte März bring Brilliant allerdings eine 3 CDs umfassende Box mit 9 Symphonien des equadorianischen Komponisten Luis Umberto Salgado heraus. Alles Ersteinspielungen. Bin gespannt.


    5028421962566.jpg

  • Da unterstreiche ich gerne jedes Deiner Worte, werter Apollon! Das gilt auch dann noch, wenn die Bachianas Brasileiras und vor allem die Choros diejenigen Werke sein dürften, die sich dem Hörer noch stärker aufdrängen, will er das spezifisch Brasilianische der Musik von Heitor Villa-Lobos erfahren.


    Allerdings kenne ich die neuere Sammlung der Sinfonien nicht, sondern besitze die ältere:



    (Da ich nicht Garaguly heiße - kleiner Scherz, ausschließlich freundlich gemeint -, mein Interesse aber so breit aufgestellt ist wie seines - Vokales wahrscheinlich weniger, Modernes wahrscheinlich mehr -, möchte ich mir die Kompilation aus Sao Paulo nicht auch noch zulegen. Das könnte natürlich ein Fehler sein ...)


    Irgendwie bedauerlich und quasi eine Freud'sche Fehlleistung, dass die Fünfte verschütt gegangen ist. Nach Krieg und Sieg halt doch kein Frieden ...


    Uirapuru ist eine sehr markante Nummer - Mandu-Carara mir allerdings unbekannt ... 8-)


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Vollkommen ausreichend, lieber WolgangZ. :)


    Die cpo Edition war jahrelang der einzig mir bekannte Zyklus überhaupt, und trotzdem hat mir das sinfonische Schaffen Villa-Lobos erst so richtig Karabtchevsky eröffnet. Aber ehrlich gesagt, ist das meine subjektive Meinung und daher nicht so wichtig.


    Das eher bekannte Werk Villa-Lobos liegt mir in folgender Einheit vor:



    Eine hervorragende Gesamtaufnahme der Bachianas Brasileiras und die der Choros. Auch hier vortreffliche Orchesterkultur, sicheres Formgefühl für die art Musik und das alles eingebettet in wunderbarer Klangqualität.


    Villa-Lobos hat auch ausgezeichnete Chor-Transkriptionen geschrieben...Upps, ich vergaß! Gesang war ja nicht so angesagt....;).


    Grüße

    Apollon

  • So ist es. Und die Gitarrenstücke sind noch (angeblich komplett) mit dabei.


    Ich habe kein Problem mit Gesang. Geistliches und Lieder etwas häufiger als Oper. Und alles drei kommt halt zu kurz, weil mich anderes mehr interessiert. (Aber eigentlich interessiert mich alles, auch Jazz unbedingt.) Das ist eine Zeit- und damit letztlich Lebensfrage ...


    NB und unwichtig: Die Herren Whitacre und Rutter kenne ich ausschließlich mit Chormusik. Das ist nicht unattraktiv - Rutter ein wenig vorhersehbar - Whitacre auch, merke ich gerade :stumm: -, aber es hat halt seine Tage und die waren gestern und heute nicht ...

    :/


    Doch wenn wir schon dabei sind: Ganz hervorragend, mitreißend finde ich die Choros X. Das geht nicht ohne genau den Gesang, der zu hören ist. ;)^^ Habe ich schon sehr oft gehört in drei (vier?) verschiedenen Einspielungen, die sich verblüffend unterscheiden.


    :thumbup: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!