Derzeit im Spielplan: Die als am schmerzlichsten empfundenen Regietheater-Inszenierungen

  • Meine Top 5 der leider noch im Spielplan befindlichen Regietheater-Inszenierungen:


    1.) Hänsel und Gretel in Dresden - eine Verballhornung allererster Güte, die holde Regisseuse Thalbach nimmt nichts ernst an dem Werk, verulkt es auf Teufel komm raus und schafft Bilder, die komplett verquer zur hochromantischen Partitur stehen
    2.)Faust an der MET - Angekommen im Atomzeitalter, Völker hört die Parole und im Walzerschritt schwingen die Labormäuschen
    3) Lohengrin in Bayreuth - da erübrigt sich nun wirklich alles, eigentlich sollte ich über diese Clownerie den Mantel des Vergessens breiten, jeder Tipp in die Tastatur ist zu viel
    4.) Der Barbier von Sevilla in Düsseldorf - Biena Maja, Thekla, Flipp, alle sind sie da, Hoppsa, Heißa, Trallala - nur Rossini geht dabei baden
    5.) Rusalka in München - wie beklemmend, wie feinfühlig: Missbrauch und Tierkadaver, so haben sich Dvorak und Kvapil ihre Märchenoper gedacht


    Die Liste lässt sich bedauerlicherweise ausdweiten bis Nummer 1.000, aber diese Aufmerksamkeit würde den Herren und Damen "Ich metzle eine Oper" womöglich noch gefallen.


    Hm, man könnte ein Voting veranstalten und die drei ultimativ von uns als am widerlichsten empfundenen Regietheaterinszenierungen wählen und dann im Namen von tamino einen Preis verleihen. Und das dann auch der Presse mitteilen....


    Wolfram: Ich kann mir lebhaft vorstellen wie Du Deinen Gegenentwurf zu diesem Threat nennst. :)

  • Hallo Knusperhexe,


    folgende Frage, die ich vollkommen ironiefrei und ohne jeglichen Hintergedanken stellen möchte (aufgrund der aktuellen Diskussionen zum Thema erscheint diese Klarstellung notwendig :angel: ):


    Muss man die jeweils nominierten Inszenierungen selber vollständig gesehen haben?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Macbeth: Dritter Akt - Der Vorhang geht auf, die Hexen stehen in Unterhosen an der Rampe, daneben Kochtöpfe. Irgendwann tritt eine der dicken älteren Damen nach vorne, kniet sich über einen Kochtopf und beginnt hinein zu urinieren, Die anderen Hexen tun es ihr nach - teilweise auf den Boden, teilweise in die Kochtöpfe. Die Sänger, v.a. die Lady dürfen sich später in den Pfützen suhlen. Das werde ich nie vergessen. Niemals!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Hallo MSchenk,


    wenn es geht, ja. Ich konnte den "Faust" aber nur bis Ende 1. Akt ertragen, danach musste ich mich angeekelt aus dem Sitz schälen.


    Beste Grüße,
    Knuspi

  • Zitat Figaroo:

    Zitat

    Macbeth: Dritter Akt - Der Vorhang geht auf, die Hexen stehen in Unterhosen an der Rampe, daneben Kochtöpfe. Irgendwann tritt eine der dicken älteren Damen nach vorne, kniet sich über einen Kochtopf und beginnt hinein zu urinieren, Die anderen Hexen tun es ihr nach - teilweise auf den Boden, teilweise in die Kochtöpfe. Die Sänger, v.a. die Lady dürfen sich später in den Pfützen suhlen. Das werde ich nie vergessen. Niemals!


    Ob es wirklich noch Zuschauer/hörer gibt, denen so etwas gefällt und noch Beifall klatschen???

    W.S.

  • Macbeth: Dritter Akt - Der Vorhang geht auf, die Hexen stehen in Unterhosen an der Rampe, daneben Kochtöpfe. Irgendwann tritt eine der dicken älteren Damen nach vorne, kniet sich über einen Kochtopf und beginnt hinein zu urinieren, Die anderen Hexen tun es ihr nach - teilweise auf den Boden, teilweise in die Kochtöpfe. Die Sänger, v.a. die Lady dürfen sich später in den Pfützen suhlen. Das werde ich nie vergessen. Niemals!


    Na, lieber Figarooo, dann hast Du doch ein vergessliches Opernerlebnis empfangen!


    Die Besucher der Uraufführung der Salome sollen übrigens ähnlich entrüstet gewesen sein. Von der Lulu ganz zu schweigen.


    :hello:


  • Na, lieber Figarooo, dann hast Du doch ein vergessliches Opernerlebnis empfangen!


    Die Besucher der Uraufführung der Salome sollen übrigens ähnlich entrüstet gewesen sein. Von der Lulu ganz zu schweigen.


    :hello:


    Lieber Wolfram,
    auf dieses Erlebnis hätte ich liebend gerne verzichtet, dass kannst du mir glauben!
    Ich frage mich allerdings, ob du eine derartige Szene wirklich verteidigen willst und wenn ja warum....? ?(

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Lieber Figaroo,


    auch ich kann liebend gerne auf ein vergessliches (!!) Opernerlebnis verzichten. Zwar könnte man den Unsinn auf der Bühne leicht vergessen, aber das nutzlos zum Fenster hinausgeworfene Eintrittsgeld und den Ärger, den man mit nach Hause nimmt, vergisst man sicherlich nicht so leicht.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Also, mir gefällt die Beschreibung des Macbeth, zumindest scheint mir das mal wenigstens was Anderes zu sein als das verstaubte Immergleiche. Warum nicht mal was Verrücktes und Gewagtes? Ich nehme in der Oper nicht Alles so ernst; da kann es auch mal krachen, und da dürfen Hexen auch ruhig mal in Kochtöpfe urinieren (ich weiß übrigens gar nicht, worein die sonst urinieren).


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Jaja, Opas Opernmuseum ist grezenlos verstaubt. Deswegen brauchen wir Hexenurin um kräftig durchzuspülen!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Also, mir gefällt die Beschreibung des Macbeth, zumindest scheint mir das mal wenigstens was Anderes zu sein als das verstaubte Immergleiche.


    Bitte sag mir doch mal, wo es einen bzw. viele "verstaubte/n" Inszenierungen von Macbeth zu erleben gibt? Du scheinst den oder die ja bereits oft gesehen zu haben. Bitte um genaue Angaben, da ich ihn mir umgehend auch anschauen möchte!!!!! Herzlichen Dank!!!!!

  • Ich habe eine Macbeth DVD aus der Deutschen Oper Berlin mit Sinopoli als Dirigent, die m ir szenisch und vor allem sängerisch sehr gut gefällt. Ich glaube aber nicht, das diese Inszenierung noch auf dem Spielplan der Deutschen Oper Berlin ist. Und wenn die Hexen nicht in den Kochtopf uriinieren, ist ja auch noch die Bühne da.

  • Na, lieber Figarooo, dann hast Du doch ein vergessliches Opernerlebnis empfangen!


    Lieber Wolfram,


    das war kein Beitrag. Deine Diskussion geht geht völlig an den Tatsachen vorbei. Was ist Deine persönliche Meinung dazu?? Ich vermisse auch Deine persönliche Meinung zu Rattengrin und Biogastannhäuser. Kannst Du nur Verallgemeinern und sarkastisch antworten oder solltest Du tatsächlich keine persönliche Meinung haben??????


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich nehme in der Oper nicht Alles so ernst; da kann es auch mal krachen, und da dürfen Hexen auch ruhig mal in Kochtöpfe urinieren (ich weiß übrigens gar nicht, worein die sonst urinieren).


    Wenn Du die Oper als Spaßelement auffassen solltest, dann wäre Kasperletheater sicher die unterhaltsamere Kunstform. Sonst kann ich Deinen Beitrag nicht ernst nehmen.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat Uwe Schoof:

    Zitat

    Also, mir gefällt die Beschreibung des Macbeth, zumindest scheint mir das mal wenigstens was Anderes zu sein als das verstaubte Immergleiche. Warum nicht mal was Verrücktes und Gewagtes? Ich nehme in der Oper nicht Alles so ernst; da kann es auch mal krachen, und da dürfen Hexen auch ruhig mal in Kochtöpfe urinieren (ich weiß übrigens gar nicht, worein die sonst urinieren).


    Das ist ja wohl nicht Dein Ernst??? Das läßt sonst doch wohl tief blicken!

    W.S.

  • Ich vermisse auch Deine persönliche Meinung zu Rattengrin


    Der Lohengrin mit den Ratten hat mir überwiegend gut gefallen!


    Sieh doch mal in den Livethread zur TV-Übertragung, da findest Du ausführliche Meinungsäußerungen von mir zu ideser Inszenierung.


    :hello:

  • Der Lohengrin mit den Ratten hat mir überwiegend gut gefallen!

    Das hatte ich gar nicht anders erwartet. Du würdest Dir sonst ja untreu. Mir haben weder die Bühnenbilder noch die Sänger gefallen, auch beim 2. Reinhören und Reinsehen nicht. Wenn Wagner Ratten auf der Bühne sehen wollte, hätte er das bestimmT gesagt.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Betrifft Beitrag 9:

    Wenn Du die Oper als Spaßelement auffassen solltest, dann wäre Kasperletheater sicher die unterhaltsamere Kunstform. Sonst kann ich Deinen Beitrag nicht ernst nehmen.

    Das ist ja wohl nicht Dein Ernst??? Das läßt sonst doch wohl tief blicken!


    Lieber La Roche, lieber Wolfgang


    Euren beiden Meinungen kann man sich natürlich nur vollstens anschließen. Erfreut und tröstet Euch z. B. mit der DVD, die Ihr seid kurzem habt. Neben den herrlichen Stimmen ist ja in Szenenausschnitten auch zu sehen, wie vor Jahren noch Oper gemacht wurde. Nämlich mit Kulissen und Kostümen dem jeweiligen Werk entsprechend. Ich weiß gar nicht, sollte ich mich vielleicht bei Euch lieber entschuldigen, Euch so etwas "stinknormales, langweiliges, anständiges, verstaubtes" empfohlen zu haben. Alles so ohne Klamauk und schmuddeligen Dreck? So etwas kommt doch heutzutage gar nicht mehr an.
    Ich denke meine Lieben, Ihr habt meine Ironie verstanden.
    Kurzer Kommentar den Beitrag Nr. 9 betreffend: "Wer´s halt braucht..."


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Das hatte ich gar nicht anders erwartet. Du würdest Dir sonst ja untreu.


    Lieber La Roche,


    hattest Du nicht neulich vorgeschlagen, Sachdiskussion und Bemerkungen zur Person zu trennen?



    Wenn Wagner Ratten auf der Bühne sehen wollte, hätte er das bestimmT gesagt.

    Ist Buchstabentreue wirklich der einzige Weg, den Willen des Komponisten umzusetzen?


    Wagner hat zeit seines Lebens revolutionär gedacht - nicht nur politisch. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere als ein Verfechter von Aufführungsdetails wäre, die er vor ca. 170 Jahren niedergelegt hat. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere tun würde, als Bayreuth museal zu bewahren.


    Wenn ich mir einen Komponisten überhaupt nicht als Museumsangestellten seiner selbst denken kann, dann Richard Wagner.


    Einen anderen Auftrag als sein Werk weiterzudenken kann ich aus seiner Vita nicht ableiten.


    Das Argument "Wenn Wagner Ratten auf der Bühne sehen wollte, hätte er das bestimmT gesagt." ist ungefähr so stichhaltig, wie wenn die Zeugen Jehovas Bluttransfusionen ablehnen und dies mit Bibelzitaten begründen. Das ist reine Buchstabentreue, die mit der biblischen Idee der Lebensbewahrung und der Nächstenliebe kaum in Übereinstimmung zu bringen ist.


    Aber der Buchstabe wird zugegebenermaßen erfüllt, wenn man Bluttransfusionen ablehnt, das ist schon richtig ...


    :hello:


    P. S. Natürlich kann man Wagners Werk buchstabengetreu aufführen. Warum auch nicht. Aber ich sehe dies nicht als einzige legitime Möglichkeit.


    Gerne gebe ich zu, dass ein Weiterdenken immer die Möglichkeit des Scheiterns beinhaltet. Man kann auch in die falsche Richtung denken.


    Das kann beim Biogastannhäuser auch passiert sein - ich kenne diese Inszenierung nicht. Aber m. E. darf die Begründung nicht lauten "die Inszenierung ist gescheitert, weil der Buchstabe der Partitur nicht erfüllt wurde", sondern sie muss lauten "die Inszenierung ist gescheitert, weil folgende Ideen des Werkes nicht oder unzureichend vermittelt wurden: 1) ... 2) ... 3) ...".

  • Aber der Buchstabe wird zugegebenermaßen erfüllt, wenn man Bluttransfusionen ablehnt, das ist schon richtig ...


    Ist das ein religiöses Bekenntnis?


    Ich muß Dir in einem Punkt rechtgeben. Wagner war alles andere als ein Konservativer, besonders in den Meistersingern ist seine revolutionäre Haltung deutlich abzulesen. Aber Ratten??? Vielleicht muß ich eine seiner mir vorliegenden Biographien durchlesen, um Dich widerlegen zu können. Aber das ist mir jetzt zu aufwändig. Ich laß einfach mal stehen, daß Wagner Ratten als Krankheitsüberträger nicht sonderlich zugeneigt war. Das ist allerdings nur eine Hypothese!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Manchmal kommt es mir wirklich so vor, als könnte man sich wirklich besser über Fussball austauschen. Das führt doch zu nichts, setzt unnötige Aggressionen aus.
    auch nach gefühlten 3 Mio. Beiträgen weiß ich eigentlich immer noch ncith, worum es eigentlich geht.
    Ist es nciht so einfach: Weil ich beim fliegenden Holländer kein echtes Schiff auf die Bühne setzen kann, muss man mit Metaphern arbeiten. Das geht oft schief......
    Echte Drachen sind auch schwer....

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Wagner hat zeit seines Lebens revolutionär gedacht - nicht nur politisch. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere als ein Verfechter von Aufführungsdetails wäre, die er vor ca. 170 Jahren niedergelegt hat


    Das ist schon eine sehr gewagte These, wenn man die Ausführlichkeit der Anweisungen einmal genau studiert. Was genau du mit "zeitlebens revolutionär" meinst, ist mir auch schleierhaft. Ja, Wagner hat sich 1849 am Dresdner Maiaufstand beteiligt, das Ergebnis war, dass er seine Stellung als Kapellmeister verlor, steckbrieflich gesucht wurde und seine Frau Minna Planer auf der überhetzten Flucht in die Schweiz ihr Kind verlor und daraufhin unfruchtbar wurde (auch ein Grund, weshalb diese erste Ehe scheiterte). Dass dieses Unterfangen also nicht zu seinen besten Ideen gehörte, kann man wohl gut nachvollziehen, und auch er selber hat dies später eingeräumt. Studiert man seine Biographie, wird ersichtlich, dass er in späteren Lebensjahren beinahe als Bismarckianer bezeichnet werden könnte, und welche Ansichten der vertrat, sollte allgemein bekannt sein. Auch die deutsche Reichseinigung und der vorausgehende Krieg gegen Frankreich wurden von Wagner sehr positiv kommentiert.


    Übrigens ist Wagner da Giuseppe Verdi sehr ähnlich. Der ist zwar nicht auf die Barrikaden geklettert wie sein Freund Francesco Maria Piave, aber er stand in früheren Jahren den republikanischen Idealen Giuseppe Mazzinis sehr nahe. Später begeisterte er sich für Cavour, dessen Idee von der konstitutionellen Monarchie ( die im Endeffekt ja auch durchgesetzt wurde) er für die realistischere und sinnvollere hielt.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Das ist schon eine sehr gewagte These, wenn man die Ausführlichkeit der Anweisungen einmal genau studiert.


    Nun ja, die Behauptung der Differenziertheit der Anweisungen Wagners widerspricht nicht der Dynamik in Wagners Denken.


    Der in harmonischer Hinsicht revolutionäre Tristan entstand Ende der 1850er Jahre und somit ca. ein Jahrzehnt nach dem Dresdner Maiaufstand und den (vielleicht diesbzgl. noch wichtigeren) Schriften "Die Revolution", "Die Kunst und die Revolution" und "Das Kunstwerk der Zukunft".


    Auch sein Opernplan "Die Sieger" wurde ja fast bis an sein Lebensende weitergedacht und fest eingeplant. Stillstand gab es da nicht.


    Dass Wagner im Zuge der Bekanntschaft Ludwig II. sein politisches Denken deutlich veränderte und "Siegfrieds Tod", also dem Scheitern des Revolutionärs, mit dem neuen Titel "Götterdämmerung" eine völlig neue Beleuchtung gab, widerspricht nicht seinem bis ans Ende regen Schaffensgeist.


    Und auch der Parsifal ist ja nochmal eine künstlerische Weiterentwicklung - nochmal ganz anders als Ring, Tristan und Meistersinger.


    Wie sich Verdi entwickelt hat, ist in diesem Zusammenhang für mich belanglos.


    Oder verstehe ich Deine Äußerung richtig, wenn ich daraus ableite, dass man die Werke vor 1850 (Biogastannhäuser, Rattengrin) revolutionär weiterdenken dürfe, alle späteren aber nicht?


    :hello:

  • Oder verstehe ich Deine Äußerung richtig, wenn ich daraus ableite, dass man die Werke vor 1850 (Biogastannhäuser, Rattengrin) revolutionär weiterdenken dürfe, alle späteren aber nicht?


    Nein, du versteht mich - wie so oft - falsch. Dass Wagners Musik bis zuletzt etwas Revolutionäres darstellte, ist unbestritten, dass man aber Wagner aufgrund einiger jugendlicher Irrtümer zum verkappten Kommunisten machen wollte, das widerspricht nicht nur seinen eigenen Lebensvorstellungen, die - offen gesagt - alles andere als "kommunistisch " zu bezeichnen wären, sondern reduziert diese ebenso widersprüchliche wie faszinierende Persönlichkeit auf einen einseitig denkenden Ideologen. Der er nicht war.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Oha, hier herrscht ja ein ganz schön rauher Umgangston. Die Reaktionen auf meinen Beitrag haben mich, ehrlich gesagt, ziemlich verunsichert.


    Zitat

    Bitte sag mir doch mal, wo es einen bzw. viele "verstaubte/n" Inszenierungen von Macbeth zu erleben gibt? Du scheinst den oder die ja bereits oft gesehen zu haben. Bitte um genaue Angaben, da ich ihn mir umgehend auch anschauen möchte!!!!! Herzlichen Dank!!!!!

    Ich habe keine Ahnung, liebe Knusperhexe. Ich habe noch nie eine Inszenierung des Macbeth gesehen, kenne noch nicht einmal die Musik (nur ausschnittweise). Lediglich das Original von Shakespeare habe ich gelesen. Aber in meinem Beitrag ging es mir nicht konkret um diese Oper, sondern allgemein darum, dass solche Einfälle, wie die bezüglich der MacBeth-Aufführung geschilderte, meiner Meinung nach auch ihre Berechtigung haben und etwas Leben, Neugier und vielleicht auch Spaß einhauchen können.



    Zitat

    Wenn Du die Oper als Spaßelement auffassen solltest, dann wäre Kasperletheater sicher die unterhaltsamere Kunstform. Sonst kann ich Deinen Beitrag nicht ernst nehmen.

    Lieber La Roche, die Bezeichnung "Spaßelement" trifft nicht das, was ich empfinde und in meinem Beitrag gemeint habe. Vielmehr finde ich, dass man Leute, die gerne mal etwas wagen, übertreiben und vielleicht auch phantasieren wollen, nicht gleich so abbügeln muss. Es ist doch schön, dass wir so kreative Künstler haben und ein solch liberales Kulturvolk sind. Natürlich gefällt dem Einzelnen nicht alles, was ihm künstlerisch vorgesetzt wird, aber es geht uns allen ja wohl nicht nur darum, uns laufend bestätigen zu lassen, sondern unseren Horizont etwas zu kitzeln. Das ist doch eine mögliche Teildefinition von Lebendigkeit, oder?



    Zitat

    Das ist ja wohl nicht Dein Ernst??? Das läßt sonst doch wohl tief blicken!

    Lieber 9079wolfgang, das verstehe ich nicht. Wohin lässt das blicken?



    Zitat

    Jaja, Opas Opernmuseum ist grezenlos verstaubt. Deswegen brauchen wir Hexenurin um kräftig durchzuspülen!

    Lieber Figarooo, "grenzenlos verstaubt" finde ich etwas übertrieben, es gibt durchaus Opernäuser, die Staubwischen gut finden und ordentliche Pflege betreiben, aber Du hast im zweiten Satz schön formuliert.



    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • dass man aber Wagner aufgrund einiger jugendlicher Irrtümer zum verkappten Kommunisten machen wollte, das widerspricht nicht nur seinen eigenen Lebensvorstellungen, die - offen gesagt - alles andere als "kommunistisch " zu bezeichnen wären, sondern reduziert diese ebenso widersprüchliche wie faszinierende Persönlichkeit auf einen einseitig denkenden Ideologen. Der er nicht war.


    Interessant, dass Du das sagst - aber bis dato war hier davon nicht die Rede. Es ging nur um den revolutionären Impetus, der ihm, wie Du zu Recht sagst, bis zum Ende eigen war.


    :hello:

  • Wagner hat zeit seines Lebens revolutionär gedacht - nicht nur politisch. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere als ein Verfechter von Aufführungsdetails wäre, die er vor ca. 170 Jahren niedergelegt hat. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere tun würde, als Bayreuth museal zu bewahren.


    Eine ziemlich unhaltbare These. Wagner hat nicht nur sehr detaillierte Vorstellungen zu Papier gebracht, sondern er hat sie in seinen eigenen Inszenierungen auch bestmöglich realisiert! Aus diesen historischen Fakten heraus das Gegenteil zu behaupten ist einfach lächerlich.


    Außerdem muss natürlich wieder einmal "museal" in abwertender Form ins Spiel gebracht werden. Man kann den Geist eines Werkes mit modernsten Mitteln und sehr aktuellen Denkansätzen erhalten - ohne jegliche Verstaubtheit. Aber das geht in die Köpfe der RT-Befürworter einfach nicht hinein...


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Ich verweise in dem Zusammenhang auf Richard Wagners eigene Inszenierung des Parsifal von 1882, die bis 1933 im Programm blieb und sicher alles andere als librettoungetreu war. Den Gralstempel hat man wohl nie stimmiger gesehen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Wagner hat zeit seines Lebens revolutionär gedacht - nicht nur politisch. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere als ein Verfechter von Aufführungsdetails wäre, die er vor ca. 170 Jahren niedergelegt hat. Ich bin sicher, dass Richard Wagner redivivus alles andere tun würde, als Bayreuth museal zu bewahren


    Lieber Wolfram,


    ich hoffe, bald wieder von Dir zu hören.


    Wenn Wagner seinen Lohengrin im Rattenmilieu ansiedeln wollte, hätte er das getan. Dabei bleib ich. Von musealer Bewahrung bei Anknüpfung an historische Aufführungen kann nicht die Rede sein, glaube ich. Sein Ring (wohlgemerkt in den von Wagner selbst betreuten Inszenierungen) ist so ausgestattet, daß man auch aus seiner damaligen Sicht von "verstaubt" reden könnte. Realistische Felsengebilde, Walküren in ihren schicken Kopfbedingungen, ganz zu schweigen von Hunderten Details. Hat er aber nicht! Er hat bewußt eine Darstellung gewählt, die nicht in eine Neuzeit verlagert wurde. Ich bin sicher, er hätte das getan wenn er gewollt hätte, und die heutigen Verrenkungen nach Deutungen, die Wagner so nicht gewollt haben konnte, die hätten ihm auch nicht gefallen.


    Viele Grüße von La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Eines der dümmsten Argumente von Verunstaltungstheateranhängern ist das Wort "verstaubt" und der Notwendigkeit, es "entstauben" zu müssen. Hier wird der Begriff "entstauben" völlig gegen den Wortsinn gebraucht. Entstauben heißt für mich: Ein Kunstwerk so bearbeiten, dass es im ursprünglichen Glanz wiederersteht, nicht aber übertünschen und es auf diese Weise verändern. Entstauben dient der Erhaltung des Kunstwerks, das heißt des darin dargestellten Ortes und der Zeit - und bei der Oper eben auch der Musik und der Handlung. Und wenn der Regisseur - auch unter Einsatz moderner Bühnentechnik und Darstellungsmitteln - dazu nicht fähig ist, bleibt er für mich ein Dilettant und Kunstfälscher.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)