Jacqueline du Pré

  • Hallo Taminoianer,


    mir ist aufgefallen, dass diese Cellistin noch keinen eigenen Thread hat und ich denke das es an der Zeit ist, diese Tatsache zu ändern!


    Jacqeline du Pré wurde am 26.1.1945 in Oxford geboren und starb am 19.10.1987 in London.


    Ihre Mutter, Iris Greep, war Pianistin und Klavierlehrerin. Sie komponierte auch kleine Etüden.




    Mit sechs fing sie an der Londoner Cello-Schule unter Miss Alison Dalrymple an.
    Ab dem siebten Lebensjahr wurde sie 7Jahre von Pleeth unterrichtet.
    Sie studierte ein halbes Jahr in Paris bei Tortelier. Es folgte noch ein Studium bei Rostropovich in Moskau.



    1955 gewinnt sie den Suggia-Cello-Preis.
    Mit 15 Jahren gewinnt sie die Goldmedaille der Guildhall Musik-Schule.



    (hier sind Daniel und Jacqueline bei einer Probe)
    Weihnachten 1966 lernt sie Daniel Barenboim kennen und die beiden heiraten im Juni 1967.



    1972 beendet sie ihre aktive Karriere aufgrund von einer schlimmen Form der Multiplen Sklerose.




    Sie liegt in London auf dem jüdischen Friedhof "Golders Grenn´s" begraben.



    Das sollte zu ihrem Leben reichen. Es gibt sicher noch einiges zu sagen, aber das sollte zunächst genügen.
    Hier sollen jedoch ihre Aufnahmen im Vordergrund stehen und von Interesse sein!


    Also. Ich werde mich erstmal zurückhalten und mich später zu Einspielungen äußern.


    Gruß, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Moin,


    ich kann empfehlen:




    Auch die Verfilmung dieser Biographie ist sehr sehenswert.


    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Tja - und was fällt einem ein, wenn man IHREN Namen liest oder hört?


    Elgars Cello-Konzert of course, zusammen mit Sir John Barbirolli und dem LSO (aus dem Jahr 1965?) - selten wird ein(e) Künstler(in) so mit einer Aufnahme in Verbindung gebracht!
    Ich kann nur sagen: Tolles Werk und eine sehr emotionsgeladene, leidenschaftliche Einspielung!



    Sie hat meines Wissens ein Stradivari-Cello gespielt, das nach ihrem viel zu frühen, tragischen Tod dann den Namen "Jacqueline du Pré" bekommen hat.


    Maik: Hast Du den Film "Hilary und Jackie" gesehen, der vor ein paar Jahren (so lange ist es noch nicht her) über ihr Leben gemacht wurde? Ich habe ihn damals im Kino leider verpasst... :(

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Moin,


    ich besitze als Grundlage:



    3 CDs mit Cellokonzerten, 3 CDs mit Sonaten incl. den Suiten 1 und 2 von Bach. Damit ist man dann erst einmal gut ausgerüstet.


    Fehlen darf natürlich nicht:


    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Hallo Marc,


    nein, ich habe den Film nicht gesehen.


    Aber du hast das Cello angesprochen:


    Zitat

    Sie hat meines Wissens ein Stradivari-Cello gespielt, das nach ihrem viel zu frühen, tragischen Tod dann den Namen "Jacqueline du Pré" bekommen hat.


    Sie hatte ein Stradivarius. Das ist richtig und auch, dass es in "Jacqueline du Pré" unbenannt wurde, nach ihrem Tod. Und zwar von Lynn Harrel, der es nach ihrem Tode besaß.
    Außerdem besaß sie auch noch ein Stradivarius "Davidoff", welches sie später Yo-Yo Ma überließ.


    Gruß, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Sagitt meint:


    Ich habe den Film gesehen und mich gewundert. Zeitzeugen leben ja durchaus noch, wie zB Herr Barenboim. Die Geschichte ist ja alles andere als schmeichelhaft,ein hoch kapriziöse Jackie,wundernar gespielt von Emily Watson, mit einer Hassliebe zu ihrem Instrument-man mag es gar nicht glauben, wenn man Filmdokumente der "echten" Jackie sieht,zB das mitreißende Forellquintett mit Metha am Kontrabass, Jackie scheint die quirligste von allen zu sein. Dann die ungewöhnliche Geschichte, der Schwester den Mann auszuspannen. Schließlich die Isolation der kranken Jackie, der Ehemann ( Ex?) hat allem Anschein nach eine andere.
    Aber niemand hat versucht, diese Geschichte zu unterbinden.
    Ist das ein Wahrheitsbeweis ? Ich weiss es nicht, aber erstaunt war ich doch.

  • Ich habe eben etwas über du Prés Karnkheit gelesen.


    Und zwar gab es erste Anzeichen einer Krankheit schon im Juli 1971 und man vermutet, dass diese ihr Spiel beeinträchtigt hat.
    Die Krankheit wurde als Multiple Sklerose, wie erwähnt, diagnostiziert.
    Es gab dann immer wieder Besserungen und Rückschläge, was sehr grausam und qualvoll für sie gewesen sein muss...
    Letztendlich zog sie sich 1973 zurück. Danach war sie kurzzeitig noch als unterrichtende tätig, aber da sich ihr gesundheitlicher Zustand immer mehr verschelchterte, zog sie sich in ihre Wohnung in London zurück.


    Ein trauriges Schicksal...wer weiß, was wir sonst noch alles von ihr heute hören könnten...


    Gruß, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Hallo Sagitt,


    den Film hab ich leider noch nicht gesehen, aber das ursprüngliche Buch von Hilary und Piers du Pré gelesen, auf dem der Film basiert.


    Die beiden sind ihre Geschwister, also kann man davon ausgehen, daß das meiste dort beschriebene der Wahrheit entspricht.


    Dem Buch nach war Jackie immer eine sehr energiegeladene aber auch wechselhafte Persönlichkeit, die zwar mit riesigem Enthusiasmus an Dinge heranging, aber auch schnell daß Interesse verlieren konnte. Demzufolge ist es zu einer Haßliebe zum Instrument nicht mehr weit, vor allem, weil damit ein unheimlicher äußerer Zwang einherging, durch Auftritte und Konzertreisen und was sonst noch alles.


    Haßliebe ist aber auch der Begriff, den ich für das Verhältnis gerade von Hilary zu ihrer Schwester wählen würde. Einerseits hat sie Jackie unzweifelhaft geliebt, andererseits stand sie immer (ungerechtfertigterweise) im Schatten ihrer Schwester. Daß die dann noch ein Verhältnis mit ihrem Mann Christopher "Kiffer" Finzi (dem Brudes des Komponisten Gerald Finzi) hatte, war sicher zu viel - einerseits versucht Hilary, ihrem Mann eine "therapeutische" Absicht gegen Jackies Depressionen zu unterstellen und beschreibt die Situation auch entsprechend, meiner Meinung nach vor allem ein Selbstbetrug, andererseits gab es keinen Grund, die ganze Situation nach Jackies Tod überhaupt an die Öffentlichkeit zu bringen - auch das empfinde ich als einen Vertrauensbruch, der dem Ehebruch nicht nachsteht.


    Daß Maestro Barenboim sich kurz nach dem "endgültigen Ausfall" seiner Frau erfolgreich um Elena Bashkirova, die damalige Frau von Gidon Kremer, bemühte und sie im geheimen in Paris eine Familie gründeten, während Jackie in London dahinvegetierte, macht mir diesen Menschen übrigens auch nicht sympathischer. Im Buch zumindest wird das allerdings nicht erwähnt, es ist aber eine Tatsache.



    Von diesen ganzen Themen abgesehen ist JdP unter Cellisten übrigens sehr umstritten, ihrer radikalen Spielweise wegen. Nicht ganz ernstgemeinten Begriffen wie "Genghis du Pré" und "cellistic anti-christ" begngnet man durchaus wiederholt, wenn man die richtigen Leute fragte :D. Sie war unzweifelhaft äußerst talentiert, aber auch genauso undiszipliniert und unkonventionell. Ich hab es noch nicht getan, aber wenn man bspw. ihr Elgar-Konzert mit den Anweisungen Elgars vergleicht, dann ignoriert sie diese wohl routinemäßig, wie man mir glaubhaft versichert hat - in dem Fall funktionierte das, aber bei anderen Werken ging es durchaus auch mal in die Hose.


    Du Pré ist DIE Künstlerin, bei der ich auf die Aufnahmen in einem gesetzteren Alter scharf gewesen wäre wie sonstwas.


    Sven

  • Hallo SvenW,


    der Film ist in bezug auf Barenboim eindeutig.Es gibt in der Spätphase der Krankheit eine Telefonat zwischen den beiden, und im Hintergrund hört man Kinderstimmen.
    Anständig war es sicher nicht, aber wer will Richter sein ? Künstler sind ja häufig sehr ich-bezogen. Da ist dann kein Platz für die Hingabe an eine andere Person, die sicher notwendig gewesen wäre. Die Leidensphase von 1972 bis 1987 war auch lange.
    Das Verhalten soll damit nicht gerechtfertigt werden, aber 15 Jahre an der Seite eines zunehmend hinsiechenden Menschen zu sein, das ist schon eine Leistung. Welcher Musiker, Weltstar zumal, würde dies tun ?
    Dies ändert nichts daran, dass es gut ist,darüber informiert worden zu sein, damit sich da keine Legendenbildung einschleichen kann.


    Grüsse aus Bremen


    Sagitt

  • SvenW schreibt:

    Zitat

    Von diesen ganzen Themen abgesehen ist JdP unter Cellisten übrigens sehr umstritten, ihrer radikalen Spielweise wegen. Nicht ganz ernstgemeinten Begriffen wie "Genghis du Pré" und "cellistic anti-christ" begngnet man durchaus wiederholt, wenn man die richtigen Leute fragte . Sie war unzweifelhaft äußerst talentiert, aber auch genauso undiszipliniert und unkonventionell. Ich hab es noch nicht getan, aber wenn man bspw. ihr Elgar-Konzert mit den Anweisungen Elgars vergleicht, dann ignoriert sie diese wohl routinemäßig, wie man mir glaubhaft versichert hat - in dem Fall funktionierte das, aber bei anderen Werken ging es durchaus auch mal in die Hose.


    Das Zitat über Frau du Pré als Musikerin und Interpretin könnte man wohl eins zu eins auch auf ähnlich begabte und polarisierende Musiker wie z. B. Glenn Gould übertragen - der Gedanke kam mir spontan beim Lesen.
    Es scheint bei Jaqueline du Pré wie bei vielen genialen Künstlern zu sein: Sie werden in gleichem Maße verehrt wie abgelehnt, ihrer radikalen Interpretationen und Sichtweisen wegen - aber das gehört da wohl mit dazu und ist doch eigentlich auch sehr schön, wenn eine Interpretation solche Emotionen (in beiden Richtungen) auslösen kann! Damit hat ein(e) Künstler(in) doch schon viel erreicht, finde ich.
    Man setzt sich dann ja auch mit dem Werk, das er/ sie gespielt hat, auseinander und hinterfragt seine Intention, seinen Aussagegehalt und vergleicht mit der vom Künstler präsentierten Sichtweise - und das ist schließlich die Hauptsache, dass man überhaupt über solche Dinge redet und diskutiert und nicht nur schweigend ein Konzert genießt und es dann dabei belässt...


    Zitat

    Dem Buch nach war Jackie immer eine sehr energiegeladene aber auch wechselhafte Persönlichkeit, die zwar mit riesigem Enthusiasmus an Dinge heranging, aber auch schnell daß Interesse verlieren konnte.


    Solche Charaktereigenschaften habe ich öfter schon über derart beagbte Menschen gehört und gelesen - diese extreme Begeisterungsfähigkeit, die aber auch begleitet wird von ähnlich extremen Stimmungsschwankungen in die andere Richtung.
    Ich glaube, solche Leute leiden da auch sehr drunter, haben das aber nicht unbedingt unter Kontrolle.
    Und die Mitmenschen/ die Nachwelt "profitiert" dann immerhin von deren phasenweiser Begeisterungsfähigkeit - sofern diese Menschen produktiv als Künstler tätig sind, wie Jacqueline du Pré es glücklicherweise war.

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)


  • Moin,


    für alle du Pre-Fans:


    Die obige Verfilmung läuft in der Nacht vom 09.01 auf den 10.01 um 00:20 Uhr auf ORF2.

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Ich habe bis auf das Buch alles was von ihr zu bekommen war. Sie ist für mich die Königin des Cellos.


    KEIN Andere hat die Musik dermaßen stark mit Inspiration, Ausdruck und Emotion aufgefüllt wie Jacqueline du Pre.


    Ein Genie, das grausam von einer schlimmen Krankheit dahingerafft wurde.
    Mögen noch einige Schätze wie diese hier auftauchen:




    :jubel: :jubel: :jubel:


    :hello:

  • von Jaqueline du Pre habe ich eine DVD mit dem Elgar Cello Konzert und dem "Ghost"-Trio von Beethoven. Außerdem ist die Entstehung/Arbeit der Aufnahme des Cello-Konzertes dokumentiert und es sind noch einige Interviews/Extras dabei, alles in allem sehr zu empfehlen.
    Ein kleiner Satz zu ihrem Spiel: Was mir beim ersten mal durch den Kopf ging als ich sie spielen sah war, dass man sah, wie sich ihre (technische) Überlegenheit gegenüber dem Stück äußerte. Es mag zwar bei vielen Künstlern so sein,dass es "leicht" aussieht wie sie ihre Stücke spielen, aber bei du Pre sticht es (mir zumindest) förmlich ins Auge. Dazu trägt ihre immense Spielfreude nur bei.


    mfg
    dergruenepunkt

  • Ich habe mit du Pre das Cellokonzert op.104 von Dvorak (ganz wunderschön). Auf dieser CD ist auch ein Cellokonzert von Haydn, das mehr gute Unterhaltung ist für mich. Aber nicht tiefer geht.


    Uund irgendwelche Werke mit Cello von Beethoven. Die habe ich ewig nicht mehr gehört, weil ich keinen Zugang dazu gefunden hatte. Sie haben mich überhaupt nicht angesprochen, eher gelangweilt. Und im Moment sind meine musikalischen Schwerpunkte woanders. Irgendwann werde ich da nochmals reinhören.


    Und dann habe ich noch mit ihr die Cellosonaten von Brahms, zusammen mit einer Cellosonate von Chopin und einer von Franck. Die Sonaten von Brahms gefallen mir, auch die von Chopin spricht mich an. Franck hat mir beim ersten Hören nicht viel gegeben.
    Die Sonaten von Brahms möchte ich bald nochmals hören, wenn ich endlich mich diesem Komponisten mehr zuwende. Das ist schon so lange geplant...

    Anna-Beate

  • Moin,


    auch ich habe diese "les introuvables"-CD-Box. Nur muss ich gestehen, dass ich davon bislang wenig hörte. Ich blieb zumeist an Bchs Cello-Sonaten hängen; und die gefallen mir von ihr nicht so gut. Namenlich im Vergleich mit Casals fand ich ihr Spiel technisch beeindruckend, aber nicht so persönlich. Da der Vergelich mit Gould weiter oben gezogen wurde - bei mir nahm beim Vergleich Casals mit du Pre der erstgenannte die Rolle des hemmungslos subjektiven Gould ein. Aber gut, ich werde mir mal etwas aufmerksamer die anderen Stücke anhören.


    Bislang war mir nur bekannt gewesen, dass Barenboim mir du Pre verheiratet war. Dass er sich doch so schäbig verhielt (Künstlertum hin oder her), macht ihn auch mir ehrlich gesagt nicht eben sympathischer. Es ist doch wirklich immer wieder interessant, was man hier im Forum erfahren kann. Danke für den spannenden Thread.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Habe alles "gegessen" was es über du Pré gibt/gab.
    Also hab ich auch den für mich etwas konfusen Film gesehen.


    "Dannyboy" kommt dabei nicht so gut weg.
    Seine Frau im Stich zu lassen, obwohl sie ihn dringend brauchte.
    Und dann noch fremdzugehen ist für mich absolut unverständlich.


    Die Aussage von lohengrins kann ich nur bestätigen:
    Er macht sich nicht grad beliebter.


    Schlimm fand ich, daß du Pré (im Film) ihrer Schwester den Mann ausspannt.
    Ob das wirklich so war, oder nur "eingebaut" wurde, weil die Schwestern sich schworen, alles zu teilen...ich weiß es nicht.


    Mich würde mal interessieren, wie die Treffen mit Tortelier bzw. Rostropovich waren. Hat da jemand Infos?


    Ich finde die Spielweise von du Pré fantastisch.
    Immer wenn ich Cellostücke hören möchte, gucke ich zuerst, ob es von du Pré eine Aufnahme gibt.
    Haydn Cellokonzert in C ist mein absoluter Favourite mit ihr.


    Übrigens kann man Christopher Nupen dankbar sein, daß er so einige Videoaufzeichnungen von du Pré für die Nachwelt gemacht hat (u.a.Remembering Jacqueline du Pré).


    Hab außerdem gelesen, daß bei einem Brand bei der BBC viele du Pré Aufnahmen vernichtet wurden. Kann das jemand bestätigen?

  • Bei einem Klassenabend auf meiner Universität habe ich dieses Werk kürzlich das erste mal gehört und bin ganz hin und weg. Als Cellist juckt es mich in den Fingern, ich muss dieses Stück baldmöglichst spielen. Auf meiner Lieblingsaufnahme spielt keine Geringere als "Jackie" alias Jacqueline du Pre.



    Außerdem dabei eine hörenswerte Chopin - Aufnahme.
    IMO ein bahnbrechendes Stück Arbeit.

    Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."

  • Hallo Florian,
    diese Aufnahmen sind leider traurig für mich.
    Laut der Erzählung von Suvi Raji Grubb- dem EMI-Produzenten für JDP- in seinen Memoiren war die multiple Sklerose bei du Pre damals bereits völlig ausgebrochen und sie konnte nicht mehr spielen.


    Aber plötzlich gab es einen, wie soll ich es formulieren, Flashback, und sie konnte eine ganz, ganz kurze Zeit wieder spielen.
    Barenboim rief gleich bei Grubb an und sagte, daß es ein Wunder sei, Sie würde so spielen, als wenn nichts gewesen sei.


    Sofort wurde ein Aufnahmetermin klargemacht und soviel mir bekannt ist, ist diese Aufnahme der Franck-Sonate ihre absolut letzte Aufnahme gewesen.
    Angeblich hat Sie nach Beendigung der Aufnahmesession das Cello in den Kasten gelegt mit den Worten "Das wars.........."


    Ich kann und will mir das nicht anhören, auch wenn es toll gespielt ist.
    Das kann ich nicht ertragen.


    Zitat

    Als Cellist juckt es mich in den Fingern, ich muss dieses Stück baldmöglichst spielen.


    Hast Du schon einen Pianisten gefunden? :D


    Zitat

    IMO ein bahnbrechendes Stück Arbeit.


    Leider verstehe ich überhaupt nicht, was Du damit sagen willst.


    Ich möchte noch darauf aufmerksam machen, daß es sich um eine Bearbeitung der berühmten Violinsonate von Franck handelt.


    Diese Bearbeitung für Cello ist insofern völlig legitim, als Franck höchstwahrscheinlich dieses Werk zuerst als Cellosonate konzipiert hat und erst später seine Entscheidung zugunsten einer Violinsonate änderte.
    Aus welchen Gründen auch immer......
    Jedenfalls "funktioniert" die Francksche Sonate auch prächtig auf dem Cello.


    Es gibt zwei Ausgaben für Cello: Eine von Leonard Rose und eine wesentlich neuere von Werner Thomas-Mifune.


    JDP hat mit Sicherheit die Leonard Rose-Edition verwendet, da es die- mit vielen Fingersätzen und abweichenden Bogenstrichen durchsetzte-Fassung des hervorragenden Cellisten Werner Thomas damals noch nicht gab, was allerdings auch überhaupt nicht schlimm war, im Gegenteil :D


    LG,
    Michael

  • Heute ist es dann soweit:


    Vor genau 20 Jahren starb diese große Künstlerin im Alter von nicht einmal 43 Jahren :(


    Eine sehr tragische, ja grausame Biographie, die ihr künstlerisches Wirken auf nur wenige Jahre beschränkte.


    Dennoch müssen wir dankbar sein, dass sie die Möglichkeit hatte, der musikalischen Welt etwas Bedeutsames mitteilen zu können - etwas, das dank zahlreicher Aufnahmen die Zeit überdauert hat und die Erinnerung an Jacqueline du Pré wachhalten wird.


    Heute abend höre ich mir auf jeden Fall Elgars (und damit irgendwie auch ihr!) Cellokonzert an!
    In ihrer Interpretation eine der ganz großen Aufnahmen des 20. Jahrhunderts! :jubel:


    Hat sich jemand von Euch diese neue, kürzlich anlässlisch des 20. Todestages erschienene Edition gegönnt?


    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)


  • Zugegebenermaßen, von MarcColognes Vorschlag hätte ich wohl mehr gehabt, aber da war der obige Sampler (3 CDs für rund fünfzehn Euro) schon im Haus. :(


    Immerhin enthält er die berühmten Einspielungen des Elgar- und des Dvorak-Konzertes, die beiden Haydn-Konzerte und eine "Recital" genannte Zusammenstellung, auf der sich neben schönen Miniaturen und einzelnen Schmonzetten (Paradis, Bruchs "Kol Nidrei") beispielsweise Ausschnitte aus Beethovens "Erzherzogtrio" und aus der Bearbeitung der Franck-Sonate befinden.


    Wahrscheinlich ist man als Cello-Laie durch die tragische Biographie emotional mitgeprägt, denn von den Haydn-Konzerten kann ich mir packendere modernere Einspielungen nun wirklich vorstellen, aber bei Elgar?? :yes:


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von MarcCologne


    Hat sich jemand von Euch diese neue, kürzlich anlässlisch des 20. Todestages erschienene Edition gegönnt?



    Ja habe ich: sehr schön geworden. Zwar nur sein sparsames Booklet, aber dafür ist alles drin, und der Preis ist auch sehr lohnend.

  • JdP hat das "Pech" gehabt, MS in einer Zeit zu bekommen, in der diese Krankheit kaum beherrscht wurde. Heilbar ist sie auch heute nicht, aber in vielen Fällen kann das Leiden der Betroffenen wenigstens wesentlich gemildert werden, die Todesfallrate ist erheblich gesunken.
    Wer weiß, was wir noch zu hören bekommen hätten, wenn ......


    Die neue Box habe ich mir auch besorgt, sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Werde aber noch eine ganz Zeit brauchen, um zumindest eine erste Sichtung des gesamten Werks zu schaffen, es gibt noch so viel anderes, was ich auch hören muß. :) .

  • Ich besitze diese CD mit Jacqueline du Pré:



    Vor allem der Kopfsatz des Schumann-Konzerts ist von einer Eindriglichkeit, wie ich ihn sonst noch nicht gehört habe.
    Lobesworte über das Dvorak-Konzert sind schon gefallen, ich kann diese nur nochmals bestätigen.


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hätte ein paar Fragen zu der 17-er CD Box.


    Wie dick ist denn das Booklet überhaupt (wieviele Seiten)?


    Und ganz wichtig:


    Welche Version hat denn EMI in die Box hineingetan?
    Ältere Versionen, oder remastered (u.a.Great recordings of the century)?


    Wie ist die Verpackung? Sind die CDs in Pappschubern?

  • Hallo!


    Zitat

    Original von Klassikliebhaber
    Wie dick ist denn das Booklet überhaupt (wieviele Seiten)?


    Es hat 24 Seiten. Der deutsche Text ist lediglich knappe 4 Spalten "lang".


    Zitat

    Original von Klassikliebhaber
    Welche Version hat denn EMI in die Box hineingetan?
    Ältere Versionen, oder remastered (u.a.Great recordings of the century)?


    Es dürfte sich jeweils um den letzten Remasteringstand handeln.
    Hinweise zu technischen Verfahren finden sich leider keine.


    Zitat

    Original von Klassikliebhaber
    Wie ist die Verpackung? Sind die CDs in Pappschubern?


    Auf letztere Frage: ja.


    Grüße aus Essen


    Frank :)

  • Wieder ein Thread, zu dem ich jetzt erst komme... :(
    Dass ich diese Cello-Callas tief verehre, ist wohl selbstverständlcih und diese Cd-Box muss ich unbedingt haben! :yes:
    ihr Elgar ist für mich dasselbe wie die Casta Diva der Callas! :jubel: :jubel: :jubel:


    Was mich etwas gewundert hat, ist die Diskussion über den Film und Barenboim. Ich habe den Film auch gesehen, kenne aber auch gegeteilige Ausserungen in Radiointerviews
    Ein moralisches Urtel zu fällen, wenn man selbst nicht involviert ist und daher nicht die wirklichen Umstände einer solchen Geschichte kennt, finde ich sehr problematisch.
    Wer kann denn wissen, wie die Beziehungen vor der Erkrankung wirklich aussah und wer sich anmassen, über den Schein, den die Sache vielleciht nach aussen abgibt, einen Stab zu brechen?
    Barenboim so einfach als Charakterschwein zu brandmarken, mag naheliegend sein, aber meine Lebenserfahrung lehrt mich , dass die Dinge NIE so einfach liegen, wie sie nach aussen scheinen.


    Fairy Queen :angel:


  • Ich habe nochmals genau geschaut. Wenn man die Produktionsdaten ansieht, dann stellt man fest, daß teilweise Urmaterial verwendet wurde (zB Elgar Barbirolli 1965) und teiweise remastered wurde Ende der 80er Jahre ( zB Franck Cello Sonata, 1973/1989) und in den 90er Jahren.

  • Zitat

    Original von SvenW


    Dem Buch nach war Jackie immer eine sehr energiegeladene aber auch wechselhafte Persönlichkeit, die zwar mit riesigem Enthusiasmus an Dinge heranging, aber auch schnell daß Interesse verlieren konnte. Demzufolge ist es zu einer Haßliebe zum Instrument nicht mehr weit, vor allem, weil damit ein unheimlicher äußerer Zwang einherging, durch Auftritte und Konzertreisen und was sonst noch alles.


    Charakter ist Schicksal. Manchmal ist auch eine Krankheit Schicksal. Es gibt viele Arbeiten, die gezeigt haben, dass MS-Patienten überzufällig häufig an Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen leiden. Teils sicher reaktiv, aber es wird zumindest spekuliert, dass die Schübe sich sogar so äussern können. Das macht für mich persönlich Aussagen über du Prés Charakter schwer verdaulich. Zugegeben, ich bin voreingenommen: ich liebe ihren Elgar.

    writing about music is like dancing about architecture

  • Ich kann folgende 9-CD-Kassette mit Jacqueline du Pré, ihrem Ehemann Daniel Barenboim und dem Geiger Pinchas Zukerman wärmstens empfehlen:



    Auf diesen CD's sind alle Klaviertrios, Cello-Sonaten sowie Violinsonaten von Ludwig van Beethoven enthalten sowie quasi als große Zugabe das 43 Minuten lange Klaviertrio a-moll op. 50 von Peter Tschaikowsky.


    Für mich bleibt Jacqueline du Pré eine der größten Cellistinnen der Musikgeschichte, der leider nur eine ähnlich kurze Karriere vergönnt war wie Fritz Wunderlich.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).