Erfolg im Kampf gegen das Regietheater: "Tannhäuser" in Düsseldorf nach Publikumsprotesten abgesetzt!

  • Lieber Dr. Pingel,


    ich hatte auch einige sehr gute Lehrer! Auch wenn sie in meiner Kindheit in der Beliebtheitsskals weit hinter Elvis standen, so war ich einsichtig genug, die Notwendigkeit der Lehrer anzuerkennen!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Lieber Milletre,


    du hast vor einigen Beiträgen geschrieben, dass deine Einwände nicht gehört bzw. beachtet/kommentiert würden. Im Eifer des Gefechts kann so einiges untergehen, aber - du weißt es - nicht antworten heißt nicht "nicht lesen". Ich habe das schon lange schreiben wollen, aber besser spät als nie, meine ich. ;) Insofern: Auch zu deinem obigen Beitrag meine volle Zustimmung, prägnanter kann man es kaum formulieren. :hello:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Deine (Ihre?!) Vorstellung von Oper kann ich nicht nachvollziehen, denn für mich sind diese Werke Geschichten, in denen die Protagonisten, eingebettet in die unterstützend-erklärende Musiksprache, von Liebe, Hass, Rache, Intrige und was weiß ich sonst alles "erzählen". Das steht für mich im Vordergrund und nicht psychoanalytische Seziererei, die die Musik vor allem in Meisterwerken erschließt - man muß nur zuhören können, dann imaginiert man selbst ohne psychiatrische Hilfe, ohne Hermeneutik und ohne den Senf anderer zitierter Autoren (Adorno z.B.) die jeweiligen Situationen.


    Jeder darf selbstverständlich "seine" Vorstellung von Oper haben und muß auch das Regietheater nicht mögen. Etwas anderes ist es jedoch, wenn normative und ästhetisch wertende Urteile abgegeben werden wie: "Regietheater kennt keine Werktreue", "Der Regisseur des Regietheaters will nur Aufsehen erregen aber ist ansonsten ein Stümper, der künstlerisch minderwertige Inszenierungen hervorbringt". Von solchen Urteilen verlangt man zurecht eine Begründung, sonst sind sie nicht mehr wert wie zweifelhaften Aussagen von der Art Alle Griechen sind faul. Regisseure haben normalerweise Theaterwissenschaften studiert - und da diskutiert man selbstverständlich hermeneutische und ästhetische Fragen. Wer sich hier ein Urteil erlauben will, das mehr sein soll als eine unverbindliche (und schlechte, weil völlig unbegründete) Meinung, der muß sich halt mit solchen Fragen explizit auseinandersetzen - oder soll es bei der Bekundung einer persönlichen Vorliebe belassen und sich solcher normativen Urteile wertenden Charakters überhaupt enthalten.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Regisseure haben normalerweise Theaterwissenschaften studiert - und da diskutiert man selbstverständlich hermeneutische und ästhetische Fragen. Wer sich hier ein Urteil erlauben will, das mehr sein soll als eine unverbindliche (und schlechte, weil völlig unbegründete) Meinung, der muß sich halt mit solchen Fragen explizit auseinandersetzen - oder soll es bei der Bekundung einer persönlichen Vorliebe belassen und sich solcher normativen Urteile wertenden Charakters überhaupt enthalten.


    Pauschale Urteile geraten natürlich immer in den Verdacht, oberflächlich und schlecht begründet zu sein, vor Allem, wenn sie negativ ausfallen. Positive pauschale Bewertungen werden meist weniger kritisch betrachtet, doch sind sie letztlich nur die Kehrseite der Medaille.
    Somit ist auch nicht jeder Regisseur a priori ein Könner, nur weil er Theaterwissenschaft studiert und sich mit hermeneutischen und ästhetischen Fragen auseinander gesetzt hat.


    Es wird ja auch keinem anständigen Menschen einfallen, Dr. Mengele zu bewundern, der doch ein hochbegabter Mensch (eigentlich Unmensch) war und durch sein absolviertes Philosophie- und Medizinstudium über alle nötigen Kenntnisse verfügte, die sein Beruf verlangte.
    Ausbildung und auch Bildung allein garantieren also nicht von sich aus guttragbares moralisches Verhalten oder genialen künstlerischen Output.


    Das ist jetzt ganz allgemein gedacht und nicht als Anspielung auf schon genannte oder noch nicht genannte Künstler.

    Einmal editiert, zuletzt von hami1799 ()

  • Regisseure haben normalerweise Theaterwissenschaften studiert - und da diskutiert man selbstverständlich hermeneutische und ästhetische Fragen.


    Da kann ich mich Hami nur anschließen: Für eine qualitativ hochwertige Arbeit ist das nicht aussagekräftig. Ein Opernregisseur muss sich zuallererst mit dem auskennen, was in der Oper nun einmal die Hauptsache ist, nämlich der Musik. Idealerweise sollte er Noten lesen können, vielleicht ein Instrument spielen, musikwissenschaftliche und musiktheoretische Kenntnisse aufweisen. Er sollte die wichtigsten Opernsprachen zumindest verstehen. Er sollte Personenführung und Lichtregie beherrschen ( was man bei vielen der heutigen selbsternannten "Künstler" schmerzlich vermisst) , sollte über eine gute Bildung verfügen und - ein guter Handwerker sein. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist aber schon sehr viel, denn es ist eine Kunst, ein Handwerk zu beherrschen, ebenso, wie es eine Kunst ist, jemanden gut und auf hohem Niveau zu unterhalten. Im Italienischen ist ein Handwerker ein Artigiano, also jemand, der seine Kunst versteht und gelernt hat. (Die Schauspieler der Commedia dell'arte mussten ein gewisses Handwerkszeug aufweisen, mit dem sie ihre Rollen gestalten konnten.) Und es gibt noch etwas, was einen guten Regisseur ausmacht: Respekt vor dem Werk. Den kann man allerdings weder lernen noch studieren. Den hat man - oder eben auch nicht.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Lieber Holgar Kaletha,


    Ist es wirklich Deine Auffassung, dass man einerseits Theaterwissenschaft und andererseits sogar Philosophie studiert haben muss, um ein profundes Urteil über unsre heutigen Inszenierungen abgeben zu können? Reicht es nicht mehr, sich mit den Absichten des jeweiligen Komponisten, bzw. des Librettisten auseinandergesetz zu haben, um das Werk zu bestehen.
    Pardon, aber mich interessieren die Ansichten des Regisseurs nur sehr am Rande und ich erachte es als durchaus legitim, das jeweilige Werk in einer (dieses wird wird ja von vielen Leuten geradezu als Schimpwort verwendet) in einer Bebilderung å la Zefirelli zu "geniessen" und stimme daher mit Milletre absolut überein. Was ist denn, bitteschön falsch daran, das Handwerk des Regisseurs als Diener am Werk und nicht als "neues Kunstwerk" mit obligater Begleitmusik verstehen zu wollen?

  • Somit ist auch nicht jeder Regisseur a priori ein Könner, nur weil er Theaterwissenschaft studiert und sich mit hermeneutische und ästhetischen Fragen auseinander gesetzt hat.

    Das behauptet auch niemand. Der Umkehrschluß ist aber genauso falsch, daß dejenige, der sich strikt weigert, sich mit ästhetischen und hermeneutischen Fragen zu beschäftigen, in der Lage ist, die Leistung eines Regisseurs zu beurteilen.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Was ist denn, bitteschön falsch daran, das Handwerk des Regisseurs als Diener am Werk und nicht als "neues Kunstwerk" mit obligater Begleitmusik verstehen zu wollen?

    Was bitteschön ist denn ein Werk und was sind die Kriterien dafür - nur so als sokratische Frage?


    Schöne Grüße
    Holger

  • Forderungen werden laut, den abgesetzten "Tannhäuser" wieder ins Programm zu nehmen. Ich verweise mal auf einen Beitrag in der "WELT". Wer will, kann ja mal nachlesen.


    Präsident der Akademie der Künste will "Tannhäuser" zurück


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zitat Dr. Holger Kaletha:

    Zitat

    Das behauptet auch niemand. Der Umkehrschluß ist aber genauso falsch, daß dejenige, der sich strikt weigert, sich mit ästhetischen und hermeneutischen Fragen zu beschäftigen, in der Lage ist, die Leistung eines Regisseurs zu beurteilen.

    Da empfehle ich dir, mal mit deiner 12-jährigen Tochter (mal angenommen du hättest eine) in eine Oper von Bieito (z. Bsp. Armidia) zu gehen, da findest du bestimmt eine Antwort!

    W.S.

  • Sorry, Holger, das ist keine sokratische, sondern eine sophistische Frage:
    Ich weigere mich schlankweg, mich auf diese philosophischen Spielerein einzulassen!
    Das Werk ist, um es zum xten Mal auszuführen, durch die Angaben im Libretto, bzw. in der Partitur soweit vorgeben, dass musikalische Interpretationen ( was ist ein Forte, ein Ritardante etc.),, aber keineswegs eine Umdeutung der Personen, der Handlung, der Zeit des Geschehens erlaubt sein sollten. Als voll zahlender (mittlerweilen, wie so viele, leider vertriebener!) Opernliebhaber erlaube ich mir dieselben Forderungen zu stellen, wie jeder Film-bzw. Fernsehzuschauer es als sein Recht ansieht. Das Ansinnen der Herren Regisseure erinert mich an ein ziemlich altes Chanson des Liedermachers Reinhard Mey mit dem Titel "annabelle": Ich habe mich schon vor Jahrzehnten über den satirischen Satz:"Annabelle, erhör mein Föehn, lass uns an einen Diskusisionsabend gehn!" amüsiert. Ich will nicht, und schon gar ncht bei einem Opernabenc, mit gesellschaftskritischen Äusserungen und Ideen behelligt werden, da ich mit der heutigen Gesellschaft zufrieden bin und eine Opernaifführung als kulturellen und aestehtischen Genuss sehe! Was ist falsch daran?

  • Somit ist auch nicht jeder Regisseur a priori ein Könner, nur weil er Theaterwissenschaft studiert und sich mit hermeneutische und ästhetischen Fragen auseinander gesetzt hat.


    Dazu ein Ausspruch von Piotr Beczala über unzumutbar lange Probenzeiten:
    Die dienen nur dazu, dass ein Regisseur das Stück kennenlernt. Fünf Wochen sind viel, sechs maßlos übertrieben, und alles andere eine Frechheit!
    (zitiert aus der dieswöchigen NEWS, Erscheinungsort Wien)

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Von solchen Urteilen verlangt man zurecht eine Begründung, sonst sind sie nicht mehr wert wie zweifelhaften Aussagen von der Art Alle Griechen sind faul. Regisseure haben normalerweise Theaterwissenschaften studiert - und da diskutiert man selbstverständlich hermeneutische und ästhetische Fragen. Wer sich hier ein Urteil erlauben will, das mehr sein soll als eine unverbindliche (und schlechte, weil völlig unbegründete) Meinung, der muß sich halt mit solchen Fragen explizit auseinandersetzen - oder soll es bei der Bekundung einer persönlichen Vorliebe belassen und sich solcher normativen Urteile wertenden Charakters überhaupt enthalten.


    Schöne Grüße
    Holger

    Der Satz "Regietheater kennt keine Werktreue", scheint mir doch recht evident, Abweichungen vom vorgeschriebenen Weg sozusagen ein Definitionskriterium des RT.


    Ansonsten wird hier mit einer erstaunlich arroganten Wissenschaftskeule herumgefuchtelt. Man soll also Hermeneutik und Ästhetik studiert haben, bevor man das Maul aufmachen kann?


    Wer noch nicht ganz verstanden hat, worum es bei Hermeneutik geht, dem seien die klaren und einfachen Worte Heideggers, einem Oberhermeneutiker, nahegelegt:


    "Die Hermeneutik hat die Aufgabe, das je eigene Dasein in seinem Seinscharakter diesem Dasein selbst zugänglich zu machen, mitzuteilen, der Selbstentfremdung, mit der das Dasein geschlagen ist, nachzugehen. In der Hermeneutik bildet sich für das Dasein eine Möglichkeit aus, für sich selbst verstehend zu werden und zu sein."


    Alles klar?? Wenn ich mir mal ein Korreferat hierzu anmaßen darf: Hermeneutik selbst meint, sie sei die Wissenschaft vom Verstehen. Natürlich ganz ohne Physik und so´n Kram.


    Also Leute, geht zum Hirnchirurgen, laßt Euch diesen unnützen grauen Brei wegoperieren und fangt endlich an, nachzudenken, bevor Ihr Euch ein Urteil zu solch komplexen Dingen wie einer Opernaufführung erlaubt!

  • Was bitteschön ist denn ein Werk und was sind die Kriterien dafür - nur so als sokratische Frage?


    Schöne Grüße
    Holger


    Wer das nicht weiß, der tut mir wirklich leid.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Das behauptet auch niemand. Der Umkehrschluß ist aber genauso falsch, daß dejenige, der sich strikt weigert, sich mit ästhetischen und hermeneutischen Fragen zu beschäftigen, in der Lage ist, die Leistung eines Regisseurs zu beurteilen.


    Schöne Grüße
    Holger


    Wem das Sensorium fehlt, so daß er gezwungen ist, mit Skalpell und Seziermesser eine Opernaufführung hermeneutisch zu obduzieren, der tut mir wirklich in der Seele leid.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Wer sich hier ein Urteil erlauben will, das mehr sein soll als eine unverbindliche (und schlechte, weil völlig unbegründete) Meinung, der muß sich halt mit solchen Fragen explizit auseinandersetzen - oder soll es bei der Bekundung einer persönlichen Vorliebe belassen und sich solcher normativen Urteile wertenden Charakters überhaupt enthalten.


    Schöne Grüße
    Holger

    Eine Frechheit sondergleichen!


    Ich möchte es nicht darauf ankommen lassen festzustellen, wer von uns beiden mehr von Oper versteht. Ganz abgesehen davon, daß man die Meisterwerke verehren und lieben muß, denn ohne Hochachtung und Liebe ist die vielzitierte Hermeneutik ein lebloses Schlagwort - so wird man dem sinnlich-überwältigenden Mythos der Oper nie beikommen können!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Lieber Milletre, ich bin ja auch schon Opfer solcher Kaletha - Aussagen geworden, der mit diesen Abqualifizierungen hier schalten und walten darf, weil er sonst abwandert. Öfter schon haben die Moderatoren eingegriffen und gelöscht oder gerügt. Kaletha darf schreiben, was er will.

    Werbung ist der Borkenkäfer in der Hirnrinde (Bitte kein Bit!)

  • Sicher völlig irrelevant, fällt mir aber nach der zugegeben oberflächlichen Lektüre dieses Threads "spontan"ein....", denkt ihr noch oder lebt ihr schon?"


    LG
    Fides :hello:

    La vita è bella!

  • Ich weigere mich schlankweg, mich auf diese philosophischen Spielerein einzulassen!
    Das Werk ist, um es zum xten Mal auszuführen, durch die Angaben im Libretto, bzw. in der Partitur soweit vorgeben, dass musikalische Interpretationen ( was ist ein Forte, ein Ritardante etc.),, aber keineswegs eine Umdeutung der Personen, der Handlung, der Zeit des Geschehens erlaubt sein sollten.


    Du scheinst die - natürliche irrige - Vorstellung zu haben, daß zu allen Zeiten feststeht und als allgemeingültig zu definieren ist, was eine richtige und "werkgemäße" Operninszenierung ist. Davon kann gar keine Rede sein. Das hat nichts mit "philosophischen Spielerein" zu tun, sondern ist schlicht ein musikhistorisches Faktum. Schon der Anspruch, daß eine Inszenierung überhaupt Werkcharakter hat bzw. "werktreu" sein soll, ist alles andere als selbstverständlich. Wenn man schon die - zumeist äußerst spärlichen - Regieanweisungen im Libretto mit dem Libretto selbst (also dem Text) und dem Notentext vergleichen will, dann entspräche dem eine Notierung, wo ganze Akte gar nicht ausgeschrieben sind und der Improvisation überlassen wären und ein Notentext, wo nur das Harmonieschema der Kadenzen notiert ist und das andere ad llibitum der Ausführung überlassen bliebe. Das reicht eben bei weitem nicht, solchen Notierungen Werkcharakter verbindlich zuzuschreiben, weil das Kriterium der Vollständigkeit und Geschlossenheit nicht erfüllt wird, dem das Libretto entspricht, aber nicht die darin enthaltenen Regieanweisungen.


    Es gibt historische Quellen, die Aufschluß darüber geben, wie die Praxis von Operninszenierungen vor zweihundert Jahren etwa aussahen. Und die zeigen, daß die Inszenierung auf der Bühne überhaupt gar keinen richtigen "Kunstanspruch" hatte und so etwas vom Publikum auch gar nicht erwartet wurde. Ein schönes Beispiel dafür ist E.T.A. Hoffmann Seltsame Leiden eines Theaterdirektors. Dort gibt es eine ziemlich derbe Kritik sowohl des Theaterwesens der Oper wie der Ansprüche des Publikums, welche die gängige Aufführungspraxis von damals polemisch reflektiert:


    "Klagen Sie, klagen Sie, klagen Sie wacker darauf los; klagen Sie über das Publikum, über den Geschmack, über Dichter und Komponisten und auch über die trefflichsten Künstler in Deutschland, die Ihnen wohl auch ein wenig Kummer und Leid verursachen mögen."


    "Ach mein Herr ... mit dem Publikum, mit diesem tausendköpfigen, bizarren, chamäleontischen Ungeheuer, würde man am Ende doch wohl fertig! - Wirft man es auch nach jenes Dichters (gemeint ist Friedrich Schlegel, H.K.) Rat nicht gerade auf den Rücken, damit das grauliche Ungetüm sich umgestalte zum gemeinen Frosch, so werden doch wohl noch irgendwo Zuckerbrötchen gebacken, die man nur zu rechter Zeit hineinstecken muß in die zum Bellen aufgesperrten Rachen! - Geschmack! Das ist nur eine fabelhafte Idee - ein Gespenst, von dem alle sprechen und das niemand gesehen hat. Riefen die Leute wie im >Gestiefelten Kater<: >Wir wollen guten Geschmack - guten Geschmack, so drückt sich darin nur das kranke Gefühl des Übersättigten aus, der nach einer fremden idealen Speise verlangt, die die öde leere im Innern vertreiben soll. Dichter und Komponisten gelten jetzt bei der Bühne wenig, sie werden meistens nur als Handlanger betrachtet, da sie nur den Anlaß geben zum eigentlichen Schauspiel, das in glänzenden Dekorationen und prächtigen Kleidern besteht."


    Was E.T.A. Hoffmann hier nicht ohne bitteren Spott zum Ausdruck bringt, ist die gängige Praxis, die Bühnenregie ausschließlich dekorativ zu betrachten. Opernaufführungen schon im Barock glichen eher dem, was heute eine Modeshow ist. Da ging es vorrangig darum, die allerneuesten Konfektionskleider dem Publikum vorzuführen. Die Dame im Publikum interessierte die Perücke und der Rock der Sopranistin nicht wegen ihrer "Werktreue", sondern sie war schlicht ein Werbeträger für den Friseur und Schneider in der Stadt, zu dem man anschließend ging, um sich das zu kaufen, was man gerade brandneu in der Oper gesehen hatte. Natürlich kannte der Textdichter und Komponist diese Bedürfnisse und hat entsprechend die Inszenierung künstlerisch erst einmal gar nicht so wichtig genommen, wie das heute geschieht. Wir projizieren da also Ansprüche in Werke und ihre Aufführungen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert hinein, die nicht von damals, sondern ganz aktuell von heute stammen.


    Der zweite Gesichtspunkt, den Du ansprichst, ist ästhetisch zweifellos ein zentraler. Ich nehme mal den Punkt "Umdeutung der Handlung" heraus. Die Kritik am Regietheater, die immer wieder vorgetragen wird, sagt: Es ist keine "Interpretation" mehr sondern eine Verunglimpfung des Werks, wenn z.B. Szenen weggelassen und neue hinzugefügt werden in einer Oper. Man kann sich da auch allgemein auf die Werkästhetik berufen (ein Phänomenologe wie meine Wenigkeit denkt hier in erster Linie an Roman Ingarden), die sagt: Zum Werk gehört die Festlegung einer "Ordnung der Aufeinanderfolge". Man kann nicht einfach - wie Ingarden demonstriert - die Sätze eines Romans umstellen. Dann verliert das Gesagte völlig seinen Sinn. Doch hat sich Ingarden z.B. gar nicht mit der Oper und der Geschichte der Opernaufführung explizit beschäftigt. Es ist nämlich wiederum eine historische Tatsache, daß im 19. Jahrhundert Kürzungen gang und gäbe waren. Das Opernpublikum damals kannte die allermeisten Opern überhaupt nur in gekürzter Form. Das war völlig "normal" und daran hat auch kaum jemand Anstoß genommen. D.h. das Regietheater kehrt hier im Grunde zu einer Praxis der Opernaufführung zurück, die es schon einmal gab. Gustav Mahler war es dann in seiner Eigenschaft als Operndirektor, der die Forderung an die Regie aufstellte, Opern sollten generell nur ungekürzt aufgeführt werden. Das war damals Aufsehen erregend, revolutionär neu, fast schon skandalös.


    Die Frage ist: Warum hat man im 19. Jahrhundert solche Kürzungen und Umstellungen toleriert? Gerade im 19. Jahrhundert entwickelte sich ja das heute geläufige Verständnis von werktreuen Aufführungen. Man hatte also gar nicht das Bewußtsein, das Werk damit zu verstümmeln. Hier hilft wiederum nur die Ästhetik. Richard Wagners theoretisches Hauptwerk Oper und Drama ist in wesentlichen Teilen eine radikale Opernkritik. Der Titel ist zu verstehen im Sinne einer ausschließlichen Alternative: Oper oder Drama. Wagner wollte seine Opern gar nicht mehr Opern nennen, sondern nannte sie "Musikdrama". Das hat seinen Grund. Sehr aufschlußreich ist hier Wagners Polemik gegen die "Nummernoper". "Nummern" - das bedeutet: Die Oper besteht anders als das klassische Drama aus einer Abfolge (Aufreihung) von Szenen, die gleichsam in sich selber ruhen und selbständig sind. Wagner dagegen wollte, daß man die Oper überhaupt als ein Drama versteht, wo die Szenen nicht nur addiert werden, sondern eine dramatische Sukzession bilden. Wagners Opernkritik zeigt, daß man im 19. Jahrhundert zwischen der Dramaturgie eines Dramas und einer Oper einen deutlichen Unterschied machte - den Wagner schließlich so nicht mehr machen wollte. Bei der Oper gibt es anders als beim Drama keine festgelegte "Ordnung der Aufeinanderfolge" als dramaturgische Teleologie. Deswegen empfand man auch Kürzungen und Umstellungen nicht als Vergewaltigung des Werks, sondern hielt sie für legitime Mittel der Aufführungspraxis. Bei einer "Nummernoper" kann man also Kürzungen und Zusätze im Einzelfall durchaus diskutieren, bei Wagners Musikdramen dagegen sind sie zutiefst fragwürdig. Es kommt also auf die Oper an, um die es sich handelt, also den konkreten Einzelfall. Hier zeigt sich schlicht fehlende Ernsthaftigkeit in der aktuell andauernden Auseinandersetzung mit dem Regietheater. Die Polemik ist reine Journalistik in souveräner Mißachtung musikhistorischer und musikästhetischer Zusammenhänge.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Wer noch nicht ganz verstanden hat, worum es bei Hermeneutik geht, dem seien die klaren und einfachen Worte Heideggers, einem Oberhermeneutiker, nahegelegt:


    "Die Hermeneutik hat die Aufgabe, das je eigene Dasein in seinem Seinscharakter diesem Dasein selbst zugänglich zu machen, mitzuteilen, der Selbstentfremdung, mit der das Dasein geschlagen ist, nachzugehen. In der Hermeneutik bildet sich für das Dasein eine Möglichkeit aus, für sich selbst verstehend zu werden und zu sein."


    Alles klar?? Wenn ich mir mal ein Korreferat hierzu anmaßen darf: Hermeneutik selbst meint, sie sei die Wissenschaft vom Verstehen. Natürlich ganz ohne Physik und so´n Kram.


    Da muß ich Dich leider etwas korrigieren: Es war Hans-Georg Gadamer, der sich auf Heidegger stützend eine "Hermeneutik" entwarf. Heidegger selbst hat sich dagegen ausdrücklich verwahrt, daß das Kapitel über "Verstehen und Auslegung" in Sein und Zeit in diesem Sinne zu deuten ist. Gadamer wiederum wollte seine Hermeneutik überhaupt nicht als "Wissenschaft" verstehen - sie ist für ihn keine "Methode". Wie Gadamer mir selber erzählte, wollte er das Buch ursprünglich nicht "Wahrheit und Methode" nennen, sondern "Wahrheit oder Methode" nennen. Der Verleger hat das aber nicht akzeptiert.


    Gadamer hat im übrigen Texte von Heidegger erstmals publiziert, die sein Verständnis einer anwendungsorientierten, "aktualisierenden" Interpretation belegen. Für Heidegger war die Rezepeptionsgeschichte ein Prozeß der Sinnentleerung und "Entlebung", welche in der nur noch mechanischen Reproduktion den Urspruingssinn verliert. Den kann nur eine aktualisierende Intepretation überhaupt wiedergewinnen.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Zitat von milletre

    Eine Frechheit sondergleichen!


    Ich möchte es nicht darauf ankommen lassen festzustellen, wer von uns beiden mehr von Oper versteht. Ganz abgesehen davon, daß man die Meisterwerke verehren und lieben muß, denn ohne Hochachtung und Liebe ist die vielzitierte Hermeneutik ein lebloses Schlagwort - so wird man dem sinnlich-überwältigenden Mythos der Oper nie beikommen können!

    Hallo, Fritz!


    Wir Opernliebhaber- und Kenner haben doch alle keine Ahnung! Ich habe schon länger keine Lust mehr, mich auf diesen hochtrabenden Quatsch von Dr. Holger Kaletha einzulassen. Aber er ist ja der "Experte", da wird kein Widerspruch akzeptiert. Mir geht es nicht um das Philosophieren über das Thema Oper, sondern ich möchte weiter Oper erleben wie ich sie jahrzehntelang in den Opernhäusern erleben durfte, und nun kaum noch erleben darf.


    Herzlichst
    Wolfgang

    W.S.

  • Wir Opernliebhaber- und Kenner haben doch alle keine Ahnung! Ich habe schon länger keine Lust mehr, mich auf diesen hochtrabenden Quatsch von Dr. Holger Kaletha einzulassen. Aber er ist ja der "Experte", da wird kein Widerspruch akzeptiert. Mir geht es nicht um das Philosophieren über das Thema Oper, sondern ich möchte weiter Oper erleben wie ich sie jahrzehntelang in den Opernhäusern erleben durfte, und nun kaum noch erleben darf.


    Da muß ich doch ziemlich schmunzeln, lieber Wolfgang. Worum es also letztlich geht ist ein Machtkampf um die "Hoheit", was die Auslegung angeht. Ihr "Opernliebhaber" wollt die Auslegungshoheit für Euch alleine pachten und diese Pacht um keinen Preis an irgend jemand Anderen abgeben oder diese mit ihm teilen. Wenn dann Ästhetiker und Philosophen kommen, und es sich erlauben, eine bestimmte Opernpraxis zu kritisieren oder ästhetische Maßstäbe zu reflektieren und aufzustellen (die Romantiker waren ja zumeist Dichter, Komponisten und Philosophen in einer Person wie etwa Richard Wagner), dann ist das "hochtrabender Quatsch", den man nicht Ernst zu nehmen braucht. Es ist klar, was daraus folgt: Kein logon didonai, begründend-rechenschaftliches Argumentieren, sondern schlicht und einfach Krieg - Wille zur Macht, der Stärkere (das ist natürlich das zahlende Publikum) setzt sich durch. Dagegen hilft eigentlich nur noch - wie bei E.T.A. Hoffmann bereits - Satire.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Wir Opernliebhaber- und Kenner haben doch alle keine Ahnung!

    Lieber Fritz und lieber Wolfgang, meine lieben Brüder im Geiste
    Mit Eurer und der Meinung und Ansicht vieler anderer unserer Mitglieder, bin ich absolut an Eurer Seite. Wenn ich allerdings die hochgestellten Ansprüche anderer lese, komme ich mir tatsächlich richtig bescheiden und naiv vor und ich kann mich nur immer wiederholen:


    meine ganz normalen Ansprüche und Erwartungen... Ich hatte noch nie das Bedürfnis oder den Wunsch mich in der Oper vom Regisseur belehren zu lassen, mir irgendwelche Erkenntnisse oder Neudeutungen vermitteln lassen zu wollen. Ich habe ein Opernhaus nie als Lehranstalt wahrgenommen. Ich kann auch nicht behaupten, daß ich am Ende der Vorstellung schlauer aus dem Opernhaus gegangen bin. Das ganz sicher nicht, das war nie meine Absicht, wollte ich auch nicht. Dabei möchte ich natürlich auch bemerken, selbstverständlich kenne, bzw. kannte ich die Handlung, den Inhalt und den Ablauf der jeweiligen Oper. Aber ich hatte nie den Wunsch mich im Sinne einer Unterrichtsstunde oder eines Seminars belehren zu lassen. Ich bin in die Oper gegangen um mich von der Athmosphäre, der Musik gefangennehmen und verzaubern zu lassen, um zu genießen.

    Vielleicht hätte ich mit meinen primitiven Ansprüchen mir nie ein Eintrittskarte kaufen, nie ein Opernhaus betreten dürfen. Ich merke jetzt, ich bin einfach nicht reif und würdig dafür. Ich bekenne mich schuldig, daß es bei mir wohl nicht ausreicht, um die hochgeistigen Ergüsse und Neudeutungen der modernen Opernregie zu begreifen. Mir wird langsam bewußt, Oper in ihrer Gesamtheit ist doch keine Sache zum Genießen, sondern ein Schulungszentrum. Warum erschließt sich mir nicht, daß eine Oper, egal welche, doch am besten in die Nazi- Zeit transponiert werden muß, oder daß wenigstens Violetta und Alfredo in Rummelplatz- Auto- Scootern fahren müssen und Rigoletto sich verkommen einen aus dem Flachmann genehmigt? Ja, weil es eben bei mir zu mehr nicht reicht und das stimmt mich jetzt richtig traurig. Geht es Euch vielleicht auch so?


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Mein lieber Chrissy!


    Ich habe zwar mein Gesangstudium abgebrochen, aber auch wenn ich weiter studiert hätte wäre mir niemals in den Sinn gekommen, solch einen Irrsinn auf der Bühne mitzumachen! Dazu hätte ich mich niemals hergegeben! Auch unser "Experte" Dr. Holger Kaletha hat mir nicht auf meine Frage geantwortet wie er reagiert hätte, mit 12 jährigen Kindern einer Porno-Oper von Bieito erlebt zu haben. Das war doch Regietheater in Vollendung!


    Viele Grüße
    Wolfgang

    W.S.

  • Die Geduld und Sachlichkeit, mit der Holger in den letzten Beiträgen für die Daseinsberechtigung des Regietheaters argumentiert, verdient Hochachtung. Auch ohne Philosophie studiert zu haben, kann ich die in seinen Beiträgen vorgebrachten Prinzipien nachvollziehen und anerkennen. Dass dabei auf die Vertreter bestimmter Theorien verwiesen wird, sei es Adorno, Heidegger oder Ingarden, mag man als Bildungshuberei werten; man kann es aber auch einfach als Anregung betrachten, sich mit den jeweiligen Ansätzen auseinanderzusetzen. Oder eben auch nicht, sollte man diese von vornherein ablehnen.


    Obgleich ich kein Freund des Regietheaters bin, erkenne ich inzwischen seine Existenzberechtigung an. Mehr noch, ich glaube, sein Verschwinden wäre ein bedauerlicher Verlust für die Kulturlandschaft. Persönlich sähe ich lieber Inszenierungen, die nicht in eklatanten Widerspruch zum durch das Libretto aufgespannten Erwartungshorizont stehen. Aber Oper ist eben mehr als nur Seelenbalsam. Die ganze Diskussion wäre überflüssig, gäbe es ein vernünftiges Verhältnis von traditionellen und modernen Inszenierungen oder eine klare Etikettierung, so dass unangenehme Überraschungen ausbleiben, auch ohne dass sich der Besucher erst im Internet oder sonstwo über eine Inszenierung informieren muss. Zur Zeit kauft man häufig die Katze im Sack. Der dadurch entstehende Ärger macht sich dann auch hier Luft.


    Es steht jedem frei zu sagen, dass ihm moderne Inszenierungen nicht zusagen und ggf. zu begründen, warum das so ist. Stattdessen wird zumeist höchst unsachlich polemisiert und zugespitzt.


    Hier zeigt sich schlicht fehlende Ernsthaftigkeit in der aktuell andauernden Auseinandersetzung mit dem Regietheater. Die Polemik ist reine Journalistik in souveräner Mißachtung musikhistorischer und musikästhetischer Zusammenhänge.


    :yes:
    _____________________________________________-


    Gestern habe ich mich zufällig etwas mit dem Bild Die Volkszählung zu Bethlehem von Pieter Bruegel dem Älteren beschäftigt.


    'http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Volksz%C3%A4hlung_zu_Bethlehem


    Gibt es in der Malerei eigentlich ähnliche Probleme? Soll heißen: Diskutiert irgendwo jemand über die Verunglimpfung, dass in dieser malerischen Inszenierung der Inhalt des Ursprungstextes zeitlich und lokal vom Regisseur Maler versetzt wurde, um dadurch zeitgenössische Bezüge herzustellen und Kritik zu üben?

    "Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

  • Obgleich ich kein Freund des Regietheaters bin, erkenne ich inzwischen seine Existenzberechtigung an. Mehr noch, ich glaube, sein Verschwinden wäre ein bedauerlicher Verlust für die Kulturlandschaft. Persönlich sähe ich lieber Inszenierungen, die nicht in eklatanten Widerspruch zum durch das Libretto aufgespannten Erwartungshorizont stehen.

    Ja was denn nun, mal so und mal so. Findest Du nicht, daß diese Aussage ein Widerspruch in sich selbst ist?



    Aber Oper ist eben mehr als nur Seelenbalsam.

    Na, sage ich doch. Das Opernhaus ist eine Lehranstalt mit Vorlesung. Wir einfachen kleinen Leute sind eben nur zu doof, die hohen geistigen Ergüsse der modernen Regie zu begreifen, s. meinen selbstkritischen Btr. 264. Der Zuschauer sollte vielleicht beim Betreten des Hauses erstmal eine Eignungsprüfung ablegen, bzw. einen Befähigungsnachweis erbringen.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Mein lieber Lynkeus, Hallo, Dr. Kaletha,


    auch ich muß gestehen, bisher weder die Namen Adorno, Heidegger oder Ingarden gehört zu haben. Sie interessieren mich auch überhaupt nicht, trotzdem ist es mir gelungen, 70 Jahre alt zu werden. Und mir fehlt in meiner Einstellung zu den wesentlichen Dingen des Lebens nichts, gar nichts. Zum Essen und Trinken, was ich beides sehr gerne mache, brauche ich Adorno nicht. Beim Skatspielen fehlt er mir auch nicht, wenn ich mit meiner Frau in einen schönen Bergurlaub fahre, ist er mir völlig schnuppe. Wenn ich in einer Woche den Bayern die Daumen halte, ist es mir völlig egal, was ein gewisser Heidegger dazu gedacht haben würde. Und in all diese Themen scheinen diese Herren ja auch nicht eigedrungen zu sein.


    Aber wenn ich mich aber am Abend unterhalten will - und dazu gehört Musik in fast jeder Form, auch Schauspiel oder Ballett - und man zwingt mir von außen eine Meinung auf, die nicht die meine ist, dann soll ich auf die Meinung solcher Leute (und jetzt meine ich wieder die Regisseure, denen offensichtlich die genannten Namen etwas geben) achten, sie als mein Eigen betrachten, mich deren Sinnlosigkeit ergeben? Nein, nein und nochmals nein. Wie meine Vorredner Milletre, Chrissy, Dr. Pingel, Fides, Wolfgang uva. schon sagten, ist auch mein Anspruch an Oper etwas anderes.


    Dr. Kaletha, ich hatte gefragt, wie Du mit Deiner Pseudowissenschaft die Notwendigkeit von Gaskammermorden im Tannhäuser erklären kannst. Du hast nicht geantwortet. Fehlen Dir die eigenen Ideen, wenn Adorno und die anderen keine Antwort wissen, die Du zitieren kannst?


    Die ganze Diskussion gerade in diesem Thread ist für mich nur ein Beweis dafür, wie "wichtig" die "Geistes(r)wissenschaft" Philosophie ist und wie sie am Menschen vorbei denkt. Da halte ich es lieber mit den Naturwissenschaften und dem gesunden Menschenverstand.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Sie interessieren mich auch überhaupt nicht, trotzdem ist es mir gelungen, 70 Jahre alt zu werden.


    Man kann auch völlig auf klassische Musik verzichten und 900 Jahre alt werden, so wie Methusalem. Und Naturwissenschaften brauchte der auch nicht.

  • Diskutiert irgendwo jemand über die Verunglimpfung, dass in dieser malerischen Inszenierung der Inhalt des Ursprungstextes zeitlich und lokal vom Regisseur Maler versetzt wurde, um dadurch zeitgenössische Bezüge herzustellen und Kritik zu üben?


    Lieber Lynkeus,


    das ist doch gerade der Knackpunkt. Die Maler haben zu dem Thema ein neues Bild gemalt, um ihre Sichtweise der Themas darzustellen, und nicht etwa ein altes Bild übermalt. Dasselbe gilt doch auch für Musik und Literatur. Wie oft sind die antiken Dramenstoffe von Musikern und Literaten neu gefasst und bearbeitet worden. Aber das waren dann eben neue Stücke, die unter dem Namen des jeweiligen Autors bzw. Komponisten veröffentlicht wurden. Nebenbei - das wurde hier auch schon mehrfach angesprochen. Wenn jemand meint, der Tannhäuser bedürfe einer neuen Deutung, dann soll er ein entsprechendes Stück schreiben, und vielleicht findet er ja auch einen Komponisten. Aber er sollte das Ganze nicht als Wagners Tannhäuser verkaufen.


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)