Sieg der Moral - Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni

  • Liebe Mozartfreunde


    Viele meinen "Don Giovanni " sei Mozarts "vollkommenste" Oper, eine Aussage der ich mich nicht anschließen kann, sind doch auch die anderen Da Ponte Opern meisterlich, ganz zu schweigen von der Musik der Zauberflöte. Dennoch führt uns gerade dieses Werk vor Augen was uns durch Mozarts frühen Tod verlorenging, wohin er sich noch hätte entwickeln können.


    Eigenartigerweise war der Oper bei ihrer Uraufführung in Wien, im Gegensatz zu Prag, kein großer Erfolg beschieden.
    Die Meinungen in anderen Städten war unterschiedlich, manche stießen sich an der "Amoralität" des Stückes, Aber schließlich war der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.



    Im Gegensatz zu anderen Opern von Mozart , so meine ich jedenfalls,
    ist die Anzahl an geglückten Einspielungen eher spärlich, sieht man von historischen Aufnahmen ab, wie etwa jener von Fritz Busch aus dem Jahre 1936.


    Ich werde meine Favoriten später nennen, warte zunächst auf Euere Empfehlungen und Bemerkungen. Besonders interessieren würde mich, ob jemand die Aufnahme unter Arnold Östman aus Drottningholm für DECCA kennt, und wie er sie beurteilt.


    Ich hoffe auf rege Beteiligung


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Hallo Alfred,


    na, es gibt schon einige empfehlenswerte Einspielungen dieser schönsten aller (Mozart)Opern :D!
    Für mich bis heute unerreicht: Giulini von 1959 - Klasse Sänger, klasse Sängerinnen, Spitzendirigent, der das Beste aus dem Orchester herausholte.



    ...wer's moderner mag: Gardiner von 1995. Ebenfalls exquisite Besetzung, schwungvoll, ebenfalls sehr empfehleswert.



    Krips aus 1955 und Fricsay von 1958 gehören auch noch zu den Denkmälern, die nicht vergessen werden sollten.
    Die Busch-Aufnahme ist sicherlich für den damaligen Entstehungszeitpunkt sehr modern gewesen, aus heutiger Sicht für mich aber nicht mehr ganz so exemplarisch. Die Einspielung von Östman kenne ich leider überhaupt kein bißchen.


    Gruß aus Hamburg
    Uwe

  • Sehr schön ist auch



    Die Besetzung: Nicolai Gedda * Christa Ludwig * Claire Watson * Mirella Freni * Walter Berry * Franz Crass * Paolo Montarsolo ist imo ebenbürtig zu Giulini (auch wenn Claire Watson nicht so mein Fall ist als Donna Anna).
    Bei Klemperer ist das "dramma giocoso" zwar "nur dramma" ;) , aber seine unvergleichliche Art der Partiturbehandlung tut dieser Oper sehr gut.


    Für heutige Verhältnisse sehr gut besetzt ist


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Hallo,


    Nach angemessener Pause greife ich den Thread um diese Oper wieder auf. Ich werde nun meine vorhandenen Aufnahmen bekanntgeben:


    Interessanterweise besitze ich die Böhm -Aufnahme aus Prag nur auf LP (Fischer-Dieskau - Ezio Flagello - Birgit Nilsson - Peter Schreier Martina Arroyo -MArtti Talvela -Reri Grist - Alfredo Mariotti- Orchester des Nationaltheaters Prag ) nur auf LP. Ich habe sie seit ca 30 Jahren nicht mehr gehört, und könnte weder was positives noch was negatives drüber sagen. Ein schlechtes Zeichen, wie ich meine....


    Meine "Standard" CD -Einspielung ist jene unter Bernard Haitink, die sich nicht durch besondere Stars , sondern durch eine homogene Ensemble -Leistung auszeichnet.
    (Thomas Allen - Caroil Vaness - Maria Ewing -Elizabeth Gale -Keith Lewis - Richas Van Allan - etc..) Die Aufnahme entstand 1985 anlässlich des 50 jährigen Bestehen des Glyndebourne Festival.... (EMI)



    Vor zirka einem Jahr habe ich die Sammlung dann um die Aufnahme unter Krips ergänzt.
    Die Besetzung allein lässt aufhorchen: Cesare-Siepi - Suzanne Danco - Lisa della Casa -Fernando Corena - Anton Dermota - Hilde Gueden - Walter Berry - Kurt Boehme - Wiener - Philharmoniker - Wiener Statsopernchor.



    Hier dürfte es sich IMO um eine der interessantesten Aufnahmen des Werkes überhaupt handeln


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

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  • Guilini übernahm die Aufnahme, die eigentlich Otto Klemperer machen sollte, der aber im Bett mit seiner Pfeife eingeschlafen war und deswegen nicht zur Verfügung stand, aber einige Jahre später dann doch die Aufnahme nachholen konnte. Gottseidank. Was hatte er von einen Giovanni ! Ghiaurow ist doch ein anderes Kaliber als Waechter( der in einer Live-Version mit Karajan in Wien im letzen Teil beinahe kollabierend fast nur noch schreit). Der Giovanni muß ein kraftvoller Bariton sein ( ein hoher Bass ist kein Fehler, bestimmt eher geeignet als ein überanstrengter Bariton), ein Gegenpart zum Komtur. Zugleich muss er ein verführerischer Liebhaber sein. Ghiaurow konnte beides und Klemperer gibt gerade dem Schluß eine Wucht, dass es eine Pracht ist, mit Freni, Ludwig und Berry hat durchweg erstklassige Sänger.Leider besteht eine gewisse Distanz zu langsamen Tempi. Ich meine, wenn darin Spannung aufgebaut wird, sollte es keine Einwände geben. Das konnte Klemperer und man hört dadurch einfach mehr, etwa Takt 564 ff. des Finales, die zur Unterwelt führenden Abwärtsläufe. Klemperer hat natürlich das dramma mehr betont als das giocoso, aber letztlich es doch auch ein dramma. Für mich nach wie vor die überzeugendste Lösung, auch wenn es viele anhörbare Aufnahmen gibt.

  • Hallo Alfred,


    ich nutze die Frage für eine aus-und abschweifende Antwort. Ich kenne die Aufnahme von Östmann, habe sie aber wegen des anämischen Hakegard als Giovanni nicht. Giovanni muss kraftvoll sein, nicht nur als Verführer der Frauen, sondern als Pendant zum steinernen Gast.
    Eben gerade sah ich einmal wieder den Film Losey ( über die Regie will ich mich gar nicht auslassen), aber Giovanni wird von Ruggiero Raimondi gespielt- DEM BÖSEWICHT par excellence. Es ist vielleicht nicht die stimmliche Leistung, aber die Ausstrahlung ( er spielt den Escamillo in der Losey Verfilmung von Carmen und den Scarpia in einer Neuverfilmung von Tosca. Unerreicht, wie stark dieser Mann in der Rolle des Bösen ist.
    Als Giovanni widersteht er dem steinernen Gast. Zugleich, ein großer Schauspieler eben, kann er auch Erschrecken zeigen. Man sieht, er erschrickt, aber er weicht nicht. Das ist grandios.
    Leider ist der sound-track von Maazel nicht perfekt. Edda Moser ist keine gute Besetzung, die Kanawa finde ich hier fehlbesetzt, großartig wieder José van Dam als Leporello. Er spielt ihn nicht so kasperhaft, wie wir es oft erleben müssen, sondern als Vertreter seiner " Klasse",selbstbewußt und zugleich in den Grenzen er Sozialisation. Stimmlich ist van Dam ja eher ein Komptur oder ein Giovanni.
    Aber allein wegen Raimondi sollte man diesen Film gesehen haben.


    Schöne Grüße aus dem nasskalten Bremen


    Sagitt

  • Meine erste DG-Gesamtaufnahme war -- @ Alfred -- zufälligerweise auch die Böhm-Einspielung aus Prag, die ich, da schon auf CD, einige Jahre rauf und runter gehört habe. FiDi ist sicher sehr gut als DG, die anderen Sänger habe ich jetzt gar nicht präsent, außer der Nilsson, die eine grauenhafte zweite Arie hinknödelt, da war die Stimme schon zu Isoldenschwer...


    DG ist für mich (und viele andere...) _die_ Oper schlechthin, ich kann sie eigentlich in jeder Stimmung hören und tue das auch fast täglich :D.


    Meine beeindruckendsten Erlebnisse waren Live-Aufführungen:
    An allererster Stelle steht natürlich Harnoncourt in Salzburg, wo ich das Glück hatte, bei einer Probe dabei sein zu können... Ernsthaft, großartig, mit dem nötigen Pathos, die komischen Elemente sinnvoll eingebunden, mit einem Wort meisterhaft. Das lag auch an der klugen und bis auf den Schluss (Leporello ersticht DG) plausiblen und psychologisch überzeugenden Inszenierung von Martin Kusej, aber die Krone gebührt doch Harnoncourt. Allein wie er dem Orchester erklärte, dass die Phrase in Annas Rezitativ vor der ersten Arie "non viene alcun" (niemand hilft, während ich schreie) in den Celli nachklingt... unvergesslich! Thomas Hampson war ein kraftvoller, männlicher (nicht machohafter...) Don, am Höhepunkt seiner stimmlichen und darstellerischen Möglichkeiten, fast ins Hamlethafte gehend. In der Probe sang er frei und ohne Nervosität, die ihm sonst manchmal im Weg steht... Anna Netrebko war das Ereignis, als das sie seither in der Welt herumgereicht wird. Eine junge Frau mit einer fantastischen Stimme, wunderbaren Technik, psychologisch vielleicht erst in paar Jahren am Höhepunkt... Ildebrando d'Arcangelo als Leporello dem DG endlich einmal sowohl von der Stimme als auch von der Regie her ebenbürtig, auch wenn der Schluss... siehe oben... Und das an Wundern nicht arme Ereignis eigentlich alles Überstrahlende war doch Michael Schade als Don Ottavio: lyrisch, sich verströmend, psychologisch genau bis in die kleinste Verästelung, stimmlich nicht ganz an Wunderlich heranreichend, von der Intensität und Intelligenz seiner Darstellung aber ALLE Vorbilder meilenweit hinter sich lassend. Allein der Beginn von dalla sua pace oder der mitreißende Applomb in il mio tesoro -- unerreicht! Gibt es mit ihm eigentlich schon eine Aufnahme?


    Mein zweites persönliches Highlight war Bo Skovhus, den ich vor ein paar Jahren sowohl in der Volksoper als auch in der Staatsoper als DG erleben durfte... Das Drumherum ist mir kaum erinnerlich, aber Skovhus übertraf alles, was ich bisher gehört habe. Noch heute messe ich jedes Ständchen, jede Höllenfahrt an seiner psychologisch intensiven, trotzdem natürlichen, männlichen und einfach mitreißenden Interpretation. Auch auf Konserve überzeugend in der auch sonst nicht üblen (und billigen) Naxos-Aufnahme mit einer wunderbaren Adrienne Pieczonka. Kennt jemand die Aufnahme mit ihm unter Mackerras?


    Ansonsten überzeugt mich keine Einspielung zu 100%, die ideale Aufnahme gibt es nicht! Daher nur ein paar ungeordnete Stichworte:


    Furtwängler (Salzburg 1954): Siepi, Grümmer, Schwarzkopf, Dermota (!), Edelmann -- großartig, dämonisch, trotzdem klar und luzide


    Böhm: Schallplattenaufnahme mit George London und Sena Jurinac, etwas zu zerkratzt, um wirklich etwas sagen zu können


    Solti: Bryn Terfel setzt Maßstäbe, Rene Fleming sehr gut, aber etwas kalt, wie die ganze Aufnahme


    Abbado: energisch und schwungvoll, trotzdem tiefgehend. Keenlyside auch zu anämisch, Bryn Terfel als Leporello wiederum Maßstab setzend; Soile Isokoski als Elvira sehr berührend


    Betrand de Billy: hätte ich mir selbst nicht gekauft, aber sehr überzeugend, vor allem Regina Schörg als Anna; die Männer alle etwas undifferenziert...


    Muti: Hochglanz-Aufnahme, gehört nicht zu meinen Favoriten


    Daniel Harding (Live aus Aix): etwas überzogene Tempi, entwickelt aber einen Drive, dem man sich schwer entziehen kann


    Arnold Oestmann (@ Alfred): Gibt es midprice in einer Box mit den Da Ponte-Opern und der Zauberflöte, überzeugt mich aber nicht, da Oestmann versucht, vieles gegen den Strich zu bürsten, dabei aber auf halbem Weg aufhört. Irgendwie scheint er seinem Konzept nicht zu trauen... Genaueres schreibe ich aber erst, wenn ich die Aufnahme öfter gehört habe


    Auf meinem Wunschzettel stehen noch Mackerras, Giulini und Harnoncourt...


    Was macht die Faszination des Don Giovanni aus? Erstens denke ich sind es die zahlreichen Ebenen, die von Da Ponte und Mozart so wunderbar verwoben werden, sowohl von der Handlung - dramma UND giocoso, als auch und vor allem durch die Musik. Das eine Element wird durch das andere motiviert, gewinnt daraus eigentlich erst seine Existenzberechtigung. Zweitens die psychologische Genauigkeit, mit der ALLE Figuren vor allem durch Mozarts Musik so gezeichnet werden, dass sich jeder auch heute noch zumindest zum Teil darin wieder finden und sich damit über all die Jahrhunderte hinweg identifizieren kann. Drittens der Reichtum vor allem der Partitur, wo einem bei jedem Hören neue Wunder offenbart werden: von den unübertroffenen Finali und Ensembles, allein der durch einige Trompetenakkorde markierte Eintritt der Fackeln im Sextett des zweiten Aktes, der Beginn des letzten Finales, vordergründig Festmusik, dahinter aber die Gehetztheit des dem Tode Nahen, die Verwebung der verschiedenen Tänze im Finale des ersten Aktes, die unerschütterliche Liebe Elviras auch im Angesicht der unmittelbar bevorstehenden Katastrophe, bis zur vielschichtigen und letztlich nicht fassbaren Figur des Don Giovanni selbst, lebenshungrig, gierig, egozentrisch, sich um keine Konventionen kümmernd, aufbegehrend bis zuletzt... Hunderte Male gehört, trotzdem unerschöpflich...

    Einmal editiert, zuletzt von Orpheus ()

  • Wollte meinen Beitrag eigentlich ans Ende setzen, er ist jedoch versehentlich weiter nach oben gerutscht...


    Ein Wort noch zum "Sieg der Moral": Das ist zwar vordergründig die Interpretation des 18. Jahrhunderts, die man im 19. Jahrhundert unter einer romantisierenden Sichtweise nicht mehr wollte, demzufolge die Oper auch mit der Höllenfahrt beendete. Ich kann das nicht so schwarz-weiß sehen, denn wenn auch Don Giovanni mit seinem Leben bezahlt, sind die übrig Gebliebenen keine Sieger, schon gar nicht nicht die von ihnen vertretene Ständische Ordnung. Das Finale dreht sich ja doch zum Großteil darum, was alle Figuren machen werden, nachdem ihnen das Zentrum und der Sinn ihres Daseins, nämlich Don Giovanni, abhanden gekommen ist. Erst daraus ist das Finale überhaupt vertändlich, quasi als bloßer Nachsatz zur gesamten Oper. Die affirmative Schlussrhetorik (So geht es dem, der Böses tut...) entspricht eigentlich nur der Operntradition, die Darsteller treten dabei an die Rampe, wenden sich ans Publikum, treten aber somit aus der eigentlichen Handlung der Oper heraus. Musikalisch sind die allerletzten Takte der Oper eher doch eine Infragestellung als eine Bekräftigung... Oder? :D


    So viel für jetzt... liebe Grüße und möglichst viel Widerspruch...

    Einmal editiert, zuletzt von Orpheus ()

  • Tag,


    ja, ja, Orpheus, ganz richtig bemerkt, da ist kein "Sieg von Moral" oder etwa der Sittlichkeit, denn die unergründliche, unerreichbare Tiefe (das Apeiron) hat seine (zwar) brüllende Figur zurück bekommen, aber deren Brüllen muß sein. Die Erde tut sich auf, den Dämon zu erhalten, das ES bleibt unversehrt, unterirdisch. Man sieht ES nur nicht.


    Folglich: Perpetuierung des Bösen, Rettung des Bösen (!), wahrgenommen als Sinnlichkeit. Mozart war keiner vom Schlage des "der Sternenhimmel über mir und das Moralgesetz in mir". Das war das Dämonische am Don Giovanni (man vergleiche mit Richard III, tötet den Gatten, erobert dann die ihn bespuckende Gattin), lautet Verrückte.


    MfG
    Albus

  • Danke für die Tipps bezüglich der Bilder @ Alfred und RR!


    Asche auf mein Haupt: Bei Durchsicht meiner Schallplatten fiel mir heute auf, dass der Don Giovanni mit George London gar nicht von Böhm, sondern von Rudolf Moralt dirigiert wurde... Habe ihn (das erste mal seit Jahren...) gleich durchgehört und kann nur von einem wunderbar schwarzen, dämonischen und kraftvollen George London berichten, für heutige Ohren fast schon zu schwer, eher ein spanischer Wotan als ein glaubhafter Verführer. Sehr schön Walter Berry als Leporello, wobei dieser Akzent im Italienischen heute nicht mehr durchginge... Hilde Zadek als Anna und Sena Jurinac als Elvira (hat sie die Rolle sonst auch gesungen bzw. aufgenommen?) sind sehr, sehr gut. Angenehm überrascht war ich von dem mir bis dato fast unbekannten Leopold Simoneau als Ottavio - einer der wenigen, der den Spagat zwischen lyrischem Timbre und beherzter Mänlichkeit schafft und dabei noch ganz selbstverständlich klingt - bei der Rolle eine nicht zu unterschätzende Leistung. Das Orchester klingt furchtbar und ist leider fast nicht anhörbar, obwohl Moralt sehr schwungvoll und zügig an die Sache geht!

  • So, nun hab auch ich die Klemperer-Aufnahme gekauft - uind inzwischen auch kritsch abhehört, nein stimmt gar nicht: begeistert abgehört muß es heißen.



    Hätte Klemperer nur diese Aufnahme gemacht, schon allein deswegen wäre ihm ein Ehrenplatz in der Musikgeschichte sicher, aber natürlich liegt es nicht an Klemperer allein, sondern an allen Mitwirkenden.


    Ich habe nach Abhören der Aufnahme meine beiden anderen vergleichend gegengehört und muß sagen, daß mir diese am besten gefällt, nicht etwa weil die beiden anderern (Krips und Haitink) schlecht wären, sondern weil an der Klemperer-Aufnahme alles passt, zumindest nach meinem Geschmack. Die Wuchtige Darstellung passt ausgezeichnet zum Werk, die Sänger sind ausgezeichnet, die Tontechnik lieferte ein transpatrentes, anspringendes Klangbild (wird manchem vielleicht zu anspringend sein, mir aber nicht.


    Selbst die vorzügliche Krips-Einspielung mit Siepi bleibt auf der Strecke, Klemperers Lesart ist überzeugend, zudem hat er die bessere Tontechnik, kein Wunder stammt die Krips-Aufnahme doch aus 1955 (Stereo !! und für ihr Alter ausgezeichnet))


    Die Besetzung ist weiter oben im Thread ohnedies nachzulesen, daher spare ich sie mir.....



    Beste Grüße aus Wien*


    Alfred




    *Für alle Wiener: EMI -Coluimbia Kärntnerstraße hat dieses 3 CD.-Set derzeit um 25 Teuro im Angebot....(Serie Opera, inkl Libretto Italienisch-Englisch)

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Hallo zusammen,


    Neben Giulini, Krips und Gardiner liegt mir folgende noch sehr am Herzen:



    Fricsay wird leider viel zu häufig vergessen, selbst von mir im Dirigenten-Voting. Aber sein Mozart (Oper, Konzert, Symphonie) ist richtig gut.

    Gruß,
    Gerrit

  • Hallo Alfred,


    ich freue mich sehr, dass die Klemperer-Aufnahme endlich angemessen gewürdigt wird. Sie stand lange im Schatten der Guilini-Einspielung, wie ich meine, zu Unrecht.
    Eine gewisse Zeit war Klemperer ja gewaltig " out" wegen seiner Tempi. Es wurde immer wieder Tempo mit Langeweile verwechselt. Klemperer hat gemäßigte Tempi, aber steht das Dramatik im Wege ? Keinesfalls. So dramatisch, wie die drei Herren Komtur, Giovanni und Leporello gegeneinander ansingen- das sucht seinesgleichen.


    Es gibt einzelne bessere Sänger, als Ghiaurov als Giovanni und Berry als Leporello sind umwerfend und eben Klemperer, der mit seiner Strenge dieses Werks prägt und es als großartiges Dokument Mozart´scher Dramatik- neben dem Requiem wohl das dramatischste Stück- vorführt.


    Herzlichen Dank



    Sagitt

  • Danke ebenfalls!


    Habe zu weihnachten den Klemperer-DG geschenkt bekommen. Beeindruckend allen voran Klemperer selbst. Die Tempi sind für sich genommen vielleicht etwas langsam, der gesamtzusammenhang und die tempodramaturgie stimmen aber. Die atmosphäre ist düster, der don giovanni kommt recht schwer daher, alles ist sehr bedeutungsvoll und pathetisch, mehr dramma als giocoso (eine bezeichnung, die übrigens gar nicht von mozart selbst stammt, er nahm alle drei da ponte-opern als opera buffa in sein eigenes werkverzeichnis auf). was mich bei klemperer aber bereits im ersten moment überzeugte, war die kristalline klarheit, mit der er das orchester aufspielen lassen kann, das ist einfach unübertroffen.


    von den sängern gefällt mir walter berry am besten, sicher der beste leporello, nicht nur stimmlich, sondern auch gestalterisch und psychologisch überzeugend. christa ludwig geht für meinen geschmack zu heftig an die donna elvira heran, sie ist mehr die rachefurie als die bis zuletzt liebende. nicolai ghiaurov hätte ich mir noch schwärzer, mehr in richtung siepi gehend vorgestellt. wunderschön nicolai gedda als ottavio, sicher einer der besten mozart-tenöre. claire watson (habe von ihr ehrlich gesagt noch nie gehört) als donna anna ist nicht so mein fall, dafür ist die june mirella freni als zerlina ganz wunderbar.


    jedenfalls eine bereicherung meiner dg-sammlung. als nächstes stehen die aufnahmen mit gardiner und charles mackerras auf meiner wunschliste...

  • Meine Lieben!


    Für ganz wenig Geld gibt es eine der besten Don Giovanni-Aufnahmen und wohl Bruno Walters bester Livemittschnitt überhaupt. Der Gechwindigkeitsrekord ist es wohl auch. Tonqualität OK.
    Allein schon die Ouvertüre dieser Aufnahme ist das packendste, wildeste und feurigste was es gibt; wirklich !!! Versprochen !!!
    Der Herr Kaiser von der SZ findet diese Aufnahme auch wahnsinn (aber wer mag schon den Herrn Kaiser?)



    Mit freundlichen Grüssen aus Frankfurt, Markus

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    Der Herr Kaiser von der SZ findet diese Aufnahme auch wahnsinn (aber wer mag schon den Herrn Kaiser?)


    Ich nicht, aber ich kann die Aufnahme auch nur nachdrücklich empfehlen.

    Gruß,
    Gerrit

  • Salut,


    JA- ich mag die Aufnahme von Arnold Östmann aus dem Drottnigholm Slottsteater wegen der benutzten Originalinstrumente. Der Klang ist viel "echter", das Werk kommt in ein ganz anderes Licht. Die Aufführung als solche finde ich allerdings eher dürftig gelungen (im Gegensatz zu anderen Östmann-Einspielungen mit z. B. Gösta Winbergh), das liegt aber wohl an den vorhandenen benutzbaren Utensilien dieses Theaters, die ja auch immerhin entweder original oder restauriert sind - das muss man natürlich respektieren und abziehen.


    Viele Grüße

  • Hallo,
    du hast recht, die Aufnahme zeigt Ensemblegeist, denn Frau Novotna
    hilft Herrn Kipnis wieder auf die Beine nach seinem Ausrutscher..
    Pinza ist,neben Siepi der beste Giovanni auf CD.


    Gruss Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Zitat

    Original von Alfred-Schmidt
    Viele meinen "Don Giovanni " sei Mozarts "vollkommenste" Oper, eine Aussage der ich mich nicht anschließen kann, sind doch auch die anderen Da Ponte Opern meisterlich, ganz zu schweigen von der Musik der Zauberflöte.


    Salut,


    rein "technisch" gesehen, ist der D.G. so "unvollkommen" wie alle anderen Opern Mozarts - außer eben der Zauberflöte. Zu jeder Oper gibt es Ersatzarien, Einlagen, teils Balette... beim D.G. sogar einen "neuen" Schluß, also anstelle des tragischen, ein gutes Ende [Mozart hat die letzte Nummer einfach nachkomponiert]. Zur Zauberflöte gibt es solcherlei überhaupt nicht - nun, das mag natürlich auch daran liegen, dass Mozart einfach nicht mehr komponieren konnte, weil er bereits 36 Tage nach der Uraufführung verstarb...


    Aber anders gefragt, was soll nun an Don Giovanni vollkommener sein, als Figaro oder andere Opern? Ich finde Mozarts Werke eigentlich immer vollkommen, es ist ihnen nichts hinzuzufügen, geschweige denn etwas wegzulassen...


    Cordialement,
    Ulli

  • Hallo Ulli,


    die "Zauberflöte" (und auch die Clemenza) dürften wohl wirklich aus bedauerlicher Verhinderung Mozarts keine Alternativen haben :) Ich denke, der Theaterpraktiker Mozart wäre um Alternativlösungen, die an die Gegebenheiten anderer Aufführungen und Sänger angepasst wären, nicht verlegen gewesen, hätte er noch weiter gelebt.


    Aber zum Don Giovanni - was dessen Schluss angeht, ist mein Informationsstand, dass das Ende, die "Scena ultima" bei der Uraufführung in Prag 1787 gespielt wurde (also in der Komposition enthalten war), Mozart es dann 1788 in der "Wiener Fassung" wegließ. Ich kann nicht recht sehen, wieso er das Stück, das da Ponte im Text von Anfang an vorgesehen hatte, nachkomponiert haben sollte. Es wurde in Prag doch gespielt und erst später, in Wien nämlich, weggelassen, eine Unsitte, die man gelegentlich heute noch findet - ich meine, ohne diesen Schluss verliert das Stück eine entscheidende Ebene, auch in der Spannung zwischen den tragischen und den buffonesken Elementen der Oper.


    Aber vielleicht meinst Du das ja auch nicht mit dem "guten Ende"? Weil: Ich kann in diesem bitteren Schluss außer der Aussage "Das ist das Ende dessen, der Böses tut." nichts gutes, nichts positives finden. Die Figuren sind irgendwie entgleist, mit dem Ende Don Giovannis fehlt ihnen auch der Bezugspunkt - sie sind ratlos, allesamt. Der Schluss verrät uns viel über die sechs Figuren, die da singen - und ohne das, was er verrät, macht vieles vorher eigentlich gar nicht sonderlich Sinn.


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Salut,


    die Sachlage zu der Wiener resp. Prager Fassung ist [bis heute] leider nicht eindeutig geklärt. Ein gewisser Christoph Bitter will sogar nachweisen können, dass Streichungen im Finale, speziell bezogen auf die Scena ultima erstamls 1798 anlässlich die Wiederaufnahme des Don Giovanni von F. X. Süßmayr vorgenommen wurden... das würde m. E. sogar einen gewissen Sinn machen:


    Wieviele Textstellen waren im [Erst-]Druck des Büchels zur Uraufführung verschiedener [Mozart-]Opern vorhanden und - Mozart hat sie nicht komponiert? Besonders beim D.G. hatte Mozart erheblich Probleme bei der Einstudierung in Prag, mit denen er nicht gerechnet hatte und die den Fortgang der Oper bzw. deren Beendigung beeinträchtigt haben! Die Sänger waren auf mozartisch gesagt Scheiße :stumm: und die eingeplanten 10 Tage zur Einstudierung reichten nicht aus, weshalb die Premiere vom ursprünglich geplanten Termin 14. Oktober 1787 auf den endgültigen Termin 29. Oktober 1787 mehrfach verlegt worden war:



    Da Mozart auch einige Arien "leichter" Komponiert hat, als ursprünglich vorgesehen, könnte es doch sein, daß die scena ultima in Prag noch nicht existent gewesen ist oder - bereits dort weggelassen wurde, da zu schwer!?


    Ich gebe Dir natürlich Recht, dass der Don Giovanni ohne die Scena ultima "unvollkommen" ist!


    Genauso wäre es natürlich eine Schande, die [definitiv nachkomponierte] Arie Mi tradi quell alma ingrata... oder Dalla sua pace wegzulassen.


    Cordialement,
    Ulli

  • Hallo Ulli,


    nach allem, was ich weiss, war das Sextett in der Prager Uraufführung enthalten - die Ungewissheiten über die Fassungen waren mir neu, da muss ich einmal nachschauen. Die beiden von Dir genannten Arien sind sicher nachkomponiert (und in der heute so genannten Prager Fassung auch dramaturgisch nicht unbedingt nötig), dennoch tut weglassen weh.....


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Michael Flaschberger schrieb in Bezug auf die Arte Nova EinSpieling von Mozarts "Don Giovanni" unter Bertrand de Billy:


    Zitat

    Ich persönlich finde diese Aufnahme sehr gelungen ( genauso wie die anderen DaPontes mit fast demselben Ensemble ):


    Hallo Michael, ohne prinzipiell zu widersprechen, ich kenne die Aufnahme (noch ?) nicht, stelle ich Dir die Frage: Welche anderen AuiFnahmen kennst Du ?


    DAß Mozart auch in mittelmäßigen Besetzungen den Effekt nur selten verfehlt, ist ja eine Tatsache, aber wie schauts dann aus wenn man sie mirt den "Meilensteinen" der Schallplattengeschichte vergleicht ?


    Und da gabs gerade bei den Da Ponte- Opern einiges.....


    Freundliche Gruesse aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen

  • Besitzen tu ich ( ausser dieser ) nur noch die Muti-Aufnahme, hab mir aber schon sehr viele in der Uni-Bibliothek in Graz ( Harnoncourt, Abbado, Östman, Gardiner etc. ) angehört und ich komme bei Mozart immer mehr zu dem Schluss das die großen Namen hier wirklich nicht positiv auf das Endergebniss einwirken. Man braucht die "richtigen" Sänger und nicht die "besten" und die hat BdB mMn auf dieser Serie gefunden.

  • Hallo Gerrit,


    da hast Du mir Arbeit abgenommen :P


    Musikalisch finde ich Fricsay immer klasse, die Aufnahmen oder auch das Dirigat ist sehr transparent.
    Leider ist Fischer-Dieskau - wie meiner Meinung nach häufig - etwas steif und aufgesetzt, aber der Gesamteindruck macht es mehr als wett.


    Gottlob ist diese Aufnahme zur Zeit einfach zu bekommen - im Gegensatz zum Figaro, aber da heißts - wie immer im Leben: dranbleiben!


    Liebe Grüße ins Opernland


    :hello: Thomas

  • Hallo!


    Zuerst einmal eine Frage an Alfred: Meinst du die Aufnahme mit John Brownlee??


    Wenn ja, kann ich nur sagen, mein absoluter Lieblings-Don Giovanni.


    Mir gefällt auch eine Deutsche Aufnahme (allerdings die Prager Fassung mit dem Finale der Wiener Fassung, die mir persönlich besser gefällt, da manche Arien nicht gerade zum Vorteil umgeschrieben wurden.)


    Es dirigiert Joseph Keilberth (Berlin 1936). Es singen:
    Karl Hammes
    Ludwig Weber
    Julius Patzak (einer meiner Lieblings Don Ottavios)
    Hedwig Jungkurth uva


    Musikalische sehr gut, nur die Übersetzung ist teilweise schrecklich :evil:


    Mfg Joschi

  • Hallo


    Ich habe mir, angeregt durch Maiks Frage diesen Thread etwas genauer angesehen. Aus heutiger Sicht gesehen ist meine Einführung recht flüchtig, es wurden die Kerndaten des Werkes genannt, dann etliche erstklassige Einspielungen mit Referenzcharakter. Auf die Handlung, die ja in jedem Opernführe steht, wurde indes nicht eingeganden, einfach deshalb, weil die damaligen Mitgliede sowieso alles drüber wussten.


    Nun ergeben sich aber Weiter Aspekte zu diesem Thread:


    Wo ordne ich "Don Giovanni " ein


    Welche Bedeutung hatte das Werk zu seiner Zeit?


    Welche Aussage (n) hat das Werk, und welche wurde in den vergangenen Jahrhunderten hineininterpretiert. ?


    An welchen Vorlagen des Stoffes der ja schon früher verarbeitet wurde hat sich Lorenzo da Ponte orientiert ?
    Wo ist er abgewichen ?


    Ich glaube, daß das eine interessante Fortsetzug des Threads für uns alle bedeuten könnte, etwas tiefer schürfend - und doch unterhaltsam


    mit sommerlichen Grüßen


    aus Wien


    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen