Interpretation - eingeschränkte Notwendigkeit?

  • Als Originalwerk bezeichne ich eine Inszenierung, deren Handlung nach dem Libretto, auf das der Komponist die Musik geschrieben hat, abläuft und die zeitlich und örtlich dort angesiedelt ist, wo sie historisch hingehört.

    Nach der einhelligen Meinung aller bedeutenden Werktheoretiker ist das Werk eben nicht mit dem Libretto oder der Partitur identisch.


    Anmerkung Ende und Punkt. ^^

  • Nach der einhelligen Meinung aller bedeutenden Werktheoretiker ist das Werk eben nicht mit dem Libretto oder der Partitur identisch.

    Grau, teurer Freund, ist alle Theorie!!!

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Grau, teurer Freund, ist alle Theorie!!!

    ...und häufig weltfremd....

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    Einmal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Grau, teurer Freund, ist alle Theorie!!!


    und häufig weltfremd.

    ... und nicht nur grau, sondern öde ist Intellektualitätsfeindlichkeit und noch weltfremder ist Ignoranz. Man kann einem Ferruccio Busoni z.B. wohl kaum vorhalten, dass das, was er über das Verhältnis von Werk und Partitur/Libretto schreibt, nur graue Theorie ist. Dem liegt seine Erfahrung als Komponist, insbesondere das Komponieren von Transkriptionen, zugrunde. Und schlicht und einfach sachlich falsche Behauptungen wie die, dass das Werk mit dem Libretto identisch sei, werden durch das Eigenlob der Torheit nicht richtig. Ansonsten kann jedermann daherkommen und behaupten, die Erde sei eine Scheibe, weil Naturwissenschaft ja nur graue Theorie sei und weltfremd da nur die Evidenz des Selbsterlebten des eigenen sehr bescheidenen Erfahrungshorizontes zähle, dass der Boden auf dem wir uns bewegen, nun mal flach ist. Nur ist dann diese Behauptung genauso flach wie der Grund, auf der sie sich bewegt. Aber dieses flache Niveau ist typisch für RT-Gegner: Wo sie Unrecht haben, haben sie trotzdem Recht, weil sie von der Wahrheit, sei sie auch noch so erdrückend, schlicht nichts wissen wollen. Das Ressentiment gegen Bildung und Wissen lügt sich dann die Dinge zurecht, wie sie ihnen in den Kram passen.


    Gestern war in Ausschnitten Zeffirreli in Verona zu sehen im ZDF. Das trieft ja nun nur so vor Kitsch...


    Schöne Grüße

    Holger

  • ... und nicht nur grau, sondern öde ist Intellektualitätsfeindlichkeit und noch weltfremder ist Ignoranz.


    Das Ressentiment gegen Bildung und Wissen lügt sich dann die Dinge zurecht, wie sie ihnen in den Kram passen.

    Es ist wirklich höchste Zeit, dass das mal so klar und deutlich gesagt wurde.

  • Grau, teurer Freund, ist alle Theorie!!!

    ... und leuchtet doch um so vieles heller, als die stumpf-dumpf-sture Kellerschwärze der Verweigerung.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Übrigens:

    Als Originalwerk bezeichne ich eine Inszenierung, deren Handlung nach dem Libretto, auf das der Komponist die Musik geschrieben hat, abläuft und die zeitlich und örtlich dort angesiedelt ist, wo sie historisch hingehört.

    Grau, teurer Freund, ist alle Theorie!!!

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Nach der einhelligen Meinung aller bedeutenden Werktheoretiker ist das Werk eben nicht mit dem Libretto oder der Partitur identisch.

    Lieber Holger,

    obwohl ich mich bisher aus dieser meines Erachtens kaum zielführenden Diskussion herausgehalten habe und auch jetzt Dein mit Punkt und Ende gesetztes Stoppsignal ignoriere möchte ich bitte nur die Frage beantwortet haben: Wenn das Werk nicht mit dem Libretto und dem Werk identisch sein soll, was ist dann für eine Aufführung Maßstab, Richtlinie und Wegweisung? Woran sollen sich Regisseure und Interpreten halten?

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • obwohl ich mich bisher aus dieser meines Erachtens kaum zielführenden Diskussion herausgehalten habe und auch jetzt Dein mit Punkt und Ende gesetztes Stoppsignal ignoriere möchte ich bitte nur die Frage beantwortet haben: Wenn das Werk nicht mit dem Libretto und dem Werk identisch sein soll, was ist dann für eine Aufführung Maßstab, Richtlinie und Wegweisung? Woran sollen sich Regisseure und Interpreten halten?

    Lieber Hans,


    erst einmal solltet Ihr zur Kenntnis nehmen, dass unter Fachleuten Einstimmigkeit darüber herrscht, dass Werk und Libretto nicht identisch sind. "Geist" und "Buchstaben" sollte man nicht miteinander verwechseln, sondern auseinanderhalten können. Das Werk ist ein Sinn, und ein Sinngebilde ist nichts Materielles und entsprechend nicht etwas, was man einfach aufschreiben kann. Das Libretto ist lediglich ein Anhalts- und natürlich der Ausgangspunkt für die Anstrengung der Sinnerschließung - aber nicht etwa das Ziel für eine positivistische Nachahmung von dem, was geschrieben steht. Und was ist, wenn das Werk in verschiedenen Fassungen existiert? Wenn das Werk und das Geschriebene identisch sein sollen, dann wären die verschiedenen Fassungen nicht mehr ein und dasselbe Werk, sondern grundverschiedene Werke! Darüber hinaus enthält ein Libretto ganz pragmatisch Spielanweisungen, welche die Aufführungspraxis und gar nicht das Werk im eigentlichen Sinne betreffen usw. usw.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Wenn das Werk nicht mit dem Libretto und dem Werk identisch sein soll, was ist dann für eine Aufführung Maßstab, Richtlinie und Wegweisung? Woran sollen sich Regisseure und Interpreten halten?

    Hierin liegt m.E. keinerlei Widerspruch: Natürlich sollen und müssen sich Regie und Interpretation - im Rahmen der Interpretationsfreiheit - an das Libretto und die Partitur halten. Was dann in gemeinsamer Arbeit daraus entsteht, ist das Werk. Dass dies nicht mit dem Libretto und der Partitur identisch sein kann, ist jedoch nur zu offensichtlich. Wie Holger schon schrieb, dass eine sind die Buchstaben, dass andere ist der Geist. Oder auch anders: Das eine ist gegenständlich, dass andere mindestens flüchtig, vielleicht sogar imaginär (Ich sehe nicht dass, was auf der Bühne geschieht, sondern dass, von dem ich denke, dass es auf der Bühne geschieht.).

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Das Libretto ist lediglich ein Anhalts- und natürlich der Ausgangspunkt für die Anstrengung der Sinnerschließung - aber nicht etwa das Ziel für eine positivistische Nachahmung von dem, was geschrieben steht. Und was ist, wenn das Werk in verschiedenen Fassungen existiert?

    Lieber Holger,


    Lass mich rekapitulieren: das Libretto ist nur ein Beitrag zum sogennanten Originalwerk, so wie die Musik des Komponisten auch nur ein Beitrag ist. Die Inszenierung ist ein dritter Beitrag.

    Am Beispiel Metastasios könnte man das Libretto von "Siroe, re di Persia" nehmen, das von zwei Dutzend Komponisten bearbeitet wurde und jeder von denen hat die Worte des Librettos anders umgesetzt, sodass zwei Dutzend Werke entstanden, die dann wiederum durch die jeweilige Inszenierung eine neue Komponente erhalten, deren Sinnerschliessung als zusätzliche Komponente beim Rezipienten liegt. Erst in dessen Kopf entsteht das Originalwerk. Busoni lässt grüssen!

    ... dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss.


    Bin ich auf dem richtigen Wege? Es grüsst der neugierig Richard


  • und häufig weltfremd

    Die weltfremdeste Theater-Theorie, die mir bekannt ist, ist im übrigen die eines gewissen "Gerhard Wischniewski", der im Musiktheater immer und immer wieder auf das Libretto als Referenzpunkt pocht und dabei völlig außer Acht lässt, dass es zum einen in der Oper eine weitere wichtige Kunst, nämlich die Musik gibt und zum anderen leugnet, dass zur Realisierung von Libretto und Partitur eine weitere Kunst, nämlich die Inszenierung, nötig ist. Diese Auffassung deshalb so weltfremd, weil sie alle Überlegungen der Theaterwissenschaft der letzten 150 geflissentlich ignoriert und darüber hinaus sich auch auf keine tatsächlichen Theaterbesuche stützt. Eitel ist sie, weil sehr berechtigte Einwände immer wieder brüsk und nassforsch zur Seite gewischt werden, wobei Argumente dabei kaum zur Anwendung geschweige denn zum Austausch kommen.

  • Als Originalwerk bezeichne ich eine Inszenierung, deren Handlung nach dem Libretto, auf das der Komponist die Musik geschrieben hat, abläuft und die zeitlich und örtlich dort angesiedelt ist, wo sie historisch hingehört.

    Beim nochmaligen Lesen stelle ich fest, dass wir Gerhard in diesem speziellen Fall sogar unrecht an der falschen Stelle tun. Er behauptet - zumindest in der obigen Aussage - nicht, dass Werk und Libretto/Partitur identisch seien. Tatsächlich stellt er eine Verbindung zwischen Werk und Inszenierung her, die ich sogar bereit bin zumindest cum grano salis ein Stück weit zu teilen: Basierend auf Holgers Ausführungen (nicht nur in diesem Thread) zum Werkbegriff hat sich bei mir (sozusagen für den praktischen Gebrauch) der Gedanke manifestiert, dass das Werk erst im Moment der Aufführung entsteht, also erst das Aufgeführte das Werk ist. Da nun andererseits Inszenierung und Aufführung schwer zu trennen sind, ist ein geweisser "Gleichklang" von Inszenierung und Werk für mich durchaus plausibel. - Natürlich ändert all dies weder etwas an dem hochproblematischen Begriff des Originalwerkes, noch an der einfach nur ärgerlichen Verweigerung einer jeglichen Grundlegung von Begriffen via unumgänglicher Theoriebildung.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Nun habe ich den Herren Theoretikern wohl wieder einen Grund gegeben, über mich herzufallen, wie ich aus den vielen Zuschriften ersehen kann. Freut mich ungemein. Zum Schweigen und meine Position gegenüber verschandelten Handlungen aufzugeben bringen sie mich jedenfalls nicht. Mögen sie hetzen, solange sie wollen. :hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha:

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    Einmal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Nun habe ich den Herren Theoretikern wohl wieder einen Grund gegeben, über mich herzufallen, wie ich aus den vielen Zuschriften ersehen kann. Freut mich ungemein. Zum Schweigen und meine Position gegenüber verschandelten Handlungen aufzugeben bringen sie mich jedenfalls nicht. Mögen sie hetzen, solange sie wollen. :hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha:

    Ach, Gerhard, ich glaube, jetzt nimmst Du dich doch etwas zu wichtig! - Weder fällt hier jemand über Dich her, noch will Dich jemand zum Schweigen bringen. Und auch gehetzt wird nicht. Ein kritisches Hinterfragen bestimmter Positionen und Setzungen hingegen muss jedoch erlaubt sein.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Jetzt fehlt eigentlich nur noch der User amfortas mit einem Beitrag.


    Auch ich laß jetzt ne Unterschrift weg. Ist wohl nicht mehr üblich.

    Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!

  • ...

    nicht nur der Herr Amfortas, sondern manche andere nehmen sich hier so wichtig und überrragend, dass sie ständig namentlich auf mir herumhacken. Aber das juckt mich absolut nicht. Die gescheiten Leser werden schon wissen, was sie davon zu halten haben....

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

    Einmal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • nicht nur der Herr Amfortas, sondern manche andere nehmen sich hier so wichtig und überrragend, dass sie ständig namentlich auf mir herumhacken. Aber das juckt mich absolut nicht. Die gescheiten Leser werden schon wissen, was sie davon zu halten haben.

    Nun ja, mir persönlich ist es tatsächlich lieber, wenn man namentlich auf mir herumhackt, als wenn ich allgemein und wenig greifbar zu den "Herren Theoretikern" gezählt werde. - Aber das muss wohl jeder mit sich selber abmachen ...

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Nun habe ich den Herren Theoretikern wohl wieder einen Grund gegeben, über mich herzufallen, wie ich aus den vielen Zuschriften ersehen kann. Freut mich ungemein. Zum Schweigen und meine Position gegenüber verschandelten Handlungen aufzugeben bringen sie mich jedenfalls nicht. Mögen sie hetzen, solange sie wollen. :hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha::hahahaha:

    Ein schönes Beispiel für Dialektik: Wenn man eine ganz unaufgeregte sachliche Diskussion hysterisch als "Hetze" wahrnimmt, dann betreibt man selber Hetze und will jegliche sachlich-kritischen Einwände gegen die eigene betonköpfige Meinung zum Schweigen bringen, indem man eine Sachdiskussion in dieser Weise skandalisiert. Und da gibt es nun wirklich nichts zu Lachen.


    Beim nochmaligen Lesen stelle ich fest, dass wir Gerhard in diesem speziellen Fall sogar unrecht an der falschen Stelle tun. Er behauptet - zumindest in der obigen Aussage - nicht, dass Werk und Libretto/Partitur identisch seien.

    Es läuft aber auf dasselbe hinaus, lieber Michael. Eine Inszenierung, also die Aufführung, ist dann ein "originales" Werk, wenn sie wiederum das "originale" Werk in Szene setzt, wie es wiederum nur "original" im Libretto und der Partitur festgehalten ist, wo also Werk und Libretto identisch sind. Ohne diese sich gegenseitig stützende Gedankenkette kann man von einer "originalgetreuen" Inszenierung schlicht nicht sprechen.


    Lass mich rekapitulieren: das Libretto ist nur ein Beitrag zum sogennanten Originalwerk, so wie die Musik des Komponisten auch nur ein Beitrag ist. Die Inszenierung ist ein dritter Beitrag.

    Am Beispiel Metastasios könnte man das Libretto von "Siroe, re di Persia" nehmen, das von zwei Dutzend Komponisten bearbeitet wurde und jeder von denen hat die Worte des Librettos anders umgesetzt, sodass zwei Dutzend Werke entstanden, die dann wiederum durch die jeweilige Inszenierung eine neue Komponente erhalten, deren Sinnerschliessung als zusätzliche Komponente beim Rezipienten liegt. Erst in dessen Kopf entsteht das Originalwerk. Busoni lässt grüssen!

    ... dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss.

    Bin ich auf dem richtigen Wege? Es grüsst der neugierig Richard


    Ja, lieber Richard. Ich modifiziere mal Dein Metastasios-Beispiel und nehme eine Liedvertonung (war Thema im Adriano-Thread kürzlich): Die drei Zigeuner von Nikolaus Lenau haben sowohl Franz Liszt als auch Othmar Schoeck vertont. Liszts Vertonung ist zweifellos näher an Lenau, weil sie in der Zeit im romantischen Geiste geschieht. Schoecks Vertonung dagegen ist nicht mehr romantisch, sondern expressionistisch. Schoeck hat also in seiner Liedvertonung so etwas wie Regietheater gemacht ^^ , nämlich das Gedicht und seinen "originalen" romantischen Geist nicht einfach "vertont", sondern in einem ganz anderen Geiste musikalisch umgesetzt, nämlich dem seiner Zeit (dem des 20. und nicht mehr des 19. Jhd.) und seiner eigenen Erfahrung. Wenn man nun sagt, was Schoeck macht ist nicht mehr "original" und authentisch, dann läuft das darauf hinaus, dass man ein romantisches Gedicht, wenn das Zeitalter der Romantik vorbei ist, schlicht nicht mehr vertonen dürfte. Ein Expressionist hätte keine Wahl mehr bzw. diese wäre eingeschränkt: Er dürfte nur ein expressionistisches zeitgenössisches Gedicht vertonen. Entsprechend wären nur noch zeitgenössische Opern überhaupt aufführbar - einen Gedanken, den Richard Wagner auch mal radikal so formuliert hat. An dieser absurden Konsequenz sieht man aber schon, dass hier etwas nicht stimmt.


    Die Beziehung zum "Werk" ist nämlich etwas komplizierter, als es sich die RT-Gegner vorstellen. Es gibt nicht nur (a) das Verhältnis des Regisseurs zum Werk, des Publikums zur Aufführung des Regisseurs (b) und (c) zum Werk. Der Komponist kommuniziert durch die Aufführung mit seinem Publikum (d), wo das Werk nur ein Mittel dieser Kommunikation mit dem Publikum ist. Wenn Theaterleute davon reden, dass die Aufführung das eigentliche Werk ist, dann ist das zwar wiederum eine Vereinfachung, aber sie zeigt, dass die Aufführung nicht nur in Bezug auf das aufgeschriebene Werk definiert werden kann. Denn dann berücksichtigt man nur die intentio operis und es fällt die intentio auctoris weg, nämlich die Kommunikation von Autor und Publikum wird nicht mehr berücksichtigt, das, was der Literatur- und Theaterwissenschaftler Volker Klotz die "Dramaturgie des Publikums" nennt. Wenn Friedrich Schiller die "moralische Weltregierung" auf der Bühne errichten will, Wagner die vollständige Identifikation des Publikums mit dem Bühnenhelden fordert, dann ist das eine Dimension, die von der Werkbeziehung unabhängig zu dieser hinzukommt. Beispiel: Den Harem in Mozarts Entführung aus dem Serail betrachtete das Publikum der Mozart-Zeit letztlich auch mit einem emanzipatorischen Interesse, sah sich und seine Tradition der arrangierten Ehe in diesem Harem, aus dem es gerne wie durch den Helden auf der Bühne befreit werden wollte, deutete also seine eigene gesellschaftliche Realität in das "Türkische" hinein. Genau das, darf man unterstellen, war von Librettist und Komponist auch beabsichtigt. Heute aber, wo die bürgerliche Ehe längst keine Zwangsanstalt mehr und zur Liebesheirat romantisiert ist, wird aus dem Serail ein rein ästhetisches Kolorit und dieser entsprechend nur noch als unterhaltsames Element wahrgenommen. Gerade wenn man das nun "werk-" bzw. "libretto"-treu inszeniert, wird damit dieser Wandel der "Dramaturgie des Publikums" unweigerlich vollzogen: Die Kommunikation zwischen Librettist/Komponist, die im 18. Jhd. unwillkürlich stattfand, sie findet dann heute einfach nicht mehr statt. Und genau damit stellt sich die Frage, wie sie heute anders wiederherzustellen ist, was eben u.U. die Veränderung des Werkes, so wie es augeschrieben ist, einbezieht. Der Regisseur in Münster hat deshalb das Türkische schlicht und einfach weggelassen. Auch die Aufführung ist eben ein eigenständiges Werk.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Nun habe ich den Herren Theoretikern wohl wieder einen Grund gegeben, über mich herzufallen, wie ich aus den vielen Zuschriften ersehen kann.

    Darf ich fragen, worin dein praktischer Beitrag zum Theater liegt, der dich von der Schar der Theoretiker unterscheidet ? Oder um es anders zu formulieren: Äußerungen zum Thema "Theater", die - so wie deine - ein gewisses theoretisches Niveau nicht überschreiten, sind deswegen noch lange keine Praxis.

  • Jetzt fehlt eigentlich nur noch der User amfortas mit einem Beitrag.

    Bitteschön:


    @ „Gerhard Wischniewski“
    Dass RT-Phobe gegen mein Postings sich positionieren, beruhigt; anderenfalls drängt sich der Verdacht auf, etwas höchst falsch zu machen. Und ja. Bitte, bitte, GW, erfreue doch deine gescheite Leserschaft weiterhin mit Verbalattacken gegen das Verunstaltungstheater.:thumbup:

  • Lieber Gerhard Wischniewski,


    bringt es was Erhellendes wenn Du fünf Deiner Beitragsinhalte einfach löschst und durch x, y, z ersetzt?


    Ich glaube JA! Gerhard wirft das Handtuch

  • Denkste! Ich will euch nur die Gelegenheit nehmen, euch an meinen Beiträgen noch mehr aufzugeilen. Im Stillen kann ich mich nur köstlich amüsieren, was für ein Zirkus hier wieder einmal aufgezogen wurde.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Lieber Gerhard,

    lass es endlich gut sein. Du hast dich in eine Sackgasse manövriert, aus der du nicht mehr herauskommst.

    Ich kann deine Verbalattacken in Endlosschleife gegen fast Jedermann schon lange nicht mehr nachvollziehen.

    Bewahre dir noch einen Rest an Wertschätzung, bevor es vollends zu spät ist.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Lieber Siegfried,


    ich fühle mich absolut in keiner Sackgasse, im Gegenteil. Ich sehe es nicht ein, dass ich meine Meinung, gegen das Verunstaltungstheater, die viele Leute mit mir teilen, "hinter dem Berg halten" soll. Wir haben doch nur zwei Möglichkeiten, und gegen diese Verschandelungen zu wehren, die Abstimmung mit den Füßen, die viele - wie ich - vollzogen haben, und die freie Meinungsäußerung. Und ich habe eine Reihe Leute, die mir mündlich und auch schriftlich zustimmen.

    Mit den Verbalattacken gegen Mitglieder dieses Forums habe ich nicht angefangen. Meine ursprünglichen Äußerungen richteten sich gegen die Sache, nämlich das Regisseurstheater. Nach den ersten persönlichen Angriffen auf andere Mitglieder dieses Forums und auch auf mich waren es dann lediglich Retourkutschen. Denn wer sich so überheblich benimmt, glaubt, allein die Wahrheit zu besitzen, und immer wieder persönlich wird, muss auch damit rechnen, dass mit ähnlicher Waffe zurückgeschossen wird. Viele, die ich aus dem Forum kenne und die der gleichen Meinung sind, sind empfindsamer als ich und haben bereits resigniert. Schau einmal zurück, wer alles gegen dieses Regisseurstheater war und inzwischen nicht mehr im Forum ist. Schade! Ich resigniere nicht so leicht, ich habe das im Leben vor keinem Problem getan, und das hier ist ja kein Problem. Ich habe - zwar nicht körperlich gesehen, aber doch geistig - einen "breiten Buckel".

    Schau einmal, wie oft ich unter meinem Namen angegriffen wurde, obwohl ich nur meine Meinung zu einer Sache gesagt habe, die mir und vielen am Herzen liegt, und was für Dinge mir da unterstellt wurden. Das amüsiert mich zwar, aber diejenigen müssen auch damit rechnen, dass ich auch Waffen anwende. Ich habe nur selten dabei jemanden mit persönlichem Namen genannt, weil es nur einige wenige und deren Mitläufer sind, die immer wieder sofort zu stänkern beginnen. Wer sich also sich angesprochen fühlt, sieht sich nur selbst im Spiegel, und das sehen wohl viele Leser genauso.

    Ich weiß, was ich von mir zu halten habe und es gibt genug Leute, deren Wertschätzung ich besitze. Auf die Wertschätzung der paar Leute, die mir hier immer wieder "am Zeug flicken" wollen, brauche ich also nichts zu geben. Wenn ich mich weiterhin gegen die Verunstaltung der Handlungen von Meisterwerken wehre und für die Inszenierungen entsprechend der Handlung, auf die der Komponist die Musik geschrieben hat, einsetze, verlange ich von niemanden, dass er das für sich persönlich nachvollzieht. Ich erkenne an, dass andere anderer Meinung sind, frage mich aber, ob diese dann gleich in der Form, wie es hier geschieht, persönliche Attacken gegen diejenigen reiten müssen, die nicht ihrer Meinung sind.

    Sachlich ist die Diskussion - von einigen angestachelt - in diesem Thema doch schon lange nicht mehr.

    Dass ich meine Beiträge gelöscht habe, war ein bewusster Streich von mir, den hier schon einmal ein anderer mit Erfolg vollzogen hat, wobei dann die ganze spätere Diskussion ihrer Grundlage entbehrte und gelöscht wurde. Ob das hier geschieht, weiß ich nicht, es ist mir aber auch völlig egal.

    Viel Lachen verlängert angeblich das Leben.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Wie ich schon im Parallelthread schrieb, fand auch ich die Personenregie reichlich dürftig. Insbesondere "Herr Netrebko" erwies sich als höchst unbegabter Schauspieler. Die einzigen, die ihre Partien mit Leben erfüllen konnten, waren Leonora und Luna. Hinzu kommt, dass Eyvazov über ein in meinen Ohren höchst unangenehmes Timbre verfügt und außer seinen Spitzentönen der Rolle ausdrucksmäßig fast alles schuldig bleibt. Dolora Zajick hat schon bessere Tage gesehen - schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste. Gut fand ich den Sänger des Ferrando.

    Hallo Michael,

    wie ich weiter oben schon geschrieben habe, decken sich deine Anmerkungen zur Personenführung durchaus mit den meinen. Personenführung scheint - im Gegensatz zur Ausstattung - wohl öfter ein Manko bei Zefirelli gewesen zu sein. Gegen ein wenig Stilisierung habe ich generell nichts einzuwenden, obwohl ich das Bühnenbild auch etwas gewöhnungsbedürftig fand. Und die Öffnung des Turms zum Altar fand ich reichlich kitschig. Allerdings muss ich auch sagen, dass trotz dieser Fragwürdigkeiten in dieser Inszenierung nichts gegen der Inhalt des Stücks gesprochen hat, was ich und andere RT-Kritiker eben bei vielen RT-Produktionen so sehr bedauern -z.B. Biogasanlage als Wartburg etc. oder Carmwn in der Psychiatrie.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Gegen ein wenig Stilisierung habe ich generell nichts einzuwenden, ... Allerdings muss ich auch sagen, dass trotz dieser Fragwürdigkeiten in dieser Inszenierung nichts gegen der Inhalt des Stücks gesprochen hat, was ich und andere RT-Kritiker eben bei vielen RT-Produktionen so sehr bedauern -z.B. Biogasanlage als Wartburg etc. oder Carmwn in der Psychiatrie.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Liebe Mme.Cortese


    auch ich habe gegen eine gewisse Stilisierung nichts einzuwenden und bestimmte Schwächen habe wohl viele Inszenierungen. Aber dass nichts gegen den Inhalt des Stückes läuft, ist eben für mich und für viele Opernfreunde das Wesentliche an einer Inszenierung und solche entstellenden Eingriffe in die Handlung, wie du sie als Beispiel genannt hast, und wie es leider Hunderte von Beispielen gibt, ist eben das, wodurch uns das Regisseurstheater den Opernbesuch verleidet. Und das werde ich - auch wenn es einigen wenigen hier nicht passt - immer wieder betonen.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)