Beethoven-Jahr 2020

  • Das Beethoven-Jahr 2020 wird auch das Tamino-Forum beschäftigen.


    Was gibt es an Aufführungen, Ehrungen, Bemerkenswertem und Kuriosem zu berichten? Hier soll alles Platz finden.


    Es gibt eine gemeinnützige Beethoven Jubiläums GmbH, die sich Ludwig van Beethoven annimmt.


    Zitat von der Webseite:


    "2020 feiert Deutschland mit der ganzen Welt den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven. In einem einzigartigen Schulterschluss haben sich die Bundesrepublik Deutschland, das Land Nordrhein-Westfalen, der Rhein-Sieg-Kreis und die Bundesstadt Bonn zur Errichtung der gemeinnützigen Beethoven Jubiläums GmbH zusammengefunden, die dieses bedeutende Jubiläum koordiniert und unter der Dachmarke BTHVN2020 kommuniziert."


    https://www.bthvn2020.de



    Das bekannte Portrait des Komponisten, soll den Anfang machen:


    Ludwig van Beethoven mit dem Manuskript der Missa solemnis, Gemälde von Joseph Karl Stieler (1781-1858), 1820.


    Es hängt im Beethoven-Haus in Bonn.


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Ich erinnere mich noch gut an das Beethoven Jahr 1970.

    Damals kam anlässlich dieses Ereignisses eine Neuaufnahme des FIDELIO unter Karl Böhm heraus - eigen artigerweise ein Germeinschaftsproduktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft mit VEB Deutsche Schallplatten Berlin.

    Auf der CD steht etwas anderes - aber ich erinnere mich genau.

    Aufgenommen wurde damals 1969in der Lukaskirche in Dresden und Böhm dirigierte - quasis ausnbahmsweise - die Staatskapelle Dresden.

    Ich erinnere mich, daß in meinem Bekanntenkreis kaum jemand ein gutes Wort über diese Aufanhme verlor. Das fing schon bei der Besetzung an. in der Tat dürfte sie nicht zu den Sternstunden der Operngeschichte gezählt haben, denn inzwischen ist sie - nach einigen Wiederauflagen im Budgetbereich - aus den Katalogen verschwunden, Angebote von Spekulanten und Wucherern, sowie antiquarische Exemplare ausgenommen....


    Mal sehen. ob irgendwelche Epochale Aufnahmen von Beethovens Sinfonien oder Konzerten kommen.

    Aber - vermutlich ist diese Einstellung meinem Alter geschuldet - ich kann mit kaum eine Konstellation vorstellen, die die alten Aufnahmen übertrifft - weder künstlerischsch noch tontechnisch. Das trifft insbesondere auf die Sinfonien zu, von denen die letzten Jahrzehnte zahlreiche Gesamtaufnahmen in geradezu inflationärer Weise auf den Markt gekommen sind.


    Wenn aber jemand heute 21 Jahre alt ist (wie ich im Beethovenjahr 1970) dann kann er über die DGG Beethoven Edition 2020

    (118 CDd für 259 Euro) nur jubeln. Er bekommt für wenig Geld (gemessen an der Größe des Projekts)quasi den "gesamten Beethoven - und das in durchaus respektablen Aufnahmen

    Ob das eine gute Idee ist ? Zumindest ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gelingt es auf diese Weise zahreiche Aufnahmen ein letztes Mal (?) zu vermarkten. Andrerseits verbaut man sich auf diese Weise auf Jahre hinaus den Markt für Neuerscheinungen.....so man denn so etwas überhaupt in Erwägung zieht...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Der Komponist Ferdinand Ries (1784-1838) war mit Ludwig van Beethoven (1770-1827) befreundet. Er hat biographische Notizen elf Jahre nach dem Tod Beethovens verfasst, die nun auf einer CD als Hörbuch herausgekommen sind. Der drastische Titel "Für solche Schweine spiele ich nicht!" ist ein originales Zitat des Meisters. Wir erhalten Einblick in das Leben Beethovens von jemandem, der ihm nahe stand.


    Robert Schumann hat die Erinnerungen auch gelesen und mit dem Kommentar "Man kann nicht los davon." versehen.


    Für die Lesung zeichnet Konrad Beikircher verantwortlich.


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Ich erinnere mich noch gut an das Beethoven Jahr 1970.

    Damals kam anlässlich dieses Ereignisses eine Neuaufnahme des FIDELIO unter Karl Böhm heraus - eigen artigerweise ein Germeinschaftsproduktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft mit VEB Deutsche Schallplatten Berlin.

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    Dieser FIDELIO ist auch in der DDR herausgekommen - und zwar ebenfalls im Rahmen einer Gesamtausgabe auf Platten im Beethovenjahr 1970. Die Aufmachung in Anlehnung an die Michelangelo-Fresken der Sixtinischen Kapelle war spärlich und unmotiviert. Zunächst hatten mich Dramatik und Wucht der Einspielung in ihren Bann gezogen. Von dieser jugendlichen Begeisterung ist allerdings wenig geblieben. Gwyneth Jones (Leonore) und James King (Florestan) in den Hauptrollen erwiesen sich mit den Jahren für mich als ärgerliche Fehlbesetzungen. Ihr Deutsch ist beklagenswert. Was von der ETERNA als Gesamtausgabe ausgegeben war, entpuppte sich mit Vollendung des Projekts als Produktion gesammelter Werke Beethovens. :( Es gab Lücken bei den Stücken, die nicht so im Mittelpunkt stehen, wegen derer man aber - wie ich finde - zur Anschaffung einer solchen Ausgabe schreitet. Der Inhalt der folgenden LP wurde - wenn ich es richtig sehe - teilweise auch von DG übernommen.


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    Wenn aber jemand heute 21 Jahre alt ist (wie ich im Beethovenjahr 1970) dann kann er über die DGG Beethoven Edition 2020

    (118 CDd für 259 Euro) nur jubeln. Er bekommt für wenig Geld (gemessen an der Größe des Projekts)quasi den "gesamten Beethoven - und das in durchaus respektablen Aufnahmen

    Ob das eine gute Idee ist ? Zumindest ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gelingt es auf diese Weise zahreiche Aufnahmen ein letztes Mal (?) zu vermarkten. Andrerseits verbaut man sich auf diese Weise auf Jahre hinaus den Markt für Neuerscheinungen.....so man denn so etwas überhaupt in Erwägung zieht...

    Ich habe mal die Listen der von Alfred eingestellten GA überschlagen und bin schon beeindruckt. Das "Nebenwerk", auf das ich verwies, scheint mir hier sehr genau und hoffentlich komplett erfasst. Die Eleonore-Prochaska-Fragmente mit Glasharfe müssen es schon sein! Das wäre für mich ein Grund, über die Anschaffung wenigstens nachzudenken. Aber wohin mit alledem, was ich nicht brauche oder in für mich viel besseren Interpretation habe? Grundsätzlich aber bin ich für solche Editionen, weil sie diesen Komplettanspruch verfolgen.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Mein kalendarisches Beethovenjahr 2020 enthält folgende Spielorte und Werke (bis jetzt) und ohne die Werke, die im 1. Halbjahr der Saison 2020/2021 stattfinden und jetzt noch nicht gebucht werden können:

    1. 1. 2020, Oper Bonn, Fidelio

    5. 1. 2020, Köln, Philharmonie: Egmont-Ouvertüre op. 84, Meeresstille und glückliche Fahrt op. 112, Symphonie Nr. 5 c-moll op. 67, Chorfantasie c-moll op. 80, Finale der 9. Symphonie d-moll op. 125, Chorus Musicus Köln, Das Neue Orchester, Christoph Spering


    7.2.2020, Dortmund Konzerthaus: Beethovenakademie vom 22. 12. 1808: Symphonie Nr. 6 F-dur op. 68 "Pastorale", "Ah, Perfido", Szene und Arie op. 65, Gloria und Sanctus aus der C-dur Messe op. 86, KK Nr. 4 G-dur op. 58, Symphonie Nr. 4 c-moll op. 67, Chorfantasie opp. 80, Balthasar Neumann Chor und Ensemble, Christian Bezuidenhout, Thomas Hengelbrock


    1. 3. 2020: Köln, Wiener Philharmoniker, Andris Nelsons, Symphonie Nr. 8 F-dur op. 93, Symphonie Nr. 3 Es-dur op. 55 "Eroica"


    8. 3. 2020: Köln, Benjamin Grosvenor, Klavier, u. a. Sonate Nr. 4 Es-dur op. 7


    3. 4. 2020: Köln, Manfred Honeck, Frank-Peter Zimmermann, WDR-Sinfonieorchester, u. a. Violinkonzert D-dur op. 61


    24.5.2020: Berlin, Staatsoper, Solisten, Chor und Staatskapelle, Ltg. Simone Young, Fidelio


    5. 6. 2020: Tan Sun, WDR-Sinfonieorchester: u. a. Sinfonie Nr. 6 F-dur op. 68 "Pastorale"


    10.6.2020: Coesfeld, Gary Walker, Martin Stadtfeld, Rheinische Philharmonie: Prometheus-Ouvertüre op. 43, KK Nr. 1 op. 15, Sinfonie Nr. 3 Es-dur op. 55 "Eroica"


    19. 6. 2020: Köln, Christian McLeary, WDR-Sinfonieorchester, WDR-Chor und Europa-Chor Görlitz, u. a. Chorfantasie op. 80


    20. 6. 2020: Dortmund, Konzerthaus: Belche-Quartett, Quatuor Ebene, nachmittags: Nr. 1 op. 18 Nr. 1, Nr. 9 op. 59 Nr. 3 "Rasumowsky", Nr. 2 op. 18 Nr. 2, Nr. 11 op. 95 "Quartetto serioso"

    abends: Nr. 4 op. 18 Nr. 4, Nr. 10 op. 74, Nr. 13 op. 130 mit Großer Fuge op. 133;

    (Es darf davon ausgegangen werden, dass eine zweite Doppelveranstaltung im 1. Halbjahr der Saison 2020/21 und dabei sehr wahrscheinlich noch komplett in 2020 die restlichen Streichquartette beinhaltet).


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Konrad Beikircher, den ich in Beitrag als Hörbuch-Vorleser der Beethoven-Erinnerungen von Ferdinand Ries erwähnt habe, hat ein Buch zu Ludwig van Beethovens Alltag geschrieben. Der Ludwig - jetzt mal so gesehen. Als Cover hat der Verlag das in Beitrag 1 erwähnte Stieler-Portrait des Komponisten warholmässig vervielfacht.



    Ein Ohrvoll kann man hier hören. Den jovialen Stil des Autors muss man mögen. In der vertelstündigen Vorlesung erfährt man manches aus dem Alltag der Menschen. Die hohe Kindersterblichkeit und Beethovens "Eistaufe" und die Herkunft des Namens Trulla wird man sich merken.


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    Enno Poppe

  • TATATATAA Den Beethoven-Thementag vom 1. Januar auf 3sat verpasst?


    Keine Sorge: Die 23 Beiträge sind in der mediathek von 3sat abrufbar.

    • Alle 5 Klavierkonzerte mit Rudolf Buchbinder
    • Fidelio - Aufführung der Salzburger Festspiele von 2015
    • Diesen Kuss der ganzen Welt - Was bedeutet Ludwig van Beethoven jungen Leuten in aller Welt heute? Eine Abenteuerreise rund um den Globus
    • Alle 9 Sinfonien mit Karajan, Orozco-Estrada, Petrenko
    • 6 Sendungen Mythos Beethoven: Der Revolutionär, Der Verliebte, Der Virtuose, Der Kranke, Der Unternehmer, Der Unsterbliche
    • Beethoven im Film: Klang der Stille; Die Akte Beethoven
    • Ludwig van Beethoven Interdisziplinär: Rock the classic: Mad Sin; Vollendete Unvollendete, Sonate für zwei "Beethoven"


    https://www.3sat.de/themen/beethoven-102.html


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Es gibt sogar ein Buch zum Beethovenjahr.....


    sozusagen ein historischer Krimi. Ich habe ihn schon mit Spannung gelesen. Er erscheint aber erst am 23.1.2020......


    Prosit Neujahr !


    Kalli

  • der 3Sat Beethoven-Tag heute war schon Klasse!


    Besonders die 6 Sendungen Mythos Beethoven ! Sehr erhellend in "Der Verliebte" die Ausführungen zur Unsterblichen Geliebten Josephine Brunswik und der Sonate op. 110, für die er die Sonate nach ihrem Tod 1821 quasi als Requiem geschrieben hat...


    Die Fidelio Aufführung von 2015 war allerdings von der Inzenierung her mal wieder ätzend, da kann die Musik noch so toll sein...


    Auch wenn einige jetzt vielleicht einige die Nase rümpfen, aber der Spielfilm "Klang der Stille" über die Aufführung der Neunten und Beethovens letzte Lebensjahre war - auch natürlich mit viel erfundenen Zutaten - sehr bewegend und brachte den widersprüchlichen Charakter Beethovens und seine Zeit sehr gut und emotional zum Ausdruck - auch Ausschnitte seiner Werke dabei waren sehr gut getroffen - besonders der Dankgesang aus op. 132!

    "When I was deep in poverty, you taught me how to give" Bob Dylan

  • Die 6 Sendungen von Mythos Beethoven (auf 3sat kann man sie sich ansehen) gibt es auf DVD.


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    Enno Poppe

  • Rheingold 1876: "Gwyneth Jones (Leonore) und James King (Florestan) in den Hauptrollen erwiesen sich mit den Jahren für mich als ärgerliche Fehlbesetzungen. Ihr Deutsch ist beklagenswert."


    Na ja, Rüdiger! Gaaanz so schlecht ist die Aufnahme mit den beiden Interpreten auch nicht. Hin und wieder höre ich sie mir an und finde sie schon hörenswert. Und die deutsche Aussprache von James King kann man akzeptieren, sonst bräuchte man seine Wagner-Partien garnicht erst anzuhören, wie ich z. Bsp. vorhin King als Siegmund.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

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    br-klassik widmet sich mit verschiedenen Projekten unnter dem Titel "Beethoven bewegt" dem Komponisten.


    Mehr dazu unter diesem Link: (Die Menu-Felder oben oder Navigation unten bei den grauen, kleinen Kreisen anklicken.)


    https://www.br-klassik.de/themen/beethoven-bewegt/index.html


    br-klassik verschenkt sechs Hauskonzerte. Die Musik Beethovens in den eigenen vier Wänden mit Freunden geniessen.


    Igor Levit und sein Freund Anselm Cybinski präsentieren in 32 Folgen alle Beethoven Sonaten als Podcast. Vier Folgen von 32 stehen bis jetzt zum Download bereit.


    Ein Kinderwettbewerb, in der eine Beethoven-Geschichte geschrieben werden soll.

    (Übrigens: Mit DO RE Mikro hat br-klassik ein vorbildliches Klassikprogramm für Kinder und (Jungebliebene), das lohnt sich anzuhören.

    Sendetermine Am Samstag und Sonntag jeweils von 17.05 Uhr bis 18.00 Uhr.)


    br-klassik ist on tour. Sechs Mal macht der Sender Station in Bayern. Übertragung im Live-Video-Stream.


    Was br-klassik sonst noch zu Beethoven in Radio, Fernsehen und Internet bietet, kann man unter Termine erkunden.

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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Gwyneth Jones (Leonore) und James King (Florestan) in den Hauptrollen erwiesen sich mit den Jahren für mich als ärgerliche Fehlbesetzungen. Ihr Deutsch ist beklagenswert.


    Lieber Rheingold, das finde ich offen gesagt ›meckern auf hohem Niveau‹.


    Nenne mir doch bitte einen Sänger, der den Florestan jemals ergreifender gesungen hat! Für mich immer wieder neu Gänsehautfaktor! :hail::hail::hail:

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Der Deutschlandfunk hat 50 Kulturschaffende aufgefordert, einen Brief an Ludwig van Beethoven zu schreiben. Ein Projekt, das einen Bezug zum Komponisten schafft. Aktuell und sehr persönlich.


    Die Kolumnistin Elke Heidenreich machte am 6. Januar 2020 den Auftakt. Ihren lesenswerter Text kann man hier sehen:


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=467281


    Die Musiker Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=467784


    Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=467792


    Die bereits gesendeten (wie auch die später folgenden) sind auf der Deutschlandfunk Audiothek über ein App des Senders sechs Monate lang zum Hören abrufbar. Inormations-Link oben rechts.


    Man findet die gesendeten Briefe ebenfalls auf der Webseite des Deutschlandfunks zum Hören.

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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Gwyneth Jones (Leonore) und James King (Florestan) in den Hauptrollen erwiesen sich mit den Jahren für mich als ärgerliche Fehlbesetzungen.

    Lieber Rüdiger,


    ich kann Dir nur beipflichten! Mit großer Erwartung habe ich mir seinerzeit die LP-Kassette des FIDELIO unter Karl Böhm gekauft, allerdings, das sage ich freimütig, hauptsächlich des Dirigenten wegen. Böhm galt und gilt für mich als Kapazität in Sachen Wiener Klassik.


    Beethoven Edition, Vol. 10: Fidelio [Vinyl Schallplatte] [3 LP Box-Set]

    Umso größer war die Enttäuschung, nicht über Böhm, auch nicht über die Dresdner Staatskapelle, sondern über die Besetzung der Hauptrollen. Vor allem ist Gwyneth Jones als Leonore eine totale Fehlbesetzung, sie hält keinen Vergleich zu meinem Lieblings-Fidelio Christa Ludwig (Klemperer, EMI) aus, aber auch gegen Leonie Rysanek (Fricsay, DGG) und Martha Mödl (Furtwängler, EMI) hat sie keine Chance. Auch James King ist für mich enttäuschend, er kommt noch nicht einmal die Nähe des Kanadiers Jon Vickers (Klemperer und Karajan, beide EMI), noch kann er gegen den etwas leichtgewichtigen Ernst Haefliger (bei Fricsay) bestehen, der seine mangelnde Stimmkraft aber durch kluge und einfühlsame Gestaltung wettmacht. Von den Hauptrollen ist m.E. nur Rocco mit Franz Crass optimal besetzt, im übrigen glänzen vor allem die Sänger der Nebenrollen: Martti Talvela als gütiger, aber stimmgewaltiger Minister, Edith Mathis als reizvolle, jugendliche Marzelline und Peter Schreier in der kleinen Partie des Jaquino, während Theo Adam ganz einfach die Bösartigkeit abgeht, die zur Rolle des Pizarro nun einmal gehört.


    Kurz und gut, ein insgesamt wenig geglückter Fidelio. Schade für den überzeugend gestaltenden Dirigenten, aber diese Oper lebt ja nicht allein vom Orchester, sondern muß vor allem von den Hauptfiguren belebt und getragen werden. Ob man es dewegen versäumt hat, das Sängerensemble auf dem Titelcover zu erwähnen?


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Bevor das Jahr zu Ende ist, wäre dieser Hinweis nützlich:


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    Beim Bärenreiter Verlag ist ein Taschenkalender "Mit Beethoven durch das Jahr 2020" erschienen, mit dem man täglich etwas über Beethoven erfährt. Preis 5 Euro


    Hier eine gesprochene Rezension:


    https://www.swr.de/swr2/litera…2020,av-o1142189-100.html

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Kurz und gut, ein insgesamt wenig geglückter Fidelio. Schade für den überzeugend gestaltenden Dirigenten, aber diese Oper lebt ja nicht allein vom Orchester, sondern muß vor allem von den Hauptfiguren belebt und getragen werden.

    Ob man es dewegen versäumt hat, das Sängerensemble auf dem Titelcover zu erwähnen?

    Lieber Nemorino

    Deine Vermutung ist nicht ganz richtig, es muß da wohl mehrere Ausführungen betr. Titelcover geben.

    Auf meinem Plattencover, die LP habe ich seit den 70er Jahren, sind alle Solisten aufgeführt.

    Ergänzend möchte ich bemerken:

    Diese LP war seinerzeit mein erstes intensiveres Kennenlernen dieser Oper.

    Und James King als Florestan hat mich damals begeistert und ich finde ihn in dieser Aufnahme auch heute noch ganz passabel.

    Seine Arie "Gott, welch Dunkel hier...", empfinde ich nach wie vor großartig gesungen und interpretiert.


    Herzliche Grüße

    CHRISSY


    Bildergebnis für fidelio eterna lp

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Von Karl Böhm gibt es übrigens noch einen Fidelio:




    Eines seiner späten Dirigate, live aus der Bayerischen Staatsoper vom 30. Jänner 1978. Insgesamt sicherlich eine Aufnahme dieser Oper, die vorne mitspielen kann.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Deine Vermutung ist nicht ganz richtig, es muß da wohl mehrere Ausführungen betr. Titelcover geben.

    Lieber chrissy,


    ja, es gibt mehrere Ausführungen, sogar etliche auf CD, die auch einige Ausführende nennen, die sind aber alle erst nach 1985 erschienen, z.B. diese:

    die interessanterweise von den Protagonisten nur Gwyneth Jones nennt, dazu noch Edith Mathis (Marzellline) und Theo Adam (Pizarro), während James King als Florestan offenbar vergessen wurde.


    Aber das von mir gezeigte Original verschweigt die gesamte Besetzung, wie auch eine weitere Luxus-Ausgabe, die so aussah:

    Ludwig van Beethoven : Fidelio [Vinyl, 3-LP-Box-Set, 643 614/616].

    und ebenfalls nur den Dirigenten sowie das Orchester der Nennung für würdig befindet.


    Bei der von Dir gezeigten Ausgabe handelt es sich wohl um die Edition von VEB Deutsche Schallplatten, Berlin, die die Aufnahme in Co-Produktion mit der DGG realisiert hat.


    Nur die Billig-Ausgabe im Rahmen der CD-Reihe "Beethoven Masterpieces" hält es für nötig, sämtliche Darsteller auf der Titelseite zu vermerken:

    Fidelio (Gesamtaufnahme)

    Die Marketing-Abteilungen der Plattengesellschaften gehen oft seltsame Wege.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich glaub nicht, daß anlässlich eines Jubiläums in den letzten zig Jahren solch ein Aufwand mit einem Komponisten gemacht wurde, wie mit Beethoven. Weder mit Haydn, Mozart, Schubert, Bach, Wagner oder Verdi.

    Allein bei "Thalia" liegen jede Menge an Büchern zum Thema Beethoven auf den themenorientierten Präsentationstischen. Was noch fehlt ist ein "Beethoven Kochbuch" - die besten Rezepte.

    Während ich hier schreibe, recherchiere ich gleichzeitig. Und siehe da - man kann keine Witze machen. Zum einen weil sie uns von den derzeit aktuellen Generationen verboten werden, zum anderen, weil sie von der Realität übertroffen werden. Denn solch ein Buch gibt es tatsächlich !!

    Auf üppigen 39 Seiten im Paperback zum Dumpingpreis von 8 Euro finden wir Beethovens Rezepte - herausgegeben vom Verlag Beethovenhaus Bonn:

    (wird nicht von unseren Werbepartnern angeboten)


    https://beethovenfest-bonn.de/…beethovens-speiseplaenen/


    Aber eigentlich wollte ich auf ein ganz anderes Buch hinweisen, das vielleicht mehr Erkenntnisse über Beethoven vermitteln kann als viele andere:

    Interessanterweise sind die Mozartbriefe viel besser bekannt, als jene von Beethoven, zumindest im Forum wurden - soweit mir bekannt - vorzugsweise erstere zitiert.

    Das Buch ist in zwei Ausführungen erhältlich, links die gebundene Ausgabe - rechts führt der Link zum wohlfeileren Paperback.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Meinem Eindruck nach war das Mozartjahr 1991 ein wesentlich größeres Medienereignis, bei 2006 bin ich mir nicht sicher. Aber das kann auch täuschen, ich ignoriere heute vielleicht mehr. Und außerdem bestand besonders 1991 vor privatem Internet u. sozialen Medien noch eine ganz andere Medienlandschaft.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo


    Hier ein Hinweis auf die Sendung SWR2 Wissen am Donnerstag, 8:30 Uhr


    Donnerstag, 27. Februar
    Beethoven in der DDR – Genosse Ludwig
    Von Daniel Spiesecke
    Auch die DDR kam um Ludwig van Beethoven nicht herum: Sie stilisierte den Bonner Komponisten zum
    kulturellen Aushängeschild und vereinnahmte ihn für ihre sozialistische Kulturpolitik. Und das, obwohl
    der Arbeiter- und Bauernstaat sich eigentlich als Gegenentwurf zur bürgerlichen Bundesrepublik
    verstand. Aus Sicht der SED war die Musik Beethovens jedoch ganz im Einklang mit der sozialistischen
    Ideologie. Mehr noch: Die DDR sah sich als alleinige legitime Verwalterin des deutschen Kulturerbes.


    Gruß

    Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Wer im März und April in Berlin ist sollte einen Blick in die Staatsbibliothek werfen, die zeigen ihre Beethovenschätze, da wird es auch einen Katalog geben.

    https://blog.sbb.berlin/beetho…-2020-unter-den-linden-8/

    „Diesen Kuß der ganzen Welt! Die Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin“

    11. März bis 30. April 2020,


    Mittwoch, Freitag, Samstag 11 – 18 Uhr, Donnerstag 11 – 20 Uhr,

    (sonntags bis dienstags und am Karfreitag geschlossen),


    Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden 8, 10117 Berlin,


    Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Begleitveranstaltungen ist frei


    Den Begleitband zur Ausstellung inkl. einer Graphic Novel gibt’s in der Ausstellung für 25 €, im Handel für 29,95 €


    Führungen ohne Anmeldung sind donnerstags 17 Uhr und samstags 14 Uhr

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Hallo Wolfgang, ich erlaube mir mal, darauf hinzuweisen, dass die von mir zitiertren Ausführungen von der SWR-Seite stammen und nicht von Dir verfasst wurden. Warum erwähne ich das? Weil ich derlei Auslassungen in dieser Verkürzung für unseriös halte. Sie untertstellen, dass es in der DDR keine Beethoven-Pflege gab, die diesen Namen verdient. Also bin ich mal gespannt auf die Sendung. Vielleicht verhilft sie auch mir zu neuen Einsichten.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Hallo Rüdiger


    Du hast natürlich Recht - er wäre gut gewesen, wenn ich das kenntlich gemacht hätte.


    Danke und Gruß

    Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Lieber Rheingold, das finde ich offen gesagt ›meckern auf hohem Niveau‹.


    Nenne mir doch bitte einen Sänger, der den Florestan jemals ergreifender gesungen hat! Für mich immer wieder neu Gänsehautfaktor!

    Lieber Maurice, entschuldige die späte Antwort, aber ich habe Deine Ausführungen über meiner kritische Distanz zur Kings Florestan erst jetzt gelesen. Letzten Endes sind Stimmenbewertungen bei allen objektiven Kriterien, die anzuwenden sind (Caruso hatte das mal gut zusammengefasst!), immer auch Geschmacksache. Und das ist gut so. Was glaubst Du, wen ich alles verehre. ;) King gehört übrigens dazu. Wenn er beispielsweise als Apollo die Daphne in einen Baum verwandelt, bin ich nach wie vor zu Tränen gerührt. Eigentlich hatte ich ja vor allem den Umgang mit der Sprache bei King als beklagenswert angeführt. Der Ton selbst, das Timbre, passen schon. Wenn Du mich nach Florestanen fragst, die ich schätze, habe ich auch bei diesen immer etwas auszusetzen. Vickers ist einer davon. Ich muss schon lange suchen, bis mir weitere Namen einfallen. Dieser Florestan hat es in sich.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876