Wie soll man Musik konsumieren?

  • Wenn man in diesem Forum mitmacht, taucht eigentlich nach ziemlich kurzer Zeit die Frage auf, wie man Musik rezipiert, beziehungsweise rezipieren sollte. Ich hatte erst mit einem anderen Titel angefangen und mir wurde der Thread über E- und U-Musik vorgeschlagen, ein durchaus beeindruckender Thread.

    Nach ziemlich langen Lesen möchte ich die Frage etwas anders (eben so wie oben) stellen. Natürlich glaubt jeder für sich, den richtigen Weg zur Rezeption gefunden zu haben, selbstverständlich in einem Forum, wo es um die Musik an sich geht. Es stellen sich bei allen verschiedene Vorlieben heraus, was gut ist, aber auch, was immer wieder auffällt, auch die Notwendigkeit einer Abgrenzung in der Konsumption.

    Zuerst einmal eine triviale Feststellung: Musik ist ein Kulturgut!


    Das hat aber in meinen Augen eine Konsequenz: Wie jedes Kulturgut muss es sich angeeignet werden und steht uns nicht instinktiv zur Verfügung. Die These: Ich brauche das nicht, ich habe ein natürliches Gefühl für gute und schlechte Musik (was nichts anders heißt als die Unterscheidung in Musik, die mir gefällt oder auch nicht) konterkariert das Konzept und heißt in Folge nichts anderes, als dass ich mir die Reflektion spare. Grundsätzlich geht das natürlich auch und ich lasse mich einfach stimulieren durch die Geräusche, die mich so umgeben. Ein positiver Stimulus führt zur Wiederholung der Rezeption der "Musik" ein negativer zur Ablehnung, der "Konsument" ist behavioristisch gesteuert und das Ergebnis ist more or less zufällig.


    Diese Art der Konsumption meine ich also nicht. Ich glaube, dass jedes Kulturgut mit Verstand rezipiert werden muss, nicht nur Literatur und Mathematik, sondern auch Musik. Trotzdem können die Formen sehr unterschiedlich sein und um dieses Verständnis geht es mir hier.

    Kann ich an der Art der Konsumption Zusammenhänge mit dem Geschmack feststellen? Mir ist zum Beispiel bei mir persönlich durch das viele im Auto fahren, obwohl die Anlage schon ganz passabel ist, aufgefallen, dass Musik, die extrem mit Klangfeinheiten arbeitet, überhaupt nicht wahrgenommen werden kann. Mein Programm hat sich in dieser Zeit stärker auf Rock und Blues und Bach konzentriert. Tatsächlich lassen sich englische und französische Suiten mit András Schiff oder Glenn Gould im Auto noch hören, ein Beethoven Streichquartett allerdings nicht (so mein Eindruck). Ich konstatiere also einen Zusammenhang der Art des Konsums mit dem resultierenden Geschmack bei mir. Natürlich ist auch die Reflektion im Auto ein wenig eingeschränkt ;), man hört lieber Bekanntes.

    Mich würde also interessieren: Wie konsumiert Ihr und was gefällt Euch, beziehungsweise nicht und warum (die Reflektion :))? Ich würde keine Wiederholung des E-/U- Thread wollen. Das ist so viel Substantielles schon gesagt worden, was nicht wiederholt zu werden braucht. Es geht hier im wesentlichen nur um Verständnis.

  • Norbert

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Am Begriff "Konsumieren", bzw. "Konsumtion" wäre - aus meiner Sicht - bei einer diskursiven Auseinandersetzung mit der Fragestellung dieses Threads anzusetzen.

    Spätestens von Beethoven an hat kein einziger Komponist ernsthafter klassischer Musik diese geschaffen, auf dass sie "konsumiert" würde.

    Er ging - und nur darin erfüllte sich für ihn der Sinn seines Schaffens - von der bewussten, ein Einheit von Kognition und Emotion erfolgenden Rezeption seines Werkes aus.

    "Konsumtion" kann ihm nicht nur nicht gerecht werden, sie beinhaltet seine Vernichtung.

  • Am Begriff "Konsumieren", bzw. "Konsumption" wäre - aus meiner Sicht - bei einer diskursiven Auseinandersetzung mit der Fragestellung dieses Threads anzusetzen.

    Spätestens von Beethoven an hat kein einziger Komponist ernsthafter klassischer Musik diese geschaffen, auf dass sie "konsumiert" würde.

    Er ging - und nur darin erfüllte sich für ihn der Sinn seines Schaffens - von der bewussten, ein Einheit von Kognition und Emotion erfolgenden Rezeption seines Werkes aus.

    "Konsumption" kann ihm nicht nur nicht gerecht werden, sie beinhaltet seine Vernichtung.

    da hast Du sicher recht. Bitte ersetze den Begriff Konsumption durch Rezeption.

  • Bitte ersetze den Begriff Konsumption durch Rezeption.


    Ich habe ihn korrigiert: In "Konsumtion", der heutigen Rechtschreibung entsprechend.

    Aber entschuldige bitte, lieber astewes. Das war eine Spontan-Reaktion auf Deine Thread-Eröffnung. Ich möchte nicht stören und nehme meinen Beitrag deshalb zurück.

  • Ich habe ihn erst einmal korrigiert: In "Konsumtion", der heutigen Rechtschreibung entsprechend.

    ....


    Aber entschuldige bitte, lieber astewes. Das war eine Spontan-Reaktion auf Deine Thread-Eröffnung. Ich möchte nicht stören und nehme meinen Beitrag deshalb zurück.

    Lieber Helmut,

    überhaupt kein Problem. Ich habe beim Lesen noch einige andere Fehler in meinem Text gefunden "sich angeeignet werden", Kommata nicht gesetzt... Ich hoffe, das alles ist lässlich und man kann den Inhalt verstehen..

    Beste Grüße,
    Axel

  • Mich würde also interessieren: Wie konsumiert Ihr und was gefällt Euch, beziehungsweise nicht und warum (die Reflektion :))?

    Ich stimme ja weitgehend mit dem überein, was Du in Deinem Eröffnungsbeitrag schreibst, nur dass ich die Wiedergabequalität bei Beethoven nicht für essenziell halte. Freilich ist es eine Einschränkung, wenn man in der Auto-Anlage die tieferen Frequenzbereiche kaum hört oder leise Stellen gar nicht, aber ich fahre nur im Urlaub Auto und genieße dann auch einen verstümmelten Musik-Konsum. Zu Hause habe ich eine gute Anlage, die aber natürlich auch nicht klingt wie ein Konzertsaal, und im Konzertsaal schnaufen und husten die Mitmenschen. Ob man offen und konzentriert ist, ist aber ohnehin unabhängig davon, und auch im Dämmerzustand zwischen Einschlafen und Aufwachen kann man tolle Musik-Erlebnisse haben. Oftmals bin ich aber gar nicht besonders aufmerksam, denke an etwas anderes, auch wenn ich gerade extra Musik höre - Hintergrundberieselung nutze ich sehr selten, Musik während der Arbeit am Computer mag ich nicht. Im Schnitt höre ich vielleicht eine Stunde Musik am Tag, für Klassikforumsverhältnisse also wenig. U-Musik ganz selten. Besonders viel höre ich etwa die Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, setze aber variable Schwerpunkte vom 12. bis zum 21. Jahrhundert. Die am wenigsten präferierte Gattung ist das Klavierlied, am meisten größer besetzte Werke. Ursache ist vielleicht, dass ich früher gesungene Musik gar nicht so mochte, vielleicht, weil die Identifikation mit der fremden Stimme nicht gelingen wollte, bei Opern habe ich das überwunden, andererseits habe ich deutsches Barocklied auch gern, vielleicht sollte ich einfach mehr Klavierlieder hören. Dass das Orchester mit seiner Farbigkeit besonders attraktiv ist, liegt wohl auf der Hand. In der Renaissance ziehe ich eher geistliche Musik vor, vielleicht, da mir dort das "Bedeutsame" die Musik näher bringt, außerdem ist bei einer Messe die "Handlung" ziemlich klar (wiewohl ich das Credo jetzt auch nicht auswendig in Latein aufsagen könnte).


    Mal sehen, vielleicht kannst Du meiner Reflexion noch auf die Sprünge helfen ...

    :)

  • (Fahrstuhlmusik ist übrigens auch ein Kulturgut, genauso wie Tapeten (ohne besondere künstlerische Ambitionen) ebenso ein Kulturgut sind wie ambitionierte Ölgemälde. ;)


    Ich bilde mir ein, nicht so abhängig von guter Tonqualität zu sein, u.a. weil ich als Teenager mit recht bescheidenen Mitteln hören musste. Auch später aus unterschiedlichen Gründen viel über Kopfhörer (was nicht unbedingt schlechte Qualität bedeutet, aber doch einen etwas anderen Eindruck). Ich musste die ersten paar Jahre auch auf der "Familienanlage" hören, d.h. ich habe normalerweise nicht stundenlang im Hintergrund Musik laufen lassen, sondern das, was ich gehört habe, habe ich relativ konzentriert gehört. Wobei man dieses Konzentrieren und Fokussieren auch erst lernen muss bzw. es mit mehr Hörerfahrung eben auch leichter wird. Ich habe, bevor ich Klassik hörte, kaum Musik gehört, was ich ebenfalls nicht für einen Nachteil halte. Als ich ein kleines Kind war, hatten meine Eltern ein paar "Wunschkonzertplatten" (und auch ein bißchen "ernsthafte" bekannte Klassik), aber da erinnere ich mich hauptsächlich an einige Opernchöre. Meine Lieblingsplatte mit 6 war von Ivan Rebroff ;) Dann natürlich Peter und der Wolf, Nussknacker. Irgendwann bekamen wir den alten Plattenspieler ins Kinderzimmer, wo man dann solche Späße machte, wie Platten/Singles mit falscher Geschwindigkeit abzuspielen. Popmusik habe ich natürlich bei Mitschülern oder im Fernsehen mitgekriegt, aber das hat mich recht wenig interessiert, selbst wenn mir vielleicht einzelne Sachen gefallen haben. Mit ca. 13-14 habe ich dann zB ganz gerne Reinhard Mey gehört, weil meine Eltern das hörten, da geht es aber fast mehr um die Texte, würde ich sagen. Wenig später habe ich dann begonnen, Klassik zu entdecken, und als ich dann irgendwann auch in recht engen Grenzen Populärmusik, Jazz, Weltmusik wahrgenommen habe, war immer klar, dass Klassik im Mittelpunkt bleibt. Für mich war nie ein 3-5minütiges Stück mit Gesang das typische Musikstück, da weitgehend instrumentale Klassik die erste Musik war, die ich bewusst und häufig gehört habe und die ein ganz anderes emotionales Erlebnis bieten konnte als die wenige Musik, die ich vorher gehört hatte.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Das Credo bekäme ich wohl am ehesten halbwegs komplett hin, wenn ich versuchen würde, mir Beethovens Missa solemnis im Kopf vorzusingen. Habe aber in den letzten Jahren dieses Stück bzw. insgesamt nicht genügend Messen gehört, daher gäbe es vermutlich Gedächtnislücken (und auf deutsch kann ich das Nicänum erst recht nicht komplett :untertauch:).

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich möchte jetzt in die Diskussion nicht groß einsteigen, aber der letzte Beitrag von Johannes Roehl hat mich an ein Thema erinnert, das ich vor einigen Jahren gestellt habe: "Welche Oper könnt ihr eigentlich mitsingen?" Da kam Erstaunlichhes heraus. Da gab es Taminos, die den ganzen Wagner konnten! Ich glaube, dass dies die beste Art der Kenntnis ist. Ein anderes gutes Kriterium ist dies, wenn man nicht mitsingen kann, weil es sich um Orchestermusik oder Kammermusik handelt: wenn man weiß, wie es weitergeht, dann kennt man das Stück.

    Was die Oper angeht: bei mir sind "Figaros Hochzeit" und "Don Giovanni" kein Problem, bei Janacek bin ich gespalten, da kann ich nur deutsch mitsingen, und zwar "Jenufa" und "Das Schlaue Füchslein". "Totenhaus" und "Makropulos" sind zu schwer.

    Mitsingen heißt nicht, damit auftreten; es ist also nur gemeint, dass die Musik von CD/DVD läuft. Bei Janacek nehme ich auch die Klavierauszüge zu Hilfe.

    Noch eine Möglichkeit - die ich in meinem "Schreibtisch" unter dem Stichwort "Dr. Pingel´s Chorbuch" abhandle - ist, die eigene Stimme zusammen mit den Noten der jeweiligen Chormusik mitzusingen. Manchmal traue ich mich auch, unbekannte Chorwerke anhand der Aufnahme von YouTube mitzusingen, besonders wenn dort die Noten mit laufen.

    Die Basis sprach zum Überbau: "Du bist ja heut schon wieder blau!" / Da sprach der Überbau zur Basis: "Wasis?" (Robert Gernhardt)

  • Wie konsumiert Ihr

    Lieber astewes,


    die musikalische Entwicklung jedes Menschen ist wohl irgendeinen Weg gegangen. Angefangen von ersten Eindrücken in der Kindheit/Jugend über Erfahrungen in der Pubertät bis zu einer ersten Reife so ab 20 Jahre. Da hat sich etwas entwickelt, welches ausbaufähig war.

    Meine Entwicklung wurde nach dem Krieg (ích bin Jahrgang 1942) maßgeblich durch das Radio geprägt, und durch meinen Vater, der in einem Schrammelquartett Mandoline und Gitarre spielte und auch eine angenehme Singstimme hatte. Dadurch wurde Musik für mich erst interessant, es wurde auch Hausmusik gemacht. Ich lernte dazu Zither spielen, auf einem überdurchschnittlichem Niveau, denn ich wurde 1956 bester Instrumentalsolist meiner Altersgruppe im Bezirk Gera. Im Radio kam ich über Operetten zur Oper. Und spätestens seit ich in Gera Helge Rosvaenge 4x live erleben konnte, war mir klar - das läßt mich nicht los.

    Mit der Pubertät wurde mein Musikgeschmack erweitert. Elvis revolutionierte den Hörgeschmack einer ganzen Generation, mit Zither waren die Mädels nicht zu begeistern. Also weg mit dem Instrument, welches mir aber die Freude am Musizieren und Notenkenntnisse brachte. Ins Theater und zum Radio ging ich weiter. TV hatten wir Anfang der 60-er noch nicht.

    Dann begann meine 2. Phase. Als Student lernte ich Saxophon (Es-Alt), spielte jahrelang in einer Studentenkapelle Tanzmusik. Theater spielte keine Rolle mehr, selbst im Scheinwerferlicht zu stehen und Beifall für ein gelungenes Saxophonsolo zu bekommen und sogar noch (wenig) Geld, das war schon was.

    Mit dem Studienende war das Musikmachen vorbei. Ich heiratete, wurde Papa, und wir konzentrierten uns auf die Versorgung der Familie. Wohnung war wichtig, in meiner Heimatstadt gab es keine, also wegziehen (nach Halle) war angesagt. Mitunter Radiohören, immer noch Elvis. Mit den Beatles hörte die Unterhaltungsmusik auf, mich zu interessieren. Die musikalische Entwicklung blieb bei mir stehen, Schlager der 50-er und 60-er Jahre wurden bevorzugt, auch von meiner Frau.

    Ende der 70-er Jahre zogen wir aus beruflichen Gründen wieder in den Raum Gera. Wir erinnerten uns an vergangene Theaterzeiten (meine Frau war selbst im Geraer Schauspielstudio, Rolf Hoppe, Dieter Wien u.a. waren ihre Lehrmeister). Wir nahmen Anrecht, gingen wieder in die Oper, und knüpften da an, wo in den 60-ern der Geschmack stehengeblieben war, bei Verdi, Puccini, Otto Nicolai, Flotow, Lortzing....

    Mit der Zeit war das zu wenig, die Neugierde auf etwas anders kam. Der "leichtere" Wagner (Holländer, Lohengrin), auch Schreker u.a. Aber einmal packte es uns. Im TV kam eine Oper, die ich bis dahin nicht kannte. Salome ging uns unter die Haut. Ich begann mich für Strauss zu interessieren, über die Alpensinfonie auch zur sinfonischen Musik. Wir nahmen zusätzlich Konzertanrecht, und fanden 1990 den Weg in andere Theater (Dresden, Chemnitz, Dessau, besonders ins Gewandhaus). Im Auto hörten wir Schlager oder gar nichts, während wir zu den Meistersingern fuhren. Das störte nicht beim Fahren. Und das ist bis heute so geblieben. Wenn ich im Auto sitze oder beim Frühstück, kann und will ich keine Klassik anhaben. Für Klassik nehme ich mir Zeit, wöchentlich jetzt etwa 5-10 Stunden. In die Oper geh ich nicht mehr, seit mir die Regiearbeit von Herrn Florian Lutz beim Lohengrin in Gera jede Freude an der Oper nahm und ich auch an anderen Häusern sauer und schlecht gelaunt das Theater verließ. Ich habs versucht (auch meine Frau) zu verstehen, warum Rigoletto unter Affen spielt, Lohengrin unter Ratten, Tannhäuser in einer Biogasanlage u.a. Wir habens bis jetzt nicht begriffen. Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf das, was wir an Konserven selbst aussuchen können. Im Opernbereich kann das Verdi, Puccini uva. sein, aber Wagner und Strauss sind Favoriten. Und beim Konzert haben Mahler, Bruckner, Schostakowitsch, Tschaikowski, Brahms, Bruch und natürlich Strauss die Nase vorn. Wenn wir uns damit beschäftigen, dann darf uns dabei nichts stören, auch ein Telefonanruf ist störend.

    Also kurz gesagt, ich höre klassische Musik mit beiden Ohren, mit voller Konzentration und ohne Nebengeräusche. Leider habe ich den Zugang zu Barockmusik und auch zu Mozart nicht geschafft, und was nach Strauss kam (mit Ausnahmen) muß vor der Tür warten. Vielleicht darf das später rein.

    Das Radio läuft aber tagsüber oft im Hintergrund, dabei dominiert die Unterhalteng (Schlager, Country, auch Operette u.a.)


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Interessante Fragestellung, die allerdings zu starken Assoziationen führt und daher sehr unterschiedliche Antworten bringt. Ich glaube, dass in unserer Zeit Musik tatsächlich weitgehend konsumiert wird, zum Teil sogar unbewusst. Meine Konsumation erfolgt auf verschiedenen Wegen und unterschiedlichen Medien: Da ist die Zwangsberieselung, die ich meist als Hintergrundmusik ungewollt, z. B. in Kaufhäusern erhalte, dann die Musik, die ich daheim oder im Auto so nebenbei anhöre. Es folgt Musik, bei der ich Sender, Werk oder Interpret ausgewählt habe, diese kann ich dann ebenfalls nebenher konsumieren oder bewusst anhören. Setzt man diesen Gedankengang fort, dann beginnt bewusstes, ernsthaftes Musikhören erst dann, wenn ich die Ebene der Konsumation verlasse, ein Musikstück, Konzert auswähle und diesem mehr oder weniger intensiv zuhöre. Wahrscheinlich muss der musikalische Eindruck so intensiv sein, dass der Reiz das Kurzzeitgedächtnis überwindet und im Langzeitgedächtnis gespeichert wird und danach erinnert und abgerufen werden kann.

    Hinkender Vergleich: Wir sind wahrscheinlich erst dann die von Alfred gewünschten Taminos, wenn wir nicht nur Beiträge konsumieren, sondern uns aktiv im Forum beteiligen.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • ....


    die musikalische Entwicklung jedes Menschen ist wohl irgendeinen Weg gegangen. Angefangen von ersten Eindrücken in der Kindheit/Jugend über Erfahrungen in der Pubertät bis zu einer ersten Reife so ab 20 Jahre. Da hat sich etwas entwickelt, welches ausbaufähig war.


    ....

    Lieber La Roche,


    Richtig!


    Ich habe hier im Forum in diesem langen Thread über E- und U-Musik einiges gelesen zu den Anstrengungen, um gute Musik populärer zu machen. Ohne jetzt über eine Definition streiten zu wollen, was gut ist und was nicht, kamen natürlich in dem Zusammenhang die Bedeutung der stattlich subventionierten Sender und die der Rundfunkorchester zu Wort. Tatsächlich machen diese Sender einiges, was auch in meinen Augen einen großen Wert hat (ich war zum Beispiel bei einigen Uraufführungen im Klaus-von-Bismarck-Saal der WDR am Wallraffplatz in Köln), aber ihr Budget wird natürlich locker von den Lizenzausgaben für ein Fußballspiel überboten. Darüber kann man natürlich trefflich diskutieren und das ist in dem Thread auch dort schon passiert.


    Wichtiges anderes Beispiel war die Schule. Hier glaube ich allerdings wird die Bedeutung, was Schule zu leisten vermag, überschätzt. Ich hatte (für mich) recht guten Musikunterricht, aber ich kann mich auch an Fächer erinnern, wo der Unterricht beschämend dämlich war. Das Ergebnis ist eben irgendwie zufällig und lässt sich sicher nicht leicht ändern.


    Zum Thema:


    Alle hier im Forum haben ja auf irgendeine Art und Weise den Weg zur "klassischen" Musik im weiteren Sinne gefunden und ich finde es hochinteressant, wie das passiert ist. Einem Peter Serkin wurde es quasi in die Wiege gelegt, andere haben sich ihren Weg durch einen Dschungel von Pop-Melodien zu einer anderen Musik erkämpfen müssen. Jede dieser Genesen ist interessant. Denn wenn man versteht, welchen Weg man gegangen ist, um welche Vorlieben zu entwickeln, kann man vielleicht Modelle ableiten, die helfen, frühen Zugang zu hochwertiger Musik zu finden. Unsere Umwelt prägt uns und ihre Klänge machen uns manchmal willig und manchmal störrisch und das scheint mir absolut nicht egal zu sein.

    Während ich das schreibe, laufen gerade im Hintergrund J.S. Bach Cellosuiten mit Mischa Maisky. Wunderbar. Ich höre nicht wirklich konzentriert hin, manchmal kommen Melodien nach vorne, der herbe Klang des Cellos macht Spaß (über preiswerte Bluetooth Lautsprecher) und vieles rauscht vorbei, aber es entwickelt sich Lust, das Gleiche in Ruhe nochmal zu hören. Es entfaltet sich eine Ruhe, ein richtiges Kontrastprogramm zum lauten Alltag.

    Ich sehe, dass es im Forum eine recht große Menge an Mitgliedern gibt, die gerne Opern hören und sich an schönen Stimmen erfreuen. Wie ist das gekommen? Das ist ein musikalischer Zweig, der bei mir fast verkümmert ist. Ich kann das Phänomen rationalisieren, aber eigentlich verstehe ich es nicht. Da entgeht mir also wertvolle Musik. Ist das in Ordnung oder nicht?


    Wir haben also im Forum ein riesiges Beispielmaterial, wie ein Weg zur Kunst aussehen kann. Schön wäre es, hier mehr davon lesen zu können.


    Es grüßt ganz herzlich

    Axel

  • Das ist ein musikalischer Zweig, der bei mir fast verkümmert ist. Ich kann das Phänomen rationalisieren, aber eigentlich verstehe ich es nicht. Da entgeht mir also wertvolle Musik. Ist das in Ordnung oder nicht?

    Wenn Du der Meinung bist, dass es wichtig ist, dass man Kulturgüter wertschätzt, wäre es natürlich konsequent, jetzt besonders viel Oper zu hören, da sie Dir noch nicht so nahe ist. (Ich habe das auch so gemacht, mit Erfolg.)

  • das habe ich mir tatsächlich aufgrund der vielen Beiträge auch schon überlegt. Ich erinnere mich noch dunkel an eine Zauberflöte mit Fritz Wunderlich und Dietrich Fischer-Dieskau, die wollte ich mir in der nächsten Zeit mal anhören. Aber dann nicht nebenbei...

    Trotzdem, da ist ein Unterschied. Die Anregung kam jetzt aus einem Forum für klassische Musik für die ich mich sowieso schon sehr lange interessiere. Wie kommt jemand an eine Anregung, der dieses Forum gar nicht besucht?

  • Dass es so etwas wie klassische Musik gibt, die man als Kulturgut ansieht, wissen aber schon so ziemlich alle. Wenn einem das egal ist, dann störe ich ihn auch nicht weiter ... wenn man Zugang sucht, wird man auch Angebote finden z.B. im Internet. Wenn man trotz Angebots keinen Zugang findet und persönliche Hilfe sucht - gibt's das?

    :untertauch:

  • Das ist so ein bisschen der springende Punkt. Wenn man sucht, hat man ja schon ein Defizit erkannt.


    Deswegen ja die Frage nach den Hörgewohnheiten. Aber natürlich auch, wann der Funke gesprungen ist. Nicht jeder kommt ja aus einer Familie, wo das Musizieren zum Alltag gehört.

  • Wenn man trotz Angebots keinen Zugang findet und persönliche Hilfe sucht - gibt's das?


    Man muss vermutlich keine E-Musik kennen und mögen, um (trotzdem) ein zufriedenes, glückliches und erfülltes Leben führen zu können.


    Vielleicht ist es auch nicht immer von großem Vorteil, übermäßig intelligent zu sein. Man grübelt zu viel und wird am Ende nur depressiv.


    Sich beispielsweise Musik zu "erarbeiten", eine angemessene "Rezeptionshaltung" zu erlernen, quasi mit Gewalt irgendwelchen Mist, von dem behauptet wird, er wäre künstlerisch wertvoll, solange anzuhören, bis man ihn am Ende gut findet und nebenbei eine Bibliothek voll begleitender Literatur zu studieren, um die Materie auch ja vollends zu "durchdringen" , mag ein durchaus lohnendes Ziel sein, ist aber wohl nicht jedermanns Sache.


    Man kann es letztlich nicht erzwingen. Soll jeder glücklich mit dem werden, was ihm am meisten Freude bereitet.


    Ich sehe gerade, passt alles gar nicht so recht zum Thema, was ich da geschrieben habe. Egal, ich lasse es trotzdem stehen, lege mich jetzt in den Garten und höre mir einen Operettenquerschnitt an.


    LG...MDM :hello:

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Hm, vielleicht ist es doch von Vorteil, intelligent zu sein, weil man dann lernfähig ist und auch die Freude an schwierigem Material "erzwingen" kann. Ob das aber insgesamt einen glücklicheren Menschen produziert - na, da bin ich auch skeptisch.

  • Früher war mir das relativ egal, da habe ich nichts vermisst bei Oper ohne Bühne, aber seit Jahren höre ich weit weniger Oper und da ich leider auch selten in die Oper gehe (was eben meine bevorzugte Form wäre, DVD ist auch nicht so recht mein Fall), verstärkt sich das ein bißchen selbst. Was ich häufiger höre gefällt mir besser, höre ich dann auch wieder häufiger usw. Ich höre Musik natürlich oft auch nebenbei, während das früher eher die Ausnahme war.

    Ich habe über Jahre auch zu viel Musik angeschafft, so dass ich trotz vielen Hörens mit dem Verdauen nicht immer nachgekommen bin. Seit zwei Jahren oder so, arbeite ich ganz langsam eniges davon auf und schaffe jedenfalls auch viel weniger an.

    Mit dem Musizieren habe ich vor über 30 Jahren, vielleicht ein Jahr oder zwei, nachdem ich Klassik als Hörer entdeckt hatte, angefangen und dann einige Jahre Klarinettenunterricht genommen (zuerst etwa von 16-17 bis zum Abitur, dann fast 10 Jahre später nochmal einige Jahre, aber nun seit bald 20 Jahren leider auch nicht mehr gespielt). Ebenso habe ich zu Schulzeiten und kurz danach sporadisch im Chor mitgesungen (also eher noch länger her). Bringt jedenfalls Spaß und zumindest mir auch mehr Verständnis als Hörer, selbst auf diesem extrem bescheidenen Anfänger/Laien-Niveau.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Trotzdem, da ist ein Unterschied. Die Anregung kam jetzt aus einem Forum für klassische Musik für die ich mich sowieso schon sehr lange interessiere. Wie kommt jemand an eine Anregung, der dieses Forum gar nicht besucht?

    Es mag sein, dass im Zeitalter von streaming und youtube, in dem sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellt, man Klassik nicht so leicht begegnet wie das bis vor wenigen Jahrzehnten mit drei Fernseh- und meist auch nur wenigen Radioprogrammen der Fall war. Sie ist aber dennoch in so vielen Filmen u.ä. präsent (spontan fällt mir zB Allens "Match point" mit durchweg historischer Opernmusik ein, ein extremes Beispiel, aber doch ein sehr populärer Mainstream-Film), dass man auch ohne zu suchen, darüber stolpern kann. Wohingegen andere Kulturgüter wie Petrarcas Sonette oder Hegels Phänomenologie des Geistes einem vermutlich weniger oft in Populärkultur oder beim zufälligen Zappen über den Weg laufen.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hm, vielleicht ist es doch von Vorteil, intelligent zu sein, weil man dann lernfähig ist und auch die Freude an schwierigem Material "erzwingen" kann. Ob das aber insgesamt einen glücklicheren Menschen produziert - na, da bin ich auch skeptisch.

    Lieber ein unglücklicher Sokrates als ein glückliches Schwein, aber das sehen heute viele andersum...

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    konsumieren von Musik setze ich mit Multitasking in Verbindung.


    Und das halte ich für den besten Einstieg in die Oberflächlichkeit bei der Wahrnehmung.


    Wer sich das angewöhnt, tut mir leid.


    Es grüßt


    Karl


    PS: die jetzige Touchpadgeneration ist voll dabei, das zum Markenzeichen zu machen

    PSS: vor kurzem sah ich einen herausgeputzten Bankertyp, der beim Laufen über den Marktplatz sein Brötchen aß. Ein wahrlich grotesker Anblick.

  • Man muss vermutlich keine E-Musik kennen und mögen, um (trotzdem) ein zufriedenes, glückliches und erfülltes Leben führen zu können.

    Lieber MDM,


    man muss wahrscheinlich gar keine Musik mögen um ein zufriedenes, glückliches und erfülltes Leben zu führen. Das ist letztendlich immer eine Sache des Anspruchs an sich selbst. Wem egal ist, in welcher Welt er lebt, kommt mit sehr wenig aus, auch, wie Du richtig schreibst, mit wenig Gehirn.

    Vielleicht ist es auch nicht immer von großem Vorteil, übermäßig intelligent zu sein. Man grübelt zu viel und wird am Ende nur depressiv.

    Ich habe den Eindruck, dass uns das Leben nicht immer nur zum eigenen Vorteil gegeben wurde. Gerade die Kunst ist ein nicht ungewichtiges Beispiel, dass man aus seiner Tätigkeit nicht immer nur Vorteil ziehen kann.

    Dieser Ansatz wird also mindestens dem Gegenstand nicht gerecht.


    Sich beispielsweise Musik zu "erarbeiten", eine angemessene "Rezeptionshaltung" zu erlernen, quasi mit Gewalt irgendwelchen Mist, von dem behauptet wird, er wäre künstlerisch wertvoll, solange anzuhören, bis man ihn am Ende gut findet und nebenbei eine Bibliothek voll begleitender Literatur zu studieren, um die Materie auch ja vollends zu "durchdringen" , mag ein durchaus lohnendes Ziel sein, ist aber wohl nicht jedermanns Sache.

    Du erlernst ja auch Lesen und Schreiben, manch einer mit Mühen. Das gibt Dir die Gelegenheit Literatur zu lesen (ich spreche noch nicht vom verständigen Annehmen) und Dich im Forum zu äußern ;). Du hättest ja als Vierjähriger auch sagen können (mit Deinen Argumenten) Was soll der Mist, der hält mich nur vom Essen ab....


    Ob das, was Du später mit diesen Fähigkeiten rezipierst Kunst ist oder nicht, kannst Du leider erst danach beurteilen. Du kannst ja auch Deine literarischen Fähigkeiten benutzen Bild-Zeitung zu lesen. Ich weiß nicht genau, was jedermanns Sache ist, aber in meinen Augen ist es auf jeden Fall erstrebenswert, dass jedermann zumindest in die Lage für ein eigenes Urteil versetzt wird. Da wird die Totalverweigerung für jegleiche Anstrengung in kultureller Hinsicht nicht hilfreich sein.

    Man kann es letztlich nicht erzwingen. Soll jeder glücklich mit dem werden, was ihm am meisten Freude bereitet.


    Ich sehe gerade, passt alles gar nicht so recht zum Thema, was ich da geschrieben habe. Egal, ich lasse es trotzdem stehen, lege mich jetzt in den Garten und höre mir einen Operettenquerschnitt an.


    LG...MDM :hello:

    Natürlich kann man es nicht erzwingen, man will es ja auch nicht. Man will nur jedem die Chance geben. Wenn man sich bewusst in Kenntnis der Lage entscheidet, dann soll es so sein...


    Von Bert Brecht gibt es die Formulierung (durchaus auch musikalisch zu verstehen ;)) ... Hinter der Trommel her marschieren die Kälber, das Fell für die Trommel liefern sie selber ...


    in dem Sinne beste Grüße,

    Axel

  • Interessante Fragestellung, die allerdings zu starken Assoziationen führt und daher sehr unterschiedliche Antworten bringt. Ich glaube, dass in unserer Zeit Musik tatsächlich weitgehend konsumiert wird, zum Teil sogar unbewusst.

    Lieber operus (Hans),


    anders als von mir anfangs gedacht, aber wirklich interessant, entwickelt sich eine Unterscheidung in unbewußten Konsum und bewußte Rezeption der Musik.


    ... Meine Konsumation erfolgt auf verschiedenen Wegen und unterschiedlichen Medien: Da ist die Zwangsberieselung, die ich meist als Hintergrundmusik ungewollt, z. B. in Kaufhäusern erhalte, dann die Musik, die ich daheim oder im Auto so nebenbei anhöre. Es folgt Musik, bei der ich Sender, Werk oder Interpret ausgewählt habe, diese kann ich dann ebenfalls nebenher konsumieren oder bewusst anhören. Setzt man diesen Gedankengang fort, dann beginnt bewusstes, ernsthaftes Musikhören erst dann, wenn ich die Ebene der Konsumation verlasse, ein Musikstück, Konzert auswähle und diesem mehr oder weniger intensiv zuhöre. ...

    Wie du meines Erachtens richtig schreibst, kann man sich bestimmter Geräuschkulissen gar nicht entziehen, sei es Fahrstuhlmusik oder auch das Hämmern auf einer Baustelle. Ich benutze manchmal Musik, um dieser Tortur zu entgehen. Das ist sicher auch ein Grund, warum viele Leute mit diesen Ohrstöpseln herumlaufen, auch wenn das im Verkehr durchaus nicht ungefährlich ist ;). Allerdings nehme ich mir hin- und wieder auch die Zeit, mich auch ein bis zwei oder drei Stunden auf Musik zu konzentrieren. Das gelingt mir heute aber nicht mehr so häufig (nicht aus Konzentrationsgründen), wie noch vor Jahren. Es fehlt nicht unerheblich Zeit.

    Beste Grüße,

    Axel

  • Hallo Karl,


    ich hatte schon mal geschrieben, dass ich eine Freund hatte, der beuím Kochen und auch bei seine Doktorarbeit Bach Klaviermusik gehört hat. Der konnte aber auch (im Gegensatz zu mir) sich abends hinsetzen und sich stundenlang Wagners unendlichen Melodien hingeben. es scheint also auch die Möglichkeit von beidem zu geben....


    Beste Grüße,

    Axel

  • (Fahrstuhlmusik ist übrigens auch ein Kulturgut, genauso wie Tapeten (ohne besondere künstlerische Ambitionen) ebenso ein Kulturgut sind wie ambitionierte Ölgemälde. ;)

    Ich unterscheide da gerne zwischen Kultur und Zivilisation. Das gibt einem noch ein paar Differenzierungsmöglichkeiten ;)

    Es mag sein, dass im Zeitalter von streaming und youtube, in dem sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellt, man Klassik nicht so leicht begegnet wie das bis vor wenigen Jahrzehnten mit drei Fernseh- und meist auch nur wenigen Radioprogrammen der Fall war. Sie ist aber dennoch in so vielen Filmen u.ä. präsent (spontan fällt mir zB Allens "Match point" mit durchweg historischer Opernmusik ein, ein extremes Beispiel, aber doch ein sehr populärer Mainstream-Film), dass man auch ohne zu suchen, darüber stolpern kann. Wohingegen andere Kulturgüter wie Petrarcas Sonette oder Hegels Phänomenologie des Geistes einem vermutlich weniger oft in Populärkultur oder beim zufälligen Zappen über den Weg laufen.


    Ja, wir bauen uns von klein auf eine Echokammer auf. Wie kommt da ein neuer Impuls rein?In Brühl (bei Köln) gibt es ein kleines Antiquariat mit Café. Das scheint ganz gut zu funktionieren. Da gibt es auch Hegels Phänomenologie des Geistes und selbstverständlich Schopenhauers Antwort darauf. Ich weiß natürlich auch kein Rezept, aber irgendwie muss natürlich auf die Entwicklung (mit Tablets und so - ich habe selbst eines :untertauch:) reagiert werden und nicht mit Ablehnung, sondern mit Verarbeitung.

  • Lieber astewes,


    Da wird die Totalverweigerung für jegleiche Anstrengung in kultureller Hinsicht nicht hilfreich sein.


    Wenn ich jetzt so von mir ausgehe, verweigere ich nicht total, sondern eher selektiv.


    Du erlernst ja auch Lesen und Schreiben, manch einer mit Mühen. Das gibt Dir die Gelegenheit Literatur zu lesen (ich spreche noch nicht vom verständigen Annehmen) und Dich im Forum zu äußern ;) . Du hättest ja als Vierjähriger auch sagen können (mit Deinen Argumenten) Was soll der Mist, der hält mich nur vom Essen ab....


    Stockhausens "Gesang der Jünglinge" wird mir vermutlich auch nach dem 100. Mal anhören nicht besser gefallen als beim ersten Mal , das wird in meinen Ohren immer wie nerviges Gejammere und Gejaule klingen. Vivaldis "Vier Jahreszeiten" haben mir dagegen schon als kleines Kind gefallen, ich konnte mir sofort denken, wieso das Stück so heißt und die Schallplatte musste zu Hause immer wieder aufgelegt werden. Bestimmte Werke des abstrakten Expressionismus ("Action Painting) sind in meinen Augen viel weniger Kunst als zufällige ordinäre Schmierereien, Adolph Menzels prächtige Gemälde fand ich dagegen schon immer unmittelbar aussagekräftig. Die Bühnenwerke eines Calixto Bieito werde ich mir in diesem Leben vermutlich freiwillig nicht mehr zu Gemüte führen, es sei denn, er wird im Alter noch geläutert und inszeniert irgendwann im Stile eines Otto Schenk.


    Alle diese o.g. "schwierigen" Formen von Kunst würde ich z.B. durch das Studium von Fachliteratur womöglich besser verstehen lernen, aber sie würden mir trotzdem nie gefallen. Also betrachte ich die Beschäftigung damit als die reine Zeitverschwendung und widme mich lieber den schönen Dingen des Lebens.


    LG....MDM :hello:


    P.S.:

    Lieber ein unglücklicher Sokrates als ein glückliches Schwein, aber das sehen heute viele andersum...



    Glückliche Schweine sind mir eigentlich seeeehr sympathisch.....:jubel:

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Da war von Hörgewohnheiten die Rede. Ich habe mich früher schon einmal dazu geäußert. Ich höre klassische Musik so gut wir nie neben einer anderen Beschäftigung, es sei denn, die Beschäftigung erfordert wenig Konzentration. So habe ich früher einmal Handarbeiten gemacht (Stickereien, Teppichknüpfen). Da konnte ich, wenn sonst alles im Hause ruhig war, mich auf bestimmte klassische Werke einigermaßen konzentrieren. Ansonsten muss ich für klassische Werke Muße haben, um zuzuhören. Selbst beim Lesen bleiben ja nur Fetzen klassischer Musik hängen. Da habe ich es lieber ruhig.

    Im Hören klassischer Musik bin ich breit gefächert - vom Barock bis in die Moderne (ausgenommen Zwölftonmusik, atonale Musik und sonstige Experimente moderner Komponisten). Ich bin immer wieder begierig, Neues kennenzulernen und so habe ich in meiner CD-Sammlung manches Werk der moderneren Zeit, wenn ich es günstig erstehen konnte, versuchsweise mitgenommen. Ich habe dann vor dem Hören versucht, aus Begleitheften oder Konzertführern, von denen ich mehrere besitze, mehr über das Werk zu erfahren. Manchmal gefiel es mir auch erst beim zweiten konzentrierten Hören.

    Begleitmusik bei Arbeiten oder Unterhaltungen gibt es bei uns nur selten. Lediglich am Sonntagmorgen beim Frühstück wird im Südwestfunk 4 das Sonntagskonzert eingeschaltet, dem ich aber nur solange zuhöre, bis das Frühstück zuende ist. Ansonsten kommt höchstens mal Unterhaltungsmusik (Operette usw.) als Hintergrundmusik infrage. Auch bei Autofahrten

    schalten wir selten das Radio ein oder legen eine CD auf, was sich dann aber auch auf Unterhaltungsmusik beschränkt.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ich höre sehr gern Oper beim Bügeln. Dann richte ich es so ein, daß ich mindestens einen Akt schaffe. Heute Abend war es wieder soweit, und ich habe einen Carmen-Querschnitt mit Fr. Fassbaender in der Titelpartie gehört.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Damit du den Rest auch schaffst, könnte ich dir doch regelmäßig Bügelwäsche schicken!:pfeif:

    Die Basis sprach zum Überbau: "Du bist ja heut schon wieder blau!" / Da sprach der Überbau zur Basis: "Wasis?" (Robert Gernhardt)