Was soll eine Oper leisten ?

  • Liebe Forianer,


    der Thread über "miese" Opern hat mich zum folgenden inspiriert, der da heißt: "Was soll eine Oper leisten"



    Die Ansprüche sind hier sehr verschieden:


    Im Barock genügte es oft, eine Beziehung zwischen derzeit regierendem Herrscher und einer Gottheit, einem Helden etc herzustellen - mit möglichst viel Gepränge.


    Bel-Canto-Opern hatten des öfteren unglaubwürdige Libretti. Niemand interessierte die Handlung wirklich - Sie war lediglich das Gerüst für eine Serie aneinandergereihter Da-Capo-Arien....


    Opern des Verismo waren darauf angelegt ein möglicht naturalistisches Abbild der Realität zu scheinen - trotz der artifiziellen (weil musikalischen) Darstellungsform.


    Manche Opern waren lediglich auf Unterhaltung programmiert - die Vorstufe der Operette.


    So - und jetzt meine Frage: Welche Kriterien muß eine Oper für Euch erfüllen, daß sie euch begeistern, mitreissen, bezaubern oder erschüttern kann ?


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo!!


    Ein sehr interessantes Thema!!


    Für mich muss eine Oper vor allem sehr, sehr gute Musik beeinhalten, denn wenn es mir nur um die Handlung ginge könnt ich auch ins Theater gehen.
    Weiters müssen die Sänger überzeugend sein und für mich ganz wichtig die Inszenierung und das Bühnenbild.


    Zur Handlung: Die Handlung muss nicht unbedingt glaubwürdig sein, sie muss mich nur fesseln und ich will mich mit ein paar Charakteren identifizieren können und mit ihnen mitleiden.


    Am liebsten sind mir persönlich die Belcanto-Opern, da sie die dramatischste Musik von allen Opern enthalten, verstärkt noch durch atemberaubende Koloraturen.


    Ich kann mit fast jeder Operngattung etwas anfangen, daher bleib ich bei meinem Statement.


    OPER MUSS FASZINIEREN & MITREISSEN, egal wie, denn das ist bei jedem Menschen anders!


    LG Joschi

  • Zitat

    Original von DonBasilio


    OPER MUSS FASZINIEREN & MITREISSEN, egal wie, denn das ist bei jedem Menschen anders!


    LG Joschi


    Das unterschreib ich auf jeden Fall!


    Oper kann man - meiner Ansicht nach - nicht aus dem Verstand heraus alleine begreifen. Auch glaub ich nicht, dass man den Zugang über die Konserve findet. Wer die Faszination, den Zauber, die Energie einer wirklich guten Aufführung nie erlebt hat, wird nur am Rande dabei sein.


    Darüberhinaus ist's wohl für jeden verschieden und ich bin schon wieder auf die verschiedenen Postings gespannt.


    Ich kann z.B. mit Stimmakrobatik nix anfangen (das gibt mir genausoviel, wie wenn einer vom Ballett ein paar wilde Sprünge macht) und Belcanto ist nett, wohlgefällig aber ein bißl langweilig. Und Barockopern sind schon gar nicht mein Ding.


    Oper muß meiner Ansicht nach "Musiktheater" sein - also die tolle Musik allein macht's nicht. Lieblingsopern daher jene, wo das Stück auch gut ist!


    Don Carlos - wie ich es auch wende ist immer wieder die Nummer 1 - eben weil das Stück erste Klasse ist.
    Boris Godunov
    Tristan und Isolde
    Elektra
    Ariadne auf Naxos (die von vielen so ungeliebte - siehe den "Miesen"-Tread besitzt eines der genialsten Libretti der Operngeschichte - und tolle Musik)
    Otello!
    Aida z.B. geht grad noch
    Tosca! hat eine straffe spannende Handlung!
    Don Giovanni (im Gegensatz zu anderen Mozartopern...)
    u.v.a.


    Grundsätzlich kann aber auch ich mit jeder Gattung etwas anfangen und schließe mich Don Basilio in der Basisaussage an.


    Manche Werke geben als Ganzes wenig her, wobei man schöne Arien und Duette ausgekoppelt genießen kann - das gilt aber dann für mich nicht als "interessante Oper".


    Viel macht jedoch bekannterweise die Produktion und die Sänger aus. Da kann einem beim besten Stück alle Freude vergehen - wenn die Aufführung nicht paßt, stimmt vom oben gesagten nichts mehr.

  • Hallo zusammen,


    Oper berührt für mich immer die wesentlichen Grundfragen und Probleme des Lebens, einhergehend mit den zugehörigen Gefühlen. Die kann ich auch noch bei den abstrusesten Handlungen und den gewagtesten Konstruktionen herausfiltern.


    z. B. "Rigoletto": Was für eine Räuberpistole, allein die Szene mit der Leiter und der Maske - aber durch die einende Musik und die vorherrschende Grundstimmung kann ich über solche Ungereimtheiten hinwegsehen und mich auf die wesentlichen Stimmungsinhalte konzentrieren - es sei denn eine verfremdende Inszenierung drängt mir eines machthungrigen Regisseurs Sichtweise auf :D


    Selbst die von mir als "mies" - wobei dieses Adjektiv im Kölner Sprachraum eine weniger geringschätzige Wertung als im Wiener hat - empfundenen Werke haben Stellen, die mich sehr anrühren und dankbar werden lassen.


    "Oper tröstet", wie schon Elke Heidenreich sagte. Selbst da, und das ist jetzt ein Zusatz von mir, wo einem gar nicht bewusst war, dass man Trost benötigt.


    LG,


    Knuspi

  • Salut,


    eine Oper ist für mich stets das Werk aller Werke. Hier vereint sich alles: Musik, Text, Ausdruck, Geschehen, Tanz, Bombast, Schönheit, Malerei, Gestik, Faszination, Versinken in eine Fantasiewelt und dergleichen mehr.


    Das, was sich in Streichquartetten und Sinfonien nicht herüberbringen lässt, kann nur in einer Oper geschehen - das heißt nicht, daß Kammermusik oder Sinfonien weniger mitreißend sein können und keinen Ausdruck zulassen, aber in der Oper ist er bei aller Irrealität "realer". Ich empfinde daher "Programmmusiken" in Form von Sinfonien oder Ähnlichem als völlig verfehlt.


    Zudem empfinde ich besonders die Größe der Ensembles stets beeindruckend: Arien, Cavatinen usw. gehören sicher dazu - aber das große Tohuwabohu [mindestens 7 Solisten mit Chor und großem Orchester] sind für mich das Erlebnis in der Oper, wobei alles durcheinander sein und dennoch klingen muss. Die tonartliche oder melodische Verknüfung von Charakteren gehört für mich ebenso dazu, wie die musikalische Lösung eines Knotens, was ich besonders bei Cosí fan tutte als gelungen empfinde.


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    der Thread über "miese" Opern hat mich zum folgenden inspiriert, der da heißt: "Was soll eine Oper leisten"


    Ich habe zwei Forderungen, die sich einfach anhören, aber in der Praxis gar nicht so einfach zu erfüllen sind:


    1) Eine Oper muss einen Konflikt darstellen, der mich interessiert.


    2) Die Musik der Oper muss in einem unmittelbaren Zusammenhang mit diesem Konflikt stehen.


    Beides ist übrigens völlig unabhängig davon, ob es sich um ein altes oder ein brandneues Werk handelt.

    Dem Amateur ist nichts zu schwör.

  • Eigentlich ist das Wesentliche schon gesagt worden - es muss mich einfach berühren, emotional ansprechen, und ich kann nicht wirklich begründen, warum das bei der einen Oper geschieht und bei der anderen nicht. Ich versuche z.B. schon seit Jahren einen emotionalen Zugang zu "Falstaff" zu finden, aber es gelingt mir einfach nicht, obwohl Verdi zu meinen Lieblingskomponisten zählt, sein "Simon Boccanegra" meine absolute Lieblingsoper ist und ich allen Experten glaube, die meinen, bei "Falstaff" handelt es sich um ein absolut geniales Werk. Das glaubt mein Kopf, aber nicht mein Bauch.
    Ich stimme außerdem mit Joschi und Knuspi überein, dass Logik der Handlung für mich kein Kriterium ist. Es gibt wohl kaum ein absurderes Libretto als den "Trovatore", und auch im "Don Carlo" leuchtet mir die Verwechslungsszene nicht wirklich ein (besonders pikant, wenn zwischen Elisabetta und Eboli 10 Kleidergrößen liegen :D) - aber die großartige Musik lässt mich das sofort vergessen. Ganz wichtig sind für mich die Sänger, und zwar nicht im Sinne einer olympischen Disziplin "Wer kann's höher, länger, lauter?", sondern in der Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung - natürlich gepaart mit einer in meinen Ohren schönen Stimme. Nur hinstellen und schön singen ist mir hingegen zu wenig, deshalb konnte ich auch mit einem Pavarotti nie etwas anfangen. (Zumindest live nicht) Und wie Brangaene sagt: Oper braucht die Bühne, ich könnte mich nie damit begnügen, wie so viele Taminos, Oper nur per CD oder DVD zu konsumieren. (Den Begriff "konsumieren" habe ich in diesem Zusammenhang absichtlich gewählt, denn für mich wäre das reiner Konsum mit minimalem Genussfaktor.) CD und DVD sind eine wunderschöne Ergänzung, auch interessant zum Vergleichen, aber nie Ersatz für eine Vorstellung.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Ich versuche z.B. schon seit Jahren einen emotionalen Zugang zu "Falstaff" zu finden, aber es gelingt mir einfach nicht, obwohl Verdi zu meinen Lieblingskomponisten zählt, sein "Simon Boccanegra" meine absolute Lieblingsoper ist und ich allen Experten glaube, die meinen, bei "Falstaff" handelt es sich um ein absolut geniales Werk. Das glaubt mein Kopf, aber nicht mein Bauch.


    Ach, wie schade, Severina! Dann wird Dich meine kleine Hommage an dieses für mich humanste und wahrhaftigste Werk Verdis wahrscheinlich auch nicht umstimmen:


    Der TAMINO-Advent-Kalender - DAS VOTING


    Jedenfalls steckt in diesem altersweisen und zutiefst unsentimentalen Werk weit mehr als die amourösen Verwicklungen eines alternden Schmausers und Saufaus´


    Womit wir dann beim Thema des Threads wären. Jede Oper bestimmt selbst den Maßstab, nach der sie beurteilt werden will. Deshalb darf man nicht alle über denselben Leisten schlagen. Wer primär unterhalten will wie etwa Rossini oder Donizetti, den sollte man nicht mit den schweren intellektuellen Gewichten behängen, die man etwa bei der Auslotung einer Oper des Weltverbesserers und Publikumserziehers Wagner benötigt. Gute Musik gibt es hier wie dort, nur der Anspruch, den das Werk an die Zuhörer und -seher stellt, ist ein unterschiedlicher.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von severina
    Und wie Brangaene sagt: Oper braucht die Bühne, ich könnte mich nie damit begnügen, wie so viele Taminos, Oper nur per CD oder DVD zu konsumieren. (Den Begriff "konsumieren" habe ich in diesem Zusammenhang absichtlich gewählt, denn für mich wäre das reiner Konsum mit minimalem Genussfaktor.) CD und DVD sind eine wunderschöne Ergänzung, auch interessant zum Vergleichen, aber nie Ersatz für eine Vorstellung.


    Liebe Severina,


    Zum groessten Teil gebe ich Dir Recht.
    Aber... ich bevorzuge eine Blechdose mit schoener Musik ueber eine Ausfuehrung wo die Saenger“wertlos” sind und/oder die Inszenierung mir nicht gefaellt.
    Oder noch schlimmer, wie bei Montserrat Caballé, dass ich z.B. Violetta sehe. Die sollte an Schwindsucht leiden, aber zugleich sagte mein Gehirn dauernd zu mir “unglaubwuerdig”.
    Dies hat mich sogar soo gepraegt, dass ich bei alles was sie singt, wieder dieses Bild sehe.


    LG, Paul

  • Lieber Giselher, ums Umstimmen geht es gar nicht so sehr, denn ich halte "Falstaf" ja für keine schlechte oder uninteressante Oper (um Gottes willen!), sie löst einfach nicht die Gefühle in mir aus wie andere Werke von Verdi, und Gefühle kann man bekanntlich nicht erzwingen. :(Ich will aber nicht ausschließen, dass sich nicht irgendwann der berühmte Schalter umlegt, das ist mir schon einige Male passiert. Trotzdem habe ich deinen Beitrag zum Adventkalender mit Freude gelesen, danke für den Link! :)
    lg Severina :hello:

  • Lieber Paul, da sind wir völlig einer Meinung, bevor ich mir einen "Don Carlo" mit dem Keith Ikaya-Purdy antue, greife ich natürlich zu einer meiner beiden DVD's oder zu einer CD! Wie ich sagte: Die Besetzung ist für mich ein ganz wichtiges Kriterium bei der Bewertung eines Opernabends. Was Brangaene und ich meinen, sind die Taminos, die dezidiert sagen. Oper live sei für sie völlig uninteressant, meist mit der Begründung, dass die heutigen Sänger so grottenschlecht sind, dass sie ohnehin den Vergleich mit ihren verblichenen Lieblingen nicht standhalten würden. Das ist natürlich eine legitime Sichtweise, aber dann ist Oper wirklich nur ein "Museum", wie von den Anhängern des Regietheaters (zu denen ich von Fall zu Fall ja auch zähle) immer behaupten. Für mich jedoch lebt die Oper, und dazu brauche ich eben die reale Begegnung mit ihr. Trotzdem genieße und erfreue ich mich auch an meiner CD und DVD-Sammlung! (Aber eben AUCH, nicht NUR!)
    lg Severina :hello:

  • Liebe Severina


    Zitat

    Und wie Brangaene sagt: Oper braucht die Bühne, ich könnte mich nie damit begnügen, wie so viele Taminos, Oper nur per CD oder DVD zu konsumieren.



    Das wäre dann eine interessante weitergehende Forderung: Denn der Satz "Oper braucht Bühne" bedeutet ja im Umgekehrschluss, dass eine gute Oper ist nur dann gut ist, wenn sie ohne Bühne schlecht ist. Wobei die Bühne natürlich auch im Kopf sein kann. Nicht einfach, für einen Regisseur, all den tollen Bilder in den Köpfen der Zuhörer etwas Beeiindruckenderes entgegenzusetzen.


    Meint der


    Amateur

    Dem Amateur ist nichts zu schwör.

  • Zitat

    Original von musicophil
    ...
    Oder noch schlimmer, wie bei Montserrat Caballé, dass ich z.B. Violetta sehe. Die sollte an Schwindsucht leiden, aber zugleich sagte mein Gehirn dauernd zu mir “unglaubwuerdig”.
    ...


    Da gäbe es aber einen Ausweg. Rede dir einach ein: sie stirbt an Leukämie, sie stirbt an Leukämie, sie stirbt an Leukämie....

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Salut,


    ich dachte, sie hat einen Tumor im Kopf?


    ?(


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Eine Oper soll mich für eine kleine Weile in eine andere Welt entführen, mich verzücken und unterhalten.

    29.08.1958 - 25.06.2009
    gone too soon

  • Zitat

    Alfred fragt: Welche Kriterien muß eine Oper für Euch erfüllen, daß sie euch begeistern, mitreissen, bezaubern oder erschüttern kann ?


    Opern müssen m.E., wie andere Kunstwerke auch, besonders folgende Qualitätsmerkmale vorweisen: Qualität und Einheitlichkeit. Sie müssen, um zu gefallen, folgende Eigensachaften haben:


    Komposition: Die Qualität von Musik sowie Text muss einheitlich hoch sein.


    Aufführung: Die einzelnen Komponenten wie Musik, Text, Darstellung, Bühne u.s.w. müssen inhaltlich und stilistisch zusammenpassen.


    Musik und Text erreichen bei den mir bekannten Opern selten gleichhohes Niveau. Manchmal höre ich Opern mit ziemlich guter oder interessanter Musik; da der Text oder Inhalt allerdings auch in diesen Fällen meist den Qualitätsansprüchen der Musik nicht entsprechen, taugen die Opern in diesen, also den meisten Fällen, als Gesamtkunstwerk wenig.


    Was die Aufführungen angeht: das Gehopse auf der Bühne, das der Qualität der Musik häufig nicht in Ansätzen entspricht, finde ich meist lächerlich.


    Kurzum: Die Idee der Oper ist genial und birgt die Möglichkeit eines großen, umfassenden Gesamtkunstwerks mit Unterhaltung und Tiefgang gleichermaßen; leider wird es meistens nicht genutzt.


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Zitat

    Musik und Text erreichen bei den mir bekannten Opern selten gleichhohes Niveau. Manchmal höre ich Opern mit ziemlich guter oder interessanter Musik; da der Text oder Inhalt allerdings auch in diesen Fällen meist den Qualitätsansprüchen der Musik nicht entsprechen, taugen die Opern in diesen, also den meisten Fällen, als Gesamtkunstwerk wenig.


    Dem würde ich sanft wiedersprechen wollen. Natürlich taugen viele Libretti als Text für sich genommen wenig. Aber genau das macht ihre Qualität aus - dass sie Lücken lassen, welche die Musik zu füllen hat oder besser: dass sie nicht zu sagen versuchen, was die Musik sagen kann. Wie es bei einem Musikstück Meldodiestimmen und Begleitstimmen geben kann, ohne dass dies die Qualität beeinträchtigt, so kann es auch bei Opern Werke geben, in denen entweder die Musik oder der Text dominiert.

    Dem Amateur ist nichts zu schwör.


  • Violetta hat einen Tumor im Kopf?

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von severina
    ...
    Ich stimme außerdem mit Joschi und Knuspi überein, dass Logik der Handlung für mich kein Kriterium ist. Es gibt wohl kaum ein absurderes Libretto als den "Trovatore", und auch im "Don Carlo" leuchtet mir die Verwechslungsszene nicht wirklich ein (besonders pikant, wenn zwischen Elisabetta und Eboli 10 Kleidergrößen liegen :D) - aber die großartige Musik lässt mich das sofort vergessen.
    ...


    Endlich habe ich eine Expertin zur Hand!


    Erkläre mir bitte, was am Libretto des Trovatore so absurd ist. Ich habe das bis heute nicht begriffen (nämlich warum es absurd ist...).


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Masetto
    Eine Oper soll mich für eine kleine Weile in eine andere Welt entführen, mich verzücken und unterhalten.

  • Zitat

    Original von Amateur
    Das wäre dann eine interessante weitergehende Forderung: Denn der Satz "Oper braucht Bühne" bedeutet ja im Umgekehrschluss, dass eine gute Oper ist nur dann gut ist, wenn sie ohne Bühne schlecht ist. Wobei die Bühne natürlich auch im Kopf sein kann. Nicht einfach, für einen Regisseur, all den tollen Bilder in den Köpfen der Zuhörer etwas Beeiindruckenderes entgegenzusetzen.


    Der Umkehrschluss ist sicherlich ein Irrtum. Klar kann man eine CD hören und die Bühne ist dann im Kopf. Irgendwie lebt man dabei aber von der Erinnerung, was am Sinn vorbei geht. Und klar gibt's schöne konzertante Aufführungen. Und sind ganz ganz sicher - entgegen deiner These - gute Opern auch konzertant noch gut. Und wenn - deinem Gedankengang folgend - eine Oper ohne Bühne besser ist als mit, dann gehört das Werk wohl einem anderen Genre an.


    Aber Oper ist Theater - Musiktheater!
    Die Kunstformen für den Konzertsaal sind andere - Oratorium, Lied - es wurden auch schöne Konzertarien geschrieben, aber das ist nicht Oper!


    Oper ist für die Bühne kreiert und darum lieben wir sie doch! Des blutvollen Lebens wegen, das da mit rüber kommt. Weil es eben nicht nur Musik ist sondern, weil wir entführt werden in ein Stück Leben - oder auch ein Stück Märchen, Sage - je nach dem ob es Verismo, Wagner oder was immer ist.


    Und auch ich dreh lieber den DVD auf "bevor ich mir einen Carlos mit dem Ikardi Purdi (oder wie der schreckliche Mensch heißt)" antu. Ich werd jedoch nie aufhören, mich nach "Oper Live" zu sehnen - nach der Stimmung, der Energie - einfach dem Zauber, nach all den positiven Gefühlen, die meine Liebe zu diesem Medium begründet haben. :angel:

  • Eine Oper soll mich unterhalten. Wobei ich selbst gar nicht genau sagen kann, was für Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ich mich unterhalte. Würde ich sagen, ich erwarte erstklassige oder zumindest ausreichende musikalische Leistung, kann es durchaus sein, dass Inkompetenz mich treffend unterhält oder peinlich berührt. Oder im Idealfall beides. Ich glaube, was mich am wenigsten interessieren würde, wäre eine mediokre Vorstellung. Also entweder Sonderklasse oder Totalausfall :D
    Wobei ich immer Aufführungen, in denen ich Begeisterung bei den Akteuren jederzeit den Fähigkeiten vorziehe, als gelungen betrachte...


  • Hallo Theophilus, auch wenn ich ganz und gar keine Expertin bin, erkläre ich dir gerne, warum der "Trovatore" für mich absurd ist (ohne jeden Absolutheitsanspruch! ;)): Eine Mutter, die irrtümlich ihr eigenes Kind ins Feuer wirft anstatt das des verhassten Feindes, dieses dann aber liebevoll als ihr eigenes aufzieht (Wenn auch mit dem Hintergedanken, ihn zum Rächer zu programmieren) - tut mir Leid, da streiken meine kleinen grauen Zellen! Was aber nichts daran ändert, dass ich diese OPer mit ihrer leidenschaftlichen Musik sehr liebe, und "Il balen del suo sorriso" ist meine liebste Bariton-Arie überhaupt!
    Falls sich daraus jetzt ene längere Diskussion ergibt, sollten wir vieleicht in einen anderen Thread übersiedeln, denn hier sind wir ziemlich OT ;)
    lg SEverina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Eine Mutter, die irrtümlich ihr eigenes Kind ins Feuer wirft anstatt das des verhassten Feindes


    Ja, aber welche Arie :]


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von severina
    Sag ich ja, die Musik ist göttlich, trotzdem bleibt der Plot für mich absurd! :D
    lg Severina :hello:


    Ja, und ich weiß auch echt nicht, wie man das plausibel machen kann. Entweder man erfasst's von der Meta-Ebene oder man findet das Ganze lächerlich. Wenn dann auch optisch nix geboten wird, dann sieht's arg trüb aus:


    Wir hatten jetzt eine rundum, völlig und hoffnungslos bescheuerte "Macht des Schicksals" in Köln. Und auch wenn dieser Verdi noch zu den handlungsmäßig zahmeren gehört, die vielen Brüche und Sprünge sind schon arg und werden garantiert nicht besser durch Schlange stehende, onanierende Soldaten und/oder ein überdimensional riesiges Weihrauchfass, dass hin und herschwankte - und beinhae die arme Leonore umgenietet hätte. :D


    Womit wir mal wieder OT sind, also schnell die Kurve gekratzt:


    Oper muss für mich auf der Bühne auch ästhetische Schauwerte erfüllen.


    LG,


    Knuspi

  • Zitat

    Original von Brangäne


    Der Umkehrschluss ist sicherlich ein Irrtum. Klar kann man eine CD hören und die Bühne ist dann im Kopf. Irgendwie lebt man dabei aber von der Erinnerung, was am Sinn vorbei geht. Und klar gibt's schöne konzertante Aufführungen. Und sind ganz ganz sicher - entgegen deiner These - gute Opern auch konzertant noch gut. Und wenn - deinem Gedankengang folgend - eine Oper ohne Bühne besser ist als mit, dann gehört das Werk wohl einem anderen Genre an.


    Du vermischst da jetz aber zwei Gedanken von mir. :( Ich habe nie behauptet, dass eine Oper ohne Bühne besser ist als mit. Sondern genau das Gegenteil! Der Satz "Eine Oper ist dann gut, wenn sie ohne Bühne schlecht ist" will ja gerade sagen, dass eine gute Oper die Bühne, den lebendigen Theater spielenden Menschen braucht.


    Ich sehe einen Opernkomponisten jedenfalls nicht als einen Alleinunterhalter, der egoistisch absolute Werte schafft und dabei Bühne und Darsteller an die Wand spielt. Sondern ich sehe ihn als als jemanden, der seinen künstlerischen Partnern Raum zur Entfaltung lässt, ihnen spannende Aufgaben stellt. Ich möchte nochmal den Vergleich mit Ober- und Unterstimmen bringen: beide sollten zusammen faszinierender klingen als einzeln.


    Dass ich Opern manchmal trotzdem lieber mit geschlossenen Augen oder auf CD höre, hat einen ganz anderen Grund. Manchmal sind die szenenischen Partner der Komponisten nicht so gut oder interessant, wie ich es mir wünschen würde. Wenn das der Fall ist, dann ist es mir sozusagen lieber, mir die Unterstimme im Kopf vorzustellen als sie real in einer verhunzten Form zu hören. :P Schöner ist es aber allemal, wenn mir große Künstler auf der Bühne das vormachen, was ich mir gar nicht vorstellen konnte. :jubel:

    Dem Amateur ist nichts zu schwör.

  • Wie ich soeben siehe, habe ich den Thread initiiert - und dann wieder gekniffen.


    Oper soll für mich Unterhaltung sein, und hier gibt es verschiedene Aspekte, die ich in diesem Zusammenhang fordere:


    1) Wunderbare Musik ist für mich das A und O jeder Oper , daher bin ich ein Anhänger des Belcanto, aber auch von Mozart, Cimarosa, Dittersdorff etc..., sowie der deutschen Spieloper, und vor allem der französichen Oper.


    2) eine möglichst in ferner Zeit spielende Handlung, mit Anspielungen auf historische Bezüge.


    3) Dementsprechende Ausstattung von Kulisse und Kostümen, wenn geht mit Spezialeffekten.



    Oper kann heiter sein, sie kann bombastisch sein, sie soll abwechslungsreich sein, aber auch gruselig oder verschroben. Die Handlung muß nicht glaubwürdig sein, es hat mich immer gereizt, wenn Unglaubwürdiges sooo eindrucksvoll dargestellt wurde, daß sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit gar nicht erst stellt


    Opern sollten musikalische Märchen für Erwachsene sein und in eine fremde Welt entführen.


    Oper als "Kunstwerk" wurde ja erst relativ spät entdeckt - und wohin es geführt hat sieht man ja.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Was sollte Oper leisten:


    Oper sollte Interesse wecken, Spannung erzeugen und zum Nachdenken anregen.


    Sie sollte großartige Musik darbieten, große Stimmen hörbar machen, überzeugende schauspielerische Leistungen (in einer schlüssigen Inszenierung) zeigen und dadurch im bestem Sinne unterhalten, ob als Drama, Tragödie oder Komödie.


    Ziel sollte es sein, daß der Zuhörer bzw. Zuschauer für den Zeitraum der Vorstellung in den Bann des Werkes gezogen wird und es im wünschenswerten Fall zur Identifikation mit dem Geschehenen auf der Bühne kommt, so daß sich das Gefühl einstellt, die Zeit möge nicht vergehen.


    Bis dann.

    Einmal editiert, zuletzt von keith63 ()

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Oper als "Kunstwerk" wurde ja erst relativ spät entdeckt - und wohin es geführt hat sieht man ja.


    Ob sich jetzt Monteverdi, Peri und da Gagliano freuen würden?