Orth, Norbert: von Mozart zu Wagner

  • Laut Themenverzeichnis und flüchtiger Recherche habe ich im Taminoforum noch keinen Thread für Norbert Orth gefunden - das muss geändert werden!


    Der Tenor wurde 1939 in Dortmund geboren; seinen ursprünglichen Plan, Industriekaufmann zu werden, gab er zugunsten der Opernkarriere auf. 1966 gab er sein Debut in "Cosi fan tutte", und in Mozartrollen war er auch häufig zu erleben. Beim Werbepartner tue ich mir etwas schwer, Aufnahmen zu finden; stellvertretend möchte ich zumindest diese DVD einstellen:



    Einen weiteren Bereich, den er meisterhaft beherrschte, war die Operette, davon mag dieses Video Zeugnis ablegen:



    Hier zeigt sich seine mühelos strahlende Stimme voller Schmelz, die Eleganz seiner Phrasierung, die Klarheit seiner Diktion, seine temperamentvolle Gestaltung.


    Aber nicht nur lyrischen Glanz konnte er aufscheinen lassen, auch im jugendlich-heldischen Fach reüssierte er als u.a. als Lohengrin und Tannhäuser.


    Hier ein Beispiel aus den Meistersingern:



    Die Stimme klingt sonor und tragfähig, verfügt auch noch über den Schmelz und die sichere Tongebung, wenngleich auch -naturgemäß- die Eleganz und Leichtigkeit hier weniger zum Tragen kommt. Dennoch singt er prachtvoll, ohne zu Forcieren, textverständlich, mit gelungener Phrasierung. Für mich ein sehr einnehmendes Klangbeispiel seines Könnens.


    Leider habe ich ihn nicht selbst auf der Bühne erlebt und besitze auch (noch) nicht viele Tonträger mit ihm, von daher freue ich mich auf die Berichte und Empfehlung der anderen Musikfreunde.

  • Norbert Orth habe ich Anfang der 90-er als Stolzing in Chemnitz erlebt. Allein die Tatsache, daß die Erinnerung nach fast 30 Jahren noch da ist beweist, daß sein Auftritt entweder sehr gut oder sehr mäßig war. Norbert Orth ist positiv in meinen Gehirnwindungen notiert. Wie auch die ganze Inszenierung fabelhaft gewesen ist. Sie war so fabelhaft, daß ich sie 2x in kurzen Abständen angesehen habe, was bei mir etwas bedeutet und selten vorkommt. In der 2. Aufführung war übrigens Siegfried Vogel ein prachtvoller Hans Sachs.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zu Norbert Orth kann ich etwas aus eigenem Erleben beisteuern, bitte aber zu bedenken, dass meine Eindrücke aus der Zeit stammen, in der er sich aufmachte, das jugendlich-dramatische Tenorfach zu erobern. Anfang 1984 hörte ich ihn in Hamburg als stimmschönen und -starken Pedrillo, im Sommer desselben Jahres in Bayreuth als Loge, der mich weniger überzeugte, da ich ihn "als weder Fisch noch Fleisch" empfand, also nicht mehr der Spieltenor, der er lange nicht mehr war, noch nicht der Wagner-Held (z.B. Tannhäuser in Lübeck) - selbst für die günstigen akustischen Verhältnisse des Bayreuther Festspielhauses zu wenig Volumen.

    Das hatte sich offenbar noch nicht geändert, als Norbert Orth 1986 für den absagenden James King in Hamburg als Parsifal einsprang. Positiv : gute Diktion, gefälliges Spiel. Negativ : fehlendes Volumen versuchte er, durch Abdunkeln und künstliches Verbreitern der Mittellage zu erreichen, so dass er am Ende des 2. Aktes mit seiner Kraft am Ende war und den ihm eigentlich gut liegen müssenden Karfreitagszauber nur mit Mühe bewältigte. Fazit : derzeit wäre Tamino die richtige Rolle!

    1987 erlebte ich ihn dann als Tristan in Lübeck, zumindest 2 Akte lang, denn zusammen mit dem Herausgeber eines Hamburger Opernmagazins verließ ich danach die Vorstellung, was diesen jedoch nicht daran hinderte, die gesamte Aufführung in seiner Publikation zu rezensieren (selbsterständlich ohne Vermerk, dass diese sich nur auf die gehörten 2 Akte bezog!!!).

    Ich hoffe diejenigen, die Norbert Orth positiv in Erinnerung haben, durch meine kritischen Hinweise nicht vor den Kopf gestoßen haben. Ich sage noch einmal : Ich habe Orth nur am Anfang seines Fachwechsels gehört, kann also nicht sagen, wie er sich danach entwickelt hat.


    Beste Grüße aus Finnland


    Peter Schünemann

  • Ich hoffe diejenigen, die Norbert Orth positiv in Erinnerung haben, durch meine kritischen Hinweise nicht vor den Kopf gestoßen haben.

    Für meinen Maßstab war Orth in Chemnitz Klasse. Ob er die Erwartungen der Besucher großer Opernhäuser ebenfalls erfüllen konnte, das weiß ich nicht. Es waren außerdem meine ersten Meisterdinger, ich kannte live bis dato keinen anderen Stolzing. Also kein "Stoßen vor den Kopf"!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Norbert Orth habe ich Anfang der 90-er als Stolzing in Chemnitz erlebt.

    Ich habe Norbert Orth recht häufig gehört, am häufigsten wohl als Stolzing, ca. 10x in Berlin und Chemnitz. Die Heinecke-Inszenierung in Chemnitz hatte Ostersonntag 1997 Premiere und lief zwei Jahre bis April 1999 - also nicht Anfang Neinziger, sondern eher Ende Neunziger. Auch meine Erstbegegnung mit diesem Sänger war im Februar 1992 an der Staatsoper Berlin als Stolzing. Eigentlich war Klaus König im Monatsleporello angekündigt, aber dann stand "Norbert North" auf dem Besetzungszettel - und es gab Aushänge, dass der Stolzing des heutigen Abends Norbert Orth heißt und nicht wie fälschlich gedruckt "Norbert North"! :D

    Apropos Klaus König - das war ein Sänger nach meinem Geschmack. Norbert Orth gefiel mir weniger. An guten Abenden hatte Orth eine fantastische Höhe, aber darunter wurde es immer dünner, oftmals waren seine Leistungen durchwachsen, der Ton war häufig etwas weinerlich, die Diktion verwaschen, die Artikulation maulig, das Spiel sehr statisch und der Ausdruck kaum vorhanden. Ich habe in diesem Fach deutlich schlechtere Sänger erlebt, aber eben auch bessere. Wenn er als Florestan einsprang, war das für mich schon mal ein Grund, nach dem 1. Akt nach Hause zu gehen. Eine andere Rolle neben dem Stolzing, in der ich ihn recht häufig hatte, war der Bacchus in "Ariadne" - da hatte er mitunter wirklich sehr gute Abende. Als Max hatte ich ihn auch mehrfach. Sehr gut gefiel er mir im Fach darunter: als Matteo sang er zwar auch recht weinerlich, aber ich werde nie vergessen, wie er im 3. Akt total verängstigt in seinem Teeglas rührte - da war er darstellerisch gerade richtig. Und meine Lieblingsrolle von ihm war zwifellos der Sänger im "Rosenkavalier" - da war er mit seiner guten Höhe ganz in seinem Element. In den letzten Jahren der Dresdner Herz-Inszenierung sang er fast in jeder Vorstellung diese Rolle.


    So weit meine persönliche Erinnerung an Norbert Orth, die frei von Euphorie, aber auch frei von Ärger ist. "Solide" trifft es ganz gut.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Don Gaiferos!

    Zu Norbert Orth kann ich leider nichts beitragen. Ich habe ihn lediglich als Don Curzio gehört. Zudem habe ich ein vage Erinnerung, dass ich ihn noch als einen der Meistersinger von Nürnberg - vielleicht war er der Augustin Moser? - gehört habe. Leider hatte ich die Besetzung der kleineren Partien seinerzeit nicht notiert.


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Hallo, Don_Gaiferos!


    Schön, dass Du für Norbert Orth einen Thread eröffnet hast.


    Zuerst ist mir der Name dieses Tenors am 25. 6. 1971 begegnet, als ich Frederick Loewes „My Fair Lady“ an der Deutschen Oper am Rhein sah; Norbert Orth sang hier den Freddy Eynsford-Hill ('In der Straße, wo du wohnst') neben Karin Zelles (Eliza), David Thaw (Professor Higgins), Pit Krüger (Alfred P. Doolittle) und Kurt Gester (Oberst Pickering); Freddies Mutter war Valerie Bak, in einigen Vorstellungen war das auch Hildegard Behrens, die damals noch im Nachwuchsstudio der DOR war. Meines Wissens war der Sänger nur kurz in Düsseldorf/Duisburg im Ensemble, ging dann nach Nürnberg; 1978 folgte ein langjähriges Engagement an der Bayerischen Staatsoper.


    Im Fach des 'Spieltenors' startete er eine internationale Karriere, die ihn nach Bayreuth (Augustin Moser in den „Meistersingern“ 1973 und 1974 unter Silvio Varviso, beide Male akustisch dokumentiert) und u. a. als Standardbesetzung für den Pedrillo in der „Entführung aus dem Serail“ 24 Mal von 1976 bis 1980 nach Paris (mit wechselnden Partnern unter Karl Böhm, Charles Mackerras und Serge Baudo), an die 'Met' im Oktober/November 1979 (8 Vorstellungen mit Edda Moser, Norma Burrowes, Nicolai Gedda, Kurt Moll und Werner Klemperer unter James Levine) und Salzburg 1980/1981 (mit Ileana Cotrubas, Carol Malone, Peter Schreier, Martti Talvela und Frank Hoffmann unter Lorin Maazel) führte.


    Aus jener Zeit stehen mehrere Schallplatten in meinem Regal, von 1978 allein „Die Schuldigkeit des ersten Gebots“ (Wolfgang Sawallisch), „Die Entführung aus dem Serail“ (Heinz Wallberg), „Die Zauberflöte“ (Alain Lombard), Paers „Leonora“ (Peter Maag), „Fidelio“ (Karl Böhm) und „Die Freunde von Salamanca“ (Theodor Guschlbauer), gefolgt von „Hoffmanns Erzählungen“ (Heinz Wallberg) und „Tiefland“ (Marek Janowski) sowie die Fernseh-Aufzeichnungen von „Die Entführung aus dem Serail“ (Berlin 1976 unter Gary Bertini und München 1980 unter Karl Böhm) und „Die Zauberflöte“ (München 1983 unter Wolfgang Sawallisch), alle drei auch auf DVD veröffentlicht.


    Sein Wechsel ins dramatische Fach (u. a. Debüt im Februar 1984 und 6 weitere Vorstellungen an der Wiener Staatsoper als Erik im „Fliegenden Holländer“ neben Gwyneth Jones, Donald McIntyre und Kurt Rydl unter Charles Mackerras oder der Loge im „Rheingold“ im zweiten Jahr des „Rings“ von Peter Hall 1984 in Bayreuth, dirigiert von Peter Schneider) ist weit weniger akustisch dokumentiert. Hier habe ich lediglich eine CD mit Ausschnitten aus den „Meistersingern“ als Mitschnitt von der Eröffnung des Aalto-Theaters in Essen 1988 (mit Beatrice Niehoff, Margaret Russell, Victor Braun, Hans-Jürgen Lazar und Roland Bracht unter Heinz Wallberg) und eine Gesamtaufnahme von d'Alberts „Die toten Augen“ aus Dresden 1997 mit Dagmar Schellenberger (eingesprungen für Hildegard Behrens) und Hartmut Welker unter Ralf Weikert. In beiden Aufnahmen bringt Norbert Orth eine durchaus ansprechende Leistung, vor allem ist wie in allen anderen Aufnahmen seine deutliche Textartikulierung zu loben.


    Im Studio hat sich Norbert Orth auch immer wieder für die Operette eingesetzt; hier habe ich Schallplatten-Gesamtaufnahmen von „Die schöne Helena“ (Willy Mattes), „Die lustige Witwe“ und „Der Zarewitsch“ (beide unter Heinz Wallberg), „Im weißen Rössl“ (Willy Mattes) und eine „Offenbachiade“ aus Köln (unter Pinchas Steinberg). Im Archiv des Bayerischen Rundfunks dürften sich noch einige Einzelaufnahmen befinden. Auch ein 1998 selbst von ihm produziertes Operetten-Recital ist in meinem CD-Bestand:


    „Operettenlieder“: Giuditta: Freunde, das Leben ist lebenswert / Zigeunerliebe: Weißt ja doch, ich bin Zigeuner / Friederike: O wie schön, wie wunderschön / Das Land des Lächelns: Dein ist mein ganzes Herz / Der Zarewitsch: Allein, wieder allein!... Es steht ein Soldat am Wolgastrand / Der Zigeunerbaron: Als flotter Geist / Cagliostro in Wien: Die Rose erblüht, wenn die Sonne sie küsst / Das Spitzentuch der Königin: Du Märchenstadt im Donautal / Gräfin Mariza: Auch ich war einst ein reicher Csárdáskavalier... Komm, Zigány – Wenn es Abend wird... Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen / Die Zirkusprinzessin: Wieder hinaus ins strahlende Licht... Zwei Märchenaugen / Die lockende Flamme: Ich träume mit offenen Augen / Der liebe Augustin: Lass' dir Zeit, alles mit Gemütlichkeit / La Vallière (Janos von Mory): Du allein bist die Frau, die ich liebe / Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n (Robert Stolz) / Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde (Robert Stolz) / Granada (Agustin Lara) / Chianti-Lied (Gerhard Winkler) / Begleitet wird Norbert Orth vom Münchner Rundfunkorchester unter Alois Rottenaicher (Gesamtdauer: 64,04 Min.). Der Sänger weiß seine nicht sehr persönlichkeitsstarke Stimme zu variieren und bringt in verschiedenen Klangperspektiven ein abwechslungsreiches Programm.


    Eine ebenfalls zu dieser Zeit eingespielte – und von Norbert Orth selbst produzierte - CD mit Weihnachtsliedern, begleitet von Mitgliedern des Münchner Rundfunkorchesters, habe ich leider nicht.


    Carlo

  • von d'Alberts „Die toten Augen“ aus Dresden 1997 mit Dagmar Schellenberger (eingesprungen für Hildegard Behrens)

    Dass dafür ursprünglich mal Hildegard Behrens geplant war, wusste ich nicht - aber ein kurzfristiges Einspringen war das nicht.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • ... eine Gesamtaufnahme von d'Alberts „Die toten Augen“ aus Dresden 1997 mit Dagmar Schellenberger (eingesprungen für Hildegard Behrens) und Hartmut Welker unter Ralf Weikert. In beiden Aufnahmen bringt Norbert Orth eine durchaus ansprechende Leistung, vor allem ist wie in allen anderen Aufnahmen seine deutliche Textartikulierung zu loben.


    Dass dafür ursprünglich mal Hildegard Behrens geplant war, wusste ich nicht - aber ein kurzfristiges Einspringen war das nicht.

    Ich wusste das auch nicht und bin froh, dass es gekommen ist wie es ist. :) Bei den "Toten Augen", eine Oper, die ich immer wieder gern höre, ist die Auswahl an Aufnahmen ja nicht eben üppig. Die Dresdener Produktion ist für mich eine sehr gute Alternative zur berühmten historischen Einspielung, die vielleicht etwas stimmungsvoller ausgefallen ist.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Hallo,

    Norbert Orth habe ich als Heldentenor in Hannover dreimal erlebt, einmal als Hüon in Webers Oberon, da war er großartig, zweimal war er Stolzing, wobei ihm in einer Aufführung leider nach dem zweiten Akt aus Gründen, die ich nicht mehr weiß, die aber wohl gravierend waren, die Stimme wegblieb, so dass er im 3. Akt nicht mehr singen konnte und nur stumm agierte. Das Preislied rein musikalisch war ein trotzdem interessantes Erlebnis, aber als die Nachricht kam, dass Orth sich wieder erholt hatte, war die Freude beim hannoverschen Publikum, so viel hörte man in den nächsten Wochen, doch sehr groß.

    Schöne Grüße

    wega

  • Bei mir ist mit Orth die Erinnerung an einen meiner allerersten Opernbesuche verbunden, da fuhren wir mit dem Bus nach Augsburg und sahen "Freischütz", wo er den Max sang. Das war 1980, kurz zuvor hatte ich ihn noch ams Pedrillo im Fernsehen gesehen.