Rudi Stephan (1887-1915)

  • Der im 1. Weltkrieg gefallene Rudi Stephan (1887-1915)
    gehört zu den Komponisten, die ca. alle 10 Jahre "wiederentdeckt" um dann für geraume Zeit aufs neue vergessen zu werden. Dabei gab es eigentlich immer Bemühungen, seine wenigen Werke einem grösserem Publikum zugänglich zu machen.




    Stephan war Schüler von Bernhard Sekles und Rudolf Louis, wuchs in Worms als Sohn einer gutsituierten Juristenfamilie auf und lebte später in München, wo er 1911 erste Kompositionen vorstellte.
    Rudi Stephan, eine der großen Hoffnungen der deutschen Musik, fiel 28jährig im ersten Weltkrieg. Er hinterließ ein schmales Œuvre, das das Bestreben des jungen Komponisten erkennen läßt, in einer Zeit des Nebeneinanders unterschiedlichster Musikströmungen und -stile zwischen Spätromantik, Impressionismus und Expressionismus einen eigenen Weg zu finden. Die Titel seiner Instrumentalwerke – Musik für sieben Saiteninstrumente, Musik für Orchester und Musik für Geige und Orchester – sind durchaus als Programm seiner Werkvorstellungen zu verstehen, die – befreit von architektonischen, akustischen und ästhetischen Dogmen (Ferruccio Busoni) – nach völlig eigenständigen Gestaltungen sucht. Die Nähe zu Busonis musikästhetischen Gedanken zeigt auch der Vergleich von Instrumental- und Opernwerk Stephans, die Idee der Einheit der Musik erscheint hier im Ansatz verwirklicht. – An Stephans Oper „Die ersten Menschen“ wird zudem eine Analysemethode entwickelt, die, vom einzelnen Intervall ausgehend, das System der Intervallbeziehungen als Ausdrucksträger vorstellt.


    Werke:


    Musik für sieben Saiteninstrumente (2 Violinen, Viola, Cello, Kontrabaß, Harfe und Klavier; 1911)
    Musik für Orchester. (1912)
    Liebeszauber. Ballade für Bariton und Orchester nach Friedrich Hebbel (1913)
    Musik für Geige und Orchester. (1913)
    Up de eensame Hallig für tiefe Singstimme und Klavier (ca.1920)
    6 Gedichte für Singstimme und Klavier aus dem Liederzyklus " Ich will dir singen ein Hohelied " (1921)
    7 Lieder für Singstimme und Klavier (1936)
    2 ernste Gesänge für Bariton und Klavier (1940)
    Die ersten Menschen. Oper in zwei Aufzügen nach dem gleichnamigen "erotischen Mysterium" von Otto Borngräber (1914; Uraufführung postum 1. Juli 1920 in Frankfurt am Main)
    Groteske für Geige und Klavier Duo


    Die Aufführung seines größten und bedeutendsten Werkes 'Die ersten Menschen', die er im Juli 1914 vollendete, hat Rudi Stephan nicht mehr miterlebt. Die Uraufführung der 'Ersten Menschen' fand am 1. Juli 1920 im Opernhaus Frankfurt am Main unter der musikalischen Leitung von Ludwig Rottenberg statt. Erst diese und weitere Aufführungen sollten der Nachwelt vor Augen führen, welch enormes Potential in Stephans zukunftsweisender Begabung steckte und durch seinen viel zu frühen Tod so sinnlos verloren ging.



    Ob die bei CPO erschienene Aufnahme von "Adam und Eva" jedoch dem Werk gerecht werden wird, vermag ich nicht zu sagen, die Besetzungsliste jedoch lässt Zweifel durchaus zu !


    Erstmals ist unter Oleg Caetani eine Einspielung mit Orchesterwerken des Komponisten erschienen, die diesen nichts schuldig bleibt und sich auch aufnahmetechnisch von seiner besten Seite zeigt; eine Einspielung, die gewiss für Jahre Referencharakter beanspruchen darf und deren Kenntnisnahme für alle unverzichtbar ist, die sich intensiver mit Musik, die sozusagen "querständig "zwischen" den Zeiten steht, beschäftigen wollen.


    Insgesamt höchste Noten für Interpretation, Repertoirewert UND Aufnahmetechnik !




    Quelle Werkverzeichnis: Wikipedia

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Was mich an Stephan verblüfft: Er wurde nur 28 Jahre alt. Das ist normalerweise das Alter, in dem Komponisten ihre ersten reifen Werke abschließen (sieht man von den großen Frühstartern der Musikgeschichte von Mozart angefangen bis zu Schostakowitsch und Britten einmal ab).
    Bei Stephan ist gleich die Musik für sieben Saiteninstrumente reif; und in den Werken, die folgen, spürt man nicht ansatzweise einen Zweifel am musikalischen Material oder am Stil, es gibt nur diese eine Richtung, in der sich Stephan in völliger Sicherheit seines Weges bewegt.
    Und dieser Weg ist keineswegs konservativ. Die Harmonik ist avanciert, die melodischen Bögen erinnern an die Linienführung des mittleren Hindemith, allerdings ohne in dessen teilweise Schablonenhaftigkeit zu verfallen.


    Was Aufnahmen anlangt:

    Mit dieser Aufnahme kann man die ausgezeichnete Chandos-Einspielung sozusagen zum gesamten (Kammer-)Orchesterwerk Stephans ergänzen - beim "Liebeszauber" war Fischer-Dieskau leider nicht mehr in Bestform, die Manierismen übertreffen den vokalen Ausdruck bei weitem. Dennoch: Mangels Alternative bleibt nur diese eine Wahl, will man dem expressiven, von leuchtenden Orchesterfaben getragenen Werk begegnen.


    Was die "Letzten Menschen" betrifft: Demnächst sollte ich Post bekommen. Dann mehr davon.

    ...

  • "Die letzten Menschen" erscheint doch dieser Tage bei cpo. Ich freue mich schon riesig, denn Stephans Musik hat mich seit jeher fasziniert. Wie ich auch schon immer ein Faible für die "lost generation" von 1914-18 hatte, auch bei den Engländern, und nicht nur in der Musik....

  • ich habe sie mir auch schon bestellt ... ein vorweghineinhörer sagte aber schon, daß sie an die große und leiiiiider vergriffene aufnahme aus den 50erm bei weitem nicht hinanreicht ... außer natürlich bei der aufnahmequalität .. aber , was will man machen ....
    vielleicht gibts ja bald noch eine kleine stephan-renaissance. verdient hätte es das frühverstorbene genie

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Hallo Edwin und Klingsor, also bei Stephans Werl handelt es sich um die "ersten", nicht um die "letzen" Menschen ! Jene begegnen uns musikalisach erst in Carl Orffs "Weltabschiedswerk"De temporum fine comoedia" aus 1973 ! :D


    Edwin, die wenigen Werke Stephans sind keinesfalls die spontanen Einfälle eines hitzigen Genies sondern wirklich unter Schweiss und Müh und mitt vielen Korrekturen entstanden. Erstaunlich finde ich allerdings auch die KEINEN ZWEIFEL zulassende ZIELGERICHTETHEIT DES WEGES, und den Werken ist in jedem Takt anzumerken, daß hier einer ganz genau weiss, woher er kommt und wohin er gehen will !


    Die Koch-CD mit dem Liebeszauber ist jedoch wirklich NUR aus Gründen des beachtlichen Repertoire-Wertes zu empfehlen, denn abgesehn von einem wirklich unerträglichen Fiedrich Discher-Fieskau, (eine Apostrophierung, deren sich angeblich Otto Klemperer gern bediente 8),
    lässt sowohl Brillianz und vor allem Durchhörbarkeit von Stephans raffinierten Klanggebilden sehr zu wünschen übrig. Schade eigentlich drum, denn ich kenne von Hans Zender durchaus beachtliche Einspielungen. Letzendlich denke ich nicht, daß hier in Sachen "Wiederentdeckung" ein "kleines Wunder" geschehen wird, denn um ehrlich daran zu glauben, fehlt mir das Vertrauen zu den wahren Wünschen des Publikums und da mir Stephans Werke ausserdem eher ungeeignet für Dirigenten sind, sich wirksam in Pose zu setzen, seh ich für den armen Rudi da keine guten Karten....

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten werden die Ersten sein... :hello:


    ad mühevolles Planen: Hitzig herausgeschleudert hätte ich nicht angenommen - die Erwähnung der mühevollen Planungsarbeit verblüfft mich aber doch. Auch das ist bei so jungen Komponisten dieser Zeit nicht die Norm. Wenn man sich vorstellt, was da an Werken noch hätte folgen können - ein Jammer!

    ...

  • Hallo Stephan-Fans,


    Klingsor schrieb:

    Zitat

    ich habe sie mir auch schon bestellt ... ein vorweghineinhörer sagte aber schon, daß sie an die große und leiiiiider vergriffene aufnahme aus den 50erm bei weitem nicht hinanreicht ... außer natürlich bei der aufnahmequalität ...


    Der von Klingsor erwähnte Vorweghineinhörer hat sich hier
    Was bringt die Zukunft: kommende Neuerscheinungen
    bereits zu beiden Aufnahmen der 'Ersten Menschen' geäußert.


    Herzlichst
    Johannes

  • Ich lese dies mit großem Interesse. Ich hatte mal vor Jahrzehnten die Musik für Saiteninstrumente auf einer Cassette, die ich mir aus dem Radio mitgeschnitten hatte. Gefiel mir sehr gut. Die Cassette ist längst im Orkus verschwunden, der Komponist, den ich sehr interessant finde, mir dann leider nie wieder begegnet. Die CD von Chandos ist vermutlich sehr teuer, aber vielleicht gönne ich sie mir mal.


    Gruß Martin

  • Hallo Martin,


    sieh doch mal bei amazon.de nach der CD unter "Angebote" ! Da ist die wirklich erschwinglich ! Im handel selber dürfte sie kaum unter 20 Euro zu haben sein; selbst jpc will so 22 Glocken dafür haben !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Rudi Stephan (1887-1915)


    * 29. Juli 1887 in Worms, Deutschland - † 29. September 1915 bei Tarnopol, Ostgalizien (heute Ternopil, West-Ukraine)






    Rudi Stephan wird am 29. Juli 1887 in Worms in eine gutsituierte Juristenfamilie hineingeboren. Der Vater ist hessischer Landtagsabgeordneter sowie Vorstandsmitglied des örtlichen Wagnervereins.
    Das musikalische Interesse des jungen Stephan - durch die Musikästhetik eines Wackenroder, Tieck und E. T. A. Hoffmann beeinflusst - wird von der Familie stets gefördert. Seine musikalische Grundausbildung erhält er vom Wormser Musikdirektor Karl Kiebitz, der, so Stephan, "mich als Erster in die Musik und besonders in die Geisteswelt Beethovens so ernsthaft einführte."
    Da sich die Begeisterung an Schule und Lernen in engen Grenzen hält und der zweimalige Versuch, den Abiturabschluß zu erlangen, mißlingt, verläßt er mit Zustimmung der Eltern das Gymnasium in Worms im Jahr 1905.


    Unmittelbar danach beginnt Stephan sein musikalisches Studium, zunächst für ein Jahr am Hochschen Konservatorium in Frankfurt am Main bei Bernhard Sekles (1872-1934), der gleichermaßen ein äußerst feinsinniger Komponist von individueller Prägung als auch ein hervorragender Musikpädagoge war. Außer Stephan gehörten später so berühmt gewordene Köpfe des Geisteslebens wie Paul Hindemith, Hans Rosbaud und Theodor W. Adorno zu seinen Schülern.
    Bei Sekles kommt der junge Student zum ersten Mal mit der Welt eines Claude Debussy in Berührung und wird mit den musiktheoretischen Schriften von Georg Capellen konfrontiert, die sich u. a. mit der Überwindung des Dur-Moll-Dualismus beschäftigen - eine der Grundlagen auf seinem Weg, einen eigenständigen musikalischen Stil zu entwickeln.
    1906 zieht Stephan nach München, wo er bei dem Musikschriftsteller, Kritiker und Theoretiker Rudolf Louis sein Studium fortsetzt und zwei Jahre später daselbst abschließt. Während dieser Zeit der musikalischen Ausbildung - in der er nebenher philosophische Seminare besucht und Klavierunterricht nimmt - erhält er durch Louis immer wieder Einblick in das Oeuvre der bedeutenden zeitgenössischen Komponisten wie Richard Strauss, Max Reger, Hans Pfitzner, Igor Strawinsky und Arnold Schönberg. Dennoch bemüht sich Stephan - der ab 1908 autodidaktisch arbeitet und die ersten Werke produziert - sehr früh um die Herausbildung seines eigenen musikalischen Stils.


    Durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Vaters ermöglicht, findet am 16. Januar 1911 das erste öffentliche Konzert mit Werken von Stephan in der Münchener Tonhalle statt. Obwohl die Stücke mehr schlecht als recht einstudiert sind und das gemietete Münchner Konzertvereins-Orchester eine eher durchschnittliche Vorstellung gibt, erhält der Komponist gleichwohl eine breite Anerkennung bei der Kritik. Weitere Aufführungen folgen: Ist die Reaktion auf die am 30. Mai 1912 beim Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins (ADMV) in Danzig erstgespielte Musik für sieben Saiteninstrumente noch geteilt, so gelingt Stephan im Juni 1913 beim Tonkünstlerfest des ADMV in Jena mit der Darbietung seiner Musik für Orchester (1912) schließlich der Durchbruch, der wiederum einen Vertragsabschluss mit dem Schott Verlag nach sich zieht.


    Die Aufführung seines größten und bedeutendsten Werkes, der zweiaktigen Oper 'Die ersten Menschen', die er im Juli 1914 vollenden kann, hat Stephan leider nicht mehr erleben dürfen. Die Beschäftigung mit der Vorlage, dem gleichnamigen erotischen Mysterium (1908) des zeitgenössischen und äußerst umstrittenen Bühnenautors Otto Borngräber (1874-1916) reicht in das Jahr 1909 zurück, als Stephan sowohl das Stück als auch dessen Verfasser kennenlernt. Schon von Anfang an gestaltet sich das Projekt schwierig. Die Verhandlungen über den Erwerb der Rechte an der Borngräberschen Vorlage ziehen sich lange hin. Stephan erhält sie 1911. Auch der Reifungsprozess des Werkes erstreckt sich über viele Jahre (bis 1914). Zwar stimmt das Frankfurter Opernhaus der Uraufführung für Januar oder Februar 1915 zu, und auch der Schott Verlag erklärt sich mit der Veröffentlichung einverstanden, allerdings vereitelt der Ausbruch des 1. Weltkrieges am 1. August 1914 all diese Bemühungen. Die Drucklegung der Partitur wird kurzfristig unterbrochen und die Uraufführung auf unbestimmte Zeit verschoben.
    Als Stephan am 2. März 1915 zum Kriegsdienst einberufen wird, hat er bis dahin noch einige Klavierlieder komponiert und frühere Werke überarbeitet. Noch während seiner Urlaube versucht er, die Veröffentlichung der Oper voranzutreiben. Schließlich wird er am 29. September 1915 bei Tarnopol in Galizien als einziger seiner Truppe erschossen.
    Die in erster Linie auf Initiative von Ludwig Strecker zustandegekommene Uraufführung der 'Ersten Menschen' findet am 1. Juli 1920 im Opernhaus Frankfurt am Main unter der musikalischen Leitung von Ludwig Rottenberg statt. Erst diese und weitere Aufführungen sollten der Nachwelt vor Augen führen, welch enormes Potential in Stephans zukunftsweisender Begabung steckte und durch seinen sinnlosen Tod so entsetzlich früh verloren ging.




    Um zumindest einen kleinen Einblick in den Charakter Stephans zu geben, möchte ich eine der wenigen überlieferten Schilderungen zitieren. Und zwar handelt es sich um einen Nachruf von Kasimir Edelschmid aus der Frankfurter Zeitung vom 07.10.1915:


    "Sein Gerechtigkeitssinn war von solch glasharter Schärfe und Durchsichtigkeit, daß es das Auskommen mit ihm erschwerte. Er war weniger impulsiv als abwägend. Kleinigkeiten, über die andere, auch vornehme Menschen, lächelnd weggingen, beschäftigten sein moralisches Bewußtsein lange […] In all seinen Handlungen, selbst in seinem Lachen, das er gern und tief lachte, war ein besonderer Ernst. Sein Urteil war gerecht und radikal wie bei Menschen, die, von innerer Berufung schlicht überzeugt, für eine Sache leben. Ich glaube nicht, daß seinem Wesen die große Güte fehlte, die die Grundlage einer großen Leistung ist. Er war ohne Aufheben von sich überzeugt mit der inneren Bescheidenheit der mittelalterlichen Meister."



    Die Suche nach dem eigenen Stil


    In Stephans leider recht schmalem Oeuvre läßt sich unzweifelhaft seine gewissenhafte Suche nach einem eigenständigen Stil feststellen. Dabei tauchen die stilistischen Stationen des frühen 20. Jahrhunderts - Spätromantik - Impressionismus - Expressionismus - Neue Sachlichkeit - in allen bedeutenden Werken Stephans, mehr oder weniger ausgeprägt, auf - insbesondere in der 'Musik für Orchester' der beiden Versionen von 1910 und 1912 als auch in der Oper 'Die ersten Menschen' (1909-14).


    Das vom Komponisten verwendete, sehr groß besetzte, nachwagnersche Orchester wird auf vielfältige Art und Weise eingesetzt:
    - in den großen Steigerungen und prachtvollen, wahrhaft majestätischen Höhepunkten kommt es zu enormen Klangmassierungen und -ballungen Wagnerscher bzw. Brucknerscher Manier.
    - In den lyrischen Passagen hingegen versprühen feinste, sinnlich-betörende Klänge der wunderbar differenzierten debussyschen Klangpalette ihren verführerischen Duft.
    - Darüber hinaus lassen einige Passagen - vor allem im 2. Akt der Oper 'Die ersten Menschen' - im energisch hämmernden Rhythmus - das Vorbild Strawinskyscher Wildheit erkennen.


    Trotz aller klanglich luxuriöser Üppigkeit zeigt sich - vor allem in den "späteren" Werken Stephans - eine Tendenz zu einem sachlich knapperen Stil, wobei dieser "Trend" Stephans - hält man sich die eigenwillig schlichten Werktitel vor Augen - bereits von Anfang an vorgegeben zu sein schien:


    Trotz spätromantischem Ansatz existiert bei Stephan keine einzige (vollständig erhaltene) 'Symphonische Dichtung' Straussscher Prägung. Seine Werktitel lauten ganz sachlich und unprogrammatisch:


    'Musik für ... Orchester' 1910 & 1912
    'Musik für ... Geige und Orchester' 1913
    'Musik für ... 7 Saiteninstrumente' 1911
    Evtl. eine Vorwegnahme der Titelgebung von Béla Bartóks
    'Musik für ... Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta' 1936.



    Arbeitsweise
    Abschließend möchte ich - bezüglich Arbeitsweise wie Stilistik Stephans - die sehr treffende Schilderunng Karl Holls zitieren:


    "Wie das Leben überhaupt, so ist ihm das Schaffen im besonderen nicht leicht geworden. Seine Skizzen weisen es aus: er produziert schwer und langsam, fast bedächtig. Jahrelang ringt er mit denselben Gedanken: manche Themen der Jenenser 'Musik für Orchester' und der 'Ersten Menschen' [Stephans Oper] haben eine ganze Geschichte. Sie gehen von einem Werk ins andere über, wechseln Tonart, Takt, Rhythmus und Instrumentalfarbe, werden verkürzt oder erweitert, bis sie endlich in einem späteren Werk ihrer Eigenkraft entsprechend präzis gestaltet ihren endgültigen Platz finden. Aber auch dann ist Ungedrucktes noch nicht sicher vor der ewig bessernden Hand des hartnäckig vorwärts Strebenden."
    Rudi Stephan. Studie zur Entwicklungsgeschichte der Musik am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts (Saarbrücken 1920)



    Link zum vollständigen Werkverzeichnis Rudi Stephans:


    Rudi Stephan-Werkverzeichnis



    Internet-Link zum Thema:
    Rudi Stephan (1887-1915) - Von Johannes Brüning
    http://www.funkstunde.com/de/musik/rudi-stephan.html



    Buchveröffentlichung:
    Hartwig Lehr: „Musik für ...“

    Untersuchungen zum Werk Rudi Stephans
    Verlag Ernst Kuhn (VEK), Berlin
    Reihe: Musicologica Berolinensia, Band 2


    "Musik für ..."



    CD-Veröffentlichungen:


    Rudi Stephan (1887-1915):
    Musik für Orchester
    in 1 Satz 1910; Musik für Geige und Orchester 1913; Musik für Orchester in 1 Satz 1912
    Sergey Stadler, Violine; Melbourne Symphony Orchestra, Oleg Caetani
    Chandos, 2005, SACD


    Rudi Stephan (1887-1915):
    Musik für Orchester
    in 1 Satz 1912; Liebeszauber - Ballade für Bariton und Orchester 1914; Musik für Geige und Orchester 1913; Musik für 7 Saiteninstrumente 1911
    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Hans Maile, Violine;
    Deutsches Symphonieorchester Berlin, Hans Zender
    Koch / Schwann, 1983, 1 CD



    Rudi Stephan (1887-1915):
    Die ersten Menschen -
    Oper in 2 Akten 1909-14
    Siegmund Nimsgern, Baß; Gabriele Maria Ronge, Sopran; Florian Cerny, Bariton; Hans Aschenbach, Tenor;
    RSO Berlin, Karl Anton Rickenbacher
    Koch / Schwann, LA, 1998 / CPO, 2006, 2 CD



    Schöne Grüße
    Johannes

  • mein lieber johannes,


    und wieder ziehe ich den hut vor diesem beeindruckenden eröffnungsbeitrag. ganz wunderbar.
    obwohl ich stephan natürlich auch schon seit 'urzeiten' kenne und außerordentlich schätze, habe ich durch dich wieder einiges neues erfahren können.


    herzlichen dank dafür! :jubel:


    lg jörg

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Hallo Johannes!


    Auch von mir herzlichen Dank für die Informationen. Sie kommen gerade recht, da ich Stephan noch nicht seit Urzeiten kenne, sondern gerade Bekanntschaft mir ihm schließen will - die zweite von Dir genannte CD habe ich in der vergangenen Woche bestellt; sie sollte am Montag geliefert sein.
    Dann mehr!


    :hello:


    Gruß, l.

  • Hallo Lohengrins,


    gern geschehen! Die Zender-Einspielung ist sicher ein guter Einstieg in die Stephansche Musik. Von der Interpretation her sehr gelungen, nur die Klangqualität ist nicht besonders brillant.


    Die Caetani-Aufnahme ist dafür klanglich aller erste Sahne, jedoch ist das vom Dirigenten gewählte Tempo in der zweiten 'Musik für Orchester' von 1912 etwas zu langsam gewählt. Das Stück kommt zwar klanglich um einiges kraftvoller und wuchtiger daher, allerdings fehlt ihm das Vorwärtsdrängende, der Schwung der Zenderschen Interpretation.
    Jedenfalls wünsche ich Dir zunächst viel Spaß beim Bekannschaft schließen mit Stephans Musik! :)


    Zur dritten von mir genannten Aufnahme der Oper 'Die ersten Menschen' unter Karl Anton Rickenbachers Leitung möchte ich aus einem an anderer Stelle geposteten Beitrag zitieren:
    Mit dieser CPO-Veröffentlichung (die Einspielung stammt eigentlich vom nicht mehr existierenden Label Koch Schwann aus dem Jahr 1998 ) liegt Stephans Meisterwerk nun endlich und erstmalig auf Tonträger vor. Viele Jahre habe ich auf ihr Erscheinen gewartet.


    Allerdings, wenn man schon einmal Gelegenheit hatte, die Radio-Aufnahme des Hessischen Rundfunks vom Dezember 1952 zu hören, mit Otto von Rohr, Baß als Adáhm; Erna Schlüter, Sopran als Cháwa; Ferdinand Franz, Bariton als Kájin und Franz Fehringer, Tenor als Chábel, mit dem RSO Frankfurt unter Winfried Zillig wird die Vorfreude und Begeisterung in bezug auf die künstlerische Leistung der Sänger in der neuen Einspielung doch recht stark gedämpft. Insgesamt liefern Siegmund Nimsgern, Gabriele Ronge, Florian Cerny und Hans Aschenbach sicher eine gediegene Leistung - jedoch an die Kunst, die Seelennöte der Figuren leidenschaftlich zu durchleben, die das wirklich hervorragende, sehr eindringlich agierende Solistenquartett von 1952 zu bieten imstande war, reichen die emotional etwas kühl wirkenden Darbietungen von Nimsgern & Co. leider nicht heran.
    Trotzdem werde ich mir die neue Gesamteinspielung (die nun die erste ungekürzte Aufnahme des Werkes darstellt), vor allem der besseren Klangqualität wegen demnächst noch zulegen.


    Herzliche Grüße
    Johannes

  • Hallo Johannes,


    auch von mir vielen Dank für deinen höchst informativen Beitrag zu Rudi Stephan, der ja mit 28Jahren wirklich nicht alt geworden ist.


    Bei allem Wohlwollen stellt sich mir die Frage, warum die für Stephan wichtigen Vorbilder und Zeitgenossen einen weitaus höheren Bekanntheitsgrad haben als Stephan selbst ?


    Du hast diese Stephan-Zeitgenossen selbst in deinem Beitrag genannt:
    Richard Strauss, Max Reger, Hans Pfitzner, Igor Strawinsky und Arnold Schönberg.
    Dies sind alles gestandene Komponisten mit zahlreichen Einspielungen und im Konzertleben ebenfalls wohlbekannt.


    Was ist mit Rudi Stephan ? Wer kennt den ? Warum ist er so unbekannt ?
    Sind seine Kompositionen tatsächlich von so großer Bedeutung für das Musikleben ?


    :hello: Ich will ihn gerne kennenlernen, denn Dein Beitrag hebt ihn über das gekannte Maß hinaus.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang


  • Leider kann Stephan den immer zu lesenden Lobeshymnen nicht gerecht werden und insofern ist das Aufladen seiner Frühvollendetheit mit diversen Stilzugehörigkeiten problematisch, da man beim Hören dann verdutzt feststellen muss, dass das recht bei den Haaren herbeigezogen ist.


    Ich kenne nur die "Musik für Geige und Orchester", die aber als Spätwerk mit "sachlichem" Titel der "ultramodernen" Stephan-Phase anzugehören scheint, die gerne als "expressionistisch" bezeichnet wird.


    Leider ist das schon sehr daneben. Denn dieses Werk gehört wohl in den stilistischen Umkreis etwa Zemlinskys oder Schrekers ohne aber an Zemlinskys Komplexität oder Schrekers phantastischen Orchesterstil annähernd heranzukommen und mit dem, was man im engeren Sinne als Expressionismus bezeichnet, also Strawinskys Sacre, Schönbergs 5 Orchesterstücke oder gar Webern, hat das absolut nichts zu tun.


    Ebenso verfehlt ist es freilich, Stephan eine Vorwegnahme der "Sachlichkeit" (die es ja zum Zeitpunkt von Stephans Tod noch gar nicht gab) zu attestieren. Ein Werktitel macht schließlich noch keine Stilerfindung und das schwelgend erweitert-tonal-Üppige von Stephans Sprache hat mit Sachlichkeit, wie sie dann von Hindemith praktiziert wird, schon absolut überhaupt rein komplett GAR nichts zu tun.


    Persönlich finde ich die "Musik für Geige und Orchester" etwas effekthascherisch aber nicht wirkungslos, nur steht zu befürchten, dass bei oftmaligem Anhören sich ähnliche Abnutzungserscheinungen bemerkbar machen wie bei Schillings, Marx oder Weigl, Komponisten dieser Zeit, die ich in ähnlichem Ausmaße schätze wie Stephan. Hm, es wird Zeit für ein Marx-Weigl-Stephan-Ranking, Schillings ist bei mir grade etwas unten durch ...
    :hello:

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Ich kenne nur die "Musik für Geige und Orchester


    hm...dann finde ich die von dir vorgenommene wertung und klassifizierung des komponisten aufgrung EINES dir bekannten werkes als indiskutabel und mehr als befremdlich

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Ebenso verfehlt ist es freilich, Stephan eine Vorwegnahme der "Sachlichkeit" (die es ja zum Zeitpunkt von Stephans Tod noch gar nicht gab)


    das hat es mit vorwegnahmen nun mal so an sich, daß das, was vorweggenommen wird, noch nicht existiert ...

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von klingsor


    hm...dann finde ich die von dir vorgenommene wertung und klassifizierung des komponisten aufgrung EINES dir bekannten werkes als indiskutabel und mehr als befremdlich


    Ja, irgendwie ist mein Beitrag etwas zu grob ausgefallen. Aber man bekommt oft den Eindruck, Stephan hätte ein Genie sein müssen, das alle Stile seiner Zeit synthetisiert und zukünftige vorwegnimmt, und wenn man dann eines seiner als Hauptwerke geltenden Stücke hört, ist man schon recht irritiert.


    Immerhin ist mir als positiv anzurechnen, dass ich angegeben habe, nur das eine Stück zu kennen.
    :D


    Soweit ich mich erinnere, wird aber gerade zu diesem Stück gesagt, dass sich der "Expressionist" Stephan hier in reiner Form äußert und man ahnen kann, welch glorreichen Weg er beschritten hätte ...


    Vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung vom Expressionismusbegriff in der Musik? In Stephans "Musik" kann ich ihn jedenfalls nicht finden.
    :hello:

  • Hallo Wolfgang,


    Zitat

    Original vom teleton
    Ich will ihn gerne kennenlernen ...


    schön, daß Du Dich auch für Stephan interessierst.
    Da Du Dich jedoch beim Musikhören leider stets auf den instrumentalen Sektor beschränkst, bleibt Dir natürlich ausgerechnet die Bekanntschaft mit Stephans beeindruckendstem und wichtigstem Opus, der Oper 'Die ersten Menschen', verwehrt. Lieder kommen demnach ja auch nicht in Frage.
    Verbleiben also in etwa nur eine Hand voll Werke mit Orchester, wobei - wie oben bereits erwähnt - im Moment lediglich zwei Einspielungen existieren, von denen die eine (Zender-Aufnahme vom einstigen Label Koch Schwann) für ein erstes Kennenlernen ausreichen dürfte - zumal sie zu einem super günstigen Preis zu haben ist.


    Und zu der anderen von Dir angesprochenen Frage der Bekanntheit bzw. Nichtbekanntheit des Komponisten, möchte ich auf den anderen, kürzlich von mir eröffneten Thread (insbesondere den Startbeitrag) über 'Früh verstorbene Komponisten' verweisen, der genau dieses Thema behandelt. Dort findest Du mittlerweile eine recht große Anzahl von Komponisten versammelt, die fast alle das gleiche Schicksal teilen und denen ich mithilfe des Threads ein wenig mehr Aufmerksamkeit verschaffen wollte. Meine obige Stephan-Vorstellung sowie der gleichfalls noch relativ neue Thread über den Belgier Guillaume Lekeu


    Guillaume Lekeu (1870-1894)


    sind sozusagen Ableger aus diesem:


    Früh verstorbene Komponisten



    =======================================================================



    Was die Verwirrung über die von mir verwendeten stilistischen Begriffe (-ismen) betrifft, möchte ich nur klarstellen, daß ich in meinem obigen Vorstellungsbeitrag nie behauptet habe, daß man ganze Werke Stephans stilistisch als entweder rein expressionistisch oder als 'sachlich' einstufen kann. Ich habe lediglich beschrieben, daß in den meisten Werken Stephans Elemente sowohl der Spätromantik, als auch des Im- und Expressionismus enthalten sind und habe als Beispiele vor allem die Musik für Orchester (1912) sowie die Oper 'Die ersten Menschen' genannt. (Die 'Musik für Geige und Orchester' habe ich in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.)


    Der Hinweis auf stilistische Ähnlichkeiten zu Schreker und Zemlinsky ist absolut richtig!


    Den Begriff der 'Sachlichkeit' habe ich lediglich eingebracht, um noch eine weitere Nuance der Stephanschen Stilistik (gegenüber der von Schreker oder Korngold) anzudeuten. In manchen Passagen (z. B. der 'Musik für Orchester' 1912) läßt sich eine Tendenz zur Sachlichkeit erkennen, die sich (meiner Meinung nach) in einer späteren Schaffensphase evtl. in Richtung eines Heinz Tiessen (1887-1971) oder - noch konsequenter - zu Hindemith entwickelt hätte.


    Ich habe fertig!
    Schöne Grüße
    Johannes

  • Es ist soweit: Am 14.9. kündigt das französische Label Naive für den deutschen Markt das Erscheinen des Pariser Mitschnitts von Stephans "Die ersten Menschen an". Mikko Franck dirigiert das Orchestre National de France, und zum Solistenensemble gehören Nancy Gustafsson, Wolfgang Millgram, Donnie Ray Albert und Franz Hawlata:



    Weiter wollte ich nicht unterbrechen....


    LG - C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Wow! Kannt' ich noch gar nicht, diese Vanguard-Veröffentlichung. Die Interpretation interessiert mich sehr! Sicher eine schöne Alternative zu den anderen beiden Aufnahmen von Zender und Caetani. Und darüber hinaus finde ich die Kombination mit der 'Seejungfrau' sehr gelungen.
    Danke fürs Posten! :]


    :hello:
    Johannes

  • Auch ich habe Rudi Stephan durch die Rundfunkproduktion der "ersten Menschen" für den HR Anfang der 50er kennengelernt - und war sofort von diesem enormen Werk begeistert.


    Leider ist diese Fassung gekürzt und - klar - die Tonqualität ist nunmal zeittypisch. Dafür sind die Sängerin und die Sänger wirklich gut.


    Mittlerweile kenne ich auch den Live-Mitschnitt aus Berlin und natürlich ist es eine Freude, das Werk ungekürzt erleben zu dürfen - von den Klangqualitäten einer modernen Aufnahme ganz zu schweigen.


    Was bei den Sängern aber gar nicht geht (selbst Cerny finde ich noch erträglich): Hans Aschenbach als Chabel - den finde grauslich mit seinen unausgewogenen und oftmals forcierten Tönen, die technisch schlecht gebildet werden und die mehr als einmal mehr Gebrüll als Gesang sind.

  • Hallo Alviano,


    volle Zustimmung! Deine Einschätzung der beiden Aufnahmen teile ich voll und ganz!
    In der Rickenbacher-Einspielung kann ich ausgerechnet die Passagen des Chabel, welche mit zu den schönsten Stellen der Oper gehören, nur schwer ertragen, weil Hans Aschenbachs Tenor, besonders wenn er hoch hinauf muß, extrem angestrengt klingt. :wacky:
    Wie wunderbar mühelos dagegen Franz Fehringer die Partie des Chabel im HR-Mitschnitt von 1952 bewältigt und wie herrlich er in der Rolle des heilverkündenden Sehers aufgeht, ist nicht nur bewundernswert, sondern tief berührend. ;(


    Was mich brennend interessieren würde, ob sich ein Tamino inzwischen die neueste Einspielung des Werks beim Label Naive unter Leitung von Mikko Franck zugelegt hat und über diese hier ein paar Worte verlieren kann. :rolleyes:


    Rudi Stephan (1887-1915):
    Die ersten Menschen -
    Oper in 2 Aufzügen 1909-14
    Nancy Gustafson, Franz Hawlata, Wolfgang Millgramm, Donnie Ray Albert
    Orchestre National de France, Mikko Franck
    Naive, 2004, 2 CD



    :hello:
    Johannes

  • Lieber Johannes,


    seit ein paar Wochen bin im Besitz dieser Einspielung. Der erste Eindruck war sehr positiv. Vergleichsmöglichkeiten kann ich nur mit der Einspielung von CPO anstellen. Auffällig ist vor allem die Dauer der einzelnen Aufnahmen:


    Naive: 1:32:54*


    CPO: 1:51:52


    Ich persönlich finde die um 20 Minuten kürzere Aufnahme kompakter und spannender. Auch scheint Mikko Franck ein glücklicheres Händchen gehabt zu haben, was die Wahl der Sänger betrifft.


    Vielleicht hilft Dir meine kurze Erläuterung ein bisschen. Empfehlen kann ich die Aufnahme allemal.


    *Bei der Aufnahme kann es sich auch um die gekürzte Fassung handeln. Genau kann ich das nicht sagen, weil ich nur die Aufnahme und nicht des Bookled besitze.


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Lieber Davidoff,


    vielen Dank für die ersten Eindrücke zur Mikko Franck-Einspielung. Die große Diskrepanz von 20 Minuten Spieldauer deutet, wie Du vermutest, eher nicht auf ein schneller gewähltes Tempo hin, sondern darauf, daß Franck sich leider für die bearbeitete, d. h. stark gekürzte Fassung von Karl Holl entschieden hat, die auch der historischen Aufnahme von Winfried Zillig zugrunde liegt.
    Sehr schade!! Demnach bleibt die Rickenbacher-Einspielung die bislang einzige vollständige Aufnahme des Werks. Trotzdem werde ich mir Franck aber noch zulegen, wenn die Solisten Deiner Einschätzung nach besser zu ertragen sind als bei Rickenbacher. :D


    :hello:
    Johannes

  • Heute vor 125 Jahren wurde er geboren:


    Stephan, Rudi, dt. Komponist, * 29.7.1887 Worms, † 29.9.1915 Tarnopol.
    Studierte bei Bernhard Sekles in Frankfurt a.M. und Rudolf Louis in München, orientierte sich am Vorbild von Debussy, Schönberg, Strauss und Reger und blieb in seinem kompositorischen Schaffen Autodidakt.
    In seiner Oper Die ersten Menschen (entstanden 1914, Uraufführung: 1920 Frankfurt a.M.) versuchte er sich auf die klassischen Ideale Beethovens und Glucks zu beziehen.
    Weitere frühe Musikdramen blieben nur Skizze.
    Er fiel im 1. Weltkrieg, gerade 28 Jahre alt.


    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Morgen früh bringt das saarländische Staatsorchester dieses Werk des Komponisten zur Aufführung:


    Rudi Stephan: »Musik für Orchester in einem Satz« (1912)


    Immerhin erfreulich, dass der Komponist zumindest bisweilen auch noch auf dem Spielplan zu finden ist.