Faszination „g-moll-Sinfonien“

  • Salut,


    inspiriert – natürlich! – von Mozarts beiden g-moll-Sinfonien habe ich ein besonderes Auge auf die g-moll-Sinfonien anderer Komponisten geworfen. Sehr weit bin ich noch nicht gekommen, aber hier schon mal ein kleine Auswahl:



    Bach, Johann Christian
    Sinfonie g-moll op. 6 Nr. 6
    komponiert 1769




    Mozart, Wolfgang Amadeus
    Sinfonie g-moll KV 183
    komponiert 1773




    Vanhal, Johann Baptist
    Sinfonie g-moll




    Brunetti, Gaetano
    Sinfonie Nr. 22 g-moll




    Fils, Antonín
    Sinfonie g-moll




    Kozeluch, Leopold Antonín
    Sinfonie g-moll
    komponiert 1787




    Antonio Rosetti
    Sinfonie g-moll Kaul27
    komponiert 1787




    Mozart, Wolfgang Amadeus
    Sinfonie g-moll KV 550
    komponiert 1788




    Méhul, Ètienne-Nicolas
    Sinfonie Nr. 1 g-moll
    komponiert ~1809


    Die vor den 1780ern entstandenen Sinfonien haben ein ganz anderes Innenleben, wie die – vielleicht – weiter entwickelten späteren, ab 1780. Mozart bildet hier - bis jetzt! - wieder eine ausnahme, in dem er zwei g-moll-Sinfonien komponierte.


    Man schreibt, es sei eine Mode m 18. Jahrhundert gewesen, g-moll-Sinfonien zu komponieren – mithin wird man auch bei fast jedem Komponisten fündig. Und ich meine, deswegen sind auch die beiden „Gruppen“ stets relativ ähnlich im Klang, der – wie ich finde – ein besonderer ist. Diese Spezies ist etwas Besonderes.


    Wer kann diese Ansicht mit mir teilen bzw. vertiefen?


    Gelegentlich werde ich den Thread erweitern.


    Cordialement
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Salut,


    von den genannten kenne ich nur die beiden Mozart-Sinfonien, die "Große" ist mittlerweile sogar ein unangenehmer Ohrwurm (ähnlich der "Badinerie" Bachs). Zumindestens hat mich die Faszination der Tonart noch nicht ergriffen. Mein ehemaliger Klavierlehrer verband mit g-Moll Todesnähe und -sehnsucht. Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals geübt hatte, es könnte eine g-Moll-Invention von Bach gewesen sein.


    Meine Lieblings-g-Moll-Sinfonie ist die erste Sinfonie op. 13 von Peter Tschaikowsky, die er mit "Winterträume" überschrieben hat. Hier eine kurze Werkvorstellung:


    Ein Jahr nachdem Tschaikowsky die Abschlussprüfung am St.Petersburger Konservatorium bei den Rubinsteins abgelegt hatte, machte er sich an die Arbeit zu seiner ersten Sinfonie. Das war im März 1866. Schon ein Jahr später wurde das Werk uraufgeführt, mit großem Erfolg.
    Tschaikowsky war seinem Frühwerk auch später noch wohlgesonnen und revidierte kaum. Seiner Gönnerin Frau von Meck schreibt er 1833:
    "Ist diese Symphonie auch in mancher Hinsicht ein unreifes Werk, so ist sie im Kern doch gehaltvoller und besser als viele meiner reiferen Werke."


    Tschaikowsky knüpft in der Kompositionstechnik an seine Vorbilder Mendelssohn und Schumann an, verarbeitet aber auch russisches Volksliedmaterial.
    Auch, wenn man besonders im 4. Satz die fehlende Kompositionserfahrung und Reife bemerkt, ist die Sinfonie ein interessanter Vorgeschmack auf die großen späteren Werke Tschaikowskys.



    Gruß, Peter.

  • Zitat

    Original von petemonova
    Tschaikowsky knüpft in der Kompositionstechnik an seine Vorbilder Mendelssohn und Schumann an


    Hallo,


    Und ersterer wiederum, also Mendelssohn, hat eine hübsche und kecke Streichersymphonie in g-moll geschrieben (Nr. 12).


    Grüße,
    Daniel

  • Salut,


    Zitat

    Original von petemonova


    von den genannten kenne ich nur die beiden Mozart-Sinfonien,


    das macht ja nichts - es geht ja auch um eine Erweiterung. ICh möchte soviele als möglich hier sammeln... daher habe ich auch den enstrechenden Schumann-Thread eröffnet. ;)


    Zitat


    Zumindestens hat mich die Faszination der Tonart noch nicht ergriffen.


    :yes: Oh ja - mich schon. Am schönsten ist für mich dann am Schluß eines g-moll-Satzes das "tiefe g" in allen Streichern, für mich derzeit eine Art "Qualitätsmerkmal". Man findet es natürlich auch am Schluß der "kleinen Nachtmusik", aber da klingt es anders. Zudem haben die Holzbläser eine ganz eigentümliche Klangfarbe und beim Blech ergeben sich interessante Möglichkeiten - man kann G-Hörner [hoch] verwenden, dann aber nur T,D oder B-Hörner [hoch], manche Komponisten sahen sich veranlasst, sogar vier oder fünf Hörner einzusetzen [Vanhal z.B.]. Mozart nahm "nur" jeweils ein G- und ein B-Horn.


    Zitat


    Mein ehemaliger Klavierlehrer verband mit g-Moll Todesnähe und -sehnsucht. Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals geübt hatte, es könnte eine g-Moll-Invention von Bach gewesen sein.


    Die g-moll-Invention von Bach [2stimmig, nehme ich an], hat aber sicher nichts mit Todesnähe zu tun...


    Danke für die Tschaikowsky-Vorstellung.


    :hello:


    Cordialement
    Ulli

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  • Zitat

    Original von Daniel


    Grad eingefallen: William Sterndale Bennett's überaus nette g-moll Symphonie Op. 43.


    Aha! Gibt es darüber etwas genaueres? Umstände, Einspielungen?


    Was meinst Du mit "nett"?


    ?(


    LG
    Ulli

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  • Hallo,


    Ok, Entschuldigung, ich hatte das jetzt eher als Auflistungsthread denn als Beschreibungsthread verstanden. :D


    Ich habe gesucht nach verfügbaren Aufnahmen - leider keine gefunden.


    Und ich hab sie doch gehört! :D


    Wie das geht? Nun, es war eine CD aus unserer reichbestückten Musikbibliothek. Auf der CD war neben einem Klaviersolowerk auch das herrliche Klavierkonzert f-moll von William Sterndale Bennett, und eben diese g-moll Symphonie, die noch eher ein Studienwerk darstellt. Sie zeigt eine Beschäftigung mit Mozart's Symphonie Nr. 40. Und doch ist sie eigenständig. Der englische Komponist Sterndale Bennett war hoch geschätzt von Mendelssohn und Schumann übrigens. Die "Symphonischen Etüden" von Schumann sind ihm z.B. gewidmet.


    Übrigens die obengenannte CD ist unter dem Label "Nimbus" erschienen und der Pianist für die anderen Werke heißt Malcolm Binns, soviel weiß ich noch. Ich kann die CD gern wieder einmal ausleihen und noch mehr über die Symphonie berichten.


    Viele Grüße,
    Daniel :hello:

  • Joseph Haydn:


    Sinfonie #39 ca. 1765 (auch mit 4 Hörnern) (ein etwas durchwachsenes Stück, das andante ist etwas flau, aber der Kopfsatz ist großartig


    Sinfonie #83 1785 (nur 2 Hörner) ("La Poule", die 2. der Pariser, die kennt ja hoffentlich eh jeder ;)


    Ich bin jetzt zu faul, in Kozeluch, Vanhal und Rosetti reinzuhören...
    Aber z.B. die Kopfsätze der beiden Haydn-Sinfonien unterscheiden sich recht deutlich im Gestus. Die frühe ist unruhig bewegt (der Beginn ähnelt Mozarts g-moll-Quintett), dei späte beginnt mit einer eher wuchtigen Aussage (im Gestus etwas verwandt Mozarts g-moll-Klavierquartett)
    Die Tonart allein legt den dramatischen Affekt also nicht ganz fest, es ist immer noch ein Spektrum da, wobei es aber wiederum motivisch-gestisch ähnliche Sätze gibt (z.B. ähneln Haydns Sinfonien in e-moll #44 und c-moll #95 einander recht deutlich im Hauptmotiv, und auch #83).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
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    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Ulli


    Die g-moll-Invention von Bach [2stimmig, nehme ich an], hat aber sicher nichts mit Todesnähe zu tun...


    Ja, es war die 2-stimmige Invention. Ich weiß auch nicht, wie er darauf gekommen ist, er verband aber auch die Invention mit dem Charakter der Todesnähe und leitete dann auf den Mozart über. Egal...


    Es ist aber sehr interessant. Die Mode, im 18. Jahrhundert g-Moll-Sinfonien zu schreiben, scheint danach sehr nachgelassen zu haben. Es gibt wirklich nur sehr wenige g-Moll-Sinfonien in der Romantik bzw. das, was danach kommt. Vielleicht liegt es auch am übergroßen Vorbild von KV 550.


    Ein prominentes Beispiel wäre noch die 14. Sinfonie g-Moll op. 135 für Sopran, Bass, Streichorchester und Schlagzeug von Dmitri Schostakowitsch.



    Gruß, Peter.



    P.S.: Die 11. Sinfonie von Schostakowitsch op. 103 steht auch in g-Moll.


    Trotz alledem scheinen mir in Moll-Sinfonien c-Moll, d-Moll und e-Moll sehr beliebt zu sein.

  • Zitat

    Original von petemonova
    Es ist aber sehr interessant. Die Mode, im 18. Jahrhundert g-Moll-Sinfonien zu schreiben, scheint danach sehr nachgelassen zu haben. Es gibt wirklich nur sehr wenige g-Moll-Sinfonien in der Romantik bzw. das, was danach kommt. Vielleicht liegt es auch am übergroßen Vorbild von KV 550.


    Ich fürchte, das liegt eher am übergroßen Vorbild von op. 67, dass man nämlich fortan eher c-moll genommen hat: Bruckner 1. und 8., Brahms 1., Mahler 2.


    Es gibt noch, die fällt mir gerade ein, weil ich sie letzte Woche zum ersten Mal gehört habe, eine sehr hörenswerte g-moll-Sinfonie von Roussel (im 20. Jhd. entstanden, aber recht gemäßigt modern)


    viele Grüße


    JR

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  • Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Ich fürchte, das liegt eher am übergroßen Vorbild von op. 67, dass man nämlich fortan eher c-moll genommen hat: Bruckner 1. und 8., Brahms 1., Mahler 2.


    Salut,


    c-moll-Sinfonien waren im 18. Jahrhundert m. E. noch viel stärker vertreten, als g-moll-Sinfonien. Kraus und Haydn [78 u. 95] warten mit jeweils zweien auf, daneben tauchen Vanhal, Boccherini, Gossec, Vranicky und fast alle anderen auf. Die erhöhte Feierlichkeit mag ein trifftiger Grund für die Wahl dieser Tonart gewesen sein. Mozart lässt uns hier vollkommen im Stich, ebenso wollte er wohl von d-moll nichts wissen.


    Cordialement
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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  • Hallo Ulli,


    von Vanhal sind zwei Sinfonien in g-moll überliefert.
    Eine Katalogisierung derSinfonien Vanhals erfolgte durch Bryan, der die Sinfonien nicht chronologisch, sondern nach Tongeschlechtern ordnete.
    So haben die beiden g-molls als g1 und g2 Eingang in die Musikgeschichte gefunden. Erstere dürfte auf der von Dir abgebildeten Aufnahme mit dem CK eingespielt sein.
    Wesentlich reizvoller ist IMO g2. Sie findet sich auf der Einspielung mit den London Mozart Players unter Bamert , erschienen bei Chandos.
    Oder aber bei Supraphon mit dem Prager Kammerorchester unter Vlcek.
    Die Bamert CD ist IMO wegen ihrer Zusammenstellung außerordentlich, die mit Vleck aber die bessere Interpretation der g2. ( Hörbeispiele bei jpc! Tracks 5 - 8 ). In meinen Augen eine echte Alternative zur Mozarts 40., deren strukturelles Niveau sie nicht ganz erreicht, auch ist sie vom Aufbau recht einfach, aber IMO die damaligen Konkurrenz g-moll-Symphonien, auch die Kozeluchs, hinter sich läßt. Vanhal edelt alles durch eine Fülle an Melodie und eine Art Natürlichkeit, wie sie nicht häufig anzutreffen ist. Unbedingte Empfehlung meinerseits!


    Als Anglophiler kann ich nicht anders als die Symphonie g-moll von Ernest John Moeran zu nennen. Einer meiner absoluten Lieblingssymphonien. Viel irischer bzw. nordischer Duktus mit deutlichen Einflüssen von Sibelius, aber dennoch ein schönes und eigenständiges Werk. Bezaubernd, trotz (oder vielleicht gerade wegen)vieler struktureller Schwächen zugunsten eine freizügigen "Musizierens".
    Ich besitze die IMO sehr gute Einspielung bei Naxos:

    Für die Musikgeschichte kein bedeutendes Werk, jedoch für mich.
    Mag es mehr Herz als Geist ansprechen, kommt in dieser Symphonie eine selten gehörte Huldigung an Natur und Menschlichkeit zum Tragen.


    Hallo Daniel,


    auf alle Fälle! Als Freund der "englischen Reinaissance" bin ich jetzt schon irre gespannt, was Du zu berichten weißt. Wäre toll, wenn Du Dich da nochmal kundig machen könntest.


    LG
    Wulf

  • Danke Wulf,


    ich habe selbst zwei Einspielungen, allerdings nur von g1. Neben CK habe ich noch die CC/H. M. Linde. Die g2 reizt mich nach Deiner Beschreibung um so mehr - obwohl ich g1 schätze. Aus welcher Zeit stammt g2, 1780er? Dann käme sie in die Nähe zu Rosetti und Mozarts "g2".


    Ich habe mit das Prager Kammerorchester vorgemerkt [nimms nicht krumm].


    Danke!


    Ulli

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  • Hallo Ulli,


    laut Robin Golding, der den Text für das Booklet bei der Chandos - Einspielung verfasste, kann gerade die g2 nicht genau datiert werden.
    (Die g1 ist wohl 1771 entstanden.)
    Warum sollte ich dir deine Wahl krumm nehmen? Sie ist - so auch die Kritik - eine auszgezeichnete Wahl. Nur hier kommt der temperantvolle und drängende Charakter des 4. Satzes so richtig zum Tragen, während das Adagio (in Es-Dur!), welches durch eine Solo-Oboe bestritten wird, die durch meist pizzicato gespielte Streicher begleitet wird, auch hier noch mehr als bei Bamert seinen bezaubernden Charakter offenbart.
    Würde mich sehr freuen, zu hören, wie Dir Hörbeispiele oder vielleicht dann auch die komplette Symphonie gefallen.


    LG und erholsame Nacht
    Wulf


    P.S. Und mit 10,99 EUR noch einigermaßen erschwinglich. Ich glaub ich brauch die Aufnahme auch.. :D

  • Zitat

    Original von Ulli


    c-moll-Sinfonien waren im 18. Jahrhundert m. E. noch viel stärker vertreten, als g-moll-Sinfonien. Kraus und Haydn [78 u. 95] warten mit jeweils zweien auf, daneben tauchen Vanhal, Boccherini, Gossec, Vranicky und fast alle anderen auf. Die erhöhte Feierlichkeit mag ein trifftiger Grund für die Wahl dieser Tonart gewesen sein. Mozart lässt uns hier vollkommen im Stich, ebenso wollte er wohl von d-moll nichts wissen.


    Von Haydn gibt es noch eine in c-moll: Nr. 52
    Ich glaube im Falle Mozarts ist unsere Wahrnehmung verzerrt, weil er zuwenig reife Sinfonien geschrieben hat, von denen wohl nur die drei letzten systematisch konzipiert. Gäbe es 12 späte Mozartsinfonien wäre vermutlich auch je eine in c-moll und d-moll dabei.


    viele Grüße


    JR

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    (Bob Dylan)

  • Hallo Wulf, hallo alle,


    Gestern habe ich wieder die CD von William Sterndale Bennett mitgebracht, wo auch die Symphonie g-moll drauf ist.
    Die Aufnahme ist erschienen beim Label Unicorn-Kanchana.
    Interpret ist Malcolm Binns (Klavier) und das Milton Keynes Chamber Orchestra unter Hilary Davan Wetton. Ich hoffe, die CD ist noch irgendwo erhältlich. Mit enthalten noch die Fantasia in A Op. 16.


    Sterndale Bennett hatte Unterricht bei Cipriani Potter, der ein Schüler von Attwood gewesen ist, der ja bekanntlich bei Mozart studiert hatte. So gesehen war Mozart ein großes Vorbild für Sterndale Bennett. Aber auch Beethoven. Er hat ungefähr 4-5 (Jugend-)symphonien geschrieben, die letzte davon ist die in g-moll (1835), wurde in den Jahren 1835 und 1836 zweimal aufgeführt in der "Society of British Musicians" und 1836 zeigte er die Symphonie Mendelssohn nebst einem Klavierkonzert (Nr. 3 c-moll). Mendelssohn sprach sein großes Lob aus. Neben dem Studium von Mozart und Beethoven weist diese Symphonie trotzdem Eigenständigkeit auf.


    1. Satz: Allegro con brio: Äußerst frisch und motivverspielt.
    2. Satz: Scherzo: Allegro vivo: äußerst originell (hier also auch schon der 2. und 3. Satz vertauscht.)
    3. Satz: Andante con moto: Irgendwie beschwingt.
    4. Satz: Presto con fuoco: Temperamentvoll und einfallsreich.


    So lautet mein Fazit.


    Übrigens möchte ich ausdrücklich auf das 4. Klavierkonzert f-moll verweisen, das mir besonders ans Herz gewachsen ist. Ein wirklich wahrhafte Entdeckung wert.


    Eine verfügbare Aufnahme der Symphonie, die ich gefunden habe, ist mit dem Tschechischem Philarmonischen Kammerorchester unter Douglas Bostock, erschienen bei Classico. Mit darauf ist eine Symphonie von seinem Lehrer Potter.



    Viele Grüße,
    Daniel :hello:

  • Salut,


    die g2 von Vanhall gefällt mir bei weitem nicht so, wie die g1. Schlecht hingegen ist sie nicht - der Finalsatz ist o.k. und bereichert meine g-moll-Sammlung.



    Ich erwarb sie, entgegen meiner Absicht, mir die Einspielung mit den Pragern zuzulegen, in Wien [sie lag im Weg herum].


    Bedeutender in dieser Zusammenstellung empfinde ich die c-moll-Sinfonie und die D-Dur-Sinfonie.


    Cordialement
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo,


    gerne würde ich mit der 1. Sinfonie von Carl Nielsen noch ein recht gewichtiges g-moll-Beispiel aus dem (sehr) späten 19. Jahrhundert ins Feld führen. Für mich ist das ein faszinierendes Stück, das Nielsens eigenständigen Stil schon recht deutlich repräsentiert.
    Obwohl Nielsen inzwischen bekannter geworden ist (zu meiner Schulzeit vor gut 25 Jahren war es schwierig, überhaupt eine Aufnahme dieser 1. Sinfonie zu ergattern!), werden seine Sinfonien leider immer noch recht selten in deutschen Konzertsälen gespielt. Woran das letztlich liegt, ist mir nicht ganz klar...


    Viele Grüße


    Bernd

  • Hallo Wulf,


    auch mir ist die Sinfonie von E.J.Moeran sehr teuer!
    In meinem Freundeskreis befinden sich noch weitere Liebhaber dieser Sinfonie und wir haben natürlich sämtliche Aufnahmen miteinander verglichen.
    Wenn es um den vielleicht etwas problematischen Schluß geht, würde ich gerne die historische Aufnahme von 1943 unter dem sozusagen vom Totenbett dirigierenden Leslie Heward empfehlen.
    Es handelt sich um die vielleicht geschlossenste Interpretation, allerdings leider in sehr historischem Klangbild(erschienen u.a. bei Dutton).


    Von den moderneren Aufnahmen würde ich Dich sehr gerne auf die m.e. sehr überzeugende Aufnahme unter Vernon Handley bei Chandos aufmerksam machen.


    Viele Grüße,


    Michael


  • Ein wunderbares Werk! Typisch Mendelssohn - leidenschaftlich, in Moll aber doch nicht traurig - ich spreche vor allem über den 3. Satz, Allegro molto, welcher mir mit Abstand am besten gefällt.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

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  • Hallo Ulli!


    Danke für die nette Auflistung ganz oben, fast lauter Komponisten, die ich kenne und schätze. Vor allem Fils würde ich gerne noch mehr kennenlernen, mag aber das Orfeo-Barockorchester nicht, weil es sehr unpassend kratzt, Concerto Köln ist da immer viel nobler, wenn es mir ja auch bei denen manchmal ein wenig zu hart ist. Ist die Fils-CD vom Orchester her ähnlich wie die Wagenseil-CD? (Dann muss ich nämlich leider auf mehr Filz im Schrank verzichten ...)


    Ja, freilich: Wagenseil!


    g-moll, WV 418, 1760er Jahre


    Wagenseil ist neben Monn der wichtigste Wiener Klassiker der älteren Generation und einer der wichtigen Symphoniker des 18. Jh.!


    da es keine andere Einspielung zu geben scheint:

  • Salut,


    Danke für den Tip mit Wagenseil - ein Bekannter der Familie Mozart. Ich habe - glaube ich - außer jener Einspielung mit dem frz. Sohn keine vom L'Orfeo-Barockorchester mit Michi Gaigg. Das wird sich vermutlich noch ändern.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo,


    Und noch eine g-moll Symphonie soll genannt sein: Kurt Atterberg's Symphonie Nr. 4 op. 14 in g-moll mit dem Beinamen "Sinfonia piccola". Ein wirklich nettes Werk.



    Grüße,
    Daniel

  • Gerade bei SR-Klassiskt über eine weitere g-moll Symphonie "gestolpert":


    Wassily Kallinikov , Symphonie Nr. 1



    Der 2. Satz hörte sich sehr interessant an. Werde ich demnächst wohl mal bestellen.

    Musik ist die Sprache der Seele. Und der wird man nie müde.(Hille)

  • So,


    meine g-moll-Sinfonien-Sammlung ist heute völlig unvorhergesehen um ein Stück reicher geworden:



    Christoph Ernst Friedrich Weyse [1774-1842]
    Sinfonie Nr. 1 g-moll DF 117
    Sinfonie Nr. 7 Es-Dur DF 123


    Concerto Copenhagen
    Lars Ulrik Mortensen


    Das 1795 komponierte Werk des 21jährigen hat meine Sammlung durchaus bereichert. Besonders der Kopf- und Finalsatz ist wirklich gut! Das ist das, was ich unter g-moll verstehe: Die Tonart ist unverkennbar! Interessanter Weise steht an zweiter Stelle das Menuett - in Dur, gefolgt von einem trüben Andante. Das Werk ist noch deutlich erhörbar dem Sturm & Drang verhaftet, zeigt aber bereits einige harmonische und melodische Wendungen, die später bei Schubert vorkommen. Leider fehlt das für mich obligatorische tiefe Streicher-G am Schluß der beiden Sätze in der Haupttonart - eigentlich unverzeihlich.


    :motz:


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Keine Symphonie, sondern eine Messe - dennoch möchte ich sie erwähnen, da ich glaube, dass meine Bewegtheit während dieser Musik auch etwas mit der Tonart zu tun hat:


    Messe in g-Moll von Johann Sebastian Bach (BWV 235), eine der Kleinen Messen bzw. "Lutherischen Messen".


    Meine Empfehlung: Herreweghe


    Link zum entsprechenden Thread

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Clèrambault: Simphonie à cinq in g-moll



    Ein kurzes, eindrucksvolles Stück - natürlich auch keine Sinfonie im heutigen Sinne; ein einsätziges Werk, eine meditative Chaconne, ein beeindruckendes Stück.


    LG Peter

  • Unbedingt vergessen wurde noch die wunderschöne 8. Sinfonie in g-Moll von Franz Lachner! Scherzo und Finale finde ich einfach großartig, auch das Andante weiß zu überzeugen. Die Sinfonie erinnert sehr an Schubert, die Thematik gefällt mir sehr. Unbedingt hörenswert.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • drei Werke in g-moll fallen mir auch noch ein:


    Franz Berwald 1796-1868


    Symphonie Nr. 1 "Sinfonie serieuse" g-moll (1842)
    I Allegro con energia
    II Adagio maestoso
    III Stretto
    IV Finale (Adagio-Allegro molto)



    Niels Wilhelm Gade 1817-1890


    Symphonie Nr. 6 op. 32 g-moll (1857)
    I Andantino - Allegro molto vivace
    II Andate sostenuto
    III Allegro moderato e energico
    IV Finale. Andante quasi allegretto - Allegro vivace e animato



    Edouard Lalo 1823-1892


    Symphonie g-moll
    I Andante - Allegro non troppo
    II Vivace
    III Adagio
    IV Allegro

    3 Mal editiert, zuletzt von andythr ()

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