John Field: Die Klavierkonzerte

  • Liebe Forianer


    Irgendwie nimmt der irische Komponist John Field eine Aussenseiterposition in der Musikgeschichte ein. 1782 in Dublin als Sohn eines Geigers geboren, war er eigentlich eine Generation nach Mozart und älter als Beethoven. Interessanterweise steht er einerseits Mozart näher als Beethoven - andrerseits lässt er bereits Chopin vorausahnen. Dieser stilistische Mix - der ja in Wahrheit keiner ist - macht den Komponisten interessant. Wir wollen heute lediglich die Klavierkonzerte behandeln, der Rest folgt in speziellen Threads.



    Was ist nun das Spezifische an Fields Klavierkonzerten ?
    Mit Sicherheit sind sich leichter und luftiger als Beethoven, gelegentlich
    kommt jedoch ein bombastische Stil vor, der mich entfernt an die Orchesterparts von Paganinis Violinkonzerten erinnert. Gelegentlich werden schottische Volkslieder thematisch verarbeitet. Generell kann gesagt werden, daß der Wiedererkennungswert der Themen hoch ist, sie haben zudem Ohrwurmqualitäten. Es ist mir unverständlich warum sie nicht öfter gespielt, bzw aufgenommen werden, übte doch Field ziemlichen Einfluß auf Chopin aus.........



    Field arbeitete in Muzio Clementis Klavierhandlung und wurde auch dessen Schüler. Allerdings war Clementi bald auf seinen Schüler, der große Erfolge als Klsaviervirtuose in vielen europäischen Städten einheimsen konnte, eifersüchtig. Letztlich löste Field sich von Clementiund bereiste ganz Europa - unter anderem Paris, Moskau und Wien. Er war nicht nur ein bedeutender auch von Franz Liszt gelobter Pianist und Komponist, er soll einige hundert Schüler gehabt haben - (der berühmteste war Glinka) vorzugsweise in St. Petersburg wo er von 1822-1831 wohnhaft war, bevor er wieder nach London zurückkehrte.Von dort zahlreiche Reisen.Eine Krebserkrankzúng schwächte den alternden Pianisten so, daß seine Leistung nachließ und sein Ruhm verblasste. Mehrere Operationen in Neapel. Anschließend auf Kosten einer russischen Aristokratenfamilie Rückkehr in deren Wagen nach Moskau, wo Fields 1837 starb.


    Dieser Thread kann und soll nur ein Auftakt sein, eigentlich müsste jedes der insgesamt 7 Klavierkonzerte (er schrieb sein erstes im Alter von 17 Jahren !!!) einzeln behandelt werden



    Presönlich besitze ich die Chandos-Aufnahme der Konzerte mit Miceal O Rourke am Flügel und Mathias Bamert am Pult der London Mozart Players


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo Alfred,


    Dieser Thread mag ich sehr gerne, denn der Komponist John Field ist ein Favorit von mir.


    Ich lernte Fields Kompositionen eigentlich zufällig kennen. Als ich 1982 (ich mogelte, denn schaute im CD-Büchlein) bei meinem LP-Händler kam, sagte er mir flüsternd "Da kommt eine Kassette mit alle Klavierkonzerte von Field". Wußte ich wer Field war. Aber ich gab mich nicht geschlagen und informierte so nebenbei "Der hatte doch etwas, aber was war das denn?"
    Darauf sagte der Händler mir "O ja, er war der Erfinder des Genre "Nocturne".
    Das reichte. Sofort bestellte ich diese Kassette. Erst jetzt bemerke ich, daß diese Ausgabe statt fand anläßlich des 200. Geburtstages von Field.


    Entzückt war ich von dieser Musik. Ich telefonierte meine Schwester, und sie bat mich diese Konzerte sofort auf Tonband zu kopieren.
    Meine LPs wurden grau gedreht.


    Vor einige Jahre wurden diese Aufnahmen auf CD ausgebracht. Ich rief meinem Händler an, und reservierte sofort drei Exemplare.
    Erst danach fragte ich meine Schwester und eine Freundin, ob sie diese CDs haben wollten. Ja, natürlich.


    Hier also meine Ausführung der Klavierkonzerte von Field:


    Field%20-%20Pianoconcerten.jpg


    Inzwischen habe ich auch von ihm eine CD mit Nocturnes und eine CD mit vier Klaviersonaten. Die Sonaten sind so schön, lieb und reizend.


    Ich kann Alfreds Meinung nicht nur unterschreiben, sonder finde, daß er sogar noch ziemlich gemäßigt ist, wo er schreibt

    Zitat

    Es ist mir unverständlich warum sie nicht öfter gespielt, bzw aufgenommen werden

    .


    Es ist ja blöd.


    LG, Paul

  • Wenn man sich für die Entwicklung von der Spätklassik zur Frühromantik interessiert, darf man Field keinesfalls übergehen.


    Er steht keineswegs irgendwo im Abseits (was man glauben mag, wenn man auf Wien fixiert ist), sondern ist vielmehr der dritte bedeutende Meister der "Londoner Klassik" neben Clementi und Dussek, die ihrerseits den hoch- und spätklassischen Stil um persönliche Varianten bereichern, die ganz auf der Höhe der Zeit stehen. Der jüngere Field geht noch weiter und steht 1811 mit seinen Nocturnes an ganz vorderster Front des modernen romantischen Träumens. Daß er damit auch bereits zu Lebzeiten einer der einflußreichsten Klaviermusikkomponisten wurde, hat Alfred bereits geschildert.


    Die Nocturnes sind wohl nicht nur die erfolgreichsten sondern auch die besten Schöpfungen, es gibt Klavierkonzerte, deren Mittelsatz einfach ein solches Nocturne (ohne Orchesterbegleitung) ist, was für das Gesamte des Konzerts eher problematisch ist, da nicht nur die Besetzung sondern auch die Dauer der Sätze in krassem Mißverhältnis stehen.

  • Hallo,
    gehört dieser Thread nicht eigentlich in den Ordner Instrumental-Aufnahmen?


    Ich habe eine Frage: kennt jemand die Einspielung der Konzerte von B. Frith auf Naxos und kann etwas dazu sagen? Und: Gibt es vielleicht einen "Anspielltipp", d.h. ein Konzert, dass sich besonders zum Einstieg eignet?




    Danke für den Hinweis, du hast natürlich Recht.
    LG, Peter
    MOD 006

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Hallo Uranus


    Ich würde mal den Kauf der Naxos CD mit den Nummern 1 und 3 erwägen.
    Besonders der 2. Satz des Konzertes Nr 1, das das Thema "Within a mile of Edinburgh town" verarbeitet ist IMO unverwechselbar.


    Zudem ist das finanzelle Risiko gering, einen Fehlkauf zu tätigen.
    Das Orchester poltert vielleicht etwas mehr als die London Mozart Players bei Chandos (kein Wunder), aber es wird auch Hörer geben, die das als interessanter empfinden.


    Zum Kennenlernen (und IMO auch zum Hören mit Vergnügen) ist diese Naxos CD allemal geeignet.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo Alfred!


    Toller thread. Leider haben sich mir die KK von Field noch nicht so ganz erschlossen. Ich habe sie desöfteren gehört, aber mehr als ein "ganz nett" konnten sie mir nicht entlocken.


    Allerdings, so scheint mir, braucht man schon ein wenig Ruhe für diese Werke und die hat man bei Dussmann allemal nicht. Deren penetrante Hintergrundbeschallung kann so wirkliche Ruhe kaum aufkommen lassen.


    Insofern eine tolle Anregung, mich mal wieder mit Field auseinanderzusetzen.


    Ich weiß, daß Du nicht unbedingt ein Fan von Concerto Köln bist,
    aber ich möchte Dir dennoch die Aufnahme mit Andreas Staier, erschienen bei Teldec, empfehlen.
    Andreas Staier ist meiner Meinung nach ein fantastischer Pianist, wenn es um die Klassiker geht.


    LG
    Wulf.

  • Dies ist fast zum Heulen.


    und


    Die erste CD kostet € 11,99. Die andere € 9,99. ?( ?( :jubel:


    Verkauft Warner alle Aufnahmen an andere Firmen, oder gehört Clatus auch zum Oberbrüder.


    LG, Paul


  • Hallo Paul,


    habe die linke Aufnahme, aber damals auch zum Preis von 10 Euro bei jpc zur Aktionszeit erworben :)
    Elatus gehört schon zum Großen Bruder, ist wohl mittlerweile eher ein Verramschlabel, ursprünglich dachte ich an sowas wie die "Original-Serie" der Konkurrenz ?(


    :hello:
    Stefan


    PS: Ach ja, bevor ich´s vergesse (hier ist ja ein Field-Thread :D ) - die Aufnahme ist klasse und Field natürlich auch. Unter Staier und dem CK klingt er etwas wie ein "ruppiger Romantiker"...

    Viva la libertà!

  • wer kann etwas dazu sagen ob und in wie fern sich in der musik fields elemente der irischen volksmusik erkennen lassen ?

    "Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
    Claudio Monteverdi


    "Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
    Nikolai Rimski-Korsakow


    "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
    Gustav Mahler

  • Wem das 2. und 3. Klavierkonzert in der Einspielung unter dem CK und mit Staier am Pianoforte zu....concertokölnig - sprich zu schroff - ist, der ist - nebst den von Alfred empfohlenen Einspielungen unter Bamert - mit folgender im Preis stark gefallener Aufnahme bestens bedient (des Nachts gefällt die mir deutlich besser als die CK-Hackbrett-Veranstaltung :stumm::D ):



    Die ist richtig schön was zum Träumen.....


    :hello:
    Wulf


  • Hallo, miteinander!


    Die Konzerte 2, 3 und 4 kenne ich schon länger (mit Benjamin Frith, der hier genannt wurde).


    Die Chandos-Einspielung - komplett 2008 erschienen - habe ich mir jetzt zugelegt. O'Rourke und Bamert betonen durchwegs das romantische Element dieses Erfinders der Klavier-Nocturne. Am markantesten geschieht dies im zweiten Konzert, oft als das schönste und bekannteste deklariert. Hier finden sich schwelgerische Rubati, die Tempi sind eher getragen, die Farbwerte werden betont. Das kann schon überzeugen, obwohl ich mir eine frische Nähmaschinenvariante :D - wobei ich die Staier-Aufnahmen nicht kenne - auch vorstellen könnte.


    Ich mag die Ohrwurmqualitäten, die Alfred bescheinigt, bestätigen. Sicher sind die Konzerte nicht gleichwertig. Das fünfte enthält einen merkwürdigen Sturm-Ausbruch. Beethovens "Pastorale" war wohl impulsgebend, das Beiheft verweist auch auf ein um die Jahrhundertwende entstandenes Klavierkonzert mit offensichtlich parallelem Programm (Steibelt), zu dem Field in Konkurrenz treten wollte.


    Ein gewisses Problem stellen - auch dies wurde bereits erwähnt - die unterschiedlichen Ausmaße der Sätze dar. Während Field in den Kopfsätzen zu bisweilen geschwätziger Breite neigt, werden die langsamen Mittelsätze meist in zwei, drei Minuten abgehandelt, wirken eher als Eröffnungen der Finali.


    Übrigens hatte Robert Schumann ein großes Faible für Fields zweites Konzert.


    In der eigenwilligen Zwitterposition zwischen Mozart und Chopin erinnert mich Field an Hummel, der ja auch fast ein Dutzend Klavierkonzerte geschrieben hat. Dennoch sind beide Komponisten schon jeder unverwechselbar.


    Auf jeden Fall bereue ich den Kauf nicht.


    Beste Grüße, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    wer kann etwas dazu sagen ob und in wie fern sich in der musik fields elemente der irischen volksmusik erkennen lassen ?


    Hallo, Prometeo!


    Entsprechende Assoziationen drängen sich beim Hören nicht sonderlich auf, denn die Diktion dieser Musik ist schlechthin frühromantisch und kaum folkloristisch. Einige der Themen beruhen in der Tat auf irischen oder auf schottischen Volksweisen - das Booklet der Chandos-Integrale macht hierzu gelegentlich knappe Angaben. Ich meine aber nicht, dass sich Field in irgendeiner Weise darum bemüht, dieses Material auch idiomatisch zu harmonisieren, etwa indem er pentatonische Züge herausarbeiten würde.


    Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von WolfgangZ
    Das fünfte enthält einen merkwürdigen Sturm-Ausbruch. Beethovens "Pastorale" war wohl impulsgebend, das Beiheft verweist auch auf ein um die Jahrhundertwende entstandenes Klavierkonzert mit offensichtlich parallelem Programm (Steibelt), zu dem Field in Konkurrenz treten wollte.


    Das ist ihm m. E. auch mehr als gelungen: Gongs und Glocken in einem Klavierkonzert waren doch damals sicher eher selten. Ich bin vom ersten Satz des 5ten Konzertes sehr fasziniert. Und auch den zweiten Satz mit seinen Antäuschungen des Schlußrondos finde ich sehr verlockend.


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Ulli

  • John Field: Klavierkonzert Nr 1


    Durch eine Bemerkung des Kurzstückmeisters in einem anderen Thread wurde ich heute erneut auf die Klavierkonzerte von Field aufmerksam gemacht - die übrigens meinen Lieblingswerken zuzuzählen sind....
    Ursprünglich wollte ich einen neuen Thread zu diesem Thema starten, aber zum einen ist der vorhandene noch nicht überlang, und außerdem mag es vielleicht ganz interessant sein, was hier in der Vergangenheit von ehemaligen Mitgliedern zu diesem Komponisten und seinen Klavierkonzerten geschrieben wurde.
    Dadurch, dass das Forum thematisch schon weite Bereiche der Klassikszene abgedeckt hat ist es einerseits schwieriger neue Themen zu finden, andererseits kann man sich besser in die Materie vertiefen, beispielsweise in die Frage nach Themen aus der „irischen Volksmusik“.
    Beginnen wir hier gleich mit dem ersten Klavierkonzert: Kein irisches, aber scheinbar ein schottisches Volkslied ist das Thema das zweiten Satzes - allerdings nur scheinbar, denn was oft als alte Schottische Volksweise verkauft wird ist in Wirklichkeit die Komposition des Engländers James Hook (1746-1827), die allerdings so überzeugend ist, dass sie teilweise sogar in Schottland für „echt“ gehalten wird. Der Text des Liedes – um ein solches handelt es sich nämlich – war von Thomas D'Urfey (1653-1723).



    'Twas Within a Mile o' Edinburgh Town
    'Twas within a mile o' Edinburgh town,
    In the rosy time of the year;
    Sweet flowers bloom'd and the grass was down,
    And each shepherd woo'd his dear -
    Bonnie Jockie, blythe and gay,
    Kiss'd sweet Jenny making hay;
    The lassie blush'd and frowning cried,
    "Na, na, it winna dae; I canna, canna, winna, winna, mauna buckle tae!"
    Young Jockie was a wag, that never wadded,
    Though lang he had follow'd the lass,
    Contented she earn'd and ate her brown bread,
    And merrily turned up the grass -
    Bonnie Jockie, blythe and free,
    Won her heart right merrily;
    Yet still she blush'd and frowning cried,
    "Na, na, it winna dae; I canna, canna, winna, winna, mauna buckle tae!"


    Dies nur zur Illustration, denn der Text spielt in unserem Zusammenhang keine Rolle mehr.
    Die Melodie indes wird zuerst im Original vorgestellt und dann mehrfach ausgeschmückt und variiert.
    Auch der Finalsatz klingt zu beginn sehr „schottisch“, was aber im Laufe des Satzes immer mehr zur Nebensache wird, wenngleich das Thema immer wieder durchklingt. Also zumindest das erste Klavierkonzert – übrigens sehr melodös und quirlig mit enormem Ohrwurmcharakter – klingt eher „schottisch“ als „irisch“


    Zu den Abbildungen: Links oben die "Referenzeinspielung" - hier die Klavierkonzerte 1 und 2


    Rechts davon die preiswerte Alternative von Brilliant Classics (Gesamtaufnahmen um 13 Euro !!) für alle jene, die nicht soviel investieren wollen oder können - Sie schlägt sich meiner Meinung nach ausgezeichnet.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zufällig kam mir gestern John Field in die Finger, und - siehe da - heute ist der Thread schon von Alfred aktualisiert worden. :P


    Da kann ich auch gleich meine 5 Cents dazugeben.


    Seine Konzerte sind sehr schön anzuhören, für mich klingen sie wie eine "Mischung" zwischen Mozart und Chopin. (Aber auch nur, weil W. A. Mozart und F. Chopin bekannter sind als John Field. Wäre es anders herum, würde man sagen: M. und C. klingen wie Field.)


    Werde mich in nächster Zeit etwas mehr mit seinen (vergessenen) Klavierkonzerten, die ich ja glücklicherweise alle besitze, beschäftigen (was ich in der Vergangenheit zugegebenermaßen sträflich vernachlässigt habe).


    Dank an das Label Brilliant für die Gesamtausgabe dieser Werke in einer ansprechenden Box.


    clc 5083

  • John Field:Klavierkonzert Nr 2


    Das 2. Klavierkonzert Nr 2 in As-dur - H 31 – wurde 1811 fertiggestellt und 1816 umgearbeitet. Robert Schumann war von seiner Schönheit begeistert und es gilt noch heute als Fields beliebtestes. Fields löst sich hier von Clementis Vorbild (dessen Schüler er war) und gestaltet sein Konzert lyrischer und nicht so auf virtuosen Effekt bauend, wobei von letzterem dennoch genügend vorhanden ist - oft völlig überraschend. Ich höre immer wieder Orchesterstellen die in ihrer Art ein wenig an Paganinis Violinkonzerte erinnern. Der zweite Satz (poco adagio) hingegen ist zu Beginn von jener Intimität bestimmt, die wir auch aus dem 2. Satz von Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 (Filmmusik zu Elvira Madigan) kennen. Nach und nach wird die Musik dann temperamentvoller und energischer. Wahrscheinlich hatte Schumann den 3. Satz (Moderato innocente) diese Konzerts im Ohr, als er es als "göttlich schön" bezeichnete. Persönlich würde ich diesen Satz als den beeindruckendsten des Konzerts bezeichnen. Wenn sich der langsame Einleitungsteil auflöst und dann einem fröhlich perlenden Thema Platz macht, dann befinden wir uns in der "heilen Welt" - Ein eindrucksvolles Finale beschliesst das Konzert.
    Abgehört wurde die Brilliant-Classics Ausgabe, welche sich gut schlägt. Es spielte das Orchestre Philharmonique de Nice unter Marco Guidarini, am Steinway-Flügel saß Paolo Restani.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien.
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Heute möchte ich mich in diesem Thread melden und daran erinnern, dass John Field, der am 26. Juli 1782 in Dublin geboren wurde, am 23. Janaur 1837 in Moskau starb.


    Heute ist sein 178. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • John Field: Klavierkonzert Nr 3



    So benutze ich die Erinnerung an Field dazu, die Serie der kurzen Vorstellung seiner Klavierkonzerte fortzusetzen. Das Klavierkonzert Nr 3 in Es-Dur H32 wurde vermutlich 1806 vollendet, liegt zeitlich also wahrscheinlich VOR dem Klavierkonzert Nr 2. In Moskau wurde es 1811 verlegt, In Leipzig 1816. Das Ex-Mitglied "I-like-Rosetti" wurde erinnerte Fields Stil an Mozart und Chopin. Im ersten Moment möchte man dem beipflichten, aber bei Lichte besehen hat Field - von gelegentlicher Leichtigkeit abgesehen - kaum etwas mit Mozart gemeinsam, sondern eher mit Muzio Clementi, dessen perlende Stellen sich bei Field - besonders in diesem Konzert - wiederfinden. Kein Wunder, war doch Field Clementis Schüler und das Klavierkonzert Nr 3 ist seinem Lehrer gewidmet. Es ist an sich zwisätzig, es ist kein Mittelsatz überliefert. Sehr wohl aber weiß man, daß Field selbst bei einem Konzert eines seiner Nocturnes als Mittelsatz spielte, allerdings weiß man nicht, welches. Daher ist es Tradition, daß der Pianist ein ihm geeignet erscheinendes auswählt und dem Beispiel des Komponisten, der ja auch als Pianist einen vorzüglichen Ruf genoss, folgt und es als Mittelsatz spielt. Das Konzert verändert sich demgemäß von Aufführung zu Aufführung- von Aufnahme zu Aufnahme.

    mir freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Heute ist John Fields Geburtstag, zu dem ich dies ausgesucht habe:



    Heute ist die 233. Wiederkehr seines Geburtstages.



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Auf der Suche nach weniger bekannten Werken aus der Zeit der Wiener Klassik und Frühromantik stieß ich vor einiger Zeit auf die Klavierkonzerte von John Field (1782-1837), der mir bis dahin vor allem als Schöpfer der Musikgattung "Nocturne" und in dieser Eigenschaft als Vorbild Chopins bekannt war. Einige seiner Nocturnes befinden sich seit vielen Jahren in meiner Sammlung, auf dieser CD:

    Nocturnes/Conc.F.Harfe U.Stror

    mit dem israelischen Pianisten Daniel Adni (geb. 1951), der erste musikalische Erfahrungen noch mit dem legendären Dirigenten Otto Klemperer sammeln durfte.


    Alfred hat in seinem Einführungstext zu diesem Thread schon das Wesentliche über den Komponisten gesagt. Nach erfolgreichen Konzerten in Paris und Wien reiste Field nach Rußland, wo er sich dauerhaft niederließ. Dort wurde er neben seiner Komponistentätigkeit ein erfolgreicher Klavierlehrer.


    Durch eine Empfehlung in dem Buch "1000 Klassik-Alben, die Sie hören sollten, bevor das Leben vorbei ist" (Edition Olms, Zürich, 2007) beschaffte ich mir zunächst die Konzerte Nr. 2 & 4, in dieser Ausgabe von NAXOS:

    [am='B00000JYTU'][/am]


    Ich war gleich nach dem ersten Hören so begeistert, daß ich mir spotan auch die beiden anderen Ausgaben dieser Reihe zulegte:

    [am='B0000014F9'][/am] und: [am='B00005Y4CC'][/am]

    Damit hatte ich, bis auf das Konzert Nr. 7, alle Klavierkonzerte Fields in meiner Sammlung, in folgender Besetzung:

    Benjamin Frith (Klavier) und die Northern Sinfonia, Dirigent: David Haslam (Aufnahmen: 1996/97).

    Klangtechnisch sind sie in bester Verfassung, und die musikalische Seite ist ebenfalls hervorragend, soweit ich als Laie das beurteilen kann. Ich habe allerdings keine Vergleichsaufnahmen.

    Der 1957 geborene englische Pianist Benjamin Frith ist vielleicht bei uns nicht sehr bekannt, er gewann aber bereits in jungen Jahren einen 1. Preis im Artur-Rubinstein-Klavierwettbewerb und wirkt seitdem vor allem in seinem Heimatland an hervorragender Stelle. Seit einigen Jahren ist er Mitglied des "Gould Piano Trio" mit Sitz in Manchester. David Haslam studierte an der Royal Academy of Music in London und begleitete als Dirigent so berühmte Solisten wie Ida Haendel, Radu Lupu und Henryk Szeryng. Er wirkte als Gastdirigent u.a. beim Scottish Chamber Orchestra und dem London Symphony Orchestra.

    Die Northern Sinfonia wurde 1958 gegründet und steht seit 2015 unter der musikalischen Leitung des Pianisten und Dirigenten Lars Vogt.


    Wer an allen 7 Field-Konzerten in der obigen Besetzung interessiert ist, der kann sie in dieser preiswerten Box erwerben:




    die auch noch etliche Nocturnes und Sonaten des irischen Komponisten enthält.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Scheinbar kann ich niemand für John Field und seine sieben Klavierkonzerte begeistern. Schade!


    IMO ist es ganz wunderbare Musik, sicher nicht so kostbar wie Mozarts Klavierkonzerte, obwohl sie stilistisch in manchen Dingen ähnlich sind, und auch nicht so dramatisch wie Beethovens Konzerte oder so tiefgründig wie die von Brahms, aber hörenswert und mit schönen, eingängigen Melodien befrachtet. Seit dem Kennenlernen höre ich sie immer wieder gerne. Zur Einführung scheint mir das Konzert Nr. 1 besonders geeignet zu sein. Wer mal außerhalb des Mainstreams und abseits "moderner Klassik" etwas Neues ausprobieren möchte, der wird hier nicht enttäuscht werden.


    Vielleicht kann ich ja doch noch einen Klavierfreak aus der Reserve locken …..


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Scheinbar kann ich niemand für John Field und seine sieben Klavierkonzerte begeistern. Schade!

    Irrtum, mein Lieber! Aber nicht jeder schreibt sein Interesse an hier geposteten Empfehlungen hier nieder oder teilt seine Neuerwerbungen mit. Ich habe jedenfalls die in Deinem Beitrag 20 genannte "Complet-Field-Box" schon mal vorgemerkt...


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Irrtum, mein Lieber! Aber nicht jeder schreibt sein Interesse an hier geposteten Empfehlungen hier nieder oder teilt seine Neuerwerbungen mit …

    Dieser Aussage darf ich mich gerne anschliessen – bei mir stehen diese Gesamtaufnahmen (und werden auch gehört): :hello:


    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Aber nicht jeder schreibt sein Interesse an hier geposteten Empfehlungen hier nieder oder teilt seine Neuerwerbungen mit.

    Lieber musikwanderer,


    ich glaube, da hast Du mich gründlich mißverstanden. Vielleicht habe ich mich auch nicht ganz klar ausgedrückt. Mir ging es nicht darum, jemand zum Kauf meiner Empfehlungen anzuregen oder seine Neuerwerbungen zu erfahren, sondern ganz allgemein um den Austausch von Eindrücken über Fields Klavierkonzerte.

    Mir persönlich haben seine Konzerte gleich auf Anhieb gefallen, sie sind leicht eingängig, bieten aber dem Pianisten auch genügend Möglichkeiten, seine virtuosen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Daß Fields Konzerte nicht den Stellenwert derjenigen von Mozart, Beethoven, Chopin, Brahms oder Schumann erreichen, ist mir klar. Aber ich denke, sie bereichern das Repertoire an Klavierkonzerten generell, und sie sind durch ihren melodischen Reichtum für gemütliche Abende am Kamin bestens geeignet. Und da wollte ich gerne wissen, wie andere sie und ihren Stellenwert in der Musikwelt beurteilen.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Scheinbar kann ich niemand für John Field und seine sieben Klavierkonzerte begeistern. Schade!

    Du musst mich nicht begeistern, lieber Nemorino, weil ich schon lange, sehr lange begeistert bin von diesen Konzerten.

    Ich höre sie sehr viel. Mal von Andreas Staier , mal von Míċeál O'Rourke, mal von Benjamin Frith. Am liebsten aber höre ich die Aufnahmen von John O'Conor! Er spielt die Werke mit der nötigen Distinction ohne ihnen die Wärme und Poesie vorzuenthalten.


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Caruso41,


    schön, daß Du meine Begeisterung für Fields Klavierkonzerte teilst.

    Hauptsächlich aus Platzgründen habe ich mir bisher keine Alternativen zu den Aufnahmen von Benjamin Frith gekauft, doch ich denke zur Zeit über eine solche nach und habe O'Rourke und O'Conor in die engere Wahl gezogen. Zunächst muß ich aber noch räumen, denn meine sämtlichen Schränke und Regale sind bis Anschlag mit CDs gefüllt. Aber man gönnt sich ja sonst nichts ….


    Poesie kann ich bereits den Versionen von Frith nicht absprechen, aber, wie gesagt, ich habe keine Vergleichsmöglichkeit. Ich war jedenfalls gleich beim ersten Hören eines Field-Konzertes sehr angetan und habe mir gleich die fehlenden ebenfalls beschafft. Es gibt ja neben den "Rennern" von Mozart, Beethoven, Brahms, Liszt, Schumann und Tschaikowsky noch etliche Werke dieses Genres, wie z.B. die zwei von Mendelssohn oder das Dvorak-Konzert, aber keines davon hat mich auch nur annähernd so beeindruckt wie die von Field. Ich höre sie hin und wieder, aber dabei bleibt's. Anders verhält es sich mit den beiden Chopin-Konzerten, aber ohne jetzt eine Wertung vornehmen zu wollen, Fields Konzerte scheinen mir heiterer, beschwingter zu sein, und außerdem räumt Field dem Orchester eine deutlich größere Rolle ein als Chopin, bei dessen Konzerten man ja auf das Orchester weitgehend verzichten könnte.

    Doch wie auch immer, Fields Konzerte spielen nach wie vor im internationalen Konzertleben nur eine marginale Rolle, und ich befürchte, daran wird sich auch nicht viel ändern. Umso mehr freut es mich, daß es weitere Musikfreunde gibt, die Fields Konzerte nicht missen möchten.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich habe ja nun meinem großen Interesse in diesem Thread bereits vor über zehn Jahren Ausdruck verliehen! ;):)

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • John Field: Klavierkonzert Nr 4


    Ich löse nun - sehr verspätet - mein Versprechen ein, die Konzerte - so gut ich kann - einzeln vorzustellen.

    Das ist im Falle Fields gar nicht einfach. Die Konzertführer von Harenberh und Csampai Holland haben sich deshalb auch diersr undankbaren Aufgabe gar nicht erst unterzogen. In der Tatist es schwierig,die doch recht unterschiedlichen Konzerte Fields zu beschreiben. Immer wieder findet man hier Floskeln,wie "Bindeglied zwischen Mozart und Chopin"und ähnliches.In der Tat kann man bei zahreichen Werken Fields Mozartsche Leichtigkeit heraushören,vielmehr ab doch den Stil seines Lehrers Clementi. Im Holland /Csampai finden wir dennoch eine interessante Aussage,nämlich in einem Absatz über die frühen Werke Mendelssohns, wo der Fieldsche einfluß unüberhörbar sei. und als Attribute werden hier eine gewisse Weitschweifigkeit und Liebe zum Ornamentalen genannt. In der Tat,das hat was. Bein Anhören habe ich an gewissen Stellen,wo oftmals wiederholt wurde gedacht:"NIE hätte Mozart so komponiert, vermutlich hätte er es sogar kritisiertm dieses Baden in sich oft wiederholendem Wohlklang. Field soll weniger durch eine stupende Technik aufgefallen sein, sondern durch sein mlodiöses Spiel,

    Nach der langen Vorrede zum Konzert Nr 4. Die Einleitung ist eher zurückhalten und enttäuschen,wird aber dann geradezu schockartig durch eine geradezu aggressive Orchesterpassage abgelöst. Dieser Effekt ist bei Bamert/O.Rourke weniger ausgeprägt als bei der AufnahmeRestani/Guidarini für Brilliant, wo der Steinway äusserst plastisch und fordernd dargestell wird. Interessant der kurze zweite Satz,der (mich) vor allemin der Bamert Aufnahmen an eine Spieluhr des Biedermeier erinnert,durch extrem leise,geziupfte Orchesterstellen geradezu unterstrichen. Der Finalsatz dann "echter Field" mit seinen gefällig perlenden Passagenund einem durch Fanfaren geprägten Schluss.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !