Crossover - Ein rotes Tuch für Klassikfreaks ?

  • Hallo, miteinander!


    Abgesehen davon, dass es im Bereich des sogenannten Crossover ein breites Spektrum von durchaus Interessantem gibt (Uri Caine, Frank Zappa, Chick Corea und so weiter) bis hin zu gnadenlos Banalem (da würde ich allerdings auch so Manches von Phil Glass dazu rechnen), freue ich mich, dass in den letzten Postings in mein altes Horn getutet wird. Wir sogenannte "Klassik-Fans" sind - auch ob unserer Etikettensucht - daran bisweilen nicht ganz unschuldig. Vielleicht sollten wir aber auch laut und deutlich postulieren, dass dieser Begriff bestenfalls geeignet ist für Ordnungsversuche in Plattenläden und halt im Internet, und auch nur dahingehend, einem Massengeschmack und damit kommerziellen Interessen zu huldigen.


    Wenn ich die sogenannte Klassik - wenn schon, dann doch wenigstens "Kunstmusik" bitte - abdecken möchte - und das ist Kunst genug :D -, dann muss ich mich immer mal wieder ärgern, und nicht nur über den Begriff "Crossover", sondern auch beispielsweise über das Motto einer Musikgruppe "Salsa, Gipsy, Jazz, Flamenco und (ein Hauch) Klassik".


    Was soll das? Wenn jemand gerne Obst isst, kann ich ihm doch auch nicht entgegnen mit den Worten: "Ich mag aber griechische Feigen!"


    Irgendwie sind diese Schablonen nicht auszurotten - und wenn es nur einer Pseudorechtfertigung dient, dass ich ein großer "Musikliebhaber" bin, nur weil ich tagein tagaus die Beatles laufen lasse (und das ist jetzt nicht böse gemeint, sondern einfach ein Beispiel von vielen :) , und von mir aus gilt es auch für jemanden, der nur Mozart hört (nur den gibt es halt viel seltener)), und sonst gar nichts.


    Niemand kann alles auch nur einigermaßen verarbeiten, was unter den Begriff "Klassik" subsumiert wird. Wer aber offen ist für ganz Vieles, der muss auch das Recht haben, sich diese Offenheit bescheinigen zu lassen und sich nicht unterstellen zu lassen, er höre eben (nur) die "Sparte" "Klassik". Das ist es, was mich ärgert.


    :angel: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo,


    ich bin sehr verwundert, wie haßerfüllt dieses Thema hier wieder einmal diskutiert wird ! Als jemand, der sich vor 30 Jahren die erste Rockplatte von Peter Hofmann kaufte, daran gefallen fand und sich dann, ganz puristisch, immer mehr für die Kunstform Oper entflammte, muß ich den Gegnern hier einfach sagen, daß der, dem Crossover nicht gefällt, ihn ja nicht zu kaufen und zu hören braucht. Ich rede hier keinesfalls einer allgemeinen Vermischung der Genres das Wort: Crossover ist, für mich, dann zu akzeptieren, wenn klassisch ausgebildete SängerInnen und MusikerInnen handwerklich gut populäre Musik interpretieren. Den umgekehrten Weg, lehne ich ab, mir zu Gemüte zu führen, weil er Maßstäbe kostet ! Meiner Meinung nach, ist es nicht zu unterstützen, wenn: Der amerikanische Popsänger Michael Bolton vor einigen Jahren mit zwar kräftiger, aber unausgebildeter Stimme und Orchester, Dirigent und Partnerin Opernarien und -duette aufnahm; die italienische Popsängerin Philippa Giordano eine ganze CD mit Belcanto-Sopranarien mit ihrer Schlagerstimme einspielte; die junge englische Sängerin Charlotte Church klassisches Repertoire für Sopran einspielte und sich an jeder Phrase verhob und beispielsweise der deutsche Liedermacher Hannes Wader eine ganze Platte mit Liedern von Franz Schubert machte. Es ist nicht zu akzeptieren, daß der gesangstechnisch sehr kritisierbare Andrea Bocelli an einer Studio-Operngesamtaufnahme nach der anderen teilnimmt und mit tontechnischen Tricks auf das Niveau seiner KollegInnen gestemmt wird ! Aber selbst hier gibt es Fälle, die selbst bis professionellste Kreise sehr umstritten sind: So lobte beispielsweise Bernstern die 1976 erschienene Klassik-Platte von Barbara Streisand sehr. Ich verhehle nicht, daß auch ich diese besitze und sie mir Freude macht ! Mit Crossover kann der Klassik-Purist leben und muß es auch, nur darf diese Stilrichtung niemals maßstabsetzend sein !


    Gruß,


    Antalwin

  • ich bin sehr verwundert, wie haßerfüllt dieses Thema hier wieder einmal diskutiert wird !


    Wird es ja gar nicht, denn das ist schon viele Jahre her! ;)


    Auf der anderen Seite machst du aber auch seltsame Aussagen! Man kann Herrn Bocellis Ausflüge ins klassische Genre als Nicht-Bocelli-Fan goutieren oder auch nicht, man muss aber objektiv konzidieren, dass er es ganz achtbar schafft (und ich würde mir sogar getrauen zu behaupten, dass er den Crossover ins klassische Fach besser schafft als so mancher Klassik-Star die Gegenrichtung! ;) ). Wenn du aber behauptest, er sei auf diesem Gebiet nicht zu akzeptieren, während dir die Klassik-Platte von Frau Streisand gefällt, dann werde ich stutzig. Vom Standpunkt des klassischen Gesangs steht nämlich Herr Bocelli so haushoch über Barbra Streisand, dass mir scheint, dass es mit der von dir geforderten Toleranz diesem Genre gegenüber bei dir selbst etwas zu mangeln scheint...


    ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Touche !


    Bezüglich dieses Antagonismus in meiner Argumentation muß ich meinem Vorredner Recht geben. Ich möchte aber trotzdem die Meinung vertreten, daß es, bezüglich der Wirkungsweise auf das Publikum schon etwas Anderes ist, wenn Barbara Streisand eine Händel-Arie aufnimmt, als wenn Andrea Bocelli, von dem ich auch übrigens der Meinung bin, daß er sich achtbar schlägt, einen kompletten Rodolfo, Cavaradossi, Manrico, Werther, Andrea Chenier, Canio oder Turiddu verewigt. Oder? Ganz objektiv ist, meiner Meinung nach, der Künstler, die Künstlerin bei Crossover für Kritik auch nicht die alleinige Adresse. Ich weiß, daß beispielsweise Peter Hofmann für seine erste Rockplatte sehr überredet werden mußte. Crossover scheint auch oft eine Idee der Plattenfirmen zu sein.


    Gruß,


    Antalwin

  • Crossover...schon das Wort behagt mir nicht, weil es voraussetzt, das hier zwei gegensätzliche Richtungen gekreuzt werden, heißt, sonst seien sie meilenweilt voneinander entfernt. Meiner Meinung ist das nicht so klar, wie man das immer haben will mit der Abgrenzung. Die Frage ist ja auch, geht es um Klassik-Interpreten, die anfangen Populärmusik zu singen/spielen oder um andere Interpreten, die es mal klassisch versuchen wollen (David Garrett???)...warum denke ich dabei immer nur an dieses unsägliche Adya-Projekt, das Gassenhauer der Klassik primitiv mit Technosbeats unterlegt und meint, es wäre innovativ und würde was für die Klassik tun...kein Kommentar. Letztlich kommt es für mich auf jeden Fall einfach auf die Qualität und das Anliegen an, geht es dem Künstler wirklich darum sich einmal mit etwas anderem zu beschäftigen, ist die Zusammenführung irgendwie sinnhaft oder doch nur Kommerz. Klar, ich muss ja nicht alles mögen, aber eine gewisse Qualität erwarte ich auch in dem Bereich, ich muss das ernst nehmen können, was da produziert wird.
    Ein gutes Beispiel ist, jedenfalls für mich folgende CD :



    René Pape und das Dresdner Sinfonieorchester interpretieren Rammstein-Lieder, orchestriert von Torsten Rasch.
    Als geneigte Hörerin von Pape als auch der wirkliche guten Band Rammstein fand ich dieses Kombination zuerst komisch, als ich es aber schließlich hörte, war ich sehr begeistert. Pape's Stimme passt auch sehr gut zu den Liedern und es war für mich spannend diese mir bekannten Lieder einmal ganz anders, klassisch zu hören. Die Stimmung der Lieder wird von Raschs Orchestrierung gut eingefangen und durch die klassiche Art des Gesangs bekommen sie auch noch eine hörenswerte andere Ebene, besonders emotional.
    Für mich eine der besseren Einspielungen aus dem Sektor Crossover.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Danke für den Tipp, die muss ich mir auch mal besorgen. Normalerweise mag ich den ganzen Metal-Krams überhaupt nicht, aber Rammstein höre ich phasenweise sehr gern, am liebsten Reise, Reise.

  • Den umgekehrten Weg, lehne ich ab, mir zu Gemüte zu führen, weil er Maßstäbe kostet ! Meiner Meinung nach, ist es nicht zu unterstützen, wenn: Der amerikanische Popsänger Michael Bolton vor einigen Jahren mit zwar kräftiger, aber unausgebildeter Stimme und Orchester, Dirigent und Partnerin Opernarien und -duette aufnahm; die italienische Popsängerin Philippa Giordano eine ganze CD mit Belcanto-Sopranarien mit ihrer Schlagerstimme einspielte; die junge englische Sängerin Charlotte Church klassisches Repertoire für Sopran einspielte und sich an jeder Phrase verhob und beispielsweise der deutsche Liedermacher Hannes Wader eine ganze Platte mit Liedern von Franz Schubert machte


    So ist es. Qualitativ hochwertiges Crossover ist immer eine Einbahnstraße. Funktioniert (meistens) mit klassisch ausgebildeten Sängern, die Pop, Rock usw. singen, ist aber umgekehrt nicht viel mehr als eine Lachnummer. Glücklicherweise handelt es sich bei letzterem aber meistens um eine Modeerscheinung, um ein Strohfeuer, das kurz aufflammt, aber auch ganz schnell wieder erlischt. Hört man noch was von Paul Potts, von Helmut Lotti oder dem unsäglichen Bolton? Nein, zumindest nicht als "Opernsänger". :hahahaha::hahahaha:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Weil ich es in meinem Beitrag weiter oben erwähnt habe, diese Version allerdings nicht auf der besagten CD drauf ist, für alle, die es evtl. interessiert hier ein Beispiel;
    René Pape singt "Mann gegen Mann" von Rammstein, arrangiert von Sven Helbig :


    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Ein interessantes Beispiel. Solche Stimmen könnten von mir aus auch das Telefonbuch singen, würde ich mir trotzdem gern anhören. :yes:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Stimmt, solche Stimmen gibt es (kenne auch ein paar)...es wundert mich das noch kein moderner Komponist darauf gekommen ist, das mal wirklich zu machen, also aus dem Telefonbuch vorsingen zu lassen...Hurz! :D

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

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  • So ist es. Qualitativ hochwertiges Crossover ist immer eine Einbahnstraße. Funktioniert (meistens) mit klassisch ausgebildeten Sängern, die Pop, Rock usw. singen, ist aber umgekehrt nicht viel mehr als eine Lachnummer.


    Das unterschreibe ich nicht. Mir fällt jetzt kein Beispiel ein, aber angenommen, eine Rockband oder experimentell elektronische Band verarbeitet rin klassisches Stück neu oder verwendet reichlich Zitate daraus, dann kann das in der eigenen Zielgruppe durchaus gut ankommen. Ich bin ja noch, wenn auch ausklingend, Fan der Band "Autechre". Da wird gerne nur ganz subtil mit Melodien gearbeitet, während sich noch etliche andere Musik-Ebenen auf der Oberfläche tun. Da habe ich mir schon öfter gedacht, dass sie wunderbar von Zitaten aus der Klassik profitieren könnten...

  • Ich würde Pictures at an Exhibition von Emerson, Lake and Palmer nicht als Lachnummer bezeichnen...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • ...es wundert mich das noch kein moderner Komponist darauf gekommen ist, das mal wirklich zu machen, also aus dem Telefonbuch vorsingen zu lassen..


    Na, Friedrich Goldmann hat immerhin schon Zeitansage und Kreuzworträtsel für Chorwerke herangezogen. Wäre er nicht 2009 verstorben, hätte er sich möglicherweise auch das Telefonbuch vorgenommen.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Emerson ist schon ein sehr gutes Beispiel. Es gibt aber noch sehr viel mehr. Ich erinnere mich an Pall Mall, die die 9. von Dvorak herrlich verarbeitet haben.
    Überhaupt sollte man evtl. etwas offener sein. So behaupte ich mal, dass z.B. die Tänze von Brahm u.a. auf ihre Art natürlich auch Crossover waren bzw. sind.
    Ist es nicht immer gut, wenn sich verschiedene Sparten gegenseitig befruchten?

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Ich würde Pictures at an Exhibition von Emerson, Lake and Palmer nicht als Lachnummer bezeichnen...


    Ich bezog mich in meiner Einschätzung auf Lotti, Bolton, Potts und Co, die meinen, Opernarien "singen" zu müssen. Dafür ist die Bezeichnung "Lachnummer" noch stark geschmeichelt.


    Ist es nicht immer gut, wenn sich verschiedene Sparten gegenseitig befruchten?


    Du meinst, wenn ein Trompeter auch mal in eine Geige bläst? Das wurde bei Loriot schon ausgiebig erörtert. ;)

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Ich bezog mich in meiner Einschätzung auf Lotti, Bolton und Co, die meinten, Opernarien "singen" zu müssen.

    Mag ja sein, dass du es so gemeint hast. Geschrieben hast du es aber viel allgemeiner:


    Qualitativ hochwertiges Crossover ist immer eine Einbahnstraße. Funktioniert (meistens) mit klassisch ausgebildeten Sängern, die Pop, Rock usw. singen, ist aber umgekehrt nicht viel mehr als eine Lachnummer.

    Da steht klipp und klar, Crossover funktioniere nur in einer Richtung. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ist es nicht immer gut, wenn sich verschiedene Sparten gegenseitig befruchten?


    Mag ja sein, dass du es so gemeint hast. Geschrieben hast du es aber viel allgemeiner:


    Da steht klipp und klar, Crossover funktioniere nur in einer Richtung. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen.


    :hello:


    Trotzdem habe ich mich vor allem auf den Gesangssektor konzentriert. Aber gut, ich bin auch im Allgemeinen für Originalität und nicht für das Covern eines vorhandenen Werkes.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Nein Strano das meine ich nicht. Aber wenn der Geiger und der Trompeter einander achten und von einander lernen.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Nein Strano das meine ich nicht. Aber wenn der Geiger und der Trompeter einander achten und von einander lernen.


    Aha! Und was können dann richtige Opernsänger von einem Lotti lernen? Oder ein "seriöser" Geiger von einem Clown wie Garrett, der bei der Eröffnungsgala der Arena di Verona Beethovens 5. in 10 min runterschrubbt? Das würde mich jetzt mal interessieren. Unverfrorenheit wahrscheinlich.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Aha! Und was können dann richtige Opernsänger von einem Lotti lernen? Oder ein "seriöser" Geiger von einem Clown wie Garrett, der bei der Eröffnungsgala der Arena di Verona Beethovens 5. in 10 min runterschrubbt? Das würde mich jetzt mal interessieren. Unverfrorenheit wahrscheinlich.


    Ja dann lass uns doch mal gemeinsam nachdenken: Irgendwas muss es doch da geben, oder? Aus irgendeinem Grund muss doch dieser Garrett bekannt sein. Was mag es nur sein? Sind diese Leute wirklich nur wegen ihrer Unverfrorenheit bekannt und beliebt? Finde ich persönlich unwahrscheinlich.


    Ich glaube einfach, dass ein wenig Offenheit immer besser ist als Borniertheit. Ich kenne nicht viel von Garrett, von dem was ich kenne mag ich vieles nicht, anderes finde ich nicht schlecht. Ich kenne aber einige Leute, die mögen ihn sehr. Und das sind nicht alles Idioten. Ich weiß tatsächlich nicht, was das Tolle an ihm ist. Aber es scheint doch etwas zu geben.


    Ich persönlich habe Garrett einmal erlebt. Da hat er nicht gespielt, sondern einer Geigerin zugehört. Mir hat gefallen, mit welcher Aufmerksamkeit er dabei war.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

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  • Zitat

    Ja dann lass uns doch mal gemeinsam nachdenken: Irgendwas muss es doch da geben, oder? Aus irgendeinem Grund muss doch dieser Garrett bekannt sein. Was mag es nur sein? Sind diese Leute wirklich nur wegen ihrer Unverfrorenheit bekannt und beliebt? Finde ich persönlich unwahrscheinlich.

    Nein, nicht nur wegen Unverfrorenheit. Ein gutes Marketingkonzept steckt auch dahinter, ein sehr gutes sogar. Hinzu kommt das Image. Lotti macht auf "Wunschschwiegersohn", Garrett mit Dreitagebart, offenem Hemd und langer Mähne auf Klassikrebellen. Gääääähn....
    Im Fall Garrett wäre noch dazu zu sagen, dass er wirklich gut Geige spielen kann, aber eben auch nicht besser als vergleichbare Konkurrenten, die diesen ganzen Hokuspokus nicht brauchen und trotzdem ihre Karrieren machen. Marketing ist eben alles....



    Zitat

    Ich glaube einfach, dass ein wenig Offenheit immer besser ist als Borniertheit.

    Ein gesundes Kritkivermögen bezeichne ich nicht als "Borniertheit", denn wie heißt es so schön: Wer nach allen Seiten offen ist, ist auch irgendwo nicht dicht.



    Zitat

    Ich persönlich habe Garrett einmal erlebt. Da hat er nicht gespielt, sondern einer Geigerin zugehört. Mir hat gefallen, mit welcher Aufmerksamkeit er dabei war.

    Für mich war es bisher immer wichtig, wie gut jemand spielen, nicht wie gut jemand zuhören kann... aber....gut.... :rolleyes:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • letzter Versuch: Dass jemand gut zuhören kann ist für mich eben doch wichtig. Es beweist mir, dass dieser Mensch diese (unsere?) Musik wirklich mag und eben nicht nur emotionslos damit Geld verdient.
    Dass er dann damit Dinge macht, die vielen (mir ja eher auch) nicht gefallen, werfe ich ihm weniger vor, wenn ich glaube, dass er die Kunst eben nicht vergewaltigen will, sondern eben mit seinen Mitteln versucht, sie zu verändern.


    Und ich verstehe auch nicht wirklich gut diesen Vorwurf, dass hier Marketing aggressiv betrieben wird. Hier werden einige Leute verehrt, die damit absolut keine Probleme hatten. Ich nenne da mal den Karajan. Und es gibt noch sehr viel mehr.


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Hallo,


    ich habe eine Fassung auf LP mit elektronischen Instrumenten von "Peter und der Wolf", herausgebracht 1975 von der "Robert Stigwood Organisation Ltd." - lustig anzuhören - ernst nehmen - nein.
    Ich kann leider kein Bild einstellen, da ich die LP oder eine CD weder bei JPC noch bei amazon finde.


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Ich habe diese Aufnahme - gespielt von bekannten Rockmusikern:



    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Die habe ich auch, gab es irgendwann als Sonderangebot bei 2001. Mir gefällt sie nciht, ich finde, der ursprüngliche Zauber des Stückes geht völlig verloren.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • David Garrett war ein "Wunderkind", der als Teenager einen DG-Plattenvertrag hatte und mehrere "ernste" CDs eingespielt hat. Er ist ohne Frage ein außerordentlich guter Geiger (zumindest gewesen).
    Ich wage das nicht abschließend zu beurteilen, aber seine Popkarriere scheint eine Reaktion auf den Karriereknick zu sein, den er erleben musste, nachdem sich der Wunderknabe/Neues Gesicht Status abgenutzt hatte. Dann war er halt nur noch einer unter vielen. Und Julia Fischer jünger und hübscher...

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Dass er dann damit Dinge macht, die vielen (mir ja eher auch) nicht gefallen, werfe ich ihm weniger vor, wenn ich glaube, dass er die Kunst eben nicht vergewaltigen will, sondern eben mit seinen Mitteln versucht, sie zu verändern.

    Ich nehme jetzt mal an, dass du Garrett noch nicht wirklich "in Aktion" erlebt hast. Für das , was ich beschrieben habe (Verona-Eröffnung letztes Jahr) ist "Vergewaltigung" noch sehr milde ausgedrückt. Aber ich denke sowieso, dass wir da nicht auf einen Nenner kommen werden, da es mir ziemlich egal ist, ob einer lieb guckend zuhört, sondern ich danach gehe, wie "lieb" er zu den Werken ist, die er spielt.



    Ich wage das nicht abschließend zu beurteilen, aber seine Popkarriere scheint eine Reaktion auf den Karriereknick zu sein, den er erleben musste, nachdem sich der Wunderknabe/Neues Gesicht Status abgenutzt hatte. Dann war er halt nur noch einer unter vielen. Und Julia Fischer jünger und hübscher...

    ...und eine verdammt gute Geigerin, die Mätzchen à la Garrett nicht nötig hat.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Es gab da auch einmal eine asiatische "Geigerin", die hochgeschaukelt wurde. Sie sah wirklich hübsch aus, den Namen habe ich vergessen, evtl. Vanessa Mae? Es ist ca. 5 Jahre her.


    Da habe ich erlebt, wie sie in der Berliner Philharmonie das Tschaikowski-Violinkonzert vergewaltigt hat. Es war zum Weglaufen. Sie wurde auch durch geschicktes Management hochgespielt, offensichtlich ihrer optischen Vorzüge wegen. Jetzt ist sie total weg.


    Bei Paul Potts rührt mich seine Geschichte, ich gönne ihm den Erfolg. Es gibt auch Musikhörer, die sein Nessun Dorma für gut halten. Lassen wir sie in ihrem Glauben. Und der smarte Lotti hat ja das Singen von Opernarien zum Glück aufgegeben.


    Crossover gehört irgendwie auch zu Sängern am Ende der Karriere, Pavarotti (sorry Chrissy) and Friends gehört für mich genauso dazu wie Peter Hofmann nach Bayreuth. Und viele weitere Beispiele. Wenn die Stimme große Oper nicht mehr erlaubt, dann kommt Crossover.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat

    Bei Paul Potts rührt mich seine Geschichte, ich gönne ihm den Erfolg.

    Du weißt aber schon, lieber La Roche, dass Potts vor seinem berühmten Auftritt regelmäßigen Gesangsuntericht genommen und gerade diese "rührende" Geschichte ebenso rührend-geniales Marketing ist? Auf smart und cool oder Rebell haben vor ihm viele gemacht, er hat das Pferd - sehr erfolgreich - mal von der ganz anderen Seite aufgezäumt.



    Zitat

    Es gibt auch Musikhörer, die sein Nessun Dorma für gut halten. Lassen wir sie in ihrem Glauben

    Warum?



    Zitat

    Wenn die Stimme große Oper nicht mehr erlaubt, dann kommt Crossover.

    Dem stimme ich zu, aber glücklicherweise halten auch dies nicht alle so, sondern ziehen sich rechtzeitig und glaubwürdig zurück.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Crossover gehört irgendwie auch zu Sängern am Ende der Karriere, Pavarotti (sorry Chrissy) and Friends gehört für mich genauso dazu


    Da mußt Du Dich nicht entschuldigen oder um Nachsicht bitten, lieber La Roche. Ich sehe das genau so. Das war ein riesiger (fast unverzeihlicher) Fehler, den Pavarotti da begangen hat. Sich mit Leuten zu umgeben, von denen tatsächlich kaum einer singen konnte, nur um zu beweisen, von denen immer noch mit Abstand der Beste zu sein, das hätte er nicht machen sollen. Er hat damit aus meiner Sicht sein monumentales Denkmal selbst beschädigt.
    Das Schlimmste aber war in einer Sendung mit Carreras. Beide konnten nicht mehr singen. Ich möchte gar nicht mehr daran denken, so schlimm war das. Da hatte ich Tränen in den Augen.
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

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