Der Dirigent Wilhelm Furtwängler - unvergänglich?

  • Danke,


    die Bruckner Achte in der genannten aufnahme habe ich nur als mp3 gefunden......
    da mir beetovens neunte weniger liegt als die fünfte werde ich damit anfangen, vielleicht diese ?
    http://www.amazon.de/Sinfonien…TF8&qid=1297269194&sr=1-4
    - auch die vierte mit dem fünften klavierkonzert welches ich sehr schätze.......
    http://www.amazon.de/Klavierko…TF8&qid=1297269406&sr=1-2
    oder 5. und 7. als studioaufnahme :
    http://www.amazon.de/Sinfonien…B00064N8SG/ref=pd_sim_m_2


    bliebe noch die suche nach einer guten bruckner aufnahme....wäre dies etwas ?
    http://www.amazon.de/Furtw%C3%…TF8&qid=1297269761&sr=1-9


    wäre das ein möglicher einstieg ? die audite box ist verlockend - aber das ist ja fast schon verwirrend viel........


    gruss


    kalli


    p.s. diese schubert cd wurde hier auch gelobt....ist sie wirklich so gut ?
    http://www.amazon.de/Schubert-Sinfonien-Nr-Wilhelm-Furtw%C3%A4ngler/dp/B001F4Z6CC/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=music&qid=1297270794&sr=1-2-spel


    und als neunte/beethoven soll ja dies sehr gut sein :
    http://www.amazon.de/Great-Rec…/ref=cm_cr_pr_product_top
    oder als zeit edition :
    http://www.amazon.de/gp/produc…?ie=UTF8&m=A2XPVRYEC2MPZ4
    sollten die gleichen aufnahmen sein , auch gleiches remastering ?

  • Ich kam gestern in den Genuß, sowohl in die Berliner Aufnahme von 1942 als auch in die Salzburger von 1951 von Bruckners 5. hineinhören zu können.
    Ich fand die Aufnahme von '42 anfangs viel zu gehetzt und die Tempowechsel irrsinnig, aber genau das macht sie eigentlich auch spannend.
    Das bereits Gesagte trifft zu: Wo die Kriegsaufnahme sehr expressiv ist, wirkt die Nachkriegsaufnahme fast lau (im Vergleich).
    Ich glaube daher, daß ich mir die Box von den Salzburger Festspielen doch sparen kann und mir lieber die Beethoven 7. und 8. einzeln zulege und dazu lieber noch die Furtwänglers Bruckner.


    Frage: Furtwängler nahm m. W. die 4. bis 9. von Bruckner auf; von der 6. fehlt der 1. Satz?


    Welche Box ist empfehlenswert? Die von Music & Arts?


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • 1

    Noch einmal zum Thema "Freischütz": weiß jemand (vielleicht Du, lieber Giselher?), ob das von mir beschriebene Problem mit den "drop outs" auch bei der EMI-Ausgabe in der Reihe "Festspieldokumente"

    existiert?
    Beste Grüße
    Swjatoslaw


    Lieber Swjatoslaw,


    die "drop outs" des TAHRA-"Freischütz" sind auf der EMI-Ausgabe schon deswegen nicht zu finden, weil bei beiden Editionen auf unterschiedliche Quellen zurückgegriffen wurde. EMI Classics veröffentlichte einen offiziellen ORF-Mitschnitt in digitaler Überarbeitung, die dem ohnehin recht topfig und eng klingenden Original allerdings noch eine digitale Weichzeichnung verpasste, so dass das Geschehen seltsam leblos und untheatralisch wirkt. Deswegen ziehe ich persönlich die TAHRA-Ausgabe, die sich auf den Privatmitschnitt des Furtwängler-Freundes Alfred Kunz stützt, wegen ihrer "Luftigkeit" und Lebendigkeit vor, auch wenn ich drop outs, Störungen, "Kanalwechsel" und ähnlichen Ärger dafür in Kauf nehmen muss.


    Viele Grüße,


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Lieber Swjatoslaw,


    die "drop outs" des TAHRA-"Freischütz" sind auf der EMI-Ausgabe schon deswegen nicht zu finden, weil bei beiden Editionen auf unterschiedliche Quellen zurückgegriffen wurde. EMI Classics veröffentlichte einen offiziellen ORF-Mitschnitt in digitaler Überarbeitung, die dem ohnehin recht topfig und eng klingenden Original allerdings noch eine digitale Weichzeichnung verpasste, so dass das Geschehen seltsam leblos und untheatralisch wirkt. Deswegen ziehe ich persönlich die TAHRA-Ausgabe, die sich auf den Privatmitschnitt des Furtwängler-Freundes Alfred Kunz stützt, wegen ihrer "Luftigkeit" und Lebendigkeit vor, auch wenn ich drop outs, Störungen, "Kanalwechsel" und ähnlichen Ärger dafür in Kauf nehmen muss.

    Herzlichen Dank für Deine prompte Antwort, lieber Giselher! Dann werde ich es doch bei meinem Walhall-Set belassen, der an sich ja gar nicht schlecht klingt (und sicherlich dieselbe Tonquelle verwendet wie Tahra).


    Frage: Furtwängler nahm m. W. die 4. bis 9. von Bruckner auf; von der 6. fehlt der 1. Satz?

    Exakt so ist das. Der erste Satz der Sechsten ist leider verschollen. Bei der Sechsten führt an Klemperer ohnehin kein Weg vorbei - die "amputierte" Aufnahme Furtwänglers ist aber eine hochspannende Alternative. Der vierte Satz ist bei ihm mal wieder der helle Wahnsinn.

    Ich kam gestern in den Genuß, sowohl in die Berliner Aufnahme von 1942 als auch in die Salzburger von 1951 von Bruckners 5. hineinhören zu können. Ich fand die Aufnahme von '42 anfangs viel zu gehetzt und die Tempowechsel irrsinnig, aber genau das macht sie eigentlich auch spannend.

    Was Du schreibst, ist richtig. Aber genau das ist ja das Geniale an der Aufnahme vom Oktober 1942!!! Bei Furtwängler weht im letzten Satz ein Orkan. Wenn Du damit eine Weile gelebt hast, sind alle anderen Fünften für Dich nur noch laue Lüftchen. Und auch der eigene Salzburger Mitschnitt Furtwänglers haut Dich nicht mehr so vom Hocker.


    Welche Box ist empfehlenswert? Die von Music & Arts?


    Ich habe die Aufnahmen zwar alle in anderen Editionen, aber ich wüsste nicht, was gegen M&A sprechen sollte. Die drei Sätze der Sechsten sind erfreulicherweise Bestandteil der Box (ich habe sie in der Archipel-Version).

  • Herzlichen Dank, lieber Swjatoslaw, für die prompte Hilfe!


    Ich kenne bisher die 5., 8. und 9. in Ausschnitten von Furtwängler. So ein kompletter Gegenentwurf zum weihevollen Bruckner von Jochum. Ich denke, die Box kommt in Betracht.


    LG
    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Welche Box ist empfehlenswert? Die von Music & Arts?


    Ja, wie ich oben (Posting 101) mal geschrieben hatte: Music&Arts benutzt bei manchen CDs ein sogenanntes "Harmonic Balancing" Remastering Verfahren, das besonders den Frequenzgang zurechtrückt und dadurch die Klangfarben erheblich auffrischt - ich finde das Ergebnis ausgesprochen gut! Die ganze Bruckner Box ist so remastert.


    Gruß aus Freiburg
    Byron

    non confundar in aeternum

    Einmal editiert, zuletzt von Byron ()

  • :)
    so,


    die neunte von beethoven habe ich mir in der ZEIT edition ( luzern ) bestellt - da habe ich auch gleich etwas zu lesen. die vierte mit dem 5. klavierkonzert von NAXOS wird es wohl auch werden, es bleiben die unten erwähnten für die ich um rat bitte.


    http://www.amazon.de/Sinfonien-5-7-Wilhe…97269194&sr=1-4


    oder 5. und 7. als studioaufnahme :


    http://www.amazon.de/Sinfonien-5-7-W-Fur…/ref=pd_sim_m_2



    bliebe noch die suche nach einer guten bruckner aufnahme....wäre dies etwas ?


    http://www.amazon.de/Furtw%C3%A4ngler-Co…97269761&sr=1-9



    diese schubert cd wurde hier auch gelobt....ist sie wirklich so gut ?


    http://www.amazon.de/Schubert-Sinfonien-Nr-Wilhelm-Furtw%C3%A4ngler/dp/B001F4Z6CC/ref=sr_1_2?ie=UTF8&
    s=music&qid=1297270794&sr=1-2-spel


    ein schönes wochenende wünscht


    kalli


  • Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
    (Historische Gesamtaufnahme ohne I. Akt, I. Szene, sowie Quintett im III. Akt)


    Hans Sachs: Jaro Prohaska
    Veit Pogner: Josef Greindl
    Sixtus Beckmesser: Eugen Fuchs
    Fritz Kothner: Fritz Krenn
    Walther von Stolzing: Max Lorenz
    Eva: Maria Müller
    David: Erich Zimmermann
    Magdalene: Camilla Kallab


    Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
    Wilhelm Furtwängler


    Live-Mitschnitt vom 15.07.1943



    Gestern habe ich mir diese Aufnahme seit langem einmal wieder im Ganzen angehört.


    Man kann nur staunen, was Furtwängler alles aus der Partitur herausholt. Sicherlich eines der besten "Meistersinger"-Dirigate, die uns auf Tonträger überhaupt vorliegen.


    Die Sängerbesetzung ist alles in allem sehr gut. Herausragend sind m. E. besonders Max Lorenz als Stolzing, Maria Müller als Eva, der junge Josef Greindl als Pogner und nicht zuletzt der sehr spezielle Sachs von Prohaska. Freilich: Man merkt den Sängern an, daß sie in den frühen 40er Jahren bei den sog. "Kriegsfestspielen" singen. Wir finden den pathetischen Wagner-Stil jener Zeit hier dokumentiert wie wohl sonst in keiner Aufnahme. Daß Furtwängler keine Komödie spielen läßt, nimmt somit nicht wunder. Dies mag auch in den Sängern begründet liegen. Weder Prohaska noch Fuchs als Beckmesser sind sonderlich komödiantisch, wiewohl freilich gerade am Ende des II. Akts durchaus einige lustige Momente gelingen, wo man sich ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann. Fuchs ist kein Schmitt-Walter, doch verleiht er der Figur des strengen Stadtschreibers doch Profil. Er verfällt keiner Parodie á la Kusche, vielmehr strahlt er auch eine gewisse Autorität aus. Für mich jedenfalls eine durchaus schlüssige Interpretation dieser schwierigen Rolle. Über den David von Zimmermann wurde sehr viel gelästert, doch vermag ich die Kritik nicht ganz zu verstehen. Natürlich würde auch ich Schreier, Unger oder Stolze vorziehen, aber von einem gelangweilten Vorträg kann dennoch nicht die Rede sein. Daß der gute Mann seinerzeit bereits die 50 überschritten hatte, erklärt dann auch das etwas ältliche Timbre, das in der Tat ein wenig sonderbar anmutet für einen jungen Schustergesellen.


    Das besondere Highlight dieser Aufnahme ist aber auch, und das sei nochmals betont, Wilhelm Furtwängler. Majestätisch erhebt sich bereits das Vorspiel zum I. Akt. Überhaupt betont Furtwängler die Blechbläser und Pauken besonders, was dann auch im Aufzug zur Festwiese auffällt. Sehr düster gelingen Wahn- und Schlußmonolog, zeittypisch insofern, was man als gelungene Deutung bezeichnen darf. Hier erweist sich dann Prohaska, dem die leisen Töne schwer fallen, als kongenialer Begleiter Furtwänglers. Wenn sein Sachs das dräuende Ende des Reiches besingt, dann hat dies in dieser Aufnahme etwas Prophetisches. Eindringlicher wurde das nie gesungen, auch nicht von den besten Sachsen, zu denen er für gewöhnlich ja nicht gezählt wird. Der Chor ist phänomenal präsent und klingt besonders am Ende auch geradezu fanatisiert, als wollte er es jedem Zuhörer auch wahrlich einbläuen, die deutschen Meister zu ehren und die deutsche Kunst und Kultur zu erhalten. Bombastisch gelingt dem Bayreuther Festspielorchester dann die Finalcoda, die ich besser nie gehört habe: In einem kaum zu steigernden Pathos bäumen sich die Bläser noch einmal auf, begleitet vom zum Äußersten getriebenen Festspielchor, und steigern die die Spannung dadurch bis zum letzten Takt. Kein Wunder, daß sich das Publikum nicht zurückhalten konnte und bereits zu früh hineinklatscht.


    Nun mag der heutige Hörer ob solche Töne aufschrecken und sich fragen, wie gerade ein Furtwängler zu einer beinahe propagandistischen Deutung der "deutschen Nationaloper" durchringen konnte. Wie schon in anderen Kriegsdirigaten (Beethovens 9. und Bruckners 5. von 1942, Beethovens 5. von 1943, Brahms' 1. von 1945 usw.) wird deutlich, daß Furtwängler gewillt ist, die zeittypischen Erschütterungen und die emotionale Unruhe, die gerade in den letzten Jahren des Dritten Reiches, besonders ab 1942, immer beklemmender wurden, mit in die Musik einfließen zu lassen. Vielleicht wollte er den Nationalismus, der den "Meistersingern" unzweifelhaft anhaftet, zu hohlem Pathos steigern und dadurch gleichsam ad absurdum führen. Alles in allem jedenfalls ein historischer Mitschnitt, der einen nachdenklich zurückläßt, wo die große Kunst eines Wilhelm Furtwängler jedoch auch nicht einen Augenblick in Frage gestellt ist.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Furtwängler war - wie in vielen seiner Kriegsdirigate - auch im Juli 1943 ein sensibler Seismograph der ihn umgebenden Zeitumstände, so dass auch seine einzige fast komplette "Meistersinger"Aufnahme einen extremisierten Interpretationsansatz verfolgt. Diese "Meistersinger" sind in der Tat keine Komödie. Auch wenn Furtwängler m.E. generell mit ironisch-quecksilbriger Musik nicht allzuviel anzufangen wusste (seine "Rheingolde" sind für mich deshalb auch die Schwachpunkte seiner "Ring"-Aufnahmen), so fällt doch auf, dass er hier die durchaus vorhandenen tragischen Unterströmungen so sehr in den Vordergrund stellt. Auf allem lastet eine gewisse Schwere, ein unbedingter Ausdrucks- und Gestaltungswille, der die Partitur jederzeit im Griff hat und dabei - wie ich finde - dem Stück zu sehr die Luft zum Atmen nimmt und ein wirkliches Erblühen der Töne verhindert. Das ist gleichwohl spannend und F. holt wirklich Unerhörtes aus dem Orchester und dem Chor heraus, etwa beim absolut verzweifelt-düsteren Vorspiel zum 3.Akt oder im schier nicht enden wollenden "Wach auf!"-Chor mit ebenso langer anschließender Generalpause. Ein durchaus pathetisches und rhetorisches Dirigat. Insofern sind seine Sänger zumeist kongenial, wenn auch m.E. nicht ideal, da zumeist jenseits ihres sängerischen Höhepunktes.


    Am besten noch die fast tadellos singende Maria Müller, der man allenfalls ein etwas zu reifes Timbre und ein paar Schärfen in der Höhe vorwerfen kann. Lorenz ist wie üblich sehr frei mit Tempovorschriften und Notenwerten, selten ein Ton, der nicht mindestens mezzoforte gesungen wird. Von der schneidend-gleißenden Diktion her eher ein waffenstarrender Condottiere als ein verliebter fränkischer Landedelmann, zumal er eher energisch zu sprechen als gebunden zu singen scheint. Zimmermanns David klingt in der Tat ein wenig ältlich, ansonsten solide (Gerhard Unger z.B. war da selbst in seinen späten Aufnahmen wesentlich jünger klingend), Eugen Fuchs´ Beckmesser hört man besser in der 1938er Studioaufnahme des 3. Aktes unter Böhm, hier hat er zuviele Textunsicherheiten und nimmt sich wie Lorenz seine Freiheiten gegenüber der Partitur. Den Pogner Greindls finde ich zu "hell" (er war auch erst 31) und zu wenig balsamisch-strömend, dazu ist das Timbre schon jetzt zu knorrig. Dem Sachs des Jaro Prohaska merkt man die lange Erfahrung mit der Rolle vor allem in den Dialogen mit Eva, Stolzing und Beckmesser an, wo er mit seiner harschen und hohl klingenden Stimme nicht aussingen muss, sondern die Worte fein-ironisch zu ziselieren versteht. Auf der Festwiese wird er dann zum bellenden non-legato Sprachrohr, das die "vierte Wand" zum Publikum niederreißt. Die Schlussansprache, die Prohaska nur unter Aufbietung aller Kräfte bewältigen kann, atmet den authentischen Zeitgeist des NS. "Fanatisch" ist hier in der Tat das richtige Stichwort, seelische "Wehrertüchtigung" der Zweck.


    In dem Büchlein "Richard Wagner und seine Meistersinger", einer reich bebilderten "Erinnerungsgabe zu den Bayreuther Kriegsfestspielen 1943", die jedem "Gast des Führers" (Kriegsversehrte, Frontkämpfer, Ausgebombte, Rüstungsarbeiter) nachträglich überreicht wurde, schildern ausnahmslos begeisterte Zuschauer ihre Eindrücke von der hakenkreuzgeschmückten Stadt und den Aufführungen. Und sie ziehen die ideologisch gewünschten Schlussfolgerungen:


    - "Hier verstehen wir so ganz das herrliche Wort des Führers, wenn er sagt: ´Die Kunst ist eine zum Fanatismus verpflichtende Mission.´"


    - "Am nächsten Morgen verlassen wir Bayreuth, das stolze Bewußtsein in der Brust: Wie stark muss Deutschland sein, wenn es im vierten Kriegsjahr seinen Menschen noch diese gewaltige Kundgebung deutscher Kunst schenken kann, und niemals kann ein Volk untergehen, das solche Geistesheroen sein eigen nennt!"


    - "Wenn wir heute wieder in unsere Lazarette und Genesungskompanien, an die Werkbänke und Zeichentische zurückgekehrt sind, wollen wir die Verpflichtung als bescheidenen Dank mit uns nehmen, stets alles einzusetzen, um den Feinden deutscher Art und deutschen Denkens gerecht zu werden, auf dass es Ihnen nie gelingen solle, die Werke und den Geist deutscher Meister zu untergraben."


    Die gesamte Stadt wimmelt von Angehörigen verschiedenster NS-Organisationen, BDM und HJ Bayreuths erweisen sich als Fremdenführer, im "Haus der deutschen Erziehung" finden Einführungsvorträge statt, auf dem Balkon des Festspielhauses verkünden Bläser der Waffen-SS das Ende der Pausen und auf der Bühne ergänzen HJ und BDM sowie Mitglieder der SS-Standarte "Wiking" den Festspielchor. Man hört es nicht zuletzt beim dröhnenden Gleichschritt der Formationen, die dem Zuhörer deutlich machen, dass die Festwiese hier kein demokratisches Volksfest ist, sondern eine Vorwegnahme der Nürnberger Reichsparteitage.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Bereits an anderer Stelle wurde dankenswerterweise auf diese höchst interessante Box verwiesen, die in drei Tagen erscheinen wird:



    Löblich vom Label "Documents", hier den (vermeintlich) kompletten Furtwängler herauszubringen. Der Fortgeschrittene weiß natürlich dennoch, daß freilich keineswegs wirklich sämtliche Aufnahmen vorliegen. "Sämtliche Werke, die Wilhelm Furtwängler für die Schallplatte oder für den Rundfunk aufgenommen hat" heißt es. Erst auf den zweiten Blick erkennt man hier, daß eine Auswahl getroffen wurde. Bei Beethoven, Brahms und anderen hat man sich bei den Symphonien jeweils für eine, maximal zwei Aufnahmen (die angeblich jeweils besten) entschieden. Da frage ich mich jetzt natürlich: Für welche Aufnahmen hat man sich bitte genau entschieden? Mir liegt bis dato keine genaue Beschreibung der Box vor. Der Preis ist dennoch heiß, bedenkt man, wieviel mehr das alles einzeln kosten würde. So ist etwa der Tschaikowsy (er nahm die Symphonien Nr. 4-6 auf) derzeit kaum oder nur zu horrenden Preisen greifbar. Hier ist er komplett dabei. Genauso die sämtlichen Opernaufnahmen von Wagner, Mozart, Weber, Verdi und anderen.


    Wie gesagt: Bedenken habe ich an sich weniger. Nur würde es mich sehr interessieren, welche Aufnahmen, speziell der Beethoven-Symphonien, ganz konkret Teil der Box sind.


    LG
    Joseph

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Für viele ist der Dirigent Wilhelm Furtwängler das non plus ultra. Für mich indessen nicht. Ganze drei Aufnahmen befinden sich in meiner Sammlung:


    Tristan


    Walküre (Studio)


    Beethoven 9 (Bayreuth)


    Diese Aufnahmen höre ich sehr selten! Und warum das? Bei Hörstationen oder auch bei Freunden habe ich mich durch- und quergehört und mir die Aufnahmen zu Gemüte geführt, von denen viele meinen, sie seien so grandios. Bei mir hinterließen sie oftmals ein sehr zwiespältigen oder gar ablehnenden Eindruck.


    Zunächst beklage ich bei seinen Aufnahmen das Mono. Das dürfte auch der Hauptgrund sein, warum für so viele Hörer Furtwänglers Aufnahmen überhaupt nicht in Frage kommen. Dazu kommt, dass viele seiner Live-Mitschnitte eine so schlechte Tonqualität haben, dass man schon vor dem großen Grundrauschen abgeschreckt wird. Aber nicht nur das ...


    Hinzu kommt, dass die meisten Aufnahmen einen so antiquierten Eindruck hinterlassen. Wie aus längst vergangenen Zeiten. So dass ich Toscanini völlig verstehen kann, der mit dieser überlebten Aufführungs-Tradition völlig aufräumte. Allerdings kann ich sein Extrem auch nicht gutheißen. Aber er hat erst einmal das Tor aufgestoßen für neue Interpretationsansätze.


    Vieles habe ich gelesen über Furtwänglers Bruckner 5. Diese Lobhudeleien kann ich überhaupt nicht verstehen. Seine Interpretationen sind nichts gegen beispielsweise die Schuricht-Aufnahme aus den 50er Jahren mit den Wiener Philharmonikern (DG).


    Auch seine Beethoven 5- oder 7-Dirigate sind so angestaubt, dass selbst gute Pauken-Szenen diese Aufnahmen nicht retten können. Man höre nur den zwei Jahre jüngeren Fritz Reiner mit den gleichen Beethoven-Sinfonien auch aus den 50er Jahren in STEREO. Das sind ganz andere Welten.


    Es tut mir leid, ich kann mit Furtwängler fast gar nichts anfangen.




    :hello: LT

  • Ich kann schon verstehen, wenn heutige Hörer – grad Anfänger – Mono-Aufnahmen meiden. Daß seine Aufnahmen nur in Mono vorliegen, dafür kann Furtwängler freilich nichts. Ausnahmen sollen, wie ich mich neulich belehren ließ, die Schubert-Neunte und der "Freischütz" aus Salzburg sein, die in einem "Quasi-Stereo" vorliegen sollen. Zudem verweise ich abermals auf die Beethoven-Neunte aus Luzern von 1954, die in einem geradezu sensationellen Mono vorliegt und sogar als SACD jüngst neu aufgelegt wurde. Da klingt manche frühe Stereo-Aufnahme schlechter.


    Apropos Tonqualität: Ich habe mich gegen das "Furtwängler-Vermächtnis" von Documents entschieden. Ich habe von diesem Label bereits manche Aufnahmen. Ein Hörvergleich des Furtwängler-"Tristan" der Labels Documents, Naxos und EMI förderte zutage, daß sowohl Naxos als auch EMI weitaus besser klingen! Zwar nimmt man bei denen ein leichtes Grundrauschen wahr, doch ist der Höreindruck viel natürlicher. Bei Documents hingegen rauscht zwar nichts, aber es klingt irgendwie unnatürlich und wie von einem Schleier umgeben. Da ich nicht annehme, daß Documents bei dem Preis diese Aufnahme (die ja auch dabei ist) und andere neu und besser remastered hat, sah ich von einem Kauf ab, zumal ja nicht mal Hörschnippsel vorliegen, wo man es hätte testen können.


    Noch eine Spezialfrage: Wie kommt man an Furtwänglers Tschaikowsky-Symphonien heran? Ich sah, daß bei Naxos die 6. von 1938 vorliegt; ferner fand ich die 4. einzeln. Die 6. von 1951 (Kairo) gibt es offenbar nur in einer sündteueren EMI-Box (Aufnahmen 1944-1953) und die 5. fand ich einzeln überhaupt nicht. Vielleicht kann mir Swjatoslaw hier helfen, der wohl alle diese Aufnahmen haben dürfte, wie ich ihn kenne. :D

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Noch eine Spezialfrage: Wie kommt man an Furtwänglers Tschaikowsky-Symphonien heran? Ich sah, daß bei Naxos die 6. von 1938 vorliegt; ferner fand ich die 4. einzeln. Die 6. von 1951 (Kairo) gibt es offenbar nur in einer sündteueren EMI-Box (Aufnahmen 1944-1953) und die 5. fand ich einzeln überhaupt nicht. Vielleicht kann mir Swjatoslaw hier helfen, der wohl alle diese Aufnahmen haben dürfte, wie ich ihn kenne. :D

    Klar, das ist alles bei mir vorhanden. Versuche einfach, diese Archipel-Ausgabe zu bekommen

    Dort hast Du dann auch die Fünfte, die wirklich sehr schwer aufzutreiben ist. Bei der Vierten und der "Pathétique" ist hingegen der Bezug ganz simpel: die gibt es für ein paar Euro.


    Liebestraum
    Klar - so ist das manchmal, dass man mit einem Dirigenten nichts anfangen kann, den andere geradezu vergöttern. Mir geht das so mit Celibidache: ich akzeptiere jeden, der ihn toll findet, absolut. Es muss auch etwas dran sein an dieser Verehrung. Aber mir erschließt sie sich nicht. Ich weiß auch, dass Furtwängler ihn sehr geschätzt hat. Ich besitze fünf CDs von Celibidache, von denen vier auch wirklich gut sind: aber das stammt alles aus den 40er und 50er Jahren. Seine späten Aufnahmen hingegen verstehe ich schlichtweg nicht. Ähnlich geht es Dir offenbar mit Furtwängler. Das ist völlig normal. Genauso, wie ich vielleicht eines Tages zu Celibidache finden werde, wirst Du vielleicht irgendwann auch die Magie Furtwänglers erfahren. So etwas kann von einer Minute zur anderen kommen. Und dann ist solch ein Titan urplötzlich einfach "da" in Deinem Leben. Und lässt Dich nicht wieder los.

  • Aber das was Furtwängler mit der 6. von Tschaikowski veranstaltete, wird in seiner ungenierten Sentimentalität nicht einmal von der späten Lennie Bernstein Aufnahme erreicht.
    Das ist pures Sacharin und meilenweit entfernt von dem, was wir heute gewohnt sind.
    Also Joseph: Kaufen!!
    OK: Mengelberg hat so etwas auch gemacht. Aber das war vor 70 Jahren!
    Wahrscheinlich rauchen beide im Musikerhimmel eine Zigarre und freuen sich über die Fans, die sie heute noch haben.
    Und daneben sitzt Markevitch und versteht die Welt nicht mehr.


    Gruß S.

  • Diese von mir vor vielleicht gerade mal einem Jahr erworbene Live-CD aus Stockholm vom 25. September 1950 scheint tatsächlich im CD-Format schon wieder vom Markt genommen worden zu sein - sie ist nur noch als MP3-Download verfügbar:

    Was mich mal wieder darin bestätigt, dass man als Sammler einfach alles, was bisher in der Sammlung noch nicht vorhanden ist, kaufen muss, sobald es auf den Markt kommt. Denn man weiß nie, ob man es jemals wieder in die Hände bekommt.


    Bei der Sinfonie Nr. 94 "mit dem Paukenschlag" von Haydn, die ich gerade höre, scheint mir Furtwänglers EMI-Studioversion mit demselben Orchester vom Januar 1951 eindeutig vorzugswürdig zu sein. Der Stockholmer Live-Mitschnitt wirkt irgendwie geflickschustert, als hätte man unterschiedliche Quellen zusammengefügt. Die Sinfonie beginnt im 1. Satz mit einem dumpfen Orchesterklang sowie einem "flatterigen" klanglichen Umfeld mit Knistern und einem gelegentlichen "Zischen" im Grundrauschen. Der Beginn des 2. Satzes hat dann plötzlich ein deutlich höheres Grundrauschen sowie merkwürdige Hintergrundgeräusche. Just beim "Paukenschlag" ändert sich das klangliche Umfeld wieder: das höhere Grundrauschen ist schlagartig verschwunden, dafür klingt es wieder dumpfer (so wie der 1. Satz). Es ist unüberhörbar, dass hier geschnitten wurde. Das Booklet schweigt sich hierzu aus; es fehlen jegliche liner notes. Zur Herkunft der Aufnahmen heißt es dort nur "Issued from the original sources - Best possible sound remastered with 24bit".


    Fazit: eine Anschaffung, welche angesichts des jämmerlichen Klangbildes der Aufnahme und der von mir oben beschriebenen Schnitte nur hartgesottene Furtwängler-Fans tätigen sollten. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum die CD vom Markt genommen wurde. Gleichwohl freue ich mich, die CD im Regal zu haben: eine andere Live-Aufnahme der Sinfonie Nr. 94 mit Furtwängler gibt es sonst nämlich nicht.
    Herzliche Grüße
    Euer Swjatoslaw

  • Das Label Archipel ist eh mit Vorsicht zu genießen. Ich greife zu diesem eigentlich nur mehr, wenn es die gesuchte Aufnahme wirklich nur bei Archipel gibt.


    Wie ist denn die 5. von Beethoven aus Stockholm? Da sie zwischen meinen favorisierten Furtwängler-Aufnahmen dieses Werkes von 1947 und 1954 liegt, wäre das interessant zu wissen, wie du sie beurteilst im Vergleich. Und: Ist die Klangqualität auch hier so bescheiden?


    LG
    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Wie ist denn die 5. von Beethoven aus Stockholm? Da sie zwischen meinen favorisierten Furtwängler-Aufnahmen dieses Werkes von 1947 und 1954 liegt, wäre das interessant zu wissen, wie du sie beurteilst im Vergleich. Und: Ist die Klangqualität auch hier so bescheiden?


    In diese beiden Werke habe ich noch gar nicht hineingehört - im Moment katalogisiere und bewerte ich gerade meine gesamten Haydn-Aufnahmen und höre dadurch (im Klassikbereich) eigentlich nur Haydn. Wenn Dich eine Fünfte von Beethoven mit Furtwängler aus den frühen 50er Jahren interessiert, kann ich aber vorbehaltlos die Aufnahme mit dem Orchestra Sinfonica di Roma della RAI (im Live-Mitschnitt aus Rom vom 10.1.1952) empfehlen

  • Welch ein guter Pianist Furtwängler war, war mir bisher hauptsächlich durch die Hugo Wolf-Lieder mit Elisabeth Schwarzkopf bekannt

    bei welchen Furtwängler am Flügel begleitet. Gestern habe ich mir allerdings seit längerem mal wieder das in dieser Box

    enthaltene Brandenburgische Konzert Nr. 5 von Bach angehört: mit Furtwängler nicht nur als Dirigent, sondern auch als Solist am Klavier (die beiden anderen Solisten sind Willi Boskovsky, Violine, und Josef Niedermayr, Flöte). Das ist wirklich hörenswert, was Furtwängler dort am Flügel leistet! Er hat einen wunderschönen Anschlag, holt herrlich die Nebenstimmen in der linken Hand heraus und macht die ausgedehnte Solokadenz des Klaviers im 1. Satz zu einem echten Ereignis. Selbstverständlich mit viel agogischer Freiheit, wie man es von ihm kennt.

  • Zitat

    Alfred (29.11.2004) Mein erster Gedanke war: Wer soll das kaufen? Mono? Aufnahmedatum frühe 50er Jahre? Niemand will sowas mehr.


    Ich habe auch lange so gedacht. Dabei hatte ich lange schon, bevor ich meine erste CD bekam, in den 60er jahren zwei LPs von Furtwängler in Mono, eine mit der Eroica und eine mit dem Schlusssatz der Neunten in der 1951er Aufnahme aus Bayreuth. Mittlerweile habe ich natürlich die ganze Neunte, die Vierte Bruckner, das Konzert für Orchester op. 38 und die Symphonie "Die Harmonie der Welt" von Hindemith und nun die erste Oper, übrigens auf Empfehlung in Tamino:

    Natürlich Fidelio, aber auch nicht, ohne nicht wenigstens die Hörbeispiele zu hören, und die haben mich überzeugt. heute Abend beginne ich nun mit dem Durchhören der ganzen Oper und werde mich hinterher dazu äußern.


    Liebe Grüße


    Willi ?(

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Wihelm Furtwängler starb am 30. November 1954 in Ebersteinburg bei Baden-Baden.


    Heute ist sein 60. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich kann schon verstehen, wenn heutige Hörer – grad Anfänger – Mono-Aufnahmen meiden. Daß seine Aufnahmen nur in Mono vorliegen, dafür kann Furtwängler freilich nichts.


    Neulich habe ich lange mit einem Netzgrafiker gesprochen, der keine 30 ist. Ein junger Mann, ganz dem Heute zugetan in seinen Ansichten und in seinem Erscheinen und Auftreten. Der fing plötzlich an, von Furtwängler zu schwärmen, wie dieser ihm Musik habe nahe bringen können. Er habe erst durch ihn verstanden, warum Musik so wichtig sei und sich mit der Zeit alle möglichen Furtwängler-Aufnahmen - vorzugsweise als LP - zugelegt. Ich füge diese Episode, die mich selbst auch sehr bewegt und gefreut hat, mit einem Bezug auf ein Zitat von Joseph II. gern an Willis Gedenken zum 60. Todestag von Furtwängler an.


    P.S. Übrigens finde ich es sehr gut, lieber Willi, Gedenktage in den Threads zu vermerken, die sich mit den betreffenden Persönlichkeiten beschäftigen. Dadurch besteht auch die Möglichkeit, Themen, die länger brach gelegen haben, neu zu beleben.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Das Alter hat seine Vorteile und so ist für mich das Gespenst Mono nicht ganz so furchterregend wie für die jüngere Generation, von dem einen oder andern Netzgraphiker mal abgesehen. Man ist ja damit aufgewachsen.


    Zum Gedenken werde ich mir heute Furtwänglers Tristan auflegen, an dem immer noch die anderen gemessen werden.
    Dazu trägt sicher auch die herrliche Stimme Kirsten Flagstads bei.

  • Auch ich höre natürlich Furtwängler - und das nicht nur an Gedenktagen. Neulich erst bin ich durch eine Sammlung von Aufnahmen der Sängerin Rita Streich wieder auf seinen Salzburger FREISCHÜTZ gekommen. Die Streich singt dort das Ännchen. Mein Gott, was für ein FREISCHÜTZ! Die dunklen, unheimlichen Streicher. Mono hin, Stereo her. Da ist mir wieder ganz klar geworden, dass sich Interpretation völlig unabhängig davon vollzieht. Was nützt mir eine Aufnahme des neuesten technischen Standards, wenn ich die Streicher nicht so hören kann wie bei Furtwängler?


    Ja, lieber hami, der TRISTAN ist auch für mich unerreicht. Auch dort die eindringlichen Streicher, vor allem im Vorspiel zum dritten Aufzug! Die Flagstad, ganz hohe Frau, verkörpert schon ein vollendet Maß an Gesang, auch wenn manches schon grenzwertig klingt und die beiden C's beim Zusammentreffen mit Tristan im zweiten Aufzug von der Schwarzkopf "geborgt" sind. Altes Gold hat auch Schrammen. Und mache antike Plastik ist vollendet, obwohl hier und da mal etwas fehlt. ;) Die Aufnahme steht ganz im Banne Furtwänglers. Sie ist und bleibt für mich ein Beispiel dafür, wie eine Studioproduktion zu einer neuen Kunstform geworden ist. Nicht Bühne, nicht Konzertsaal - sondern Studio! Der Versuch also, sich einem Ideal anzunähern. Natürlich muss dabei auch des Mannes im Hintergrund gedacht werden: Walter Legge.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Nachdem wir uns am 30. November an seinen 60. Todestag erinnert haben, möchte ich heute mit dieser CD, meiner Lieblingsaufnahme von ihm, daran erinnern, dass er am 25. Januar 1886 geboren wurde:



    Heute ist die 129. Wiederkehr seines Geburtstages.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • In der rororo-Beethoven-Biographie von Martin Geck (3. Auflage 2006) befindet sich auf Seite 97 folgender Seitentext:


    "In einer 1942 erstellten Statistik aller bis dahin von Wilhelm Furtwängler dirigierten Orchesterwerke lag Beethovens Fünfte mit 148 Aufführungen an der Spitze.
    Auf den weiteren Plätzen: Die Siebte (130-mal), Strauss' "Till Eulenspiegel" (120-mal), Brahms Erste (117-mal), Wagners "Meistersinger"-Vorspiel (116-mal). Die "Eroica" folgt mit 88 Aufführungen erst an sechster Stelle."

    Dazu möchte ich gerne drei Fragen in die Runde geben:


    1. Kennt jemand die vollständige Liste und ist sie komplett verfügbar?


    2. Gibt es eine Aktualisierung auf (End-) Stand bei Furtwänglers Tod 1954?


    3. Weiß jemand, wie oft Furtwängler Beethovens Zweite dirigiert hat?


    Danke für eure Antworten! :hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Gibt es in dem Buch eine Quelle für diese Liste/Statistik? (Denn woher sie auch stammen sollte, es käme mir seltsam vor, wenn jemand die bis 1942 geführt haben sollte, danach nicht mehr.) Mein vager Eindruck anhand der verfügbaren Einspielungen/Mitschnitte geht dahin, dass sich die Häufigkeiten auch 1942-54 nicht groß verschoben haben, vielleicht die Eroica ein wenig häufiger.)


    Bzgl. Beethovens 2. Sinfonie weiß ich nur, dass Furtwängler sie nicht besonders schätzte und wohl mit Abstand am seltensten dirigiert hat. Daher war EMI auf einen mittelmäßigen Mitschnitt angewiesen, um überhaupt einen kompletten Zyklus anbieten zu können.
    (Mir persönlich ist nahezu unverständlich, wie man den "Fortschritt" Beethovens 2. ggü. der 1. nicht sehen und insgesamt die 1. vorziehen kann, aber Furtwängler war anscheinend nicht der einzige, der das anders gesehen hat; ich kann mich zwar nicht erinnern, wo, aber ich habe mehrfach solche Aussagen gelesen.)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Lieber Johannes, danke für deine Antwort. Leider gibt es am Seitentext in der Geck-Biographie weder eine Anmerkungszahl noch eine Quellenangabe hinten im Anhang, deshalb fragte ich ja hier nach. Ich dachte, dass vielleicht der eine oder andere Furtwängler-Fan hier mehr dazu weiß.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber


    auf dieser website der französischen Furtwängler-Gesellschaft findest Du vier pdfs mit allen Konzertdaten bis 1954.


    Gruß
    lutgra

  • Wir warten dann gespannt auf deine Statistik für 1942-54 auf der Basis dieses Materials... ;)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)