Warum ist "klassische Musik" nicht "populär"

  • Das meint wohl die "echte" Volksmusik, gegen die ich nicht das Geringste habe. Das Unsägliche, das auch mehr Anhänger hat und durch den "Mutantenstadl" repräsentiert wird, ist wohl eher unter Schlager gelistet.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Das meint wohl die "echte" Volksmusik, gegen die ich nicht das Geringste habe. Das Unsägliche, das auch mehr Anhänger hat und durch den "Mutantenstadl" repräsentiert wird, ist wohl eher unter Schlager gelistet.

    Du hast Recht. Ich lag da total falsch. Gegen die "echte" Volksmusik ist natürlich nichts gegen zu sagen.


    Eigentlich auch nicht gegen den Schlager, ist zwar nicht mein Fall, aber Anhänger gibt es auch da viele.


    Nein, nein soll jeder wie er mag und was er mag :).

  • Ich fühle mich als Klassikliebhaber mit Blick auf die 2,2 % Umsatzanteil pudelwohl. Als Jazz-Liebhaber geht es mir, wenn ich den 1,5 % Anteil sehe, ebenso.


    ***


    Schlager mit 4 % Umsatzanteil ist tiefer als ich gedacht habe, wenn ich an die vielen Fernsehsendungen mit dieser Sparte denke, mit denen die GEZ Zahler bedacht werden.

    Humor und Geduld sind die beiden Kamele, mit denen man durch jede Wüste kommt.


    marokkanisches Sprichwort

  • Fragt sich, ob Andre Rieu, Vanessa Mae, Andrea Bocelli usw. hier bei den Umsatzzahlen unter "Klassik" mitgezählt werden oder unter "Sonstiges" laufen, sonst wären es wohl noch einiges weniger als 2,2 Prozent.


    Die U-Musik-Stile Schlager, volkstümliche Musik, Deutsch-Pop, Pop, sogar Elemente aus der Rockmusik und Sonstige (z.B. Ethno, Shanty ["Santiano"] verschmelzen seit Jahren immer mehr und sind eigentlich kaum noch trennscharf zu sortieren.

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • 2,2 % Klassik und 1,5% Jazz ... traurig, aber auch nicht hoffnungslos


    Früher war einiges anders. Ich erinnere mich, dass der Bildungsdruck es möglich machte, Pappkartons in Buchformat herauszugeben oder hinter ge-fake-ten Bücherwänden Bars zu haben :P. Auch kenne ich noch diverse Hifi-Karajans (einen müsste ich auch noch haben) mit Nachtmusiken und ungarischen Täzen, die überall rumstanden, auch, wenn die Leute nichts gehört haben (oder nur in Ausnahmefällen). Tempi passati, aber irgendwie auch "Gott sei Dank". Irgendwie ist es heute auch ehrlicher. Anstrenger für die Bildung, aber auch ehrlicher ....


    Ich finde das Ziel 2,5 für Klassik und 1,8 für Jazz erstrebenswert. Wenn es denn von Leuten gekauft wird, die sich wirklich für die Musik interessieren, ist etwas gewonnen.

    Da muss ich leider widersprechen, lieber astewes. Der "Bildungsdruck" früherer Zeiten führte wohl schon dazu, dass sich erheblich mehr Menschen wenigstens mit den Grundzügen - also, ich will sagen, den bekanntesten Basiswerken klassischer Musik vertraut gemacht hatten. Das heißt, diejenigen kannten dann nicht nur Beethovens Neunte und Dvoraks Neunte, sondern sie konnten rudimentär auch Kompositionsstile, Epochenstile unterscheiden. Erklang Dvoraks Neunte, dann war schon vielen grob klar, dass das nicht Mozart sein konnte. Aber mach' den Test mal mit Schülern eines aktuellen Abiturjahrgangs - uiuiuiui, wappne dich aber vorher gegen Nervenzusammenbrüche.

    Und dieses Plus an Leuten, die sich eben doch ein bisschen auskannten, führte sicher zu der einen oder anderen verkauften Platte/CD mehr und auch zu dem einen oder dem anderen Konzertbesuch, wenn man im Vorbeigehen auf der Litfaßsäule das Konzertplakat gelesen und festgestellt hatte, dass Smetanas "Moldau" oder Beethovens Fünfte auf dem Programm eines Konzertes standen. Dann entschied man sich hinzugehen. Und weil man bezahlt hatte, hörte man sich die zwei anderen Werke, die auch noch gegeben wurden, natürlich mit an. Und siehe da - diese eine Symphonie da von dem Schostakowitsch war gar nicht so übel. Und schon Horizont erweitert, nächste CD gekauft usw usw.


    Nein. Ich kann leider in dem "ehrlicheren" Zustand von heute keine nennenswerten Vorteile erkennen. Denn alleine schon das Geld der vielen Viertel- oder Halbinteressierten finanzierte Labels, Aufnahmeprojekte von Kenner-Sachen, finanzierte Orchester und Opernhäuser mit.


    Aus der Generation meiner Eltern (Jg. 1940, beide schon verstorben) kenne/kannte ich viele Leute, die eigentlich keine Klassikliebhaber waren (wie meine Eltern), die aber ohne Probleme Bachs Orgeltoccata BWV 565, Mozarts Kleine Nachtmusik, wenigstens das Eröffnungslied aus der "Winterreise", berühmte Stellen aus dem "Freischütz" oder der "Zauberflöte" usw usw. kannten und die Melodien vor sich hin summen konnten. Das heißt eben auch, dass all diesen Leuten irgendwie klar war, dass "Hochkultur" ihren Platz haben muss (und auch selbstverständlich aus Steuermitteln zu finanzieren bzw. zu subventionieren sei). Hinsichtlich dieses Finanzierungsgrundkonsenes habe ich für die Zukunft berechtigte Zweifel. Denn wer etwas gar nicht kennt, weiß es auch gar nicht zu schätzen.


    Grüße

    Garaguly

  • Da muss ich leider widersprechen, lieber astewes. Der "Bildungsdruck" früherer Zeiten führte wohl schon dazu, dass sich erheblich mehr Menschen wenigstens mit den Grundzügen - also, ich will sagen, den bekanntesten Basiswerken klassischer Musik vertraut gemacht hatten. Das heißt, diejenigen kannten dann nicht nur Beethovens Neunte und Dvoraks Neunte, sondern sie konnten rudimentär auch Kompositionsstile, Epochenstile unterscheiden.

    Lieber Garaguly , immer, wenn man versucht, etwas pointiert zu sagen, gibt es an Stellen Tote, wo man es eigentlich nicht möchte.....


    Ich sage ein klares und unzweideutiges Jein!


    Meine Mutter, ich zähle sie einmal zu den musikalisch und literarisch weniger Interessierten, hatte noch vor dem Krieg (aber auch während des Krieges) Elly Ney und ihren Beethoven Kulturzauber erlebt und war stolz darauf, Schillers Glocke in der Schule auswendig gelernt zu haben. Also ja, auch, wenn der entstandene Bildungsgenuss mir zweifelhaft erscheinen mag, eine gewisse Hochachtung vor der Kultur und Bereitschaft, sich damit lernend auseinanderzusetzen war da. Sie hatte auch, allerdings direkt nach dem Krieg, Musils Mann ohne Eigenschaften gelesen .... Die Bildung hatte es damals leichter ..... Ich meine im Forum an bestimmten Stellen gelesen zu haben, dass die Entstehung des sogenannten Bildungsbürgertums durchaus auch politische Aspekte hatte.


    Flott und verkürzend formuliert (und sicher nicht wieder ohne Vereinfachung...) war die Macht kultureller Bildung politisch begründet. Daher auch die Notwendigkeit dieser Bildung, wenn man etwas darstellen wollte. Diese Zwänge scheinen jetzt weg zu sein.


    Ich hatte dazu leicht tippfehlerbehaftet geschrieben ...

    rgendwie ist es heute auch ehrlicher. Anstrenger für die Bildung, aber auch ehrlicher ....

    worauf Du antwortetest:


    Nein. Ich kann leider in dem "ehrlicheren" Zustand von heute keine nennenswerten Vorteile erkennen. Denn alleine schon das Geld der vielen Viertel- oder Halbinteressierten finanzierte Labels, Aufnahmeprojekte von Kenner-Sachen, finanzierte Orchester und Opernhäuser mit.


    Das ist tatsächlich kompliziert. Bildung ist kein Selbstläufer mehr. Kultur muss sich beweisen, d.h. in meinen Augen gelebt werden. Das ist natürlich schwieriger., als einfach wie selbstverständlich auf den Wert referenzieren zu können, ohne näher begründen zu müssen. Aber die Zeiten sind so und werden sich nicht mehr ändern lassen. So ging es der Kirche, als Galilei sagte, dass die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt sei. Schwierig, aber soweit ich weiß, haben die irgendwann nachgegeben. Leider hat Galilei nicht mehr davon profitiert.


    Ich sehe darin aber auch eine Chance. Der SWR hat so einen netten Werbespruch "Kultur neu denken". Genau das ist es doch! Was war nochmal das Tolle an Mozarts g-Moll Sinfonie (der 25. :)). Ich finde das spannender als die (bl.) Glocke auswendig zu lernen (Schiller war als Dramatiker besser, denn als Lyriker :untertauch:) Allerdings sehe ich in der Schule eine wichtige Aufgabe der Vermittlung, die sie leider nicht mehr erfüllt oder erfüllen kann. Da komme ich ins Grübeln.


    Ihr schimpft alle über den Klassik-Freak Hurwitz, dass er so einen oberflächlichen Kanal mit Pseudowahrheiten füllt. Das mag ja alles sein, ich sehe aber, dass er Leute damit beschäftigt, über klassische Musik überhaupt nachzudenken. Jeder, den die These "Liszt is Trash" überhaupt berührt, greift zu Liszt, sofern er ihn irgendwo hat, oder kauft einen und hört noch einmal hin. Das ist wichtig und die Aussage als solche, die hier schon mehrfach durchaus korrekt bezweifelt wurde, ist von der Bedeutung her zweitrangig. Es ist angewandte Rhetorik! Da wo Schule und Elternhaus offensichtlich zu versagen scheinen, taucht ein Hurwitz auf ....


    Hinsichtlich dieses Finanzierungsgrundkonsenes habe ich für die Zukunft berechtigte Zweifel. Denn wer etwas gar nicht kennt, weiß es auch gar nicht zu schätzen.

    Das Finanzierungthema ist ein anderes. Da muss ich nochmal gesondert nachdenken um pointierte "Halbwahrheiten" sagen zu können.....:)

  • Ich bin immer ein wenig amüsiert, wenn über Bildung und Klassik hier diskutiert wird., auch über Schlager und Volksmusik, besonders über richtige Volksmusik (!). Natürlich fühlen wir uns als Klassikfreaks pudelwohl, ich auch.

    Aber eine ketzerische Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen.

    Für die meisten hier beginnt Klassik gerade mal, wenn überhaupt, mit Bach, wobei Karajan und Karl Richter sogar noch zu späten Ehren kommen. Und Michael Haydn, Joachim Schraff:pfeif: und Franz Klecker von Kleckersdorf:untertauch: haben hier eigene Themen. Ich denke schon, dass es auch sehr gute Komponisten aus der zweiten Reihe nach Bach gab, aber das auf Kosten der Komponisten aus der ersten Reihe vor Bach. Ich möchte hier nicht einzelne Taminos kritisieren, denn jeder hat da seine eigene Sozialisation. Aber reicht das für ein Klassikforum mit unserem Anspruch?:stumm:


    Nachtrag: In Beitrag #46 vom Jahresplan 2022, immerhin vom obersten Chef, ist von diesder Epoche auch schon nicht mehr die Rede, sondern dadurch, dass neue Mitglieder die sog. "Klassik" stärken sollen.

    Don´t listen to the engine! (Ratschlag von Medizinern, Technikern und Musikern)

  • Ein Rock 'n Roll Zugang zur Klassik. Mit Sol Gabetta bei ihrem neuen Lugano Festval Presenza.



    https://www.br-klassik.de/prog…estival-presenza-100.html

    Martha Argerich war jahrelang Gast in Lugano zusammen mit jungen Musikern, bis man aus mir unerfindlichen Gründen diesem jährlich stattfindenden Festival den Geldhahn zudrehte. Ein grosser Fehler.


    Da hat wohl der Tourismusverein erkannt, dass man wieder etwas auf die Beine stellen muss. Mit Kultur kann man nämlich richtig viel Kohle scheffeln und Renommee erzielen.


    Schön, dass wieder etwas für klassische Musik in Lugano getan wird.

    Humor und Geduld sind die beiden Kamele, mit denen man durch jede Wüste kommt.


    marokkanisches Sprichwort

  • Für mich ist die von Klassikfan verlinkte Übersicht über Musikverkäufe und Erlöse aus dem Streaming nicht gleichgzusetzen mit einer Aussage über den Musikgeschmack und die Hörgewohnheiten ganz allgemein. Die Quellen, aus denen Menschen ihre Musik beziehen, sind derzeit vielseitiger denn ja. Kaufte ich zehn Klassik-CD's, die vielleicht mehr oder weniger als fünfzig Euro kosten, kann ich davon um die zwölf Stunden Musik konsumieren. Gönne ich mir aber für monatlich 9.99 Euro einen werbungsfreien Zugang bei Spotity, ist mir garantiert, ununternbrochen Musik unterschiedlichster Richtung hören zu können. Nicht zu reden von anderen Diensten. Ich glaube, dass der Umsatz allein nicht viel sagt.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Für die meisten hier beginnt Klassik gerade mal, wenn überhaupt, mit Bach, wobei Karajan und Karl Richter sogar noch zu späten Ehren kommen. Und Michael Haydn, Joachim Schraff :pfeif: und Franz Klecker von Kleckersdorf :untertauch: haben hier eigene Themen. Ich denke schon, dass es auch sehr gute Komponisten aus der zweiten Reihe nach Bach gab, aber das auf Kosten der Komponisten aus der ersten Reihe vor Bach. Ich möchte hier nicht einzelne Taminos kritisieren, denn jeder hat da seine eigene Sozialisation. Aber reicht das für ein Klassikforum mit unserem Anspruch?

    Ich sage immer, lieber Dr. Pingel, machen!!! ^^ Eine Idee wäre ein Thread mit CD-Empfehlungen selten gehörter Komponisten. Oft sind es die Interpreten, die einen auf das abseitige Repertoire bringen. Das berühmteste Beispiel ist Horowitz und D. Scarlatti - ohne ihn würde diese wunderbaren Sonaten Niemand kennen! Krommer würde mir auch nichts sagen, wenn ich nicht eine CD von Vaclav Neumann gekauft hätte. Zuletzt habe ich Robert Stark entdeckt. Der Komponist war mir völlig unbekannt - jeder Berufs-Klarinettist kennt ihn aber. Ohne Dimitri Ashkenazy wäre er mir unbekannt geblieben. Das sind wunderschöne Konzerte!


    Ich habe ich ja schon gewundert, dass die Moderatorin des Kulturmagazins Aspekte so ein populäres Stück wie Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" völlig unbekannt war! Jeden Mist aus dem Pop-Bereich kennt sie natürlich! :D


    Schöne Grüße

    Holger

  • Nachtrag: In Beitrag #46 vom Jahresplan 2022, immerhin vom obersten Chef, ist von diesder Epoche auch schon nicht mehr die Rede, sondern dadurch, dass neue Mitglieder die sog. "Klassik" stärken sollen.

    Dieser Vorwurf trifft mich nicht wirklich. Von meiner Seite wurden Anstrengungen unernommen, alte und frühe Musik zu unterstützen, aber die Anhänger alter Musi sind eben ein wenig schrullig, eigenartig und introvertiert. Sie waren seit dem Weggang von Tamino im eigenen Forum aktiv, aber als die ersten technischen Schwierigkeiten auftauchten ware sie weder in der Lage noch Willens Schritte zu setzen, das Forum am Leben zu erhalten. Es machte auch kein einziger davon den Versuch zurückzukehren.

    Auch nicht als ich vor etwa 2 oder 3 Jahren begann das Thema Alte Musik vorsichtig fortzuführen und auszubauen.

    (siehe: "die Protagonisten der alten Musik"- Am 14. Dezember 2006 hat das Exmitglied "salisburgensis" - das Pseudonym bezieht sich auf Bibers "Missa salisburgensis" - Den ersten Thread dieser Serie geschrieben und zwei weitere bis 23. Dezember 2007.

    Der nächste Beitrag (IV) folgte nach langer Pause - bereits von mir - am 8. Dezember 2009. Im Jahre 2011 waren wir beim 7. Thread angekommen. Die Resonanz war gering - und ich zog mich zurück, weil andere Bereich eben dankbarer waren.

    Warum auch immer - 2020 setzte ich die Serie fort. Inszwischen hatten einige andere Mitglieder (m-muelle, Gombert) einzelne Threeads erstellt, zuletzt hat moderato einige erstellt. Das verzeichnis listet 27 !! Thread, zwei weitere wurde noch nicht eingetragen. De facto gibt es also 29 Threads über Interpreten alter Musik (bis Frühjahr 2021), aber natürlich gibt was noch anderes. "jospeh II" hat einen verdienstvollen Threead über die Minnesänger gestartet, moderato weitere Eintelbeiträge zum Thema verfasst. Die Beteiligung signalisiert ein gewisses Mitinteresse, das ich lediglich unbeteiltg zur Kenntnis nehme.

    Zum Threadtitel und meine Einstellung dazu:

    Wenn an klassischer Musik dereins kein Interesse besteht, dann wird sie eben sterben - unbetrauert und lautlos.

    Das ist genauso wie die "Schreibverweigerung" im Klassiforum, die von mieselsüchtigen verbitterten Typen oft als "Strafe fürs Forum (oder für MICH :jubel:) bezeichnet wird. Das Gegenteil ist der Fall. Man bringt sich nur selbst um ein Vergnügen. Und wenn es keines mehr war ? - dann war das sowieso der richtige Weg. Mich erinnert das an die Studenten die "streiken" - Kein Problem, dann bekommen sie in Zukunft eben keinen gut bezahlten Posten, sondern dürfen im Supermarkt Waren in Regale schlichten oder von der Sozialhilfe leben - wenn es dann überhaupt noch sowas gibt.......


    Alte Musik wird - wie es aussieht - NIEMALS eine breite Hörerschaft begeistern - also wird man unter sich bleiben - oder allerin bleiben.

    Bis sie ausstirbt....


    Eine Idee wäre ein Thread mit CD-Empfehlungen selten gehörter Komponisten. Oft sind es die Interpreten, die einen auf das abseitige Repertoire bringen.

    Aber bitteschön: Das Forum ist nicht nur voll davon, es quillt geradezu über.

    Nur lesen muß man es selber......


    mfg aus Wien

    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Ich sage immer, lieber Dr. Pingel, machen!!! ^^

    Ich mache ja durchaus, wenn auch an einsamer Front. In meinem Schreibtisch gibt es die Rubriken "Mille regretz oder der Trost der Polyphonie", "Dr. Pingel´s Chorbuch", "Hörbar" und "Sagittarius". Hier scheint die niemand zu kennen, allerdings sind die Zugriffe durch Besucher ansehnlich. Ansonsten kann ich Alfred gut verstehen, ich habe immer registriert, dass er versucht hat, dieses Terrain mit Leben zu erfüllen, aber meist ohne Resonanz geblieben ist. Es ist wahr, alte threads waren da ergiebiger. Ich lese manchmal alte Themen vom "Lullisten", auch Gombert und bachiania vermisse ich. Gombert war unverzichtbar, weil er die Alte Musik auch als Musikwissenschaftler bearbeitet hat.

    Was ich im Moment mit Interesse beobachte, ist das Phänomen, dass sich die Alte Musik von der Interpretenseite gerade wandelt. Die guten alten Ensembles sind in die Jahre gekommen. Tallis Scholars, The16, Huelgas Ensemble, Weser-Renaissance, Hilliard, Oxford Camerata, auch die Ensembles von Herreweghe und Gardiner sind noch da, aber nicht mehr so präsent, was auch daran liegt, dass diese Dirigenten sich mehr dem klassischen Repertoire widmen. Neue Ensembles haben sich gebildet. Ich finde jede Woche neue, großartige Ensembles bei YouTube, nachzusehen in meinem Schreibtisch. Vox Luminis, Gli Angeli Genève, Apollo`s Fire, Voces8 sind nur einige. Vor 10 Jahren hatte ich noch eine gewisse Übersicht über die guten Ensembles, das ist heute nicht mehr möglich, vor allem, da viele Länder außerhalb Englands dazugekommen sind. Wenn man sie sieht, eine relativ kleine Gruppe, in der jeder alles singt, auch die Soli; dazu die Instrumentalisten mit den wunderbaren alten Instrumenten,

    dann weiß man, dass einen ein tolles Konzert erwartet. Von Vox Luminis werde ich bald das Bachsche Magnificat einstellen, es aber nicht (!) mit der Karajanschen Aufnahme vergleichen. Einer der Gründe für diese Ensembles scheint mir in der kompetenten Ausbildung des Sängernachwuchses zu liegen, wobei die Soprane führend sind. Es sind meist junge Frauen mit einer tollen, schlackenlosen Stimme, brillanten Höhe.... Einer der Gründe liegt sicher darin, dass an den Opernhäusern für diese Sänger keine Stellen frei sind. Vor allem werden ja auch Soprane für die großen, schweren, dramatischen Rollen gebraucht.


    Ich möchte noch eine kleine Pingelsche Sottise anfügen, die vor langer Zeit entstanden ist und die auf vielen Konzert- und Opernbesuchen basiert.

    "Gehst du in eine Oper, ein Konzert oder ein Kirchenkonzert, bei denen du von den Sängern noch nie etwas gehört hast, so werden dich die Soprane immer in Erstaunen versetzen, die Altistinnen sind sehr gut oder mittelmäßig, was auch für die Bässe gilt. Die meisten Bässe singen eher Bariton; in meinem ersten Vokalensemble waren wir glücklich, zwei richtig schwarze Bässe zu haben. Die Tenöre kann man so gut wie immer nur ertragen."

    Don´t listen to the engine! (Ratschlag von Medizinern, Technikern und Musikern)

  • Ich mache ja durchaus, wenn auch an einsamer Front. In meinem Schreibtisch gibt es die Rubriken "Mille regretz oder der Trost der Polyphonie", "Dr. Pingel´s Chorbuch", "Hörbar" und "Sagittarius". Hier scheint die niemand zu kennen, allerdings sind die Zugriffe durch Besucher ansehnlich.

    Das gefällt mir auch sehr und ich lese das gerne! :) Trotzdem könnte man ja z.B. so einen Empfehlungs-Thread machen mit herausragenden Aufnahmen des Repertoires abseits des Mainstreams, die Geschmack auf "mehr" machen quer durch die musikgeschichtlichen Epochen.... :hello:

  • Das gefällt mir auch sehr und ich lese das gerne! :) Trotzdem könnte man ja z.B. so einen Empfehlungs-Thread machen mit herausragenden Aufnahmen des Repertoires abseits des Mainstreams, die Geschmack auf "mehr" machen quer durch die musikgeschichtlichen Epochen.... :hello:

    Danke für deine Resonanz.:angel: Deinen Vorschlag habe ich nicht so ganz verstanden. Vor allem brauchte man jemanden, der eine gute Marktübersicht über diese Materie hat. Davon kann bei mir keine Rede sein. Ich liebe auch mehr das Herumsurfen bei YouTube, weil es dabei immer Überraschungen gibt, auch unliebsame, wie gestern (Thomaner mit Schütz).

    Don´t listen to the engine! (Ratschlag von Medizinern, Technikern und Musikern)

  • Danke für deine Resonanz. :angel: Deinen Vorschlag habe ich nicht so ganz verstanden. Vor allem brauchte man jemanden, der eine gute Marktübersicht über diese Materie hat. Davon kann bei mir keine Rede sein. Ich liebe auch mehr das Herumsurfen bei YouTube, weil es dabei immer Überraschungen gibt, auch unliebsame, wie gestern (Thomaner mit Schütz).

    Ich meinte jetzt nicht, das so "systematisch-wissenschaftlich" zu machen, sondern persönliche Vorlieben zu nehmen. :) :hello:

  • Wenn man sich in der Renaissance-Musik und vorher nicht so auskennt und gerne von guten Interpreten geleitet wird beim kennenlernen "neuer" Komponisten abseits von Josquin, Palestrina und co., dann empfehle ich das Huelgas-Ensemble, obwohl ich nicht der Meinung bin, dass Agricola oder Brumel "Exoten" wären, aber wenn man sich in Renaissance-Musik nicht auskennt, mag es ja so scheinen.

  • Es gibt ein neues Album von David Garrett



    BTW wurde die lieferbare Scheibe bei mir erst angezeigt, als ich "auch nicht lieferbare Artikel anzeigen" angeklickt habe :/


    Soll man sich über die Popularität dieser Platte nun freuen oder zum Fenster herausspringen? Ich weiß es nicht. Diese Musik erzeugt bei mir einen nicht unerheblichen Brechreiz. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das bei mir als Kind auch so gewesen wäre ...


    Selbstverständlich findet sich diese Platte eher in Häusern, wo es nicht allzu ambitionierte Klassikliebhaber gibt. Insofern könnte sie aber ein großer Multiplikator sein. Wenn ich mir nun vorstelle, mir hätte dieser verunstaltete Debussy als Kind gefallen und ich wäre über diesen Weg zu Debussy gekommen ... Man sieht: Alles Schlechte könnte auch sein Gutes haben :)


    Vielleicht macht sie die Klassik ja wirklich ein wenig populärer ....:/:rolleyes:

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  • Ich habe in die Hörbeispiele hineingehört,


    das ist ja unsäglich seicht, schmachtend - gruselig. Schade - er kann ja eigentlich was. Geld regiert die Welt ( siehe Fussball .... )

    Aber zu meiner Schande muss ich zugeben, als Student fand ich Waldo de los Rios toll - heute könnte ich das nicht mehr hören - igitt - man lernt dazu. Vielleicht hat astewes ja Recht.


    Kalli

  • David Garrett war und ist Spieler bedeutender Instrumente. Die Wikipedia Seite klärt uns auf.


    Im Alter von 13 Jahren wurde ihm von der Aachener Talbot-Stiftung für mehrere Jahre eine von Antonio Stradivari gefertigte Violine zur Verfügung gestellt, die San Lorenzo von 1718. Seit 2003 besitzt er eine Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahre 1772 (diese wurde im Jahre 2008 bei einem Sturz schwer beschädigt). Seit 2010 spielt er wieder eine Stradivari (zur Verfügung gestellt vom anonym bleibenden Eigentümer): die Ex A. Busch von 1716, die von 1913 bis 1933 im Besitz des Violinisten Adolf Busch war. 2022 spielt Garrett die Violine Prince Doria des italienischen Geigenbauers Guarneri del Gesù aus dem Jahre 1733/34 im Wert von zwölf Millionen Euro als Leihgabe eines Museums der italienischen Stadt Cremona.


    Er hat aber auch echt viel Kohle verdient, denn:


    Im September 2022 ersteigerte Garrett für 3,5 Millionen Euro eine Geige Guarneri del Gesùs aus dem Jahre 1736 bei einem Pariser Auktionshaus.


    Solche Geigen sind auch eine Geldanlage. Der Vater von David Garrett, Georg Paul Bongartz, ist Geigenauktionators.


    Viel Geld für viel Kitsch, wenn ich das instrument in den Bearbeitungen in den Hörschnipseln der neuesten Produktion höre. Ob man der Klassik zu mehr Renommee und Beachtung verhilft? Wer Crossover liebt, sicher. Bei mir als Klassik-Liebhaber eher nicht.


    David Garrett ist Schüler wichtiger Lehrer. Er wurde von Zakhar Bron unterrichtet. Ab 1992 war er Schüler von Ida Haendel. Ein weiterer Lehrer von Garrett war Saschko Gawriloff. An der Juilliard School wurde unter anderm von Itzhak Perlman unterrichtet. Er beherrscht sein Instrument.


    Auf Arte Mediathek ist eine 53minütige Doku abrufbar.


    https://www.arte.tv/de/videos/…rett-ein-weltstar-privat/

    Humor und Geduld sind die beiden Kamele, mit denen man durch jede Wüste kommt.


    marokkanisches Sprichwort

  • Vielleicht macht sie die Klassik ja wirklich ein wenig populärer ....:/:rolleyes:

    Ich habe jetzt ein wenig in die Hörbeispiele hineingehört. Das Problem ist dass hier die Klassik auf ähnliche Längen der Popularmusik (3 bis 4 Minuten) und Melodien reduziert wird. Dazu wurde die ursprüngliche Instrumentierung durch neue Arrangements (mit etwa Gitarrenbegleitung) ersetzt und vorwiegend Stücke mit langsamen Tempi gewählt (was Kalli zu Recht als seicht, schmachtend bezeichnet). Das was beispielsweise mich an der Klassik fasziniert wird damit vollkommen außen vor gelassen, nämlich sich bei mehrsätzigen Werken (oder auch längeren Einzelstücken) einer vielschichtigen emotionalen Geschichte mit eventuell größeren Spannungsbögen, auf jeden Fall aber verschiedensten emotionalen sich ändernden Stimmungen und mitunter einfallenden Kontrasten hinzugeben (mal jetzt die detaillierten Rafinessen in der Ausarbeitung ganz beseite gelassen) Ich sehe somit nicht die eigentliche Stärke der Klassik damit repräsentiert...ohne leugnen zu wollen dass es hier auch großartige Melodien gibt, was ich aber weniger als Alleinstellungsmerkmal herausstreichen würde. Die Frage die sich dann stellen würde, ob ein Mensch der bislang nicht viel mit Klassik anfangen konnte, sich dadurch animiert fühlt etwa eine komplette Beethoven oder Mahlersinfonie, das Violinkonzert von Brahms oder selbst nur die kompletten vier Jahreszeiten von Vivaldi anzuhören? Es wäre interessant darüber einmal Studien durchzuführen, oder kennt schon jemand so eine? Gab es solche Effekte beispielsweise bei Rondo Veneziano (in Zusammenhang mit Vivaldi und Bach)?


    Ich glaube zum. nicht dass diese konkrete Veröffentlichung jüngere, sondern eher ältere Generationen ansprechen wird, denn die durchwegs langsamen Stücke, mit plattgedrückter Dynamik und soweit ich das rausgehört habe ohne irgendein Schlagzeug wird die DJ soundso, Katy Perry, Beyonce...und wie sie alle heißen-Hörer (selbst Helene Fischer) nicht sonderlich in Begeisterungsstürme versetzen. Es ist halt wie so oft, die Macht der Gewohnheit ist in vielen Bereichen des Lebens sehr schwer zu durchbrechen und nur unter gewissen Umständen möglich. Ich denke die Begeisterung für Klassik kann viel besser in der Kindheit im Elternhaus oder über mitreißenden Unterricht erfolgen, später wird die jahrzehntelange Gewohnheit und Prägung sehr schwer zum. erweitert bzw. ergänzt werden können.


    gut eigentlich wollte ich hier dazu nichts schreiben und hab mich jetzt dazu doch hinreißen lassen. :D Soll eine Ausnahme bleiben. ;)

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Es wäre interessant darüber einmal Studien durchzuführen, oder kennt schon jemand so eine? Gab es solche Effekte beispielsweise bei Rondo Veneziano (in Zusammenhang mit Vivaldi und Bach)?

    Rondo Veneziano hat seinerzeit Eigenkompositionen des Gründers und Leiters Gianpiero Reverberi gespielt. An Klassik haben die sich in ihrer Blütezeit nicht rangemacht. Schon klar, die waren im Stil der Barockmusik nachempfunden, verstärkt durch E-Bass und Schlagzeug. Ich habe die Gruppe sehr gemocht. Das war intelligente Unterhaltungsmusik im besten Sinne des Wortes. Irgendwann kippte das Ganze und wurde nur noch süßlich-kitschig. So ein Projekt lässt sich wohl nicht bis zum Sanktnimmerleinstag fortschreiben.


    David Garret hat wohl seine Nische gefunden. Die Konzerte sind gut besucht, meist muss er Zusatztermine geben, das Merchandising läuft und handwerklich kann er was. Musikalisch ist das eine andere Sache. Gelegentlich tritt er mit Klassikabenden auf, spielt erst das Bruch- dann das Brahmskonzert. Der musikalische Ertrag ist mäßig und past zu den oberflächlichen Hintergrundinformationen seiner Anmoderation zu den Werken. Als Teenager hat er eine Platte für die DGG aufgenommen, auf der er auch die Teufelstriller-Sonate spielt. Im Zuge seines großen Publikumserfolges hat die DG die Platte Jahre später veröffentlicht. Das hätte sie besser gelassen. Fehlerfrei spielen ist nicht alles.


    Für mich ist das nichts, aber der größte Graus auf dem Gebiet ist ja wohl André Rieu jr. Gegen dieses kitschsüßigkeitstriefende Albtraumorchester ist "Träum was Schönes" von James Last eine intellektuelle Offenbarung. Wenn er sich wenigstens auf Strauß-Walzer beschränken würde. Oder es mit der Titelmelodie der Brunetti-Filme hätte bewenden lassen. Aber nein, er muss auch noch Beethoven schänden und vergewaltigen. Aber auch da Full House. Was sagt uns das über den Musikgeschmack der Menschen? So ein bisschen Klassik geht durchaus, wenn's einen nette Melodie gibt. Also von Tschaikowskis b-moll Konzert die Introduktion. Bruchs VK der zweite Satz, Elise darf nicht fehlten, die kleine Nachtmusik auch nicht. Es ist der Weg des geringsten Widerstandes, das Betthupferl, die schöne kleine Melodie jenseits des Mainstreams, die behaglich einkuschelt oder Vergnügen macht. In der Operette "Himmelblaue Träume" wird's in einem reizenden Duett auf den Punkt gebracht: "Jedes kleine Mädel hat eine kleine Lieblingsmelodie".


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Rondo Veneziano hat seinerzeit Eigenkompositionen des Gründers und Leiters Gianpiero Reverberi gespielt. An Klassik haben die sich in ihrer Blütezeit nicht rangemacht.

    Ich weiß nicht was Blütezeit hier bedeutet, da ich die nie verfolgt habe, aber ich weiß zum. dass sie so Art Medleys in ihrem üblichen Stil von Vivaldi, Bach und sogar Mozart gemacht haben, etwa:


    Rondo Veneziano - Mozart


    und deswegen dachte ich dass evtl. denen ihre Fans das auch inspiriert haben könnte. Ich habe übrigens Garrett nicht als Gesamtkonzept und Künstler bewertet, das bezog sich nur auf diese Veröffentlichung. Dem letzten Absatz kann ich uneingeschränkt zustimmen und ist auch das was ich mit der Reduzierung von Klassik meinte, man baut so viel an Substanz ab dass nur noch ein Skelett davon übrig bleibt, in solchen Fällen halt eine eingängige Melodie. Es wäre schon bedauerlich, wenn die Klassik nur auf diese reduziert werden würde. Im Grunde genommen wird sie in das Korsett von "Easy Listening" (auch bei Rieu) hineingezwängt, man kann also nicht wirklich davon sprechen dass solche Leute mit Klassik tatsächlich in Berührung kommen, sicher noch am ehesten bei Rondo Veneziano wenn auch da ziemlich abgeflacht (siehe Beispiel).


    :hello:

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Der jpc Katalog birgt noch eine weitere schmalztriefende Scheibe ....



    Gautier Capuçon ist eigentlich ein ernstzunehmender Cellist, der hier IMO einen kleinen Schritt in die Geschmacklosigkeit tut .... Diese Wege zu beschreiten, scheint doch erfolgsversprechend zu sein. Ob es nun Klassik populärer macht, da bin ich skeptisch. Es gilt nämlich die Erkenntnis des Kollegen âme


    Das Problem ist dass hier die Klassik auf ähnliche Längen der Popularmusik (3 bis 4 Minuten) und Melodien reduziert wird. Dazu wurde die ursprüngliche Instrumentierung durch neue Arrangements (mit etwa Gitarrenbegleitung) ersetzt und vorwiegend Stücke mit langsamen Tempi gewählt (was Kalli zu Recht als seicht, schmachtend bezeichnet). Das was beispielsweise mich an der Klassik fasziniert wird damit vollkommen außen vor gelassen, nämlich sich bei mehrsätzigen Werken (oder auch längeren Einzelstücken) einer vielschichtigen emotionalen Geschichte mit eventuell größeren Spannungsbögen,


    Ja, die wunderbaren Längen der Klassik kommen definitiv zu kurz!


    Hier noch zum 'reinhören



    Allerdings finde ich Gautiers Arrangements ein bisschen höherwertig, als das von Garrett akustisch Zusammengestoppelte, aber nicht wirklich gut.


    Hier mit einem Schlager aus der Klassik.


  • Für mich ist das nichts, aber der größte Graus auf dem Gebiet ist ja wohl André Rieu jr. Gegen dieses kitschsüßigkeitstriefende Albtraumorchester ist "Träum was Schönes" von James Last eine intellektuelle Offenbarung. Wenn er sich wenigstens auf Strauß-Walzer beschränken würde. Oder es mit der Titelmelodie der Brunetti-Filme hätte bewenden lassen. Aber nein, er muss auch noch Beethoven schänden und vergewaltigen.


    Hier gibt es etwas zum Nachdenken ....



    und hier



    hat irgendetwas davon mit Klassik oder Beethoven zu tun? Übrigens scheinen beide Aufführungen die Menschen zu bewegen ...

  • Eben!


    Ich habe heute den Katalog von jpc hereingeholt. Da ist er auf Seite 1 der Klassik: "David Garrett würgt das goldene Zeitalter der Geigenkunst"

    Ich habe mal den Satz verbessert.

    Ihr habt Paul Potts und Andrea Bocelli vergessen (der, nach einer anonymen Aussage, nicht nur blind, sondern auch taub ist).

    Don´t listen to the engine! (Ratschlag von Medizinern, Technikern und Musikern)

  • Hier gibt es etwas zum Nachdenken ....

    Beispiel 2 gefällt mir deutlich besser als der Schund aus Nr.1. Der mir bekannt war, da meine hochbetagte Schwiegermutter André Rieu gerne hört. Wie gesagt, mit den Walzern liefert er ja ganz nette Auftritte ab, aber diese Beethoven-Schändung mit eingespielten Tränenpornos aus der Zuschauerriege halte ich für ein ganz übles Machwerk. Da ich ja niemanden verletzen möchte hatte ich bei der Ausstrahlung einen glaubhaften Grund gefunden, den Raum zu verlassen. Und das hat nichts mit dem Geschmack meiner lieben Schwiegermutter zu tun, sondern mit dem Betrug durch die Sendung. Solche Sendungen sind ein Beispiel für die Unkultur der extrem gescripteten TV-Shows, und ich fürchte oder unterstelle, das Rieu auf dieser Klaviatur ebsno virtuos spielt wie sein Landsmann Rudi Carell, dem sein Vater auf den Unterhaltungsweg mitgab: "Bringe die Leute am Abend euinmal zum Lachen und einmal zum Weinen." Was also ist die Botschaft? Beethoven und seine Musik gewiss nicht. Oder vielleicht doch? Vielleicht bewegt in diesen Zeiten Schillers Text von der Freude, dem schönen Götterfunken. Vielleicht sind die Leute nach all dem musikalischen Tinnef, mit dem das Bewusstsein des modernen Menschen heute ubiquitär geflutet wird, von der Schönheit der Beethovenschen Melodie berührt und bewegt (siehe etwa der Flashmob in Beispiel 2). Ganz sicher aber geht es um die Marke André Rieu. "Schaut her, ich bin's, ich erwecke Beethoven dergestalt zum Leben, dass man im Publikum zu Tränen gerührt wird." Es ist, so glaube ich, die Verlogenheit der Inszenierung, die mir bei diesen Bildern übel werden lässt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

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