Mathieu Ahlersmeyer - Ein deutscher Bariton aus Kriegstagen

  • Wenn man den heutigen Klassikhörer nach berühmten Baritonen fragt, wird der Name Mathieu Ahlersmeyer (1896-1979) höchstwahrscheinlich nicht fallen. Dieser Umstand dürfte aber nicht an mangelndem stimmlichen Vermögen Ahlersmeyers - der sich auch als Schauspieler versuchte - liegen, sondern schlicht und ergreifend daran, daß er heutzutage weitestgehend vergessen ist.



    Als ich das erste Mal diese Stimme hörte, war ich sofort gebannt: Absoluter Wiedererkennungswert! Eine mitreißende, ergreifende und mächtige Stimme, die man gehört haben sollte.


    Die Aufnahme, in der ich ihn damals hörte, war folgende:



    Der Wiener Macbeth unter Karl Böhm von 1943, in der er die Titelrolle - sehr überzeugend! - sang.


    Im selben Jahr entstand die Aufnahme des Don Giovanni unter Karl Elmendorff in Dresden:



    Auch hier liefert Ahlersmeyer eine mustergültige Verkörperung der Titelrolle.


    Es gibt weitere Aufnahmen, etwa eine Hochzeit des Figaro und Gounods Faust, die ich jedoch nicht kenne.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Es gibt mit Ahlermeyer auch eine bemerkenswerte Einspielung von: "Der Mantel", (Puccini). Die Aufnahme ist auch wegen Peter Anders empfehlenswert.
    Dirigent ist: Clemens Krauss, eine Aufnahme von 1938.


    :hello:Herbert.

  • Ahlersmeyers helles Timbre ist gewöhnungsbedürftig, seine Musikalität jedoch macht dieses vollends wett.
    Sein "Macbeth" und sein Michele im "Tabarro" brauchen kein Vergleich zu scheuen. Rachmaninows "Leibzinsentrichter" habe ich nie besser gehört.
    In der angesprochenen "Figaro"-Aufnahme wird das Verhältnis beider Herren zueinander musikalisch hervorragend umgesetzt(Ahlersmeyer-Schöffler). An der Städtischen Oper Berlin war er in den 50-er Jahren oft als" Giovanni" und "Hans Sachs" zu hören.
    Ein Sänger, der die Erinnerung lohnt.
    Meine Aufnahmen mit Ahlersmeyer:
    Goetz: Der Widerspenstigen Zähmung (Petruccio)
    Mozart: Die Hochzeit des Figaro (Graf)
    Puccini: Il Tabarro (Michele)
    von Schillings: Mona Lisa (Francesco).


    :hello:Heldenbariton

  • Bisher noch nicht erwähnt ist die Interpretation des "Valentin" in Gounods "Faust" - besser gesagt, in der "Margarethe" von 1938 mit Helge Rosvaenge und Hilde Singenstreu. Ursprünglich hatte ich mir die Aufnahme hauptsächlich wegen Michael Bohnen als Mephisto gekauft, aber die Stimme Mathieu Ahlersmeyers als Valentin ist mir sofort positiv aufgefallen:



    Aufnahme: 6.3.1938, Studio
    Dirigent: Heinrich Steiner
    Orchester des Reichssenders Berlin
    Chor des Reichssenders Berlin


    Rollen und Sänger
    Faust: Helge Rosvaenge
    Marguerite: Hilde Singenstreu
    Marthe: Margarethe Arndt-Ober
    Méphistophélès: Michael Bohnen
    Siébel: Helmut Melchert
    Valentin: Mathieu Ahlersmeyer


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Tatsächlich sind die meisten Aufnahmen von Mathieu Ahlersmeyer vor oder während des Krieges entstanden. Guido hat sie schon genannt) - außer der Mona Lisa (1953).
    Die Aufnahmen von 1943/44 aus Dresden haben Operngeschichte geschrieben.
    1945 wurde Dresden fast völlig zerstört. Der ebenfalls ausgebombte Mathieu Ahlersmeyer machte sich zu Fuß auf nach Hamburg, wo er Anfang der 30er Jahre bereits gesungen hatte, und bewarb sich an der dortigen Oper. Man kannte ihn noch und hat ihn sofort als 1. Bariton an der Hamburgischen Staatsoper verpflichtet. Aus Dank hat er diesem Haus bis zu seinem Karriereende 1976 die Treue gehalten!

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Aus Dank hat er diesem Haus bis zu seinem Karriereende 1976 die Treue gehalten!


    Ahlersmeyer sang bis zu seinem Achzigsten?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • @Felipe II.


    Pardon, das war ein Tippfehler. Tatsächlich ist er in Hamburg 1973 zuletzt als Gast aufgetreten, mit 77 Jahren.


    LG
    Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Macbeth eine meiner Lieblingsopern habe ich mit Mathieu Ahlersmeyer noch auf Doppel LP



    Ich denke, dass diese zwar etwas höhere Baritonstimme zu der spröden Stimme von Elisabeth Höngen, als Lady passt, diese Überzeugung des Richtigen, was er gemacht hat,


    das ihn wieder Elisabeth Höngen, ihn so zwingend einredet.


    Sein Hin- und Hergerissensein das ist lebendiges Operntheater auf der LP / CD.


    Karl Böhm wusste wie gut Er und Sie sind!!!


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Zitat

    Ich denke, dass diese zwar etwas höhere Baritonstimme zu der spröden Stimme von Elisabeth Höngen, als Lady passt, diese Überzeugung des Richtigen, was er gemacht hat,


    Lieber Peter,
    kannst Du mir mal das Obige etwas näher erklären.
    Was heißt z.B.: Diese zwar etwas höhere Baritonstimme ? Höher als was ? Was Du danach schreibst, habe ich auch nicht verstanden. ?(


    Was man zu dieser schwachen Aufnahme noch sagen muß:
    Das wunderbare, dramatische Vorspiel und die herrliche Arie des Macduff, eine meiner Lieblingstenorarien fehlen und der Dirigent liebt Verdi nicht.



    :hello:Herbert.

  • Mein erster Don Giovanni war Mathieu Ahlersmeyer auf
    Platten.
    Er wurde am 29.06.1896 in Köln geboren
    Gestorben 23.07.1979 in Garmisch-Partenkirchen.
    Begann am Stadtheater Mönchengladbeach als Wolfram.
    Weitere Stationen Staatsoper Hamburg 1931- 1934.
    1934 ging er an die Semperoper nach Dresden.
    Hier auch u.a. Uraufführung "Schweigsame Frau" von R.Strauss
    Gastspiele in Wien, Berlin, London u.v.a.
    1947 "Dantons Tod" von G.von Einem Uraufführung
    bei dem Salzburger Festspielen.


    :hello:

  • Lieber Herbert!


    Für mich hatte Mathieu Ahlersmeyer eine etwas hoch angelegte Baritonstimme, zumindest denke ich es mir in meiner LP Gesamtaufnahme, das habe ich mir bei ihm immer gedacht.


    Bei Elisabeth Höngen, nun sie hatte (da zitiere ich Karl Böhm) keine absolut schöne Stimme, eher eine fahle und spröde Stimme, eine Charakterstimme, die nicht immer zu anderen Stimmen, im Einklang stand.


    Ich möchte da eine Amneris aus den ersten Tagen des wiederaugebauten Hauses am Ring hernehmen, die anderen Stimmen der "Aida", müsste jetzt erst länger herumstöbern (wegen der damaligen Besetzung), bildeten einen gewissen Abstand zu ihr.


    Aber ihre schauspielerische Leistung machte sie immer etwas "geheimnisvoll" so als Lady Macbeth - noch im Thetaer an der Wien - als auch dann später im "Holländer" als Mary oder als fabelhafte Marthe Schwerdtlein in der Faust-Oper "Margarethe.


    Das habe ich damit gemeint.


    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello: :hello:

  • Lieber Peter,
    man kann eventuell sagen: Ahlersmeyer hatte für meine Ohren ein helleres Timbre als z.B. George London. Das hat aber mit der Tonhöhe nichts zu tun. Er sang viele Heldenbaritonpartien, genau wie G.London, oder P.Schöffler, hier nur einige: Don Giovanni, Pizarro, Amonasro, Klingsor, Amfortas, Hans Sachs, Scarpia.


    :hello:Herbert.

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Lieber Peter,
    man kann eventuell sagen: Ahlersmeyer hatte für meine Ohren ein helleres Timbre als z.B. George London. Das hat aber mit der Tonhöhe nichts zu tun. Er sang viele Heldenbaritonpartien, genau wie G.London, oder P.Schöffler, hier nur einige: Don Giovanni, Pizarro, Amonasro, Klingsor, Amfortas, Hans Sachs, Scarpia.


    :hello:Herbert.


    Lieber Herbert!


    Das wollte ich schreiben, Danke das habe ich ja auch gemeint! :yes: :yes:


    Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Kein allzu tiefgründiger Beitrag. Böse Zungen behaupten Mathieu Ahlersmeyer sei in Dresden neben seinen stimmlichen und darstellerischen Fähigkeiten vor allem wegen seiner hinreißend schönen Beine, die er immer gern gezeigt hätte, ein großer Liebling der Damen gewesen. Wer's glaubt! Laut psychologischen Erkenntnissen soll der stärkste Orientierungspunkt des weiblichen Geschlechts nämlich etwas höher liegen.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Original von operus
    Kein allzu tiefgründiger Beitrag. Böse Zungen behaupten Mathieu Ahlersmeyer sei in Dresden neben seinen stimmlichen und darstellerischen Fähigkeiten vor allem wegen seiner hinreißend schönen Beine, die er immer gern gezeigt hätte, ein großer Liebling der Damen gewesen. Wer's glaubt! Laut psychologischen Erkenntnissen soll der stärkste Orientierungspunkt des weiblichen Geschlechts nämlich etwas höher liegen.
    Herzlichst
    Operus


    Lieber Operus!


    Das soll bei Pinza auch gewesen sein!


    Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien, hundemüde von UNI heimgekommen. :hello: :hello:

  • Heute nach langer, langer Zeit hörte ich mir mal wieder Ahlersmeyer als Don Giovanni an. Die Wirkung ist nach wie vor absolut bannend. Keine "schöne" Stimme, aber was für ein Charaktersänger! Könnte ich mir auch sehr gut als Hans Sachs vorstellen, den er ja scheinbar oft sang. Gibt es da evtl. gar eine Aufnahme?


    LG
    Joseph

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • 99 Euro sind ein Spottpreis ?(


    Du meintest bestimmt 99 Cent, oder?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Ok, jetzt verstehe ich die von mir überlesenen Anführungszeichen bei "Spottpreis".

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Heute ist der Geburtstag von Matthieu Ahlersmeyer, der am 29. Juni 1896 geboren wurde. Zu diesem Anlass habe ich folgende Aufnahme ausgesucht:



    Heute ist die 119. Wiederkehr seines Geburtstages.



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo,


    wahrscheinlich schon am Ende seiner Karriere (die Stimme klingt nicht mehr so frisch wie früher) hat Ahlersmeyer beim NDR in einer Aufnahme der "Reise auf den Mond" von Offenbach den König gesungen und dargestellt!!!!! Die Aufnahme gibt es bei HAfG und Cantus classics. Wegen der Seltenheit des Stücks ein Muß für Offenbach (und Ahlersmeyer)-Fans.


    Schöne Grüße
    wega

  • Heute zu seinem Todestag habe ich dies ausgesucht:



    Heute ist Mattieu Ahlersmeyers 36. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Aus gegebenem Anlass weise ich erneut auf diese CD hin und habe auch einen neuen Link zu jpc mit Soundsamples gesetzt. Die Aufnahme ist ihm Rahmen des Weihnachtsrätsels 2016 als einer der Preise zu gewinnen (historisch Mono 1938/1939) Für Liebhaber historischer Stimmen ein Muss....


    mfg aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Lieber Wolfgang, lieber Alfred!


    Die CD ist bei Medimops für 3.80 € zu haben!


    Im Übrigen: bisher ist eigentlich noch nichts über Stimme und Gesangskunst von Matthieu Ahlersmeyer gesagt. Ich habe ihn in der Städtischen Oper Berlin in den 50er Jahren und noch in den 60er Jahren in der Hamburgischen Staatsoper gehört. Deshalb wenigstens ein paar Worte über ihn!


    In Erinnerung ist mir eine kraftvolle Stimme mit metallischem Kern und ein Sänger der seine Partien mit enormer Energie, scharfer Diktion und großer Intensität anging. Seine Gestaltung der Figuren hatte immer klare Konturen und war ungemein expressiv. Geschmeidigkeit, Eleganz, warme Kantilenen und subtile Nuancen waren seine Sache nicht. Seine Graf Almaviva, sein Renato und sein Posa, vor allem aber sein Francesco in "Mona Lisa" haben sich meinem Gedächtnis tief eingesprägt.
    Wenn ich jetzt historische Aufnahmen höre, würde ich immer eher zu Schlusnus oder Domgraf-Faßbaeder greifen, deren Stimmen mir angenehmer klingen.


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Natürlich war Heinrich Schlusnus ein großartiger Sänger und der Lieblings-Bariton meines Vaters. Ich besitze auch viele Aufnahmen mit ihm. Aber für mich klang seine Stimme immer gleich. Unverwechselbar. Er hatte immer etwas melancholisches in seiner Stimme. Seine Vaterrollen (Germont, Rigoletto, Montfort) im deutsch-sprachigen Raum fast unerreicht. Aber in humorvollen Rollen wie z. Bsp. der Figaro im "Barbier von Sevilla" oder etwa als Escamillo in "Carmen" war er in diesen Rollen für mich nicht ideal. Da würde ich eher Domgraf-Faßbaender, Ahlersmeyer oder Schmitt-Walter vorziehen.



    Gruß Wolfgang

  • Aber in humorvollen Rollen wie z. Bsp. der Figaro im "Barbier von Sevilla" oder etwa als Escamillo in "Carmen" war er in diesen Rollen für mich nicht ideal. Da würde ich eher Domgraf-Faßbaender, Ahlersmeyer oder Schmitt-Walter vorziehen.


    Ja, lieber Wolfgang , das kann ich nachvollziehen.
    Bei Figaro im "Barbier von Sevilla" oder Escamillo in "Carmen" käme ich auch wirklich nicht auf die Idee, Schlusnus zu wählen, wenn ich die überhaupt mal deutsch gesungen höre möchte.


    Mit besten Grüßen


    Caruso41

  • Zitat von »Caruso41« wenn ich die überhaupt mal deutsch gesungen höre möchte


    Ich schon!


    Ach, weißt Du, meistens klingen deutsch singende Escamillos nicht wie geschmeidige elegante Toreros sondern eher wie grobe Haudegen. Das mag ich nicht so gerne. ;)


    Caruso41