Elīna Garanča - wieviel ist von ihr zu erwarten?

  • Zitat

    Original von severina


    Hallo LT,
    ich komme eben aus der WSO, wo 2500 Leute ob der "langweiligen Beliebigkeit" von Elina Garancas Rosina schier aus dem Häuschen geraten sind.
    lg:hello:


    Hallo, glückliche Severina,


    könntest mir bitte Deine Verbindungen zu solchen Eintrittskarten mitteilen?! So wie sicher noch vielen anderen Opern- und Garancafans war mir durchaus nicht möglich, zu Karten zu kommen, allerdings fuhr ich - um ehrlich zu sein - auch nicht in aller Frühe zu den Bundestheaterkassen. Aber sehr viel hätte ich dafür gegeben, mit dabei sein zu können, so blieb mir halt nur :motz: übrig.
    Allerdings kann ich schön langsam solche Einwände und Pseudoargumente wie von LT und anderen (auch in Bezug auf andere lebende SängerInnen), wie; ja, aber in diesem Alter hat XY oder YZ schon dieses oder jenes gesungen/Aufnahmen gemacht/etc., wirklich nicht mehr hören, und schon gar nicht verstehen, denn sowas hat mit Objektivität oder Fairness schon gar nichts zu tun.
    Ich hatte das Glück, zu der derzeit laufenden Norma-Serie für zwei Vorstellungen Karten zu bekommen, einmal war ich schon live dabei. Der unumstrittene Höhepunkt der konzertanten Aufführung war das Duett Mira o Norma, mit Edita Gruberova und Elina Garanca. Ich bin überzeugt, schöner, beeindruckender, zu Herzen gehender kann man das nicht singen. Und genau die Stimmfärbung und Gesangtechnik der Garanca faszinierte das bis zum letzten Stehplatz gefüllte Haus der WSO, dabei soll hier bewußt nur auf E.Garanca eingegangen sein. Man konnte nicht nur zwei außergewöhnliche Sängerinnen miteinander singen hören, die Stimmen verschmelzten geradezu ineinander - ein wunderbares Erlebnis der Extraklasse.
    Und weil auf dieser Stelle schon öfters Mariliyn Horne erwähnt wurde, habe ich dieses Duett (zugegebenermaßen nur in YouToube) mit M.Horne und Joan Sutherland angehört: zwei wunderbare Sängerinnen, die nebeneinander/miteinander gesungen haben, aber dieses Verschmelzen der Stimmen fand halt nicht statt. Wobei ich jetzt der technischen Unvollkommenheit solcher Aufnahmen sehr bewußt bin.


    Ich finde auch, daß Elina Garanca eine absolut beeindruckende Sängerpersönlichkeit ist, die offensichtlich zwar ihre Möglichkeiten erprobt und auslotet, aber den Grenzen dieser Möglichkeiten auch sehr bewußt ist. Das beweist auch ihre Absage in Wien für den Komponisten in Ariadne, da diese Rolle ihrer Stimme nicht liegt.


    LG Jahnas

  • Lieber Jahnas,
    leider reichen meine "Verbindungen" nur für GP-Karten, für den Barbiere habe ich mich wie 499 andere Leute auch vier Stunden vorher für einen Stehplatz angestellt. (Für die Galerie, denn da oben kann man auf den Stufen sitzen, denn eine Vorstellung durchstehen kann ich aus gesundheitlichen ründen leider nict mehr.) Für die nächsten "Normas" werde ich mich auch anstellen, denn, und jetzt beglückwünsche ich dich, dafür konnte ich keine Sitzplätze ergattern.
    lg Severina :hello:

  • Hallo Jahnas,


    womöglich stände das Opernhaus nicht mehr, wenn die Berganza gesungen hätte. :stumm:


    Will sagen: Wenn kein anderer da ist, muss man sich halt mit "nur" guten Sängern begnügen!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    Hallo Jahnas,


    womöglich stände das Opernhaus nicht mehr, wenn die Berganza gesungen hätte. :stumm:


    Will sagen: Wenn kein anderer da ist, muss man sich halt mit "nur" guten Sängern begnügen!


    Du willst ernsthaft der Berganza die Adalgisa zumuten? Sie hat sich das wohlweislich nicht angetan. Dabei wollte Maria Callas persönlich sie in dieser Rolle haben (offenbar war sie mit Berganza als Neris sehr zufrieden)! Sie hat dankend abgelehnt und konnte so noch mehr als dreißig weitere Jahre höchst erfolgreich singen!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Mikko


    Lieber LT,


    Deine Vorlieben und Abneigungen bleiben Dir unbenommen, aber ich kann keinen Sinn darin erkennen, die Bedeutung einer Sängerin daran festzumachen, in welchem Alter sie aufgenommen hat.


    Mikko - volle Zustimmung! LTs Argument finde ich umso absurder, als es in meinen Augen eben gerade bemerkenswert ist, dass sich endlich mal eine Stimme in Ruhe entwickeln darf und kann. Und dass sie eben NICHT gleich alle Rollen singen und einspielen will. Obwohl die Angebote sicher da sind...


    LG
    Rosenkavalier

  • Hallo Rosenkavalier,


    die Berganza bot schon mit unter 30 Jahren eine markante, unverwechselbare wohlklingende Stimme.


    Frau Berganza hat gerade wegen ihrer herausragenden Stimme sehr früh Angebote für Aufnahmen bekommen! Ihrer Stimme hat es nicht geschadet!


    Da ist Frau Garanca noch meilenweit von entfernt.


    Höre im Vergleich Joyce DiDonato, das ist ein ganz anderes Kaliber.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Also, nur mal so zur Positionierung,


    ich persönlich sehe die stimmlichen Qualitäten von Frau Berganza als denen Frau Garancas unterlegen. Ich weiß außerdem nicht, was der dauernde Verweis auf Berganza bringen soll.
    Wenn man schon so anfängt: Man schaue dann doch mal auf glorreichere Zeiten als die Teresa Berganzas, um Vergleiche anzustellen. Ich glaube auch nicht, daß Garanca bereits eine der großen Sängerinnen der Geschichte ist, traue ihr aber noch einiges an Entwicklung zu - darauf bezog sich auch der Titel des Threads.


    LG,


    Christian

  • Zitat

    Original von Il Grande Inquisitor
    Ich glaube auch nicht, daß Garanca bereits eine der großen Sängerinnen der Geschichte ist, traue ihr aber noch einiges an Entwicklung zu - darauf bezog sich auch der Titel des Threads.


    LG,


    Christian


    Eben!
    Wenn man jedoch das Stimmpotential, dass Garanca derzeit zeigt, objektiv beurteilt, dann Kann man ihr eine große Zukunft prophezeien. Und gerade deswegen sollte sie umso vorsichtiger sein, was sie sich und ihrer Stimme zumutet und was nicht.
    Mag sein, dass andere Sängerinnen früher Rollen gesungen und eingespielt haben - aber ob sie damit das non plus ultra gebracht haben, ist doch reine Spekulation.
    By the way: Berganzas Carmen ist auch nicht gerade der Brüller - reichlich langweilig in meinen Ohren!


    LG
    Rosenkavalier

  • Hallo Christian,


    wenn man den Stellenwert eines Sängers oder einer Sängerin beurteilt, kommt man nicht umhin, sie mit anderen Sängern zu vergleichen.


    Teresa Berganza ist nur eine Sängerin, die ich herausgegriifwen habe, die meiner Meinung viel besser war, als es Frau Garanca jemals werden wird.


    Ich könnte auch Baltsa ins Rennen schicken, die ist auch viel besser als Garanca.


    Aber, wie gesagt, das ist meine Meinung! Und diese, meine Meinung äußere ich hier, auch wenn es den einen oder anderen hier nicht genehm ist



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo


    Da so viele etwas zu Elina Garanca zu sagen haben, getraue auch ich mich mit ein paar Erfahrungen herauszurücken.


    Meine ersten Bekanntschaften waren Auftritte im Fernsehen und ein Publikumsgespräch als Ö1-Sendung. Ich lernte sie als äußerst attraktive Bühnenerscheinung mit souveränem Auftreten, wohlklingender und technisch sehr gut geführter Stimme kennen, die zudem eine sehr lebendige und sympathische Gesprächspartnerin war. So weit so bestens und man kann wirklich von ihr eine große Karriere erwarten.


    Wie schauen nun die praktischen Erfahrungen aus? Da gibt es eine CD - "Aria Cantilena" - die gesangstechnisch und stimmlich ganz vorzüglich ist. Seltsamerweise vermag mich die Scheibe nur bedingt zu fesseln, sie beeindruckt mich wesentlich mehr als dass sie mich berührt. Die WSO-Übertragung der Norma war ähnlich, ganz vorzüglich gesungen (die ganze Vorstellung war nach leichten Anfangsschwierigkeiten eigentlich ziemlich erfreulich), aber diese Adalgisa berührte bei weitem nicht auf dem Niveau ihrer Gesangsvorstellung.


    Heute präsentierte Chris Tengel in "Apropos Oper" einen Ausschnitt aus ihrer Carmen in Riga. Na ja, wenn man mich fragte, sollte sie noch ein paar Jahre lang jeweils eine Probeaufführung in Riga machen. Für ihren Anspruch als internationaler Spitzen-Mezzo war das interpretatorisch überraschend unergiebig.


    Danach kam aus Baden-Baden die Arie der Dalilah. Meine Frau und ich sahen einander etwas ratlos an, worauf sie treffend meinte: "Diese Dalilah braucht keine Schere. Nach dieser Arie ist Samson sanft entschlummert und leichte Beute für Jedermann!". So etwas von toll gesungener Nicht-Interpretation ohne jede Sinnlichkeit und alles andere als verführerisch ist eine seltene Erfahrung! Ganz feinsinnig kommentierte Chris Tengel diese Aufnahme als "Elina Garancas erste Annäherung an die Arie der Dalilah". Es war unglaublich langweilig gesungen und grundsätzlich empfinde ich die Dalilah als keine glückliche Rolle für sie, da man vollmundigere Stimmen gewohnt ist.


    Wie man sieht habe ich gemischte Gefühle. Sehr gute Voraussetzungen, vorzügliche Technik und schöne Stimme wollen zusammen noch nicht recht begeistern. Kein ernsthafter Grund zur Klage, aber ebenso wenig welche für Beifallsstürme. Mal sehen, was die Zukunft bringt....



    (Ganz schlimm war der Vergleich zur nächsten Sängerin in der Sendung. Diana Damrau zeigte in der MET mit "Glitter and be gay", wie Interpretation mitreißen kann...)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo,


    ich finde, dass man die hier herausgeriffenen Sängerinnen einfach nicht vergleichen kann. Die Vielfalt ist doch m. E. gerade das Interessante, nachdem man ja von allen sagen kann, dass sie ihr Handwerk umfassend beherrschen (meine Wenigkeit allerdings, die hier plötzlich auftauchte, hat in dieser hochkarätigen Aufzählung wohl eher nicht wirklich was zu suchen :O :D)


    Garanca hat m. E. eine leichte, bewegliche, (aber keinesfalls kleine) Stimme. Das kann man mögen oder nicht, es ist einfach eine andere Disziplin (Sportbegriff analog angewendet) als z. B. Baltsa, die dramatische (und wesentlich ältere).


    Ich würde es mich nicht trauen, zu sagen, wann und ob Garanca eines Tages irgendwo hinreicht oder nicht und überhaupt, an was?! Könnte sich denn jemand Baltsa mit Mozartkoloraturen vorstellen? Würde sie sicher nicht machen.


    Garanca weiß ihre derzeitigen Mittel zu nutzen und damit Erfolg zu haben. Das bedeutet Arbeit und ist ihr m. E. zu gönnen. Was 10,20 Jahre später draus wird, bleibt abzuwarten. Ökonomischer Stimmeinsatz kann jedoch nie verkehrt sein.


    LG


    Ulrica

  • Dem kann ich nur zustimmen, übrigens - in Maßen - auch Theophilus, denn die "Unperson" der Stimme ist Garancas Problem. Sehr ähnlich geht es mir mit Aria cantilena. Ihrem Sesto konnte ich aber live mehr abgewinnen.
    Baltsa hatte diesen Charme, dieses Unverwechselbare - dafür auch wesentliche technische Probleme; als Carmen würde ich sie aber Garanca vorziehen. Ich empfinde übrigens Berganzas Carmen wie auch Rosina als ziemlich langweilig, kein Vergleich etwa zu Conchita Supervia.
    Ich denke und hoffe aber, daß EG auch ihr Profil noch wird schärfen können. Dazu trägt vielleicht auch bei, daß sie nicht alles annimmt oder bei Problemen auch Rollen wieder ablegt. Warten wir es ab.


    LG,



    Christian

  • ELINA GARANCA - EINE SÄNGERIN, NATÜRLICH...


    Sonntag, 23. Dezember 2007 - 9,30h


    Am 22. Dezember findet im Wiener Konzerthaus das für seine gelungene Advent-Stimmung so beliebte Gala-Konzert "Christmas in Vienna" statt.
    Die ORF-2-matinee bringt aus diesem Anlass einen Film über den Star des Abends: Elîna Garanca


    Zitat

    Dieser Film widmet sich dem Kontrast zwischen dem augenscheinlichen Erfolg und der Leistung hinter den Kulissen, die für den Opernfreund oft im Verborgenen bleibt. Über ein Jahr hinweg wurde die Mezzosopranistin vom Filmteam begleitet, um Einblicke in ihren beruflichen Alltag zu gewinnen.
    Elîna Garanca ist dabei in ihren schönsten Rollen zu sehen, aber vor allem zu hören: so als Octavian in "Der Rosenkavalier" an der Wiener Staatsoper, als Sesto in "La Clemenza di Tito an der Opéra Garnier in Paris, oder bei den Salzburger Festspielen 2006 mit einem Konzertarienprogramm von Mozart.


    Regie: Claire Alby
    Länge: ca. 52min.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich habe die Operngala in Baden-Baden gesehen, als Netrebko und Garanca aufeinander trafen. Das Ergebnis für mich war eindeutig - und unabhängig von der Stimmlage.


    Im Gegensatz zur Netrebko bot die jüngere Garanca den eindeutigen Eindruck von Sicherheit und Qualität, eben Souveränität im besten Sinne. Hier ist eine Diva im werden (hoffentlich langsam - und mit Weitblick). Frau Netrebko wird in dieser Beziehung m. E. nie fündig werden, sie bleibt wohl immer irgendwo Oberfläche und nie Tiefe.


    Ciao - Principe

  • Zitat

    Original von Ulrica
    ...
    Ich würde es mich nicht trauen, zu sagen, wann und ob Garanca eines Tages irgendwo hinreicht oder nicht und überhaupt, an was?! Könnte sich denn jemand Baltsa mit Mozartkoloraturen vorstellen? Würde sie sicher nicht machen.
    ...


    Welche Mozart-Koloraturen? Frau Baltsa sang Cherubino, Dorabella, Despina, Donna Elvira, Farnace, Elettra, Ascanio, Dritte Dame und im Requiem.


    Frau Garanca muss dieses Mozart-Repertoire erst einmal erreichen, übertreffen wird ohnehin schwierig. ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Das kann man nachhören:



    Konzertarien KV 77, 505, 578, 582;Arien aus La Clemenza di
    Tito;La finta giardiniera;Cosi fan tutte
    Elina Garanca (Mezzosopran),
    Frank Braley (Klavier),
    Camerata Salzburg,
    Louis Langree
    Label: Virgin , DDD, 2004


    und hier:



    Arien von Mozart, Rossini, Bellini, Donizetti,
    Massenet
    Garanca,
    Latvian SO, Vilumanis
    Label: Ondine , DDD, 00/01


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Als neues Mitglied in diesem Forum möchte ich gerne zu dieser Sängerin Stellung nehmen. Ich habe Frau Garanca bereits mehrmals an der Wiener Staatsoper sehen können und war immer sehr angetan von ihrer Darbietung. Stimmlich als auch darstellerisch weiß sie zu überzeugen. Besonders gefiel sie mir als Charlotte, als Cherubino und als Octavian.


    Wie zu erfahren war, wird sie die Partie der Rosina, mit der sie gerade an der Met debutierte, ablegen, und sich an neue Aufgaben heranwagen. In einem Interview sagte sie ja einmal die Rosina liege ihr als Figur nicht so ganz bzw. sie entspreche so gar nicht ihrer eigenen Persönlichkeit. Obwohl ich sie auch also Rosina live gesehen habe und sie mir gut gefiel, hatte ich aber auch das Gefühl, daß sie in anderen Partien mehr aufgeht.


    Weiß jemand, wie die weiteren Pläne von Garanca im Bereich Belcanto aussehen? Die Adalgisa hat sie ja im Repertoire, genauso wie die Cenerentola. Beide Partien sind ja auch für die Met geplant. Demnächst singt sie ja den Romeo in Bellini's Capuleti. Könnte sie nicht auch eine tolle Isabella in der Italienerin in Algier sein? Das wäre doch eine Idee für Wien.


    Ich hoffe, daß Garanca, trotz ihres wachsenden Erfolges im Ausland, auch immer wieder nach Wien zurückfinden wird. Ihre Auftritte werden hier ja in nächster Zeit rarer. Aber der Erfolg sei dieser tollen Künstlerin gegönnt.


    Gregor

  • Ich werde sie in den nächsten Monaten als Octavian an der DOB und unter Janssons mit Berios Folk Songs in der Philharmonie sehen. Darauf freue ich mich schon sehr und werde dann berichten ...


    LG,


    Christian

  • Für alle, die es nicht selbst im Zuschauerraum erleben konnten: Der ORF hat es aufgezeichnet und bringt es im Radio:


    Samstag, 3. Mai 2008 - 19:30 Uhr


    Vincenzo Bellini: "I Capuleti e i Montecchi"


    Mit Anna Netrebko (Giulietta), Elina Garanca (Romeo), Joseph Calleja (Tebaldo), Robert Gleadow (Lorenzo) und Tiziano Bracci (Capellio).
    Wiener Singakademie;
    Wiener Symphoniker,
    Dirigent: Fabio Luisi


    (Aufgenommen am 22. April im Wiener Konzerthaus)
    (Übertragung in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Ich habe die Garanca als Carmen in Riga (mit den Wiener Opernfreunden) erlebt. Es war die 2.Vorstellung, und die ganze Chose war leider nicht sehr erfreulich, nicht nur, weil auf Grund eines technischen Gebrechens nach dem Vorspiel eine 20minütige Pause erfolgte, da der Vorhang nicht hochging.


    Die Regie verlegte das Stück nach Kuba (Havanna), was eine aufgelegte Dummheit ist, da die Carmen von Lilias Pastia bei Sevilla singt und dort mit José ein Trefffen plant.


    Dann tritt der Escamillo (Egils Silins) als vom Volk umjubelter Preisboxer auf und singt, er sei Toreador und freue sich auf den Stier.


    Ist's Dummheit, so hat's doch Methode ...


    Aber nun zur Hauptperson: Garanca spielt eine junge, rotzfreche und dennoch sympathische Göre. Sie singt wunderschön, aber leider ist ihrem Gesang kaum innere Beteiligung anzumerken. Ihre Stärken findet sie im 2. Akt, als sie den (schwachen) José verführerisch umgurrt.


    Im 3. Akt findet sie zu einer achtbaren Kartenarie, die aber auch nicht das erwartete Schaudern erzeugt. Einfach zu schön und irgendwie beliebig.


    Im 4. Akt fehlt ihr (noch) die geforderte Dramatik.


    Wer nicht dort war, hat eigentlich nichts versäumt. Es sei denn, man begnügt sich damit, eine Sängerin mit aussergewöhnlich schöner Stimme, die vornehmlich in den langgezogenen Legatopassagen beeindruckt, sein Auslangen zu finden.


    Kurz am Rande: Obwohl Bizet im 2. Akt Kastagnetten vorgeschrieben hat, schlägt Carmen diese Töne auf zwei Trinkgläsern. In der Wiener Volksoper sind es zwei Messer ...

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Kastagnetten hat nicht einmal unsere Folklore-Carmen in der Zeffirelli-Inszenierung an der Statsoper...........
    Zu Riga: So viel ich gehört habe, fühlt Elina Garanca selbst, dass ihr zur Carmen noch etwas fehlt, daher will sie diese Partie vorerst einmal ruhen lassen. Bis 2012 in Wien hat sie noch ein wenig Zeit, an ihrer Interpretation zu arbeiten. Ehrlich gesagt kann ich sie mir in dieser Partie auch (noch) nicht richtig vorstellen, obwohl Elina Garanca neben Diana Damrau momentan meine Lieblingssängerin ist. (Bevor jetzt jemand zum Rotstift greift: Ich weiß schon, dass die beiden Damen unterschiedliche Stimmfächer bedienen ;) )
    lg Severina :hello:

  • Keine Frage, auch für mich ist Elina Garanca eine absolute Lieblingssängerin - trotz gewisser Einwände als Carmen.


    Aber wer ihre himmlisch vorgetragenen Sheherazade-Lieder von Rravel aus Luzern oder die "Nuits d'éte" von Berlioz aus Salzburg (im Radio) gehört hat, muss zugeben, dass man diese schöner fast nicht singen kann.


    In der Kathedrale von Saint-Denis (bei Paris) sang sie unter Muti ein hinreissend schönes Salve Regina von Porpora und im 2.Teil die Mezzosoli in Schuberts Es-Dur Messe (neben Genia Kühmeier, Herbert Lippert, Topi Lehtipuu und Luca Pisaroni).


    Ein Ereignis!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Liebe Severina,


    da sind wir uns ganz einig! Garanca und Damrau sind die Sängerinnen ihrer Generation, die mir persönlich am meisten zusagen.


    Was ich an Elina Garanca sehr schätze ist ihre Bühnenpräsenz und ihr schauspielerisches Talent - dies in Verbindung mit ihrer stupenden Technik macht aus ihr eine ganz Große, die - und das sollten wir alle nicht vergessen - noch am Anfang ihrer Karriere steht.


    Ich glaube, dass man Elina Garanca auf der Opernbühne gesehen haben muss, um wirklich über sie urteilen zu können. Sie konnte schon z.B. als Bersi eine kleine Rolle viel größer machen als diese tatsächlich ist. Sie ist eine wahrhaftige Singschauspielerin, die sowohl im "leichteren" Fach als Rosina, Cenerentola bis hin zu den Mozart-Rollen wie Sesto, Cherubino oder Dorabella die Figuren mit Leben erfüllt. Aber besonders ihr Octavian hat es mir angetan - da habe ich sie schon ca. 10 x gesehen und sie hat mich noch nie enttäuscht. Bei ihr ist das Package das wichtigste - Stimme, Persönlichkeit und Schauspiel. Da zahlt es sich wirklich aus, wenn man Karten nahe der Bühne erwirbt - weil nur so kann man EG wirklich optimal genießen!


    Interessant war es, im April die Capuleti & Montecchi im Konzerthaus zu hören/sehen - neben ihr war Anna N. wirklich ganz blass und das Publikum hat seine Gunst dementsprechend auch verteilt...


    Ich freue mich auf jeden Fall schon, wenn sie wieder in Wien auftritt. Und ihre Rosina am 30.12. könnte ja vielleicht schon der letzte Auftritt in dieser Rolle in Wien sein (und ich bin froh, dass ich dafür schon Karten habe :D)...

    Hear Me Roar!

  • Zitat

    Original von Dreamhunter
    Ich glaube, dass man Elina Garanca auf der Opernbühne gesehen haben muss, um wirklich über sie urteilen zu können. Sie konnte schon z.B. als Bersi eine kleine Rolle viel größer machen als diese tatsächlich ist. Sie ist eine wahrhaftige Singschauspielerin, die sowohl im "leichteren" Fach als Rosina, Cenerentola bis hin zu den Mozart-Rollen wie Sesto, Cherubino oder Dorabella die Figuren mit Leben erfüllt. Aber besonders ihr Octavian hat es mir angetan - da habe ich sie schon ca. 10 x gesehen und sie hat mich noch nie enttäuscht. Bei ihr ist das Package das wichtigste - Stimme, Persönlichkeit und Schauspiel. Da zahlt es sich wirklich aus, wenn man Karten nahe der Bühne erwirbt - weil nur so kann man EG wirklich optimal genießen!


    Das sehe ich genauso. Als Octavian war sie schlichtweg sensationell. Diese Figur habe ich ihr voll abgekauft. Aber auch als Charlotte ist sie ganz wunderbar wie man ja auch auf DVD sehen kann. Sie hat eine tolle Bühnenpräsenz und kann selbst aus den kleinsten Rollen was herausholen.


    Zitat

    Original von Dreamhunter
    Ich freue mich auf jeden Fall schon, wenn sie wieder in Wien auftritt. Und ihre Rosina am 30.12. könnte ja vielleicht schon der letzte Auftritt in dieser Rolle in Wien sein (und ich bin froh, dass ich dafür schon Karten habe :D)...


    Hoffentlich kommt es dazu. In einem Interview hat sie gesagt, daß die MET Rosina ihre letzte Rosina war und auch auf ihrer Homepage, die ihren Kalender bis 2009 führt, steht nichts von diesem Barbier.
    Wird sie denn von der Staatsoper für diese Rolle noch genannt?


    Gregor

  • Ja - auf der Homepage steht's noch - auch mit Sramek, Eröd, Monarcha und Francesco Meli als Almaviva...


    Na, hoffen wir, dass das zustande kommt...

    Hear Me Roar!

  • Am 16. Januar 2009 erscheint Elina Garanca's neue Arien-CD "Bel Canto". Sie widmet sich auf diesem Album den drei Komponisten Bellini, Donizetti und Rossini.




    Elina Garanca
    BEL CANTO
    Orchester: Filarmonica del Teatro Comunale di Bologna
    Dirigent: Roberto Abbado
    Label: Deutsche Grammophon



    Arien und Szenen aus Opern von


    Donizetti: Lucrezia Borgia, L'assedio di Calais, Roberto Devereux, Dom Sebastien - Roi de Portugal, Maria Stuarda;
    Bellini: Adelson e Salvini, I Capuleti e i Montecchi;
    Rossini: Tancredi, Maometto II



    Im März 2009 geht Garanca mit diesem Programm in sechs Städten auf Deutschland-Tournee.


    Gregor