Literarische Empfehlungen - was lese ich gerade

  • 9783550060618-de.jpgVon einem meiner geistigen Lehrmeister in jungen Jahren habe ich mir diesen Spruch gemerkt: "Wenn man älter wird, findet man zu Goethe." Nun werde auch ich älter und versuche es mal wieder. Obwohl dieses Buch bereits 1963 erschienen und die Forschung seither vorangeschritten ist, geht von ihm nach wie vor eine große Faszination aus. Diese Neugierde auf Goethe, die Lust an seinem Werk wirkt durchaus ansteckend. Außerderm ist es brilliant geschrieben. Der Stil und die Fabulierkunst von Friedenthal sind jenem, dem das Werk gilt, durchaus ebenbürtig. Zudem sprechen auch die zahleichen Auflagen für das Buch.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • "Wenn man älter wird, findet man zu Goethe."


    Wie wahr! Ich, deutlich über die Achtzig, bin ein (noch) lebendes Beispiel dafür. Würde aber Rheingolds Zitat durch ein "wieder" ergänzen.

    Die Friedenthal-Biographie war die erste, die ich, Goethe betreffend, gelesen habe. Und sie hat mich regelrecht gefesselt damals, ich erinnere mich noch gut. Nun steht sie, in ihrem original rotbraunen Leinengewand, neben den vielen anderen, die ihr nachgefolgt sind, darunter die zweibändige von Eissler und die riesige in drei dicken Bänden von Boyle. Keine von ihnen kann ihr, was das Heranführen des Lesers an den Menschen und Autor Goethe anbelangt, das Wasser reichen.


    Mit Ausnahme vielleicht der Bücher, die Sigrid Damm über Goethe selbst und seine Beziehung zu den Menschen in seiner unmittelbaren Nähe geschrieben hat. Die vermögen einem auch die Person Goethe sehr nahe zu bringen.

    Mit diesem Buch hab ich angefangen, - und es inzwischen sogar zwei Mal gelesen, weil es da um ein Thema geht, das nun einmal im Zentrum des Fühlens und Denkens eines alten Menschen steht: Den Tod.



    Und dann konnte ich nicht mehr aufhören und las im letzten Halbjahr alles, was von ihr über Goethe vorliegt.

    So viel zu Rheingolds Zitat.


    Sein Nachwort leitete Friedenthal übrigens mit der Feststellung ein:

    "Es gibt Zeiten der Goethe-Nähe und Goethe-Ferne".

    Die Unsrigen heute sind - ganz gewiss - leider solche der Ferne.

  • 9783550060618-de.jpgVon einem meiner geistigen Lehrmeister in jungen Jahren habe ich mir diesen Spruch gemerkt: "Wenn man älter wird, findet man zu Goethe." Nun werde auch ich älter und versuche es mal wieder. Obwohl dieses Buch bereits 1963 erschienen und die Forschung seither vorangeschritten ist, geht von ihm nach wie vor eine große Faszination aus. Diese Neugierde auf Goethe, die Lust an seinem Werk wirkt durchaus ansteckend. Außerderm ist es brilliant geschrieben. Der Stil und die Fabulierkunst von Friedenthal sind jenem, dem das Werk gilt, durchaus ebenbürtig. Zudem sprechen auch die zahleichen Auflagen für das Buch.

    Danke für die Empfehlung, lieber Rheingold1876.


    Das Buch wurde soeben bestellt und wird wahrscheinlich schon in den kommenden Tagen bei mir eintreffen.


    Grüße

    Apollon

  • Etwas möchte ich zu meinem vorangehenden Beitrag, die Friedenthal-Goethe-Biographie betreffend, doch noch nachtragen. Der Historiker in mir mahnt das an.


    Ich hätte darauf hinweisen müssen, dass diese Biographie veraltet ist, und das in gleich mehrfachem Sinn. Einmal natürlich, weil sie infolge ihres Alters den heutigen Goethe-Forschungsstand nicht repräsentieren kann, aber sie verfährt auch nicht nach dem Gebot der um Objektivität bemühten kritischen Distanz der historischen Person gegenüber. Und schließlich kommt auch der Aspekt "Bedeutung des literarischen Werks" ein wenig zu kurz.

    Das alles ist natürlich Folge des literarischen Grundkonzepts, an dem Friedenthal sich ausrichtet: Der auf größtmögliche Anschaulichkeit ausgerichteten, Person und Leben in diesbezüglich relevanten Details erfassenden Darstellung. Das macht das Buch ja so fesselnd.

    Aus Neugier habe ich mir mal angesehen, wie ein heutiger Goethe-Biograph diesbezüglich verfährt und, mich auf das Kapitel "Sesenheim" konzentrierend, Vergleiche mit dieser Goethe-Biographie angestellt, in deren Bibliographie übrigens, und das ist durchaus vielsagend, Friedenthal gar nicht angeführt ist:



    Was dabei herausgekommen ist, kann ich - leider! - hier nicht wiedergeben. In diesem Thread wäre es fehl am Platz. Es dürfte im Übrigen ja auch gar nicht von Interesse sein.

  • Hallo,


    zur Zeit lese ich


    Marx Wagner Nietzsche


    Man lernt dabei, die Person Wagner aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und ihn damit nicht allein auf seine künstlerischen Aussagen zu reduzieren bzw. diese besser zu verstehen.

  • Heute zog ich ein 100 Seiten dünnes Büchlein aus dem Regal. Peter Härtling hat 1983 Voneinander hören, Reden aus Zorn und Zuversicht im Radius Verlag veröffentlicht. Bemerkenswert ist die Rede "Gespräch zwischen den Generationen", die er 1981 am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg gehalten hatte, die äusserst aktuell zu nennen ist. Zentrum ist ein Auszug aus Friedrich Hölderlins Gedicht Die Friedensfeier, über den Peter Härtling reflektiert. Der Text entstand in der Zeit, als sich die Friedensbewegung in Deutschland manifestierte und zu etablieren begann.

    Auch der Artikel, in der Süddeutschen 1982 erschienen, "Klagen über Hiob, die Schwierigkeit über den Frieden zu schreiben" hat nichts von seiner Gültigkeit verloren.

    Des weiteren sind literarische Reflexionen, ein Interview, Essays und ein Gedicht enthalten.


    Beim Lesen musste ich daran denken, wie der Autor über Frieden und den Krieg in der Ukraine geschrieben hätte. Peter Härtling hat den 2. Weltkrieg und die Lügen und Verführungen der Propaganda als Kind erlebt.


    Antiquarisch ist das Buch noch erhältlich.

    .

    Früher war ich morgens froh, des Abends weint´ ich

    Jetzt da ich älter bin

    beginn ich zweifelnd meinen Tag

    doch heilig und heiter ist mir sein Ende.


    Friedrich Hölderlin