Thielemann übernimmt ZDF-Silvesterkonzert ab 2010

  • Silvesterkonzert
    ZDF wirft Rattle raus und holt Thielemann



    Märsche und Walzer statt Mambo und Broadway? Das ZDF hat den Vertrag für das traditionelle Silvesterkonzert mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern gekündigt. 2010 werden Christian Thielemann und die Dresdner Staatskapelle übernehmen.


    Quelle: "http://www.welt.de/kultur/article5198263/ZDF-wirft-Rattle-raus-und-holt-Thielemann.html"

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Schlimmer gehts nimmer!


    Rattle war ja teilweise nicht mehr ganz erstklassig, aber Thielemann ist eindeutig schlechter. Ich denke schon jetzt mit Grauen an das deutschtümelnde Gedöns seines mischtönendes Klangbreis in seinen Programmen.


    :hello: LT

  • Liebestraum: DANN HÖR DOCH EINFACH WEG !! Was soll denn so ein Kommentar ? Ich möchte nicht wissen, wie es klingen würde, wenn DU auch nur das Dorforchester von Untertürckheim dirigieren müsstest !

  • Bitte keine persönlichen Anwürfe, aber auch keine "Niedermach-Kommentare"!


    Ich habe die Rattle-Konzerte nicht mitbekommen, aber unter Abbado waren die meiner Erinnerung nach ungeachtet eines gewissen "Gala"-Charakters ernsthafter als das Neujahrskonzert. Also z.B. Wagner-Auszüge o.ä.


    Klar scheint mir, was auch der Welt-Kommentar andeutet, daß man etwas anderes als das Wiener Neujahrskonzert bringen muß, nicht dasselbe in grün.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • @ Louis


    hör dir einfach nur die ersten zwei Minuten "Rosenkavalier" auf DVD unter Carlos Kleiber und dann unter Thielemann an, dann weißt du, was ich meine!


    :hello: LT

  • Zitat

    Original von Mengelberg
    Also ich find's toll. Ich hab den Badenweiler Marsch schon lang nicht mehr gehört.


    :wacky:
    M.


    Oh, die CD habe ich gelegentlich im Auto mit dabei. Da dirigiert aber leider nicht Thielemann.


    Schon sehr spassig, worüber man sich hier erregt. :wacky:


    Gruß vom Thomas

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    Rattle war ja teilweise nicht mehr ganz erstklassig, aber Thielemann ist eindeutig schlechter.


    Was meinst Du denn, was das ZDF für Gründe hat, die beiden auszutauschen?


    Zitat


    Liebestraum: DANN HÖR DOCH EINFACH WEG !! Was soll denn so ein Kommentar ?


    Warum sollte er als Klassikinteressierter weghören? Leuchtet mir nicht ein...!? Betrachte LTs Kommentare doch einfach als kleine Sticheleien, welche die Flamme erhalten... Öl ins Feuer gießen ist nicht per se schlecht - es kommt drauf an, ob es draußen kalt ist oder ein Haus brennt... Momentan glaube ich eher, daß es in Tamino ziemlich kalt ist (wobei man auch nicht ausschließen kann, daß die Hütte lichterloh brennt, aber das liegt am PN-Killer).


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von Thomas Pape
    Oh, die CD habe ich gelegentlich im Auto mit dabei.


    Klar, ist ja inzwischen auch wieder gaaanz normal.


    Zitat

    Original von Thomas Pape
    Da dirigiert aber leider nicht Thielemann.


    Historische Aufnahme?


    Zitat

    Original von Thomas Pape
    Schon sehr spassig, worüber man sich hier erregt.


    Stimmt eigentlich. Da dirigiert doch nur einer Adolf Hitlers Lieblingsmarsch auf einem Neujahrskonzert in (das ist auch ein sehr spaßiger Zufall) Nürnberg und wird dafür vom ZDF damit belohnt, daß es dieses Jahr auf die Mattscheiben aller Welt übertragen wird.


    Also echt, wer sich über so etwas aufregt, ist selber schuld.


    M.

  • Zitat

    Original von Mengelberg


    Stimmt eigentlich. Da dirigiert doch nur einer Adolf Hitlers Lieblingsmarsch auf einem Neujahrskonzert in


    Es wird erzählt er hätte auch Brot gegessen :pfeif: :pfeif:


    Nur um das hier nicht hochkochen zu lassen: es ist mir völlig gleichgültig, was wer wann besonders gerne gehört hat. Es gibt auch wahrlich einen besseren Zeitvertreib (und auch wahrlich ernsthaftere gesellschaftliche Probleme zu lösen), als sich permanent über den persönlichen Geschmack dieser Herrschaften Gedanken zu machen.


    Ich wäre sehr dankbar, wenn dieses Thema nicht immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt würde.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Es gibt auch wahrlich einen besseren Zeitvertreib (und auch wahrlich ernsthaftere gesellschaftliche Probleme zu lösen), als sich permanent über den persönlichen Geschmack dieser Herrschaften Gedanken zu machen.


    Ich wäre sehr dankbar, wenn dieses Thema nicht immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt würde.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:


    Dem würde ich mich gerne anschliessen dürfen. Es ermüdet langsam und ich frag mich mitlerweile, was bestimmte Herrschaften immer wieder aufs Neue bewegt, ihre ach so intellektuell kluge Meinung bei jeder passenden und noch mehr unpassenden Gelegenheit kundtun zu müssen.

  • Zitat

    Original von Thomas Pape
    Es wird erzählt er hätte auch Brot gegessen :pfeif: :pfeif:


    Ganz so harmlos ist es aber leider nicht. Der Marsch hat eine starke Symbolwirkung und gilt als Nazi-Marsch schlechthin - auch deshalb, weil er bei fast jedem Auftreten Hitlers gespielt wurde.
    Ebenso wie der Badenweiler in Deutschland ist das Giovinezza-Lied in Italien zum Faschisten-Lied geworden. Man kann es nicht spielen, ohne sich politisch zu positionieren.


    M.

  • Zitat

    Original von Mengelberg


    Ganz so harmlos ist es aber leider nicht.


    Doch, doch, lieber Mengelberg, das ist es, weil man das erst einmal wissen muss. Und wer weiß das schon? Wer will das wissen? Vor allem: wen interessiert das? Das permanente Bemühen angeblicher Symbole geistert vereinzelt noch durch meine Generation. Doch wie gesagt: mich persönlich hat das nie interessiert (das historische Thema als solches indes umso mehr, aber das ist ein anderes Kapitel). Mag er also ruhig seinen Marsch spielen. Der Petersburger wäre mir allerdings lieber (oder hat der jetzt auch wieder jemandem ganz besonders gut gefallen, dass es zum Symbol reicht?).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Ich stelle an dieser Stelle fest, daß dieses Forum nicht dafür gedacht ist politische Meinungen zu äussern - seien sie nun rechts - oder linksorientiert.


    In der Tat ist die Gesellschaft derzeit dabei - so scheint es mir - einen Rechtsruck zu vollziehen. Dies zu kommentieren steht jedem frei - ist aber nicht Thema dieses Forums.


    Wenn der bewusste Marsch - angeblich ein politisches Signal (was mir als Österreicher erst durch dieses Forum mitgeteilt wurde) nun öffentlich gespielt wird - und das ein Signal gewesen sein soll (?)
    dann wäre es interessant, wie denn das Publikum darauf reagiert hat.


    a) überhaupt nicht


    Dann würde ich das so bewerten: Die Leute kennen die "Symbolik" mehrheitlich nicht - oder sie ist ihnen egal


    b) Mit starken Unmutsbezeugungen


    Das wäre dann das Zeichen , daß man darin eine Symbolik erkennt die man ablehnt oder verabscheut. Es würde vermutlichSignalwirkung haben (?)



    c) mit frenetischem Jubel


    hier wären immerhin ZWEI Möglichkeiten


    1c) Die Leute freuen sich, daß endlich wieder "gedeutschtümelt" (welches Wort !!! :D ) werden darf - bzw wird...


    2c)es ist in der Tat eine politische Aussage.
    Sollte sie mehrheitlich auf Zustimmung stoßesn, würde ein Verbot des Marsches allenfalls einer kosmetischen Korrektur gleichkommen...
    und somit sinnlos sein.
    -----------------------------------------------------------


    Persönlich finde ich, man sollte auf Verzichtbares verzichten, wenn man damit den allgemeinen Frieden zumindest scheinbar erhalten kann -
    aber wie man sieht scheint es Einschaltquoten zu bringen - und Einschaltquoten und verkaufte Stückzahlen sind heute das Maß aller Dinge.


    Einige haben es offensichtlich nicht begriffen - desto öfter Ihr Herrn Thielemann zu diskreditieren versucht, desto mehr wird er nach oben steigen - DER deutsche Dirigent des 21. Jahrhunderts.


    Oder habt ihr wirklich geglaubt die Berliner Philharmoniker sind ALLE glücklich über Rattle, der ihnen Repertaoiränderungen aufzwingt, die sie - zumindest von künftigen Verkaufszahlen in Defensivposition zu den Wiener Philharmonikern bringt?
    Der derzeitige Schritt ist eine weitere Schwächung der Berliner - und vor allem Rattles. Irgendwann wird man sich dieses aus meiner Sicht relativ glücklosen Dirigenten entledigen und ein Christian Thieleman an der Spitze der Berliner Philharmoniker wäre denkbar.


    Das sind hier lediglich Prognosen - keine Wunschvorstellungen etc...


    Ich versuche lediglich kommende Entwicklungen vorherzusagen, und harre gespannt darauf ob sie eintreffen - oder nicht...


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Ich bin ja immer wieder fasziniert, was passiert, wenn der Name Thielemann fällt.


    Da sind die, die ihn grundsätzlich wegen seiner Art nicht leiden können, dann die, die ihm Nationalismus, Faschismus und was nicht noch alles vorwerfen und dann noch die, die ihn einen gaaaaanz schlechten Dirigenten finden.


    Dazu folgendes:
    In der stimmreichen Diskussion über die Ursache der Schweinegrippe in Deutschland und über mögliche Präventionsmaßnahmen fiel der Name Thielemann bislang nicht. Das heißt, Thielemann ist nach den bisherigen erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts bisher nicht als Verantwortlicher für den Ausbruch der Schweinegrippe identifiziert worden. Und nach den Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts ist die Vermeidung von Thielemanns Aufnahmen kein Garant dafür, nicht an der Schweinegrippe zu erkranken.


    Davon abgesehen:
    Ich kann nicht verstehen, weshalb über einen der zumindest besseren Dirigenten derzeit so viel Schmähungen ausgegossen werden, die sich insbesondere nicht auf bestimmte Werke beschränken, sondern völlig pauschal in den Raum gestellt werden.
    Thielemann mag nicht allzu sympathisch sein, aber es geht ja auch nicht um Freundschaften auf dem Ponyhof, sondern um Musik und Spitzenorchester.
    Und da verstehe ich schlicht nicht, weshalb man Leistungen, meinetwegen auch zähneknirschend, nicht auch mal anerkennen kann.
    Die großen Orchester reissen sich um ihn. Er nimmt Beethoven mit dem WPO auf, er ist DIE Wagner-Bank in Bayreuth und alle wollen Wagner mit ihm machen. Die Stars der Szene, wie Fleming, wollen Strauss mit ihm machen. Sein Bruckner, ob in München oder Dresden, wird rauf und runter gelobt. Trotzdem wird immer so getan, als werde hier ein unbekannter Hilfslehrer, der mal eben bei Deutschland sucht den Dirigiernachwuchs à la Paul Potts gewonnen hat, mithilfe Dieter Bohlens nach oben gepusht.
    Ich verstehe schlicht nicht das Problem. Darf ein deutscher Dirigent das deutsche Kernrepertoire des 19. Jhts nicht dirigieren? Und nur weil er Pfitzner dirigiert hat, ist er ein Nazi?
    Ja, er lässt es krachen und ja, er hat eine vielleicht althergebrachte Auffassung der Werke. Ist Harnoncourts ständig auf Akzente gebürstete Interpretation nicht auch diskussionswürdig? Dem einen gefällt's, dem anderen nicht. Aber das erklärt die Reaktionen nicht. Da macht er Aufnahmen mit hochklassigen Orchestern und wird so hingestellt, als sei ein Betrunkener in eine Probe gefallen.
    Es mag schwierig im Umgang sein und was man über ihn, wie zuletzt in München liest, kommt man mit manchen Menschen besser zurecht. Aber dann dürfte man Toscanini gar nicht hören, ganz abgesehen von Diven wie Muti oder Kleiber.
    Und was genau macht aus ihm eigentlich den Nazi? War Bernstein Nationalist, weil er amerikanische Dirigenten aufs Programm setzte? Was ist mit Barbirollis Aufnahmen von Elgar oder Vaughan Williams? Und nicht zu vergessen die Russen, die Schostakowitsch, Tschaikowsky und was nicht noch dirigiert haben. Gergiev muss ja die Wiedergeburt Stalins sein.


    Und jetzt mal zum eigentlichen Thema:
    2004 Carmina Burana
    2006 Don Juan, Rosenkavalier, Mozart
    2007 Mussorgsky, Borodin


    Das sind nur Bsp aus den letzten Jahren. Silvesterkonzert, Rattle, BPO. Hätte Thielemann schon 2004+6 am Pult gestanden, würden wir wohl jetzt wieder alle drei Strophen der Hymne singen, was?
    Rattle ist auf dem englischsprachigen Markt einer der großen Stars. Neulich in New York konnte man das in den Platten- und Buchläden gut sehen. Oder die EMI-Boxen: Simon Rattle dirigiert.
    Es wird wohl kaum jemand behaupten, die Staatskapelle sei gegenüber dem BPO ein wesentlicher Abstieg. Und Dresden mit der Semperoper und aller Barockpracht bietet, sorry Berliner und Berlin-Fans, die hübschere Kulisse für den Event. Programmatisch sehe ich wenig Probleme. Ich war letztes Jahr bei den MPHIL und Thielemann, da gab es Beethovens 9.. Deutschtümelei? Nationalismus? Wohl nicht, zumal ja Freude schöner... ja auch noch EU-Hymne ist. Aber vielleicht will ja Thielemann auch die EU-Herrschaft an sich reissen?
    Dieses Jahr gibt es Wagner. Ich habe die Reichskriegsflagge schon mal gebügelt, um sie bei der Meistersinger-Ouv. kräftig schwenken zu können.


    Rattle internationalisiert dias BPO, bringt Geld in die Kasse, was der Berliner Hauhalt sicher gut brauchen kann, will man sich weiterhin Kultur auf höchstem Niveau leisten. Ob jeder Musiker mit dem dazugehörigen Programm einverstanden ist, sei dahin gestellt. Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen, sollte Thielemann tatsächlich eines Tages in seine Heimatstadt wechseln. Wo wäre das Problem? Und sollte es nicht immer an den anderen liegen, dass er geht, sondern auch an ihm, dann würde das beim BPO ein kurzes Vergnügen. Man wird das in Dresden jetzt sehen.


    Für die Diskussion erwarte ich mir ein bisschen mehr Substanz und nicht das lediglich heiße Luft produzierende Wiederkäuen all der bekannten Thielemann-Klischees und Ressentiments.
    Das beginnt damit, sich mal fundiert mit seinen Aufnahmen auseinanderzusetzen und sich nicht auf Bruckners 5. zu beschränken, weil es die neulich billig am Wühltisch gab, sollte seinen Interpretationsansatz miteinbeziehen und bei der Diskussion enden, was man denn gern von einem Spitzenorchester gespielt bekommen möchte, auf CD und im Konzertsaal. In den Umfragen werden zwar immer die üblichen Verdächtigen genannt (Beethoven, Mozart, Bruckner, Mahler, Schumann, Brahms), aber genau die soll er ja nicht aufführen. Was also dann?

  • Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Ich verstehe schlicht nicht das Problem. Darf ein deutscher Dirigent das deutsche Kernrepertoire des 19. Jhts nicht dirigieren? Und nur weil er Pfitzner dirigiert hat, ist er ein Nazi?


    Man sieht, daß Du das Problem nicht verstehst. Es geht nicht um Pfitzner. Es geht um das bewußte Benutzen von Nazi-Symbolik und Nazi-Vokabular.



    Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Es mag schwierig im Umgang sein und was man über ihn, wie zuletzt in München liest, kommt man mit manchen Menschen besser zurecht. Aber dann dürfte man Toscanini gar nicht hören, ganz abgesehen von Diven wie Muti oder Kleiber.


    Es geht überhaupt nicht darum, wie Thielemann privat oder bei der Arbeit ist.



    Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Und was genau macht aus ihm eigentlich den Nazi? War Bernstein Nationalist, weil er amerikanische Dirigenten aufs Programm setzte? Was ist mit Barbirollis Aufnahmen von Elgar oder Vaughan Williams? Und nicht zu vergessen die Russen, die Schostakowitsch, Tschaikowsky und was nicht noch dirigiert haben. Gergiev muss ja die Wiedergeburt Stalins sein.


    Nein. Niemand beschwert sich, wenn Thielemann gerne deutsches Repertoire dirigiert. Es sind gewisse Stücke, die nicht zum typischen deutschen Nachkriegs-Repertoire eines deutschen Dirigenten gehören und bestimmte Äußerungen, die wiederum Thielemanns Vorliebe für Wagner, Pfitzner, Bruckner und Strauss verdächtig machen.



    Zitat

    Original von Luis.KeucoFür die Diskussion erwarte ich mir ein bisschen mehr Substanz und nicht das lediglich heiße Luft produzierende Wiederkäuen all der bekannten Thielemann-Klischees und Ressentiments


    Ist alles vorhanden. Wir reden hier ja nicht von Klischees, sondern von dokumentierten Entgleisungen Thielemann. Es gibt keine Klischees. Thielemanns Problem ist, daß er die Geister nicht mehr los wird, die er selbst rief.


    M.

  • Mengelberg:


    Was wirfst du Thielemann denn konkret vor?
    Was hat er denn an Nazi-Symbolik und Nazi-Vokabular benutzt?
    Was ist denn das Repertoire, dass der deutsche Nachkriegs-Dirigent nicht dirigieren sollte?
    Was für Entgleisungen sind konkret gemeint?

  • Dazu kommt noch:


    Neben seinen eher zweitklassigen Werkdeutungen auf Bühne und Konzert sowie auf Konserven stört mich der Charakter Thielemanns:


    Nachdem sich Wowereit in Berlin sehr stark gemacht hat für ein Bleiben Thielemanns an Berlins Deutscher Oper, nachdem Luisi schon in den Startlöchern stand. So dass Luisi nach dem langen Hinhalten, nach Thielemanns Abwinken, selbst der Oper eine Absage gab.


    Und jetzt dieses Theater in München, wo er Gastdirigenten vorschreiben wollte, was sie dirigieren dürfen und was nicht! :kotz:



    :hello: LT

  • ich möcht DOCH etwas hinzufügen:
    Eine gewisse Clique versucht, Dirigenten, Interpreten und Komponisten die ihr politisch suspekt sind zu diskreditieren.
    Da sich herausgestellt hat, daß der Mehrheit des Publikums derart völlig gleichgültig ist - Klassikfreunde sind oft politisch VÖLLIG desinteressiert , ist man dazu übergeangen diese Leute KÜNSTLERISCH abzuwerten.
    Ein netter Versuch - Tamino ist hiefür jedoch meiner Meinung nach der falsche Ort. Das ist nun kein "Maulkorberlass" meinerseits, sondern meine persönlich Meinung, die ich hier positioniere, um klarzustellen, daß ich mich um die politische Orientierung der Tamino- Mitglieder nicht kümmere - ich will sie gar nicht wissen.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Zitat

    Original von Liebestraum
    ...
    Und jetzt dieses Theater in München, wo er Gastdirigenten vorschreiben wollte, was sie dirigieren dürfen und was nicht! :kotz:


    Mich überrascht eher, dass man davon so viel Aufhebens macht. Ich habe eigentlich angenommen, dass ähnliche Klauseln in jedem Vertrag eines Chefdirigenten stehen.


    Ein Chefdirigent ist auch für das Konzertprogramm mitverantwortlich. Und man macht im Allgemeinen eine Planung über mehrere Jahre im Vorhinein. Da hat ein Chefdirigent natürlich überhaupt kein Interesse daran, dass irgendein Gast etwas dirigiert, dass er in der kommenden Saison auch aufführen wird. Ihm so etwas vorzuwerfen finde ich schon erstaunlich....


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Glücklicherweise lebe ich in Berlin und nicht in Dresden oder Wien


    Jedem das seine. Wien ist schon ene sehr von Tradition geprägte Stadt ähnlich wie Venedig und Paris. Ich brauche nur den Wiener Musikverein gegen dien Zirkus Karajani zu vergleichen - spätestestens dann weiß ich was ich vorziehe.......


    Aber das war gar nicht das Thema


    Ich bin nahezu überzeugt, daß nach der Ära Rattle in Berlin die Ära Thielmann folgt, Dresden ist nur das Sprungbrett......


    Das ist eine kalt kalkulierte Einschätzung der Situation - kein Wunschdenken oder ähnliches. An einem Dirigenten, der DERART polarisiert kann die Musikindustrie nicht vorübergehen.
    Thielemann ist vermutlich der derzeit INTERESSANTESTE uns UMSTRITTENSTE Dirigen der deutschen Szene.
    Ich juble jedes Mal wenn sein Name fällt, denn dann füllt sich das Forum - und vermutlich auch die Konzertsäle und die Kassen der Deutschen Grammophon.
    In dieser Form hat das nicht mal Celi geschafft, nur Karajan.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Interessant, welche Lawine diese Meldung hier lostritt.


    Das ZDF ist offenbar doch weitaus konservativer als ich gedacht hätte. Der Schwenk zu Thielemann ist in jedem Fall eine Aburteilung des doch im Vergleich offeneren und internationaleren Rattle. Man bricht ja nun sogar mit einer Tradition und ersetzt nach 32 Jahren (1977 erstes Silvesterkonzert unter Karajan) das Stammorchester. Vielen dürfte es doch auch als "das" Silvesterkonzert schlechthin bekannt sein, das man völlig automatisch mit den Berliner Philharmonikern verbindet. Nun also mit der Staatskapelle Dresden. Ich begrüße es. Erstens mag ich den Klang derselben viel lieber als den der post-karajanianischen Berliner, zweitens darf so ein Silvesterkonzert m. E. durchaus mehr deutsches Repertoire enthalten (bei den britischen "Proms" wird auch was Britisches gespielt; langsam wird es Zeit, daß auch wir Deutsche und Österreicher sowas als völlig selbstverständlich ansehen und dann ruhig was Nationales aufführen) – und dafür sind sowohl die Dresdner als auch Thielemann (zurecht) berühmt.


    Gute Entscheidung, ZDF!

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Thielemann ist für mich so ein Newcomer, der mangels eigener deutscher Stardirigenten von einem Teil der dt. Medien zu einem solchen gemacht werden soll. Er unterstützt das noch, in dem er zur weiteren Profilierung rechtslastiges Zeugs los lässt, mit dem Ergenbis, dass er damit einen Bekanntheitsgrad erhält, der in keinem Verhältnis zu seinen künstlerischen Leistungen steht.
    Gemessen an dem ganzen Getöne und Gedröhne rund um Herrn Thielemann herum, hat mich das, was ich musikalisch von ihm kenne, schlicht und einfach enttäuscht, so dass ich jetzt nicht einmal mehr bereit bin, Aufnahmen von ihm gebraucht zu kaufen.


    Von dem her gesehen - und ich seh´s von dem her - mag ich mich nicht einmal über die komischen Äußerungen von ihm aufregen und wenn er sich selbst zur musikalischen Geleonsfigur eines Rechtsrutsches innerhalb der Gesellschaft stilisiert oder dazu stilisiert werden soll, kann ich diesem doch mit einer großer Gelassenheit entgegensehen, denn wenn da nicht mehr Substanz dabei ist...


    Wenn Alfred also sagt:


    Zitat

    Einige haben es offensichtlich nicht begriffen - desto öfter Ihr Herrn Thielemann zu diskreditieren versucht, desto mehr wird er nach oben steigen - DER deutsche Dirigent des 21. Jahrhunderts.


    dann hat er grundsätzlich recht, bloß wird Thielemann dadurch trotzdem nicht der dt. Stardirigent des 21. Jhdt., ermangelt es ihm doch dazu an künstlerischer Qualität.


    Viele Grüße
    John Doe


    P.S.
    Es ist durchaus bekannt, dass der Badenweiler Marsch H.s Lieblingsmarsch war, genauso wie bekannt ist, dass die Fledermaus die letzte Musik war, die er sich in seinem "Bonkerr" gegeben hat. Und Spaghetti mit Tomatensauce war sein letztes Abendmahl und geraucht hat er auch nicht und Kaffee hat er auch keinen getrunken.

  • An alle Thielemann-Kritiker:


    Hallo?! Kann mal eine(r) von euch klar benennen, was an Thielemann ausser seines schwierigen Charakters und seines rumpelnden Auftretens so schlecht, falsch, politisch inkorrekt oder künstlerisch zweitrangig ist?


    Hier wird einfach nur grob durchgeholzt. Ich weiss nicht, warum. Ist es immer noch der allgemeine Eigenhass von 1968, als man begann, sich für seine Eltern und damit sich selbst zu schämen? Darf ein deutscher Dirigent keinen Erfolg haben, weil er Deutscher ist?
    Wer von euch Kritikern kennt denn nun tatsächlich was aus seiner Diskographie? Oder schreibt ihr nur vom Hörensagen oder schließt von Zeitungsmeldungen auf seine künstlerische Arbeit? Seid ihr vielleicht einfach nur neidisch, dass er Erfolg hat und ihr nur zu Hause sitzt und es nicht ans Pult des WPO geschafft habt?
    Da kann ich euch nur mit Sartre antworten, auch etwas für die 68er:
    "Kritik, die straft, ohne zu verhindern, ist Rache."
    Also, mal weg von euren existenziellen Sorgen und Nöten und hin zum konstruktiven Diskurs.


    @Alfred:
    Ich teile die Einschätzung, dass Thielemann über Dresden nach Berlin will. Das wäre auch eine logische Karriere. Ich halte das aber weniger für eine PR-Inszenierung, sondern für Thielemanns Wesen. Er hat sich durch die Provinz gekämpft und will jetzt der größte Dirigent in Deutschland werden, größer als sein ehemaliger Lehrer Karajan. Und wenn er weiter in Bayreuth tätig ist und das BPO bekommt und - nebenbei - mit dem WPO Beethoven aufnimmt, dann ist er wohl tatsächlich ganz oben. Aus meiner Sicht spricht auch künstlerisch viel für ihn, weshalb diese Entwicklung durchaus stimmig wäre.


    Joseph II.:
    Ich verweise auf meinen gestrigen Beitrag. Auch Rattle hat durchaus deutsches Repertoire beim Silvesterkonzert spielen lassen. Ich finde aber, darauf kommt es nicht an. Es sollte nur dem Rahmen angemessen sein. Man kann auch das Verdi-Requiem spielen. An Rattle stört mich eher eine gewisse Ziellosigkeit und ein zu flaches Dirigat. Es fehlt mir der Zug (bei einem Stürmer würde man sagen: Der Zug zum Tor.). Die Aufnahmen aus Birmingham sind frischer, beißender, zupackender. Es ist so, als habe er sich abgenutzt. Auch da kann man allerdings diskutieren, ob er vielleicht mehr für den englischsprachigen und asiatischen Markt dirigiert. Wenn ich an Zinmans fade Zyklen von Beethoven und Mahler denke und wie die in GB und USA gehypt werden, dann könnte man fast glauben, dieses müde Gefiedel sei publikumsbezogen.
    Doch zurück: Auch bei Rattle ließe sich durchaus eine gewisse Unbeirrbarkeit diagnostizieren, die nun zum Bruch mit dem ZDF geführt hat. Mir ist das ja wurscht, weil ich ohnehin Thielemann mit dem MPHIL und Wagner an Silvester höre (ich wiederhole mich an dieser Stelle gern). Ich verweise auch auf die übrigen Aspekte wie Kulisse (Dresdener Barock vs Berliner Niemandsland um die Philharmonie), Gagen, etc., die beim ZDF vermutlich auch eine Rolle gespielt haben.


    John Doe:
    Bei Thielemann kann man wohl nicht mehr von Newcomer sprechen, wenn jemand in Bayreuth, an der Wiener Staatsoper, , mit dem WPO, an der MET etc. schon so oft gearbeitet hat. Und das "rechtslastige Zeugs" möchte ich mal im Wortlaut vorgelegt bekommen. Oder hast du ihn bei einer NPD-Demo gesehen? Und wo hier eine "Galeonsfigur eines Rechtsrutsches" erkennbar sein soll, weiss ich beim besten Willen nicht. Oder gibt es den nur unter Klassik-Fans? Weil eine Regierung, die von einer einmal geschiedenen, kinderlosen Ostdeutschen und einem Schwulen angeführt wird, spricht wohl eher gegen eine reaktionäre Gesellschaft, oder?
    Aber klar: Wer heute Beethoven, Bruckner, Brahms und Schumann hört, der steht so weit rechts, dass man ihn mit dem Fernrohr suchen muss.

  • Zitat

    Es ist durchaus bekannt, dass der Badenweiler Marsch H.s Lieblingsmarsch war, genauso wie bekannt ist, dass die Fledermaus die letzte Musik war, die er sich in seinem "Bonkerr" gegeben hat


    Lehars "Die lustige Witwe" was ebenfalls auf H.s Hitliste im Bunker der Reichskanzlei. Ausserhalb des Bunkers war Schluss mit lustig.

    :):):)

  • Ich bitte wirklich nachdrücklich darum, diese vollkommen unnötige Verdächtigungs- und Bezichtigungsdebatte einzustellen und zum Thema zurückzukommen. Danke! TP

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.