Mailänder Scala: Emma Dante inszeniert "Carmen"

  • Heute ist der 7. Dezember, Namenstag des hl. Ambrosius, Bischof von Mailand (Heiliger auch der Imker, der Bienen und des Honigs!) - traditionell wird an diesem Tag die neue Spielzeit in der Mailänder Scala eröffnet!


    ARTE überträgt heute die Premiere von Bizets "Carmen", inszeniert von Emma Dante. Am Dirigentenpult steht Daniel Barenboim – ein mit Spannung erwarteter Opernabend. Zum ersten Mal wagt sich die sizilianische Regisseurin an eine Oper. Sie gilt als "enfant terrible" der italienischen Theaterszene. Ihre Stücke spielen immer in ihrer Heimatstadt Palermo, wo sie Frauen, Religion und Mafia aufeinanderprallen lässt. Wie da wohl Carmen wegkommt?


    Für uns ist natürlich interessant, dass der Münchner Tenor Jonas Kaufmann den Don José singt! Die Entdeckung des Abends dürfte die junge georgische Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili als Carmen sein. Der uruguayische Bassbariton Erwin Schrott gibt den Escamillo, den er bereits erfolgreich gesungen hat.


    Montag, 7. Dezember 2009 um 20.45 Uhr - ARTE F

    Carmen - Live aus der Mailänder Scala


    Dirigent: Daniel Barenboim
    Ausstattung: Richard Peduzzi
    Licht: Dominique Bruguière
    Inszenierung: Emma Dante
    Moderation: Annette Gerlach
    Fernsehregie: Patrizia Carmine



    Hier erwarte ich nun Eure Eindrücke!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Als bekennender Jonas Kaufmann Fan erwarte ich mit großer Spannung und Vorfreude die heutige Live-Übertragung und hoffe, dass Kaufmann auch singen wird. Die Generalprobe musste er krankheitshalber absagen.


    :hello: :hello:


    Jolanthe

  • Hier die Besetzung des heutigen Abends:


    Don José - Jonas Kaufmann
    Escamillo - Erwin Schrott
    Le Dancaïre - Francis Dudziak
    Le Remendado - Rodolphe Briand
    Moralès - Mathias Hausmann
    Zuniga - Gabor Bretz
    Carmen - Anita Rachvelishvili
    Micaëla - Adriana Damato
    Mercédès - Adriana Ku
    erová
    Frasquita - Michèle Losier
    Une marchande d'oranges - Perla Viviani Cigolini
    Un bohémien - Lorenzo Tedone
    Lillas Pastia - Gabriel Da Costa
    Guida - Carmine Maringola


    Direttore - Daniel Barenboim
    Regia e costumi - Emma Dante
    Scene - Richard Peduzzi
    Luci - Dominique Bruguière


    Palermo statt Sevilla - wie findet ihr Bühnenbild und Kostüme?
    Was sagt ihr zu den Kindersoldaten?


    Die Inszenierung durch Emma Dante dürfte doch genug Diskussionsstoff abgeben!


    LG


    :pfeif:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Seit dem Weggang Mutis dümpelt das Orchester der Mailänder Scala so dahin...


    Barenboim am Pult liefert die schwächste Leistung seit langem. So uninspiriert habe ich ihn schon lange nicht mehr erlebt. Kein Vergleich mit der musikalische Leitung der "Carmen" an der Lindenoper!


    Abgesehen vom hervorragenden Jonas Kaufmann, kann man leider auch gesanglich nichts gutes vermelden (bisher zumindest). Der 1. Auftritt der Carmen der Anita Rachvelishvili war gesanglich sehr schwach. Außerdem neigt ihre Stimme sehr zum Vibrato. Auch darstellerisch kann sie kaum überzeugen. Mit dem Hin- und Hergschmeiße der Haare will sie Eindruck schinden!?


    Das Gekreische der Micaela ist am Rande des Erträglichen.


    Das Publikum hät sich sehr zurück. Mich wundert es nicht!


    Mal sehen, wie es weiter geht!


    :hello: LT

  • An großen Gesten läßt er es ja nicht mangeln....


    Überhaupt ist er schwer beschäftigt in diesen Tagen in Mailand:


    Übermorgen die große Placido-Domingo-Gala (mit Nina Stemme und Kwanchul Youn), und dann noch Klavierabend mit Chopin-Solo-Programm, und dazwischen immer wieder die Carmen!


    Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste!


    ....Eben tritt Erwin Schrott auf... (Hätte mir mehr versprochen!) :(


    LG


    :baeh01:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich finde Kaufmann diesen Abend nicht so toll wie sonst. Klingt etwas belegt. Im Vergleich zu seinem Londoner Jose wirkt er weniger präsent. Kann natürlich auch mal wieder an der Regie liegen. Das ist ja ein trübes Spektakel.

  • Waren die ersten zwei Akte nur trist und grau, so wurde es danach wieder regietheatermäßig richtig wüst:


    In der Schmugglerszene wuselte lebendiges Gestrüpp herum, Micaela kam mit Messdienern angewatschelt und verwandelte sich in Joses Mami - mitsamt Bett und Kissenlandschaft. Gähn, da wurde ich dann richtig wüde. Und im letzten Akt schwint ein überdimensionales Weihrauchfass über der Szene. Das gab es auch schon bei der Kölner "Forza del destino" und - jetzt hat sich der Bildschirm verabschiedet: Bildstörung. Ich nehme das zum Anlass diesen unerfreulichen Opernabend zu beenden. RIP Carmen. Ich glaube so langsam, man sollte es wie Herbert machen: Die alten Erinnerungen pflegen und den Opernhäusern den Rücken kehren. Die heutigen Entscheidungsträger und ihre Handlanger tun alles um einen die Freude an diesem Sujet zu vermiesen. Es friert einem.

  • Man sollte es wirklich so machen wie KNUSPERHEXE es in seinem letzten Beitrag geschrieben hat . Weg von der derzeitigen Opern - Unkultur !




    Ein e seit vieln Jahren gehende Unverschämtheit gegenüber dem zahlenden Publimuk .


    Dann doch liebr sehr gute Ausfteichnungen auf DVD .


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Das Mailänder Wirtchaftsblatt "Il sole 24 ore" schreibt über die Premiere: "Frischer Wind in der Scala", im Sinne, daß sowohl die Carmen von einer Debütantin gesungen wurde, als auch die Regisseurin noch nie zuvor eine Oper inszeniert hat.
    Zu den Stimmen schreibt das Blatt, daß es vereinzelt Buh Rufe aus den höheren Rängen gab, die Barenboim aber mit seiner flotten Interpreation wettmachte.
    Mir hat die Aufführung nicht gefallen: Regie zu dick aufgetragen, Stimmen vereinzelt passabel und Jonas Kaufmann irrte auf der Bühne herum, als sei ihm nicht ganz wohl (wohl eine Anweisung der Regie), und erstaunlicherweise hatte er noch Puste zum Singen. Ansonsten Massenauftritte (Chor) und vor allem High Soceity Defilee in der Pause, inkl. Staatspräsident Napolitano.
    LG Michael

  • Ich muss gestehen, dass ich nicht ganz bis zum Ende durchgehalten habe, am Ende des driitten Aktes siegte meine Müdigkeit über das Interesse an dieser durchaus zwiesspältigen "Carmen".
    Der musikalische Teil war durchwachsen, Micaela eine echte Katastrophe und auch die Carmen, trotz einer im Grunde schönen, ausdrucksstarken Stimme, verließ sich etwas zu sehr auf ihre wahrlich beeindruckende Mähne....stimmliche Charakterisierung konnte ich allerdings kaum erkennen und die Chemie zwischen Jonas Kaufmann und ihr schien mir nicht vorhanden. Daran krankte auch Kaufmanns Don José....er war stimmlich sicher nicht im Bestzustand, die Generalprobe hatte er ja noch absagen müssen und auch seine vielgerühmte darstellerische Präsenz konnte ich nur dann und wann aufblitzen sehen. Zu oft schien er neben sich und irgendwie außerhalb des Bühnengeschehens zu sein. Erwin Schrott war gestern selbiger....so schlecht, mehr knarzend als singend, habe ich ihn noch nie gehört.


    Daniel Barenboims Dirigat war solide,wirkte aber, wie die ganze Vorstellung irgendwie "uninspiriert" Emma Dante wurde, laut italienischer Presse, ausgebuht und vielleicht war es ihre Auffassung, die ich als schwer und lähmend empfand, die sich wie Blei auch auf das gesamte Ensemble legte und so zu dem wenig begeisternden Ergebnis führte.


    Wohlgemerkt schreibe ich diese Eindrücke als "Fernseherin"....im Haus, live dabei, mag der Eindruck ein anderer gewesen sein.
    Die meiste Energie strahlte gestern Abend der von Frau Gerlach in der Pause interviewte "Jubilar" Plácido Domingo aus....allerdings wie immer bei "ARTE" grottenschlecht übersetzt!


    LG
    Fides :hello:

    La vita è bella!

  • Zitat

    Original von Michael
    Zu den Stimmen schreibt das Blatt, daß es vereinzelt Buh Rufe aus den höheren Rängen gab, die Barenboim aber mit seiner flotten Interpreation wettmachte.


    Vielen Dank Michael für die wiedergegebene Rezension. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Presse manipuliert und Marketing für das Regietheater betreibt: Ich habe am Ende nämlich noch mal den Fernseher angemacht und da waren keine vereinzelten sondern viele massive Buhs zu hören, die Barenboim veranlassten - aus welcher Empathie auch immer - Hand in Hand mit der Regisseurin noch mal nach vorne zu schreiten. Auch typisch wie die aufgebretzelte Moderatorin die vielen Buhs süffisant kommentierte: "Es ist eben ein sehr konservatives Publikum in der Premiere..."


    Oh Mann, da lobe ich mir doch die Foren. Die Medien kann man getrost vergessen. Wenn ich allein noch an die täuschenden Kritiken zur Samson-Premiere in Köln denke. Da hieß es, das Premierenpublikum sei begeistert gewesen. Quatsch, da wurde lautstark gebuht. Echt, man wird heute von vorn bis hinten weichgespült.


    Noch was@Fides: Du sagst es, die Chemie stimmte null. Vergleicht man die DVD der Carmen aus London mit dieser, so erlebt man einen ganz anderen Jonas Kaufmann: Vital, schauspielerisch wahnsinnig präsent und inspiriert. Diese Inszenierung war voller Glut und Leidenshaft. Das gestern war ein Schlafmittel. Einzig die Kampfszene zwischen Escamillo und Jose war gut choreographiert und wirkte dementsprechend glaubwürdig. Da stimmte auch die Chemie zwischen den beiden und es war ein echter Hahnenkampf. Aber der Rest: SCHROTT!!!!

  • Hallo Carmen-Fans,


    ich habe durchgehalten und aufgezeichnet.


    Ich besitze auch die DVD aus London.


    Alle bisherigen Beiträge waren negativ.
    Auch wenn das alles zutreffen sollte,
    muss ich dennoch fairerweise sagen,
    dass ich schon schlechtere Aufführungen
    gesehen habe.


    Gruß aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo aus der Oberpfalz!


    Ich bin ja beruhigt, daß ich mit meinem Empfinden nicht alleine bin.
    Dachte schon, ich verstehe irgend einen modernen Regieansatz nicht....


    Bleischwer und trübe, Don Jose und Carmen wie zwei Fremde, eine sehr unangenehme Micaela und ansonsten unschöne Massenszenen.


    Die Stimme der Carmen-Darstellerin ist schön, und ich glaube es ist für eine junge Sängerin mit wenig Erfahrung, schwierig in so einer bescheuerten Inszenierung zu debütieren. Außerdem hat sie sich in diesem Kleidchen sichtlich unwohl gefühlt, wie soll man da entspannt singen und erotisch wirken.



    Liebe Grüsse,



    Anna

  • Also ich muß gestehen, ich war auch ziemlich enttäuscht über den gestrigen Abend. Tröstlich war für mich allerdings, dass vor einem Jahr die Eroffnungspremiere aus Mailand noch viel schlechter war - der "Don Carlos"


    Ich war sehr gespannt auf die Inszenierung von Emma Dante, was schon dem Titel dieses Threads zu entnehmen ist. Vorher hatte ich mich über ihre Theaterarbeit in Palermo (bisher allerdings nur Sprechtheater) informiert - soo schlecht fand ich ihre gestrige Arbeit eigentlich nicht. Als sie am Ende einsam und klein vor dem laut "Buh" rufenden Publikum dieses riesigen Hauses (gemessen an Palermo) stand, konnte sie einem fast leid tun, was Barenboim wohl ebenso empfand und sie demonstrativ in den Arm nahm.


    Natürlich gibt es viel zu kritisieren, aber ich habe den kompletten Abend auf der Festplatte und werde das Ganze irgendwann nochmal in aller Ruhe auf mich einwirken lassen. Vorher möchte ich eigentlich keine Einzelkritiken abliefern.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Da schon fast alles gesagt ist, möchte ich nur noch erwähnen, das für mich Jonas Kaufmann, obschon er dauernd herumgeschubst wurde, der beste Gesangssolist war. Die Tonqualität war miserabel, bis auf die Pausengespräche. Außerdem wurde die "Live-Übertragung" ja schon ab 18,00 Uhr im Runfunk gesendet.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Ich hatte mir gestern die ganze Carmen angesehen und war auch nicht sehr begeistert.


    Barenboim dirigierte sehr behäbig.


    Die Sängerin der Michaela gefiel mir überhaupt nicht, Erwin Schrott sang unsauber und konnte mich nicht überzeugen. Das Timbre der Anita R. empfand ich als sehr angenehm, aber ansonsten wirkte sie eigentlich nicht sehr erotisch. Jonas Kaufmann gefiel mir gut, blieb aber im letzten Akt doch etwas unter seinen Möglichkeiten.


    Die Inszenierung war sehr gewöhnungsbedürftig. Es gab vieles, was mich massiv störte, z.B. die vermummten Leute mit Krone, die ab und an auftauchten, das weiße Hochzeitskleid der Michaela im ersten Akt, dieses minutenlange Gezerre an den Haaren der Arbeiterinnen, die Kinder in den Unterhosen usw.
    Am schlimmsten fand ich die Verwandlung der Michaela in die sterbende Mutter des Don José, die dann tot auf dem Kopfkissen lag, bedeckt mit einer riesigen Zudecke.


    :hello:
    Jolanthe

  • Zitat

    Original von Jolanthe
    Am schlimmsten fand ich die Verwandlung der Michaela in die sterbende Mutter des Don José, die dann tot auf dem Kopfkissen lag, bedeckt mit einer riesigen Zudecke.


    Da kann ich nur zustimmen! Trotzdem, das Dirigat und der Chor waren sehr gut und die Carmen sensationell! Kaufmann wurde zum Ende immer besser. Die Micaela leider eine Katastrophe und Escamillo ohne irgend eine Ausstrahlung.


    :hello:


    Gerd

  • Lieber Gerd,
    das Dirigat fand ich außergewöhnlich langweilig. Das Torerolied, eigentlich das bekannteste Stück aus Carmen war ohne Pfiff und es forderte auch keinen Beifall heraus. Der Chor sang natürlich gut, weil er nur hervorragende Stimmen hat. Das die Carmen sensationell war, ist mir auch nicht aufgefallen, ihre Haare waren allerdings toll. In allem anderen bin ich Deiner Meinung.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Was uns "arte" nicht gezeigt hat und auch die Moderatorin verschwieg:



    LG


    :baeh01:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zuerst war ich traurig, weil ich erst mitte des zweiten Aktes in die "Carmen" einsteigen konnte, später sind mir die ersten eineinhalb Akte nicht mehr abgegangen.


    Neben einigen blöden Regiegags sah ich eine gute Carmendarstellerin, einen im Finale sehr guten Jonas Kaufmann und eine lachhafte Michaela. Dirigat und Orchester waren langweilig.


    Regiemässig hat mir der vierte Akt doch ganz gut gefallen, Kolorit und Aktion (trotz vergewaltigungsversuch) zeigten eine erfahrene Regisseurin.


    Ein durchwachsener Abend, meint der


    Operngernhörer :hello:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Die vokalen Leistungen der drei Hauptpersonen fand ich eigentlich alle prima. Kaufmann gelang eine wunderbare Blumenarie (auch wenn er das B wieder ziemlich falsettiert hat). Auch Anita Rachvelishvili fand ich sehr überzeugend- für ein Rollendebüt grandios! Erwin Schrott wirkte seltsam unbeteiligt. Frau Damato als Micaela war dagegen unerträglich, allein wie sie die Arme verschränkte :kotz:!
    Barenboim spulte das Ganze recht lieblos herunter.


    Zur Regie: Laaaaaangweilig! Da wurden schlimmste Folkloreklischees aufgewärmt. Das war Anti-Tradition im schlimmsten Sinne. Was hat Kirchenkritik in der "Carmen" zu suchen? So ein Blödsinn... :no:. Es war keine Leidenschaft zu sehen oder zu spüren. Was sollten diese komischen Priester da im Hintergrund beim Duett Micaela-José im ersten Akt? Das mit dem Weihwassergefäß habe ich wohl verstanden- aber warum ist Carmen am Ende ein Opfer der Kirche?


    Zitat

    Original von Jolanthe
    Am schlimmsten fand ich die Verwandlung der Michaela in die sterbende Mutter des Don José, die dann tot auf dem Kopfkissen lag, bedeckt mit einer riesigen Zudecke.


    Ach, das sollte das sein... ?(


    Musikalisch also ein akzeptabler, szenisch ein äußerst dürftiger Abend- in jedem Falle aber besser als der Carlo im letzten Jahr. Was gibt's eigentlich nächstes Mal?


    :hello:

  • Jetzt habe ich die arte-Übertragung gesehen und war nach den vielen schlechten Kritiken teilweise angenehm überrascht. Carmen war für eine Rollendebütantin sehr gut (natürlich braucht man Jahre für eine wirklich überzeugende Darstellung dieser Rolle - aber so etwas scheint die Scala für ihre Saisonpremiere nicht mehr zu benötigen). Don José war Spitze im vierten Akt - kaum zu glauben, dass die schlecht fokussierten Mischlaute zuvor vom gleichen Sänger produziert wurden. Micaela war in der Tat kein großes Vergnügen. Erwin Schrott fehlt die Tiefe für den Escamillo, das war an einigen Stellen peinlich hörbar, aber für den Rest der Rolle machte er seinem Namen keine Ehre. Wunderbar Frasquita und Mercedes, der Rest des Ensembles vollkommen OK. Die Inszenierung hatte für mich mehr schwache als gute Momente, war aber insgesamt erträglich.


    Daniel Barenboim? Er war in der Tat weder spritzig noch inspiriert - aber hat man so etwas je von ihm gehört? Davon abgesehen war sein Dirigat stimmig und unauffällig, auf der Bühne ging musikalisch auch nichts schief - also hat er viel richtig gemacht.


    In Summe für mich eine Vorstellung, wo die Pluspunkte leicht im Vorteil waren. Für eine Saisonpremiere an der Scala doch etwas dürftig, aber die Milanesen sind in den letzten Jahren in dieser Beziehung ohnehin nicht sehr verwöhnt worden...


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Das hätte eine durchaus sehenswerte Inszenierung sein können, wenn das ganze Brimborium drumherum (Priester, Messdiener, über Michaela geworfener Schleier, wandelnde Bäume, gekrönte Masken als Begleitung des Toreros, sonstige schwarze Gestalten, gemimte Sterbeszene, nicht nur während der Prügelei herumkriechende und -zappelde Weiber und sonstige sich verrenkende Gestalten) nicht gewesen wäre. Einfach nur störend, ohne jeden sinnvollen Zusammenhang. lächerlich! Ich will nichts weiter dazu sagen, denn das ist in den vorhergehenden Beiträgen ausreichend besprochen worden. Die Schlußszene schien nach all diesem Blödsinn endlich ohne solche Dinge auszukommen, leider nur vorübergehend, dann öffnete sich die Mauer im Hintergrund und da standen sie wieder (in Kardinalsmützen?), so dass auch der Schluss eher zur Farce wurde. Kommen die heutigen Regisseure denn ohne diesen Firlefanz nicht aus? Hätte ich diese Inszenierung als erste meiner Carmen-Besuche gesehen, Carmen wäre wohl nie meine Lieblingsoper geworden.
    Musikalisch konnte ich das, was in den vorausgehenden Beiträgen gesagt wurde, nicht immer nachvollziehen. Lediglich Michaela erschien mir recht schwach.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Für mich war die Übertragung optisch und akustisch ziemlich enttäuschend und hat mich besorgt und nachdenklich gestimmt.


    Der jungen Georgierin gleich als erste Hauptrolle eine Scala-Premiere aufzubürden, finde ich von Barenboim unverantwortlich und der Kunst wenig dienlich. Warum dürfen sich junge Künstler nicht mehr an wachsenden Aufgaben weiterentwickeln? Müssen sie auf dem Altar des Kommerzes geopfert werden, bevor sie ihre Reife erreicht haben?


    Jonas Kaufmanns gequetschte Kehllaute schmerzten mich. Eigentlich ist er schon lange zu einem Bariton mutiert, wann bekennt er sich dazu?


    Und wäre Herr Schrott nicht der Lover von Anna Netrebko, würde er sich seine Brötchen in einem Provinztheater verdienen. Auch für ihn ist die Scala die falsche Liga.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • In Summe für mich eine Vorstellung, wo die Pluspunkte leicht im Vorteil waren. Für eine Saisonpremiere an der Scala doch etwas dürftig, aber die Milanesen sind in den letzten Jahren in dieser Beziehung ohnehin nicht sehr verwöhnt worden...

    Das sehe ich auch so, und der Chor der Scala war spitzenmäßig.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • So ähnlich sieht auch an der Rheinoper die neue Carmen Inszenierung aus. Personenregie findet leider gar nicht statt. Nur die Sänger sind an der Rheinoper besser als an der Scala. Schrott als Escamillio ist eine Zumutung , Kaufmann ein Durchschnitts Don Jose . Einzig sehens- und hörenswert fand ich die Carmen Darstellerin. Auch die Nebenrollen sind an der Rheinoper besser besetzt. Und das Dirigat von Barenboim das hätte auch jeder Kapellmeister besser hinbekommen.