Die Beliebtheit dieses Stückes kann ich nicht nachvollziehen...

  • aber dass dieses Werk "grausam überschätzt" sei (dass hieße ja, dass es über all gespielt werden würde)

    Wonach die Spielpläne sich richten, ist mir nicht ganz klar. Jedenfalls werden die Bohème, die Tosca, die Carmen, der Rigoletto öfter aufgeführt als der Tristan und in Schweden kommt nie ein Lortzing auf die Bühne. Ich würde da keine Schlüsse auf den Beliebtheitsgrad ziehen.


    Übrigens, ich habe nicht gesagt, dass ich den Rienzi nicht mag.

  • und in Schweden kommt nie ein Lortzing auf die Bühne. Ich würde da keine Schlüsse auf den Beliebtheitsgrad ziehen.


    Ich schon. Bis vor 40 Jahren setzte man in Deutschland einen Lortzing an, wenn man das Haus voll haben wollte. Das Publikum der deutschen Spieloper scheint aber inzwischen weitgehend ausgestorben, Wagnerianer und Verdianer wuchsen nach, Lortzing-Freunde hingegen nicht, weshalb inzwischen nicht nur in Schweden, sondern auch in Deutschland kaum noch Lortzing gespielt wird. Lortzings Popularität in Deutschland war immer ein nationales Phänomen, das inzwischen der fortschreitenden Globalisierung zum Opfer gefallen zu sein scheint. Lodemann berichtete schon vor Jahren in seiner sehr lesenswerten Lortzing-Biographie vor seinem Besuch in Zaandam, dass die Einwohner wussten, dass es über den Aufenthalt des russischen Zaren Peter I. in ihrem Ort eine Oper gäbe - von diesem Donizetti...

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Kommen wir jetzt vom Thema ab?

    Geschmacksache.


    Dein glänzendes Plädoyer für den Freispruch von der Beschuldigung des Langweilens für Papa Haydn macht aber Alles wieder gut.


    Ich hoffe nur, LaRoche schreibt sich das hinter die Ohren, denn wer die Schöpfung nicht ehrt, ist die Frau ohne Schatten nicht wert.


  • Über diesen Beitrag war ich sehr begeistert. Seit der Hogwood - Aufnahme bin ich Haydn rettungslos verfallen, bei den Sinfonien ziehe ich ihn Mozart vor. Ich kenne alle 104 Sinfonien und habe alle mindestens 10x gehört, aber eher 20x. Und da stellt sich heraus, dass jede anders ist und jede anders subtil ist. Leider endet meine Liebe mit Sinfonie 88, danach wird er gröber, publikumsnäher. Seine Höhepunkte sind die 40er für mich besonders 44, ich glaube, die habe ich schon 100x gehört. Im Gegensatz zu vielen Taminos hier besitze ich nur Aufnahmen mit historischen Instrumenten. Diese Aufnahmen mit großem romantischen Orchester sehe ich als Bearbeitungen Haydns Sinfonien an; ihnen fehlt fast immer das Subtile, was Haydn auszeichnet. Dass die Decca die Gesamtaufnahme mit Hogwood abgebrochen hat: dafür kriegen die Verantwortlichen jeder von mir als Theologen noch 2 Millionen Jahre aufs Fegefeuer drauf und müssen sich in dieser Zeit André Rieu und die Gesammelten Stücke von Schönberg anhören, und zwar täglich.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Ich hoffe nur, LaRoche schreibt sich das hinter die Ohren, denn wer die Schöpfung nicht ehrt, ist die Frau ohne Schatten nicht wert.


    Eine humorige Formulierung, die aber inhaltlich ein wenig so klingt, als hätte "Die Schöpfung" den Wert eines Pfennings und "Die Frau ohne Schatten" in Relation dazu den Wert eines Talers. Das würde ich doch anders gewichten wollen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • ..es geht um Haydn.
    Ich kenne nach wie vor keinen Komponisten, dessen Musik alles Ausgesprochene und Unausgesprochene dieser Welt in Noten zu setzen
    vermag wie er.
    Und je mehr ich lerne, zu wissen glaube und erfahre, um so mehr davon finde ich bei ihm.
    Mike"


    Das ist der einzige Punkt, an dem ich dir widersprechen möchte. Dieser Komponist für mich ist, keinen wird es wundern, Leos Janacek.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Lodemann berichtete schon vor Jahren vor seinem Besuch in Zaandam berichtet, dass die Einwohner wussten, dass es über den Aufenthalt des russischen Zaren Peter I. in ihrem Ort eine Oper gäbe - von diesem Donizetti...


    Und wo Van Bett begraben liegt, weiß auch niemand. Hoffen wir daher auf eine baldige Donizetti-Renaissance.


    Ich bin aber nicht überzeugt, dass zum Beispiel Flotows Martha ohne Besucher bliebe und habe eher den Verdacht, dass hier im Zeitalter des Regietheaters die Regisseure bei der Wahl des Repertoirs das Sagen haben, wenn auch nicht direkt.


    Um nochmal auf den Rienzi zurückzukommen: schon oft habe ich zu hören bekommen: Wagner? Lieber nicht, höchstens den Rienzi. Wenn ich mich nicht irre, war das auch mal hier im Forum gesagt.

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  • NOCH mehr Donizetti???


    Na ja, aber dann höchstens die Norma!


    Da saß mal jemand in der Oper und wurde immer nervöser. Schließlich, nach einer Stunde fragt er seinen Nachbarn: "Wann kommt denn endlich dieser Triumphmarsch?"
    - "Wie, Triumphmarsch? Das ist doch Carmen heute abend."
    - Ach das ist Carmen! Die kenn´ ich auswendig, ich geh´nach Haus."


  • Lieber Wolfgang, Dir - wie auch Mike und lutgra - vielen Dank für die Ausführungen zu Einspielungen, die mich evtl. noch zu dieser Sinfonie hinführen könnten. :)
    Und natürlich für den Beleg, daß diese Sinfonie durchaus ihre Liebhaber hat - wenn ich Johannes auch durchaus zustimmen würde, daß Bruckner draußen in der 'echten Welt' wohl nicht ganz so die große Nummer ist, wie ich und andere es hier gern hätten. Die Besucherzahlen verschiedener Konzerte, die ich besucht habe, deuteten auch in diese Richtung...


    Die erwähnte Karajan-Einspielung findet sich sogar in meinem Schrank - eventuell (bzw.: früher oder später mit Sicherheit) werde ich hier ja nochmal ansetzen. Auch mit Begleitlektüre habe ich es übrigens schon probiert (namentlich dieser hier), allein der zündende Funke ist bislang ausgeblieben. Aber noch ist nicht aller Tage Abend!

  • Ich hoffe nur, LaRoche schreibt sich das hinter die Ohren, denn wer die Schöpfung nicht ehrt


    Ich wußte gar nicht, daß die Schöpfung eine Sinfonie ist (mein Beitrag 265). Vielleicht bist Du im Besitz einer Instrumentalfassung??


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • dafür kriegen die Verantwortlichen jeder von mir als Theologen noch 2 Millionen Jahre aufs Fegefeuer drauf und müssen sich in dieser Zeit André Rieu und die Gesammelten Stücke von Schönberg anhören, und zwar täglich

    Mein lieber Dr. Pingel,


    die Gurre-Lieder könnte ich (fast) täglich hören. Der Sonnenaufgang zum Ende des Stückes gehört für mich zum Schönsten überhaupt. Vielleicht wird der Rest Schönberg sogar erträglich, wenn Rieu es spielt.


    Aber ins Fegefeuer gehe ich nicht. Ich schwitze so schnell. Dann höre ich schon lieber Haydn.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Messiaen ist beliebt?? Bei wem?


    Ich kenne von ihm nur kollossalen Schrott.


    Hallo m-mueller,


    keinerlei Einwand gegen Deine Meinung - es geht mir nur um die Formulierung:


    Wenn ich Deiner Meinung wäre, würde ich geschrieben haben "...Ich höre von/bei ihm nur kollossalen Schrott" (denn wenn Du ihn kennen würdest, wäre es vermutlich für Dich kein ... Schrott).


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Sollte man in einer Symphonie nicht singen dürfen? Frag doch mal bei Mahler nach.


    Lieber Hans,


    Daß Du immer das letzte Wort haben mußt!!!! Na gut, singe ich eben Mahler, zum Finale der 9. fehlt mir nur noch ein trauriger Text. Almschi, ach Almschi.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat von felix meritis

    Ich finde Cartmans Beitrag völlig in Ordnung! Er schrieb ja nicht, dass der "Wozzeck" Mist sei, sondern dass er damit nichts anfangen könne.


    Genau so ist es. Ich erinnere mich daran, dass es hier im Forum ja auch viele Mitglieder gibt, die Strawinskis Sacre nichts abgewinnen können, den ich wiederum für ein epochales Meisterwerk halte. Übrigens streite ich keineswegs die Bedeutung des Wozzeck ab - nur gefallen tut er mir halt nicht.


    Ansonsten freut es mich, dass dieser Thread wieder in Schwung gekommen ist.

  • Der erste Kandidat, der mir für diesen Thread einfällt, ist Anton Bruckners 2. Sinfonie.


    Eigentlich bezeichne ich mich als großen Anhänger Bruckners, aber mit seiner Zweiten kann ich auch nach einigen Versuchen, mich ihr zu nähern, kaum etwas anfangen. Da ist nicht ein einziges Thema wirklich prägnant, geschweige denn einprägsam. Oft wirkt das Werk wirr, ja macht teilweise gar den Eindruck unkonturierten Geräuschs … Wahrscheinlich wird der Zweiten auch nicht mehr Beliebtheit zuteil als Bruckners anderen Sinfonien - nur entzieht sich eben auch das schon meinem Verständnis …

    Zitat

    Bei meinem Erstkontakt unter Jochum (DG-LP) hatte sie auch bei mir nicht den bleibensten Eindruck hinterlassen. Erst Jahre später als ich dann auf CD die Karajan - Aufnahmen kaufte (DG) schlug das Werk auch bei mir wie eine Bombe ein ... ;) und nicht nur die 2te unter Karajan (DG) :angel: .


    Chicago Symphony Orchestra
    Sir Georg Solti


    Darf ich dieses Werk einmal in dieser Einspielung anpreisen?


    Nämlich genau mit dieser Interpretation schlug das Werk auch bei mir »wie eine Bombe« ein … und ist zu meinem Favoriten der 2. geworden …

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Ja, aber so simpel ist es nicht. Es geht hier mehr um einzelne Werke. Sich ein Werk von einem Komponisten rauszusuchen, den man ohnehin nicht mag, wäre relativ uninteressant. In meinem Eingangspost zu diesem Thread habe ich hingegen fünf konkrete Werke von Komponisten, die ich sehr mag, ausgesucht und als "zu beliebt" bezeichnet - plus Begründung, natürlich.


    Ich bin vom ersten Beitrag ausgegangen, der davon nichts schreibt:

    Zitat

    Und zwar würde mich interessieren, bei welchen Werke der klassischen Musik Ihr Probleme habt, die Popularität nachzuvollziehen?

    Warum, lieber tuonela, sollte Deine persönliche Meinung einige Taminos gegen Dich aufbringen? Als erklärter Strauß- und auch Wagnerfan ist mir klar, daß nicht alle meinen Geschmack teilen. Solange Du Dich nicht verächtlich äußerst, wird und kann Dir das doch niemand übelnehmen?

    upps ;) - auch an Chrissy: ich hatte das bewusst etwas provokativ formuliert. Ich hätte auch schreiben können: "seit vielen Jahren unverändert Harnoncourt-Fan" :D ...



    Zitat

    Ich finde trotz aller Versuche keinen Zugang zu Barockmusik, selbst bei Mozart habe ich mitunter Schwierigkeiten. Und Haydn klingt in seinen Sinfonien für mich eine wie die andere. Das ist falsch, das weiß ich, siehe dazu auch die Meinung von Hanslick zu Bruckner (er hat 1 Sinfonie geschrieben, aber die gleich 9 mal). Bruckner klingt nun für mich immer wieder anders. Es wäre doch schlimm, wenn wir alle den gleichen Geschmack hätten!

    Jaja, der gute Hanslick. Auch schon ein paar Jahre her ... war es nicht Brahms, der nach einer seiner Kritiken geschrieben hatte: "jetzt habe ich sie vor mir, gleich habe ich sie hinter mir"? ;)


    Irgendwie wüsste ich nicht einzelne Werke zu benennen, die mir nicht liegen - wenn ich den Komponisten, der sie schrieb, schätze. Bei Haydn - z. B. - mag ich einfach alles. Ich mag den Witz, die Vielschichtigkeit. Ja, vielleicht könnte man Schuberts Opernwerke als "weniger gelungen" benennen ... aber die Musik ist trotzdem großartig, auch wenns mit den Sujets nicht so ganz geklappt hat. Also auch hier nix. ;)



    Zitat

    Und mit dem Wozzeck geht es mir genauso. Die Musik ist mir persönlich zu sperrig, zu grell, zu ungeschminkt. Vielleicht kommt noch der Moment, wo es bei mir "Klack" macht und ich ihn plötzlich mag. Bei Bruckner hat das ja auch geklappt, bis vor ca 10 Jahren war er für mich ein Grund, ein Abokonzert evtl. zu bummeln. Dann habe ich im Gewandhaus das Abschiedskonzert von Blomstedt mit der 7. Sinfonie gehört, und seitdem kann ich ihn nicht genug hören. Mit der 2. habe ich allerdings auch noch Probleme. Ich bin auch nicht der Vergleichshörer, ich habe nur eine Gesamtausgabe mit den Berlinern unter Karajan, und da kommt Bruckner oft auf den Teller. Nur die 2. habe ich erst einmal angehört, dagegen die 1., die 4. die 7. und die 8. sind jede 3-4 mal im Jahr dran.

    Berg ist nicht mein Fall, also auch der Wozzeck nicht ... und bei Bruckner machte es *plonk*, als ich ihn von Harnoncourt hörte. Total spannend war das plötzlich. Bei der Vorstellung der Fragmente (Finale) der 9. mit den Wienern war ich im Konzert; das war ein wirkliches Erlebnis, gerade auch die Zusammensetzung des Satzes aus den Fragmenten. - Vergleichshörer bin ich auch nicht.


    Womit ich immer noch kein Werk benennen könnte, das mir von einem ansonsten geschätzten Komponisten nicht zusagt ... aber vielleicht finde ich ja noch eins. *grübel* ;)


    Grüße, tuonela

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  • Tja, so unterschiedlich sind die Geschmäcker, die 2. schätze ich unter den frühen besonders, ich habe eher Probleme mit der berühmten 4.


    Wie gesagt, halte ich Bruckners 2. eigentlich nicht für beliebt genug für diesen Thread (da vermutlich die unpopulärste seiner "offiziellen" Sinfonien). Die vierte als wohl immer noch populärstes Werk des Komponisten aber durchaus und die mag ich auch weit weniger als die nicht annähernd so populären 3, 5 und 6.
    Ich meine aber, die Beliebtheit ein wenig verstehen zu können (wenn auch nicht ganz). Klanglich macht der Hörnerschall schon was her, das Stück ist effektvoller als die 6. und nicht so betont gewichtig wie die 5. usw.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Gerade bei Bruckner erstaunt mich immer wieder, welche seiner Symphonien als "die beliebteste" angepriesen wird. In Booklets und in Rezensionen findet man diese Bezeichnung nicht nur für die Vierte, sondern sehr oft auch für die Siebte; aber ich sah sie auch schon für die Fünfte, Achte und Neunte. Woran macht sich diese Beliebtheit denn fest? An der Aufführungshäufigkeit? An der Anzahl der Aufnahmen? Zumindest meine ich gelesen zu haben, dass EMI mit Klemperer die Fünfte, Achte und Neunte erst bewusst später (Ende 60er) aufnahm, weil man diese "spröderen" Werke dem Publikum nicht zumuten wollte. Aus heutiger Sicht klingt das fast lächerlich.


    Ich kann die Beliebtheit aller genannten jedenfalls sehr gut nachvollziehen, wenn meine persönlichen Favoriten auch Nr. 5 und 8 sind.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Meine 3 liebsten sind 4, 7 und 9. Es kann, muss aber nicht Solti sein, Wand und Böhm konnten es auch.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • [quote='m-mueller','index.php?page=Thread&postID=473608#post473608']Messiaen ist beliebt?? Bei wem?
    Ich kenne von ihm nur kollossalen Schrott.


    Wie mans nimmt. Schrott ist natürlich sehr brutal formuliert. Ich formuliere es etwas zahmer und meine, dass mir Messiaen sehr selten zusagt. Meistens kann ich, wie es der Titel dieses Threads zum Ausdruck bringt, mit seiner Musik nichts anfangen. Eine Ausnahme und das ist die Turangalila-Sinfonie, die ich mit der Jungen Deutschen Philharmonie unter Jonathan Nott in der Berliner Philharmonie vor nicht langer Zeit erleben konnte. Live ist eben live und da sieht und hört man die sehr farbige und wirkungsreiche Musik und ist auf einmal sehr angetan. Das Stück mit diesem Orchester unter K. Järvi gibts übrigens auch auf DVD, die habe ich an diesem Abend im Philharmonie-Shop gekauft, bei unseren Vertragspartnern wohl nicht erhältlich.


    Nur soviel von mir zu Messiaen.


    Es grüßt freundlich
    :hello:
    timmiju

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Gerade bei Bruckner erstaunt mich immer wieder, welche seiner Symphonien als "die beliebteste" angepriesen wird. In Booklets und in Rezensionen findet man diese Bezeichnung nicht nur für die Vierte, sondern sehr oft auch für die Siebte; aber ich sah sie auch schon für die Fünfte, Achte und Neunte. Woran macht sich diese Beliebtheit denn fest? An der Aufführungshäufigkeit? An der Anzahl der Aufnahmen? Zumindest meine ich gelesen zu haben, dass EMI mit Klemperer die Fünfte, Achte und Neunte erst bewusst später (Ende 60er) aufnahm, weil man diese "spröderen" Werke dem Publikum nicht zumuten wollte. Aus heutiger Sicht klingt das fast lächerlich.


    Vermutlich stellt sich das mit der ingesamt sehr deutlich gestiegenen Beliebtheit (mindestens der Anzahl der Einspielungen) von Bruckners Sinfonien nicht mehr so deutlich dar. Aber natürlich nach Aufführungs-, Sendungs- und Aufnahmehäufigkeit, ebenso vielleicht auch, welche Sinfonie typischerweise in einer Plattenreihe, die sich eher an Einsteiger richtet, erscheint.
    Ich habe das natürlich nicht selber abgezählt, aber mein Eindruck widerspricht jedenfalls nicht dem, was in den meisten Konzertführern steht: 4. und 7. sind die beliebtesten. Dann vermutlich die 8., auch wenn sie die längste ist (dafür kann sie abendfüllend ohne weiteres Werk gegeben werden). 7. und 8. brauchen ein größeres Orchester (Wagnertuben, in 8 auch Schlagzeug und Harfe), was bei Provinzorchestern auch ausschlaggebend sein kann.
    Bei der 7. kann ich die Beliebtheit gut nachvollziehen: außergewöhnlich lyrisch und melodisch für Bruckner und das Finale ist sehr knapp und übersichtlich gehalten (was weder auf 4 noch 5 oder 8 zutrifft).
    Wie gesagt, sind seit den 1980ern so viele Neuaufnahmen (auch GA, sowie die Urfassungen usw.) von Bruckners Sinfonien erschienen, dass man sich heute deswegen und wegen der Beliebtheit Bruckners in Deutschland und Österreich, sowie unter männlichen Hifi-Freaks ;) nur noch schlecht vorstellen kann, dass mir als Klassikeinsteiger Ende der 1980er Bruckner noch als relativer Exot präsentiert wurde, und dass seine Musik bis heute in den romanischen Ländern kaum rezipiert wird.

    Struck by the sounds before the sun,
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    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zumindest für uns hier haben wir ja schonmal angefangen festzuhalten, welche Sinfonien Bruckners uns die liebsten sind:


    Bruckner-Sinfonien-Ranking


    Und in der Tat: die 2. taucht zumeist in der zweiten Hälfte der Aufzählungen auf. Allerdings auch nie ganz am Schluß - die unpopulärste ist sie also mutmaßlich tatsächlich nicht... Das Lesen besagten Threads hatte dagegen durchaus das Zeug, mich zu einem 'Die Unbeliebtheit dieses Stücks kann ich nicht nachvollziehen"-Thread zu inspirieren. Aber ich denke, ich werde mich zurückzuhalten wissen... :P ;)

  • Das Lesen besagten Threads hatte dagegen durchaus das Zeug, mich zu einem 'Die Unbeliebtheit dieses Stücks kann ich nicht nachvollziehen"-Thread zu inspirieren. Aber ich denke, ich werde mich zurückzuhalten wissen...


    Schade eigentlich, denn eine sehr schöne Idee! :)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Naja,als "unterschätzt" wurde im Forum vermutlich schon fast alles außer Beethovens 5. und der Jupitersinfonie deklariert... :D

    Struck by the sounds before the sun,
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Irgendwie wüsste ich nicht einzelne Werke zu benennen, die mir nicht liegen - wenn ich den Komponisten, der sie schrieb, schätze. Bei Haydn - z. B. - mag ich einfach alles. Ich mag den Witz, die Vielschichtigkeit. Ja, vielleicht könnte man Schuberts Opernwerke als "weniger gelungen" benennen ... aber die Musik ist trotzdem großartig, auch wenns mit den Sujets nicht so ganz geklappt hat. Also auch hier nix. ;)


    Das "Nicht schätzen" ist gar keine Vorbedingung. Hypothetisches Beispiel: Du magst Schuberts Alfonso und Estrella gerne, aber dass gerade diese Oper als die größte Oper der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt und wegen ihr Bellini, Rossini und Donizetti gar nicht auf den Spielplänen erscheinen verstehst Du nicht. Du kannst einfach nicht nachvollziehen, weshalb Alfonso und Estrella so beliebt ist. ;)

  • Zitat von teleton

    Bei meinem Erstkontakt unter Jochum (DG-LP) hatte sie auch bei mir nicht den bleibensten Eindruck hinterlassen. Erst Jahre später als ich dann auf CD die Karajan - Aufnahmen kaufte (DG) schlug das Werk auch bei mir wie eine Bombe ein ... ;) und nicht nur die 2te unter Karajan (DG) :angel:

    Chicago Symphony Orchestra
    Sir Georg Solti


    Darf ich dieses Werk einmal in dieser Einspielung anpreisen?


    Nämlich genau mit dieser Interpretation schlug das Werk auch bei mir »wie eine Bombe« ein … und ist zu meinem Favoriten der 2. geworden …

    Lieber maurice,


    warum die Sinfonie Nr.2 von Bruckner weniger gefallen sollte, wirft doch zahlreichere Fragen auf, als man denken sollte, wie der Threadverlauf bisher zeigt.
    Ich hatte für T con Brio jetzt zunächst nur Karajan (DG) als Aufnahme mit "Begeisterungsgarantie" genannt, weil diese der Durchbruch bei mir war.
    :thumbup: Zu Solti / Chcago SO keinen Zweifel - die steht Karajan in nichts nach. Bekanntlich bin ich grosser Fan der Solti-Bruckner-GA. Wenn ich mich für eine einzige entscheiden müsste - dann diese ! Solti erreicht auch bei de Sinfonie Nr.2 fühlbar den Eindruck, dass die Generalpausen nicht zu lang wirken. Irgendwie sind diese mit Spannung auf das Folgende gefüllt.
    :| Lutgra kann ich diesesmal leider zu Tintner ganz und gar nicht zustimmen.
    Alle "Tintners", die ich bisher hatte habe ich so schnell wieder abgesetzt, wie sie ins Haus kamen - kurz und bündig: mir viiiiiel zu langsam (lahm) ! Total nicht mein Bruckner - und für den, der die Bruckner 2 doch noch für sich entdecken will, IMO absolut ungeeignet.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

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