Carl Philipp Emanuel Bach: Die Sinfonien

  • Spät aber doch: Ein bislang noch nicht exitierender Thread über die Sinfonien von C.P.E. Bach, der aus unerfindlichen Gründen bis heute doch ein wenig unterschät scheint, wenngleich die Tonträgerindustrie iih längst entdeckt hat. Tamino ist ebenfalls dabei ihn in seiner vollen Bedeutung zu erkennen - wenngleich langsam. Zu Lebzeiten war der "Hamburge Bach" indes hochberühmt, zeitweise angeblich sogar berühmter als sein Vater und sein Bruder Johann Christian Bach.

    Der Musikforscher und Musikreisende Charkles Burney - ich erwähne ihn regelmäßig, denn er ist geradezu ein Quell zeitgenössischer Musikberichterstattung - schrieb, daß Hamburg derzeit über keinen herausragenden Tonkünstler verfüge, ausser dem Herrn Kapellmeister Carl Philipp Emanuel Bach - dieser aber gälte für eine Legion...

    Ich habe vergangen Tag mir die erste von 2 Cds der abgebildeten Box 2 mal zu Gemüte geführt und möchte hier meiner Begeisterung Ausdruck verleihen.

    das sind 4 dreisätzige Sinfonien WQ 183 (H 663-666) mit einer jeweiligen Spieldauer um die 10 Minuten. Die Sätze gehen nahlos ineinander über, sind aber gur voneineder unterscheidbar. Sehr originell, klangschön und zugleich teilweisem Tiefgang

    Bach bot sie seinem Verleger 1778 zum Druck an. mit der Bemerkung, es sei das Grösste in der Art, was er gemacht habe. Mer darüber zu sagen verböte ihm seine Bescheidenheit.....

    Mein absoluter Favorit vom bisher gehörten ist der 2 Satz der erste Snfonie WQ132 (Largo), der leider nur eine Spieldauer von 93 Sekunden aufweist....

    Die Aufnahme (usprünglich Phönix 2011, danach Brilliant 2038) ist bereits gestrichen , es gibt aber Alternativen - wenngleich nur wenige. Das meiste wurde leider bereits gestrichen.....

    2038 anlässlich der 250 Todestages des Komponisten wird man vielleicht einiges ausgraben und erneut auflegen. Darauf freuen wir uns schon heute......;)

    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Lieber Alfred Schmidt


    In dieser Box des Labels Hänssler mit 54 CDs ist die Scheibe 35 den sechs Hamburger Sinfonien Wq 182 gewidmet. Es spielt das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Wolfram Christ.


    (Die anderen Orchester Sinfonien Wq. 174, 175, 178-180; Wq. ; die von Alfred Schmidt gewürdigten Wq. 183 Nr. 1-4 sind auf den CDs Nr. 34, 36, 37 enthalten.)



    Sie ist identisch mit dieser CD.



    Wer noch mit dem Kauf zögert, hier noch ein wenig Hintergrundinformationen:


    Aus der Produktinformation des Werbepartners


    "Es ist dem Diplomaten und Musikliebhaber Gottfried van Swieten zu verdanken, dass sich CPE Bach mit diesen sechs Streichersinfonien in einer völlig neuartigen, für den damaligen Hörer geradezu avantgardistisch klingenden Art und Weise austoben durfte. Van Swieten, der ein großer Bewunderer CPE Bachs war und sich von 1770 bis 1777 als Botschafter im Auftrage der Habsburger Monarchie in Berlin aufhielt, mag es bedauert haben, den ehemaligen Konzertcembalisten Friedrichs II. dort nicht mehr anzutreffen, doch besucht van Swieten Bach 1773 in Hamburg und gab dort die vorliegenden sechs Sinfonien mit folgenden Anweisungen in Auftrag: Bach möge seiner Kunst freien Lauf lassen, „ohne auf Schwierigkeiten Rücksicht zu nehmen, die daraus für die Ausübung notwendig entstehen müssen.“


    Diese Produktion knüpft an die Vorstellung einer Aufführung dieser musikalisch höchst anspruchsvollen Stücke mit einem lebendig ausgestalteten Continuo an. Pianist Sebastian Küchler-Blessing verleiht der Aufnahme der Hamburger Sinfonien mit Stilsicherheit und Fantasie eine ganz besondere Ausdrucksstärke."



    Mit den besten Empfehlungen


    moderato

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe


  • Die Aufnahme (usprünglich Phönix 2011, danach Brilliant 2038)


    Das stimmt leider nicht ganz – Die Aufnahmen erschienen zuallererst bei dem ehemals deutschen Label ›Capriccio‹ und zwar um die 1980er Jahre. Damals gab es die Edition CPE Bach incl. Chorwerke.


    Diese Aufnahmen – inzwischen bei dem genannten Label ebenfalls gestrichen – wurden dann an andere Label ›verramscht‹ (BC) etc. …

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Ich gebe Maurice recht, denn die Capriccio-Erstausgabe mit 15 CDs habe ich seinerzeit übrer den damals noch existierenden Deutschen Bücherbund gekauft. Eine erste Begegnung mit der Musik von des Thomaskantors Zweitgeborenen.


    Unrühmlich für das Label war die Aufnahme des Oratoriums "Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" durch die Rheinische Kantorei mit Das Kleine Konzert unter Hermann Max: Man hatte in dem großen Chorteil eine unkorrigierte, durch die Blechbläser vollkommen verhunzte Einspielung der Box beigefügt. Das hat mir dieses Oratorium damals verleidet; ich habe das Werk in einer Einzelaufname nachgekauft, die "verhunzte" Ausgabe aber auch behalten - sozusagen als Beweis für Schlamperei...


    Unabhängig davon scheint mir die von moderato verlinkte Hänssler-Ausgabe interessant zu sein.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Es gibt 10 "späte" "Hamburger" Sinfonien:


    4 à 12 obligate Stimmen, Flöten, Oboen, Hörner, Fagott, Streicher, b.c Wq 183.
    Das sind vermutlich die häufigst eingespielten: Richter, Leonhardt, Koopman, Haenchen, Manze...


    6 für Streicher Wq 182,1-6, für die man häufiger den Beinamen "Hamburger" findet. Die mag ich persönlich lieber als die 183, aber ich besitze keine Einspielung aus einer Hand, sondern nur eine zusammengestoppelte (Freiburger, Café Zimmermann, Akademie f. Alte Musik, die alle mit Konzerten gemischte CDs aufgenommen haben).


    Dann noch die oben kurz erwähnten ~8 "Berliner" Sinfonien (eher selten so bezeichnet), unterschiedliche Besetzungen, teilweise unterschiedliche Fassungen bzgl. der Bläserbesetzung? (Die Angaben auf meinen CDs und im verlinkten VZ sind unterschiedlich, ich kann das gerade nicht genauer überprüfen.)

    https://www.klassika.info/Komponisten/Bach_CPE/wv_wvz1.html


    173 G-Dur

    174 C-Dur

    175 F-Dur

    176 D-Dur (liegt mir nicht auf CD vor, evtl. eine Ouvertüre? da lt. verlinktem Verzeichnis mit Pauken/Trompeten im Ggs. zu allen anderen)

    177 e-moll

    178 e-moll (anscheinend 177 mit zugefügten Bläserstimmen)

    179 Es-Dur

    180 G-Dur

    181 F-Dur

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich gebe Maurice recht, denn die Capriccio-Erstausgabe mit 15 CDs habe ich seinerzeit übrer den damals noch existierenden Deutschen Bücherbund gekauft. Eine erste Begegnung mit der Musik von des Thomaskantors Zweitgeborenen.

    Unrühmlich für das Label war die Aufnahme des Oratoriums "Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" durch die Rheinische Kantorei mit Das Kleine Konzert unter Hermann Max: Man hatte in dem großen Chorteil eine unkorrigierte, durch die Blechbläser vollkommen verhunzte Einspielung der Box beigefügt. Das hat mir dieses Oratorium damals verleidet; ich habe das Werk in einer Einzelaufname nachgekauft, die "verhunzte" Ausgabe aber auch behalten - sozusagen als Beweis für Schlamperei...

    Meinst Du eine andere Einspielung des Oratoriums (ich habe zB eine unter Herreweghe) oder wurde eine Einzelausgabe der Max-Aufnahme ohne diese Fehler herausgegeben?

    In der Edition waren noch zwei oder drei weitere CDs mit kleineren Vokalwerken, bei denen Max' evtl. die einzige Einspielung geblieben ist. Wobei Cpo noch eine ganze Menge CPE-Bach-Chorwerke aufgenommen hat (habe das nicht im Detail verfolgt).

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich habe in meiner Sammlung nachgeschaut - und die Capriccio Aufnahme gefunden (somit habe ich die Aufnahme doppelt) und ein paar weitere aus der Serie (ca 7 oder 8 )

    Da gibt es enormen Nachhol Bedarf in Sachen Hören. An sich muss ich ale gehört haben, denn ungehört wanderte damals keine CD in den Kern der Sammlung. Aber ich war in früheren Jahren so auch Johann Christian Bach fixiert, daß ich nur für ihn ein Ohr hatte, da er den galanten Stil verkörperte...

    Ich würde derzeit weder WQ182 oder WQ 183 präferieren, vielleicht kristallisiert sich das im Laufe der Zeit heraus...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Die frühen Sinfonien findet man zu größeren Teil ebenfalls auf einer der Ost-Berliner Aufnahmen unter Haenchen aus den 1980ern (Berlin Classics, Capriccio, Brilliant), auf einer cpo-Produktion unter Ludger Remy oder (wieder moderne Instrumente) Christian Zacharias/Lausanne. Die letztgenannte CD kenne ich nicht. Die 10 Hamburger sind zu Recht berühmter.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Es geschehen hier ja noch Zeichen und Wunder, man beschäftigt sich mit CPE Bach, zwar mit einem Randgebiet seines Schaffens, aber immerhin.

    Hinzuzufügen wären da noch folgende Einspielungen:

    - Hogwood, (Decca, 1979), Wq 182, 2 CD, auch mit den bedeutenden Klavierquartetten Wq 93 - 95

    - Camerata Bern, Wq182, (Denon 1989)

    - Pinnock, Wq 182, (DGA 1979)

    - Cafe Zimmermann, Wq 182, 1-3-5-6, (Alpha, 2006)

    Ob es diese Aufnahmen noch im Handel gibt entzieht sich meiner Kenntnis.

    Die sog. Berliner Sinfonien, Wq 173 - 181, gibt es bislang nicht komplett auf CD´s. Wq 176 ist noch nicht aufgenommen worden.

    Kommentare folgen später falls Interesse bestehen sollte.

  • Die 54-CD Box für ganze 39,45 Euronen wird mich am Samstag erreichen, zeitgleich mit der Karajan-Beethoven-Symphonien-GA aus dem Anfang der 1950er Jahre (10,69€). Wenn ich dann dazu komme, etwas von den Symphonien oder den Klavierwerken zu hören, werde ich mich an den entsprechenden Stellen melden.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • .... Akademie f. Alte Musik, die alle mit Konzerten gemischte CDs aufgenommen haben

    Da ich auch großer Bewunderer der Sinfonien von C. Ph. E. Bach bin, habe ich die erwähnten Aufnahmen eigentlich alle. Auflegen tue ich aber eigentlich immer die Aufnahmen der Akademie für Alte Musik! Hier kommen die Eigenwilligkeiten der Kompositionen am überraschendsten, oft richtig verblüffend heraus. Man gewinnt durch die Berliner den Eindruck, die schroffen dynamischen und motivischen Kontraste, der abrupte Wechsel des Tonfalls, die launenhaften Modulationen, das Abreißen melodischer Entwicklungen und die bizarren Pausen seien nicht kapriziöse Manier sondern Fenster in eine neue ästhetische Welt! Ich finde das unerhört spannend!


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Hallo Caruso41,

    Du bringst es auf den Punkt: "unerhört spannend". Leider hält genau das etliche Musikliebhaber davon ab sich damit zu beschäftigen, zu "mühsam, anstrengend", keine schöööööne Melodien, die man nach einmaligen Hören sofort nachpfeifen kann, harmonisch sehr überschaubar, geht nicht "ans Herz", uvam. @Alfred Schmidt hat es auf den Punkt gebracht:

    Aber ich war in früheren Jahren so auch Johann Christian Bach fixiert, daß ich nur für ihn ein Ohr hatte, da er den galanten Stil verkörperte...

    Nur, wenn sich mit der Zeit der Liebhaber zu einem Kenner entwickelt kommt die Zeit, wo er "die Schnauze voll" vom galanten Stil bekommt, nette Musik zur Teestunde, das wars dann aber auch. Ist er dann auch noch Tasteninstrumentspieler, setzt diese Entwicklung früher ein. Das seitenlange Albertibassgedudel geht irgendwann auf die Nerven....weg mit den Noten.

  • Meinst Du eine andere Einspielung des Oratoriums (ich habe zB eine unter Herreweghe) oder wurde eine Einzelausgabe der Max-Aufnahme ohne diese Fehler herausgegeben?

    In der Edition waren noch zwei oder drei weitere CDs mit kleineren Vokalwerken, bei denen Max' evtl. die einzige Einspielung geblieben ist. Wobei Cpo noch eine ganze Menge CPE-Bach-Chorwerke aufgenommen hat (habe das nicht im Detail verfolgt).

    Ich habe gerade die Frage gelesen und will versuchen, eine adäquate Antwort zu geben:


    Die Aufnahmedaten des Oratoriums sind bei beiden mir vorliegenden Ausgaben identisch: April 1986 in der Immanuelkirche in Wuppertal-Barmen. Also muss ich davon ausgehen, dass die fehlerhafte und unkorrigierte Aufnahme irrtümlich in einer mir unbekannten Auflagenhöhe ausgeliefert wurde. Im übrigen ist das Oratorium noch mit der Osterkantate "Gott hat den Herrn auferwecket (Wq 244) kombiniert worden. Die Herreweghe-Einspielung, die ich auch habe, hat keinen "Füller".


    Es gibt in der CPEBach-Edition von Capriccio noch zwei CDs mit kleineren Chorwerken mit der Rheinischen Kantorei und Das Kleine Konzert unter Hermann Max: Die eine enthält "Klopstocks Morgengesang am Schöpfungsfeste" (Wq 239) und "Auf schicke dich recht feierlich" (Wq 249) sowie "Anbetung dem Erbarmer" (Wq 243), die andere "Zur Einführung des Pastors H.P. Gasie Gnädig und barmherzig ist der Herr" (Wq 250), ein kurzer Chorsatz von ca. 5 Minuten "Wer ist so würdig als du" (Wq 222) sowie die Predigereinführungsmusik "Der Herr lebet" (Wq 251).


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Lieber Bachianer!

    Hallo Caruso41,

    Du bringst es auf den Punkt: "unerhört spannend". Leider hält genau das etliche Musikliebhaber davon ab sich damit zu beschäftigen, zu "mühsam, anstrengend", keine schöööööne Melodien, die man nach einmaligen Hören sofort nachpfeifen kann, harmonisch sehr überschaubar, geht nicht "ans Herz", uvam.

    ....

    Nur, wenn sich mit der Zeit der Liebhaber zu einem Kenner entwickelt kommt die Zeit, wo er "die Schnauze voll" vom galanten Stil bekommt, nette Musik zur Teestunde, das wars dann aber auch.

    C.Ph.E. Bach ist wirklich ein schmählich unterschätzter Komponist.
    Ich frage mich oft, wie war es möglich, ihn als Vertreter des "galanten Stils" zu genießen, ohne zu hören, dass sich insbesondere in in den Sinfonien, Instrumentalwerken und der Vokalmusik ein reformerischer Impuls der Aufklärung Bahn bricht, der beides hinter sich lässt: die Empfindsamkeit und den Sturm und Drang? Das scheint mir nur möglich, wenn man der Musik keine Aufmerksamkeit schenkt sondern sie einfach nebenbei spielen lässt - beim Tee trinken, beim Sortieren von Bildern oder beim Lesen.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Bachianer!

    C.Ph.E. Bach ist wirklich ein schmählich unterschätzter Komponist.
    Ich frage mich oft, wie war es möglich, ihn als Vertreter des "galanten Stils" zu genießen, ohne zu hören, dass sich insbesondere in in den Sinfonien, Instrumentalwerken und der Vokalmusik ein reformerischer Impuls der Aufklärung Bahn bricht, der beides hinter sich lässt: die Empfindsamkeit und den Sturm und Drang? Das scheint mir nur möglich, wenn man der Musik keine Aufmerksamkeit schenkt sondern sie einfach nebenbei spielen lässt - beim Tee trinken, beim Sortieren von Bildern oder beim Lesen.


    Beste Grüße

    Caruso41

    Auch hier muss man Dir Recht geben...schmählich unterschätzter Komponist. Die Liebhaber jenes galanten Stils "genießen" ihn nicht weil seine Musik viel zu "kompliziert" für sie ist.

    Die Gründe für diese Unterschätzung sind vielfältig. Alle diese Hypothesen aufzuführen würde zu weit gehen, da müsste ein neuer Thread ran. Folgendes wäre aus meiner Sicht zu benennen:

    - ab Mitte des 18. Jhdts wurden Festanstellungen bei Höfen, Kirchen weniger bedeutend, wichtig. Das freie Künstlertum konnte sich entfalten. Jedoch, der Komponist, früher abhängig von dem Geschmack, den Vorstellungen seines Brötchengebers, gleich ob Hof oder Kirchenbehörde, wurde nun abhängig von dem Mehrheitsgeschmack der Konzerthörer, Notenkäufer. Von diesen Einnahmen musste er leben. Also komponierte er unter dieser Prämisse. Ob dieser Mehrheitsgeschmack immer "top" war darf man füglich bestreiten. CPE Bach hat das z.B. sehr genau gewusst.

    - Die "Heroisierung" bestimmter Komponisten: aus Papa Bach wurde schwupps! der 5. Evangelist, Beethoven avancierte zum "Titanen", alles führt zu ihm hin oder kommt von ihm, aus Mozarts Feder entstand nur "Göttliches", uvam.

    - Die Oper: die Vorstellung eines "Gesamtkunstwerkes", also einer Mischung aus Texten, Musiken, Bühnenbildern, Schauspielerei, Bühnentechnik ist verführerisch, jedoch eine kalte Illusion. Alle Kunstgattungen werden da in Mitleidenschaften gezogen, dem Durchschnittspublikum fällt das nicht auf. Der Spottbegriff "Seifenoper" kommt nicht von ungefähr, er hat einen sehr bitteren Hintergrund.