Staub oder Patina? - Vom Sinn und Unsinn von Remasterings

  • Gibt es beim aktuellen Tamino-Kreis Interesse am Thema "Remastering von Klassik-Aufnahmen"? Wie klingen remasterte Aufnahmen, was wird beim Remastering gemacht, welche Überarbeitungen sind gelungen/welche verhunzen Aufnahmen?


    Herzliche Grüße


    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Eine in meinen Augen hervorragend remasterte Aufnahme ist die der DGG von Michelangeli



    Leider kann ich die Blue Ray Audio nicht abspielen, aber schon die CD überzeugt IMO voll und ganz.

  • Gibt es beim aktuellen Tamino-Kreis Interesse am Thema "Remastering von Klassik-Aufnahmen"? Wie klingen remasterte Aufnahmen, was wird beim Remastering gemacht, welche Überarbeitungen sind gelungen/welche verhunzen Aufnahmen?


    Herzliche Grüße


    Christian

    Die Frage stellte sich mir kürzlich angesichts einer (Kunden)Rezension, die behauptet, dass in dieser Wiederveröffentlichung der ursprüngliche Telarc-Sound ohne Not völlig verhunzt worden sei.

    ich habe vom Kauf erstmal abgesehen.


    Er hat Jehova gesagt!

  • Remastern - Dazukann keine allgemeine Aussage gemacht werden.

    Kommen wir zum THEORETISCHEN Vorteil:


    Beim originalen analogen Mastering müssem die Originalspuren zu zwei zusammengemischt werden, was zusätzliches Rauschen verursacht. (dazu kommen dann noch die Fehler beim Schneiden der Lackfolie und Abtastverzerrungen und Nadelrauschen bei der Wiedergabe)


    kommen wir zum NEUTRALEN Teil


    Der neue Tontechniker misch den klang nach SEINEM Geschmack oder jenem des momentanen Klangidelas der Zeit. Das ist ein großes Risiko und verändert oft signifikant dern einstigen Originalklang.


    kommen wir zum NEGATIVEN Teil:


    Die Bänder wurden oft jahrelang gelagert. Das bringt folgendes mit sich


    Verlust der Magnetisierung, was sich vor allem in den Höhen auswirkt (vor allem bei "LOW Noise-Bändern mit feinster Magnetpartikelstrktur)



    "Kopiereffekt" Bei längerer Lagerung ist es möglich, da eine Lage des Magnetbandes auf der darunter, bzw darüberliegenden einen magnetischen Effekt hinterlässt. Man hat einst dazu geraten die Bänder in gewissen Abständen umzuspulen um den Fehler zu minimieren- ganz verhindern lässt er sich nicht.


    Abrieb der Bänder so sie mehrfach gebraucht wurden - Dropouts (eher selten und eher milde, je nach ursprünglicher Bandgeschwindigkeit)


    Es wird also davon ausgegangen, daß man heute Besser mastert, als in analogen Zeiten, wobei man oft vergisst, daß die Originalbänder in der Zwischenzeit gelitten haben. So ist man gezwungen zu korrigieren und zu filtern.

    Man beseitigt Fehler und der Hörer ist zuerst begeistert, weil sie nun nicht mehr hörbar sind. Allerdings werden im ersten Taumel der Freude, die neu entstandenen Fehler gar nicht gehört. Das ist in etwa so, wie wenn man einen Lautsprecher durch einen anderen ersetzt.....


    mfg aus Wien

    Alfred


    Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.

    (stammt von Oscar Wilde - Hätte aber auch von mir sein können....)


  • Lieber Alfred Schmidt


    Du belegst einmal mehr, dass du neben der Tonwiedergabe der Lautsprecher auch etwas von der technischen Seite der Tonaufzeichnung verstehst.


    LG moderato

    .

    Es bleiben übrig die Worte eines Dichters:

    Es sind nicht die, bei denen Logen applaudieren

    Die Worte leben und kriechen

    auf allen vieren ....


    Majakowski

  • Gibt es beim aktuellen Tamino-Kreis Interesse am Thema "Remastering von Klassik-Aufnahmen"? Wie klingen remasterte Aufnahmen, was wird beim Remastering gemacht, welche Überarbeitungen sind gelungen/welche verhunzen Aufnahmen?

    Lieber Christian, das dürfte von Fall zu Fall verschieden sein. Und ich habe es auch unterschiedlich beschrieben gefunden. Schlimm wird es, wenn sich Laien, die nur glauben, etwas davion zu verstehen, ans Werk machern. Selbst bin ich ein Freud milder und diskreter Anpassung. Ich möchte in einer Aufnahme den Sound der Entstehungszeit wiederfinden. Ein - wie ich finde - sehr gelungenes Remastering zeichnet die neuen Auflagen aus dem SWR-Archiv mit Fritz Wunderlich aus. Den Text dazu habe ich mal aus einem der Booklets gescannt. Es spricht wohl nichts dagegen, wenn er hier im unternen Bereich widergegeben wird.


    Sorry, aber ich musste den Booklet-Text, dem dem ein Remastering-Verfahren genau geschildert wird, entfernen, weil er jetzt im öffentlichen Raum stünde, wodurch Rechte verletzt werden könnten.


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Liebe Moderatoren, könnt Ihr daraus bitte einen richtigen Thread machen, der nicht wieder verschwindet? Dank und Gruß, Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Liebe Moderatoren, könnt Ihr daraus bitte einen richtigen Thread machen, der nicht wieder verschwindet? Dank und Gruß, Hans

    Offenbar besteht Interesse, das freut mich sehr! Schlage als Titel vor: „Staub oder Patina? Vom Sinn und Unsinn von Remasterings“


    Zu den Beiträgen melde ich mich morgen und werde auch selbst beitragen.


    Herzliche Grüße

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Ich habe irgendwann, vor knapp 15 Jahren oder so, aufgegeben, nach Klangverbesserungen durch neuere CD-Auflagen zu suchen.

    Richtig ist m.E., dass in der Anfangszeit der CD, Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er, nicht selten selbst gar nicht so alte Aufnahmen eher schlecht auf CD überspielt wurden. Es ging darum, bekannte alte Aufnahmen möglichst schnell auf CD anzubieten und insgesamt gab es wohl öfters noch einige Kinderkrankheiten.

    Ende der 1990er gab es dann "noise shaping" etc., was angeblich Rauschminderung ohne Klangminderung und weitere Verbesserungen bringen konnte oder sollte.

    Ich habe dann bei einigen wenigen Aufnahmen tatsächlich deutliche Unterschiede, die ich auch als besser/schlechter bewerten konnte, gehört. Die bekanntesten Aufnahmen, bei denen ich solche Verbesserungen ggü. den älteren CD-Auflagen hören konnte, waren die Callas/De Sabata Tosca und diverse Aufnahmen mit Klemperer (Brahms Requiem, Fidelio, evtl. auch eine Bruckner-Sinfonie).

    Als insgesamt eher mies klingend habe ich viele noch unter CBS herausgebrachten CDs (Gould, Casadesus/Szell) in Erinnerung; da klangen die Sony-Auflagen ab den 1990ern fast immer deutlich besser.

    Daher habe ich in den frühen 2000ern häufiger mal nicht nur aufgrund von Boxen oder Neukopplungen neuere Remasterings gekauft. Als ich dann aber, um Dubletten auszusortieren, erneut Vergleiche angestellt habe, konnte ich, konkret bei einigen Aufnahmen aus den 1950ern mit Furtwängler und Fricsay, zwar minimale Unterschiede hören, aber es war unmöglich zu entscheiden, was mir besser gefiel. Da habe ich schlicht nach Kopplung oder pro platzsparender Box vs. Einzel-CD entschieden und die anderen wieder abgegeben.


    Seither ist es mir normalerweise nicht mehr wichtig genug. Die Nennungen oben sind nicht vollständig; ich hatte wohl insgesamt dutzende CDs, etwa aus den verschiedenen Rubinstein-Editionen, in zwei bis drei unterschiedlichen CD-Auflagen/Remasterings vorliegen und hatte dann keine Lust mehr, systematisch zu vergleichen. Tatsächlich habe ich die Klemperer/Wunderlich/Ludwig des LvdE seit Jahren zweimal nebeneinander im Regal, weil ich keinen Nerv habe, meine alte CD, die einen gewissen nostalgischen Wert hat, mit der neueren GROC-Ausgabe zu vergleichen...

    Struck by the sounds before the sun,
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    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ein Aspekt des Remasterings ist, historische Aufnahmen, die auf heute unüblichen Trägermaterialien vorliegen, zu erhalten und zugänglich zu machen.

    Mir fallen die Toscanini-Meistersinger (Salzburg, 1937) ein, die, wenn ich mich richtig erinnere, auf Celluloseacetat-Filmen vorlagen. In einem aufwendigen Prozeß sind sie digitalisiert und remastert worden.


    AME_Toscanini-Andante.jpg


    Das ist die teuerste CD, die ich je erworben habe. Das Ergebnis ist hörbar und die Oper packend musiziert. Leider versingt Henk Noort in der Schusterstube, und das gibt mir bei jedem Hören einen Stich.

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  • Gibt es beim aktuellen Tamino-Kreis Interesse am Thema "Remastering von Klassik-Aufnahmen"? Wie klingen remasterte Aufnahmen, was wird beim Remastering gemacht, welche Überarbeitungen sind gelungen/welche verhunzen Aufnahmen?


    Lieber Christian,


    das ist eine gute Frage, die ich eindeutig mit "Ja" beantworten kann. Die ersten CD-Überspielungen waren meist deutlich substanzärmer. Sie klangen im Hochtonbereich heller und waren etwas bassschwach. Anfänglich lag das auch daran, dass man nicht die vollen 16 Bit auf der CD nutzen konnte, weil einige davon für Steuerbefehle abgezweigt wurden (ich hoffe, das ist technisch nicht ganz falsch erklärt). Dazu kommt, dass sich die Wandlertechnologie weiterentwickelt hat. Und das hört man. Etliche meiner CDs, die mir besonders am Herzen liegen, habe ich so ausgetauscht.


    Ein krasses Beispiel ist die Horowitz RCA-Aufnahme der Rachmaninow Klaviersonate Nr. 2. Das ist ein Konzertmitschnitt und eine Analogaufnahme. Es gibt noch eine zweite von CBS. Die CBS-Aufnahme klingt deutlich heller und schlanker als die etwas sattere und farbigere von RCA. So war es jedenfalls bei den LPs. Die erste CD ist eine klangliche Katastrophe:


    51qihFm2MYL._SY450_.jpg


    Der Flügel klingt hell wie Blech - schlanker als die eigentlich schlankere von CBS! Und im langsamen Satz gibt es sogar richtig hörbare Verzerrungen, die auf der LP nicht da waren. Dagegen ist dann die Veröffentlichung mit 24 Bit 96 KHz-Technik hervorragend - der volle RCA-Klang wie bei der LP ist wieder da:


    51GCL7poxSL._SX450_.jpg


    Ähnliche Beispiele habe ich viele:


    s-l300.jpg


    Dies war die erste Ausgabe auf CD - vorher gab es drei einzeln veröffentlichte LPs. Besonders die sehr "analog", also warm und farbig klingende Einspielung der Sonaten Nr. 2, 7 und 10, ist hier nicht wiederzuerkennen. Der Klang ist künstlich aufgehellt, dünn und hart. Die alte Qualität habe ich erst wieder in der großen Ashkenazy-Box der Solo-Aufnahmen.


    Die neueren Abmischungen zeichnen sich in der Regel durch mehr Homogenität, einen substanzreicheren Bassbereich und rundere Höhen aus. Auch sind die Aufnahmen bei Orchester detailreicher und farbiger. Ausnahmen bestätigen die Regel. So ziehe ich die erste CD-Ausgabe der Sonaten für Klavier und Violine mit dem wunderbaren Duo Mintz/Bronfman der späteren Ausgabe vor. Da ist einfach der Hochtonbereich strahlender und offener. Ein schlechtes Beispiel war eine Ausgabe der Beethoven-Sonaten mit Artur Rubinstein (Appassionata, Les Adieu...) in 24Bit/96 KHz Technik. Da wurde - ein No Go - mit Kompression gearbeitet. Das Rauschen haben sie dabei rausgefiltert, dafür war aber der Hochtonglanz des Steinway völlig weg.


    Eine Orchester-CD, wo der Unterschied eklatant ist:


    Dies war die Erstausgabe auf CD:


    51XaLXLuSpL._SX450_.jpg


    Die Neuausgabe mit moderner Digitaltechnik:


    81kf6kkJS4L._SS500_.jpg


    Die alte Ausgabe (Erstveröffentlichung auf CD) klingt künstlich aufgehellt - ein Phänomen, was man oft hat.


    Ratsam ist es, die im Hochtonbereich zumeist etwas harten und harschen Melodya-Aufnahmen aus der Sowjetunion mit neuem Remastering zu erwerben.


    Sehr lobenswert sind die wirklich hervorragenden Remasterings des Labels apr, das auf historische Aufnahmen spezialisiert ist. Der klangliche Zugewinn gegenüber so vielen anderen billigen Ausgaben ist deutlich hörbar, etwa hier:



    Axel hat auf diese Ausgabe der Debussy-Einspielungen von ABM hingewiesen:



    Von ABM habe ich so ziemlich alles, was es gibt. Diese Aufnahme hatte ich aber nicht registriert. Zuerst besaß ich die LPs, dann habe ich alle Erstausgaben auf CD erworben. Später dann noch einmal diese Box:


    OIP.INPbAZqkvsuNjyBu4UZZuwHaHa?pid=ImgDet&rs=1


    Auch hier kann ich feststellen, dass die Bässe substanzreicher sind und das Klangbild insgesamt homogener, die Höhen runder klingen. Erstaunlich, dass die Erstausgabe der Preludes Heft I (eine der beiden ersten CDs, die ich nach dem Kauf meines allerersten CD-Players 1986 erwarb :) ) zwar ebenfalls klanglich hinter der zweiten Veröffentlichung liegt, aber erstaunlich homogen ist.


    Bei der Neuausgabe zu seinem 100. Geburtstag schreiben sie, dass sie die Klangcharakteristik "angeglichen" hätten. Was das wohl heißen mag? Aus diesem Grund werde ich mir diese Ausgabe noch einmal zulegen. Bei ABM mache ich das... :) Schade, dass ich die Blue Ray-Audio Disc nicht nutzen kann. Ich dachte immer, ich könnte die Dateien rippen und dann über meinen USB-DAC, den Cambridge DAC Magic Plus, abspielen. Wie ich gelesen habe, gibt es da aber wohl einen Kopierschutz. Blue Rays kann nur mein Panasonic Blue-Ray-Disc Recorder abspielen. Er hat allerdings auch schon einige Jahre auf dem Buckel, so dass ich nicht glaube, dass er HiRes lesen kann. Zudem ist dann die Wiedergabequalität garantiert unter der der CDs. Das ist das Problem. Und ein neues Gerät zu kaufen für die wenigen Aufnahmen, die ich in diesem Format besitze, welche ich an den fünf Fingern einer Hand abzählen kann, lohnt sich für mich leider nicht. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Meine persönliche Erfahrung ist auch, dass die neueren Remasterings die älteren oft (sehr deutlich sogar) übertreffen. Gewiss wird es auch dieses und jenes Gegenbeispiel geben (man denke an die teils missglückte Ancerl-Gold-Edition bei Supraphon). Gute Beispiele sind "The Originals" von Deutsche Grammophon, wo im Vergleich zu den ursprünglichen CD-Ausgaben deutliche Verbesserungen erkennbar sind. Die wunderbaren Remasterings der letzten Jahre, oft noch in hochauflösenden Formaten (teils bis 192 kHz/24 Bit), welche die CD-Qualität (44.1 kHz/16 Bit) weit übertreffen, gibt es teilweise nur mehr als digitale Downloads. Sie sind daher für einen erheblichen Teil dieses Forums leider irrelevant.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Man muss jetzt schwer überlegen, wo ein Remastering tatsächlich zur "Verschlimmbesserung" beigetragen hatte.


    Ein Negativ-Beispiel hat Josef im Vorbeitrag genannt: Smetana - Mein Vaterland mit Ancerl (Supraphon - GOLD). Diese Aufnahme hatte ich schon auf LP - und gehörte zu den bestklingensten LPs damals. Die Gold-Edition war total verfärbt. Ich habe heute die erste CD-Version von Supraphon vorliegen, die gut ist.


    :!:Die ist gut: - aber AAD - und heuer richtig teuer !

    61-hnuVJEFL._SY300_.jpg

    Supraphon, 1963, AAD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Die wunderbaren Remasterings der letzten Jahre, oft noch in hochauflösenden Formaten (teils bis 192 kHz/24 Bit), welche die CD-Qualität (44.1 kHz/16 Bit) weit übertreffen, gibt es teilweise nur mehr als digitale Downloads.

    Lieber Joseph II. , hast Du meinen Hinweis auf die Michelangeli CD/Blu Ray gesehen. Die Blue Ray hat höhere Auflösungsfomate. Man benötigt allerdings einen speziellen Player für dieses Format.


    Ein großer Vorteil beim 192kHz/24 Bit Remastering besteht in der besseren Möglichkeit der digitalen Manipulation, selbst, wenn später wieder auf kleinere Bitraten runtergesampelt wird.

  • :angel: Eines der besten Beispiele für ein gelungenes Remastering sind die Schoistakowitsch - Sinfonien mit Kondraschin (AULOS).


    Einige der Aufnahmen hatte ich als Erstausstattung bereits auf Eurodisc-LPs. Es war mir dann folgend ein dringendes Anliegen diese famosen Int dann später auch auf CD zu haben. Es lagen zunächst die Einzel-CDs von Melodiya vor, die schon mal deutlich besser waren, als die Kratzware !


    Durch Michaels Schlechtriems bahnbrechende Entdeckung und Empfehlung aus dem Jahre 2006 kam ich dann zu der hocherfreulichen GA auf AULOS.

    Ein südkoreanisches Team hat das DSD-Verfahren (Direkt-Stream-Digital) verwendet, was unglaubliches aus diesen Aufnahmen herausholt, das so manche heutige DDD-Produktion übertrifft ! Selbst die ältesten Aufnahmen aus der GA (Sinfonie Nr.4 und 8) klingen noch frisch und natürlich.


    *** Hier der Beitrag aus dem Jahre 2006 vom Ex-Tamino Michael Schlechtriem (Cellist aus Münster):

    Nach der AULOS _ Veröffentlichung hat auch Melodiya die Sinfonien-GA neu vorgelegt. Auch gut, aber nicht so perfekt, wie auf AULOS.

    ;) Ausserdem habe ich mehrfach gelesen, dass die Eurodisc-CDs in der Box einem späteren "Bronzing" zum Opfer gefallen sind.


    :thumbup: Also lieber das AULOS - Klangwunder:


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    AULOS, DSD-Remastering 2006, Melodiya-Aufnahmen 1972-1975, ADD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • hast Du meinen Hinweis auf die Michelangeli CD/Blu Ray gesehen.

    Danke für den Hinweis, lieber astewes. Ja, Blu-ray Audio und auch SACD bieten natürlich diesen hochauflösenden Klang. Problematisch ist nur das Abspielen bzw. "auf die Festplatte" verfrachten (auch wenn es über Umwege möglich ist). Von daher bin ich um die digitalen HiRes-Downloads persönlich eigentlich durchaus froh. Weit nicht jede Aufnahme brauche ich in solcher ultrahohen Auflösung (Gott behüte), aber solche, die mir sehr viel bedeuten, möchte ich schon bestmöglich hören.


    Bezüglich der Sinnhaftigkeit von Remasterings - und damit zurück zum Threadtitel - sind diverse, alle paar Jahre aufkommende, angeblich spektakulär neu gemasterte Ausgaben uralter Mono-Aufnahmen kuriose Beispiele. Da kann ich mittlerweile nur noch schmunzeln. Kürzlich etwa brachte BIS eine schwedische Version der berühmten Beethoven-Neunten unter Furtwängler von 1951 auf den Markt. Was wurde sich da nicht an diversen Orten bereits mit Vorschusslorbeeren euphorisch gegenseitig überboten. Die Ernüchterung trat ein, als das Produkt auf den Markt gelangte. Der Klang soll sogar schlechter sein als in der seit langem bekannten Orfeo-Ausgabe. Und besser wird es auch nicht mehr. Dazu ist das Ausgangsmaterial nicht geeignet. Es ist eben bloß Mono und wird auch durch keinen Trick der Welt jemals zu echtem Stereo mutieren. Das sog. "Ambient Stereo", das Pristine Classical anbietet, ist zwar ganz nett und bringt eine gewisse Verbesserung der Räumlichkeit, aber mit echter Stereophonie hat das nun nichts zu tun. Den echten Aha-Effekt bringen Remasterings meist nur bei Stereo. Auch das beste Mono klingt bei nüchterner Betrachtung nur medioker, wenn man Stereo im Ohr hat, und das haben wir seit Mitte der 1950er Jahre eben und können es nicht mehr ändern. Die einzige Ausnahme tritt ein, wenn es zwei parallele, voneinander unabhängige Mono-Quellen derselben Aufnahme gibt. "Accidental Stereo" ("versehentliches Stereo") nennen das die Angelsachsen. Mit viel Mühe und Können kann man dann daraus ein Quasi-Stereo basteln, indem man die beiden Mono-Kanäle stereophon einsetzt und die Abspielgeschwindigkeit auf die Millisekunde identisch einstellt. Da gab es teilweise wirklich überraschende Ergebnisse. Aber wie gesagt, das ist ein Sonderfall, und leider selten genug gibt es solche historischen Zufälle.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe mit Remasterings eher gute Erfahrungen gemacht. So gibt es bei der EMI Aufnahmen mit Schnabel (Beethoven-Sonaten) und Karajan (Konzerte mit Lipatti), die in den neuen remasterten Versionen deutlich offener und durchhörbarer klingen. Das ist gewiss nicht nur eine Zeitgeist-Mode! Bei den neuen DG-Ausgaben von Michelangeli und Kempff konnte ich allerdings keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Ich höre aber auch nur noch über iTunes, in das man ja CDs importieren kann. Ganz toll sind auch die Sony/CBS-Remasterings der Aufnahmen von Serking und Szell! Seid Jahren wünsche ich mir ein Remastering der Arrau-Aufnahmen aus den 70ern, aber das wird wohl nicht kommen.

    Viele Grüße, Christian

  • Meine Faustregeln nach den oben geschilderten Erfahrungen wurden in etwa folgende:


    - ursprgl. Aufnahme vor ca. 1960-65 lohnt eher Testen eines neuen Remasterings; zwar kann man nicht unbedingt sagen, dass je älter die Aufnahme, je mehr an Verbesserung zu erhoffen ist, aber die Unterschiede dürften die größten sein, zumal es gerade bei Schellacküberspielungen auch unterschiedliche Ansätze, eher puristische, oder eher starkes Filtern bzw. unterschiedliche Kompromisse. Wenn man also besonders an historischen Aufnahmen vor ca. 1950 interessiert ist, kann ich verstehen, dass man, Geld und Geduld vorausgesetzt, immer wieder neuere Ausgaben probiert.


    - CD-Ausgabe vor ca. 1995 lohnt evtl. das Testen eines neuen Remasterings. Kann es nicht genau sagen, evtl. teils eher 1998, teils schon früher, jedenfalls etwa seit Super bit mapping, ART Noise shaping etc. angewendet wird. Zwar habe ich fast keine Erfahrung mit unterschiedlichen Auflagen von Digital-Aufnahmen der 1980er, aber da hieß es zB über "Karajan Gold", dass die deutlich besser klängen als die "originalen" CDs, die aufgrund der Kinderkrankheiten der Digitalära wohl nicht so gut sind.


    - (anekdotisch) eher schlechtklingende "frühe" CDs der 1980er, die daher Ersetzung lohnen könnten: CBS, teils EMI, wobei ich bei letzterer eher die Verbesserungen durch ART oder was auch immer die Ausgaben hervorheben möchte, als die eher durchschnittliche als schlechte Qualität der CDs um 1990s.


    - kaum Unterschiede vernommen habe ich zwischen Resonance (oder den französischen Duos) Billig-CDs der DG um 1990 und ihren neueren Auflagen wie Originals (die sehen meistens aber schöner aus); das alte Zeug klingt einwandfrei, sowohl bei Mono aus den 1950ern als auch bei späteren Stereo-Aufnahmen.


    - ebenfalls kaum Unterschiede (oder gar eindeutige Verbesserungen) habe ich zwischen CD-Ausgaben/Remasterings der späten 1990er und noch späteren Auflagen vernommen. Freilich muss man oft auch zweimal hinschauen und stellt dann fest, dass Boxen oder andere Neuauflagen der letzten 10-15 Jahre überhaupt keine Neuüberspielungen sind. Oder man verschleiert ein wenig, weil z.B. eine Aufnahme, die vorher gar nicht (international) auf CD erschienen war, "frisch" remastered wurde, 80% in der Box aber einfach eine Nachpressung der Auflage von z.B. 1999 sind.

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  • Ich habe mit Remasterings eher gute Erfahrungen gemacht. So gibt es bei der EMI Aufnahmen mit Schnabel (Beethoven-Sonaten) und Karajan (Konzerte mit Lipatti), die in den neuen remasterten Versionen deutlich offener und durchhörbarer klingen.

    Lieber Christian,


    EMI ist so ein besonderer Fall. Die frühen ABM-Aufnahmen aus den 40igern bis 1950, die bei EMI-Italiana herauskamen, haben diesen "magischen Ton". Auf den LPs kam der auch sehr gut rüber. Auf CD gab es diese Aufnahmen zunächst nie vollständig. Die erste Einzelausgabe mit den Paganini-Variationen, Bach/Busoni "Chaconne" klang fürchterlich muffig, die nächste haben sie dann doch sehr künstlich aufgehellt, so dass der Ton einfach zu hart klang. Ich hatte mir deshalb damals mit meinem CD-Recorder, der inzwischen längst das Zeitliche gesegnet hat, die auf Cassette überspielten LPs auf CD-R gebrannt. Erst in der letzten EMI-Box sind die Aufnahmen klanglich akzeptabel.

    Das ist gewiss nicht nur eine Zeitgeist-Mode! Bei den neuen DG-Ausgaben von Michelangeli und Kempff konnte ich allerdings keinen nennenswerten Unterschied feststellen.

    Ich habe mal reingehört bei jpc. Bei den Preludes Heft I höre ich einen Unterschied. Deswegen bekomme ich demnächst diese remasterte Jubiläumsausgabe zu seinem 100. Geburtstag. Solche Aufnahmen zu remastern mit einer gezielten Veränderung ist insofern problematisch, als sie eine sehr eigene Klangästhetik haben. Nur um ein bisschen mehr Räumlichkeit zu bekommen usw. muss man die nicht unbedingt zerstören. Die Erstausgabe von Preludes Heft 1 ist AAD - d.h. sie haben diese wirklich nur digital konvertiert ohne Remastering. (Die CD mit den Images dagegen ist ADD!) Damals wollten sie offenbar nicht eingreifen mit klangverändernden Maßnahmen. Bezeichnend gehört diese Überspielung zu den besten von den ganz alten. Aber ich werde das überprüfen! Bei der Chopin-Aufnahme sind in der CD-Erst-Veröffentlichung die Bässe ein bisschen "matschig", da ist der Unterschied zu der Überspielung in der blauen DGG-ABM-Box sehr deutlich.


    Stimmt, Schnabel oder Gieseking, da müsste ich eigentlich die neu remasterten Aufnahmen kaufen. Überall mache ich das nicht, dann müsste ich meine halbe historische Sammlung austauschen...


    Liebe Grüße

    Holger

  • Sorry, aber ich musste den Booklet-Text, dem dem ein Remastering-Verfahren genau geschildert wird, entfernen, weil er jetzt im öffentlichen Raum stünde, wodurch Rechte verletzt werden könnten.

    Wirklich, lieber Rüdiger? Im wissenschaftlichen Bereich zitiert man ja auch, ohne das Urheberrecht zu verletzen. Auszüge aus einem Text zu zitieren ist immer erlaubt, nur nicht den kompletten Text zu übernehmen. Das wäre hier das komplette Booklet. Zumal das hier einen Werbeeffekt hat und insofern kaum problematisch für den Anbieter sein dürfte.


    Liebe Grüße

    Holger

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  • Die Erstausgabe von Preludes Heft 1 ist AAD - d.h. sie haben diese wirklich nur digital konvertiert ohne Remastering. (Die CD mit den Images dagegen ist ADD!) Damals wollten sie offenbar nicht eingreifen mit klangverändernden Maßnahmen. Bezeichnend gehört diese Überspielung zu den besten von den ganz alten. Aber ich werde das überprüfen! Bei der Chopin-Aufnahme sind in der Erst-Veröffentlichung die Bässe ein bisschen "matschig", da ist der Unterschied zu der Überspielung in der blauen DGG-ABM-Box sehr deutlich.

    Das ist interessant - dann höre ich da auch mal rein. Die Aufnahme der Preludes 1 enthielt immer sehr viel Rauschen. Ist das denn jetzt besser geworden?


    Viele Grüße

    Christian

  • Ich habe aus dem Carnaval- Thread einen kleinen Abschnitt hierher kopiert (aus dem dortigen Beitrag # ), wo ich über die schlechte Qualität des digit. Remasterings geklagt hatte. (- Von den beiden Gieseking- Covers ist es das obere. Die Geza Anda- CD war ebenfalls betroffen, aber etwas weniger). Ich hatte dann die Gieseking - CD zurückgesandt und um Ersatz gebeten. Der kam postwendend, mit demselben gruseligen Klangbild wie vorher:


    Zitat

    348-d9656684e3198061d1882fa98094cad77776db49.png
    Zitat von Damiro Die Gieseking- Aufnahmen, aufgen. 1943 Berlin, haben einen verfremdeten Klavierklang, dig. remastered steht drauf. Das klingt zu hart und zu obertonarm, insbes. auf meinem neuen T + A- Receiver.

    Ich habe diese Box hier, lieber Damiro, die ich nicht missen möchte. Denn Giesekings Schumann ist genialisch (die "Davidsbündlertänze"!):


    41VUqyI4UfL._AC_US218_.jpg


    Mit dem Carnaval gibt es diese Ausgabe, die den Hörschnipseln zufolge sehr gut remastert ist:


    51em%2BGFhptL._SS300.jpg


    Zitat
    348-d9656684e3198061d1882fa98094cad77776db49.png Zitat von Damiro Das gleiche bei Geza Anda ORFEO Salzburg live 1972. Beide kürzlich gekauft bei JPC.. (ist bei höheren Lautstärkepegeln der Fall)



    (Kann man solche CDs eigentlich zurückgeben ? Die Geza Anda- CD würde bei leiserer Aussteuerung noch gehen...)

    9934746


    (Die von apr meine ich nicht, lieber Holger...)



    Macht das Sinn, die obige CD jetzt nochmals zu bestellen, also die mit dem Wort "Piano Works" und dem kleinen Gieseking s/w- Foto ?

  • Das ist interessant - dann höre ich da auch mal rein. Die Aufnahme der Preludes 1 enthielt immer sehr viel Rauschen. Ist das denn jetzt besser geworden?

    Lieber Christian,


    Ich nehme an, dass ich das neue Remastering morgen oder übermorgen zur Verfügung habe. Stimmt, die (analoge) Aufnahme hat einen relativ höheren Rauschpegel. Nur ist mir das bisschen Rauschen lieber, als wenn es rausgefiltert wird und dann die Hochtonwiedergabe darunter leidet - wie bei der von mir erwähnten Ausgabe der Beethoven-CD mit Artur Rubinstein. :hello:

    Ich habe aus dem Carnaval- Thread einen kleinen Abschnitt hierher kopiert (aus dem dortigen Beitrag # ), wo ich über die schlechte Qualität des digit. Remasterings geklagt hatte. (- Von den beiden Gieseking- Covers ist es das obere. Die Geza Anda- CD war ebenfalls betroffen, aber etwas weniger). Ich hatte dann die Gieseking - CD zurückgesandt und um Ersatz gebeten. Der kam postwendend, mit demselben gruseligen Klangbild wie vorher:

    Lieber Damiro,


    ich habe mal geschaut. Die Aufnahme des Carnaval in der apr-Box ist von 1951, die in der besagten, die Du zurückgeschickt hast, von 1946! Es ist also nicht dieselbe! Ich habe noch diese Ausgabe gefunden - leider enthält sie nur einen Teil des Programms:


    81ntmgUR-dL._SS500_.jpg


    Da gibt es die Downloads und man hat Hörproben. Die Qualität der Aufnahmen (wohl denen von 1951) ist sehr gut bis auf die Sonate (das ist wohl die Aufnahme von 1942). Die klingt sehr blechern. Wenn die Originalaufnahmen so sind, ist es leider so. Da hilft dann auch das Remastering nicht so viel.


    P.S. Ich habe gerade geschaut - diese Aufnahme muss dieselbe sein wie in besagter Doppel-CD (da steht als Aufnahmedatum auch 1942). Dann sind wohl die Originale anscheinend tatsächlich nicht besser! :!:


    Zu der von Dir gemeinten gibt es offenbar keine Alternative - ich habe jedenfalls keine gefunden. Dann ist man auf sie angewiesen. Die Aufnahmen sind so überragend, dass ich dann die Klangqualität verschmerzen kann.


    Von Gieseking sehr günstig gibt es derzeit die kompletten EMI-Aufnahmen von Debussy remastert in 24 Bit/96KHz-Technik. Da konnte ich nicht wiederstehen. Auf den Vergleich bin ich gespannt! :)


    Liebe Grüße

    Holger

  • Blue-Ray-Audio


    61baTkAWbUL._AC_UY218_.jpg


    Diese schöne Box mit den alten Philips-Aufnahmen von Haitink, alle neu remastert mit 24 Bit/96 KHz, hatte ich Ende November 2020 gekauft - also vor nur etwas mehr als einem Jahr. Heute gibt es nur noch ein Gebrauchtangebot zum Spottpreis von 199 Euro! =O


    Als Zugabe enthält diese Box eine Blue-Ray-Audio-Disc mit allen Aufnahmen nochmals.


    Die gute Nachricht:


    Gerade habe ich es probiert: Die Blue-Ray-Audio ist abspielbar mit jedem Blue-Ray-Disc Player! Mit meinem sogar schon etwas älteren Blue-Ray-Disc-Recorder von Panasonic geht das problemlos! Das Menü mit den wählbaren Titeln erscheint dann auf dem Fernseh-Bildschirm.


    Den Blue-Ray-Disc-Recorder habe ich über Cinch-Kabel mit meinem Yamaha RN 803D verbunden, um so den Ton in natürlich viel besserer Qualität über die Lautsprecher bzw. Kopfhörer, sprich meinen alten Stax SR-5 Gold, abzuspielen.


    So konnte ich den Vergleich machen, also die CD aus derselben Box mit der Blue-Ray-Disc gegenhören - ganz einfach, indem ich die Eingänge mit der Fernsteuerung des Yamaha umschalte. Die CD wurde abgespielt mit dem Marantz CD 80, digital verbunden mit dem Cambridge DAC Magic Plus. Gehört wurde mit dem Stax SR-5 Gold.


    Ergebnis: Die Blue-Ray-Audio klingt sehr angenehm luftig und weiträumig. Die CD wirkt etwas eingeengter in Höhe und Breite (im Vergleich ein bisschen ein "Guckkasteneffekt") und etwas "rauher". Aber: Substanzreicher, farbig-glänzender, in den Bässen zudem deutlich körperlicher klingt die CD, die Wiedergabe mit Blue-Ray-Audio ist etwas "glatter". Der Vorteil des hoch auflösenden Formats ist also nicht wirklich nachvollziehbar!


    Das ist aber auch kein Wunder! Einmal ist das Cinch-Verbindungskabel zwischen dem Yamaha und dem Panasonic ein ziemlich billiges. Da könnte ich dann mein Wireworld Oasis 5 nehmen, das ich zum Glück in 2m Länge habe, um eine Verbesserung zu erzielen. Die andere Möglichkeit ist den digitalen Ausgang des Panasonic zu nutzen, wo das Signal in 96KHz ausgegeben wird, um dann meinen Cambridge DAC Magic Plus als Wandler zu verwenden. Leider hat der Panasonic nur einen Lichtleiter-Ausgang. Die sind von der Qualität unter der von Cinch oder noch besser BNC. So kann der klangliche Gewinn, der hier erzielt wird, durch das Lichtleiterkabel wieder zunichte gemacht werden. Das muss ich also erst noch ausprobieren - eventuell ein besseres Lichtleiterkabel kaufen.


    Vorläufiges Ergebnis: Von Vorführungen weiß ich, dass hoch auflösende Formate eindeutig klangliche Vorteile haben auch gegenüber dem CD-Standard. Nur zeigt sich in der Praxis, dass das allzu oft leider sehr theoretisch bleibt. Eine hochwertigere Elektronik, bessere Kabel etc. etc. in Verbindung mit der CD bringen die theoretischen Vorteile von HiRes zum Verschwinden, wenn diese nicht auch auf einer vom klanglichen Niveau her gleichwertig "highendigen" Wiedergabekette abgespielt werden. So bleibt eine Wiedergabe auf CD-Niveau übrig - mit klanglichen Vorteilen wie Nachteilen.


    Ich freue mich jedenfalls, den Vergleich demnächst auch mit ABM und Debussy machen zu können und werde weiter probieren - auch über Lautsprecher hören selbstverständlich.


    Also: Wer für den Fernseher einen Blue-Ray-Disc Player/Recorder besitzt und ihn mit der Hifi-Anlage verbinden kann, sollte das mal ausprobieren! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Als jemand, der nach wie vor vorzugsweise Schallplatte hört, habe ich insofern eine anderen Blick auf das Thema, als es ja nun auch Aufnahmen gibt, die auf der einen Seite atemberaubend, sensationell und unwiederholbar sind, die auf der anderen Seite jedoch nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen waren. So etwa Bachs 5. Brandenburgisches Konzert, 1942 in einem adventlichen Konzert von Wilhelm Furtwängler gespielt, mit ihm selbst am Klavier. Der Solopart ist zutiefst versunken und innig. Niemand würde das Werk heute so spielen, und das es diese Wirkung hat, ist wohl auf Furtwängler zurückzuführen. Mitgeschnitten wurde das Konzert allerdings auf Acetat-Platten. Jahre später wurden die von der französischen Furtwängler-Gesellschaft veröffentlicht. In dem Fall muss man eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen.


    Nun aber zu einem anderen Mitschnitt, leider auch nur auf Acetat-Platten überkommmen und ohne Bearbeitung von grausig schlechter Qualität: die vier letzte Lieder von Richard Strauß, mit Kirsten Flagstadt und Wilhelm Furtwängler. Mit ein wenig Nachbearbeitung tauchte die Aufnahme immer mal wieder auf, zunächst bei EMI, später beim verdienstvollen Gebhard-Label. Resigniert habe ich alle Bemühungen zur Kenntnis genommen (zuletzt ein ganz ordentliches Remaster, diesmal wieder bei EMI) und gedacht, besser wird's halt nicht. Allerdings hat sich mittlerweile Andrew Rose ans Restaurierungswerk gemacht und das Ergebnis ist phänomenal. Klar, eine High-End-Aufnahme wird das nicht, aber im Vergleich zu den alten Veröffentlichungen un Lichtjahre von denen entfernt. Die Störgeräusche sind nicht ganz zu entfernen, die technisch bedingte Tonhöhenschwakungen sind beseitigt und auch so ist an der Aufnahme einiges gemacht worden. Für Interessierte gibt's hier den Link dazu:


    https://www.pristineclassical.…twangler/products/pasc407


    Trotz aller Einschränkungen, die immer noch vorhanden sind, eine Aufnahme für die Ewigkeit.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Allerdings hat sich mittlerweile Andrew Rose ans Restaurierungswerk gemacht und das Ergebnis ist phänomenal. Klar, eine High-End-Aufnahme wird das nicht, aber im Vergleich zu den alten Veröffentlichungen un Lichtjahre von denen entfernt. Die Störgeräusche sind nicht ganz zu entfernen, die technisch bedingte Tonhöhenschwakungen sind beseitigt und auch so ist an der Aufnahme einiges gemacht worden. Für Interessierte gibt's hier den Link dazu:


    https://www.pristineclassical.…twangler/products/pasc407


    Trotz aller Einschränkungen, die immer noch vorhanden sind, eine Aufnahme für die Ewigkeit.

    Lieber Thomas,


    was für eine Freude, nach so langer Zeit wieder von Dir zu hören! :) :) :)


    Die Hörproben auf der Seite habe ich mir zu Gemüte geführt. Die Remastering-Qualität ist wirklich phänomenal! Und die Aufnahme: Was für eine Intensität! :hello:


    Liebe Grüße vom frisch Geboosterten ^^

    Holger

  • Das Feld bei historischen Aufnahmen, Mitschnitten etc., wo seit Jahrzehnten "Feuer frei!" herrscht, weil fast jeder sich an eine Überspielung machen kann, ist natürlich wesentlich komplexer als die Label-eigenen Neuremasterings von normalerweise eigenen Mastertapes. Oder gar private LP-Überspielungen aus dem Internet von anderweitig kaum verfügbaren Aufnahmen.

    Hier kann man m.E. kaum Faustregeln angeben, da muss man einfach ausprobieren und ggf. halt wissen, wie viel Zeit und Geld einem ein weiterer Versuch mit der Chance auf Klangverbesserung wert ist.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Über die remasterten Debussy-Preludes schreibt eine Kunde bei Amazon:


    "Aus dem Gespräch mit Cord Garben in dem Werk von Jochen Köhler, ABM - Auf der Suche nach dem Vollkommenen, habe ich erfahren, das ABM bei dieser Einspielung einen zweiten gleich gestimmten Steinway-Flügel im Aufnahmeraum geöffnet stehen ließ, dessen Pedaltaste blockiert war. Dies sorgte bei der Aufnahme dafür, dass dieses zweite Instrument einen dezenten Nachhall der von ABM angeschlagenen Töne erzeugte. Bislang war der Effekt nur auf Vinyl zu hören, die auf einer CD gespeicherten Informationen reichten dafür nicht aus. Diese Lücke schließt die Blu-Ray. Bereits in den Danseuses de Delphes (Nr 1, Blu-Ray) zeichnen sich die Bassakkorde (nicht die Stimme im Diskant) durch einen ungewöhnlich vollen, "sahnigen" Wohlklang aus. Dies gilt noch mehr für Stücke wie Nr. 10 (La cathédrale engloutie). Im Dagegen wirkt der Ton der Einspielung von Buch 2 der Préludes wie abgeschnitten (vergleiche Nr. 19: La terrasse)"


    Da bin ich jetzt doch sehr auf Holgers Bericht gespannt! Und ich frage mich auch, ob ich das nach einem Transfer auf itunes mit meinen Kopfhörern überhaupt nachvollziehen kann?


    Und noch eine Ergänzung: Es ist gar nicht die Aufnahme der Preludes (1978), die so rauscht, sondern die der Images und von Children's Corner. Die ist auch früher erschienen (1971) und das Rauschen finde ich hier wirklich sehr störend.


    Viele Grüße

    Christian



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    Lieber Christian,


    das zweite Heft der Preludes hat ABM im kleinen Saal der Bielefelder Oetker-Halle aufgenommen (Bild s.o.!). Ich habe ja 16 Jahre in Bielefeld gewohnt und dort einige Konzerte erlebt (im großen wie im kleinen Saal), im kleinen Saal u.a. einen Scriabin-Abend mit Maria Lettberg. Wie man auf dem Bild erkennt, gibt es da viel Holz, d.h. die Akustik ist relativ stark bedämpft und hat wenig Hall. Das merkt man auf der Aufnahme. Sie ist sehr farbig, warm, aber im Ton auch trockener. Die Höhen "stehen" nicht. Wenn man die Akustik kennt, weiß man, warum... :) Ursprünglich - laut Cord Garben - wollten sie die Aufnahme in der Schweiz machen. Sie hatten schon begonnen, doch dann gab es dort ein Unwetter und im Aufnahmesaal einen Wasserschaden. Anschließend war die Akustik ruiniert. Also haben sie fast schon verzweifelt nach einem Saal gesucht und sind dann in Bielefeld fündig geworden. :D Das in der Rezension erwähnte Buch habe ich - aber noch nicht durchgelesen. Das erste Buch von Cord Garben auch natürlich. Das zweite habe ich (noch) nicht. Bei C. Garben hat man ja mitunter das Gefühl, dass er schreibt, um sein ABM-"Trauma" zu verarbeiten... :D Diese Geschichte von der Aufnahme von Band 1 meine ich steht in Cord Garbens erstem Buch ("Gratwanderung mit einem Genie"). ABM hat Preludes Heft I in einem Zuge durchgespielt und die Aufnahme wurde ohne Schnitte und alles veröffentlicht. Was für eine Perfektion! Ich frage mich, ob sie nicht mit der Video-Aufnahme aus Paris identisch ist. (?)


    Ich erinnere mich an eine Bassschwebung in "Das, was der Westwind gesehen hat...", die nur auf LP zu hören war und nicht auf den beiden CD-Ausgaben, die ich habe. Die Aufnahme finde ich schon toll - klar, farbig zugleich mit vollem Ton und sehr homogen. Nicht so dünn wie die der Images. Das liegt natürlich auch am Steinway-Flügel, der einen sehr schlanken Bass hat. Viele Aufnahmen schummeln da. Wenn man nämlich Mikros unter dem Bodendeckel positioniert, klingt der Steinway-Bass nach mehr, als er eigentlich hat (wie bei Arcadi Volodos z.B. ...) :D Ich hoffe mal, dass mir die Aufnahme bald zufliegt.


    Mein "neuer" Kopfhörer Focal Clear (gekauft im November 2019) hat eine sagenhaft konturierte und satte Basswiedergabe ohne jede Übertreibung, zudem mit dem im Bassbereich wirklich fantastischen Cinch-Kabel Audioquest Water hole ich da wirklich alles klanglich heraus. Dieses "highendige" Niveau erreiche ich mit dem alten Stax SR-5 Gold natürlich nicht. Insofern hat bei mir die CD-Wiedergabe einen Vorteil. Meine Lautsprecher sind im Bassbereich auch kräftig und vorbildlich ehrlich. Die Unterschiede der Aufnahmetechnik geben sie 1:1 wieder - Dynaudio eben. Ich bin wirklich gespannt. Ich muss nur die Verkabelungs-Qualität von Blue-Ray-Disc-Recorder und Verstärker verbessern. Gerade im Bassbereich dünnt da das billige Kabel etwas aus, vielleicht auch der Wandler. Deshalb schaue ich mal, ob ich mit meinem Cambridge DAC das Niveau noch etwas hebe. :D :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

  • Preiswürdiges Remastering



    Das ist wirklich ein Remastering, wie man es sich wünscht mit Vorbildcharakter.


    Die CD mit den Preludes Heft I hat bei mir eine beseondere Bedeutung. In meiner inzwischen auf die 4000 CDs zuwachsenden Sammlung trägt sie bezeichnend die Archivierungsnummer "1". So sah die CD-Erstveröffentlichung aus:


    41X78MS7Y7L.jpg


    Die Qualität ist - eigentlich untypisch für die Zeit - hervorragend! Sie haben die analoge Aufnahme ohne neues Remastering nur digitalisiert (AAD). Sie klingt einfach perfekt ausgewogen mit einem klaren und zugleich vollen Klavierton - die Abbildung ist für heutige Maßstäbe etwas klein. D.h. die Mikrophone haben relativ weit vom Flügel weggestanden.


    Das neue Remastering mit 24 Bit 96 KHz-Technik knüpft hier an: Die ästhetischen Qualitäten der Aufnahme sind gewahrt - die sagenhafte Homogenität. Aber sie ist einfach nur feiner, substanzreicher und einen Tick klarer. Ein deutlicher Hörgewinn - vor allem zu der Ausgabe in der Michelangeli-Box von 2002:


    7116XFt1GYL._SL1400_.jpg


    Unter meinem Stax-Kopfhörer klingt sie leicht basslastig und die Höhen sind etwas verselbständigt, kommen dünner und haben nicht diese Rundung und Einbindung in den Gesamtklang. Mit dem bassstarken Focal Clear gehört wirken sie sogar leicht aufgeweicht und aufgequollen. Ein Beispiel für ein nicht gelungenes Remastering.


    Der Vergleich bezieht sich auf die Wiedergabe mit CD. Die Blue-Ray-Audio kann ich zwar abspielen, aber nicht in der Qualität der CD-Wiedergabe. Ich habe es versucht mit Lichtleiter-Digitalkabel. Eigentlich sollte mein Panasonic Blue Ray-Disc-Recorder das Signal mit 96 KHz rausgeben. Tut er aber nicht. Denn: Es leuchtet beim Cambridge DAC Magic Plus die Anzeige 48 KHz (das DVD-Format) nach Einlegen der Blue-Ray-Audio-Disc. Die Verbindung ist also zunächst da, aber im falschen Format. Wenn ich allerdings die Disc starte, erlischt das Lämpchen und es kommt kein Ton. Die analoge Verbindung über Cinch klappt zwar, ist aber wohl nicht in der originalen High Res-Qualität. Mal sehen, ob ich das Problem noch löse. Schade! Musik-DVDs und auch der Fernsehton wird dagegen über die Lichtleiter-Verbindung wiedergegeben. Es muss also am Format der Blue Ray-Audio liegen. Maßlos geärgert habe ich mich zudem über den wackligen Toslink-Stecker des Panasonic - da rutscht das Kabel (ein Audioquest Forest Toslink) einfach so rein und raus. Im Video-Bereich ist die Qualität leider so miese.


    Nachbemerkung: Wie klug sie beim Remastering vorgegangen sind, zeigt, dass sie nur die analogen Aufnahmen mit 24 Bit/96 KHz remastert haben, die schon digital aufgenommenen Preludes Heft II haben sie beim originalen Aufnahmeformat 44 KHz belassen und auch kein Upsampling vorgenommen. Die Aufnahme habe ich aber noch nicht gehört. :) :) :)


    Schöne Grüße

    Holger

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