Gänsehautstellen

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich persönlich habe es noch nie erlebt, "Gänsehaut" beim Hören von Musik zu bekommen.
    Gänsehaut wird ja üblicherweise eher mit negativen Gefühlen in Verbindung gebracht.


    THEORETISCH sollte bei Eintreten angenehmer Gefühle der subjektive Eindruck der WÄRME entstehen, was "Gänsehaut" automatisch ausschliesst.



    Ich finde das überhaupt nicht negativ. Bei mir hat das auch nichts mit Kälteempfinden zu tun. Es ist vielmehr ein Ausdruck von besonderer emotionaler Ergriffenheit - die Musik spricht etwas ureigenes an. Und man wird regelrecht von dem Gefühl überrollt. Vielleicht ist das Phänomen mit wohligem Schauer besser umschrieben?


    Bei mir momentan einen nach dem andern auslösend:



    Telemann: Cornettkantaten


    :jubel: :jubel: :jubel:




    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich persönlich habe es noch nie erlebt, "Gänsehaut" beim Hören von Musik zu bekommen.
    mit freundlichen Grüßen
    aus Wein
    Alfred


    Hängt wohl damit zusammen, welche Gefühlstiefe beim Hören bestimmter Musik erreicht wird. Jeder Mensch reagiert anders.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried


    Hängt wohl damit zusammen, welche Gefühlstiefe beim Hören bestimmter Musik erreicht wird. Jeder Mensch reagiert anders.


    Tja - ich hoffe das mit der Gänsehaut ist hier nicht medizinisch gemeint. Es ist doch - volkstümlich ausgedrückt - gemeint: "Welche Stellen haben euch emotional gepackt, sodass Ihr ganz von den Socken wart"


    Eine Freundin von mir hat das einmal so formuliert: "Es gibt Stellen, da denk ich mir, wenn ich jetzt von der Galerie runterfall, is es auch wurscht."


    Die von schöner Musik hervorgerufenen Emotionen sind offensichtlich ebenso vielfältig wie Art und Stil der Musik, die den Hörer berührt. Schön in diesem Sinne die Beiträge zu lesen.


    Wüßt auch selber zahllose Stellen, die mich gepackt haben.
    Hier die schlimmsten "Fälle":


    "Sink hernieder Nacht der Liebe" Tristan 2. Akt - immer wieder und vor allem beim ersten Mal (1970 WSO Carlos Kleiber - ich war tagelang nicht wirklich ansprechbar)


    Elektra Erkennungsszene Orest Elektra. Die meiner Meinung nach heißeste Musik, die je geschrieben wurde. (immer wieder und in besonderer Erinnerung mehrere Aufführungen mit Nilsson, Adam unter Böhm)


    Beethofen Fidelio - Leonoren Overtüre (auch immer wieder und vor allem beim ersten Mal - Theater an der Wien 1970 Bernstein)


    Finale aus Frau ohne Schatten


    Szene Philipp - Posa aus Carlos


    Natürlich das Ende von LaBoheme


    und zahllose andere - auch aus dem symphonischen Bereich...


  • Also erfahrungsgemäß ist das schon möglich, auch bei angenehmer, aber bewegender Musik richtig physische Gänsehaut zu kriegen - nur war das früher sehr viel häufiger. Scheinbar hat das jahrelange Hören irgendwie etwas abgestumpft...


    Viele Grüße nach Wein ;) (mag ihn ja auch zu sehr und hab heut schon wieder eine ordentliche Dosis zu mir genommen :pfeif: )


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Also ich bekomme durchaus eine richtige Gänsehaut, wenn eine Stelle besonders schön ist. Das hat in dem Fall nichts mit Kälteempfinden oder negativen Gefühlen gemein. Aber Barezzi hat recht - bei mir war das früher auch viel häufiger, man stumpft wirklich irgendwie ab.
    Salisburgiensis trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt:

    Zitat

    Bei mir hat das auch nichts mit Kälteempfinden zu tun. Es ist vielmehr ein Ausdruck von besonderer emotionaler Ergriffenheit - die Musik spricht etwas ureigenes an. Und man wird regelrecht von dem Gefühl überrollt.


    [SIZE=7] Diverse Berührungen, die beileibe nichts mit einer negativen Empfindung oder Kälte zu tun haben, können das übrigens auch auslösen [/SIZE] ;)

  • Hi!


    Bei mir ist es keine Gänsehaut, sondern bei mir fangen die Tränen an zu laufen bei besonders schönen Stellen (meistens natürlich bei Mozart!!!)


    Grüße


    Karin H.

  • Zitat

    Original von Karin H.
    Hi!
    Bei mir ist es keine Gänsehaut, sondern bei mir fangen die Tränen an zu laufen bei besonders schönen Stellen (meistens natürlich bei Mozart!!!)
    Grüße
    Karin H.


    Bei mir sind es Verdi und Puccini ;(

    Freundliche Grüße Siegfried

  • WEiß nicht ob die Stellen schon erwähnt wurden aber für mich gibts bei den Brahms-Klaverikonzerten drei wunderbare Stellen.


    Klavierkonzert 1: 1. Satz Einsatz des Klaviers (wunderbar lyrisch gespielt von Emil Gilels)


    3. Satz: Ich kann es Schlecht beschreiben, aber die Stelle nach ca. wo das Orchester so erstirbt, dann die Bläser das HT wiedergeben, das Orchester anschwillt und das Klavier dann drei dröhnende Akkorde von sich gibt (bei Zimerman, Rattle ab 2:29).


    Klavierkonzert 2: der ganze 3. Satz, speziell aber wieder der Einsatz des Klaviers.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Eine letzte Woche im Konzert erlebte Gänsehautstelle
    (neben unzähligen anderen) aus Mahlers 3.Symphonie:


    Die Coda des 3.Satzes, als sich plötzlich die Wolken verdunkeln und
    im ganzen Orchester ein es-moll Akkord hereinbricht -
    dieser löst sich dann nach Des-dur und schließlich C-dur auf.
    Dieses es-moll bringt eine völlig unerwartete neue Farbe ins Spiel
    und garantiert einen Moment von Gänsehaut!

    Gruß,


    Michael

  • Dann sollte aber noch der ganze 1. Satz des 2. KKs erwähnt werden!
    Vor allem die Stelle, wo das Klavier pianissimo-16tel spielt und dann das Hornthema wieder einsetzt. Bei Richter/Leinsdorf ist das bei ca. 11:35 (wahrscheinlich ist es auch nur auf der Aufnahme so geil)


    Karin H.: ja wie gesagt, zu Beginn des 5. Satzes der Beethovschen Pastorale Sinfonie! Ich hab immer dieses Bild vor mir... die Bauern, die nach diesem fürchterlichen Sturm (erregt leichte Mitleidsgefühle) glücklich aus den Häusern rennen, sich auf den Feldern versammeln und gen Himmel blicken, während die Sonne wieder aufgeht und im Sonnenschein die Landschaft ergrünt.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • spontan fallen mir sofort 4 solche Stellen ein:


    1. der zweite "Orchesterausbruch" in Beethovens 3. Satz der 9.


    2. das extrem feierliche Bläsermotiv in Wagners Parsifal


    3. der E-Dur-Jubel in Mahlers 4. Symphonie 3. Satz


    4. das strahlende Hauptthema im Finalsatz Saint Saens 3. Symphonie

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Hallo,


    ich muß ich wiederholen: trotz vieler renommierter Namen in meinem CD- Regal beim Thema Bachsche Johannespassion liebe ich über alle anderen die Naxos- Aufnahme mit The Scholars Baroque Ensemble



    Bei dieser Aufnahme gibt es die gänsehautträchtigsten Rezitative!


    Zwei Beispiele:


    1.( andernorts schon mal erwähnt) Der phänomenale Evangelist Robin Doveton beim Verlesen des Schildes über Jesu Kreuz:"Jesus von Nazareth, der Juden König" - die Raumtemperatur sinkt ins Eisige, die Welt verliert ihre Farben - unglaublich!!


    2. David van Asch als absolut hörenswerter, nachdenklicher Christus in der Szene " Weib, siehe das ist dein Sohn" " Siehe das ist deine Mutter" - es gelingt ihm, diese Worte so klingen zu lassen, als seien sie unter Schmerzen mit dem letzten Atem gesprochen - aber überhaupt nicht auf Effekt getrimmt! Es ist schon fast erschreckend, wie nahe man bei diesen Worten am Kreuz steht.Bei " Weibbbb" findet ein kurzes scharfes Ausatmen statt, welches mich jedesmal zutiefst erschüttert!!


    Gruß
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Tschaikowsky Trio, op.50:
    Var. 9: Andante flebile, ma non tanto
    grandioses Geschmalze und Geweine von Geige und Cello....


  • Dieses Lied mag ich auch sehr gerne und war das einzig Positive in 10 Jahren
    Musikunterricht. :stumm:


    :hello:

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • Immer wenn Fritz Wunderlich den Lenski singt: "Wohin seid ihr entschwunden?", dann krieg ich ne Gänsehaut.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Bach: Matthäus-Passion


    Kurz nach dem Tod Jesu' (und dem darauffolgenden Erdbeben) heißt es:


    "Aber der Hauptmann und die bei ihm waren, da sie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen:"


    Und dann kommt der Chor für wenige Takte zum Einsatz:


    "Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!"


    Eine meiner absoluten Gänsehautstellen (nicht nur beim Anhören, funktioniert auch beim Selbersingen regelmäßig, wie ich in den letzten Wochen mal wieder mehrfach feststellen konnte...)


    Was mich an solchen Gänsehautstellen (wie eben dieser hier) so besonders fasziniert:
    Es sind meist nur ein paar Takte, ein paar Sekunden Musik.
    Aber die Wirkung von diesen ist derart durchschlagend, dass jede weitere Note schon zuviel wäre :jubel:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo,


    Eine grandiose Stelle ist das Rezitativ in Mendelssohn's Paulus, wenn Saul die Stimme Gottes hört, und den Auftrag bekommt in die Stadt zu gehen.


    Eine weitere Stelle ist in Brahms Klavierkonzert Nr.3. Im ersten Satz wird das Orchester nach ca.2min sehr dünn und leise. Nach einiegen Fanfaren und akkorden donnert das Klavier in einem Lauf nach unten...(Tonmässig jetzt...nicht von der Bühne oder so... :D ). Eine wirklich unerwartete, und gespenstische "Szene"...


    Wundervoll ist auch der letzte Satz von Saint-Saens Orgelsymphonie...einfach schön dies stelle nach dem ersten Tutti...


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Zitat

    Original von raphaell
    Eine weitere Stelle ist in Brahms Klavierkonzert Nr.3. Im ersten Satz wird das Orchester nach ca.2min sehr dünn und leise. Nach einiegen Fanfaren und akkorden donnert das Klavier in einem Lauf nach unten...(Tonmässig jetzt...nicht von der Bühne oder so... :D ). Eine wirklich unerwartete, und gespenstische "Szene"...


    Welche Aufnahme würdest du empfehlen? :pfeif:

  • Hallo,


    Tjaaaaa....hab ich gestern in der Schublade gefunden, dieses grandiose Meisterwerk... :D ...


    Scheeerz...da ist mir wohl ein derber Fehler unterlaufen...Ich meinte nicht KK3 Satz I, sondern natürlich KK1 Satz III...Verzeihung vielmals...


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Hallo miteinander!


    Meine Gänsehaut- oder auch Feuchte-Augen-Stellen sind folgende:


    Götterdämmerung - Finale
    Rosenkavalier - die Schlußtöne im 1.Akt
    Aida - Terr`addio
    Lohengrin - Vorspiel
    Fidelio - Leonoren Ouverture


    Ja, und wenn Joseph Schmidt singt, z.B. Jungfrau Maria (Flotow/Alessandro Stradella, 1934)


    LG Jahnas:hello:

  • Hallo,


    Mir ist noch eine Stelle eingefallen...da hab ich IMMER Gänsehaut...!
    Im Sacre du Printemps. Abteilung: Le Sage - Danse de la terre...grandios!!!
    Beiendruckend auch zu sehen, wie die "Gong-Stellen" hier musiziert werden...Zwei Percussionisten mühen sich daran ab.


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Zu 120 % bekomme ich eine Gänsehaut bei Chet Backers Version von "My funny Valentine".
    Schon die ersten beiden Takte... ;(

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • Bruckner, 2. Sinfonie, Finale: Der 1. Einsatz des "Kyrie"-Motivs aus der f-moll-Messe.


    Und bei mir toppt Vaughan Williams´ "Dona nobis pacem" das War requiem von Britten noch. Kennt das außer mir überhaupt jemand ?


    Hier ein Ausschnitt der "schlimmsten" Stelle, mehr Gänsehaut geht nicht. Der Text ist von Walt Whitman, den ich heiß und innig verehre:


    The last sunbeam
    Lightly falls from the finish'd Sabbath,
    On the pavement here, and there beyond it is looking,
    Down a new-made double grave.


    Lo, the moon ascending,
    Up from the east the silvery round moon,
    Beautiful over the house-tops, ghastly, phantom moon,
    Immense and silent moon.


    I see a sad procession,
    And I hear the sound of coming full-key'd bugles,
    All the channels of the city streets they're flooding,
    As with voices and with tears.


    I hear the great drums pounding,
    And the small drums steady whirring,
    And every blow of the great convulsive drums,
    Strikes me through and through.


    For the son is brought with the father,
    In the foremost ranks of the fierce assault they fell,
    Two veterans son and father dropt together,
    And the double grave awaits them.


    Now nearer blow the bugles,
    And the drums strike more convulsive,
    And the daylight o'er the pavement quite has faded,
    And the strong dead-march enwraps me.


    In the eastern sky up-buoying,
    The sorrowful vast phantom moves illumin'd,
    Tis some mother's large transparent face,
    In heaven brighter growing.


    O strong dead-march you please me!
    O moon immense with your silvery face you soothe me!
    O my soldiers twain! O my veterans passing to burial!
    What I have I also give you.


    The moon gives you light,
    And the bugles and the drums give you music,
    And my heart, O my soldiers, my veterans,
    My heart gives you love.


    Holger

    Die Wahrheit liegt hinter dem Denken.

  • Hallo Holger,


    Zitat

    Original von Holger66
    Und bei mir toppt Vaughan Williams' "Dona nobis pacem" das War requiem von Britten noch. Kennt das außer mir überhaupt jemand?


    Oh, ja! Eine großartige Kantate, die ich sogar schon einmal das Glück hatte, im März 1990 in der Alten Oper Ffm. im Konzert zu erleben (gemeinsam mit Holsts 'The Hymn of Jesus') - allerdings nicht mit Orchester, sondern leider nur mit Orgel begleitet.


    Eine noch prickelndere Gänsehaut erzeugt bei mir jedoch das Oratorium 'Sancta Civitas' durch seine mystischen Stimmungen und überwältigenden Höhepunkte. Meine Lieblingseinspielung der beiden Werke ist die von Richard Hickox:


    Ralph Vaughan Williams (1872-1958):
    Dona Nobis Pacem - Kantate
    für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester 1936
    Yvonne Kenny, Sopran; Bryn Terfel, Bariton;
    Sancta Civitas - Oratorium für Tenor, Bariton, Halbchor, Fernchor, gemischten Chor, Orgel und Orchester 1923-25
    Philip Langridge, Tenor; Bryn Terfel, Bariton; Choristers of St. Paul's Cathedral;
    London Symphony Chorus & Orchestra, Richard Hickox
    EMI, 1992, 1 CD



    Welche sind Deine bevorzugten Aufnahmen der beiden Werke?


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo Johannes,


    daß "Dona nobis pacem" überhaupt mal in D aufgeführt wurde, überrascht und erfreut mich doch sehr.


    Ich habe auch nur eine Aufnahme davon, die mit Sir Adrian Boult von 1974. Der alte Herr ist für mich der Kronzeuge in Sachen RVW, er kannte ihn persönlich und war mit ihm befreundet. Früher schon hatte auch Elgar seine Musik bei Boult in guten Händen gewußt.


    Die "Sancta civitas" habe ich mal vor Jahren im Radio gehört, die von Dir gezeigte CD sollte ich da wohl mal kaufen...


    RVW ist in meinem Profil als Lieblingskomponist angegeben, ich glaube immer mehr, daß er der Erbe der Sinfoniker war, Schostakowitsch kommt für mich da weniger in Betracht.


    RVW´s 2. Sinfonie, die "Londoner" ist mehr als einfach nur gut.


    Holger

    Die Wahrheit liegt hinter dem Denken.

  • Hallo Holger,


    die Boult-Interpretationen besitze ich auch noch, und zwar in der 7 LP-Box der EMI mit den wichtigsten Chorwerken VWs'. Ich schätze diese gleichfalls unter Sir David Willcocks entstandenen Aufnahmen sehr, vor allem wegen der so hervorragenden Solisten und Chöre. Die Hickox-Einspielungen wiederum kommen aufgrund des zupackenden Dirigats sowie der brillanten Tonqualität klanglich wuchtiger daher. Auf jeden Fall schadet es nichts, wenn man beide Aufnahmen im Schrank stehen hat.


    Welcher Komponist nun das Erbe der Symphoniker angetreten und inne hat, möchte ich an dieser Stelle nicht entscheiden.
    Meine persönliche Vorliebe gilt, wie Du in meinem Profil sicher gesehen hast, gleichfalls RVW. Und mein persönlicher Favorit bezüglich der Symphonien ist die 'Sea Symphony', vor allem in der gleichermaßen bombastischen wie noblen Interpretation Bernard Haitinks:


    Ralph Vaughan Williams ( 1872-1958 ):
    Symphonie Nr. 1 "A Sea Symphony"
    1903-09
    Felicity Lott, Sopran; Jonathan Summers, Bariton; Cantilena;
    London Philharmonic Choir & Orchestra, Bernard Haitink
    EMI, 1989, 7 CD



    Eine Symphonie mit lauter herrlichen Gänsehautstellen! :jubel:
    Ich werde Dir gleich mal eine PN schreiben. :D


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Zwei Gänsehautstellen, die ich heute häufig gehört habe:


    Wenn der zweite Satz im "Concerto in D für Streichorchester" von Stravinsky ansetzt.


    Das Ende im vierten Satz der Symphonie Fantastique.

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Mal wieder eine Gänsehaut. Heute eine mit Zeitzünder:


    Obwohl ich den 126. Psalm " Nisi Dominus" aus Monteverdis Marienvesper schon so oft gehört habe, brauchte es Gardiners 89er Aufnahme, um mich mit einem der schönsten " Amen" aller Zeiten bekannt zu machen. Bei diesen paar Tönen bleibt ganz kurz die Zeit stehen und man fühlt einen Augenblick lang, was " Ewigkeit" bedeuten könnte... GRANDIOS!!!



    Gruß
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Hallo,


    ich möchte ein paar Schlüsse aus Orchesterwerken der klassischen Moderne nennen, die den "Gänsehauteffekt" aus der raffinierten (oder auch raffiniert einfachen) Harmonik beziehen:


    der Schlusschoral mit Trompete aus Honeggers 2. Sinfonie (mein persönlicher Favorit, muss ich immer nochmals extra laut stellen),


    Strawinsky: die offene Quinte am Ende der Psalmensinfonie oder der Schlussakkord des Violinkonzerts,


    ebenfalls der (diesmal wahrlich schreiende) Schlussakkord des Violinkonzerts "Concerte funebre" von Karl Amadeus Hartmann.


    Manchmal ist es freilich auch ein leises Verklingen nach vorausgehenden Katastophen aller Art, so am Ende der 4. Sinfonie von Charles Ives oder - um noch eines der berühmtesten Konzerte des 20. Jahrhunderts zu nennen - des Violinkonzerts von Berg.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!