Maria Judina - oder: Wie es kam, dass Stalin der Kirche Geld spendete

  • Natürlich bin ich über eine Schostakowitsch-Biografie auf diese Pianistin gestoßen: Maria Judina (auch als Yudina transkribiert) lebte von 1899-1970. Sie entstammte einer jüdischen Familie, trat aber zum orthodoxen Christentum über. Sie galt als wahre Mystikerin, die etwa auch ihre Bach-Interpretationen als klingende Interpretationen bestimmter Bibelstellen verstand.


    Relativ bekannt ist die Anekdote, dass Stalin einmal im Radio ein Mozart-Klavierkonzert hörte, das ihn restlos begeisterte. Die Pianistin war Maria Judina. Stalin wollte eine Aufnahme haben - es handelte sich bei der Sendung allerdings um eine Direktübertragung, die nicht aufgezeichnet wurde. Aus Angst, bei Stalin in Ungnade zu fallen, verfrachteten die Zuständigen beim Rundfunk Maria Judina nebst Orchester, Dirigenten und Aufnahmeteam ins Studio - und spielten für Stalin die exklusivste Aufnahme aller Zeiten ein.
    Die Geschichte ging allerdings noch weiter: Stalin war so begeistert, dass er Maria Judina einen großen Geldbetrag als Anerkennung schenkte. Maria Judina bedankte sich bei Stalin dafür - freilich nicht ohne hinzuzufogen, dass sie das Geld der Kirche gespendet habe.
    Die Legende will wissen, dass, als Stalin starb, die bewusste Platte mit dem Mozart-Konzert auf dem Plattenspieler lag.


    Maria Judina favorisierte ein Repertoire, in dem Rachmaninow und Chopin fast ganz ausgespart waren. Dafür interpretierte sie neben Bach -und, immerhin als schon 60-jährige, Stockhausen.


    Ich habe eine CD, auf der sie Mussorgskijs "Bilder" spielt und eine weitere mit Werken Bachs. Es sind die sicherlich eigenwilligsten und ungewöhnlichsten Interpretationen, die mir untergekommen sind, (wenn man von jenen absieht, die mit Vorsatz disziplinlos sind).


    Mich würde interessieren: Was haltet Ihr von dieser Maria Judina, wie stuft Ihr sie ein und was kennt Ihr an Aufnahmen?

    ...

  • Die Goldbergvariationen, von Maria Yudina, jemand meinte mal mit Stahlfingern, völlig kompromißlos gespielt.

  • Hollo Edwin & Tom,
    ich erwarb seinerzeit die Doppel-CD aus der "Great Pianists of the 20th Century"-Reihe. Drauf sind die Doldberg-Var. und Beethoven, Diabelli- & Eroica-Variationen. Ja, man könnte sie wirklich Lady Stahlfinger oder besser: Babuschka Kalaschnikow nennen. Sie pflügt sich mit wie ein schwerfälliges Kettenfahrzeug durch diese vielgestaltigen Variationenuniversen, sie setzt total spleenige Akzente, phrasiert für mein Empfinden absolut unorganisch, Triller klingen mal wie holpernde Flak-Salven, mal wie Brei... also mir hat's nach 5 Tracks gereicht... Ich glaube, mehr brauch' ich wirklich nicht von Mütterchen Yudina.


    Ihre Konzerte sollen in etwa gottesdienstartige Séancen gewesen sein - wahrscheinlich hatten die Fans alle leicht betäubte Sinne oder waren gar schon im Himmel ...


    LG :hello:
    Daniel

  • hallo Daniel,


    das hast du IMO wiedermal herrlich formuliert. ich kenne ihre aufnahme der goldberg-variationen auch und würde aus neurochirurgischer sicht sagen, so wie sie die variationen spielte so wurde damals auch am gehirn operiert. die ergebnisse will ich uns allen ersparen :D


    gruß, siamak :stumm:

    Siamak

  • Ich habe versucht, die Thread-Eröffnung so wenig wertend wie nur möglich zu gestalten.
    Was mich betrifft: Die Bach-Einspielung wird unter die "Kuriosa und Kostbarkeiten" eingereiht, aber eher nicht unter die "Kostbarkeiten". (Nicht nur aus alphabetischen Gründen wird sie dort übrigens neben Glenn Gould stehen. :stumm: )


    Den Mussorgskij hingegen finde ich erstaunlich - im positiven Sinn: Sicher, die Tempi sind verwegen und die Akzentsetzungen zumindest eigenwillig. Dennoch: Das "große Tor" habe ich selten in dieser unglaublichen Wucht gehört. Und die "Baba Jaga" ist fast schon Strawinskijs "Kaschtschej". In diesem Fall bin ich von Babuschka Kalaschnikow schon ziemlich angetan.

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Die Bach-Einspielung wird unter die "Kuriosa und Kostbarkeiten" eingereiht, aber eher nicht unter die "Kostbarkeiten". (Nicht nur aus alphabetischen Gründen wird sie dort übrigens neben Glenn Gould stehen. :stumm: )
    .


    aber doch wohl nur neben der 1955er? ;)

  • Äh... eigentlich steht bei mir der ganze Gould auf einem Fleckchen beisammen, um es so zu sagen. (Aber es stimmt schon, die spätere steht an der Grenzlinie zu den Kostbarkeiten, aber durchaus nicht mit jedem Takt...)

    ...

  • hallo Edwin,


    also bei den goldberg-variationen steht in meinem ranking glenn gould mit seiner späten studio-einspielung ganz oben zusammen mit andras schiff (beide versionen) und evgeny koroliov. da ist IMO maria judina ziemlich weit von entfernt. da würde ich zum beispiel andrei gawrilov, alexis weissenberg und angela hewitt sowie murray perahia deutlich noch vorziehen. wilhelm kempffs späte einspielung nimmt da sowieso eine sonderstellung ein.


    gruß, siamak

    Siamak

  • Ich muss dazu sagen, dass ich kein Spezialist für Bachs Klaviermusik bin, aber für mich ist bei den Goldberg-Variationen Koroliov top. Bei Gould habe ich hingegen das Gefühl, dass manches mit viel Gewalt erdacht ist, während Koroliovs klares Fließenlassen meinem Geschmack sehr entgegenkommt. Die Yudina-Bach-CD, die ich habe, beinhaltet diverse Präludien und Fugen aus dem "Wohltemperierten Clavier", die teilweise mit völlig verrückten Stimmgewichtungen und haarsträubenden Akzentsetzungen gespielt sind, teilweise aber auch wie desinteressiert nebenbei heruntergeklopft werden. Wie gesagt: In diesem Fall eher kurios als kostbar; aber der Mussorgskij ist IMO fabelhaft.

    ...

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  • Hallo, Edwin!


    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Relativ bekannt ist die Anekdote, dass Stalin einmal im Radio ein Mozart-Klavierkonzert hörte, das ihn restlos begeisterte.
    Die Legende will wissen, dass, als Stalin starb, die bewusste Platte mit dem Mozart-Konzert auf dem Plattenspieler lag.


    Mich würde interessieren, um welches Mozart-Konzert es sich gehandelt hat. Ist das bekannt?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner


    ... die spätere ...



    Ja, welche denn nun? Die von 1959 oder 1981? Live oder Studio?

  • 23

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich hab auf Pius Frage geantwortet. Zufällig lief's mir gerade übern Weg bei folgendem supertollen Mozart-Rätsel, dass leider nicht lösbar ist, weil zwei Fragen falsch gestellt sind. Ich hab denen meinen Senf dazu schon geschickt...


    Kriegt jemand raus, welche Fragen ich meine?


    :hello:


    [daher ist meine Antwort natürlich in Zweifel zu ziehen...]

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Tss, Tss! Ich habe schon Quersummen gebildet, dabei muß ich mich nur an die alte Juristenregel halten und zwei Vorschriften, d.h. zwei Taminobeiträge, davor und danach lesen.

  • Ich habe gerade "gerätselt" - und daher nicht bemerkt, dass Du geantwortet hast, sonst hätte ich mich der Zitat-Funktion bedient...


    Ja- ich geb ja zu, dass ich das Rätsel nur durch Pius Frage gefunden habe... :D


    :hello:

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Mich würde interessieren, um welches Mozart-Konzert es sich gehandelt hat. Ist das bekannt?


    Viele Grüße,
    Pius.


    In Krystof Meyers Schostakowitschbiographie wird auf Seite 235 Alfred Schnittke mit seiner Version dieser Geschichte zitiert, die übrigens nicht hunderprozentig mit Edwins obiger Version übereinstimmt...
    Laut Schnittke war es das d-moll-Konzert

  • War es nicht auch Maria Yudina, von der S. Richter (in Bruno Monsaingeons schöner Dokumentation) haarsträubende, aber amüsante Anekdoten erzählte, z. B. dass sie gefragt wurde, warum sie jetzt das Stück von Bach so entstellend und fortissimo gespielt hatte im Konzert - ihre Antwort war "Es ist doch Krieg!"

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

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  • Graben wir doch ruhig diesen Thread über Maria Judina aus. Was hier bislang nicht erwähnt wurde: es gibt eine Internetseite, die ihr gewidmet ist. Siehe hier "http://www.mariayudina.com"


    Auf dieser Seite sind einige Todokumente hinterlegt, die einen ersten Zugang zu ihrem Wirken ermöglichen. Die von Edwin berichtete Begeisterung Stalins für die Mozart-Interpretation der Judina hat tatsächlich eine akustische Hinterlassenschaft gezeitigt. Ich zitiere von der eben genannten Website:


    "From The Yudina Legacy, Volume 5: Mozart. Concerto no. 23 in A major for Piano and Orchestra K. 488 (1943) The recording was made overnight upon Josef Stalin's personal request. The only surviving copy has been retrieved from his personal archive in Moscow."


    Auf der Website ist diese Aufnahme zum download verfügbar. In eine Tonqualität freilich, die ein Nebenbeihören der Aufnahme verbietet.


    Die Hinterlassenschaft der Pianistin hat einen Umfang von etwa 30 LP's, von denen die wenigsten wohl außerhalb der Sowjetunion erschienen sind. Gleichsam als Gedenkbox hat Eurodisc eine 4-LP-Box auf den Markt gebracht, die u.a. die von Edwin erwähnte Aufnahme der "Bilder einer Ausstellung" enthält, eine Aufnahme aus dem Jahre 1967, Bach, Mozart, Beethoven, aber auch die Sonate op.1 von Alban Berg und Werke von Igor Strawinsky.


    Aus der Biographie Maria Judina finde ich diese Punkte bemerkenswert:


    1940 begann sie die Herausgabe von Schubert-Liedern in der Übersetzung russischer Dichter. Und gleich die Frage an Edwin: gibt es davon Tonaufnahmen?


    1941 Beginn einer zusätzlichen Tätigkeit als Krankenschwester in den Spitälern des vom Krieg bedrohten Moskau


    1960 Beginn der Korrespondenz mit Igor Strawinsky, Luigi Nono, Karlheinz Stockhausen, Adorno, Boulez. Messiaen et altri.


    Bei der Bewertung ihres Klavierspieles sollte nicht übersehen werden, daß die Judina fast eine Generationsgenossin von Elly Ney oder Wilhelm Backhaus war. Nun gut, fast, der Altersunterschied beträgt knapp 20 Jahre zu diesen; lediglich zwei Jahre älter ist sie indes als Wilhelm Kempff.


    Um sich dem Klavierspiel von Maria Judina zu nähern, sind die späten Aufnahmen schon der besseren Tonqualität wegen zu empfehlen, die erwähnten "Bilder" etwa, op. 1 von Alban Berg oder Mozart.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.


  • Hallo Thomas,


    Danke, dass Du diesen Thread wieder hervorgehlolt hast, denn er biete einiges Diskussionsmaterial. Ich habe diese Pianisten über folgende CD kenengelernt:




    I. STRAVINSKY: Serenade in A
    B. BARTÓK: - 8 Stücke aus Mikrokosmos: Nr. 128, Nr. 132, Nr. 137, Nr. 142, Nr. 144 , Nr. 145 , Nr. 146, Nr. 149
    P. HINDEMITH: Sonate f. Klavier Nr. 3 in B
    A. BERG: Sonate f. Klavier op. 1
    E. KRENEK: Sonate f. Klavier Nr. 2 op. 59



    Sicher ist diese Programm eher geeignet sich Maria Yudina zu nähern, denn dieses Repertoire liegt ihr wesentlich mehr als BACH, MOZART und BEETHOVEN. BEsonders die sehr selten gepielte Klaviersonate Nr. 2 von E KRENEK habe ich durch ihre Aufnahme kennen und lieben gelernt.
    Besitzt Du die ganze erwähnte Box?


    Da auf der oben genannten Website zur den CD nur Komponistennamen, nicht aber die Stücke verzeichnet sind, stelle ich hier mal eine Liste rein, die ich mir dazu einst zusammengetellt hatte.
    (man entschuldige die rohe Fasung, aber ein Bearbeiten war mir jetzt zu zeitintensiv)
    :untertauch:


    The legacy of Maria Yudina


    VVCD-00069, Volume 1
    L. BEETHOVEN
    - 15 (“Eroica Variations”), op. 35
    - 33 Diabelli Variations, op. 120 C-Dur
    Total time: 65.12
    Recorded: 1961 (1-17); 1961 (18-51).



    VVCD-00070. Volume 2
    E.KRENEK
    - Sonata, op. 59
    I. STRAVINSKY
    - Sonata C-Dur
    - Serenade for piano A-Dur
    B. BARTÓK
    - 8 pieces of solo piano music Microcosm
    P. HINDEMITH
    - Sonata for two pianos
    Total time: 73.51
    with Maria Drozdova, piano (19-23)
    Recorded: 1961 (1-3); 1962 (4-10); 1970 (19-23).



    VVCD-00071, Volume 3
    J.S. BACH
    -14 Preludes and Fugues (Well-Tempered clavier, book 2)
    Total time: 77.55
    Recorded: 1953-1957

    VVCD-00072
    L. BEETHOVEN
    - Sonata No. 29 , op. 106, B-Dur
    J. BRAHMS
    - Intermezzo, op. 116 No. 2
    - 3 Intermezzo, op. 117
    - 6 Intermezzo, op. 118 No.1, No.2, No.4, No.6
    - 4 Intermezzo, op. 119 No.2, No.3
    Total time: 73.13
    Recorded: 1951 (8 ); 1952 (1-4; 9; 11; 14); 1966 (12); 1968 (5-7; 10; 13).



    VVCD-00073, Volume 5
    J. BRAHMS
    - Variations and Fuga on a Theme by Handel B-Dur, op. 24
    - Rapsodia g-moll, op. 79
    - Quartet No. 2 for piano, violin, viola and cello
    Total time: 74.30
    Dmitri Tsyganov, violin (29-32); Feodor Druzhinin, viola (29-32); Sergei Shirinsky, cello (29-32)
    Recorded: 1948 (1-27); 1952 (28 ); 1968 (29-32).


    VVCD-00074, Volume 6
    F. SCHUBERT
    - Sonata No. B-Dur DV 960
    R. SCHUMANN
    - Bird as Prophet (No. 7 of the Forest Scenes, op. 82) g-moll
    - Fantasy pieces, op. 12
    Total time: 74. 05
    Recorded: 1947 (1-4); 1952 (5); 1951 -1952 (6-13)



    VVCD-00075, Volume 7
    L. BEETHOVEN
    - Piano concerto No. 4, op. 58 , G-Dur
    - Piano concerto No. 5, op. 73 Es-Dur
    Total time: 72.29
    Leningrad Symphony Orchestra. Kurt Sanderling, conductor (1-3).
    Symphony Orchestra of the USSR State Radio. Nathan Rachlin, conductor (4-6).
    Recorded: 1948 (1-3); 1950 live from the CHUH (4-6)



    VVCD-00080, Volume 8
    L. BEETHOVEN
    - Sonata No. 5 c-moll, op. 10 No. 1
    - Sonata No. 12 As-Dur, op. 26
    - Sonata No. 22 F-Dur, op. 54
    - Sonata No. 32 c-moll, op. 111
    Total time: 72.59
    Recorded: 1950 (1-3); 1951 (8-9); 1958 (4-7); 1958 (10-11)



    VVCD-00081, Volume 9
    L. BEETHOVEN
    - Sonata No. 16 G-Dur, op. 31 No. 1
    - Sonata No. 27 e-moll, op. 90
    - Sonata No. 28 A-Dur, op. 101
    - Sonata for violin and piano No. 6, A-Dur, op. 30 No. 1
    Total time: 76. 06
    Maria Kozolupova, violin (10-12)
    Recorded: 1950 (10-12); 1951 (1-3); 1958 (4-5); 1959 (6-9)



    VVCD-00084, Volume 10
    S.TANEJEW
    - Quartet E-Dur for piano, violin, viola and cello, op. 20
    - Quintet g-moll for piano, two violins, viola and cello, op. 30
    Total time: 76.33
    Beethoven Quartet:
    Dmitri Tsyganov, Vasily Shirinsky, violin
    Vadim Borisovsky, Feodor Druzhinin, viola
    Sergei Shirinsky, cello
    Recorded: 1953 (1-3); 1957 (1-4).



    VVCD-00087, Volume 11
    W. A. MOZART
    - Rondo a-moll, KV 511. Andante
    - Piano concerto No. 20 d-moll, KV 466
    - Piano concerto No. 23 A-Dur, KV 488
    Total time: 65.12
    The USSR State Radio Symphony Orchestra
    Conductors: Sergei Gorchakov (2-4); Alexander Gauk (5-7);
    Recorded: 1948 (2-7); 1963 (1).



    VVCD-00088, Volume 12
    J.S. BACH
    - 6 Preludes and Fugues (Well-Tempered Clavier, book 1)
    - Chromatic Fantasy and Fugue d-moll
    - Chromatic fantasy BVW 903
    - Fugue BVW 903
    BACH - LISZT
    - Prelude and Fugue a-moll (originally for the organ) BVW – 543
    - Bach. Sonata for violin and clavier No. 3 E-Dur BVW – 1016
    Total time: 73.51
    Marina Kozolupova, violin
    Recorded: 1948 (13-14); 1950 (15-20); 1951 – 1955 (1-12)


    VVCD-00090
    M. MUSSORGSKY
    - Meditation
    - Album leaf
    - Three pieces on the themes from the opera Boris Godunov (Adaptation for piano by A. Kamensky), No. 1 The Holy Fool, No. 2 The bell ringing, No. 3 Glory
    N. MEDTNER
    - Sonata- Triad, op. 11
    S. PROKOFIEV
    - Romeo and Juliet Before Parting No. 10 of Concert Transcriptions for piano from the music to the ballet Romeo and Juliet, op. 75
    - Visions, op. 22
    Recorded: 1949 (1,2); 1952 (9); 1953 (11,13, 14,15, 16- 19, 20 -29); 1955 (10, 12); 1958 (6,7,8 ); 1969 (3-5).
    Total time: 74.42



    VVCD-00109, Volume 14
    M. MUSSORGSKY
    - Pictures at an Exhibition
    D. SCHOSTKOWITSCH
    - Sonata No. 2, h-moll, op. 61
    Total time: 58.33
    Recorded: 5.10.1965 (16-18 )

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Zitat

    Original von pt_concours


    Sicher ist diese Programm eher geeignet sich Maria Yudina zu nähern, denn dieses Repertoire liegt ihr wesentlich mehr als BACH, MOZART und BEETHOVEN. BEsonders die sehr selten gepielte Klaviersonate Nr. 2 von E KRENEK habe ich durch ihre Aufnahme kennen und lieben gelernt.
    Besitzt Du die ganze erwähnte Box?


    Hallo pt_concours,


    die von mir erwähnte Box besitze ich. Das ist eine LP-Box mit vier LP's, die Maria Judina wohl im Westen bekannt machen sollte. Ariola-Eurodisc war ja früher einer der westlichen Vertriebspartner für Melodija. Die auf der Website angegebene Edition besitze ich indes nicht.


    Ausgangspunkt der Diskussion war speziell die Einspielung der Goldbergvariationen, zu der ich mangels Kenntnis nichts beitragen kann. In meiner LP-Box gibt's immerhin Bach: die Preludien und Fugen BWV 882 und 887 aus dem Wohltemperierten Klavier und die Chromatische Phantasie BWV 903. Das sind Aufnahmen aus 1956 und seitdem ist ein halbes Jahrhundert vergangen. Unabhängig von der Werkdeutung hat die Dame schon über eine fabelhafte Virtuosität verfügt. BWV 882 klingt streckenweise so, als würde sie auf dem Klavier die Anschlagseigenart eines Cembalo nachahmen wollen (was dann wirklich ein wenig stakkatoartig klingt).


    Inwiweit sich hier ein spezifisch russisches -oder sagen wir besser sowjetisches- Bachverständnis niederschlägt vermag ich nicht zu sagen.


    Die von Dir genannte Edition hat sich ja zu 33 CD's ausgewachsen. Auf der Internetseite sind einige Stücke zum download hinterlegt, und es ist offensichtlich, daß die Tonqualität sehr stark schwankt oder die musikalische Qualität -wie bei der Platte für Stalin- unter der überhasteten Aufnahmesituation mehr als gelitten hat.


    Wenngleich mir ihr Mozart durchaus sehr gut gefällt (ich höre gerade das Adagio KV 540), so würden mich von den Judina-Platten
    die Einspielungen von Komponisten wie Taneyew, Schostakowitsch, Medtner etc. interessieren. Von ihrer Einspielung der Sonate op.1 von Alban Berg bin ich jedenfalls sehr angetan.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Gewaltig ist ihr Schubertspiel! Mir ist das fast schon zu heftig, das kann ich in dieser extremen Intensität (so wie auch etwa die Kreutzer-Sonate von Zehetmair mit Frager) nur selten im Jahr anhören.


    Es gibt bei vista vera eine ihr gewidmete Serien. Es gab eine bei Arlecchino.


    Von dort habe von ihr noch neben der D.960er noch Szymanowski, gepaart mit Teneyev-Quintett. Die oben abgebildete CD der russischen Klavierschule habe ich leider nirgends mehr billig in Hände bekommen. Dort finde ich die Berg-Sonate schlicht überragend, den Hindemith zum besten, was ich bislang gehört habe!


    Meines Wissens nach wurde die besagte Mozart-Klavierkonzert-Aufnahme für Stalin anlässlich dessen Geburtstags extra eingespielt. Die Bänder gelten als verschollen, soweit ich weiß.


    :hello:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    Original von Thomas Pape


    Wenngleich mir ihr Mozart durchaus sehr gut gefällt (ich höre gerade das Adagio KV 540), so würden mich von den Judina-Platten
    die Einspielungen von Komponisten wie Taneyew, Schostakowitsch, Medtner etc. interessieren. Von ihrer Einspielung der Sonate op.1 von Alban Berg bin ich jedenfalls sehr angetan.


    Zitat

    Original von a.b.
    Gewaltig ist ihr Schubertspiel! Mir ist das fast schon zu heftig, das kann ich in dieser extremen Intensität nur selten im Jahr anhören.


    Von dort habe von ihr noch neben der D.960er noch Szymanowski, gepaart mit Teneyev-Quintett. Die oben abgebildete CD der russischen Klavierschule habe ich leider nirgends mehr billig in Hände bekommen. Dort finde ich die Berg-Sonate schlicht überragend, den Hindemith zum besten, was ich bislang gehört habe!
    :



    Hallo,


    Danke für Eure Informationen! Da hier die Klaviersonate op.1 von BERG schon zweimal erwähnt wurde, frage ich Euch (und alle Anderen): Wer hat Lust au einenf Hörvergleich? Mich interessiert diese Sonate , zu der es bisher noch keinen Thread gibt. Vielleicht mag jemand dieses Thema eröffen?
    Ich beteilige mich gerne an einem Vergelich verschiedener Versionen (ich hätte neben Yudina noch Cherkassky, Pollini und Aimard).


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Die Ende Januar neu erschienene Brilliant-Box, acht CDs mit Yudina-Aufnahmen, habe ich seit einigen Wochen.



    Die jpc-Seite gibt auch eine vollständige Auflistung der Werke. Ich habe noch nicht alles durchgehört, aber mein vorläufiges Fazit lautet: das alles ist hochinteressant, manches finde ich phänomenal (wie Beethoven op. 10/1 oder die Auswahl aus Prokofievs "Visions fugitives"), manches, wie die Brahms-Intermezzi, klingt in meinen Ohren äußerst fragwürdig - aber wirklich nichts von dem, was ich bisher von diesen CDs gehört habe, lässt mich kalt. Einiges an Kammermusik von Taneyev, Hindemith, Honegger bietet mir zudem eine willkommene Repertoireerweiterung.


    Ich kann diese preiswerte und umfassende Gelegenheit, die Pianistin Maria Yudina kennenzulernen, nur empfehlen!


    Grüße,
    Micha

  • Ich habe mir die 33 CDs von Denis Plutalov (Betreiber der Seite http://www.mariayudina.com) aus den USA schicken lassen - er hat die schwierig aufzutreibenden LPs von Maria Yudina zum teilweise horrenden Preisen (oft bei ebay) über Jahre zusammengetragen und davon die CDs erstellt. Man erhält von ihm für 99 Dollar alle 33 CDs inkl. Versandkosten.


    Die Qualität ist meist ok - ganz schlimm ist es allerdings beim Wohltemperierten Klavier, diese einzige Gesamtaufnahme wurde von schlechten Bändern gezogen und da sonst nur einzelne Stücke des WTK von ihr existieren, hat man sich trotz schlechter Qualität entschieden, diese Gesamtaufnahme herauszugeben.


    Gruß


    Stefan

  • Bei der Überprüfung und Überararbeitung des Tamino Thread Directory bin ich heute auf diesen Thread hier gestoßen, der noch nicht verzeichnet ist. In solchen Fällen überfliege ich zumindest den jeweiligen Thread, um dann zu entscheiden ob er aufgenommen wird oder nicht.
    Bei dieser Gelegenheit bin ich auf eine CD mit der hier titelgebenden Pianistin Maria Judina (auch: Yudina) gestoßen, die zum Zeitpunkt der letzten Einträge in diesem Thread noch nicht veröffentlicht war. Die Mitschnitte stammen aus den Jahren 1961 - 1964 und sind zumindest teilweise in Stereo. Diese CD wurde erst August 2016 veröffentlicht-.
    Sie ist IMO allenfalls als historisches Dokument gedacht, eine "Legende" wird hier in die Realität geholt. Wer allerdings ein extremees Beispiel "individueller Interpretation" such - der wird hier bestens bedient. Ab das allerdings den Vollpreis dieser CD wert ist muß der einzelne Sammler jeweils für sich entscheiden....


    Irgenwie muß von dieser Künstlerin doch ein nicht messbares Fluidum ausgehen - 10286 Seitenaufrufe - sind gemessen an ihrem Bekanntheitsgrad (oder wie ich den einschätze) - auch bei der langen Laufzeit des Threads ein beachtliches Signal für bestehendes Interesse.....
    Vielleicht galt aber das Interesse eher dem im Titel verankerten Stalin ? Edwin Baumgartner ist ja eine gestandener Journalist und weiß mit welchen Aufmachern er Interesse erzeugt :jubel:


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    clck 10286


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Ich möchte an eine russische Pianistin erinnern, die in meinem Leben eine wichtige Bedeutung hatte. Es ist Maria Judina (*1899 - †1970), eine sowjetische Pianistin, die ihr Land so gut wie nie verlassen hat und in meinen Augen (Ohren) zu den wichtigsten Pianisten gehört. Sie gehört sicher auch zu den eigenwilligsten. Ich meine damals durch sie Klaviermusik von Ernst Krenek kennengelernt zu haben.


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    Es gab damals (Anfang 80) ein paar LP-Boxen mit ihren Einspielungen, die ich mir sofort holte



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    Ihr Spiel unterschied sich von vielem (fast allem) was ich damals kannte. Genauigkeit im Notentext war wohl ihre Sache nicht. Hört man ihren Beethoven (speziell op. 111) wird man einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Ihre Einspielung von Schostakowitschs zweiter Klaviersonate (auch durch sie kennengelernt) konnte mir damals die Person in ihrer Zerissenheit so präsent machen, wie ich es selten danach wieder gehört habe. Sie war sicher ein schwieriger Mensch, der im hohen Alter dann als sonderlich angesehen wurde. Da ihr Programm häufig so gestaltet war, dass es in der damaligen Sowjetunion verboten war, war die Rolle des Sonderlings (oder Gottesnarren) sicher nicht schlecht für das Überleben.



    Richter, Notebooks: “Maria Veniaminovna Yudina was a monstre sacré. I knew her, but only from afar – it has to be said that she was so odd that everyone avoided her. For her own part, she showed herself somewhat suspicious and critical of me. She said of me: ‘Richter? Hmm… As a pianist, he’s good for Rachmaninoff.’

    From her lips, that wasn’t a compliment, even though she herself occasionally played Rachmaninoff.

    Das ganze Zitat befindet sich hinter dem Link.


    Richter schreibt irgendwo in diesem Text dass ihre Konzerte eine außergewöhnliche Intensität hatten und er dann Kopfschmerzen hatte, was ich nachvollziehen kann. Ich höre ihre Einspielungen nur noch selten, aber wenn haut es mich immer wieder um.


    Noch einmal Richter


    Zitat

    Liszt’s Weinen und Klagen was phenomenal, but Schubert’s B-flat major Sonata, while arresting as an interpretation, was the exact opposite of what it should have been, and I remember a performance of the Second Chopin Nocturne that was so heroic that it no longer sounded like a piano but a trumpet. It was no longer Schubert or Chopin, but Yudina.


    Um etwas mehr über ihr Leben zu erfahren, als es der Wikipedia Eintrag erlaubt. Untertitel sind erfreulicherweise in Englisch



    Hier nun Judina mit Liszts Varitionen über Weinen, Klagen Sorgen, Zagen



    Hier spielt sie "Schuberts" Impromptus D 899



    Und hier spielt sie Ernst Kreneks zweite Klaviersonate


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