Gottlob Frick, der schwärzeste aller Bässe

  • Hallo,


    zwei Anmerkungen zu den Beiträgen Nrn. 507 und 510:


    Die Aufzeichnung des Konzerts aus dem Kursaal in Bad Kissingen wurde am 30. 7. 1967 im ZDF gezeigt. Der Dirigent (und Moderator) ist Hermann Hildebrandt, der damalige 'Hausdirigent' des ZDF. Herrlich die 'vis comica' von Gottlob Frick. Schön, dass in diesem Video auch die Arie des Babinsky aus Jaromir Weinbergers "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" mit Jean Cox zu sehen ist. In Hermann Hildebrandts Fernsehkonzert-Serie "Wie schön ist doch Musik" gab es einige interessante Auftritte, z. B. von Helga Dernesch mit der Arie der Johanna aus Chaikovskiis "Die Jungfrau von Orléans", Sylvia Geszty mit einer 'waghalsigen' Interpretation des Schattentanzes aus Meyerbeers "Dinorah" oder Anneliese Rothenberger mit der Arie der "Undine" aus Lortzings Oper (diese deshalb interessant, weil sie eine Frisur und ein Dekolletée zeigte, wie man das an ihr nie wieder gesehen hat; schließlich muss dem Zuschauer auch optisch etwas geboten werden.)


    Bei der Grazer 'styriarte' von 2011 stellte Nikolaus Harnoncourt das deutsche Libretto zur "Verkauften Braut" vor, das Bedrich Smetana (der ausgezeichnet Deutsch sprach) bei dem Schriftsteller Emanuel Züngel in Auftrag gab und das er selbst in seinen Klavierauszug eintrug. Weshalb diese Textfassung (die im Prager Smetana-Museum wieder aufgefunden wurde) verloren ging und durch die allgemein gebräuchliche Version von Max Kalbeck ersetzt wurde, lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Uraufgeführt wurde die Oper aber 1866 - wie 'Stimmenliebhaber' richtig schreibt - in tschechischer Sprache. Von der Grazer Inszenierung der Oper durch Nikolai Harnoncourts Sohn Philipp gibt es eine kombinierte DVD/CD-Ausgabe in Buchform; die Sänger sind Dorothea Röschmann, Kurt Streit, Markus Schäfer und Ruben Drole.


    LG


    Carlo

  • Das ist dann eine Fehlinformation! Im Prager Interimstheater spielte man (in Abgrenzung zum deutschen Theater in Prag) grundsätzlich alles auf Tschechisch!


    Das ist wohl richtig, und wenn man die politischen Verhältnisse von damals kennt, auch logisch.

    Gerade habe ich dazu noch beim Künstlertreffen erfahren, dass die Uraufführung der "Verkauften Braut"in Deutsch gesungen wurde. Was spricht noch für die Originalsprache?

    Da lauern allerdings Fallstricke -

    Das Theater Erfurt informierte 2016 unter der Rubrik Fakten so:


    Oper in drei Akten von Bedřich Smetana
    Text von Karel Sabina
    Uraufführung Prag 1866
    In deutscher Sprache
    Stückdauer: 02:45 h | Eine Pause


    Musikalische Leitung Zoi Tsokanou
    Inszenierung Markus Weckesser
    Ausstattung Mila van Daag


    Wenn man nicht ganz genau hinschaut, lässt sich nun zweierlei herauslesen:
    a) Die Uraufführung in Prag fand 1866 in deutscher Sprache statt.
    b) Die Uraufführung in Prag fand 1866 statt, in Erfurt wird das Werk in deutscher Sprache gesungen.


    Übrigens gibt es einige ernstzunehmende Sprachkundige, welche die deutsche Übersetzunmg für die bessere Version halten und dies auch entsprechend begründen, aber solches muss man nicht in diesem Thread diskutieren ...

  • Richtig ist eindeutig die Variante b.

    (Auch wenn ich zugebe, dass das in dieser Form der "Präsentation" durch das Opernhaus Erfurt missverstanden werden kann.)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Gerade habe ich dazu noch beim Künstlertreffen erfahren, dass die Uraufführung der "Verkauften Braut"in Deutsch gesungen wurde. Was spricht noch für die Originalsprache?

    Lieber Hans, ein ganz klein wenig hast Du sogar Recht. Es gab eine Urfaufführung in Deutsch, nämlich 2011 durch Harnoncourt in Graz. Ich zituiere aus der "Wiener Zeitung": Nikolaus Harnoncourt, der vielen nach wie vor als Galionsfigur der Originalklangbewegung gilt, macht die tschechisch-nationalste aller tschechischen Nationalopern, Smetanas "Verkaufte Braut" auf - Deutsch. Aber er macht sie bei der Styriarte in Graz dann doch denkbar "original": Durch Zufall ist im Antiquitätenhandel vor einem Jahr ein Klavierauszug aufgetaucht mit der von Smetana selbst eingefügten Textübersetzung eines gewissen Emanuel Züngel. Da fehlten freilich noch die Rezitative - aber die entsprechenden Passagen fanden sich in der Originalpartitur in Prag. Bei den Aufführungen in Graz wartet man nun also mit exakt jener Textfassung auf, die Smetana (ein Deutsch-Muttersprachler übrigens) für gut und richtig und für seine Musik passend befunden hat.


    Ich erinnere mich, dass diese Aufführung seinerzeit einiges Aufsehen erregte. Die fehlenden Textpassagen mussten in der Prager Bibliothek, wo die Originalpartitur bewahrt wird, quasi heimlich abgeschrieben werden. Eine Genehmigung gab es nicht. Es soll kein öffentliches Interesse an der Tatsache bestanden haben, dass die tschechische Nationaloper gleichzeig auch in Deutsch vorliegt. Im Netz findet sich viel Material dazu. Selbst erinnere ich mich an ein launiges Interview mit Harnoncourt ünber die Hintergründe. Hier der Mitschnitt aus Graz:



    Dazu gab es folgendes Text der Herausgeber:


    Bedřich Smetana: "Die verkaufte Braut"

    Dorothea Röschmann / Elisabeth Kulman / Elisabeth von Magnus / Bibiana Nwobilo / Kurt Streit / Ruben Drole / Markus Schäfer / Anton Scharinger / Yasushi Hirano, Heinz Zednik / Nenad Marinković

    Arnold Schönberg Chor

    Chamber Orchestra of Europe

    Nikolaus Harnoncourt , Dirigent

    Philipp Harnoncourt, Regie

    Oper in drei Akten

    Halbszenische Produktion in deutscher Sprache

    Uraufführung der deutschen Fassung von Emanuel Züngel, 1869*

    Aufgenommen bei der styriarte in der Helmut List Halle, Graz/Austria am 2. Juli 2011.


    *Fettung von mir.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Gerade habe ich dazu noch beim Künstlertreffen erfahren, dass die Uraufführung der "Verkauften Braut"in Deutsch gesungen wurde.


    Lieber Hans, ein ganz klein wenig hast Du sogar Recht.

    Nein, nicht mal ein kleines bisschen, bei der Uraufführung wurde kein einziges Wort deutsch gesungen.


    Dass sich Smetana eine deutsche Übersetzug des tschechischen Textes in seinen Klavierauszug schreiben ließ, mag ja sein, aber deswegen erklang "Die verkaufte Braut" bei ihrer Aufführung trotzdem nicht in deutscher, sondern in tschechischer Sprache.


    Ungeachtet dieser Tatsache bin ich bekanntlich durchaus ein Anhänger landessprachlicher Aufführung. Meine letzte "Verkaufte Braut" war im April dieses Jahres in der Semperoper Dresden - in deutscher Sprache.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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  • Noch eine kleine Ergänzung, lieber Hans. Eben habe ich nochmal in die von Harnoncourt betreute "Verkaufte Braut", die ich für eine editorische Glanzleistung erachte, hineingehört - via Spotify. Folglich liegt mir kein Text vor. Es wird aber gut verständlich gesungenn. Das berühmte Duett, welches uns neuerlich auf das Thema brachte, beginnt Kezal mit den Worten: "Nun, mein Lieber, höre doch!" Wahrscheinlich werde ich mir die oben abgebildete Edition dieser "veritablen Uraufführung", wie es dazu bei Amazon heißt, doch noch zulegen müssen, weil sie eine sehr umfangreiche Dokumentation enthält. Was ich bishlang von den sängerischen Leistungen wahrgenommen habe, hat mich nicht hingerissen. Harnoncourt schlägt mitunter ein sehr schleppendes Tempo an. Er zelebriert regelrecht, gerade in dem Duett, das immer noch gern und zurecht mit Gottlob Frick in Verbindung gebracht wird. Daran muss man sich erst gewöhnen. Bedeutsam ist diese Veröffentlichung wohl vor allem durch die wahrlich historischen Umstände der Uraufführung einer vom Komponisten abgesegneten Übersetzung, die bis dahin noch kein Mensch je gehört hatte.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


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  • Ich komme erst heute dazu, mich auch für das große Engagement unseres Hans Hey und aller seiner Helfer zu bedanken, denn wir sind noch bis Montag geblieben und an den letzten beiden Tagen habe ich überwiegend an dem Film gearbeitet, für den mir einige Bestellungen von Kopien vorliegen.

    Über das Künstlertreffen hat Hart, den wir mit seiner lieben Frau hiermit noch einmal herzlich grüßen, schon alles Wesentliche gesagt. Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass das Treffen - wie immer - ein sehr familiärer Atmosphäre stattfand und wir wieder einmal freudig die begrüßen konnten, die wir seit Jahren kennen und auch manches neue Mitglied der Künstlerfamilie kennenlernen durften. Schmerzlich vermissten wir aber auch einige Künstler, die aus Krankheits- oder Termingründen diesmal nicht kommen konnten. Es war für meine Frau und mich wieder einmal der Höhepunkt des Jahres und wir hoffen, noch oft an diesen Treffen teilnehmen zu können.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Es war für meine Frau und mich wieder einmal der Höhepunkt des Jahres und wir hoffen, noch oft an diesen Treffen teilnehmen zu können.

    Liebe Erika, lieber Gerhard, liebe Freunde,

    danke für Eure positiven Rückmeldungen und Bestätigungn. Trotz der großen Zahl der Besucher ist es jährlich fast ein Famileienfest. Schön, dass Ihr immer dabei seid und schon zum aktiven Kreis der Frick-Familie dazu gehört. Arbeite schon recht intensiv an den Jubiläumsverasnaltungen im nächsten Jahr. Nach dem Konzert heißt vor dem Konzert.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Fotografische Ergänzung zum Beitrag Nr. 503 »Hochkultur in dörflicher Idylle«


    In der Hoffnung, dass mir in der Darstellung keine Fehler unterlaufen - weil nicht alle Namen im Programmheft abgedruckt sind - stelle ich hier Fotos der Solisten vom Konzert in der Erlentalhalle zu Ötisheim ein, welches anlässlich des 24. Künstlertreffs am 12. Oktober 2019 stattfand.


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    Josipa Bainac


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    Alexander Edelmann


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    Florian Kontschak


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    Dirigent Alois Seidlmeier


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    Paul Armin Edelmann


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    Peter Edelmann


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    Paul Armin Edelmann und Peter Edelmann


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    Kammersängerin Brigitte Fassbaender im Gespräch mit Thomas Voigt in einer Matinee am 13. Oktober.


    Alle Fotos von Elisabeth für die Gottlob-Frick-Gesellschaft

    Einmal editiert, zuletzt von hart ()

  • Man kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, wie gut die Gottlob-Frick-Gesellschaft mit der gesamten Gegend vernetzt ist, um so ein Event auf die Beine zu stellen. Es gibt ja doch Hochkultur auf dem Lande - ohne RT! - Gottseidank.

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  • Ganz herzlichen Dank an Elisabeth Freitag, dass sie bei der Veranstaltung unermüdlch fotografierte und und uns Bilder zur Verfügung stellte. Für die postiven Kommentare und für den immer hilfsbereiten Hart für die kollegiale Einstellung der Bilder. Gerhard Wischnewski drehte sogar einen ganzen Film über das Konzert. Durch die Bilder kommt in Verbindung mit dem Bericht von Karl Georg Hart sicherlich doch etwas mehr von der Atmosphäre des Konzerts im Rahmen des Künstlertreffens rüber. (Nr. 503 in diesem Thread). Danke alle Beteiligten.


    Welche Schwierigkeiten es bei der Planung und Organisation einer solchen Veranstaltung gibt, macht folgendes Beispiel deutlich. Selbstverständlich waren die Solisten für das Künstlertreffen 2020 bereits ausgesucht, Gespräche mit ihnen geführt und das Programm diskutiert. In den letzten Tagen kam dann der Hammer, sowohl der Sopran als auch der Tenor bekommen im Oktober 2020 nicht von ihren Bühnen frei. Also heißt es nochmals suchen und wir hatten junge Sänger ausgewählt, die auch bei den neuen Stimmen hier im Forum vorgestellt wurden. Nachdem die Wunschkandidaten leider nicht können heißt es neu suchen, oder das Programm überdenken und neu konzipieren. Im nächsten Jahr ist das 25jährige Jubiläum der Gottlob Frick Gesellschaft, das soll es auch noch etwas besonderes sein. Es scheint fast leichter zu sein, einen Minister für das Ereignis zu gewinnen, denn dieser hat liebenswürdiger Weise- Stand heute - bereits fest zugesagt, als zwei junge bereits stark gefragte junge Sänger zu engagieren.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

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  • Lieber Erich,

    es wäre ja ein Armutszeugnis, wenn bei der Gottlob Frick Gesellschaft, die ja scherzhaft oft das Mekka der Beassisten genannt wird, Mangel an Bassisten herrschen würde. Nur sind wir nach unserem Satzungsauftrag verpflichtet junge Bassisten zu fördern. Mit Anderas Hörl haben wir einen solchen Senkrechtstarter, der bereits im jungen Alter eine beachtliche Karriere vorweisen kann. Zwei andere Junge haben wir im Visier. Wenn wir das Konzert ganz auf Bass hin konzipieren dann wird der "Großinquisitor" aus "Don Carlos" sicherlich eine der Partien sein, die gesungen werden.. Ich sehe nun ein gewisses Problem in dem Charakter dieser Rolle und einem jungen Interpreten. Wir werden es schaffen. Falls es Probleme gäbe würden wir gerne auf Dich zukommen und über den von Diir empfohlenen Bassisten diskutieren, dass er das Format hätte, vor dem fachkundigsten (kritischsten?) Publikum zu bestehen, dafür bürgt Deine Fachkenntnis und Empfehlung.

    Liebe Grüße auch an Irene

    Herzlichst

    Operus (Hans)

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  • Lieber Operus!

    Mit Anderas Hörl haben wir einen solchen Senkrechtstarter, der bereits im jungen Alter eine beachtliche Karriere vorweisen kann.

    Andreas Hörl hat in der GÖTTERDÄMMERUNG in Minden 2018 einen sehr eindrucksvollen Hagen gesungen und diese Leistung 2019 in den beiden zyklischen Aufführungen des RING 2019 wiederholen können. Darüber habe ich ja jeweils berichtet.


    In der FAZ wurden die Sängerleistungen nur kurz gewürdigt, aber lesenswert ist die Rezension schon, weil sie den Ausnahmerang der Mindener Produktion bestätigt! Einen besseren Ring habe ich in dem letzten Jahrzehnt nicht gehört. Und daran hatte eben auch Hörl seinen Anteil!

    https://www.faz.net/aktuell/fe…ideen-haben-16404660.html


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Causo,

    danke für den Bezug auf meinen Beitrag mit Bestätigung des Könnens von Andreas Hörl, den Bassisten unserer Wahl, beim Jubiläumskonzet im nächsten Jahr und den Artikel zum Mindener Ring, den ich leider nur am Rande wahrgenommen habe. Auch wieder eine Bestätigung, dass in der Provinz oft Aussergewöhnliches geleistet wird.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

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  • Ich erinnere mich um den Hype, der um diese "Uraufführung" gemacht wurde. Der Klavierauszug mit der Züngel-Übersetzung ist übrigens in diversen Bibliotheken in Europa zu finden.


    Und ob Smetana die Übersetzung für "gut und richtig" befand, wage ich zu bezweifeln. So beantwortete er eine Anfrage bezüglich einer deutschsprachigen Aufführung der "Braut" in Olmütz in einem Brief vom 11. Februar 1872 folgendermaßen: "Den deutschen Text muß man vom Klavierauszug abschreiben. Ich bemerke, daß der deutsche Text ziemlich schwach ist, hie und da auch lächerlich. Es gab leider niemanden, der einen besseren hätte schreiben können."

  • Lieber Rüdiger, lieber Calatrava, lieber Stimmenliebhaber,

    Ich freue mich, dass man sich so bemüht, die Wahrheit herauszufinden. Die Frage ist ob diese bei den unterschiedlichen Quellen, die angegeben werden, überhaupt gefunden werden kann. Ist das überhaupt wichtig?

    Sei's wie es ist: Für mich ist der bekannte deutsche Text die Version mit der ich aufgewachsen bin, die ich liebe, zu der ich stehe und die- und nur die - ich gerne hören möchte. Es gab von dem Kritiker Kurt Honolka eine Neufassung des deutschen Textes. Gut gemeint, aber für mich kaum zu ertragen. Man darf mich in diesem Fall ruhig als stur bezeichnen: Für mich bleibt's bei: "Komm mein Söhnchen auf ein Wort...

    Herzlichst

    Operus (Hans)

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  • Lieber Hans,


    die Kalbeck-Übersetzung ("Komm, mein Söhnchen") lässt sich teilweise besser singer als die neuere Fassung von Kalbeck.


    Ich empfehle aber auch eine Version von Richard Batka (Wien 1915), die man als Textbuch auf diversen Flohmärkten findet.

  • Für mich bleibt's bei: "Komm mein Söhnchen auf ein Wort...

    Lieber Operus,


    … ich besitze seit Jahren die vielgerühmte GA von 1962 unter Rudolf Kempe, mit Fritz Wunderlich (Hans) und Gottlob Frick (Kezal):

    und da beginnt das berühmte Duett, wie von Max Kalbeck übersetzt, "Komm, mein Söhnchen, auf ein Wort …"

    So kenne ich es von Jugend an, und so will ich es auch fernerhin hören.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • … ich besitze seit Jahren die vielgerühmte GA von 1962 unter Rudolf Kempe,

    Die hüte ich auch, lieber nemorino. Als ich sie das erste Mal hörte, fragte ich mich, wo denn plötzlich ein Hund belle? Und zwar genau in dem Moment wenn der Zirkus ins Dorf kommt. Wir hatten keinen Hund im Haus, nur Katzen. Bis heute liebe ich diese Stelle. So schön kann Stereo sein! :) Es ist bekanntlich kein Mangel an verkauften Bräuten. Diese ist für mich bis heute unerreicht geblieben - deutscher Text hin oder her.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Lieber Nemorino,

    genau das ist die Aufnahme, die auch meiner Frau und mir so ans Herz gewachsen ist. Dabei spielt auch eine Rolle, dass sie von 2 Jahrhundertsängern gesungen wird, mit denen wir das große Glück hatten, dass wir mit beiden freundschaftlich verbunden waren.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

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  • Und ........Pilar Lorengar .....fällt unter den Tisch, im wahrsten Sinne des Wortes!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Und ........Pilar Lorengar .....fällt unter den Tisch, im wahrsten Sinne des Wortes!

    Nein, lieber Fiesco,


    Pilar Lorengar fällt keineswegs unter den Tisch, aber da hier in den letzten Beiträgen vor allem vom Duett "Komm, mein Söhnchen" die Rede war, geriet sie zwangsläufig ins Hintertreffen. Es heißt ja nicht "Komm, mein Töchterchen":D!"

    Im Ernst: Pilar Lorengar ist die bezauberndste Marie, die man sich überhaupt vorstellen kann und ihre wunderschöne Stimme harmoniert mit Wunderlich und Frick auf schier ideale Weise.

    Und da wir gerade dabei sind: Auch Rudolf Kempe hat zum Erfolg dieser großartigen Aufnahme einen gewichtigen Anteil beigetragen. Ich bin so frei zu sagen, daß man, wenn man diese Einspielung hat, keine andere mehr braucht. Da kann ich auf die Originalsprache liebend gerne verzichten.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Vor 2 Wochen sah/hörte ich im Theater Pforzheim die Honolka-Übersetzung der Verkauften Braut. Pech war, dass der Haus-Kezal durch einen Gast ersetzt werden musste, welcher die Kalbeck-Übersetzung einstudiert hatte. Das ging so lange gut, bis zum besagten Duett „Komm mein Söhnchen“. Bei „Häuschen und Garten, Vieh aller Arten“ usw. kam der Tenor so aus dem Tritt, dass letztlich nur noch Kezal sang und diese Glanznummer somit in die Hosen ging.

    Ich schrieb daraufhin das künstlerische Betriebsbüro an, worauf ich die Erklärung bekam, Honolkas Übersetzung käme dem tschechischen Original am nächsten. Das war allerdings kein Trost für mich.

    Zum Glück habe ich obige Aufnahme in meiner Sammlung und hörte sie am nächsten Tag voll Freude und Genuss an.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Es hat den Anschein, als ob die meisten Taminos bei der Verkauften Braut die deutschsprachige Aufnahme von Rudolf Kempe bevorzugen. Diese Aufnahme befindet sich auch in meiner umfangreichen CD-Sammlung. Die beste ist sie indes m. E. nicht. Klar, wegen Gottlob Frick und Fritz Wunderlich muss man sie einfach haben. Das sind zwei ganz phantastische Sänger, die ihre Rollen wunderbar ausfüllen. Und Kempe ist ebenfalls hervorragend Pilar Lorengar und Karl-Ernst Mercker sind indes überhaupt nicht meine Sache, denn beide singen überhaupt nicht im Körper, und darauf lege ich nun mal wert. Und die deutsche Sprache ist außerdem ein großes Problem. Wie ich schon vor einiger Zeit im Thread Don Carlos gesagt habe, muss ein Stück in der Originalsprache gesungen werden, das ist vom stilistischen Standpunkt aus unerlässlich. Eine andere Sprache als die, für die die jeweilige Oper geschrieben wurde, zerstückelt die Phrasen, und das ist nicht schön. Bei Kempes Braut-Einspielung handelt es sich zudem m. A. nach um keine gute Übersetzung. Auch Smetana hat sich mal gegen eine deutsche Übersetzung ausgesprochen. Recht hatte er. Das Stück muss man im Tschechischen Original belassen, damit es seine ganze Wirkung entfalten kann. Mein Favorit in Sachen Braut-Aufnahmen ist die tschechisch gesungen Aufnahme unter Zdenek Kosler mit Gabriela Benackova und Peter Dvorsky, zwei ganz exzellente Sänger, die wunderbar im Körper singen und die ich als Student vor etlichen Jahrzehnten an der Stuttgarter Staatsoper noch erleben durfte. Diese hervorragende Aufnahme lege ich allen Taminos dringlichst ans Herz.


    Herzliche Grüße


    Lustein

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  • Lieber Lustein,

    hier können wir es kurz machen. "Die verkaufte Braut" ist für mich der Präzedenzfall, der beweist, wie wirkungstötend es sein kann, aus Prinzip heraus immer in der Originalsprache zu singen. Bei Italienisch, Französisch ist es richtig, bei den slawischen Sprachen wie Tschechisch, Polnisch oder Jugoslawisch nicht. Der Unterschied zwischen uns ist, dass Du es rein vom Gesanglich-Musikalischen her betrachtest. Ich jedoch von der Gesamtwirkung ausgehe. Der ganze gerade in dieser Oper liegende köstliche Humor geht verloren, wenn der Text nicht zu verstehen ist. Wie sollen wir jemals das breite Publikum und die Jugend für die Oper begeistern können, wenn die Hürde, sich der Klassik zu nähern noch durch sprachliche Verständnisprobleme erhöht wird. Dadurch bleiben wir im elitären Elfenbeinturm allein und nehmen der Oper die Breitenwirkung, die sie verdient.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Der ganze gerade in dieser Oper liegende köstliche Humor geht verloren, wenn der Text nicht zu verstehen ist. Wie sollen wir jemals das breite Publikum und die Jugend für die Oper begeistern können, wenn die Hürde, sich der Klassik zu nähern noch durch sprachliche Verständnisprobleme erhöht wird.

    Lieber Operus,


    Du sprichst mir aus dem Herzen! Treffender hätte man das gar nicht in Worte fassen können.

    Bei Italienisch, Französisch ist es richtig, bei den slawischen Sprachen wie Tschechisch, Polnisch oder Jugoslawisch nicht.

    Ich würde das sogar noch auf die russischen Opern ausdehnen wollen. Slawische Sprachen wirken, vor allem gesungen, in westeuropäischen Ohren gewöhnungsbedürftig.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Der Unterschied zwischen uns ist, dass Du es rein vom Gesanglich-Musikalischen her betrachtest. Ich jedoch von der Gesamtwirkung ausgehe.

    Lieber operus, ich hingegen gehe davon aus, dass Lustein auch perfekt Tschechisch spricht, sonst könnte und würde er nicht so entschlossen für die Originalsprache streiten. Ich kann fast kein Wort Tschechisch. Allerdings ist es mir in der Oper auch sehr, sehr wichtig, dem gesungenen Wort folgen zu können. Anferenfalls läuift man nach meiner Beobachtung Gefahr, auf der Bühne etwas vorgesetzt zu bekoimmen, was nicht den inhaltlichen Tatsachen entspricht. Ich habe aber eine tiefe Achtung vor Menschen, die all jene Sprachen beherrschen, in denen die meisten Opern komponiert sind.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber operus, ich hingegen gehe davon aus, dass Lustein auch perfekt Tschechisch spricht, sonst könnte und würde er nicht so entschlossen für die Originalsprache streiten.

    Lieber Rüdiger,

    oft ist Dein Humor hintersinnig und treffend und man muss keine Fremdsprache kennen, um ihn zu verstehen. Verstanden heißt jedoch noch nicht angewandt und angewandt noch nicht beibehalten. Ja - so schwer ist die Verhaltensänderung.

    hhHans

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Dies ist eigentlich nicht der Ort, um über das Für und Wider von originalsprachlichen Aufführungen zu streiten, darüber sind an passenderen Stellen auch schon alle Argumente ausgetauscht worden. Ich bin bekanntlich ganz der Meinung von Lustein:

    Wie ich schon vor einiger Zeit im Thread Don Carlos gesagt habe, muss ein Stück in der Originalsprache gesungen werden, das ist vom stilistischen Standpunkt aus unerlässlich. Eine andere Sprache als die, für die die jeweilige Oper geschrieben wurde, zerstückelt die Phrasen, und das ist nicht schön.

    Und nein, ich spreche kein Wort tschechisch :). Ich erkenne aber an, dass es auch ein Argument für die Aufführung in deutschen Übersetzungen gibt, und das ist die Verständlichkeit des gesungenen Textes und damit die Erfassbarkeit des Stoffes, wenngleich ich dieses Argument in Zeiten von Übertiteln nicht für besonders stark halte. Und wenn man eine Oper zuhause von der CD hört, kann man ohnehin eine deutsche Übersetzung des Librettos mitlesen und so auch dem im Original gesungenen Text problemlos folgen. Aber ich weiß, dass die Meinungen da auseinander gehen.


    Hier habe ich nun aber zwei Einlassungen gelesen, die ich nicht unwidersprochen lassen kann:

    "Die verkaufte Braut" ist für mich der Präzedenzfall, der beweist, wie wirkungstötend es sein kann, aus Prinzip heraus immer in der Originalsprache zu singen. Bei Italienisch, Französisch ist es richtig, bei den slawischen Sprachen wie Tschechisch, Polnisch oder Jugoslawisch nicht. Der Unterschied zwischen uns ist, dass Du es rein vom Gesanglich-Musikalischen her betrachtest. Ich jedoch von der Gesamtwirkung ausgehe. Der ganze gerade in dieser Oper liegende köstliche Humor geht verloren, wenn der Text nicht zu verstehen ist. Wie sollen wir jemals das breite Publikum und die Jugend für die Oper begeistern können, wenn die Hürde, sich der Klassik zu nähern noch durch sprachliche Verständnisprobleme erhöht wird. Dadurch bleiben wir im elitären Elfenbeinturm allein und nehmen der Oper die Breitenwirkung, die sie verdient.

    Wie gesagt verstehe ich ja, dass man gerne alle Opern in seiner Muttersprache hören möchte, weil man sie sonst schlechter bis gar nicht versteht, aber der Unterschied, der hier zwischen Italienisch und Französisch auf der einen und slawischen Sprachen auf der anderen Seite konstruiert wird, ist hanebüchen. Es ist doch wirklich abwegig anzunehmen, dass "das breite Publikum" oder "die Jugend" eine auf Italienisch oder Französisch gesungene Oper versteht, wo es selbst bei einer deutsch gesungenen Oper oft schwierig ist, dem Text zu folgen. Die Menge derer, die das in einem typischen Opernpublikum auf Italienisch oder Französisch können, dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen. Wenn überhaupt, dann gibt es nur eine Fremdsprache, die gerade "die Jugend" heute gut genug beherrscht, um auch eine Oper verstehen zu können: Englisch. Folglich dürfte man allenfalls noch englischsprachige Opern im Original aufführen.


    Lieber operus, dass Du hier Gesang in Italienisch oder Französisch gelten lassen willst, in Tschechisch oder Russisch hingegen nicht, hat meine Erachtens nur einen Grund: Lieb gewordene Gewohnheiten. Bei der "Prodaná nevěsta" hast Du es ja selbst zugegeben.


    Völlig absurd ist dann folgendes Argument:


    Slawische Sprachen wirken, vor allem gesungen, in westeuropäischen Ohren gewöhnungsbedürftig.

    Dass ein westeuropäischer Zuhörer slawische Sprachen gewöhnungsbedürftig findet, soll Grund genug sein, einen so gravierenden Eingriff in das Stück zu rechtfertigen, wie es eine Übersetzung des Librettos darstellt? Dann dürften Wagner und Strauss im Ausland überhaupt nur noch in den Landessprachen aufgeführt werden, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die deutsche Sprache in fast allen nicht-deutschen Ohren sehr gewöhnungsbedürftig anhört, vor allem gesungen. :D Die Stabreime im "Ring" finde ich auch immer noch sehr gewöhnungsbedürftig und plädiere daher dafür, den Text komplett umzudichten. Gewöhnungsbedürftig für viele Ohren sind auch die Disharmonien in Strauss' "Elektra", die man dann am besten gleich umkomponieren sollte. Von "Wozzeck" und "Lulu" ganz zu schweigen, hier wären revidierte Aufführungsfassungen herzustellen, die die zarten Ohren der Zuhörer nicht mehr mit gewöhnungsbedürftigen Klängen behelligen. :hahahaha:

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

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