Die verkaufte Braut

  • Ich denke mal, daß die zuletzt von dir angeführte Aufnahme nicht in Originalsprache gesungen wurde. Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß z. Bsp. der gute Peter Roth-Ehrang des Tschechischen mächtig war.


    Ja, das ist eine deutsche Aufnahme, lieber Wolfgang. Danke für die wichtige Nachfrage.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Vielleicht erinnert sich noch jemand an diese Verfilmung:

    Die verkaufte Braut

    Produktion: Deutschland 1932
    Produktionsfirma: Reichsliga-Film
    Länge: 76 Minuten


    Darsteller:
    Jarmila Novotna (Marie),
    Willi Domgraf-Faßbaender (Hans),
    Liesl Karlstadt (Frau Brummer),
    Karl Valentin (Brummer, Zirkusdirektor),
    Paul Kemp (Wenzel),
    Annemarie Soerensen (Esmeralda),
    Max Schreck (Indianer),
    Therese Giehse (Ansagerin),
    Max Nadler (Bürgermeister)


    Produzent: Karl Ritter
    Regie: Max Ophüls
    Drehbuch: Curt Alexander
    Kamera: Reimar Kuntze, Franz Koch, Herbert Illig, Otto Wirsching
    Musik: Theo Mackeben, Bedrich Smetana
    Schnitt: Paul Ostermayr


    Erstauffuehrung: Kino: 18.8.1932 /TV: 30.3.1970 BR


    Zitat

    Filmlexikon:
    In einer böhmischen Kleinstadt sollen die Tochter des Bürgermeisters und ein reicher, aber naiv-dümmlicher Bauernsohn miteinander verheiratet werden. Die Braut aber verliebt sich in einen durchreisenden Postkutscher, und der Bräutigam wirft ein Auge auf die Tochter eines Zirkusbesitzers. In leichter Akzentverschiebung adaptierte Version von Smetanas gleichnamiger komischer Oper, die in erster Linie vom virtuosen Einsatz der Kamera, der Natürlichkeit der Szenerie, der ironischen Würze und den komödiantischen Auftritten Karl Valentins lebt. Von großem Reiz auch die gelungene Umsetzung der Musik in filmische Bildkompositionen.


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • (Ohnehin bereut man hier in zweifacher Weise, des Russischen nicht mächtig zu sein. Im Vergleich zu einem deutsch gesungenen Tschaikowsky ist der Verlust bei Puschkins hochspeziellen Versen wohl ein ungleich größerer.)


    Lieber Novecento,


    ich weiß ja nicht, wie alt Du bist, mich hat die Begeisterung über Puschkins Poesie soweit getrieben, dass ich mich im fortgeschrittenen Alter (über 50) wie ein Besessener auf das Russisch-Studium gestürzt habe. Das erste Jahr war fürchterlich, weil ich in jeder Verszeile 4 bis 6 Wörter nachschlagen mußte.
    Doch der Lohn war diese Mühe wert. Der Nachteil: deutsche Fassungen schwer verdaulich. Vermutlich leichte Psychose!


    Beim Onegin könnte ich eine nichtrussische Version noch verkraften, beim Boris Godunov sehr schwer.


    Es würde, glaube ich, schon den genannten Verlust reduzieren, sich vor dem Hören den russischen Text neben der Übersetzung etwas anzusehen, weil das Wiedererkennen auch schon der halbe Weg zum Verständnis ist.


    MfG
    hami1799

  • Mir selbst sind die tschechischen Originalaufnahmen immer ein bisschen zu folkloristisch. Das Drama kommt zu wenig zum Tragen.


    Lieber Rheingold1876,


    ist es nicht gerade das Folkloristische, das den Charm der Verkauften Braut ausmacht?
    Die Bauern, die Kirchweih, der Heiratsvermittler, der Zirkus mit dem falschen Bären und der ´Dorftrottel´


    (die Spöttelei über Wenzel ist übrigens das Einzige, was mich an der Oper stört, heutzutage könnte man so etwas nicht mehr bringen).


    Kommt dazu noch die Originalsprache, wird alles echt böhmisch. Übersetzungen sind immer problematisch und treffen selten den Kern:


    Ten lásky sen, jak krásný byl
    jak nadějně rozkvítal,
    a nad ubohým srdcem mým
    co tichá hvězda svítal.


    That dream of love, how fair it was
    how hopefully it blossomed,
    and over my pitful heart
    it like a star was rising.


    Interessant, dass die englische Übersetzung dem Original am nähesten kommt.


    Mein Liebestraum, wie schön er war
    wie stand er voll in Blühte
    wie strahlte e so hell und klar
    im innersten Gemüt.


    Die folgende Übersetzung, die schwächste, stammt aus dem Textheft der deutschen Aufnahme mit Kollo und Stratas:


    Mein Liebestraum, wie war er schön
    Wie träumte ich ihn gerne
    Hell leuchtete die Sonne uns
    Und alle lieben Sterne.


    Übrigens, erscheint Dir die Handlung wirklich als Drama?


    MfG
    hami1799

  • Die folgende Übersetzung, die schwächste, stammt aus dem Textheft der deutschen Aufnahme mit Schock und Stratas:


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schock und Stratas in einer Aufnahme zusammen vorkommen. Gab es nicht ein Video, wo Stratas mit Kollo gesungen hat?

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schock und Stratas in einer Aufnahme zusammen vorkommen.

    Ich aber doch, habe mehrmals im ZdF gesehen:
    Giuditta
    1970 Wolfgang Ebert; Berliner Symphoniker
    Anita: Maria Tiboldi
    Giuditta: Teresa Stratas
    Manuele Biffi: Kurt Pratsch-Kaufmann
    Octavio: Rudolf Schock
    Dreamlife Classics DLVC 1124 (1 VC) (Video)
    Habe ich mir natürlich auf DVD überspielt.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Mein lieber Berward!


    Da hast du vollkommen Recht. Diese Aufnahme besitze ich auch auf Video. Ich werde sie in den nächsten Tagen auch noch mal in den Rekorder schieben.



    Herzliche Grüße nach Hannover


    Wolfgang

    W.S.

  • Hallo Novecento,


    hier Mařenkas herzzereissende Trauer mit Gabriela Beñačková.


    Die Wahl fältt mir nicht leicht, ein kleines Plus aber für diese Sängerin.



    MfG
    hami1799

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  • Hallo, Theophilus!


    Ich muß zugeben, daß ich mir diese "Giuditta" lange nicht mehr angesehen habe. Das müßte ich unbedingt mal nachholen. Aber aus der Erinnerung heraus meine ich sagen zu können, daß er diese Tenor-Partie noch wirklich gut spielt und singt.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Ob reif oder weniger, ob gut oder schlecht, via Film können Personen sowohl älter als auch jünger geschminkt werden, darum ging es mir aber nicht. Ich wollte lediglich auch mal darauf hinweisen, dass sich Theo hier geirrt hat. Das kommt selten genug, wenn überhaupt mal, vor.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Zitat

    Ich wollte lediglich auch mal darauf hinweisen, dass sich Theo hier geirrt hat. Das kommt selten genug, wenn überhaupt mal, vor.

    Ist das überhaupt möglich?

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,


    lass doch die Leute sich irren, wie´s ihnen gefällt, sondern sag doch endlich ein Wort (Intelligenzniveau beliebig) über die wunderbare Mařenka-Beňačková.


    Wie heißt dieser Thread denn gleich?


    Übrigens, ich habe seit fast 7 Jahren auch so einen Fratz zu Hause, der wird im August acht und mag immer noch keinen Wagner.

  • Zitat

    sondern sag doch endlich ein Wort (Intelligenzniveau beliebig) über die wunderbare Mařenka-Beňačková.


    Hallo, hami1799!


    Natürlich besitze ich einige Aufnahmen der Mondarie aus "Rusalka" mit verschiedenen Sängerinnen, u. A. auch mit Beňačková und Elka Miltzewa. Meine Favoritin heißt hier aber Rita Streich. Leider habe ich nach meinem Umzug und räumlicher Verkleinerung ein kleines Chaos in meiner Musiksammlung. Daher muß ich beim Suchen nach bestimmten Aufnahmen diese erst einmal auf die Fahndungsliste setzen.




    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,


    wie recht Du hast. Übertreffen kann man Rita Streich als Rusalka wohl kaum.
    Ich stelle sie hier, allen Youtube-Hassern zum Trotz, gleich mal vor. Eigentlich verdient sie einen eigenen Thread.


    Wenn jemand fragt, was die Rusalka bei der Verkauften Braut zu tun hat, dann möchte ich darauf hinweisen, dass Rusalka, im Gegensatz zu Mařenka, auf Richtig verkauft wird.
    Hier also unsere Rita gleich einmal auf tschechisch, was ihr aber mit ihrer halbrussischen Abstammung nicht allzu schwer gefallen sein dürfte.


  • ....sag doch endlich ein Wort (Intelligenzniveau beliebig) über die wunderbare Mařenka-Beňačková.


    ich habe mehr als 5 Aufnahmen von Marenkas "Och, jaký zal!...Ten lásky sen" mit Beňačková.
    Am wenigsten überzeugt mich, wie sie die Arie in der Gesamtaufnahme unter Kosler singt! Da findet sich nicht die rechte Mischung von hingebungsvoller Liebe und schwermütigem Leiden. Ausserdem scheint mir das Vibrato da schon ziemlich die Grenzen des Tolerablen zu überschreiten.
    Mit Abstand am schönsten gesungen und am tiefsten empfunden finde ich die wohl recht frühe Aufnahme, die sie bei Supraphon (LP 1 12 2194) gemacht hat. Das ist für mich eine der fast idealen Aufnahmen der wundervollen Arie!


    Mein Favorit aber ist eine andere Einspielung: die Interpretation von Sena Jurinac (HQM 11224). Leider ist die in deutscher Sprache gesungen! Aber wie!!! So ebenmäßig wie bei ihr werden die Linien in keiner anderen Aufnahme gezeichnet. Hinreißend wie sie den einzelnen Tönen und Phrasen ihre je spezifische Farbe gibt! Und schlicht phantastisch die totale Identifikation mit der Figur und den Gefühlen der Mařenka! Jurinac beglaubigt wirklich jede Note und jede musikalische Geste. Für mich ist das eine die großen Gesangsaufnahmen des letzten Jahrhunderts!!!


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

    Einmal editiert, zuletzt von Caruso41 ()

  • Zitat

    Wenn jemand fragt, was die Rusalka bei der Verkauften Braut zu tun hat, dann möchte ich darauf hinweisen, dass Rusalka, im Gegensatz zu Mařenka, auf Richtig verkauft wird.


    Lieber hami1799!


    Bevor ich das Thema wegen des eigentlichen Threads beende, möchte ich noch auf eine andere sehr gute Interpretin dieser Arie hinweisen: Elfriede Trötschel. Auch sie kann man etwa auf die gleiche Stufe wie Rita Streich stellen, mit ihrer ausdrucksvollen Stimme.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Hallo Caruso41,


    die Jurinac mit dieser Arie ist eine neue Bekanntschaft für mich. Sie zieht wirklich alle Register und überzeugt mich völlig, da gibt es an keiner Stelle etwas anzumerken.


    Und trotzdem, ich kann es mir selbst (noch?) nicht erklären, ist meine Favoritin die Beňačková hier in der Nr 99 (ohne störendes Vibrato!!). Vielleicht ist es mehr diese kindliche, fast schon resignierende Traurigkeit, die mich bei der Beňačková so anspricht, vieleicht auch kann man diese böhmische Melancholie nur in der Muttersprache ausdrücken. Wie gesagt, ich weiß es selber nicht.


    Dagegen weiß ich, dass es für die Übersetztung, endlich allein mit meinem Schmerz, keine logische Erklärung gibt, oder doch?


  • Liebe Opernfreunde,


    vor drei Tagen, am 17. 7. 2021, brachte der Radiosender "Deutschlandfunk Kultur" einen nun schon historisch zu nennenden Premieren-Mitschnitt des RIAS Berlin aus dem 'Theater des Westens'. Da es im Thread "Opernaufführungen als Übertragungen per Rundfunk und Fernsehen" wahrscheinlich verloren geht, sei hier der Dokumentation halber daran erinnert:


    "Die verkaufte Braut" (Bedrich Smetana): Kruschina - Tom Krause / Kathinka - Nada Puttar / Marie - Pilar Lorengar / Micha - Almar Heggen / Agnes - Sabine Zimmer / Wenzel - Martin Vantin / Hans - Ernst Haefliger / Kezal - Josef Greindl / Springer - Ernst Krukowski / Esmeralda - Ursula Schirrmacher / Muff - Robert Koffmane / Der Chor und das Orchester der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Dirigent: Heinrich Hollreiser / Inszenierung: Wolf Völker (Berlin, Theater des Westens, 17. 12. 1960).

    Pilar Lorengar sang sich mit dieser Vorstellung in die Herzen des Berliner Publikums, Josef Greindl gab einen stimmlich etwas trockenen Heiratsvermittler und Martin Vantin übertrieb es in meiner Wahrnehmung etwas mit dem Sprachfehler des 'Wenzel'. Die große Überraschung war für mich Ernst Haefliger, der einen lockeren, stimmschönen 'Hans' sang, und Ernst Krukowski als 'böhmisch' akzentuierter Zirkusdirektor sorgte mit Extemporés (z. B. zum 'Skandal' um Hans Werner Henzes "König Hirsch") für Heiterkeit. Auch ein interessantes Gespräch mit Heinrich Hollreiser, der mit dieser Produktion seinen Einstand an der Städtischen Oper Berlin gab und Smetanas unsterbliche Oper recht schwungvoll dirigierte, wurde noch einmal gesendet.


    Dem "Deutschlandfunk Kultur" sei Dank gesagt für diesen Gang ins Archiv!


    Carlo

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