Ferdinand RIES - Aus dem Schatten Beethovens - Die Streichquartette

  • Es ist kein Geheimnis, daß der Beethoven-Schüler Ferdinand Ries mir sehr viel bedeutet. Ganz besonders schätze ich seine beethovenartigen Sinfonien die wohl einzigartig in der Musikgeschichte sind. Die mir bekannten Klaviersonaten und Klavierkonzerte fallen dagegen doch ein wenig ab.
    Umso überraschender war die Bekanntschaft mit seinen Streichquartetten, von denen Ries immerhin 26 geschrieben , aber nur 11 wurden auch gedruckt.
    Ries´Streichquartette erinnern nur mehr wenig bis gar nicht an Beethoven, er hat sich weitgehend von seinem Vorbild gelöst. Vereinzelt meinte ich bei einem dieser Werke Ähnlichkeiten mit Schubert (Quartett "Rosamunde") heraushören zu können - aber es war eher die Stimmung, denn eine tiefergehende Ähnlichkeit.




    Dankenswerterweise hat cpo begonnen die Quartette auf CD herauszugeben, zumindest sind schon 2 Folgen erschienen, was Hoffnung auf weiteres macht.
    Immerhin sind einige dieser eingespielten Werke, diejenigen, welche bisher nie in Druck erschienen sind.


    Sowohl Interpreteation, als auch Tontechnik sind IMO ein Grund zum Jubeln: Der wundervolle Klang des Schuppanzigh-Quartettes (auf Originalinstrumenten) ist von der Tontechnikhervorragend festgehalten worden. Aber ich gerate ins Schwärmen .....


    mfg aus Wien


    Alfred

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  • Moin,


    auch ich bin seit ein paar Wochen glücklicher Besitzer der Vol. 1. Und ich kann Alfred nur voll zustimmen.


    Bisher habe ich die Cd zu wenig gehört , um ein Urteil bzgl. der Werke abgeben zu wollen, allerdings haben sich die Schuppis spätestens mit dieser Cd in die Topklasse der Streichquartettensembles gespielt. :jubel: :jubel:

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Ferdinand Ries - Aus dem Schatten Beethovens - Die Streichquartette


    Ferdinand Ries, das war bis vor einiger Zeit für mich der, über den ich in diversen Beethoven-Biographien gelesen hatte: Schüler Beethovens, später sicher ein guter ausführender Musiker und Musik-Organisator. Es gibt ja einige, wahrscheinlich wahre Anekdoten über ihn (zum Beispiel die, wo er sich bei der Uraufführung der Eroica über den verdammten Hornisten ärgert, der nicht zählen kann und völlig falsch einsetzt – um dann beinahe von Beethoven eine Ohrfeige einzufangen, weil der arme Kerl doch nur das spielt, was der Maestro sich höchstpersönlich ausgedacht hat), und in denen er fast ein wenig tumb wirkt, obwohl man ihm auch in diesen Geschichten nicht nachsagen kann, er rede seinem Lehrer nur nach dem Munde.
    Beethoven hat viel für Ries getan (so z.B. ihn vor dem Militärdienst für die Franzosen bewahrt), das wäre nicht der Fall gewesen, hätte er Ries nicht zumindest menschlich sehr geschätzt.
    Aber Alles in Allem: sich mit Ries zu befassen hielt ich mehr oder minder für Zeitverschwendung – wo es doch so viele bedeutende Komponisten gibt.


    Vor einiger Zeit kam eine Aufnahme des Linos-Ensembles mit dem Grand Septour op. 25 und dem Grand Otetto op.128 heraus, welches ich mir, durchaus wegen der geschlossen überragenden Kritiken in der Fachpresse, angeschafft habe und seither recht häufig mit großer Bewunderung – nicht nur für die Interpretation, auch für die Komposition – höre.



    Ich halte dies für Musik vom Niveau der groß besetzten Kammermusik eines Schubert, Spohr oder Mendelssohn – aber immer noch hielt ich dies gewissermaßen für „einen Glückstreffer“.


    Und nun habe ich den Beitrag von Alfred gelesen und mir die von ihm empfohlenen Ries-Streichquartett-Aufnahmen beschafft - und, weil preiswert, noch eine CD mit Klarinettensonaten und einem Klarinettentrio (mit Dieter Klöcker, Armin Fromm und Thomas Duis auf CPO)



    und bin wieder sehr beeindruckt. Also: entweder habe ich bei der Auswahl von Ries-Aufnahmen das „goldene Händchen“ – oder der Mensch wird als Komponist gnadenlos unterschätzt! Das Alles ist überaus hörenswerte Kammermusik vom Feinsten, und sie ist von großer persönlicher Eigenart. Von Beethoven- oder irgend einem anderen Abklatsch kann nicht im Entferntesten die Rede sein.


    Sehr empfehlenswert!! Ich hoffe sehr, dass die Ries-Quartettreihe mit dem Schuppanzigh-Quartett fortgeführt wird.


    Und: lieber Alfred, vielen Dank für den Tipp! Tamino-Lesen ist halt doch manchmal für etwas gut. Zumindest, wenn man sich an die Beiträge vom Häuptling hält. Genug gesülzt?


    Gruß
    Pylades

  • Wenn hier auch andere Kammermusik von Ries empfohlen wird: Auf der zweiten CD des Nepomuk Fortepiano Quintett bekommt man das Klavierquintett von Ries in ausgezeichneter Interpretation und Aufnahmetechnik zum Spottpreis (Brilliant Classics):


  • Ich hatte die Möglichkeit, zuletzt in das Vol. 1 der cpo-Edition der Streichquartette zu hören und war sehr positiv überrascht von der Originalität der Werke.
    Mir hat das ausnahmslos gut gefallen und so hab ich mir die CD mal auf die imaginäre Merkliste gesetzt.



    LG, Peter.

  • Alfreds unermüdliches Werben für Ries hat auch mich neugierig gemacht. Ich habe jetzt den Anfang mit dem Vol. 2 der Streichquartette gemacht und bin überaus angetan. Es wird nicht bei diesem Anfang bleiben!


    Sehr gut gefallen mir die Art und Weise der vielen harmonischen Wechsel in der thematischen Verarbeitung, welche sehr dazu beitragen, die Musik voller Überraschungen zu halten und ebenso voller Stimmungswechsel. In euren Chor, der Ries die Originalität bestätigt, falle ich jetzt gerne ein. Das ist kraftvolle, wunderschöne Musik und das Schuppanzigh-Quartett spielen in der Tat wunderbar!


    :hello: Matthias

  • Die beiden CDs mit Ferdinand Ries' Streichquartetten stehen seit längerem bei mir im Regal, gehören aber zur Kategorie: ungehört. :untertauch: Ferdinand Ries ist sowieso noch ein fast weißer Fleck auf meiner musikalischen Landkarte. Das soll sich in naher Zukunft ändern, denn das Thema Ries scheint ja hier gerade wieder aktuell zu sein. Wie ich sehe ist die Serie mit dem Schuppanzigh Quartett nicht fortgesetzt worden, ich kann auch keinen Hinweis darauf finden, ob es das Quartett überhaupt noch gibt. Hat da jemand mehr Informationen? Vermutlich war es auch eher ein gelegentlicher Zusammenschluss von Musikern aus der Kölner Alte-Musik-Szene, denn ein Vollzeitquartett.

  • Zitat

    lutgra: ...das Thema Ries scheint ja hier gerade wieder aktuell zu sein.


    Und morgen denken wir an Ferdinad Ries' Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Danke für den Hinweis. Dadurch bin ich erst auf diese Diskussion aufmerksam geworden und das hört sich doch so gut an, dass ich mir demnächst einiges von Ries bestellen werde.

  • Ries hat 26 Streichquartette komponiert, von denen aber 15 nicht publiziert wurden. Vermutlich sind das die Werke ohne Opus Nummern. Warum diese Werke nicht veröffentlicht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht war es eher zufällig. Das WoO 37 ist jedenfalls sein drittletztes und wurde 1827 komponiert. Das war das Todesjahr Beethovens. Mit dessen kurz vorher entstandenen späten Quartetten hat das Ries'sche Werk nichts gemein.
    Der Aufbau ist klassisch viersätzig mit einem Andantino an zweiter und einem Menuett an dritter Position. Das Quartett hat eine Spieldauer von 25 min. Der Kopfsatz erinnert mich - wenn ich ihn mit denen der drei Klassiker vergleiche - am ehesten an die op. 18 Quartette von Beethoven. Was durchaus als Kompliment gemeint ist. Das Andantino hingegen erinnert gar nicht an den Freund und ehrlich gesagt halte ich es für einen ziemlich schwachen Satz. Menuett und Finalsatz sind dann wieder deutlich besser und hier findet Ries vielleicht am ehesten zu sich selbst. Von Schubert höre ich hier nichts. Wenn man mal vom zweiten Satz absieht, ein schönes und hörenswertes Werk. Das Schuppanzigh Quartett agiert auf historischen Instrumenten auf hohem Niveau in sehr angenehmer Weise, trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass einige Passagen mit mehr "Saft", den aber nur moderne Instrumente liefern können, noch besser rüberkommen würden. Das ist aber sicher Geschmacksache.

  • Das 2. Streichquartett auf obiger CD entstand wesentlich früher nämlich 1805, am Ende der Lehrzeit von Ries bei LvB. Dieses Werk klingt überhaupt nicht nach dessen op. 18 Quartetten, das Vorbild hier ist eindeutig Joseph Haydn. Es umfasst vier Sätze, das Menuett steht - wie häufig bei Haydn - an zweiter Stelle und wird gefolgt von einem Adagio cantabile. Es ist ein rundum gelungenes Werk mit vier schön proportionierten Sätzen, alle mit frischen ansprechenden Themen und sehr schön gearbeitet. Es könnte als Musterbeispiel für ein klassisches Streichquartett dienen. Dieses Werk hätte auf jeden Fall ein Platz im Repertoire verdient.

  • Die zweite CD des Schuppanzigh Quartetts enthält die Streichquartette op. 70, 2 & WoO 48. Opus 70.2 entstand um 1816 und ist ein heiter-klassisches Werk, das IMO Ohren wieder Haydn als Vorbild ausweist. Ganz anderes WoO 48, das letzte Quartett von Ries, das gut 20 Jahre später entstand. Der Tonfall ein völlig anderer, Schubert und später Beethoven sind rezipiert und teilweise in dieses 5-sätzige Werk eingeflossen, das Themen enthält, die spätestens beim zweiten Hören im Ohr hängen bleiben.


    Den ewig Skeptischen sei hier die Kritik von FF Fachkraft Markus Stäbler beigegeben: "Für meine Ohren sind die hier eingespielten Werke von Ferdinand Ries die seit Jahren spannendste Repertoire-Entdeckung in der klassischen Quartettliteratur - und zwar mit einigem Abstand. Dass diese kammermusikalischen Meisterwerke - das sind sie wirklich! - eine so suggestive Wirkung entfalten können, liegt allerdings nicht an den Fähigkeiten von Ferdinand Ries allein, sondern auch am maßstäblichen Niveau der Interpretationen. Die Mitglieder des Schuppanzigh-Quartett zählen nicht umsonst seit einigen Jahren zu den aufregendsten Formationen auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis - und begeistern hier mit einer vielfarbigen, äußerst lebendigen Aufnahme. Ein großer Wurf!"


    Wem das nicht 7,99 wert ist, dem ist nicht zu helfen. :thumbsup:

  • Na, hier hat sich ja auch wenig getan in über 2 1/2 Jahren. Offensichtlich hat sich die Kammermusik von Ries doch nicht so durchgesetzt. Meine neue Beschäftigung damit ist der Tatsache geschuldet, dass gerade die 3. Folge der Streichquartette bei cpo erschienen ist. Und das Schuppanzigh Quartett gibt es immer noch, jedenfalls stammen die Aufnahmen vom März 2016.


    Ries hat - wie weiter oben erwähnt - 26 Streichquartette geschrieben, dazu noch 6 Streichquintette. Ob die bei cpo alle eingespielt werden? Bei dem Tempo sicher nicht bzw ich erlebe die Vollendung nicht mehr. Nun wie bei Spohr stellt sich die Frage, ob man das alles haben muss.


    Die neue CD enthält zum ersten Mal ein Streichquintett, das auch die CD eröffnet, und von mir gerade gehört wurde. Es macht auf mich beim ersten Hördurchgang einen suchenden, experimentellen Eindruck, was ja schon mal gut ist. Beethoven ist weit weg, am ehesten hier und da noch Haydn, aber ansonsten eher in die Zukunft (so heissen Romantik) gerichtet. Ich kenne das Spohr'sche Werk nicht gut genug, um es damit vergleichen zu können. Aber auf alle Fälle ein nicht uninteressantes Werk, das weitere Hördurchgänge erfordert. Ergänzt wird das Quartett hier durch Raquel Massadas, der man leider keine Photo gegönnt hat. Ich kann auch keins im Netz finden.


  • Ich traue mich jetzt mal, etwas Wasser in den Wein zu geben:

    Mich haben diese Quartette sehr enttäuscht. Ich finde sie streckenweise sogar langweilig. Zwischen den Zeilen lese ich das auch bei lutgra: Falls WoO 37 (entstanden in Beethovens Todesjahr) nach Opus 18 klingt, dann sind das rund 20 Jahre Abstand (um nicht zu sagen: Rückstand). Auch die Bezüge zu Haydn (der zwei Generationen älter war als Ries) bestärken mich in einer kritischen Einschätzung. Unter den vielen Kleinmeistern des frühen 19. Jahrhunderts war Ries einer der sehr kleinen.


    Wer widerspricht mir mit Verve?

  • Unter den vielen Kleinmeistern des frühen 19. Jahrhunderts war Ries einer der sehr kleinen.

    Bezüglich der Streichquartette darfst Du keine Verve erwarten. Die kenne ich nicht - und möglicherweise wird sich das nicht ändern, denn dazu ist mein Musikgeschmack zu weitreichend.


    Die Sinfonien offenbaren aber gewiss keinen sehr kleinen Kleinmeister. Ich verweise spaßeshalber nur mal auf den ersten Akkord der ersten Sinfonie ... :P


    :hello:Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Es ist schon lange her, daß ich Bekanntschaft mit Streichquartetten von Ferdinand Ries gemacht habe, Und ehrlich gesagt konnte ich mich aunch nicht mehr erinern wie sie geklungen haben, Das kann eine schlechtes Zeichen sein - muß es aber nicht. Denn wenn man (zu) viel hintereinander hört, dan ist es akum möglich das Gehörte zu wspeichern und auf Abruf oarat zu haben. Aber das ist ein abderes Thema - vielleicht passend für einen neuen Thread ?

    Seit einiger Zeit liegt hier bei mir die Folge 3 der Ries. Streichquartette bei mir - so gut versteckt, daß tageslanges Suchen nichts gefruchtet hat und sie erneut bestellt habe.

    Und nun war die Aussage von Hartmut Spiesecke, der von dieser Musik enttäuscht war, der unmittelbare Anlass sie zu hören.

    Ich habe bislang lediglich das Quartett Nr 1 op 70/1 in F-dur gehört - und das inzwischen dreimal. Und ich muß sagen ich finde dieses Quartett ganz ausgezeichnet.

    Wobei ich schon ab den Klavierkonzerten Beethoven als Referenz vermeide. Denn gegen Beethovens Klavierkonzerten verblasst beinahe alles-

    Aber auch das ist lediglich eine Frage der Erwartungshaltung.

    Ich beziehe mich hier ausschliesßlich auf das oben erwähnte Quartett. Irgendwo ist der Name Haydn gefallen. Ich würde das nicht bestätigen.

    Ich orte hier einen gewissen Mix an Eigenwilligkeiten und im Wechsel dazu - eingängigen Stellen. Da ist kein "drive" kein "Musitzieren auf der Stuhlkante, das die Deuschen so lieben . und dias uns Österreichern so fremd ist. (Pauschalaussagen sind nürlich stets fehlerbehaftet)

    Teilweise ein wengi herb - teilweise zierlich- net und angenehm würde ich den Streichquarteten von Ries das Prädikat "hörenswert" verleihen, eigentlich sogar "sehr gut" - aber das getraue ich mich in anbetracht eines schon existierenden Verrisses nicht. Ich bin allerdings keiner, der ana allen Ecken und Enden Genialität erwartetrt - die Welt an sich ist nicht genial......


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Der obige Link erlaubt, einen Satz aus den Streichquartetten (Nr. 2) von Ferdinand Ries zu hören. Ich muss vorwegschicken, dass sich mein Erfahrungsschatz in der Tat nur auf diesen Link gründet, und ich daher kein wirklich profundes Urteil abgeben, sondern allenfalls einige erste Eindrücke schildern kann.

    Neugierig geworden durch Hartmuts Bedenken, wollte ich mich einmal dem kammermusikalischen Schaffens Ries`annähern.

    Natürlich ist es immer sehr schwierig, wenn Komponisten den Vergleich mit den Größten ihrer Zunft aushalten müssen, und wenn man Haydn und Beethoven zugrunde legt - wer könnte da mithalten?

    Indes finde ich die Musik, die hier erklingt, durchaus sehr ansprechend; sie enthält spannungsreiche Momente, plätschert also keineswegs nur so dahin, scheint mir auch durchaus eigenständig zu sein, und nicht nur eine epigonale Imitation.

    Auch die beredte, muntere, beherzte Spielweise des Schuppanzigh Quartetts lässt die Melodien hier sehr schön aufblühen.

    Auf mich wirkt diese Musik sehr lebhaft, dynamisch und fast sogar ein wenig übermütig in diesem Satz.

    Ich würde auch nicht sagen, dass dieser Satz bahnbrechend und äußerst innovativ ist, aber durchaus Vieles in sich birgt, das ihn hörenswert macht.

    Jedenfalls macht mich dieser Auszug neugierig genug, um mir auch die anderen Einspielungen zu besorgen, um in Gänze diese Werke kennenlernen zu können.

    Fazit: meiner Meinung nach weder ein großer Wurf, noch zu kurz gegriffen - sondern genau dazwischen: weder Talsohle noch höchster Gipfel, sondern eine wunderschöne Erhebung auf halbem Weg zur Bergspitze, auf der sich gut verweilen lässt und die einen wunderschönen Panoramablick erlaubt.


    liebe Grüße

  • Ries Ferdinand: Streichquintett Nr 3 op 68 in d-moll


    jpc hat in seine im Entstehen begriffene Gesamtaufnahme(?) der Streichquartette von Ferdinand Ries auch das STREICHQUINTETT Nr 2 op 68 in d-moll dazugemogelt.

    Ein - wie ich finde - geradezu geniales Stück. Ich beziehe mich hier nicht auf kompositionstechnische Feinheiten sondern auf die Gesamtwirkung - auf die es ja letztlich ankommt,

    Das Werk entstand in etwa zeitgleich mit den Streichquartetten op 70.

    Ich würde es in weiten Teile als "kühn bezeichnen". Schon zzu Beginn des ersten Satzes lässt sich das nachvollziehen. Der Verfasser des cpo Booklets weist hier auf einen Bezug zu Beethovens Klaviersonate op 31 Nr 2 hin - nicht als Zitat sondern von der Machart her.

    Ich würde das allgemneiner gesehen so einschätzen: Ähnlich wie bei Beethoven kombiniert Ries das Schroffe, gelegentlich Nervöse und Vorwörtsdrängende mit Stellen von geradezu überirdischer Schönheit und Eingängigkeit. Der zweite Satz bringt Entspannung nach dem forschen ersten Satz, besonders die dezenten gezupften Stellen haben es mir angetan.

    Der dritte Satz beginnt noch kühner als der erste. Erst in der Mitte ertönt ein tänzerisch verspieltes fas volkstümliches Thema.

    Die Tghemenbezeiching Allegro für den 4. Satz sehe ich - nachdem was ich gehört habe - geradezu als Untertreibung an. Mit Verve und Tempo präsentiert sich der vol Kraft und LebensFreude strotzende Finalsatz.

    Natürlich ist es immer sehr schwierig, wenn Komponisten den Vergleich mit den Größten ihrer Zunft aushalten müssen, und wenn man Haydn und Beethoven zugrunde legt - wer könnte da mithalten?

    Mit Haydn würde ich Ries nicht vergleichen - aber Beethoven ist er schon sehr nahe. IMo gibt es keinen anderen Komponisten, der Beethoven näher steht als Ries. Schubert wäre ein weiterer Kandidast, aber der ist doch etwas weiche und "wienerischer"


    Anmerkung: -ich habe die Aufnahme mit verschiedenen Anlagen gehört. Wichtig ist hier, daß der Tiefbaß ausreichend vorhanden ist und das "Harzige" der Instumente hörbar ist - sonst verliert das Werk weitgehend seine Wirkung....(Der Baß muß nicht "fett" sein, sondern tief hinabreichend....)


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Ich betrachte mich als begeisterter Liebhaber der Musik von Ries, aber die Streichquartette, die ich bisher gehört habe, empfinde ich doch eher als wenig inspirierend. Ries scheint mir eher immer dann als stark, wenn ein Klavier mit dabei ist ...

    "When I was deep in poverty, you taught me how to give" Bob Dylan

  • Ich kann das durchaus nachvollziehen, denn ich habe die Begeistunge fir die Streichquartette von Ries erst im 2. Anlauf bekommen, wobei ich noch nicht alle ein 2. Mal gehört habe. Wie farbig und interessant sie sind habe ich zudem noch NACH meiner Hörsitzung bestätigt bekommen, als ich anschliessen welche von Woldemar Bargiel hörte :untertauch:

    Lutgra schrieb weiter oben, daß er nicht wisse warum 15 der 26 Streichqurtette nicht numeriert wurden, keine Opuiszahl bekamen und nicht gedruckt wurden.

    Laut einem Booklettext aus der cpo Serie war es so, daß Ries nicht alle freigegeben hat, bzw sie nicht gezählt hat, weil sie seinen eigenen Qualitätsansprüchen nicht genügten....

    mfg aus Wien

    Alfred

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