Der Ring, der nie gelungen - Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen

  • Liebe Opernfreunde. liebe Wagnerianer


    Der Threadtitel ist einer mehr als fünfzehn (?) Jahre alten Ausgabe von Fono-Forum entlehnt, die damals das Thema "Ringaufnahmen" behandelte und mehr oder weniger zu der Erkenntnis kam, daß es in der Geschichte der Schallplatte einen wirklich perfekten "Ring" der allen Anforderungen gerecht wird eigentlich nicht gibt.



    Dennoch konnten sich im laufe der letzten Jahrzehnte zwei Zyklen für lange Zeit, und bis heute am Markt behaupten. Es ist dies die vielgepriese Solti-Einpielung die Ende der fünfziger Jahre in der damals noch neuen Stereotchnik gemacht wurde und ihr Gegenstück lene Aufnahme unter Karajan, wo bewußt schlankere Stimmen eingesetzt wurden. Beide Aufnahmen haben ihre Meriten und echt Wagnerianer, haben, so sie es sich leisten können, in der Regel all beide.





    Vielleicht har der eine oder andere beide Einspielungen zuhaus (oder kennt sie )und kann ein wenig über die Unterschied berichten.


    Aber auch ohne Vergleich, wenn Ihr also nur eine Aufnahme habt (oder nur eine Oper aus diesem Zyklus),
    dann wäre das schon interessant, ebenso weiter Alternativen.


    Gruß
    aus Wien
    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Ich besitze seit einigen Tagen die Walküre aus der obigen Karajanaufnahme, will davon aber noch mehr hören, bevor ich mich äußere.
    Insofern stelle ich mal den Ring von Jimmy Levine vor, den ich seit einigen Jahren besitze.



    Obwohl eine Digitalaufnahme aus den späten 80er bzw. frühen 90er Jahren, ist sie nun bereits als Mid-Price-Variante von der DGG wiederveröffentlicht worden - wohl in dem Eingeständnis, dass sie als Vollpreis nicht mit älteren Konkurrenzeinspielungen der anderen Majors bzw. des eigenen Hauses mithalten kann. (IMHO auch als Low-Price nicht!) Vielleicht auch ein Sieg der DVD. Im Moment liegt Sie mit ca. 100€ im Bereich der Ringe von Solti und Karajan, ich habe leider noch mehr als das doppelte bezahlt.


    Allerdings wurde die Ausstattung mächtig abgespeckt, das volle Libretto ist nicht mehr enthalten.


    Meine Euphorie gegenüber diesem Erwerb hält sich in Grenzen. Kommen wir zum Positiven: Matti Salminen ist ein grandioser Hagen, Christa Ludwig als Fricka knüpft an alte Leistungen an und Jessie Norman ist eine stimmlich großartige Sieglinde. James Morris ein solider Wotan.Kurt Moll als Hunding gefällt mir schon nicht mehr so dolle. Ist eindeutig ein Sänger, der auf gute Helden gemünzt ist, schon vom Timbre her. Gary Lakes wird zwar oft als Siegmund gelobt, ist aber überhaupt nicht mein Geschmack. Der Akzent ist stark und stört vor allem in den drei Siegmunderzählungen. Außerdem ist ist die Stimme ziemlich dünn und vom Timbre her wirklich nicht mein Geschmack für einen Siegmung - das aber ist sicher subjektiv. Hildegard Behrens und Reiner Goldberg sind auch sicher keine Topbestzungen für Brünnhilde und Siegfried, wobei das Timbre der Behrens angenehm die verletzliche ´Tochter´-Seite der Rolle heraushebt.
    Levine schwelgt in Schönklang und das MET-Orchester unterstützt Ihn dabei auf hohem Niveau (vor allem das Blech). Leider bleibt da halt die klangliche Transparenz auf der Strecke (Das ist stellenweise ein Breitwandsound, wie man Ihn Karajan in seinen schlimmsten Tagen unterstellte). Das Schönklangkonzept geht an einigen Stellen auf wie in Wotans Abschied, aber auf Dauer ist es doch arg langweilig. Und an Stellen wie den Siegmundmonologen und dem 2. Akt der Walküre ist damit halt kein Blumentopf zu gewinnen.


    Insofern: Es gibt sicher mindestens 3-5 gleichteure Ringaufnahmen, die man eher kaufen sollte. Die digitale Aufnahmequalität und fehlende Bühnengeräusche sind sicher kein ausreichender Grund (dafür klingen Solti und Karajan trotz Alter zu gut), zumal da auch mehr drinngewesen wäre.


    Gruß
    Anti

  • Hallo Alfred,


    also, da aller guten Dinge drei sind, solltest Du die wohl beste und packendste aller Live-Aufahmen in die Trias aufnehmen, nämlich Böhm-Bayreuth 1965. Auch wenn Windgassens Zenith schon hörbar überschritten war, auch wenn Besetzungen wie Dvorakova nicht zum besten gehören, auch wenn der Orchesterklang nicht im geringsten so sehr ausgereift sein mag wie bei Karajan (so etwas wird die Welt ohnehin nie wieder zu hören bekommen), so halte ich es doch für eine gelungene, dem Stück als aufregendes Schauspiel dienende Interpretation ohne das zu dieser Zeit noch oftmals falsch aufgelegte Pathos - adäquate Musik zu Wielands 'aufgeräumtem' Konzept, mit vielen Sängern, denen heutzutage niemand mehr das Wasser reichen kann. leonie und Jimmy als Wälsungenpaar, Theo und Birgit als Vater und Tochter, das bringt auch junge Hörer, die so eine Besetzung nicht mehr auf der Bühne erleben durften, ins Schwärmen.
    Liebe Grüße aus Wien 19
    Zeus

  • Hallo Zeus0043,


    Gerne greife ich Deine Anregung auf und zeige hier die von Dir empfohlene Einspielung



    Allein als ich den Preis gesehen habe, war ich überrascht 53.99 Teuro bei jpc


    Aus diesem Grund werden die Opern offensichtlich auch nicht einzeln angeboten. Ich hab zumindest keine gefunden


    Wie ist denn die Klangqualität?
    Vergleichbar mit Böhms live Hölländer ?



    GRuß Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Die Klangqualität entspricht denen der übrigen 'klassischen' Bayreuth-Live Aufnahmen von Philips (Sawallisch-Holländer und Tannhäuser, Knappertsbusch-Parsifal), also immer noch ein wenig brillanter als Deutsche Grammophon.
    Ich nehme wohl an, dass Du meine e-mail-adresse aus den newsgroups, in denen ich relativ oft Opern poste, gefunden hast, um mich auf dieses Forum aufmerksam zu machen. Daher, wenn gewünscht, werde ich den Böhm-Ring gerne auf mp3 192 kB/s LAME posten. ich muss allerdings dazusagen, dass ich die allererste CD-Ausgabe von Philips besitze (damals noch 4 Einzelausgaben), ich weiss nicht, ob die neuen Mid-Price-Ausgabe nicht vielleicht technisch nochmals aufpoliert wurde.
    Jedenfalls, wenn Du sie haben willst, sag mir Bescheid, bitte.
    Liebe Grüße,
    Martin

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  • Hallo Zeus0043,


    Besten Dank für dein Angebot.
    Aber ich ein haptischer Mensch.
    Wenn die Zeit reif ist ( gemeint, wenn meine Wunschliste kurz genug ist) kauf ich das Original
    mit allem pi pa po.......


    (Moderatorenkappe auf)
    Als Moderator muß ich aber bitten, auf Grund der Gesetzeslage, öffenlich keine Kopien, auch nicht kostenlos anzubieten, weil ich als Boardbetreiber
    dafür nämlich verantwortlich bin, wenn ich es nicht
    ablehne :happy: und die Tonträgerindustrie spielt derzeit sowieso verrückt. Im Gegensatz zu NGs gibt es in Privatforen immer einen Verantwortlichen der belangt werden kann.
    Ob die Einführung von PM in Privatforen damit in Zusammenhang gebracht werden kann, weiß ich nicht :happy:
    (Moderatorenkappe ab)


    Deine Email fand ich übrigens in einem Gästebuch eines Klassiksenders (wenn ich mich nicht irre ,-))


    Liebe Grüße


    Alfred

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  • Edler Zeus,


    Ganz Deiner Meinung über die Bayreuth-Aufnahme mit Böhm. Die geneigten ForianerInnen mögen sich den ersten Akt der Walküre - Szene Siegmund und Sieglinde - anhören. Hier spielt sich das menschliche Drama ab. Was Dvorakova betrifft, so gebe ich Dir recht, allerdings ist Gutrune nicht wirklich eine Hauptfigur. Aber hört doch die Waltrauten-Szene aus der Götterdämmerung, den Schluß von Siegfried.


    Rienzi aus Wien 22

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Ich möchte auch gern eine Ringaufnahme zur Diskussion stellen, die ich als sehr gut einschätze.
    Es ist die Aufnahme mit M. Janowski mit der
    Staatskapelle Dresden. Es ist übrigens der erste
    digitale Ring.



    Das war meine erste Ringaufnahme, die ich mir
    gekauft hatte. Hier werden sehr genau die Details
    der Musik herausgearbeitet. Ebenfalls find ich Peter Schreier als Loge ebenfalls großartig (obwohl nun wahrlich kein Wagnersänger).
    Ich denke, dieser Ring wird allgemein unterschätzt. Ich habe nach wie vor zu Soltis Klangeruptionen eine gewisse Distanz.


    Was meint ihr dazu ?

    Gruß
    Rüdiger


    ________________________
    Lärm ist ... nur eines der Übel unserer Zeit, wenn auch vielleicht das auffälligste. Die anderen sind Grammophon, Radio und neuerdings die verheerende Television.


    C.G. Jung

  • Kurz und gut, was ich dazu meine ?
    Die Altmeyer täte gut daran, gleich zu Beginn 2.Akt Walküre ins Feuer zu hüpfen!! Im übrigen recht gute bis sehr gute Einzelleistungen, die Dresdner beweisen, warum Wagner sie seine 'Zauberharfe' nannte, und Janowskis Dirigat halte ich für schlüssig und rund. Insgesamt, wäre da nicht diese nervige Brünni, sicherlich die erste Wahl unter der zweiten Wahl. (ex aequo mit Haitink, würde ich mal sagen).
    Liebe Grüße,
    Martin

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  • Parsif


    Hallo Rüdiger


    Ich hab mich schon gewundert, daß diese Aufnahme niemand erwähnt. Wenn ich mich errinnere hatte sie relativ gute Kritiken und einen guten Preis obendrein.
    Aber gegen den Ruf der Solti Aufnahme (ob zu recht oder zu unrecht) kam ja nicht mal Karajans Einspielung an.
    Eine analoge Aufnahme aus den späten 50ern zum Vollpreis als Referenz: Wo gibts das ein zweites Mal?


    Gruß aus Wien


    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Mein eindeutiger Favorit ist die Böhm-Aufnahme. Die Gründe wurden schon genannt: Herausragende Interpreten, stimmiges Dirigat.


    Für mich kommen noch die erlebbare Live-Atmosphäre und der unvergleichliche Bayreuther Klang hinzu. Gerade den Klang liebe ich sehr. Die veränderte Orchesteraufstellung und das gedämpfte Blech finden sehr stark mein Gefallen.


    Ich denke, auch über Einzelaufnahmen kann man hier gut plaudern, deswegen stelle ich mal meine "Lieblings-Walküre" vor:


    Die Besetzung ist imo sogar noch besser als bei Böhm: George London als Wotan, Gré Brouwenstijn als Siegline (schlägt sogar die Rysanek bei Böhm), Jon Vickers als Siegmund, David Ward als Hunding, Rita Gorr als Fricka und, natürlich ;) , Birgit Nilsson als Brünnhilde.


    Erich Leinsdorf dirigiert einen sehr "saftigen", opulenten Wagner und treibt das LSO zu Höchstleistungen. Die Aufnahmequalität ist angesichts des Alters, 1961 aufgenommen, sensationell gut: Rauschfrei und durchsichtig.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Norbert


    Diese Aufnahme der Walküre schätze ich auch mit einer
    gravierenden Einschränkung. Das ist die Besetzung des
    Siegmunds mit Jon Vickers. Diese Stimme gefällt mir
    gar nicht. Sonst ist die Aufnahme zu empfehlen.


    Rüdiger

    Gruß
    Rüdiger


    ________________________
    Lärm ist ... nur eines der Übel unserer Zeit, wenn auch vielleicht das auffälligste. Die anderen sind Grammophon, Radio und neuerdings die verheerende Television.


    C.G. Jung

  • Hallo Rüdiger,


    Deine Einschätzung von Vickers teile ich ebenfalls. Neben den sonst aber phänomenalen Stimmen dieser Aufnahme halte ich vor allem auch das Orchesterspiel für referenzverdächtig. Selbst Solti, der stets auf ein breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten Wert legt, wird angesichts dieser expressiven und die Gegensätze hervorhebenden Spielweise vermutlich blass geworden sein.


    Liebe Grüße,


    Spatz.


  • Hallo Rüdiger (und Spatz),


    ich weiß, an Vickers scheiden sich die Geister ;) . Ich persönlich liebe sein einzigartiges Timbre. Sicherlich gibt es geschmeidigere, wohlklingendere Akteure, aber sein Siegmund (auch bei Karajan) ist für mich unerreicht, sein Otello maßstabsetzend, selbst sein Radamès (unter Solti) ist, auf seine Art sehr gut, bloß als Don José (unter Frühbeck de Burgos) ist er in der Tat sehr gewöhnungsbedürftig ;) .

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


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  • Hallo zusammen,


    Ich bevorzuge die Ring-Aufnahmen mit den schlankeren Stimmen. Und favorisiere daher eher den Karajan-Ring. Wenn ich allerdings meinen Lieblings-"ring" nennen soll, dann ist das der der Dresdner Staatskapelle unter Janowski. Der Einspielung wird zwar oft ein zu künstlicher Klang nachgesagt (Orchester und Gesang wirken ein bisschen isoliert voneinander (aufnahmetechn. - nicht im klünstler. Bereich!!!)), aber trifft diese doch genau meinen Geschmack. Vorallem die Besetzung ist dabei ausschlaggebend. Allen voran Theo Adam als Wotan/Wanderer, an dem sich seither bei mir jeder Wotaninterpret messen muss, aber auch die anderen Stimmen - ebenfalls leichter als bei anderen Aufnahmen - stehen diesem nicht nach.
    Auch empfinde ich es als wohltuend, das Loge und Mime eher lyrisch dargestellt (Peter Schreier, aber auch Gerhard Stolze bei Karajan) werden, im Gegensatz zu den aktuellen Aufführungen in Bayreuth.
    Gruß Danielo

  • Danielo schrieb:


    Zitat

    Wenn ich allerdings meinen Lieblings-"ring" nennen soll, dann ist das der der Dresdner Staatskapelle unter Janowski.



    Hallo Danielo,


    auch Parsif lobt diese Aufnahme, und wenn ich ´mich richtig erinnere waren die Kritiken auch durchaus positiv.
    Was aber sicher interessant, vor allen für Einsteiger ist, ist der Preis.
    Ein günstiger Preis allein macht keine Aufnahme, aber eine gute Aufnahme, die zum günstigen Preis angeboten wird, hat heutzutage sicher Pluspunkte.


    Gruß aus Wien
    Alfred

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  • Hallo,


    Dieser Tread, anfangs gut besucht, kam irgendwann zum Erliegen.
    Das wäre an sich nicht außergewöhnlich, auffallend ist nur, daß gerade über Soltis Ring, derzeit in anderen Threads wirklich Wichtiges geschrieben wird, das eigentlich hierhergehört, so zum Beispiel die Frage: Geniesst er wirklich Referenzstatus, nutzt er sich bei mehrfachem Hören signifikant ab ? Wenn ja: Führt der Weg direkt zu Karajans "schlankem" Wagner ?
    Ja es sind viele neue Mitglieder zu uns gestoßen, mit eigenen Ansichten zu diesem Thema, ein guter Grunstock für neue Sichtweisen und Diskussionen.


    Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Was haltet ihr von den beiden Furtwängler-"Ringen"?
    Schade,dass er seinen geplanten Studio-Ring nicht mehr beenden konnte..der Böhm-Ring ist zu den nachfolgenden Ringen eine sehr gute Alternative, auch wenn Windgassen kein Siegfried ist und Greindl das Festspielhaus mit dem Bürgerbräukeller verwechselt....


    Gruss Guido

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

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  • Hallo,


    diesem interessanten Thread muß wieder etwas Leben eingehaucht werden... :D


    Welche "Der Ring des Nibelungen"-Tetralogie empfehlt ihr einem Wagner-Anfänger wie mir bzw. welche ist eure Lieblingsaufnahme?


    Ich denke, daß v.a. Solti und Karajan genannt werden, oder etwa doch eine heimliche dritte Referrenz-Aufnahme?


    Gruß
    Felipe

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Ich schätze ebenfalls Jon Vickers Stimme sehr hoch ein. An ihm scheiden sich in der Tat die Geister, aber für mich gehört er (vor allem sein Otello, Aeneas und Tristan) zu den besten Sängern aller Zeiten, und definitiv unter die handvoll Besten der Nachkriegsjahre. Sein Siegmund unter Karajan war meine erste Oper überhaupt und ich habe diese Stimme kennen und lieben gelernt. Allerdings kann ich weder mit Karajans Ring (ok, das Orchester ist berauschend), der Sängertechnisch teilweise einfach total schwach besetzt ist, noch mit Soltis Ring, der darstellerisch meinem Empfinden nach nicht viel zu bieten hat, viel anfangen. Sie sind schön, aber nichts Besonderes.
    Ich muss dennoch anmerken, dass der Karajan-Ring für mich ein hervorragender Einstieg war und für Anfänger sicher gut geeignet ist. Ich würde ihn jedenfalls jedem Anfänger empfehlen, noch vor Solti.


    Ich bevorzuge da die klassischen Liebhaber-Aufnahmen: Furtwänglers Scala-Ring und den MET-Ring unter Bodanski.

    Elen Rusco caluva tielyanna!

    Einmal editiert, zuletzt von Beren_fox ()

  • Zitat

    Original von Felipe II.
    Ich denke, daß v.a. Solti und Karajan genannt werden, oder etwa doch eine heimliche dritte Referrenz-Aufnahme?


    Gruß
    Felipe


    Siehe oben, Karl Böhm ist öfters genannt worden, imo vollkommen zu Recht.
    Bei ihm und bei Solti sind zum Teil die Besetzungen (u.a. Siegmund, Alberich, Brünnhilde) identisch, und die Bayreuther Live-Atmosphäre bekommt den Aufnahmen sehr gut.


    Als Wagner-Anfänger mit (wahrscheinlich) knappen Budget könnte ich Dir noch die Brilliant-Aufnahmen der Badischen Staatskapelle unter Günter Neuhold ans Herz legen. Diese Live-Aufnahmen stammen aus 1993-95 und sind bei 2001 für den obligaten "Appel und Ei" zu haben.
    Eine Referenz wirst Du mit diesen Aufnahmen nicht finden, aber es wird sehr ordentlich musiziert.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Hallo,


    warum muß der Ring überhaupt geschlossen werden? Wann ist denn der Ring geschlossen?


    Wird eine Ring-Aufnahme nur noch mit der Thomas-Mannschen-Wälsungenblut-Ironie gehört?


    Es mag sein, daß ich dumm bin ;), die Böhm-Aufnahme genügt mir.


    Oliver

  • Lieber Alfred ,
    es geht nicht primär um "Wagnerianer" . Die erste Gesamteinspielung des "Ring" mit Solti hat sich über Jahre hingezogen , ist sängerisch sehr gut besetzt und technisch grossartig . Solti hat hier ein wahres Wunder vollbracht . Die Verkaufszahlen sprechen bis heute (!) für sich .
    Die Karajan-Aufnahme ist eine völlig andere Sichtweise der Werke im Einzelnen wie des Zykluses . HvKs Klangvisionen sind wie so oft einzigartig . Das"Rheingold" fällt ab .
    Karl Böhm ist mir zu sehr der perfekte Handwerker .
    Boulez : Nein , nein , nein !
    Keilberth : Gute Sänger(innen) .
    Es bleibt insgesamt bei den drei erstgenannten Aufnahmen .
    Im Entscheidungsfall : Solti am Ende 1/64 vor Karajan .
    Beste Grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

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  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Das"Rheingold" (Karajan) fällt ab .


    Nein, finde ich nicht, jedenfalls hat Karajan mit Gerhard Stolze den umwerfendsten Loge aller Zeiten (-> Loge, zweite Szene: "... durch Raub ..." ...) und auch DFD als Wotan überzeugt mich.

  • Ich mag Karajans Rheingold ebenfalls sehr! Loge ist in der Tat mit Stolze einzigartig besetzt. Allerdings gefällt mir Fischer-Dieskau überhaupt nicht als Wotan...

    Elen Rusco caluva tielyanna!

  • Ganz überraschend kam die Meldung eben im DLF nicht, stand das doch diese Woche bereits in der Lokalpresse:
    http://www.ksta.de/servlet/Ori…calledPageId=987490165154


    Gustav Kuhn führt den "Ring des Nibelungen" in Erl in 24 Stunden auf. Nur den Vorabend, "Das Rheingold", führt er am Vorabend auf. Die Orchestermusiker halten alle durch, die Sänger dürfen mit Zweitbesetzung singen. Und für die nächsten Jahre sind weitere "Events" geplant. In 2 oder 3 Jahren sollen einige Werke des Meisters in der Reihenfolge ihrer Entstehung aufgeführt werden. Begonnen wird mit Rheingold, Walküre, Siegfried 1. und 2. Akt, Tristan, dann eine Lesung zu den Meistersingern, Götterdämmerung, Parsifal.
    Kuhn behauptet, daß die musikalischen Zusammenhänge vom Zuhörer nur erkannt werden, wenn er die Teile des Rings in unmittelbarer Folge hört. Und dass das unmöglich ist, wenn z.B. zwischen Walküre und Siegfried 2 Tage Pause liegen.


    Na, da bleibt ja nur, der Truppe viel Erfolg zu wünschen. Ist das ein Vorurteil zu vermuten, daß bei solchen "Marathon" die Qualität auf der Strecke bleibt oder bleiben kann? Köln spielt in der nächsten Spielzeit 2 Zyklen, einer dauert 2 Tage (und die Karten für den 2-Tage-Ring kosten btw ein Vermögen...).


    Leicht verdatterte Grüße
    Sophia

  • Der Böhm-Ring war schon was Besonderes,weil es der Altmeister verstand,aus den Individualkünstlern ein prächtig harmonisierendes Ensemble zu schmieden.
    Und Windgassens Höhepunkt?Ich glaube,Wolfgang W.aus Bayreuth würde sich die Finger lecken,heute nochmal einen solchen Siegfried namens Wolfgang W.aus Stuttgart verpflichten zu können.


    Doch vergeßt bitte nicht den Jahrhundert-Ring von P.Boulez.Ein trefflicheres Wälsungenpaar als Jeanine Altmeyer/Peter Hofmann kenne ich nicht.Und Zedniks Loge war eine Klasse für sich.Gwyneth Jones als Brünnhilde sehr glaubhaft und bühnenpräsent.Das Siegfried-Problem mit Jung freilich schon damals.Und bis heute nichts Besseres in Sicht.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo zusammen,


    ich möchte doch etwas näher auf den bisher nur kurz angesprochenen Josef Keilberth eingehen, u. a. schon deswegen, weil von ihm – wenn ich nicht irre – inzwischen 3 Bayreuther „Ringe“ vorliegen, soeben bei ORFEO erschienen der späteste von 1956, den ich nicht kenne.
    2001 bot in letzter Zeit zum Spottpreis (30 €) den Mitschnitt aus dem Jahr 1953 (erschienen bei GEBHARDT) an, technisch in für damalige Zeit hervorragender Qualität, einziges Manko ist eine allerdings indiskutable Drehstelle im 2. Akt der „Walküre“ (Nichts lerntest du – NEUE CD – wollt ich dich lehren, was nie du erkennen kannst).
    Keilberth geht das Ganze mit relativ flotten Tempi und höchst dramatisch zupackend an, Theater pur eben (halt ohne Retouschen), keine ausgeklügelt ästhetische Farbpalette wie bei Karajan – und natürlich auch kein opulenter Stereo-Sound sondern solides Mono.
    Die Sänger sind das beste, was Bayreuth damals zu bieten hatte. Martha Mödl als Brünnhilde in Topform mit leuchtenden Höhen und in der Empfindung ohnehin kaum übertroffen. Hotters Wotan hat fast schon überdimensionale Größe und stimmliche Wucht, kein Vergleich zur erst Mitte der 60er entstandenen Solti-„Walküre“ (Lieber Alfred, darf ich Dich da korrigieren: beim Solti-Ring stammt nur das „Rheingold“ von Ende der 50er, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ kamen dann Anfang der 60er und die „Walküre“ zum Schluß – da war ihm Leinsdorf zuvorgekommen. Und in Zeiten, in denen allein eine „Walküre“ locker über 100,- DM kostete, war der Markt für die „Zweitaufnahme“ eng).
    Dazu der – egal unter welchem Dirigenten – unschlagbare Gustav Neidlinger (Alberich), Greindl – damals noch im Vollbesitz seiner Kräfte – als Fafner, Hunding und Hagen, Hermann Uhde für Donner und Gunther, Paul Kuen als im Volumen fast schon heldentenoraler Mime. Etwas gemischt die Wälsungen, Ramon Vinay sicherlich besser als 1957 unter Knappertsbusch, stimmfrischer und mit den rascheren Tempi deutlich besser bedient. Regina Resnik (damals war sie noch Sopran) fällt als Sieglinde dagegen ab, solide gesungen ja, viel mehr nein. Über den Siegfried von Wolfgang Windgassen werden die Meinungen wohl immer auseinander gehen, mir ist die Stimme gerade für den Jung-Siegfried zu trocken und schmal, die Gestaltung zu intellektuell.
    Wer da dieselben Probleme hat, der ist vielleicht mit dem ursprünglich bei der italienischen Firma PARAGON auf CD erschienenen „Ring“ von 1952 besser bedient (technisch ebenfalls höchst anständig, ein paar Abstriche beim „Rheingold“. In dem Jahr hatte Wieland Wagner den Siegfried aufgeteilt. Und so hört man im „Siegfried“ Bernd Aldenhoff, lyrisch klangvoll, auch er kein „echter Helde“, aber eben doch deutlich jünger klingend als Windgassen und mit dem entschieden besseren Legato. Für den alten Siegfried trat noch einmal Max Lorenz an, mit all seinen rhythmischen Ungenauigkeiten und in der Melodei manchmal recht frei. Aber was für ein Feuer! Die Brünnhilde dazu ist diesmal Astrid Varnay.
    Leider ist auch hier das Wälsungen-Paar gemischt, nicht die jugendlich höhensichere und klangschöne Inge Borkh (meines Wissens die einzig existierende Sieglinde von ihr); aber Günther Treptow, den ich bei Furtwänglers Scala-Mitschnitt so eben noch goutiere, klingt alt und abgesungen, die Vokalverfärbungen überschreiten das Maß des Erträglichen.
    Ebenfalls aufgeteilt ist hier der Wotan, der im „Rheingold“ vom jugendlich ungestüm klingenden Hermann Uhde gesungen wird. Daneben zwei Raritäten: der kurz darauf tödlich verunglückte Werner faulhaber als Donner und Windgassen als Luxus-Froh (da klingt die „Brücke“ ein Jahr später bei Gerhard Stolze doch arg quäkig.


    Einen schönen Abend noch
    Hartmut

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