Wann geht der nächste Schwan? - Richard Wagner: Lohengrin

  • Liebe Forianer,


    Das Libretto zu dieser Oper stammt, wie bei Wagner Opern üblich - von Richard Wagner. Natürlch holt er sich den Stoff, wie so oft, aus alten Quellen, verändert dan jedoch die Inhalte, vermengt einiges und daraus entsteht dann ein waschechter Wagner. Man hat Wagners Texxten schon viel schlechtes nachgesagt, jedoch gemessen an vielen anderen Librettisten macht er eher eine gute Figur, die Opern verstehen auch heute noch, abgesehen von ihrer musikalischen Substanz, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.
    Musikalisch, daß müssen heute auch Wagner-Gegner einräumen, sind sie ohnedies über jede Kritik erhaben.
    Dennoch - Es gab viele gute Opern im 19. Jahrhundert, seien sie von Meyerbeer, Gounod oder Ponchielli um nur einige zu nennen, aber an den Erfolg von Wagner reichen sie nicht heran.Warum das so ist? Genau wissen wir es nicht, aber sicher spielte auch die Auswahl der Stoffe und das Optimale zusammenspiel von Text und Musik eine Rolle.
    Und natürlich nicht zuletzt Bühnenbilld und Kostüme, wo Wagner auch Einfluß darauf nahm, ganz im Sinne des von ihm propagierten "Gesamtkunstwerks"
    Die Uraufführung fand am 28. August 1850 in Weimar statt und war kein allzugroßer Erfolg, man respektierte das Werk, ohne daß man eigentlich etwas damit anfangen konnte, wahrscheinlich war es zu gewaltig. Dennoch setzte sich die Oper in den nächsten Jahren am Spielplan durch uind brachte es zu ungeahnter Popularität.Zeitlich liegt Lohengrin zwischen "Tannhäuser" und dem "Tristan", (der folgte allerdings erst 15 Jahre später)
    Wir sehen es heute als selbstverständlich an, daß es etliche Aufnahmen des Werkes gibt, aber eigentlich wurden die ersten Gesamtaufnahme erst relativ spät realisiert, weil auf Schellak war ein ca 4 Stunden dauerndes Werk kaum denkbar......


    Und nun frage ich nach Euren liebsten Protagonisten, euren Zugang zur Oper (meiner ist noch keine 12 Monate alt, Wagner und Mozart, das verträgt sich schwer.....) und welche Aufnahmen ihr zu Euren Lieblingen zählt


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred,


    auch wenn Wagner zu meinen Lieblingskomponisten gehört, ist "Lohengrin" doch eine der Opern des "Meisters", die mir nicht so nahe stehen. Das liegt wohl vor allem daran, daß sie mir zuviel "Staatsmusik" enthält, d.h. Aufmärsche, Chöre, Fanfarengeschmetter usw., die auf den ersten Blick zwar ganz aufregend sind, aber den Zuhörer aber auf die Dauer ermüden können (allerdings ist der "Rienzi" dahingehend noch schlimmer...).


    Sei´s drum - die Oper enthält auch viel Schönes (Lohengrin-Arien, Elsa-Arien, Brautgemach-Szene) und Spannendes (Szene Telramund-Ortrud, "Entweih´te Götter!"), daher meine Empfehlungen:


    Grundstock jeder Sammlung sicherlich diese Aufnahme:



    Kempe dirigiert die großartigen Wiener Phil. angemessen bewegt, ohne das Ganze zu sehr anzuheizen. Thomas schlägt sich wacker (trotz merklichem Akzent), Grümmer ist eine ideale Elsa (auch wenn die Aufnahme für sie ein wenig spät kam), Ludwig eine furchterregende Ortrud und bei Fi-Di´s Telramund kann man, im Gegensatz zu vielen anderen seiner Opernrollen, wirklich nicht meckern.

    Dazu als Ergänzung:



    Keilberth erweist sich auch in dieser Aufnahme wieder einmal als höchst kompetenter Kapellmeister, der es nicht nötig hat, sich in den Vordergrund zu spielen, allerdings dirigiert er im 3. Akt m.E. viel zu langsam. Windgassen am Anfang seiner Bayreuther Karriere gut, aber etwas blaß, Steber ist erstklassig, doch das eigentliche Ereignis sind Varnay und Uhde als "böses Paar": ihre Szene im 2. Akt läßt einem fast das Blut in den Adern gefrieren; insbesondere Uhde macht deutlich, wie sehr Telramund, zwischen Ekel und Faszination hin- und hergerissen, seiner Gattin hörig ist.


    Unbedingt hören sollte man auch den vielleicht größten Wagner-Tenor, der jemals gelebt hat: Lauritz Melchior. Diese Aufnahme unter Fritz Busch ist sehr empfehlenswert ist, man hört kaum, daß Melchior bereits 56 Jahre alt ist...

    Bei einigen Spezialversendern gibt es vielleicht noch den Mitschnitt der Bayreuther Aufführung von 1958 (unter Cluytens) mit dem vielleicht besten Lohengrin der Nachkriegszeit, Sandor Konya. Der Ungar geht die Rolle sehr italienisch an mit der berühmten "Träne im Knopfloch" (und manchem sentimentalen Drücker), aber insgesant eine gesanglich höchst beeindruckende Leistung in einem ebenfalls großartigen Umfeld (de los Angeles, Gorr, Blanc).


    Abraten möchte ich eher von dem Reichsrundfunkmitschnitt von 1942 (unter Heger). Völker, einer der größten Lohengrin-Sänger, ist nicht in guter stimmlicher Verfassung, Maria Müller ist definitiv zu alt für die Elsa und Prohaska schreit sich durch den Telramund. Einzig Margarethe Kloses Ortrud macht die Aufnahme interessant...


    Eine weitere Warnung vor der Solti-Aufnahme. Ein typisches Produkt der "fetten" 80er, als man vornehmlich auf "Star-Power" setzte. Um Einwänden vorzubeugen: Ja, Domingo singt wunderschön, doch wäre es noch schöner, wenn er wüßte, was er singt. Normans schwerer Sopran erdrückt ihre Rolle förmlich, während Randova zu wenig aus der Ortrud macht. Fi Di´s Auftritt als Heerrufer bedeckt man am besten mit dem Mantel des Schweigens. Allerdings macht Solti seine Sache recht gut (er hat ja auch die Wiener!).


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat von GiselherHH

    Eine weitere Warnung vor der Solti-Aufnahme. Ein typisches Produkt der "fetten" 80er, als man vornehmlich auf "Star-Power" setzte. Um Einwänden vorzubeugen: Ja, Domingo singt wunderschön, doch wäre es noch schöner, wenn er wüßte, was er singt. Normans schwerer Sopran erdrückt ihre Rolle förmlich, während Randova zu wenig aus der Ortrud macht. Fi Di´s Auftritt als Heerrufer bedeckt man am besten mit dem Mantel des Schweigens. Allerdings macht Solti seine Sache recht gut (er hat ja auch die Wiener!).


    Vollkommen korrekt, Giselher. Die Solti-Aufnahme ist für mich eine der beiden ganz großen "Sünden" des von mirsehr geschätzten Dirigenten. Die andere ist der "Otello" mit vollkommen fehlbesetzten Leo Nucci und Luciano Pavarotti!


    Sei's drum, ist nicht das Thema.


    Mein Favorit ist ebenfalls die Aufnahme mit Rudolf Kempe. Die "Boshaftigkeit" des Ehepaares Ortrud-Telramund durch Christa Ludwig und Fischer-Dieskau wird wohl schallplattentechnisch unerreicht bleiben.


    Mehr als eine Alternative ist


    Peter Seiffert ist für mich der Wagner Tenor unserer Tage. Auch alle anderen männlichen Partien sind sehr gut besetzt, wobei mir René Pape als König Heinrich besonders gut gefällt. Emily Magee überzeugt als unschuldige Elsa, Deborah Polaski weniger als Ortrud.
    Barenboim hat zwar nicht Soltis Temperament oder Kempes "Vorwärtsdrang", aber er dirigiert die Berliner Staatskapelle sehr flexibel und einfühlsam.


    Als "Schmankerl" wird hier die vollständige Gralserzählung gesungen, inkl. zweiter Strophe, die so gut wie immer gestrichen wird.


    Bis auf eine ganz große Einschränkung zählt diese Aufnahme zu meinen liebsten:


    Gundula Janowitz singt für mich die "unschuldigste" aller Elsas, Karl Ridderbusch den "väterlichsten", wärmsten aller Könige, James Kings' Timbre mag man oder nicht, ich mag's und somit auch seinen Lohengrin, Thomas Stewart als Telramund und Gerd Nienstedt sind absolut gute Besetzungen, Rafael Kubelik bringt das SO des Bayer. Rundfunks zum Blühen und leuchtet alle Facetten der Partitur wunderbar aus und da, ja dann hört man das erste Mal die Ortrud der Gwyneth Jones und möchte abschalten!
    Sie findet sich stimmlich überhaupt nicht in der Rolle zurecht und singt dazu noch sehr unverständlich, so daß ein kaum erträglicher Klangbrei heraus kommt. Schade!

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Hallo Oliver,


    Es ist kein Sprichwort, sondern beruht angeblich auf einer wahren Begebenheit.
    Leo Slezak, einer der gefeiertsten Wagner Tenöre und bekannt für seinen derben unverwüstlichen Humor, hatte dereinst bei einer Aufführung des Lohengrin ein Timing-Problem.
    An der Stelle, wo er den Schwan besteigt um endgültig heimzukehren, war er einige Sekunden zu spät dran, will heißen er stieg nicht zeitgerecht auf den von 2 Bühnenarbeitern gezogenen Schwan.
    Diese bemerkten den Fehler des Sängers nicht und zogen den Schwan zeitkonform zur Musik, aber leer von der Bühne.
    Eine peinliche Situation - quasi ausweglos.
    Nicht jedoch für Slezak: Nach einer Schrecksekunde ging er an die Rampe und fragte laut: "Wann geht der nächste Schwan?"


    Ich seh, daß ich den alten Thread, mit den Anekdoten doch wieder aus der Mottenkiste holen werde, da gibt es etliche solcher Erinnerungen. ;)


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred,


    Zitat

    Zeitlich liegt Lohengrin zwischen "Tannhäuser" und dem "Tristan", (der folgte allerdings erst 15 Jahre später)

    das stimmt so nicht. Nach dem Lohengrin kommen Rheingold, Walküre und der halbe Siegfried. Erst dann komponiert Wagner den Tristan.

  • Hallo Theophilius,


    Schön, daß einer aufpasst: Ja Du hast recht, Wagners Veröffentlichungen gingen nicht konform mit dem Entstehen der Werke.


    Ich hätte das anders formulieren müssen... :)


    Gruß aus Wien


    Alfred

  • hallo,


    für mich war Lohengrin meine erste Wagner-Oper und damit mein Verhängnis :D


    Ohne zu wissen, was auf mich zukommt, kaufte ich mir am Nachmittag vor einer Radio-Live-Übertragung das Textheft, setzte mir am Abend Kopfhörer auf hörte Wagner. 4 Stunden später war ich ein anderer Mensch!
    Ich kann mich noch gut erinnern, welche unglaublichen Schauer mir die Musik bei der Ankunft Lohengrins durch den ganzen Körper jagte.
    Wenn die Musik auch mit jener des Tristan, des Parsifal und der Meistersinger noch nicht ganz mithalten kann, liegt mir diese Oper bis heute besonders am Herzen. Besonders der 1. Akt ist ein dramaturgischer Geniestreich vom ersten Takt an.


    Auch ich votiere ganz klar für die bereits empfohlene Kempe-Aufnahme:


  • Hallo!


    Bin zwar kein Wagnerianer, aber kann es vielleicht noch werden :D


    Eingestiegen bin ich mit der Götterdämmerung die mir nicht wirklich gefallen hat. Ein Jahr später kaufte ich mir den Lohengrin mit Schock, Metternich, Frick ua. vor allem wegen der Sänger.


    Ich hörte ihn mir kurz darauf an, und war begeistert. Vor allem das Finale des ersten Aktes, der Auftakt des zweiten Aktes und der so bekannte Brautchor haben es mir angetan.


    Seitdem mag ich Wagner sehr und werde mir demnächst wohl einen neuen Wagner zulegen.


    Mfg Joschi

  • Hallo Joschi


    Zitat

    Eingestiegen bin ich (bei Wagner) mit der Götterdämmerung die mir nicht wirklich gefallen hat.


    Das nennt man "das Pferd von hinten aufzäumen"! ;):stumm: :wacko:

  • hallo,


    Meine 1. Lohengrin-Aufnahme ist diese hier gewesen:



    Abbado dirigiert die Wiener Philharmoniker - S. Jerusalem, K. Moll, H. Welker, C. Studer (Elsa), W. Meier (Ortrud)


    Diese Einspielung hat mir lange Zeit sehr gefallen, vor allem auch weil sie eine Studioaufnahme ist und ich zum Kennenlernen einer neuen Oper nur selten Live-Mitschnitte vorziehe.


    Vor 3 Jahren jedoch, als ich den Lohengrin zum erstenmal auf der Bühne (Bayreuth) erleben durfte, bin ich auf diese Aufnahme gestossen, welche mir nun die Liebste ist.


    Sie wurde von Decca neu aufgelegt und ist eine Live-Einspielung aus Bayreuth 1962.


    Wolfgang Sawallisch,


    Lohengrin - Jess Thomas
    König Heinrich - Franz Crass
    Elsa - Anja Silja
    Friedrich - Ramon Vinay (der eindrückliche Tenor aus vergangenen Tagen)
    Ortrud - Astrid Varnay


    Von dieser krieg ich seither kaum genug. Es gibt Zeiten, da hör ich sie wochenlang und freue mich jedesmal wieder an der schönen Musik, den Tempi, so wie ich es gern hab und schlicht an den wunderschönen Stimmen.


    Gruss
    Christoph

  • Zu der Sawallisch Aufnahme habe ich ein eigenartiges Verhältnis: Die Sängerleistungen sind teilweise sehr schlecht (Ich meine mich zu erinnern, daß WW sie zunächst nicht zur Veröffentlichung freigeben wollte); Thomas hat neben Sprachproblemen extreme Schwierigkeiten mit der Höhe; Silja ist teilweise schrill; Vinay ist als Telramund unidiomatisch und singt häufig schlicht falsch; auch Varnay hat bessere Zeiten gesehen; die Huster sind in dieser Aufnahme besonders störend. Und doch: Der Mitschnitt hat Atmosphäre. Spannung, Dramatik und jenen "Zauber", der gerade bei Lohengrin unverzichtbar ist und mir bei den Studioaufnahmen fehlt, die häufig in Sterilität abgleiten. Liegt wohl an Sawallisch, dessen Holländer und Tannhäuser Mittschnitte auch zu meinen Favoriten gehören. Speziell für den, der das Glück hatte, in Bayreuth zu sein, ist das ein Aufnahme,, die zumindest einen Abglanz des genius loci akustisch heraufbeschwört.

  • Hallo Misha,


    kann es sein, dass Du eine andere Aufnahme kennst oder hast Du das Glück (was mir leider nicht beschieden ist) des absoluten Gehörs, dass Du die absolute Reinheit des Klanges erkennen kannst?
    Also ich habe weder diese und auch sonst noch nie eine Aufnahme seziert, um heraus zu finden, ob alles nach Vorgabe geschieht. Drum kann ich nicht bestätigen ob all diese Macken wirklich vorhanden sind. Und so eine Aussage:

    Zitat

    Die Sängerleistungen sind teilweise sehr schlecht

    ist doch ein bisschen heftig. 8o


    Ich denke das Problem liegt in der immer gleichen Kontrverse: der Reinheit des Klanges, diese kann aber nur in einem Studio und nach unzähligem Abmischen beinahe erreicht werden. Dafür sind Studio-Produktionen oft enorm steril (es soll sogar sehr berühmte [spanische] Tenöre geben, die sich ihre angekratzten hohen Töne von jüngeren, unbekannten Tenören, mit ähnlicher Klangfarbe, ersetzen bzw ergänzen lassen!...).
    Dagegen sind die Live-Aufnahmen voller Emotionen und Spannung, weil es genau die Atmosphäre jenes einen Tages wiedergeben und es nun einmal keinen Menschen auf Erden gibt, der immer den besten Tag seines Lebens hat. Anders gesagt, ich glaube kaum, dass es je die perfekte Opern-Live-Einspielung gibt bzw je geben wird. Dafür sorgt allein schon die Nervosität eines Sängers - auch Profis leiden darunter.


    Ich habe ca 2/3 meiner CD's als Live-Aufnahmen und ich kann von keiner behaupten, dass sie rein ist oder gar perfekt. Da sind immer wieder Huster drin; Soufleure, die den Text so laut vorsprechen, dass man es hören kann; Uhren, die in der Nähe der Mikrofons ticken; Sänger, die sich als Solisten oftmals gar viele rhythmische Freiheiten nehmen und hinter dem Orchester hersingen; oder Fremdsprachige Sänger, die wie z.B. Jussi Björling sehr gut Deutsch gesungen haben aber kein Wort verstanden haben, weil sie nie Deutsch gelernt haben.
    Aber Du hast durchaus recht, das enorme gehuste (mitten im Sommer) während der zarten Ouvertüre ist mega störend und es zeigt, dass das Publikum damals noch nicht dieses Bedürfnis nach der Reinheit des Klanges hatte.
    Digitale Welt hin oder her - vielleicht wäre es besser, wenn man nicht alles digitalisieren könnte... oder dann diese Huster und Unreinheiten raus zu retouchieren!



    Gruss
    Christoph

  • Hallo Christoph,


    ich wollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass die Sawallisch Aufnahme trotz oder vielleicht wegen ihrer sicher festzustellenden Mängel im Detail (die Höhenprobleme von Thomas sind m.E. unüberhörbar) in der Summe aus den genannten Gründen auch mein Favorit ist. Thomas ist z.B. bei Kempe sicher besser in Form, aber dieser erstklassigen, oft als Referenz genannten Aufnahme haftet doch etwas sterile Studioatmosphäre an. Sehr gut gefällt mir übrigens die z.Zt. bei Walhalla recht preiswerte Aufnahme unter Schüchter mit Schock und einem herausragenden Metternich als Telramund.
    Deiner Ansicht über Liveaufnahmen stimme ich uneingeschränkt zu.

  • hm - irgendwie muss es da zwei verschiedene Aufnahmen geben aus Bayreuth 62, denn alle Vorwürfe, die hier gemacht werden, kann ich in meiner Ausgabe nicht hören. Und dass ich dieser Aufnahme lediglich die Bayreuth 58 von Myto vorziehe, liegt einzig allein an meiner geliebten Leonie, nicht an Cluytens, nicht an Eberhard Wächter und schon gar nicht an Sándor Kónya.



    Liebe Grüße
    Martin alias Zeus0043

  • Hallo Tamonianer,


    bei dieser Diskussion würde mich interessieren, ob jemand von euch schon die 51er Aufnahme mit Peter Anders in der Titelrolle und dem WDR-Sinfonikern unter Richard Krauß gehört - eine Mono-Aufnahme, die jahrelang in den WDR-Archiven fast vergessen war und inzwischen auf 4 CDs erschienen ist. Nicht nur Anders gefällt mir gut, auch der straffe und frische Orchesterklang (eher "entmythisierend") tut das Seine dazu.


    Grüße
    Knight

  • Lieber Giselher ,


    ich habe unter Mitnahme meiner Eltern ( also umgekehrt natürlich ) 1960 Lohengrin in Bayreuth erleben können : Maazel ; Windgassen oder Konya ; Grümmer ; Varnay !
    Wahrscheinlich nicht überboten.
    Grossartig auf LP und CD Erich Leinsdorf mit Konya ( RCA )! Eine sehr gute Hör- und Kaufempfehlung!


    Beste Grüsse
    Frank

  • Lieber Frank,


    da beneide ich Dich wirklich, daß Du diese tolle Inszenierung von Wieland Wagner (mit dem wunderbaren Schwan von Ewald Mataré) sehen durftest - ein Traum in Blau und Silber! (ich habe leider nur Fotos gesehen, die waren aber auch schon beeindruckend).


    Die Leinsdorf-Einspielung finde ich zwar nicht ganz so toll wie Du (Rita Gorr hatte bei der Aufnahme wohl nicht ihren besten Tag), aber sie lohnt sich wegen Konya (auch wenn sie ein bißchen spät für ihn kam) und wegen der ungestrichenen Grals-Erzählung (erste Stereo-Einspielung).


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Beim Zusammentreffen von Elsa und Ortrud im 2. Akt des "Lohengrin" singt Ortrud:


    "In ferner Einsamkeit des Waldes,
    wo still und friedsam ich gelebt,
    was tat ich dir? Was tat ich dir?
    Freudlos, das Unglück nur beweinend,
    das lang belastet meinen Stamm,
    was tat ich dir? Was tat ich dir?"


    Hat vielleicht jemand eine Partitur und weiß, welches (Holzblas-)instrument sich hinter der Stelle verbirgt daß hier die Melodie spielt? In was für einer Tonart steht denn diese Musik, sie klingt auch beim wiederholten Hören des 2. Aktes vollkommen anders als der Rest dieses Aktes.
    Das ist jetzt ein bißchen unverhofft und aus dem Zusammenhang gerissen und der Lohengrin kommt selbst für mich überraschend ?( , da sollte ein anderer Wagner gestern noch den Vorrang haben...


    Sophia

  • So, jetzt war ich in der Bücherei und habe mal nachgeschaut (und bin mit einer geliehenen Partitur des Freischütz` und Holländers` raus, wo soll das bloß enden =) ). Wen das noch interessiert: das Orchester beginnt an der o.g. Stelle nur mit Englischhorn und Bassklarinette, die Tonart ist B-Dur. Jetzt muß ich nur noch überlegen, was das zu bedeuten hat...


    Sophia

  • Hallo!!


    Hab mir vor kurzem einen hier schon empfohlenen Lohengrin zugelegt. Es ist der mit Wolfgang Windgassen, Eleanor Steber, Astrid Varnay und Hermann Uhde aus 1953 unter Keilberth. Die Aufnahme hat mir um einiges besser gefallen als meine erste mit Schock, Klose, Cunitz und Metternich. Allerdings muss ich schon sagen, dass mir Schock um einiges besser als Windgassen gefallen hat, auch wenn mich die Wagnerianer jetzt hassen und mich hauen wollen :D :D :stumm: :stumm:


    Bin mir sicher, dass das nicht mein letzter Lohengrin gewesen sein wird.


    LG joschi

  • An der Kempe Aufnahme hab ich ein Narren gefressen.
    Gehöre zu denen die in Berlin an der Deutschen Oper Berlin die Wieland Wagner Inszenierung gesehen hat.
    Es war damals ein Buh Orkan für Wieland Wagner und Anja Silja bei der Premiere. (1961)
    Später dann Elisabeth Grümmer und fast immer Christa Ludwig als Ortrud aber auch Ruth Hesse und Telramund Gustav Neidliner und Walter Berry.
    Jess Thomas und James King!
    Es war eine stimmungsvolle und sehr gelungene Inszenierung.


    Sehr viel später an der Staatsoper Wien die Inszenierung von Herz fand nicht so meinen Beifall, aber immer sehr gute Bestzungen u.a. mit Domingo als Rollendbüt.


    Als alter "Lohengrin" Fan deshalb die Kempe Aufnahme.
    :hello:

  • Zitat

    Original von DonBasilio
    Hab mir vor kurzem einen hier schon empfohlenen Lohengrin zugelegt. Es ist der mit Wolfgang Windgassen, Eleanor Steber, Astrid Varnay und Hermann Uhde aus 1953 unter Keilberth. Die Aufnahme hat mir um einiges besser gefallen als meine erste mit Schock, Klose, Cunitz und Metternich. Allerdings muss ich schon sagen, dass mir Schock um einiges besser als Windgassen gefallen hat, auch wenn mich die Wagnerianer jetzt hassen und mich hauen wollen :D :D :stumm: :stumm:


    Ich bin kein Wagnerianer, aber das glaube ich Dir sofort. Schock mutierte irgendwann zu Omas Liebling mit Operetten und Volksliedern, aber er hat offensichtlich eine viel schönere Stimme als Windgassen und für Walter, Lohengrin u.a. durchschlagskräftig genug. Windgassen ist v.a. deswegen berühmt, weil es in den 60ern kaum noch "schwere" Heldentenöre gab, also mehr oder minder faute de mieux...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo ihr Schwanenritter,die Vogelgrippe hat zugeschlagen!!!


    Windgassen hat nicht nur 1953 den Lohengrin eingespielt, sondern unter Jochum ein Jahr später an gleicher Stelle mit Nilsson, Varnay, Uhde und Adam.
    Hört euch erst diese Aufnahme an, dann urteilt nochmal.

  • Zitat

    Ich bin kein Wagnerianer, aber das glaube ich Dir sofort. Schock mutierte irgendwann zu Omas Liebling mit Operetten und Volksliedern, aber er hat offensichtlich eine viel schönere Stimme als Windgassen und für Walter, Lohengrin u.a. durchschlagskräftig genug. Windgassen ist v.a. deswegen berühmt, weil es in den 60ern kaum noch "schwere" Heldentenöre gab, also mehr oder minder faute de mieux...

    Ja es ist richtig, dass Windgassen wegen seines Heldentenores berühmt wurde, aber in meinem Lohengrin hört man ihn kaum heraus. Greindl und Uhde singen ihn in Grund und Boden, vor allem im Finale des ersten Aktes.
    Schock hingegen hat eine charismatischere Stimmfarbe und wirkt als Lohengrin agiler, nicht so vortragend, wie Windgassen oder Melchior, die fast statisch wirken.
    Ich möchte Leben in den Opern und daher bevorzuge ich Schock oder Lorenz im Wagnerfach.



    Zitat

    Schock mutierte irgendwann zu Omas Liebling mit Operetten und Volksliedern

    Das mag schon richtig sein, immerhin hat es seiner Popularität geholfen und er hat diese genutzt, um Menschen zur Oper hinzuführen. So auch meine Oma, der ich immer wieder neue Opernaufnahmen organisieren muss. Ich kaufe die Cds und sie finanziert einen Teil davon, weil sie sie oft mehr hören will als ich.


    Soviel dazu.


    LG Joschi

  • Zitat von DonBasilio

    aber in meinem Lohengrin hört man ihn kaum heraus. Greindl und Uhde singen ihn in Grund und Boden, vor allem im Finale des ersten Aktes.
    LG Joschi


    Hallo Joschi!


    Windgassen war bekannt als ein immer sehr ökonomisch haushaltender Sänger, der sich - wie viele andere Lohengrin-Interpreten vor und nach ihm - im Finale des 1. Aktes schonte, wo man den Lohengrin sowieso kaum hört. Wozu sich also hier verausgaben, wenn die Partie noch lang ist?


    Eine Ausnahme von dieser Regel bildete vor vielen, vielen Jahren Peter Seiffert bei seinem ersten Lohengrin in Berlin, der selbst im Finale I so "volle Pulle" sang, daß ich erstmals hörte, was sonst in den Ensembles unterzugehen pflegt.


    Sune

  • Hallo!!


    Aber Schock hört man, aufgrund seiner Charakteristischen Stimme trotz "Sparflamme" heraus!! Windgassen hört man hingegen fast gar nicht, wenn ich nicht wüsste, dass er im Finale überhaupt dabei ist, hätte ich gedacht, er ist von der Bühne abgegangen.


    LG Joschi

  • Zitat von DonBasilio

    Windgassen hört man hingegen fast gar nicht


    LG Joschi


    Ich habe um Windgassens Lohengrin immer einen Bogen gemacht. Bei allen Verdiensten, die W. sich um den Wagnergesang erworben haben mag: Sein Timbre gefällt mir nicht, er klingt für mich immer "ältlich" und "säuerlich". Bei Lohengrin könnte ich das am wenigsten ertragen.


  • Außerdem ist es der Titel eines Buches von Walter Slezak (dem Sohn von Leo Slezak) mit dessen Erinnerungen an seinen berühmten Vater.