Guter Stoff für ein Libretto?

  • Hallo alle zusammen!
    Für eine Lehrveranstaltung, die ich dieses Semester besuche, bin ich auf der Suche nach einem Stoff, der sich gut als Opernlibretto eignet und möglichst noch nicht vertont wurde.
    Mein erster Gedanke war "Schlafes Bruder", doch ich hätte es ahnen müssen: auf diese Idee ist natürlich bereits vor mir jemand gekommen.
    Woher der Stoff kommt ist dabei sekundär, es kann sich also um jedes beliebige Werk aus der Literatur handeln oder auch um mythische Stoffe. Wichtig ist nur, aber das muss ich euch vermutlich gar nicht sagen, dass etwas "passiert", es also eine Handlung gibt, die möglichst komprimiert ist oder sich komprimieren lässt.
    Bin dankbar für jegliche Inspiration


    liebe Grüße
    Cassiopeia

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Hallo!


    Einfach mal das Geschichtebuch aufschlagen und du findest hunderte interessante potentielle Sujets.


    Herrscherlisten durchsehen und anschließend die Biografie des jeweiligen Herrschers durchlesen... ganz spontan fiele mir da Johanna "die Wahnsinnige" oder das Leben König Wenzels oder noch viel, viel mehr.


    Eventuell blätterst du das Forum durch, du findest sicher einige interessante Threads.


    LG joschi

  • vielen Dank, Zwielicht, genau sowas hatte ich gesucht!! Dann werde ich mich da mal durcharbeiten! Und falls jemand weitere zündende Ideen hat, immer gerne :)

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Oh nein Herr der Ringe als Oper , na ob man da die komplexen Gefühle, die Tolkien beschreibt, adäquat rüberbringen kann...? :D Die Vertonung seiner Gedichte hätte allerdings sicher einiges an Unterhaltungswert. :baeh01:


    Mal im Ernst, da sowohl Büchners Wozzek als auch Danton schon vertont sind, was bleibt da noch übrig ausser Stendhals Rot und Schwarz? Julien Sorel ist doch ein wunderbar zwiespältiger Charakter, die Szene in der er den Abbé, seinen Ziehvater, anlügt; die Not mit der er aus der Nähe seines richtigen Vaters fliehen möchte. Sein Ritt als Edelmann durch Verrieres, das Pistolenduell und schliesslich der Schuss auf Frau de Renal. Und wenn nicht als Oper, dann vielleicht wenigstens als Programmmusik im Stil von Pelleas und Melisande.


    Gruß, Max
    :hello:

    Sie werden Shakespeare erst richtig genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen.

  • Julien Sorel gibt es schon - als Ballett in Düsseldorf, 7 x im Juni d.J.:

    Julien Sorel

    Ballett von Youri Vàmos
    Musik: Sir Edward Elgar
    Bühne Düsseldorf


    Besetzung:
    Dirigent: Wen-Pin Chien
    Choreograph: Youri Vàmos
    Orchester: Düsseldorfer Symphoniker


    Julien: Valerio Mangianti
    Madame de Renal: Kaori Morito
    Mathilde de la Mole: Suzanna Kaic


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Vaussure de Villeneuve
    Oh nein Herr der Ringe als Oper , na ob man da die komplexen Gefühle, die Tolkien beschreibt, adäquat rüberbringen kann...? :D Die Vertonun
    :hello:


    Mein lieber Villeneuve,


    aber warum denn nicht? Hierzulande wurde vor etlichen Jahren der kleine Hobbit bereits zum Musicalsujet, da bietet sich doch das epische Bombastikon als Libretto geradezu an.


    "Eine Oper sie zu knechten,
    sie alle zu finden,
    ins (musikalische) Dunkel zu treiben
    und ewig zu binden." :D


    :hello:
    Wulf

  • Ich wollte gerade schreiben, daß ich Michael Endes "Momo" gerne mal als Oper hören würde - da fiel mir ein, daß es die bereits gibt, nämlich von Mark Lothar. Kennt jemand das Werk und gibt es davon eine Einspielung, die man empfehlen kann? Ich weiß, das ist ein bißchen off-topic, aber da die Threadstarterin auch noch "Cassiopeia" heißt, konnte ich nicht widerstehen!


    :hello:
    M.

  • Liebe Cassiopeia!


    Ich bin ja nach wie vor (wie schon im alten Thread) für Richard III.!
    Auch interessant fände ich eine Oper, die das Leben der weströmischen Kaiserin Galla Placidia zum Inhalt hat.
    Was ist das denn für eine coole Lehrveranstaltung?


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Richard III. wäre sicher sehr gut geeignet ABER die Vorgabe meines Dozenten ist: Kein Drama, das wäre ja zu einfach ;)
    Über Momo hatte ich auch nachgedacht, habe dann aber auch zunächst mal gegoogelt....


    Mir ist heute ein Buch in die Hand gefallen, das ich mal vor ewigen Zeiten für den Englischunterricht lesen musste: Die Dystopie "Der Report der Magd" ( Im Original: The Handmaid`s Tale) von Margaret Atwood... kennt das jemand von euch?

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Die Geschichte kenne ich aus dem Film von Volker Schlöndorff, der damit aber kaum weniger unzufrieden war als das Publikum. Dessen "Libretto" schrieb Harold Pinter, womit, das Natasha Richardson leider verunglückt ist, gleich zwei Schlüsselpersonen des Films nicht mehr unter uns sind. Keine schlechte Gechichte, aber "kein Drama"? Mir wäre das für eine Oper zu komplex.


    Hat eigentlich schon jemand Aldous Huxleys BRAVE NEW WORLD veropert? Ich kenne nur den gleichnamigen "Opera Song" mit Charlotte Church, aber der hat mit dem Buch nichts zu tun.


    Ansonsten wäre mir sowieso eine Komödie lieber, denn die gibt's in der Gattung kaum noch.


    Vielleicht THE LIFE OF BRIAN?


    :hello: Jacques Rideamus

  • Hallo Cassiopeia,

    Zitat

    Mir ist heute ein Buch in die Hand gefallen, das ich mal vor ewigen Zeiten für den Englischunterricht lesen musste: Die Dystopie "Der Report der Magd" ( Im Original: The Handmaid`s Tale) von Margaret Atwood... kennt das jemand von euch?


    Ja. Tolle Geschichte. Als Oper des Dänen Poul Ruders auch auf CD erhältlich.
    Leider...


    Andere Frage: Kann es auch ein nicht freier Stoff sein? Wenn ja: "Krabat".


    Womit ich ein paar Stoffe auspacke, die ich selbst einmal ins Auge gefaßt hatte:
    - Martin Guerre
    - Anna Karenina
    - Abaelard und Heloise
    - Canterbury Tales
    - Gespenst von Canterville
    - Dorian Gray


    Das nur fürs Erste... :D
    :hello:

  • Zitat

    Original von Cassiopeia
    Richard III. wäre sicher sehr gut geeignet ABER die Vorgabe meines Dozenten ist: Kein Drama, das wäre ja zu einfach ;)


    Dass das zu einfach wäre, kann ich zwar nicht ganz nachvollziehen, da ja auch Drama nicht gleich Libretto ist (gut, ich kenne die genaue Aufgabenstellung nicht!), aber Vorgabe ist Vorgabe.
    Damit fällt auch Tschechows "Platonow", aus dem meiner Meinung nach mit Vorteil eine (sehr lange) Oper zu destillieren wäre.


    Was wäre mit "Reise im Mondlicht" ("Utas és holdvilág") von Antal Szerb? Anregungen für die Stimmverteilung: Erzsi - Sopran, Éva - Alt, Tamás - Countertenor oder tenore di grazia, János Szepetneki - Tenor, Mihály - Bariton, Ervin - Bass, Der Perser - Bass...


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Zitat

    Ja. Tolle Geschichte. Als Oper des Dänen Poul Ruders auch auf CD erhältlich. Leider...


    Das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht, dass das schonmal jemand gemacht hat... naja... heißt zumindest man denkt in die richtige Richtung.....


    Und: An Dorian Gray hatte ich auch schon gedacht, aber da war wohl ein gewisser Herr Lowell Liebermann schneller.



    Zitat

    Dass das zu einfach wäre, kann ich zwar nicht ganz nachvollziehen, da ja auch Drama nicht gleich Libretto ist (gut, ich kenne die genaue Aufgabenstellung nicht!), aber Vorgabe ist Vorgabe.


    Ich glaube mein Dozent möchte sehen, ob wir ein Auge dafür haben, wie ein Opernstoff aufgebaut sein muss, damit er sich für die Bühne eignet. Bei (den meisten :D ) Dramen erübrigt sich diese Frage ja.


    Und die vielen genannten Themen werde ich mir mal genauer ansehen, danke :yes:

    "Ja! Ich weiß woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme
    glühe und verzehr' ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse:
    Flamme bin ich sicherlich!"
    (F. Nietzsche)

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Andere Frage: Kann es auch ein nicht freier Stoff sein? Wenn ja: "Krabat".


    Das gibt es schon, als Oper eines gewissen Fredrik Zeller, vor zwei Jahren in Mannheim uraufgeführt (kenne es allerdings nicht). Näheres z. B. hier: "http://www.fredrikzeller.de/komp_detail/Krabat/Krabat%20Kritiken.html".


    Das Buch von Otfried Preußler schätze ich sehr!


    Cassiopeia : Viel Erfolg!

  • Hallo,


    meistens sind ja die besten Bücher alle schon vertont, z.B.


    Kafkas 'Process' (Gottfried von Einem, 1953)
    Kafkas 'Schloss' (Aribert Reimann)
    Endes 'Jim Knopf' (Berg/Wecker)
    Endes 'Unendliche Geschichte' (Siegfried Matthus)


    ...


    Überhaupt wäre das ja mal einen Thread wert, oder?


    Andererseits: Warum nicht öfters vertonen? Metastasios L'Olimpiade erfreute sich m. W. rund 80 verschiedener Notentexte...


    :hello:


    Ulli

  • Hallo Wulf !


    Zitat

    Original von Wulf
    aber warum denn nicht? Hierzulande wurde vor etlichen Jahren der kleine Hobbit bereits zum Musicalsujet, da bietet sich doch das epische Bombastikon als Libretto geradezu an.


    Wegen mir kann es gerne ein musical bleiben.


    Zitat

    Original von Wulf
    "Eine Oper sie zu knechten,


    Ja wahrscheinlich. :D
    Dann werde ich aber zum Ork ! :evil: :baby:


    :hello:

    Sie werden Shakespeare erst richtig genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen.

  • Zitat

    Original von Vaussure de Villeneuve


    Dann werde ich aber zum Ork ! :evil: :baby:


    :hello:


    :wacky:


    Ullis Einwand aufgreifend, frage ich mal vorsichtig in den Raum, warum im Gogol-Jahr ausgerechnet Egk der zumindest mir einzig bekannte bleiben sollte, der den Revisor vertont hat?


    Die Canterbury Tales sind eine fabelhafte Idee - von George Dyson bereits vertont, aber nicht als Oper.


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Cassiopeia
    Richard III. wäre sicher sehr gut geeignet ABER die Vorgabe meines Dozenten ist: Kein Drama, das wäre ja zu einfach ;)
    Über Momo hatte ich auch nachgedacht, habe dann aber auch zunächst mal gegoogelt....


    Mir ist heute ein Buch in die Hand gefallen, das ich mal vor ewigen Zeiten für den Englischunterricht lesen musste: Die Dystopie "Der Report der Magd" ( Im Original: The Handmaid`s Tale) von Margaret Atwood... kennt das jemand von euch?


    Ich habe vor einigen Jahren in der Zeitschrift "Opernwelt" die Kritik zu einer dänischen(?) Oper gelesen: Die Geschichte der Dienerin.


    Hast du bereits überlegt, dass du dich eventuell nicht auf einen ganzen Roman, sondern auf eine Roman-Episode beschränkst, zum Beispiel "Herr der Ringe" die Geschehnisse um Eowyn. In diesem Fall spielt auch keine Rolle, ob jemand bereits die Idee gehabt hat, den Roman zu veropern.


    Eine weitere Möglichkeit - nimm einen (vielleicht nicht besonders bekannten) Film Vorlage, der dir gut gefallen hat und bei dem du dir vorstellen könntest, dass er (mit leichten Änderungen) auch als Oper fungiert.


    Wie wäre es zum Beispiel mit dem Roman "Abbitte"?

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Zitat

    Original von Waltrada


    Wie wäre es zum Beispiel mit dem Roman "Abbitte"?


    Hallo Waltrada,


    McEwans Atonement (Abbitte) ist aber wohl eher ein dramatischer Roman. Wenn ich Cassiopeia richtig verstanden habe, soll es aber eben kein Drama bzw. dramatischer Roman sein.


    :hello:
    Wulf

  • Ich kenne den Roman und ich kenne den Film.


    Ist nach dem Roman inzwischen bereits ein Drama entstanden?
    Soweit ich das verstanden habe, sind lediglich richtige Dramen verboten.


    Ansonsten denke ich mir, dass der Roman als Vorlage für eine Oper durchaus brauchbar sein müsste: eine starke Geschichte um Liebe, Schuld und Sühne, eine überschaubare Anzahl von Hauptfiguren und einen zeitlichen Ablauf, der zwar über Jahre ist, aber gut auf Akte bzw. Bilder aufgeteilt werden könnte, nicht zuletzt, da es so etwas wie eine Rahmenhandlung gibt.

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Lieber Wulf,
    weil der "Revisor" ein sehr langes Stück ist, das vom Wortwitz lebt, letzten Endes auch vom Sprachniveau der einzelnen Personen. Wenn man das auf Opernlänge kürzt, geht zu viel verloren. Und um mit eigenen Worten ein Libretto über Gogols genialen Wurf schreiben - dazu muß man schon ähnlich doof sein wie Egk.
    :hello:

  • Zitat

    Original von Waltrada


    Hast du bereits überlegt, dass du dich eventuell nicht auf einen ganzen Roman, sondern auf eine Roman-Episode beschränkst, zum Beispiel "Herr der Ringe" die Geschehnisse um Eowyn. In diesem Fall spielt auch keine Rolle, ob jemand bereits die Idee gehabt hat, den Roman zu veropern.


    Eine weitere Möglichkeit - nimm einen (vielleicht nicht besonders bekannten) Film Vorlage, der dir gut gefallen hat und bei dem du dir vorstellen könntest, dass er (mit leichten Änderungen) auch als Oper fungiert.


    Eine hervorragende Idee, die mir eine andere Idee gab, auf die beides zutrifft. Dieser Film



    beruht nämlich auf den ersten Kapiteln von John Irvings WITWE FÜR EIN JAHR und macht daraus eine sehr anrührende Geschichte, die im Wesentlichen in einem Raum spielt und nur drei wichtige Personen hat.


    Wenn man den Amazon-Link aufruft, findet man genügend über die Geschichte des Films um eine Vorstellung zu bekommen, warum ich mir das sehr gut als (Kammer-)Oper vorstellen kann.


    Überhaupt wäre John Irving eine dankbare Quelle. HOTEL NEW HAMPSHIRE, zum Beispiel, bietet ebenfalls die Möglichkeit, daraus eine gute und bunte Oper zu machen, und der Autor ist enorm populär.


    Nur so eine Idee


    :hello: Jacques Rideamus

  • Liebe Cassiopeia,


    Geeignet wäre vielleicht der äußerst amüsante Roman "Schwarzer Hund in goldenem Feld" von Fritz Habeck. Der Autor hat Elemente davon selbst in einem Bühnenstück verarbeitet, das aber doch sehr stark abweicht. Vertonungsmäßig dürfte der Stoff noch jungfräulich sein, allerdings müßte man die Habeck-Erben um Erlaubnis bitten.


    Ganz lustig stelle ich mir auch eine Karl-May-Oper vor. Der vielstrapazierte "Winnetou" würde sich ebenso eignen wie "Der Schatz im Silbersee". :D Man muß ja nicht gleich Hatatitla und Iltschi auf die Bühne bringen. Santer, Tangua und Tante Droll wären aber gute Nebenfiguren.


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Original von Jacques Rideamus


    Zumindest kann da keine Regietheaterdiskussion entstehen. :wacky:


    :hello: Jacques Rideamus


    Ach was, viel zu harmlos, der Tarantino ist doch ein prüder Chorknabe. Dann schon lieber gleich den Marquis de Sade. Justine und Juliette als Doppeloper oder so.