Edward Elgars Cellokonzert

  • Dem einen gilt es als das letzte, große Vitruosenkonzert des 19. Jahrhunderts, obwohl es erst 1918 abgeschlossen wurde, dem andern ist es ein verstaubter Schmachtfetzen aus der spät-victorianischen Rumpelkammer: fest steht jedenfalls, daß es sich seinen Platz in den Konzerten erobert hat. Die Herangehensweise an das Werk durch die Solisten sind so verschieden wie nur irgend möglich: Da gint es auf der einen Seite die introvertierte, retrospektive aber trotzdem leidenschaftliche Interpretation Jaqueline Du Prés; im krassen Gegensatz zu ihr die rhythmusbetonte Einspielung durch Heinrich Schiff, die sich an Elgars Metronomangaben hält und auf ihre Weise ebenfalls mitreissend ist. Welche Erfahrungen habt ihr mit diesem Werk ? Welche ist eure Lieblingsaufnahme ?




    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo BBB,


    neben der natürlich legendären Aufnahme Jacqueline du Prés mag ich noch sehr die Einspielung mit Maria Kliegel, die das Konzert mit einem - für mich - sehr schönen, warmen Ton spielt.




    Gruß
    Uwe

  • Hallo Uwe,


    stimmt, Maria Kliegels Aufnahme könnte Referenzcharakter haben, wenn da nicht das Orchester wäre, das die Leistung der Solistin nicht einmal ansatzweise in der Lage ist, zu stützen; aber ohne das Orchester gehts nun mal leider nicht.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo BBB,


    ja, natürlich hast du recht. Davon einmal abgesehen ist auch die Aufnahmequalität nicht besonders gelungen (recht dumpf).


    Gruß
    Uwe

  • Hallo


    zwei Einspielungen, die auch sehr zu empfehlen sind, sollte noch erwähnt werden :


    Gastinel / CoBSO / Brown (naive)



    Wispelwey / Steen (channel)



    Grüße TW

  • GANZ KLAR: Für mich kommt nur die Aufnahme mit du Pré in Frage.
    Gerade das Elgarkonzert zeichnete sie ja aus.
    Wirklich gefühlvoll von der 1.bis zur letzten Minute.
    Das Orchester hat zwar keine Chance gegen sie, aber trotzdem harmonieren sie super. RESPEKT!

  • Hallo Elgar Freunde,


    ich habe mir gestern diese CD mit einer Einspielung des e-Moll Cellokonzerts von 1986 mit Julian Lloyd Webber am Cello, begleitet vom Royal Philharmonic Orchestra unter Sir Yehudi Menuhin, zugelegt. Ganz spontan. Im Vorübergehen praktisch.



    Dies ist mein erster Kontakt mit Edward Elgar und es ist mein erstes Cellokonzert, dass ich bewusst höre. Habe es zwischenzeitlich mehrfach gehört und halte drei Dinge fest.


    1. Ich liebe dieses Werk.
    2. Ich liebe diese Instrument (das wusste ich allerdings schon vorher).
    3. Und ich mag auch diese Einspielung.


    Ich würde die Interpretation auch als eher introvertierte aber trotzdem leidenschaftlich einstufen. Leider fehlt mir hier der Vergleich. Klanglich (DDD) gibt es aus meiner sicht nicht fürchterlich viel hervorzuheben (weder positiv noch negativ). Für meinen Geschmack kommt die Aufnahme ein bisschen Dumpf daher. Ist aber nicht weiter störend.


    Über den Cellisten Julian Lloyd Webber konnte ich noch nicht wirklich viel herausbekommen, außer, dass es sich um den Bruder des weltberühmten Musical Komponisten Andrew Lloyd Webber handelt.


    Kennt ihr andere Einspielungen von Julian Lloyd Webber? Wie ist dieser zu bewerten? Kennt jemand die von mir genannte Aufnahme. Wie gut schneidet diese im Vergleich zu den bereits vorgestellten ab?


    Ich werde mir irgendwann wohl noch die Einspielung mit Jaqueline Du Prés zulegen.


    Liebe herzliche Grüße
    Euer Gallo

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Das VC-Konzert und das Violin-Konzert von Elgar liebe ich sehr.
    Vom VC-Konzert kenne ich drei Aufnahmen:
    Du Pré,
    Lloyd Webber
    und vor allem - und dies ist meine Lieblingsaufnahme:
    Heinrich Schiff mit der Staatskapelle Dresden unter Colin Davis.


    Schiff gestaltet den Cello-Part in sonorem, vollmundigem Ton, der von der Aufnahmetechnik prägnant eingefangen wurde. Auch die Orchesterleistung ist ohne Fehl und Tadel.
    Sir (war er das damals = 1983 schon?) Colin Davis scheut sich nicht, die Kontraste auch dynamisch voll auszuspielen.


    Da fällt ein kleiner produktionstechnischer Makel nicht sehr ins Gewicht:
    Beim ersten Streichereinsatz nach dem Solobeginn des Cellos hat irgendwer etwas falsch gemacht. Folge: für wenige Takte sind die Violinen stark verrauscht. Danach ist dann alles in Ordnung.

    "Muss es sein? - Es muss sein!" Grave man non troppo tratto.

  • Für alle Freunde des Cellokonzertes:
    Bei Bärenreiter ist gerade die kritische NEUAUSGABE von Jonathan Del Mar erschienen. Ein besonderer Leckerbissen: Der kritische Bericht enthält im Faksimile die gesamte (!) autographe Cellostimme!


    Meine Lieblingsaufnahme neben dem Klassiker mit J.d.P. und Sir John Barbirolli ist der im letzten Jahr herausgekommene Life-Mitschnitt von J.d.P. mit Celibidache aus Stockholm.
    Außerdem sei noch darauf hingewiesen, daß es eine sehr gute Bearbeitung für Viola und Orchester aus der Hand von Lionel Tertis gibt, die der Bratscher Rivka Golani nebst der herrlichen Phantasy von Arnold Bax unter Leitung von Vernon Handley auf CD eingespielt hat.

  • Zitat von GalloNero

    1. Ich liebe dieses Werk.
    2. Ich liebe diese Instrument (das wusste ich allerdings schon vorher).
    3. Und ich mag auch diese Einspielung.


    Jetzt dachte ich doch für einen Moment, das Posting wäre von mir :D
    Ich kann mich Deiner Meinung nur anschließen. Diese CD gehört zu meinen Lieblings-CDs.
    Außer dieser habe ich noch Webbers Einspielung des Dvorak-Konzertes mit der Tschechischen Philharmonie unter V. Neumann von 1988, habe ich aber lange nicht mehr gehört.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Hallo,


    Dieses Cellokonzert gehört auch zu meinen absoluten Lieblingscellokonzerten. Meine Lieblingsaufnahme ist auch die mit Jacqueline Du Pré, allerdings in dieser Aufnahme:

    Jacqueline du Pré hat mehrere Aufnahmen gemacht (sowohl mit Barbirolli als auch Barenboim): Live- und Studioaufnahmen. Dies ist eine Studioaufnahme, für mich kommt da durch die bessere Aufnahmequalität auch das Orchester zu einer größen Aussagekraft. Ein herrliches Konzert! Auch das darauf enthaltene Dvorák Konzert.


    Grüße,
    Daniel :hello:

  • Hallo,


    Maik hat mich gebeten einen meiner Beiträge aus dem "Was hört Ihr gerade jetzt?"-Thread nach hierher zu kopieren. Ich mache dies hiermit eins zu eins, weshalb auch die dort genannten Zitate von Maik und pfuetz aus dem "Was hört Ihr gerade jetzt?"-Thread sind:



    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Zitat

    Meine Lieblingsaufnahme neben dem Klassiker mit J.d.P. und Sir John Barbirolli ist der im letzten Jahr herausgekommene Life-Mitschnitt von J.d.P. mit Celibidache aus Stockholm.


    Hallo Ben Cohrs,


    Kann es sein, dass Du da was durcheinander bringst ? Soweit ich weiss gibt es nur eine Aufnahme des Dvorakkonzertes mit Celibidache aus Stockholm. Falls ich mich aber irre, würde mich diese CD sehr interessieren.


    Den Elgar gibt es mit Barenboim und Jaqueline Du Pre übrigens auch auf DVD, SEHR zu empfehlen.


    Zitat

    Ich würde die Interpretation auch als eher introvertierte aber trotzdem leidenschaftlich einstufen. Leider fehlt mir hier der Vergleich. Klanglich (DDD) gibt es aus meiner sicht nicht fürchterlich viel hervorzuheben (weder positiv noch negativ). Für meinen Geschmack kommt die Aufnahme ein bisschen Dumpf daher. Ist aber nicht weiter störend. Über den Cellisten Julian Lloyd Webber konnte ich noch nicht wirklich viel herausbekommen, außer, dass es sich um den Bruder des weltberühmten Musical Komponisten Andrew Lloyd Webber handelt. Kennt ihr andere Einspielungen von Julian Lloyd Webber? Wie ist dieser zu bewerten? Kennt jemand die von mir genannte Aufnahme. Wie gut schneidet diese im Vergleich zu den bereits vorgestellten ab?


    Hallo Gallo,
    Also Julian Lloyd-Webber ist wie Du schon bemerkst hast eben der Bruder. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass er mit grossen Orchestern Aufnahmen gemacht hat. Es gibt wahrscheinlich an jeder Musikhochschule 10-20 Cellisten, die talentierter sind und vor allen Dingen ausdrucksvoller spielen.


    Halo Frank

    Zitat

    Sie spielt emotionaler als Maisky, aber ohne es zu übertreiben


    Doch klar übertreibt sie, aber das tut der Komponist ja auch. Insofern passt das wunderbar zusammen.


    Gruss :hello:


    Syrinx

  • Hallo,


    ich vermute, dass es kaum ein Orchesterwerk oder Instrumentalkonzert gibt, bei dem sich die meisten auf eine sogenannte Referenz einigen könnten, wie bei Elgars Cellokonzert. Du Pré und mein freundlicher Namensvetter scheinen für so viele ein Maßstab zu sein, wie man es in solcher Einmütigkeit nicht oft findet. Täusche ich mich da?


    LG
    B

  • Zitat

    Den Elgar gibt es mit Barenboim und Jaqueline Du Pre übrigens auch auf DVD, SEHR zu empfehlen.


    Gibts auch auf youtube....


    Webber ist im übrigen ein ausgezeichneter Cellist, dessen Elgar ich vielen anderen vorziehe. Er spielt weniger parfümiert als mach andere(r), hat aber seinen eigenen Stil - immerhin. Andere haben das nicht- ich sage nur "Fee mit dem Zauberstab"...
    Je öfter ich die duPre Aufnahmen höre, desto unsicherer werde ich mit dieser höchstemotionellen, hyperöstrogenen Interpretation. Abgesehen davon war ich nach der Lektüre ihrer Biograpie (geschrieben von ihrer Schwester) einigermaßen abgestoßen von JdPs menschlichen Schwächen (was für eine Untertreibung!), Barenboim detto.
    Es gibt im übrigen eine live Aufnahme des Elgar Konzerts mit Rostropowitsch beim "russischen DVD- Händler"....


    Kennt irgendwer diese Aufnahme:

    Eigentlich geht es mir um das (für mich wesentlich interessantere/schönere) Walton Konzert, aber was solls....

  • ... oh, wie peinlich, Du hast mich ertappt. In Gedanken war ich zum Teil bei Dvoraks Cellokonzert, und natürlich meinte ich nicht Elgar.


    Eigentlich wollte ich die historische Aufnahme unter Elgar mit Beatrice Harrison empfehlen. Außerdem die neue Bärenreiter-Urtext-Ausgabe von Jonathan Del Mar, die im Revisionsbericht faksimiliert die Cellostimme der Uraufführung mit allen handschriftlichen Einzeichnungen wiedergibt.

  • Hallo Flotan,


    Zitat

    Webber ist im übrigen ein ausgezeichneter Cellist, dessen Elgar ich vielen anderen vorziehe. Er spielt weniger parfümiert als mach andere(r), hat aber seinen eigenen Stil - immerhin.

    Ich habe mir jetzt gerade nochmal die youtube Sachen von Julian Lloyd-Webber angeschaut. Da gibts das Elgarkonzert, sowie HAydn C-Dur und ziemlich viel Zugabestücke. Auch ein Stück Dvorakkonzert ist da.
    Also beim besten Willen, es ist wirklich alles Ton für Ton gespielt beinahe ohne Dynamik, ohne Linie und technisch auch nicht wirklich über den Dingen musiziert. Verglichen mit den englischen Stars Du Pre, Isserlis und Hough ist es einfach weit unter Niveau.



    Zitat

    Je öfter ich die duPre Aufnahmen höre, desto unsicherer werde ich mit dieser höchstemotionellen, hyperöstrogenen Interpretation. Abgesehen davon war ich nach der Lektüre ihrer Biograpie (geschrieben von ihrer Schwester) einigermaßen abgestoßen von JdPs menschlichen Schwächen (was für eine Untertreibung!), Barenboim detto.

    Wir alle kennen diese Aufnahme so lange, dass einem natürlich manchmal die Zweifel kommen. Aber grundsätzlich finde ich das faszinierende daran, dass die Emotion von JDP wirklich echt sind, sie lebt wirklich dieses Stück- und das ist schon faszinierend.
    Ich habe auch die Biographie gelesen und die Verfilmung gesehen. Der Film stellt ihre angeblichen menschlichen Schwächen viel mehr heraus, als das Buch, finde ich. Wie auch immer, geschrieben ist es von ihrer Schwester, die sich möglicher Weise auch stark durch den Erfolg von Jackie zurück gesetzt fühlte. Wenn ich jedenfalls die Interviews (DVD) mit Ihr gesehen habe, wirkte sie komplett anders, als in Film und Buch dargestellt.


    Viele Grüsse :hello:


    Syrinx

  • Hallo,


    vor 10 Jahren hätte ich JLW auch noch in den Orcus gekippt, aber mittlerweile muß ich zugegeben und flotan rechtgeben, daß JLWs Elgar-Interpretation z.B. ziemlich hervorragend ist.
    Das gilt auch für die Life-Aufnahme, welche man bei youtube finden kann.
    Alles natürlich m.E. .


    M.E. ist dieser Cellist weitaus besser, als man gemeinhin annimmt, er scheint aber erst live sein Potenzial wirklich zeigen zu können.
    BTW: den Haydn auf youtube finde ich auch vernachlässigbar.


    Leider finde ich die Aufnahme mit Beatrice Harrison schauderhaft.
    Interessant ist diese natürlich wegen Elgars Dirigat, und daran liegt meine Ablehung auch gar nicht.
    Aber Harrisons ständiges Gerutsche und Gejaule finde ich unerträglich.


    Dies ist ein weiteres Beispiel, darüber zu diskutieren, was HIP eigentlich ausmacht:
    Die Darmsaiten (in jedem Falle), aber auch die Spielweise, den Finger bei einem Lagenwechsel einfach liegen zu lassen, einfach hin und her zu rutschen mit einer dicken Schleimspur.


    Und genau da hört es für mich auf, das kann ich nicht ertragen, aber eigentlich müßte genau dies auch wieder in Mode kommen, jetzt, wo alle Welt nach den Darmsaiten schreit und es nicht "orginal" -genug zugehen kann.


    Es reicht m.E. nicht, nonvibrato zu spielen: Um wirklich HIP zu sein, müßten auch diese unsäglichen Lagenwechsel, welche gar keine sind, da einfach rumgeschleimt und gerutscht wird, wieder berücksichtigt werden.


    LG,
    Michael

  • Hallo Michael,


    Ok, Ihr seid hier die Cellisten. Vielleicht bin ich so auf die Du Pre-Version eingemessen, dass mir daher Webber wie unter Valium vorkommt.



    Zitat

    vor 10 Jahren hätte ich JLW auch noch in den Orcus gekippt, aber mittlerweile muß ich zugegeben und flotan rechtgeben, daß JLWs Elgar-Interpretation z.B. ziemlich hervorragend ist.

    Wodurch ist denn diese Wandlung gekommen ?



    Zitat

    Alles natürlich m.E.

    Sorry, heisst m.E. "mit Einschränkungen" ? Könntest Du das etwas ausführen ?



    Viele Grüsse


    Syrinx :hello:

  • Hallo Syrinx:

    Zitat

    Wodurch ist denn diese Wandlung gekommen ?


    Es gibt da bei youtube einen Ausschnitt, wo JLW den Schluss der Delius-Sonate spielt.
    Nun, ich habe JLW immer als Langweiler abgetan.
    Darüberhinaus habe ich mich in den letzten 25 Jahren immer wieder ziemlich intensiv mit der Delius-Sonate auseinandergesetzt und diese auch häufig aufgeführt.


    Und das, was JLW da am Ende der Delius -Sonate demonstriert, hat mich dazu gebracht, meinen Standpunkt nochmal zu überdenken und mir auch seine Elgar-Aufnahme auf youtube nochmal anzuhören.


    Und siehe da: Er ist ein bei weitem interessanterer Cellist als ich dachte.
    Nicht der Übervirtuose, aber wesentlich klangsinnlicher als auf seinen Studioproduktionen.


    Und das muß ich einfach mal so klarstellen.
    Das macht ihn jetzt noch lange nicht zum Stellvertreter Rostropowitschs auf Erden, das ist natürlich nicht der Fall, aber er ist ein tüchtiger Cellist, der durchaus auch seine sehr eigene Tonvorstellung und einen Personalstil hat.


    Insofern hat sich mein fast 30-jähriger Eindruck von JLW als einem Cellisten, den ich rigoros ablehne zu einem Cellisten, dem ich Respekt zolle, gründlich geändert.


    Der Kerl kann wirklich gut spielen!
    Und m.e. heißt in diesem Falle "meines Erachtens" .


    LG, :hello:
    Michael

  • Hallo Syrinx und Micha!


    Ich glaube das "Problem" von JLW ist folgendes: Sobald man ihm beim Cellospielen zusieht, glaubt man manchmal einen Dilletanten/Roboter etc. vor sich zu haben.


    Mein Tipp:
    Man schliesse beim Elgar-Anfang einfach mal die Augen - und, besser?
    "http://www.youtube.com/watch?v=EDBJV-hKaHY"


    Der Mann hat immerhin bei Fournier studiert, aber ich gebe zu, dass mir Shafran lieber waere- nur hat der das Elgar-Konzert nicht eingespielt ;(...

  • Zitat von BigBerlinBear

    Dem einen gilt es als das letzte, große Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts, obwohl es erst 1918 abgeschlossen wurde, dem andern ist es ein verstaubter Schmachtfetzen aus der spät-victorianischen Rumpelkammer


    Ist das Cellokonzert in seiner Wertung wirklich so umstritten? Ich hatte immer den Eindruck, dass dieses Werk auch bei Leuten, die Elgar ansonsten sehr skeptisch gegenüberstehen, seine Anerkennung findet. Aber auch mit der ersten Formulierung habe ich ein kleines Problem. Die Zuordnung zum 19. Jahrhundert scheint die implizite Kritik zu beinhalten, so etwas hätte man 1918 nicht mehr schreiben dürfen. Dabei empfinde ich die Komposition keinesfalls als nostalgisch, sondern meine bei ihr, insbesondere in der duPré-Interpretation, eine geradezu existenzialistische Intensität wahrzunehmen.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Hallo Draugur, also das Konzert ist schon, wie es Alfred einmal für ein anderes Werk formulierte, ein "anachronistischer Schönling" ! :D


    Idiom, Haltung und Form sind GANZ dem 19. Jahrhundert verpflichtet und ich mag an dieser Stelle garnicht aufzählen, was selbst Elgars Altersgenossen an deutlich moderenem geschrieben haben, wenn man sich verdeutlicht, daß Debussy und Mahler annähernd gleichaltrig mit dem Maestro aus Malvern waren...


    Ich denke jedoch, daß Elgar, der als Folge des 1. Weltrkrieges vieles verlor, was ihm lvertraut und teuer war, (so auch sein geliebtes Urlaubsland Deutschland) damit ganz bewußt einen Schlusspunkt setzen wollte, denn danach komponierte er nur noch en paar a cappella Chöre und eine weit gediehene 3. Sinfonie wollte er offensichtlich nicht mehr vollenden....


    Ich selber schätze Elgars Werk ausserordentlich. sonst hätte ich den Thread ja wohl kaum gestartet; wenn Du jedoch gerne aus dem Forum eine anderslautende Antwort zum Cellokonzert hättest, frag doch einfach mal bei Edwin nach ! :baeh01:


    Die allenthalben (und hier beinahe unisono) hochgepriesene Aufnahme mit J. du Pré unter Barbirolli, ist MIR persönlich emotional zu aufgeheizt; da wo z.B. im Kopfsatz Melancholie sein sollte, überflutet mich eine Übermacht der Gefühle. Mir persönlich liegt der sehr diesseitige Zugriff eines Heinrich Schiff in seiner 2.Aufnahme einfach mehr und auch die Verhaltenheit eines J. Lloyd Webber, die bitte nicht mit Lauheit gleichzusetzen ist, scheint mir dem Werk angemessener.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat von BigBerlinBear

    Idiom, Haltung und Form sind GANZ dem 19. Jahrhundert verpflichtet und ich mag an dieser Stelle garnicht aufzählen, was selbst Elgars Altersgenossen an
    deutlich moderenem geschrieben haben, wenn man sich verdeutlicht, daß Debussy und Mahler annähernd gleichaltrig mit dem Maestro aus Malvern waren...

    Mir persönlich erscheint die Tonsprache von Elgar zu eigenständig und unikal, als dass ich die üblichen Kriterien für Modernität auf seine Musik anwenden wollte. Es stimmt zwar, dass Elgars Musik mehr als die vieler Zeitgenossen von Tradition bestimmt ist, aber nicht im Sinne eines Epigonentums, sondern im Sinne der Thematisierung von Tradition an sich. Elgars Musik hat meinem Empfinden nach meistens etwas melancholisch zurückblickendes, aber er verklärt die Vergangenheit m. E. nicht nostalgisch, dafür hat seine Musik zu viele düstere Momente. Und gewiss macht er nicht epigonenhaft irgendwelche Komponisten des 19. Jh. nach, sonst hätte seine Musik nicht diesen starken Wiedererkennungswert.


    duPrés Gestaltung des Cellokonzerts quasi als Überlebenskampf finde ich ebenso legitim wie andere Umsetzungen, die mehr die Elgar-typische "noblesse" herausarbeiten.



    Zitat

    Ich selber schätze Elgars Werk ausserordentlich. sonst hätte ich den Thread ja wohl kaum gestartet; wenn Du jedoch gerne aus dem Forum eine anderslautende Antwort zum Cellokonzert hättest, frag doch einfach mal bei Edwin nach !


    :no:;)

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Zitat

    dass Elgars Musik mehr als die vieler Zeitgenossen von Tradition bestimmt ist, aber nicht im Sinne eines Epigonentums, sondern im Sinne der Thematisierung von Tradition an sich

    Sehe ich auch so, von Epigonentum ist bei mir auch nirgendwo die Rede, weil mir klar ist, daß Elgars Komponieren von Anfang an etwas Retrospektives innewohnt, das auch schon in seinen frühen Werken präsent ist. Einer meiner Lehrer sprach in diesem Zusammenhang gerne von "Praeraffaelitis mit einen zarten Hauch Impressionismus", garnicht so dumm, wenn man an manche Klangstrukturen z.B. im "Gerontius" denkt.


    Die Sinfonien jedoch sind eindeutig schwächere Glieder im Malverner Klangkosmos und können es weder von der Form noch vom Gehalt mit Mahlers oder Sibelius Werken aufnehmen, was ich immer sehr bedauert habe, fand ich doch gerade den Anfang der 1. Sinfonie genial, aber auch eben nur den....

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Mich beeindruckt es aber, wie gerade das Anfangsthema die ganze I. Symphonie hindurch präsent bleibt und am Schluss eine Apotheose erfährt. Für mich ist das durchweg Elgar, wie ich ihn liebe.
    Ich finde es immer sehr schwierig, Mahler, Debussy und andere mit Elgar zu vergleichen, weil jeder der Komponisten nur aus seinem geistesgeschichtlichen Umfeld heraus zu verstehen ist und ebendort auch seine Berechtigung hat. Elgar ist meiner Einschätzung nach geprägt von der Lebensart und vor allem auch der Landschaft Englands, was natürlich zu ganz anderen Ergebnissen führt als z. B. der mediterranen Farbenpracht, wie sie bei Debussy sichtbar wird.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Hallo,


    nun kommt tatsächlich ein Beitrag zum Cellokonzert von Elgar.


    Die im Beitrag Nr. 12 vorgestellt CD der DG ist nun mit anderem Cover und anderer Zusammenstellung auf dem Markt - aber die Interpreten des Cellokonzerts sind identisch.


    Das ist Elgars Antwort auf den 1. Weltkrieg. In nicht all zu viel Passagen wird er auch richtig laut - da meine ich nicht nur die Lautstärke in dB/sone. Und die Lautstärke in seinen Märschen ist damit nicht vergleichbar.
    Weite Teile hören sich für mich sehr schwermütig, traurig, elegisch, auf jeden Fall nicht kämpferisch protestierend an. Da finde ich den Klang des Cellos von Maisky und seine Interpreation sehr passend - voller warmer Klang, die einzelnen Phrasen sehr gut ausgespielt ohne Hektik oder betonte Dramatik - eben dem Charakter des Werkes entsprechend. Dass Elgar 1919 noch sehr spätromantisch schreibt - er ist eben so.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler