Bruch, Max: Orchesterwerke - nicht immer nur das Violinkonzert Nr.1

  • Nun, das Jahr geht zu Ende, genau die richtige Zeit, diesem Thread auch einige Nennungen meierseits hinzuzufügen:


    Zunächst einmal die erste Sinfonie eines Komponisten, der heute eigentlich hauptsächlich nur aufgrund seines ersten Violinkonzertes bekannt ist: Max Bruch!
    Dabei steht seine erste Sinfonie, diesem in keiner Weise nach, im Gegenteil übertrifft es an gedanklicher Tiefe und instrumentatorischer Kunst. Bruch schuf einen sinfonischen Erstling, der dem musikalischen Erbe Schumanns und vor allem Mendelssohns verpflichtet ist, in vielem an den jungen Brahms erinnert und durchaus auch an Bruckner denken läßt. Die größere Kunst aber ist es, in diesem illustren Kreis großer Namen, eine eigene Musiksprache zu entwickeln und erkennen zu lassen.
    Die folgende CD-Aufnahme durch das Gürzenich-Orchester und James Conlon, entstanden in der Kölner Heimat Bruchs, wird dieser Musik eindrucksvoll gerecht:


    Ich starte diesen Thread mit einem Beitrag von flutevoix aus dem Thread "Mainstream verboten - Die alternativen Lieblings-Sinfonien der Taminoaner 2011".


    Schon lange hatte ich die abgebildete EMI-Doppel-CD mit den 3 Sinfonien Nr.1 (1868.), Nr.2 (1870) und Nr.3 (1882) und dem Konzert für 2 Klaviere und Orchester (1915) im Auge. Der obige Beitrag hat mich nun endlich zum Kauf verführt - Danke !


    Die Sinfonien Nr.1 und 2 wurden in dem Zeitrahmen komponiert, als Schumann seine Sinfonie Nr.3 und Brahms seine Erste schrieb ... seltsamerweise ist aber gerde die Bruch-Werke so ziemlich vom Konzertprogramm verschwunden.
    Das ist eigendlich sehr schade zumal des in den Sinfonien ähnlich fetzig zu Werke geht, wie in dem bekannten und hochbeliebten Violinkonzert Nr.1.
    Gut - die Dramatik wirkt etwas aufgesetzt, aber der Spannung und Kurzweiligkeit tut dies keinen Abbruch. :thumbup: Mir gefallen diese Sinfonien und ich finde sie besser, als so maches "Romantikgedudel", was mir von anderen (für mich neuen) unbekannteren Komponisten in der letzten Zeit auf den CD-Teller kam :stumm: ...
    Ich hatte die Sinfonie Nr.2 bereits in einer Aufnahme mit dem Wuppertaler SO (MDG); gekoppelt mit dem VC Nr.3. Dort hatte mich das Werk früher weniger angesprochen und die CD blieb bis heute in der Versenkung.


    *** Für diese Doppel-CD, die von Colon und dem Gürzenich - Orchester Kölnpackend dargeboten wird, möchte ich meine volle Empfehlung aussprechen.


    EMI, 1972 (KK), 1992-93 (Sinfonien), ADD/DDD



    Zum Konzert für 2Klaviere und Orchester op.88a (1915) äußere ich mich zu einem späteren Zeitpunkt.
    :!: Der Solist - Martin Berkofsky, der das verschollene Werk in den 70er Jahren in den USA wiederentdeckt hat und Dorati mit dem LSO lassen einiges erwarten ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    vielen Dank, daß Du an einen -abgesehen vom Violinkonzert- so gut wie unbekannten Komponisten erinnerst, indem Du ihm einen Thread widmest.


    Die Doppel-CD besitze ich ebenfalls, zudem noch diese Aufnahme:



    Auch die ersten beiden Sinfonien u.a. sind bei Naxos erschienen:



    Leider habe ich die CDs lange nicht mehr gehört, bin aber immerhin anregt, das mal wieder zu machen...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Die orchestralen Werke dieses Komponisten höre ich immer wieder gerne – m.E. gerade in diesen Werken unterschätzt.


    Zur Verfügung stehen mir diese Aufnahmen, die ich gerne empfehle:



    mit dem
    Gewandhausorchester Leipzig
    Kurt Masur


    stereoplay 3 / 89:"Schon die Bekanntschaft mit dieser Zweiten lohnt die Leipziger Einspielung. An emotionalem Einsatz und Direktheit des Zupackens mangelt es Masur nicht …

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Unbedingt eine Lanze zu brechen ist auch für Bruchs 2. Violinkonzert d-moll op. 44. Es hat einen langsamen Einleitungssatz, ist also von der Form her eher eigenwillig. Doch meine persönliche Meinung ist die, dass dieser Satz (in meiner Perlman-Einspielung 12'29 lang, in der Accardo-Einspielung, die schon zum Pflichtprogramm in Sachen Bruch gehört, nur unwesentlich kürzer: 12'22) mit zu dem Schönsten und Leidenschaftlichsten und Gefühlvollsten gehört, was Bruch je komponierte. Das Textbeiheft zur CD sagt, dieser Satz stelle eine junge Frau dar, die ihren sterbenden Geliebten nach der Schlacht auf dem Schlachtfeld sucht (woher der Autor des Booklet-Beitrages diese Information hat, teilt er natürlich nicht mit). Nun ja, was immer man auch davon halten mag, die Musik ist jedenfalls die absolute Wucht - ich liebe diesen ersten Satz aus Bruchs zweitem Konzert.



    Grüße,


    Garaguly

  • Neben der Schottischen Fantasie begeistert mich (als Cellofan) vor allem sein ausdrucksstarkes Kol Nidrei. Das möchte ich allen Musikbegeisterten besonders ans Herz legen.


    Weiters hat Bruch auch wunderbare Kammermusik-Piècen komponiert, teils für Klarinette, teils für Viola und Begleitung usw.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Die von Garaguly abgebildete Perlman-Aufnahme des VC Nr.1 op.26 (EMI) habe ich auch, allerdings in anderer Kopplung. Bei mir wird das VC Nr.2 op.44 mit Perman / Israel PO / Metha gespielt, genau wie die enthaltene Schottiche Fantasie op.46.


    Diese EMI-Kopplung mit der Bezeichnung Izhak Perlmann Collection Volume 5 scheint aber nicht mehr auf dem Markt zu sein.
    ((Nebenbei: Das Mendelssohn VC will ich ohenhin nur noch in der straffen Megaaufnahme mit Francescatti/Szell (SONY) hören !))


    Das VC Nr.3 habe ich in der bei mir in der versenkung verschwundenen CD mit Andreas Krechner Wuppertal SO, G. Schmalfuß (MDG Gold, 1999, DDD). Klanglich sehr gute Aufnahme, aber die Werke konnten mich bsher nicht so sehr überzeugen.


    Die VC Nr.2 und 3 sind ganz nette Werke mit eingebungsvollen Melodien - an das VC Nr.1 reichen sie für meinen Geschmack mit Abstand nicht heran.



    Ganz anders das in Beitrag 1 abgebildete
    Konzert für 2 Klaviere und Orchester op.88a (1915)
    mit den hervoragenden Solisten, die das Konzert in den 70er jahren in den USA wiederentdeckt und ausgebraben haben -
    Martin Berkowsky und Nathan Twining / LSO / AntalDorati
    EMI, 1973


    Das Konzert hat 4 Sätze, die zusammen knapp 23Minuten dauern. Die Sätze sind (wie man sich bei der Spieldauer vorstellen kann) nicht in der bei Konzerten üblichen Sonatensatzform verfasst, sondern es ist eine Umarbeitung einer Suite für Orchester mit Orgel (1904) - deshalb auch op.88a.


    1.Satz Andante sostenuto Der Satz enthält gleich zuündende Thmen und Melodien, die den Hörer bannen. Mit scheint das eher ein virtuoses Allegretto zu sein.
    2. Satz Andante-Allegro Nach kurzer Andante -Einleitung inzeniert Bruch ein fetziges Allegro mit Feuer.
    3. Satz Adagio ma non troppo Mir scheint es so, als wenn Dorati den Zusatz "ma non troppo" nicht beachtet, denn er zieht dieses leidenshaftliche Adagio zügig mit Temprament durch, wodurch die Spannung sauber gehalten wird. Fabelhaft !
    4. Satz Andante - Allegro Auch der letzte Satz überzeugt durch feurige Melodien, die diese positive Musik mit "schmackes" zum Abschluss bringen.


    Mit dem enthaltenen musiklischen Themenmaterial hätte man gewiss noch mehr machen können und die Themen sonatensatztechnisch verarbeiten können. Es passt aber für das Werk, das Bruch keinen ausgewalzten Romantikbrei daraus gemacht hat und es so frei in Suitenform belassen hat. :thumbup: Das Konzert op.88a macht so richtig Hörspass !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Konzert für 2 Klaviere und Orchester op.88a (1915)


    Das Konzert besitze ich in dieser verhältnismäßig neueren Einspielung:



    Bei diesen Interpreten sicher in guten Händen –
    ich habe aber den Eindruck, dass bei gewissen Stellen die Pianistin/nen mitsummen … ;)

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Heute vor 94 Jahren verstarb Max Bruch. In der Tat ist sein Schaffen reichhaltiger als sein Dauerbrenner, das Violinkonzert. Wie konstatierte der Komponist selbst:


    „Gehen Sie hin und spielen sie endlich einmal die anderen Konzerte, die ebenso gut, wenn nicht besser sind!“
    ―Max Bruch


    Zitate und Aphorismen - http://gutezitate.com"


    Neben den gezeigten Aufnahmen möchte ich auf diese CD mit Vokalwerken hinweisen:


  • Hallo,


    auch hier noch ein paar Eindrücke, sozusagen für's Archiv:



    Max Bruch (1838-1920)
    Symphonien Nr.1-3
    Konzert op. 88a für 2 Klaviere & Orchester
    Klavierstücke opp. 12 & 14


    Gürzenich-Orchester Köln, James Conlon
    (+ London Symphony Orchestra, Antal Dorati)
    Warner (EMI), ADD/DDD, 1973/92


    Bruchs bekanntestes und populärstes Werk ist sicher sein 1. Violinkonzert, wobei ich den Eindruck habe, dass auch hier die Präsenz mittlerweile etwas abnimmt, zumindest auf Tonträger. Die Sinfonien sind hingegen leidlich bekannt. Viele Aufnahmen existieren nicht. Mit einem wirklich "großen" Orchester ist mir nur die alte Masur-/Philips-Produktion mit dem Leipziger Gewandhausorchester geläufig - der Rest findet sich vielmehr auf Entdecker- und Nischenlabeln mit den korrespondierenden Orchestern (deren Qualität ich damit keinesfalls mindern mag!).
    Einerseits sind die Werke durchaus gelungen und schön anzuhören, anderseits fehlt ihnen das Geniale, Meisterhafte - eben der Moment, der für eine Verhaftung im Gedächtnis sorgt. Conlon und das Gürzenich-Orchester sind gleichwohl die besten Anwälte "ihres" Max Bruch und holen heraus, was eben zu holen ist. Die preisgünstige Doppel-CD klingt zudem sehr gut, so dass, wer Musik dieser Epoche mag, hier bedenkenlos zugreifen sollte, so lange er hier nicht einen übermäßig genialen musikalischen Wurf erwartet.


    Grüße
    Frank

  • Irgendwie hätte ich gerne einen Thread, wo Sinfonien und Konzerte Bruchs näher erörtert würden, und dann einen für die Gelegenheitswerke. Wohl wissend, daß solche Threads leider nicht das nötige Interesse finden würden, oder aber das nötige Hintergrundwissen nicht vorhanden wäre. So füge ich denn ebenfalls eine Vorstellung einiger seiner weniger bedeutenden Werke bei, die mir dennoch einiges Vergnügen beim Hören bereiteten. Es handelt sich um Orchestersuiten nach Schwedischen Tänzen (op 63 Nr 1 und 2), sowie eine Serenade nach schwedischen Motiven für Streichorchester op posth. in c-moll, sowie eine Suite nach russischen Volksmelodien für großes Orchester op 79 b. Die B-Nr resultiert daraus, daß das Werk ursprünglich für Violine und Klavier angelegt war - inspiriert durch Balakirews "Recueil de chants populaires russes". Wie immer in solchen Fällen empfiehlt es sich die Musik häppchenweise zu genießen - ich meine hier - jedes Opus extra - wie ja auch ursprünglich gedacht - weil man sich ansonsten abhört. Es handelt sich im recht gefällige Kompositionen - vermutlich aber keine veritablen Meisterwerke. Dies ist generell ein Problem bei Bruch, daß er als einstiges Wunderkind sehr verwöhnt und verzogen war und sich als Maß aller Dinge sah - was ihm einerseits erschwerte seine in der Qualität oft schwankenden Werke selbst richtig einzuschätzen und ihm andrerseits viele Feinde bescherte, welche seinem Ruf schadeten.... Über Bruchs heutigen Stellenwert können wir ja im Laufe dieses Threads schreiben.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

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  • Irgendwie hätte ich gerne einen Thread, wo Sinfonien und Konzerte Bruchs näher erörtert würden, und dann einen fürt die Gelegenheitswerke. Wohl wissen, daß solche Threads leider nicht das nötige Interesse finden würden, oder aber das nötige Hintergrundwissen nicht vorhanden wäre.


    Nicht immer gleich so pessimistisch, Alfred, das kriegen wir schon hin. ;)

  • Die Sinfonien sind hingegen leidlich bekannt. Viele Aufnahmen existieren nicht. Mit einem wirklich "großen" Orchester ist mir nur die alte Masur-/Philips-Produktion mit dem Leipziger Gewandhausorchester geläufig - der Rest findet sich vielmehr auf Entdecker- und Nischenlabeln mit den korrespondierenden Orchestern (deren Qualität ich damit keinesfalls mindern mag!).

    Ausgezeichnet gelungen sind die Chandos-Produktionen des London Symphony Orchestra unter dem leider bereits verstorbenen Richard Hickox. Bedauerlicherweise wurden nur die Symphonien Nr. 1 und 3 sowie die Violinkonzerte Nr. 2 und 3 eingespielt. Ausgerechnet die von mir besonders geschätzte Symphonie Nr. 2 fehlt. Dafür gibt es auch von dieser eine grandiose Einspielung, nämlich die etwas unscheinbare mit dem Sinfonieorchester Wuppertal unter Gernot Schmalfuß auf MDG.




    Nach einigem Vergleichshören befand ich diese Aufnahmen als die mich überzeugendsten bei den drei Symphonien, interpretatorisch und auch klanglich.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die "schottische Phantasie" ziehe ich dem 1. Violinkonzert sogar vor. Ihr volkstümlicher Charakter unter Verwendung schottischer Voksweisen erinnert an die Empfindungen seines Freundes Mendelssohn-Bartholdy in dessen schottischer Sinfonie. Allerdings widmet Bruch der Violine eine tragende Rolle. Die Dauer des Werkes, seine Dreisätzigkeit, auch sein Satzaufbau wecken in mir den Eindruck eines "verkappten" Violinkonzertes. Leider kann man dieses für meine Begriffe sehr publikumswirksame Werk im Konzertsaal selten erleben.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Die "schottische Phantasie" ziehe ich dem 1. Violinkonzert sogar vor. Ihr volkstümlicher Charakter unter Verwendung schottischer Voksweisen erinnert an die Empfindungen seines Freundes Mendelssohn-Bartholdy in dessen schottischer Sinfonie.

    Lieber La Roche,


    so geht es mir auch. Das 1. Violinkonzert des Komponisten, welches ja heutzutage eigentlich seinen Ruhm begründet, während alle anderen Werke mehr oder weniger der Vergessenheit anheim gefallen sind, ist ein großartiges, hochvirtuoses Stück für jeden Geiger und hat dieser Tatsache seine Langlebigkeit zu verdanken, weniger seinem musikalischen Gehalt.

    Mir scheint die Schottische Fantasie (wie auch das Kol Nidrei) von höherem künstlerischen Wert zu sein. Doch darüber ließe sich sicher lange streiten, und da ich nur Laie, nicht Fachmann bin, lasse ich das lieber bleiben.

    Meine Lieblingsaufnahme der "Schottischen Fantasie" ist hier dabei:

    Jascha Heifetz (Violine) und das London Symphony Orchestra, Dirigent: Sir Malcolm Sargent (Aufnahme: 5/1961, Walthamstow Town Hall, London).

    Heifetz brennt, wie üblich, ein musikalisches Feuerwerk ab, der Klang der Aufnahme läßt keine Wünsche offen.


    Es gibt (bei mir) noch eine weitere schöne Version:

    Ulf Hoelscher (Violine) mit den Bamberger Symphonikern, Dirigent: Bruno Weil (Aufnahme: 12/1982, Kulturraum, Bamberg).

    Hoelscher wählt deutlich gemächlichere Tempi als sein berühmter Kollege, er legt den Schwerpunkt seiner Interpretation mehr auf musikalischen Ausdruck als auf virtuose Darstellungskunst und erzielt damit m.E. ebenfalls starke Wirkung. Ich möchte beide Aufnahmen nicht missen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Nun habe ich rasch mal meine Diskothek durchforstet und bin da auf zwei CDs mit Werken von Max Bruch gestoßen, die ich gefühlte Ewigkeiten nicht gehört habe:untertauch:, aber dafür gibt es ja das Tamino-Forum, das immer wieder Anregungen und Tips gibt, die dann verborgene Schätze wieder zutage bringen:


    Pieces De Concert Pour Violoncelle Et Orchestre

    Die CD enthält (außer dem "Kol Nidrei") nur Stücke, die kaum aufgeführt und deshalb auch wenig bekannt sein dürften:

    Vier Konzertstücke für Violoncello und Orchester:

    a) Kol Nidrei, Adagio nach hebräischen Melodien, op. 47

    b) Adagio nach keltischen Motiven, op. 56

    c) Ave Maria, op. 61

    d) Canzone für Cello und Orchester op. 55


    sowie das

    Doppelkonzert für Klarinette, Viola und Orchester op. 88

    Die (nicht unbekannten) Solisten sind: Martin Ostertag (Cello), Karl Schlechta (Klarinette), Eckart Schloifer (Bratsche);

    es spielt das Sinfonie-Orchester des (ehemaligen) Südwestfunks Baden-Baden, Dirigent: Michael Boder.

    Leider gibt es kein Booklet, die Aufnahmen sind ca. 1989 entstanden. Mehr ist der Beilage nicht zu entnehmen. Klanglich sind die Aufnahmen in bester Ordnung, ich habe eben kurz mal reingehört.


    Dann habe ich noch folgende Bruch-Aufnahme bei mir "auf Lager":

         

    das selten gespielte Violinkonzert Nr. 2 d-moll, Op. 44, mit

    Jascha Heifetz (Violine) und dem RCA Victor Symphony Orchestra, Dirigent: Izmir Solomon (Aufnahme: 11/1954, MONO).


    Für Experten und manche Bruch-Verehrer gilt es als künstlerisch gehaltvoller als das viel berühmtere Konzert Nr. 1. Es beginnt ganz ungewöhnlich mit einem langsamen Satz "Adagio". Melodisch ist es nicht so eingängig wie seine populäre "Schwester", seine weitgehende Nichtbeachtung hat es aber nicht verdient.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Meine zwei liebsten Werke von Max Bruch (den ich übrigens allgemein für maßlos unterschätzt halte) wurden noch überhaupt gar nicht genannt, deswegen jetzt hier:


    Die Romanze für Viola und Orchester op. 85 ist mein absolutes Lieblingswerk Bruchs und der Literatur für Viola überhaupt. Leider ist das Stück viel zu wenig bekannt und auch nur äußerst selten im Konzert zu erleben, obwohl es unter Bratschern doch einigermaßen bekannt und geschätzt ist. Das Stück ist aus eigener Erfahrung bis auf einige wenige Stellen nicht besonders schwer zu spielen, schafft es aber dennoch, eine Vielzahl an Variationen des Hauptthemas sowie fantasievolle Zwischenspiele zu präsentieren.


    Obwohl ich sämtliche auf CD verfügbaren Einspielungen des Werkes kenne, ist mir die nur auf Youtube verfügbare Liveaufnahme von Miles Hoffman die allerliebste geblieben. Hoffman besticht mit einem wunderbar warmen Ton und einem großen Bogen, hebt aber dennoch einige Höhepunkte wie z.B. die fantastische Coda (ab 7:25) hervor und lässt das Stück wunderbar atmen. Die wenigen Nebengeräusche wie etwa leichtes, gelegentliches Stuhlknarzen machen für mich den besonderen Charme der Aufnahme aus, und das obwohl ich sonst eher weniger Liebhaber von solchen Nebengeräuschen bin.



    Mein zweitliebstes Werk von Max Bruch ist das Adagio appassionato für Violine und Orchester op.57, das Bruch selber als eines seiner besten Stücke bezeichnet hat. Es kombiniert hohe Virtuosität mit den für Bruch so typischen lebendigen und kantablen Melodien. Insbesondere die beiden Hauptthemen gehören für mich mit zum Schönsten, was Bruch komponiert hat.


    Für dieses Stück kann ich die Standardaufnahme von Salvatore Accardo mit dem Gewandhausorchester unter Kurt Masur wärmstens empfehlen, die sich auf der schon oben geposteten Doppel-CD mit den drei Sinfonien und anderen Werken wiederfindet, aber auch auf Youtube auftaucht. Besonderer Höhepunkt: Das Auftauchen des zweiten Themas in Doppelgriffen - einfach wunderschön (ab 8:00).


  • Hallo Amdir,


    die beiden von Dir favorisierten Werke von Max Bruch kenne ich leider nicht. Die Romanze op. 85 habe ich mir heute angehört, leider habe ich nicht die Möglichkeit, meinen Laptop an meine Musikanlage anzuschließen. Aus dem Laptop klingt die Musik leider jämmerlich, deshalb will ich kein Urteil abgeben.


    Nach langer Pause habe ich aber heute diese CD mal wieder in den Player gelegt:

    und mir die Schottische Fantasie mit dem legendären Jascha Heifetz zu Gemüte geführt. Ich verstehe nicht, warum dieses Werk im Vergleich zu dem populären Konzert Nr. 1 so vernachlässigt wird. Heifetz spielt es mit Leidenschaft und einen schier umwerfenden Virtuosität. Das ist Kunst, die Kunst verbirgt, eine Aufnahme für die Insel!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • RE: Schottische Fantasie op.46


    Hallo nemorino,


    die Schottische Fantasie habe ich tatsächlich nur in einer Aufnahme und zwar (siehe Abb) mit Zubin Metha mit Itzhak Perlman als Solist.

    Diese Aufnahme stellt mich seit weit mehr als einem Jahrzehnt vollends zufrieden.

    Auch die VC Nr. 1 und 2 sind unter unserem geschätzen Bernhard Haitink (Nr.1) und Metha (Nr.2) auf der EMI-CD sehr gut gelungen.

    In diesem Thread soll es ja nicht um das allbekannte VC Nr.1 gehen, aber meine Favoriten-Aufnahme wird wohl auf ewig immer Francescatti / Ormandy (SONY/CBS; 1962, ADD) bleiben, von der ich von Anfang an geprägt wurde (bereits früher auf LP).


    Musikalischer Gehalt bezüglich der Schottischen Fantasie "hin und her", aber ich finde, der "Brüller" VC Nr.1 ist bei Bruch wirklich nicht mehr zu toppen. Das ist so was von musikalisch und fetzig, sowie eingängig, das es nicht ohne Grund Bruchs beliebtestes Werk ist !


    91hHUZ0fApL._SL300_.jpg

    EMI, 1984/1988, DDD



    *** Die MDG-CD mit dem VC Nr. 3 und der Sinfonie Nr.2 mit dem Wuppertal SO-Schmalfuss, die laut Josef bei der Sinfonie Nr.2 (MDG Gold - Abb in Beitrag 13) so erstklassig sein soll, habe ich aus meiner Erinnerung noch nie gehört :untertauch: (stammt aus einer Sammlungsübernahme von 2008).

    Das werde ich in den nächsten Tagen mal nachholen; auch um festzustellen ob die Sinfonie Nr.2 tatsächlich noch besser ist als in der Sinfonien - GA mit dem Gürzenich Orchester Köln/Conlon (EMI - Abb in Beitrag 1) !


    Auf der dort abgebildteten EMI-Doppel-CD ist auch das fantastische Konzert für 2Klaviere und Orchester enthalten, auf das ich in diesem Thread wiederholt hinweisen möchte. Es wird von Berkowsky & Twining / LSO / Antal Dorati in kongenialer Weise wiedergegeben. Ein tolles Werk, das ich persönlich nach dem VC Nr.1 an die 2.Stelle für Bruch setzen würde !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • meine Favoriten-Aufnahme wird wohl auf ewig immer Francescatti / Ormandy (SONY/CBS; 1962, ADD) bleiben

    Lieber Wolfgang,


    ich denke, Du meinst diese Aufnahme:

    Die habe ich auch in meinem Bestand, der Dirigent ist allerdings George Szell, nicht Ormandy. Die Verwechslung kann leicht passieren, weil Ormandy ja in den 50/60ern der Begleiter bei CBS schlechthin war. Ja, das ist eine fantastische Aufnahme, die ich selbst Oistrach/Ormandy:)(CBS) vorziehe.


    Doch nun zur "Schottischen Fantasie": Die Perlman-Aufnahme kenne ich leider nicht, doch der Name bürgt sicher für Qualität. Wie weiter oben schon gesagt, habe ich zwei Versionen des Werks: Heifetz/Sargent (RCA) und Hoelscher/Weil (EMI). Letztgenannte war meine erste Aufnahme; sehr schön, habe ich immer gedacht, aber ein bißchen langatmig (nicht langweilig). Als ich aber zum ersten Mal Heifetz hörte, war ich hin und weg! Der brennt ein wahres Feuerwerk ab, das Stück erscheint völlig in ganz neuem Licht. Dagegen wirkt Hoelscher bei all seinen spielerischen Qualitäten blaß, einfach nur solide. Vielleicht kannst Du Dich gelegentlich doch noch zu der Heifetz-Version durchringen, es gibt sie z.Zt. (bei Amazon) in zwei günstigen Ausgaben:

     

    die links gezeigte für € 2,20, die rechte für € 6,21 (gebraucht, + Versandkosten). Heifetz ist für mich ohnehin ein Ausnahmegeiger, dessen technische Perfektion wohl niemals übertroffen worden ist.


    Daß das VK Nr. 1 der "Brüller" ist, daran gibt es wohl kaum Zweifel, jeder Geiger von Rang kommt an ihm nicht vorbei. Leider sind nur manche andere Werke Bruchs dadurch total unterbewertet. Ich werde mal nach Deiner Empfehlung Konzert für zwei Klaviere und Orchester (EMI) schauen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber nemorino,


    Deine Worte zur Heifetz-Aufnahme der Schottischen Fantasie machen mich neugierig, denn Heifetz steht genau für das, was ich schätze = schmackes !


    Die von Dir abgebildete CD der Mendelsohn und Tschaikowsky - VC ist meine absolute Lieblings - CD für das Mendelssohn - VC. Doch hast Du dich geirrt, denn da ist ja nicht das Bruch VC 1 drauf !

    :D Doch habe ich mich mit Ormandy trotzdem auch geirrt.


    :!:Ich habe eine nicht mehr erhältliche Doppel-CD von DUETT (dort steht kleingedruckt SONY drauf) mit den VC von Bruch, Mendelssohn, Dvorak. Gekauft bei der Kaufhalle Siegburg für damals 5,-DM.

    :saint: Das Bruch VC 1 wird hier in der genialen Aufnahme mit Francescatti / New Yorker PH / Thomas Schippers (CBS, 1962) gespielt - die meine ich !

    Ich kann keine Abb dieser DUETT-Doppel-CD finden (es ist nicht die blaue Doppel-CD von SONY Masterworks Heritage, denn dort sind nur Mono-Aufnahmen enthalten).

    Deshalb bilde ich hier die LP-Version ab:


    51eSJlj6Q1L.jpg

    CBS, 1962 (Bruch VC1) auf LP


    Ausser der von mir genannten DUETT-Doppel-CD scheint diese tolle Aufnahme des VC 1 offenbar gar nicht bei SONY/CBS auf CD erschienen zu sein - ein Riesenfehler der Plattenindustrie !?! Oder irre ich mich, dass es neben der von DUETT doch noch eine weitere CD-Ausgabe gibt ?

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    in der Tat, da habe ich etwas durcheinander gebracht, Bruch mit Tschaikowsky verwechselt:untertauch:. Das Alter macht sich doch immer wieder bemerkbar ….

    Ich vermute, daß Du diese Doppel-CD meinst, aus der Duet-Serie:

    s-l1600.jpg#

    Weil ich das Bild nicht kleiner hinkriege, will ich auf die Abbildung der Vorderseite verzichten. Bei eBay kann man sie jedenfalls kaufen, zu einem erträglichen Preis, aber für die Versandkosten will man 11 € haben! Das ist mir denn doch ein bißchen viel verlangt.


    Vielleicht gibt es sie eines Tages günstiger, denn Zino Francescatti ist einer meiner Lieblingsgeiger. Unvergessen ist seine Aufnahme des Beethoven-Konzerts mit Bruno Walter (CBS), eine der schönsten Versionen überhaupt.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Wieso ebay, hier beim Werbepartner....


    61qYlHFhMYL._SX300_.jpgKlick


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Unvergessen ein Konzert im wunderschönen Geraer Konzertsaal mit unserem Orchester (etwa 1994, Dir. Wolfgang Wappler) mit dem 1. Violinkonzert von Max Bruch.

    Solist: Igor Oistrach. Die Beifallsstürme waren endlos (ein Jahr vorher war er mit dem Beethoven-Konzert zu Gast), beide durfte ich erleben.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Danke für die Abb der DUET-Doppel-CD an nemorino und Fiesco für die Vorderseite mit der richtigen Kauf-Quelle.

    Das man zum Suchen "Great VC" eingeben muss, darauf war ich nicht gleich gekommen.


    =O Ich verstehe nicht, dass Sony oder vorher CBS diese Hammeraufnahme des Bruch-VC 1 nicht auch auf CD herausgebracht haben.

    Diese DUET-CD lässt ja optisch nicht gerade eine Referenzaufnahme erahnen. Der heutige Amazon-Direkt-Preis ist aber, gemessen an dem was geboten wird, angemessen hoch - aber gebraucht schon für einen Bruchteil ab 0,62€ zu haben ... da sage ich nur zugreifen (@ nemorino) und während des Hörens staunen !

    :angel: Besser habe ich diesen "Brüller" nie gehört ( und Mendelssohn und Dvorak; hier tatsächlich mit Ormandy und Stern, sind auch TOP).


    ----------------------


    Ich höre gerade die Bruch Sinfonie Nr.2 in der Aufnahme mit dem Wuppertal PO / Gernot Schmalfuss (MDG), die laut Josef tatsächlich sehr gut ist. Klangtechnisch im Forte etwas unpräzise (wenn die Pauken grollen), aber insgesamt dennoch gut. In den schnellen Sätzen 1. und 3 geht abwechlungsreich die Post ab, der 2.Satz Adagio ist etwas zu langatmig geraten ... na ja, die ganz grosse Sinfonik der Romantiker ist das nicht - aber insgesamt OK.


    MDG, 1999, DDD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • gebraucht schon für einen Bruchteil ab 0,62€ zu haben ... da sage ich nur zugreifen

    Lieber Wolfgang,


    ich bin um ein paar Minuten zu spät gekommen - als ich das Album aufrief, kostete es 8 € + Versandspesen. Da warte ich doch lieber, bis es wieder günstiger wird.


    Als "Ersatz" habe ich heute nachmittag diese CD gehört:

    41DFPKQ5KML.jpg

    David Oistrach (Violine) und das London Symphony Orchestra, Dirigent: Lovro von Matacic (Aufnahme: 11/1954, Abbey Road Studio No. 1, London, MONO).


    Oistrachs Tempi sind wesentlich getragener als die von Heifetz (und ich denke, daß auch Francescatti flotter ist), doch in einer alten Rezension wird sie nicht zu Unrecht als "die musikalischste" angepriesen, die von Heifetz als "die virutoseste". Die von Francescatti wird leider gar nicht genannt; ich vermute, daß sie zu diesem Zeitpunkt in Europa gar nicht erhältlich war.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).