Christian Thielemann - Hoffnungsträger der Tonträgerbranche?

  • Diese Nachricht finde ich sehr betrüblich. Armes Dresden. Die Berufung von Thielemann ist nach dem absolut mittelmässigen Luisi ein weiterer Grund, nicht mehr nach Dresden zu fahren.


    Dass ihn einige hier "charismatisch" finden, zeugt für mich eher von einer pervertierten Auffassung des Begriffs "charismatisch", als davon, daß er es tatsächlich ist. "Charismatisch" waren Stokowski, Munch, Reiner, Szell, E. & C. Kleiber, Furtwängler, Nikisch usw.


    Die Staatskapelle Dresden muß ja wirklich verzweifelt sein, daß sie Thielemann nun doch zum Chefdirigenten berufen hat - ich finde es eine Katastrophe.


    Nach Persönlichkeiten wie Reiner, Kempe, Blomstedt und Sinopoli an der Spitze dieses Orchesters steht nun ein aufgeblasener Karrierist, der eine "Spur der Verwüstung" hinter sich herzieht und musikalisch nichts außer Pfitzner, Wagner und R. Strauss zu bieten hat. Hat die Staatskapelle Dresden das wirklich nötig? Man kann nur hoffen, daß gute Gastdirigenten für interessante Konzerte und Operndirigate sorgen. Sonst versinkt Dresden wie der Rest Sachsens vollkommen im braunen Sumpf.


    Zum Glück gibts noch Leipzig, wo Riccardo Chailly als Gewandhauskapellmeister und Peter Konwitschny als Opernchefregisseur für interessante und alternative Akzente sorgen.



    A g o n

  • Lieber Agon ,


    ich kann Dir nur voll zustimmen .


    Heute stand es in der "FAZ" .


    Es kann kaum ein Zweifel bestehen , dass es Grosse der Zunft nicht mehr nach Dresden zieht .


    Auch Thielemann sollte seine Position im internationalen Geschäfz endlich überdenken .


    Gute Nacht !


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • ich glaube Ihr habt die Art wie das funktioniert nich nicht begriffen:
    Irgendjemand hat - wie auch hier:


    Zitat

    ...sonst versinkt Dresden wie der Rest Sachsens vollkommen im braunen Sumpf.


    Thielemann ins "rechte Eck" gerückt als er es wagte Pfitzner zu dirigieren (übrigens für die DGG, deren Besitzverhältnisse in bezug aufs "rechte Eck" über jeden Zweifel erhaben sind....)


    ..und auf einmal war er eine "interessante Person"


    Er muß erkannt haben, daß ihm dieser "schlechte Ruf" mehr nützt als schadet - und veranlasst - unbewusst oder bewusst - seine Gegner zu derartigen Aussagen - die ihrerseits das Interesse an seiner Person permanent steigern.


    Gut dirigieren mögen viele - aber es zu vermarkten - das ist die wahre Kunst.


    Zitat

    Es kann kaum ein Zweifel bestehen , dass es Grosse der Zunft nicht mehr nach Dresden zieht


    Es ist immer eine Frage WER, WAS und vor allem WARUM schreibt.


    ander sehen es eben anders:


    Prof. Dr. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer,
    Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst


    Zitat

    «Mit Christian Thielemann hat die Sächsische Staatskapelle Dresden einen Chefdirigenten gewonnen, der zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit gehört. Ganz persönlich hat mich in den Verhandlungen beeindruckt, wie sehr sich Christian Thielemann mit der Kultur- und Kunstgeschichte des Freistaates Sachsen und der Musikstadt Dresden identifiziert. Ich bin mir sicher, dass mit ihm ein weiteres erfolgreiches Kapitel in der über 460-jährigen Tradition der Staatskapelle aufgeschlagen wird.»


    weitere Zitate von Statements findet man im "Neuen Merker" aus Wien zu dem ich als fairen Partner von Tamino gerne verlinke:


    http://merker.kingbill.at/mod,topic/id_menuitem,9


    Bis etwa zur Seitenmitte scrollen.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert



  • Meine Aussage bezog sich weniger auf das Repertoire, als vor allem auf das moderne Selbstverständnis eines Dirigenten und dessen Umgang mit seinem Orchester. Es ist doch geradezu lächerlich, seinem Orchester zu verbieten, von einem Gastdirigenten Komponisten dirigieren zu lassen, die man selber dirigiert :no:

  • Zitat Wiesengrund:


    Zitat

    Es ist doch geradezu lächerlich, seinem Orchester zu verbieten, von einem Gastdirigenten Komponisten dirigieren zu lassen, die man selber dirigiert



    Es mag zunächst lächerlich klingen, aber dahinter steckt Methode: womöglich würde ein anderer Dirigent das gleiche Werk so interpretieren, dass den meisten Zuhörern die andere Interpretation mehr zusagt - und der Chefdirigent immer mehr in Kritik gerät...


    Von seinen Aufnahmen würde ich nicht eine mit "herausragend" betiteln.


    Weder die Aufnahmen von Wagners "Tristan", "Meistersinger" und "Parsifal" mit einem unklaren Orchesterklangbild, mit immer wieder zögerlich auftretenden Tempi - noch die Aufnahmen vom "Rosenkavalier" und der "Alpensinfonie" von Richard Strauss. Wenn man nur die ersten Takte seiner DVD-Aufnahme "Rosenkavalier" hört, dann gibt es gleich Ansatzpunkte für Kritik. Man vergleiche gleiche Stellen mit den Kleibers, Böhm, Solti, Bernstein! Thielemann gelingt es nicht, die Leichtigkeit herüberzubringen. Ansonsten wirkt auch hier sein Dirigat sehr verkrampft und es gelingt ihm überhaupt nicht ein Spannungsmoment aufzubauen. Alles plätschert so dahin. Mit seiner "Alpensinfonie" kann er letztlich auch keinen Blumentopf gewinnen. Hier wird sehr vordergründig-plakativ musiziert, wobei es ihm zwar hin und wieder gelingt einen Spannungsbogen zu erzeugen, aber nicht durchgängig. So wirkt alles fein sauber aneinandergereiht, jedoch blutleer und zu spannungsarm.
    Über Bruckners 5. als Einstand bei den Münchner Philharmonikern habe ich mich schon sehr oft kritisch geäußert. Das Einzige was unter Spannung an diesem Abend stand war Thielemann selbst. Dies kann man sehr deutlich im DVD-Mitschnitt erleben. Hier gelang es ihm schon mal gar nicht irgendeine Spannung aufkommen zu lassen. Alles klang sehr verzagt-zögerlich aneinandergereiht und dieser seltsame Nachklang nach dem Wackel-Schlussakkord geht schon gar nicht!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Wenn man der "Sächsischen Zeitung" vom 10.10. Glauben schenken darf, räumt Thielemann in seinem neuen Vertrag mit der Staatskapelle Dresden mit leichter Hand die Positionen, die er in München noch mit Zähnen und Klauen verteidigt hat:


    Zitat

    Am Freitag schlossen Thielemann und das Sächsische Kunstministerium eine Vorvereinbarung. Bis Mitte November soll der Vertrag unterschriftsreif sein. Dann will Thielemann seine Pläne präsentieren.


    So viel steht nach SZ-Informationen schon fest: Der derzeit wohl begehrteste deutsche Dirigent wird für Dresden Dinge möglich machen, die er andernorts verweigerte. So will er, obwohl ungern reisend, mit der Kapelle ausgedehnte Tourneen absolvieren.


    Er will ein weitaus größeres Repertoire als bisher dirigieren. Er wird finanzielle Abstriche akzeptieren, weil Staatsoper und -kapelle permanent unterfinanziert sind. Und er will starke Gastdirigenten zulassen und nicht in deren Programmwahl eingreifen. Über Letzteres hatte er sich mit seinem derzeitigen Arbeitgeber bei den Münchner Philharmonikern, der Stadt München, zerstritten.


    Quelle: "http://www.sz-online.de/Nachrichten/Kultur/Fuer_mich_erfuellt_sich_ein_Tra
    um/articleid-2284785"


    Honi soit qui mal y pense... :pfeif:


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • gab es in der letzten Woche in der SZ ein Interview mit Mariss Jansons,bekanntlich Chef des BR Orchester, in dem er auch seine Position zu Gastdirigenten darlegte und am Freitag (?) eine hymnische Rezension seines ersten Konzertes der neuen Saison in München.
    Und Kent Nagano ist ja auch in München beschäftigt.
    Es ist also nicht so, dass München künstlerisch ausblutet, wenn Thielemann weggeht.
    Insofern..... Reisende soll man ziehen lassen.
    Gruß S.

  • Die Staatskapelle Dresden hat mit dieser Verpflichtung schlichtweg ihr endgültiges künstlerisches Todesurteil unterschrieben.


    Was sie gebraucht hätte, wäre ein Chefdirigent gewesen, der ihr neue Impulse verliehen hätte. Jeder weiß, daß sie Wagner und R.Strauss im Schlaf spielen kann - da braucht sie keinen Thielemann, der ihr das beibringt.


    Nunja, hier hat eben mal wieder der Kommerz gesiegt...


    Mir geht jedenfalls dieser Thielemann-Typ am A.... vorbei, und das wird auch so bleiben.



    Herzliche Grüße von
    A g o n

  • Hallo !


    Also auch ich meine, daß man nicht schon Jahre vorher alles kaputt redet.


    Erst einmal abwarten und dann urteilen.


    :hello:



    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Chgristian Thielemann hatte immer seine genz persönliche Haltung zu allem und über alle . So liess er den schon verstorbenen Herbert v. Karajan als seine "Lehrer" in einem Interview im deutschen Fenrsehen fallen ( anders als etwa in derselben Sendung der bedeutendere Siji Ozawa dies tat ) .


    Thielemann , Alfred Schmidt wird sich an die heftigen Diskussionen in einem nicht mehr existierenden Forum der DGG / Universal über Thielemanns Bruckner noch erinnern , hat uns - jedenfalls mir - keine wirkliche bahnbrechende neue Interpretation eines einziges Werkes geboten ( darin Simon Rattle wenn auch auf andere Art nicht ganz unähnlich ) , die mich dazu bewegen würde , mir solch eine Aufnahme zu kaufen .


    Dass eine "Kunstministerin" aus dem hochsubventionierten Sachsen sich nun aufschwingt zu retten , wa s zu retten ist , ist eher typisch für die dortioge Kulturpolitik seit der "Wende" .
    Ob die Staatskapelle Dresden noch ihr Niveau bis etwa 1994 / 1995 hat , das sei hier einmal dahingestllt .


    Wie bescheiden war ein Herbert v. Karajan gegen die Forderungen Thielemanns ( in München ) gewesen !


    Dresden ist schon seit Luisi keine Reise mehr wert - jedenfalls in Sachen Musik . Da kann man besser vorher in Leipzig anhalten , um Riccardo Chailly zu hören !


    Das lohnt sich !


    Einen schönen Sonntag ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Original von Agon
    Sonst versinkt Dresden wie der Rest Sachsens vollkommen im braunen Sumpf.


    A g o n


    Was soll das denn? Ich dachte, dieses Niveau wäre überwunden. Man kann ja Dirigenten mögen oder nicht mögen, sollte doch aber sachlich bleiben. Ich verstehe z.B. auch nicht, warum ein für mich völlig überbewerteter Sir Simon Rattle eine Lebensstellung bei den Berliner Philharmonikern hat. Aber vielleicht kann es mir jemand erklären. Nun soll also Christian Thielemann Chef der Dresdner Staatskapelle werden, warum eigentlich nicht? Bisher ist er vor allem durch diskutable Aufführungen von Werken (incl. Opern) der Spätromantik aufgefallen. Ende des nächsten Jahres wird er in Berlin ein Gastspiel mit den Wiener Philharmonikern und allen Beethoven-Sinfonien geben. Darauf bin ich sehr gespannt. Thielemann bestreitet gar nicht, dass z.B. Mozart "nicht so sehr sein Fach" ist. Dafür kann sich Dresden ja geeignete Gastdirigenten einladen, die das gut können. Auch Karajan war kein begnadeter Mozart-Interpret, hat dies aber im Unterschied zu Thielemann selbst nicht so gesehen. Immerhin war die Dresdner Staatskapelle in der Geschichte ein bevorzugter Klangkörper von Komponisten wie Richard Wagner und Richard Strauss, und dafür ist Thielemann ja sehr geeignet.


    Bedeutend ist ein Dirigent, wenn über ihn geredet wird, ob so oder so! Viele Dirigenten aus der zweiten und dritten Reihe würden sich das wünschen.


    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Dieses "Niveau" wird in Zusammenhang mit Thielemann nie überwunden sein, weil es einen wesentlichen Teil seiner Identität ausmacht.


    Und was seine ach-so-tollen Richard Strauss-Aufführungen angeht, hier zur Klarstellung zwei Besprechungen von Alpensinfonie und Heldenleben von David Hurwitz:


    http://classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=3275


    http://classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=6973


    Soviel zum Thema, wie Thielemann "international" ankommt.


    Daß er in Wien geliebt wird, wundert mich übrigens überhaupt nicht - dort hat man für stramme Deutsche doch schon immer ein Herz gehabt.

  • Zitat

    Original von timmiju
    Bedeutend ist ein Dirigent, wenn über ihn geredet wird, ob so oder so! Viele Dirigenten aus der zweiten und dritten Reihe würden sich das wünschen.


    Na ja, diese Definition umschreibt doch eher den Begriff "prominent". Ansonsten müsste man Justus Frantz auch als bedeutenden Dirigenten bezeichnen.

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Ich glaube es geht hier nicht um "künstlerische Fragen" sondern - einmal mehr - um weltanschauliche.


    Ich glaube nicht, daß Dresden (in gewisser Weise Wien sehr ähnlich) auf "neue Impulse" erpicht wäre - Kontinuität - und die Aufrechterhaltung alter Sichtweisen und Strukturen - das ist das Ziel.


    Selbstverständlich will ein Chefdirigent (in Wien gibt es deshalb diese Position erst gar nicht) sich nicht Konkurrenz im eigenen Hoheitsgebiet schaffen, sondern seine eigene Position ausbauen.


    ich weiß, das ist heute im Zeitalter der Internationalisierung, der Reisen etc nicht mehr üblich - aber genau deshalb sind die heutigen Dirigenten so leicht austauschbar und ersetzbar. Nagano, Janssons, Rattle für welches musikalische Weltbild stehen die ? Ehrlich gesagt - ich weiß es nicht - und es interessiert mich auch nicht. Das einzige was mir erinnerlich ist, ist , daß Rattle drauf und dran ist die Reputation der Berliner Philharmoniker als deutsches Orchester zu zerstören ein Ruf den Furtwängler und Karajan zu erhalten versuchten.....


    Auch Thileman wird vermutlich versuchen die Internationalisierung "seines" Orchester tu verhindern oder zumindest zu verlansamen. Der Zeitgeist ist hier auf seiner Seite - ob das reicht - die Zukunft wird es weisen.


    Ich könnte mir unter Thielemann folgende s Repertoire vorstellen:


    Wagner, Bruckner, Pfitzner, R. Strauß, Beethoven, Weber., Brahms, allenfalls auch Schubert.


    Mozart wird vermutlich nicht so seine Sache sein - aber das regelt man dann geziehlt mit Gastdirigenten, die einem nicht ins Gehege kommen.


    Zitat

    Auch Karajan war kein begnadeter Mozart-Interpret, hat dies aber im Unterschied zu Thielemann selbst nicht so gesehen


    Mit dieser Aussage wäre ich vorsichtig:
    Karajan hat selbstverständlich einen passablen - wenn auch nicht idealren Mozart dirigiert, wobei ihm Opern mehr lagen als orchestrales.
    Er war sich aber zu jeder Sekunde bewusst, daß er mit Karl Böhm in Sachen Mozart nicht konkurrieren kann - und hat diesem in diesem Bereich das Feld überlassen - sehr zu aller Nutzen.


    Auf jeden Fall ist Thielemann -ob man ihn nun mag oder nicht - ein interessanter Dirigent , wie der Verlauf dieses Threads eindeutig anzeigt.



    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Lieber Alfred ,


    wessen Nachfolge sollte Thielemann in Dresden (!) den antreten ? Sinopolis wohl kaum . Die der grossen Maestri vor Sinopoli wohl auch nicht . Dresden hatte grosse Gastdirigenten ( etwa Seiji Ozawa mit u.a. Beethoven und R. Strauss ; Sir Colin Davis , der dort mehr als nur hochgeachtet worden ist ) .


    Thielemann ist , ja nicht mehr neu im Geschäft , eher durch ein schmales Repertoire aufgefallen . Und hier , finde ich , ist er nicht aus wletanschaulichen Gründen aufgefallen , sondern eher durch künstlerische Gründe doch nicht so weit nach oben gekommen , wie er dies seitenlang dem geneigten Lesebublikum zu erklären versucht hat .


    Absolute Zustimmung meinerseits : Rattle war in der damaligen Situation wahrscheinlich ein eher diplomatischer Kompromiss in der Personalpoltik als in Sachen künstlerische Gestaltungskraft . Da wäre Riccardo Muti deutlich die bessere und sinnvollere Wahl gewesen . Die interessanten Leistungen hat Rattle sicherlich in Birmingsham vollbracht .


    Karajan , wir hatten hier im Forum die Diskussion nicht nur einmal , war in den Mozart-Opern sicherlich ein zumindest seinen frühen Jahren bei EMI überzeugender Dirigent . Weniger bei den Symphonien ( da gab es sicherlich bedeutendere wie Bruno Walter , Krips , Karl Böhm oder Erich Leinsdorf ) .


    Die Staatskapelle Dreden auf vor allem Werke von R. Wagner und R. Strauss zu reduzieren mit ein wenig "Garnitur" halte ich nach einigen Jahren Hörerlebnissen mit der Staatskapelle Dresden für viel zu eng gesehen .



    War Thielemann , ein sicherlich eloquenter Gesprächspartner in den Medien , vielleicht der einzige Dirigent von Bekanntheitsgrad , der nach Dreden wollte ?


    Wer weiss schon , was die Politik so alles enmal mehr gewollt hat oder eben verhindern wollte ?



    Beste Grüsse ,


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Eine derart scharf geführte Diskussion hatten wir zuletzt bei Karajan – und sie beweist letztlich doch nur, daß Thielemann in aller Munde ist.


    Wieso sollte es so schlecht sein, wenn nach einem mäßigen Dirigenten endlich wieder ein international gefragter Star-Dirigent nach Dresden kommt?


    Bereits seine Gastkonzerte für den erkranktem Luisi vor kurzem bewiesen, daß Thielemann hier sehr gut ankommt: die Konzerte waren restlos ausverkauft, Einlaß an der Abendkasse nahezu unmöglich (ich war ja selbst dort), es bildeten sich ganze Menschentrauben vor der Oper. Es sprach sich relativ spät herum, daß statt dem langweiligen Luisi-Programm Thielemann kurzfristig eingesprungen wäre, noch dazu mit Bruckners VIII. Symphonie, so daß viele Dresdner eben noch an der Abendkasse ihr Glück versuchten.


    Und natürlich wird sich die Berufung eines solch bekannten Dirigenten positiv auswirken, was die Besucherzahlen angeht. Viele Opern- und Konzertbesucher gehen eben gerade wegen Thielemann hin. Die Münchner Philharmoniker werden sich jedenfalls anschauen. Daß sie am Ende ihren offensichtlichen Fehler erkannten und Thielemann halten wollten, beweist das doch nur.


    Und bitte: Wenn dann immer diese politischen Keulen geschwungen werden, zeigt dies doch letztlich auch nur, daß es an objektiven Argumenten fehlt. Das scheint in diesem Lande gang und gäbe zu sein, wie man derzeit auch in Berlin sehen kann.


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt...
    Das einzige was mir erinnerlich ist, ist , daß Rattle drauf und dran ist die Reputation der Berliner Philharmoniker als deutsches Orchester zu zerstören. Ein Ruf, den Furtwängler und Karajan zu erhalten versuchten.....
    ...


    Nein, nein, dazu brauchen sie Rattle nicht, das machen sie schon selber. Ich erinnere mich an ein Interview mit einem Vorstand der Berliner Philharmoniker, in dem er erzählte, dass nach der Neuorganisation des Orchesters nach Karajans Tod auch das Aufnahmeverfahren geändert wurde. Ab 1990 werden ungeachtet ihrer Herkunft immer die größten Könner bei den Vorspielen ausgewählt. Er meint, dass das Orchester heute spieltechnisch auf einem derart hohen Niveau steht, dass es absolut alles spielen kann (sehr interessant aber auch, dass er einräumte, dass das Ensemblespiel möglicherweise etwas an Qualität verloren haben könne, ein Punkt, in dem seiner Meinung nach die Wiener eine ihrer Stärken besitzen, die jedoch Gefahr laufen, in Punkto Virtuosität aus dem kleinen Kreis der absoluten Spitzenorchester herauszufallen!). Und wenn man sich die Besetzungsliste des Orchesters anschaut, erkennt man leicht, dass bereits jetzt mehr als 20% der Musiker ihrem Namen nach ganz offensichtlich weit von der Spree entfernt geboren wurden. Da fragt man sich natürlich, ob da nicht ganz bewusst auf eine Weiterführung einer "Deutschen" Orchestertradition im überkommenen Sinn verzichtet wurde.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Da fragt man sich natürlich, ob da nicht ganz bewusst auf eine Weiterführung einer "Deutschen" Orchestertradition im überkommenen Sinn verzichtet wurde.


    Aber natürlich ist das Absicht - daran kann kein Zweifel bestehen.


    Die Frage ist nur wer da an den Fäden zieht und WARUM.


    Man sieht ja, daß die Dresner, die offensichtlich auf die Betonung ihre nationalen Identität mehr Wert legen als auf ein "internationales " Image - schon jetzt von allen Seiten angegriffen werden


    Persönlich will ich icht, daß "meine" Wiener Philharmoniker einen "internationalen" Klang bekommen.
    Schon vor dreissig Jahren ssagte ein Wiener Philharmoniker zu mir: "Die amerikanischen Orchester spielen viel präziser als wir - aber bei uns klingts halt besser..."


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Das heutige Interview zwischen der FAZ ( Julia Spinola ) und Thielemann ergibt nun gar nichts an künstlerischen Hinweisen !


    Aber es sagt sehr viel über Thielemanns Anliegen Honorare . Diese sind sicherlich in Deutschland im dem finanziellen Jetztzustand nicht akzeptabel .


    Thielemann ( FAZ von heute ) erschöpft sich halt in s e i n e m Wagner und Bruckner . Alles andere ist doch eher wenig ernst zu nehmendes Beiwerk ( Angeblich will er Verdi schon immer dirigieren . Warum hat er es nicht getan ??? )


    Wenig glaubwürdig , der in Berlin geborene Dirigent . Star ???


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Persönlich will ich icht, daß "meine" Wiener Philharmoniker einen "internationalen" Klang bekommen. Schon vor dreissig Jahren ssagte ein Wiener Philharmoniker zu mir: "Die amerikanischen Orchester spielen viel präziser als wir - aber bei uns klingts halt besser..."


    Irgendwie muss Kleingeistigkeit ja gerechtfertigt werden. Vor allem von einem Orchester, dass - nach Aussage Bernsteins- noch Anfang der 70er Jahre intellektuell kaum in der Lage war Mahler zu spielen..

  • Ich kann nur hoffen, daß Thielemann in Dresden spätestens nach ein paar Jahren wieder abserviert wird (wenn er nicht typischerweise selber hinschmeißt) und daß dann ein junger und unbekannter Dirigent an seine Stelle tritt. Der wird dann allerhand zu tun haben, das Orchester wieder auf Vordermann zu bringen nachdem Thielemann es künstlerisch-ethisch hat verwahrlosen lassen.


    Natürlich werden jetzt noch mehr Touristen in die Semperoper strömen, aber mit diesem Argument hätten sie auch Barenboim, Rattle etc. verpflichten können. Mit künstlerischer Qualität hat das Alles nichts zu tun.


    Gute Nacht Dresden!


    :no:

  • Aber er hat Puccini Fanculla an der DOB dirigiert.
    Und das war sehr schlecht.Im ital Fach hat er sehr grosse Schwierigkeiten.
    (Barenboim auch).Er soll auch mit mässigem Erfolg einen Otello dirigiert haben.
    Das sind meine Erfahrungen.


    Rita

  • Zitat

    Irgendwie muss Kleingeistigkeit ja gerechtfertigt werden. Vor allem von einem Orchester, dass - nach Aussage Bernsteins- noch Anfang der 70er Jahre intellektuell kaum in der Lage war Mahler zu spielen..


    Nein - sie WOLLten ihn NICHT spielen.
    Ich kann leider nicht wiedergeben was meine Lehrer noch in den späten 60er Jahren über Gustav Mahler sagten.


    Allgemein gesagt - es herrschte damals in Wien noch immer eine gewisse Ablehnung gegen ihn - ob das heute noch so ist vermag ich nicht zu sagen und ich würde mich auch hüten.


    Letzlich haben Bernstein und das Orchester - aus welchen Gründen immer - einander Sympathie vorgeheuchelt - ich kann mir nicht vorstellen, daß er gewagt hätte so eine Behauptung wie die oben genannte in Wien öffentlich zu sagen. Die Wiener Philharmoniker konnten sich ihre Dirigenten stets aussuchen..........und Bernstein hätte es nicht "überlebt"......


    Btw. Sie haben zu Thielemann das beste Verhältnis.



    Aber wir kommen immer mehr vom eigentlichen Thema ab, das da heißt: Hoffnungsträger der Tonträgerbranche ?


    Und ich würde heute - 5 Jahre nach Start dieses übrigens sehr gut frequentierten Threads sagen: NEIN


    Es gibt zwar einige sehr gute Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern - aber einige seiner CDs (z.B. Beethovens Sinfonien 5 und 7 mit dem Philharmonia Orchestra)scheinen bereits gestrichen zu sein -die Anzahl der Neuaufnahmen mit den Münchenern hält sich in Grenzen. Von erfüllten Hoffnungen im Gebiet der Tonträger kann eigentlich nicht gesprochen werden.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Aber wir kommen immer mehr vom eigentlichen Thema ab, das da heißt: Hoffnungsträger der Tonträgerbranche ?


    Und ich würde heute - 5 Jahre nach Start dieses übrigens sehr gut frequentierten Threads sagen: NEIN


    Es gibt zwar einige sehr gute Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern - aber einige seiner CDs (z.B. Beethovens Sinfonien 5 und 7 mit dem Philharmonia Orchestra)scheinen bereits gestrichen zu sein -die Anzahl der Neuaufnahmen mit den Münchenern hält sich in Grenzen. Von erfüllten Hoffnungen im Gebiet der Tonträger kann eigentlich nicht gesprochen werden.


    Da stimme ich zu. Bisher ist Thielemann nicht wirklich ein Hoffnungsträger der Tonträgerbranche. Aber das kann sich ja noch ändern. Vermutlich werden mit der Staatskapelle etliche Aufnahmen erscheinen, ob nun Studio oder live. In Bälde auch der 2008er "Ring" aus Bayreuth mit ihm.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Aber wir kommen immer mehr vom eigentlichen Thema ab, das da heißt: Hoffnungsträger der Tonträgerbranche ?


    Und ich würde heute - 5 Jahre nach Start dieses übrigens sehr gut frequentierten Threads sagen: NEIN


    Dazu müsste er auch fleissiger sein. Er behauptet ja selbst von sich, seine Freizeit zu schätzen und diese auch Tourneen u.ä. vorzuziehen.


    Die wenigen Aufzeichnungen mit ihm, die ich gehört habe, fand ich durchweg ansprechend (diese Vokabel nun gemessen daran, dass ich mich nicht intensiv hineinvertieft habe). Den Bayreuther Ring 2007 zähle ich dazu, Wagner mit den Wienern und Schumann und Beethoven, die letzten mit der Phiharmonie Essen.


    Kein Grund, derart auf ihn einzudreschen. Und Gesinnungsfragen, so lediglich über die Medien und kenntnisarmes Forengezwitscher (ich kann mich an die entsprechende Causa aus dem Jahre 2001 durchaus noch erinnern) im Stile der stillen Post, sollten hier auch keine Rolle spielen.


    Zu den Wienern: das Beharren auf einem Individualklang - so das heute noch der Fall ist - finde ich eher positiv; das Kleingeistige daran kann ich nun wirklich nicht erkennen.


    Was ich aber - und das als jemand, der selber zumeist ältere Aufnahmen hört - nicht verstehe ist dies: Warum um alles in der Welt lebende Musiker dauernd mit solchen verglichen werden müssen, die mausetot sind. Karjan, Böhm, Furtwängler das war mal (und freut bestenfalls die Plattenfirmen, die an den ständigen Wiederveröffentlichungen mehr verdienen als an verdienstvollen Neuproduktionen).


    Kein Verständnis an dieser Stelle. Und über Thielemann in Dresden sollte man dann urteilen, wenn er dort ein, zwei Saison hinter sich hat. Mir ist alledings jetzt schon klar: die Vorverurteiler habe ihre Kritik bereits jetzt schon geschrieben.


    Es grüßt der Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Thomas Pape


    Kein Grund, derart auf ihn einzudreschen.


    In der Tat! Man könnte ja in diesem Thread beinahe den Eindruck gewinnen, dass Thielemann der Teufel persönlich wäre. ;-)


    Dabei ist er doch mit den Münchern, soweit ich das aus der Ferne mitbekomme, künstlerisch durchaus angemessen erfolgreich. Wenn man das mal mit seinem Vorgänger vergleicht...
    Die Quantität seiner Einspielungen lässt dennoch etwas zu wünschen übrig.

  • Für manche ist Thielemann auch der Teufel. Sie scheinen es tagtäglich wiederholen zu müssen. Ich mag auch einige Dirigenten nicht, aber ich schreibe in den entsprechenden Threads dann eben auch kaum – oder zumindest nicht ständig so eine Rundum-Kritik. Die Wirkung wird nämlich nicht stärker, nein: vielmehr verpufft sie mit der Zeit. :pfeif:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Die Wirkung wird nämlich nicht stärker, nein: vielmehr verpufft sie mit der Zeit.


    Hier bin ich anderer Meinung:
    Die Wirkung verkehrt sich ins Gegenteil !!!
    Man vergleiche beispielsweise die Besucherfrequenz von Bernstein- mit Thielemann Threads - vobei Bernstein ja theoretisch - so sagt man den Bonus der verstorbenen Künstler für sich in Anspruch nehmen könnte.


    Aber Thielemann wurde nicht zuletzt durch seine Gegner ins Rampenlicht gestellt indem man ihn immer wieder diffamiert hat - in der Hoffnung seiner Karriere damit schaden zu können, was von einer ausgeprägten Realitätsferne in bezug auf die Einschätzung der Lage zeugt.


    Man verfolgt die Pläne von Herrn Thielemann, veröffentlicht jedes Wort, das er gesprochen hat - und macht ihn auf diese Weise bekannter als er ohnedies schon ist. Daß er zudem ein gewisses ausgewähltes Repertoire noch hervorragend dirigiert ist ganz nett - aber nicht eigentlich von essentieller Bedeutung


    Er weiß, was man von ihm erwartet - und enttäuscht seine "feindliche Fangeminde" nicht. Jedes Wort ist genau kalkuliert, und er erzeugt immer genau jenen Effekt den er anstrebt - genau wie beim Dirigieren der von ihm bevorzugten Werke.


    Ich bin gespannt wie seine Karriere in Zukunft verlaufen wird. Denn wie immer man ihn einstuft: Eine der interessantesten Dirigentenpersönlichkeiten Deutschlands ist er alllemal.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Für alle, die es interessieren sollte: auf der Webseite von BR4 Klassik sind erstmals persönliche Interviews der Beteiligten zu hören:
    Christian Thielemann - Kulturreferent Hans-Georg Küppers aus München - Direktor Jan Nast aus Dresden


    "http://www.br-online.de/br-klassik/klassik-news-thielemann-kueppers-ID1255330171372.xml"


    M.E. mehr und/ oder weniger interessant. Ein jeder möchte bitte seine Schlüsse ziehen.


    Beste Grüße aus München, heute morgen mit dem ersten leichten Schnee (vielleicht ist dies ja die interessanteste Meldung)
    Thomas

  • Lassen wir doch ohne Neid und Wehmut Thielemann den Dresdnern. Auch dort - so prognostiere ich - wird es neben glanzvollen Aufführungen bald Probleme geben, egal wie gut das Orchester und flexibel die Leitung und der Magistrat ist. Echte oder vermeintliche Genies sind häufig schwierig und das ist halt bei Thielemann ebenfalls so.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!